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Der 41. Landammann von Uri (Amtsperioden 74, 79 und 85) - Jakob Arnold von Spiringen II.

Jakob Arnold von Spiringen II., zu Altdorf, Landammann 1549—51- 1559—61 und 1569—71; † 1579; Sohn des Heinrich und der Anna Fries. Sein Vater verpflanzte eine Linie der „Arnold von Spiringen" nach Altdorf, welche zahlreiche Äste trieb, die aber alle gegen Ende des 18. Jahrhunderts eingingen.

Jakob A. war vorerst Landschreiber, sodann Landvogt in den freien Ämtern 1540—42; Statthalter 1544—49, geheimer oder Kriegsrat seit 21. Oktober 1554; vertrat seinen Heimatkanton von 1544 bis 1578 als Tagsatzungsbote. Er ist von 1556—58 Kirchenvogt und seit 1564 Spitalrat zu Altdorf.

Die Tagsatzung bezeichnete ihn als Schiedsrichter 1557 zur Schlichtung der Anstände betreffend Twingrecht in Ermensee und 1561 zwischen Bern und Sa- voyen. Arnold war einer der Vermittler 1570 zwischen der Stadt Luzern und dem Amte Rothenburg. Von den katholischen Orten wurde er 1565 als Gesandter an Papst Pius IV. gewählt zum Abschlüsse eines Bündnisses, und im September 1578 vertrat derselbe Uri in Turin beim feierlichen Bundesschwur der 7 katholischen Orte mit Savoyen. 1571 brachte Jakob Arnold der Tagsatzung das Verlangen vor um Erhöhung des Gotthardwegzolles, weil Uri bei Airolo, am Plattifer und bei Giornico die Strasse verlegt und neue steinerne Brücken gebaut habe mit einer Abkürzung des Weges um drei Stunden.

An der Landsgemeinde vom 2. Mai 1578 trat alt Landammann Jakob Arnold als Fürsprech von Landammann Peter Apro auf und eröffnete dem Volke dessen hochherzige Stiftung.

Gattin: Barbara Dürler, Tochter des Landammann Ulrich und der Anna Müessli. Die Jahrzeitbûcher von Altdorf, Spiringen, Schattdorf und Silenen gedenken des Ehepaares. Jakob Arnold war 1568 noch im Besitze des Stammgutes „im Tal" zu Spiringen.

Eine Gült der Kapelle Riederthal in Bürglen vom 5. Juni 1569 ab Zeffelhof- statt in Bürglen trägt die hier wiedergegebene Besiegelung (Siegel-Abb. No. 71). Das Siegel hat 32 mm Durchmesser; auf fliegendem Band in 3⅟2 bis 4 mm hohen Minuskeln die Inschrift ,,s. iacob arnolt". Das Wappen im Schild von 16 x 16 mm zeigt einen Kriegsmann mit Hellebarde in der Rechten, beseitet von den Initialen „i" und „a".

Quelle:  
Arnold von Spiringen, Landammann Jakob (I17075)
 
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Der 42. Landammann von Uri (Amtsperioden 75 und 80) - Kaspar Imhof

Kaspar Imhof, genannt der „Jüngere", in Altdorf, Landammann 1551—53 und 1561—62, ✟ am 19. März 1562 im Amte; Sohn des bei Marignano gefallenen Landammann Walter I., und der Barbara Christen, geb. 31. Dezember 1513.

Er wohnte im „Blumenfeld" zu Altdorf, wonach sich diese Linie „Imhof von Blumenfeld" benennt.

Kaspar I. nahm im Alter von 16 Jahren als Leutenant Dienst in der päpstlichen Armee, heiratete 1534 Anna Gisler, Tochter des Landvogt Kaspar, die er schon innert Jahresfrist verlor, und führte 1537 Dorothea Hasfurter von Luzern zum Traualtar, welche ihm 16 Kinder schenkte. Nach ihrem Ableben nahm Imhof 1554.

Regula Murer, Tochter des Obervogts zu Klingnau, zur Ehefrau, welche ihm einen Sohn gebar. Sie überlebte ihren Ehegemahl und reichte hernach ihre Hand dem Landschreiber Magnus Bessler, welcher Ehe der nachmalige Landammann Emanuel Bessler entspross. Imhof „war schwarzhärig, gerader und langer Statur, aber nit feist, hatte gar ein schnellen Gang, trunckhe kein Wein, war französischer Fraktion, doch ohne Nachteil seines Vaterlandes."

Im Jahr 1540 ward Imhof Landvogt zu Lugano, von 1543 bis 1562 Tagsatzungsgesandter, 1549—1551 Landesstatthalter.
Kaiser Ferdinand II. bestätigte am 26. April 1559 seinen Adelsbrief.
Im sogenannten „Glarnerhandel" war Imhof Zusätzer. 1559 reist er mit Magnus Bessler nach Rom um das Frauenkloster Seedorf zu rekonstituieren.

Wappen: Als Variante mag noch vermerkt werden, dass Heinrich Imhof, Landvogt im Rheintal, ein Kreuz führte, dessen vier Arme sich, ausgehend von einem runden Mittelkreis, gegen die vier Schildseiten verbreiterten, ähnlich einem Ordenskreuz.

Wir entnehmen die Abbildung des Siegelabdruckes von 3 cm Durchmesser dem Ehevertrag vom 12. Oktober 1554 mit Regula Murer, von Zürich (Staatsarchiv Zürich). Um den Wappenschild von 14 X 14 mm, mit dem Schaufelkreuz, schwingt sich ein 5 mm breites Schriftband, worauf in 3 mm hohen Majuskeln : ,,S. CASPAR • I M • HOF •" (Siegel-Abb. No. 72).

Quelle:  
Imhof von Blumenfeld, Landammann Kaspar (Caspar) der Jüngere (I5261)
 
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Der 43. Landammann von Uri (Amtsperioden 82 und 86) - Heinrich Albrecht

Heinrich Albrecht, in Schattdorf, Landammann 1563—65 und 1571—73; Sohn des Landammann Peter Albrecht und der Margretha Zgraggen; | *1574.

Wappen: Wie bei No. 33 beschrieben. (in Rot gelbe Hausmarke (Kreuz mit Winkel darüber). Auch die Sammlung Karl Franz Schmid weist dieselben Tinkturen auf.)

Ehefrauen: 1. Anna in der Matt; 2. Elisabeth Furrer, von Erstfeld, Tochter
des Andreas und der Barbara Brücker. Zwei Töchter heirateten Landammänner, nämlich Apollonia den Melchior Megnet, und Magdalena den Obersten Sebastian Heinrich Kuon.

Albrecht gehörte frühzeitig dem Landrate an und seit 1554 dem Kriegsrate; 1544 bis 1547 amtierte er als Landvogt in Lifenen, und war von 1561 bis 1573 T agsatzungsbote.

In seiner Regierungszeit als Landammann nahm die Kornpflanzung in Uri wieder neuen Aufschwung, zu welchem Zwecke der Rat Kornsamen austeilen liess.

Am 9. November 1571 besiegelte Landammann Heinrich Albrecht eine Gült, der Kirche Schattdorf gehörend; der beschädigte Siegelabdruck hat 2,8 cm Durchmesser, mit ähnlicher Anordnung wie bei No. 33. Der Wappenschild von 13 X 12 bis 13 mm ist umrahmt vom Schriftband mit der Inschrift in Minuskeln „heinrich albrecht".

Quelle:  
Albrecht, Landammann Heinrich (I10438)
 
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Der 44. Landammann von Uri (Amtsperioden 83, 87 und 91) - Jost Dietrich Schmid

Jost Dietrich Schmid, in Altdorf, genannt der Grosse, Landammann 1565—67, 1573—75 und 1581—82; geb. 1523 als Sohn des zu Bicocca 1522 gefallenen Hauptmann und Landschreiber Jost Schmid und der Barbara Christen, von Ursern, f 28. Juni 1582.

Wappen: geviertet: 1 und 4 in Blau goldene Lilie, 2 und 3 in Gold aufrechtschreitender schwarzer Bär.

Jost Schmid ward am 29. Dezember 1534 an der Universität Freiburg i. B. immatrikuliert und begann seine öffentliche Laufbahn in französischen Diensten;
heimgekehrt, war er Landrat, Dorf- und Kirchenvogt von Altdorf 1559—1561, Landvogt im Thurgau 1550—1552, Landesstatthalter 1562—65 und vertrat Uri von 1566 bis 1581 als Tagsatzungsgesandter. Als eidgenössischer Gesandter an Kaiser Karl V. auf den Reichstag nach Augsburg zur Bestätigung der Freiheiten, erlangte er für sich und seine Nachkommen am 17. August 1550 einen Adelsbrief. Schmid war Schiedsrichter zwischen dem Stift St. Gallen und den regierenden Orten im Thurgau 1564, Gesandter zur Beschwörung des Bündnisses der Eidgenossen mit Karl IX. von Frankreich 1565, eidg. Gesandter an den Kaiser Maximilian II. und den Reichstag zu Augsburg 1566, söhnte 1570 die Stadt Luzern mit den Rothenburgern
aus und erhielt 1578 das Bürgerrecht von Luzern geschenkt; Jost empfing 1573 auch das ausländische Bürgerrecht im Hochgericht Disentis. Bei Frankreich und Savoyen stand er in hoher Gunst und bezog grosse Pensionen; es ist somit leicht erklärlich, wenn von ihm gesagt wurde, er sei der reichste Mann in Uri. Immerhin war Jost Schmid ein in kantonalen wie eidgenössischen Fragen sehr angesehener, einflussreicher Staatsmann.

In 1. Ehe heiratete er Euphemia von Erlach; im Landesmuseum ist eine Allianzwappenscheibe „Jost Schmid und Vemia vo Erlach 1545". Aus der 2. Ehe mit Anna Zollikofer von Altenklingen entsprossen 5 Kinder, und der 3. Ehe mit Elisabetha Mutschlin von Bremgarten acht Kinder. Landammann Jost Dietrich Schmid erbaute das grosse Haus (heute Lusser'sches) am südlichen Dorfeingang in Altdorf 1560.

Im historischen Museum in Altdorf befindet sich ein koloriertes Bild von Suter, dieses ersten Landammann aus dem Geschlechte der „Schmid von Uri". Das Allianzwappen Schmid-Erlach mit St. Jost-Bild auf einem Glasgemälde zu Einigen, ist besprochen von E. A. Stückelberg (ZSK. IX, p. 174).

Bisher konnte ich einzig zwei verschiedene Siegel feststellen, welche Jost Schmid führte, nämlich:

A) Rundsiegel in Durchmesser-Grössen von 3 und 3,4 cm, mit dem vierteiligen Wappen — 1 und 4 Lilie, 2 und 3 Bär, und dem Bär als Helmzierde — und Umschrift in 2 mm hohen Majuskeln: * S *IOST * SCHMID * ". (Siegel-Abb. No. 86.)

B) Ovalsiegel von 2 cm Höhe und 18 mm Breite; Wappenschild von 8x9 + 9 mm, mit Wappen und Helmzier, wie unter A), beseitet von den zwei Initialen ffl SA4" (Siegel-Abb. No. 87.)

Das Vorkommen des Letztern konnte ich bisher einzig an dem Schreiben vom 24. November 1567 betr. des Scherers von Sins (Staatsarchiv Luzern, Forderungs- sachen/Uri) konstatieren.

Unter den vielen Urkunden mit heute noch guterhaltenen Abdrucken des Siegels A) seien nur einige wenige angeführt und zwar: a) in Wachsschüssel: am Ehevertrag zwischen Landammann Kaspar Imhof und Regula Murer, vom 12. Oktober 1554 (St. A. Zürich C. V. 3/15); an dem Rechtsspruch gegen Hans Rägger von Büwyl, von 1555 (Stiftsarchiv St. Gallen: Wuppenau No. 18); b) in Holzkapsel: Gült vom 7. Januar 1567 (St. A. Uri), an Gült über 100 Gl. ab Ennermatt zu Brügg vom 3. November 1565 (Kirche-Bürglen) ; c) auf Papierurkunden: Gerichtsurteil
vom 23. Februar 1582 (Pfarrarchiv Spiringen) und Urteil vom 13. Februar 1567 wegen des Holzzuges des Werni Jauch beim Leitschach (Gem. Archiv Erstfeld).

Quelle:  
Schmid von Uri, Landammann & Ritter Jost Dietrich der Grosse (I7750)
 
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Der 45. Landammann von Uri (Amtsperioden 84 und 88) - Peter von Pro

Peter von Pro, in Seedorf, Landammann 1567—99 und 1585—86, Sohn des Landvogt und Seckelmeister Jakob und der Adelheid im Ebnet, † 19. November 1585.

Die höhere Bildung holte sich Peter Apro auf der Universität Freiburg, wo er 1535 immatrikuliert ward, und begann die Ämterlaufbahn 1541 als Landschreiber von Lugano; 1554 wurde er Landesfürsprecher und Vogt des Klosters Seedorf, kgl. Kammerherr in Frankreich; 1555 Oberster Hauptmann des ehemaligen Regimentes Hug, nun Apro, in franz. Diensten tat er sich im Feldzug in Piémont hervor, nahm 1562 teil an der Schlacht zu Dreux, 1567 zu St. Denis und 1569 in den Treffen zu Farnac und Moncontour.

Peter von Pro oder Apro trat 1564 in die Regierung seines Heimatkantons, rückte schon 1565 zum Statthalter vor, seit 1568 auch Landeshauptmann; Tagsatzungsgesandter 1564—1585. Er war ein trefflicher Staatsmann, hervorragender Feldherr und grosser Wohltäter seiner Heimat (Fideikommisstiftung Apro).

Gattin: Dorothea Zumbrunnen, Tochter des Landammann Mansuetus und der Barbara Aschwanden.

Als äusseres Wahrzeichen seines Reichtums und Ansehens schuf Jakob Apro 1556—58 das Weiherschloss in Seedorf, eine reizende Schöpfung der ausklingenden Gotik, das ein die Zeiten überdauerndes Denkmal der Familie von Pro geworden ist. Peter Apro erst verlegte seinen Wohnsitz nach Seedorf.
Der monumentale Ofen von 1562 im Schlosse trägt die Wappen Apro und Zumbrunnen. Im Vorgefühl des baldigen Unterganges seines Geschlechtes bestimmte Peter 1578 das Schloss Apro nebst zahlreichen Gütern zu einer Stiftung für Erziehung armer Kinder. In seinem Schloss zu Vignaccia wie am Donjon ist das Wappen Apro angebracht mit dem Wahlspruche: „Pro Libertate Oua Non Ferenda".
Am 8. Januar 1546 erhielt Jakob Apro von Kaiser Karl V. in Utrecht einen Adelsbrief für sich und seinen Sohn Peter als Reichsritter, nachdem Franz I. 1544 die Beiden in den französischen Adelsstand erhoben.

Das Wappen, zwei gegeneinander springende Windhunde in blauem Feld, erhielt von König Franz I. von Frankreich im April 1544 eine Besserung durch Beifügung der französischen Lilie. Saither halten die Windhunde die Lilie. Den Helm aber ziert eine Puppe mit der Lilie auf der Brust. Am 8. Januar 1546 bestätigte Kaiser Karl V. dieses Familienwappen. Dr. Theodor von Liebenau hat von diesem Landammann Apro im 9. historischen Neujahrsblatte von Uri für das Jahr 1903 ein treffliches Lebensbild gezeichnet.

Die Siegel-Abbildung No. 88 rührt von einem Siegelabdrucke her in einer Holzkapsel von einer Gült d. d. 18. Dezember 1566. Das Siegel hat 3,2 cm Durchmesser ; im Schild von 12 X 13 mm ist das Wappen (2 Windhunde mit überhöhter Lilie) mit der Puppe als Helmzier; oben durch geht das Querband mit den Buchstaben: ,,P. V. PRO".

Quelle: 
von Pro (a Pro), Landammann Peter (I2622)
 
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Der 46. Landammann von Uri (Amtsperiode 89) - Heinrich Püntener

Heinrich Püntener, in Altdorf, Landammann 1577—79» Sohn des Landvogt Heinrich und der Magdalena von Beroldingen, † 1580.

Gattin:
1. Anna Dietlin, Tochter des Landammann Johannes und der Verena Hermann;
2. Anna Imhof von Blumenfeld, Tochter des Landammann Kaspar.

Wappen: geviertet: 1 und 4 in Gold schwarzer Stierkopf, 2 und 3 in Schwarz
goldener Feuerstahl, überhöht von silbernem Tatzenkreuz.

Heinrich Püntener führte das ursprüngliche Familienwappen, identisch mit dem Landeswappen, obschon das eigentliche Wappen der „Büntiner", der Feuerstahl, einem gestürzten ,,B" mit Kreuz ähnlich, bereits 100 Jahre zuvor in Übung kam. Vorerst war Püntener 1556 und 1557 Landvogt zu Locarno. Als solcher bewirkte er eine bessere Einheit im Strafrechte und eine Reduktion der Löhne und Gebühren für die Landvögte von Locarno, Lugano und Mendrisio, welche Entlastung der Untertanen noch 1556 durch die Tagsatzung verfügt wurde. In den Jahren 1561 bis 1580 vertrat Heinrich Püntener seinen Kanton als Tagsatzungsgesandter; während 10 Jahren, von 1567 bis 1577 hielt er das Landesstatthalteramt inne.

Ich konnte drei verschiedene Siegel eruieren, welche bei diesem Landammann im Gebrauch waren:

1. Eine Gült auf Peter Gurtenmund's Haus in Altdorf, vom 18. Januar 1573, trägt das Siegel des Statthalters Püntener, 28 mm im Durchmesser; es zeigt das alte Wappen, den Stierkopf, und auf fliegendem Schriftband in Majuskeln ,,S. HEINRICH BVNTTINER" (Siegel-Abb. No. 89).
Urkunden vom 7. Juli 1571 und 12. Februar 1573 im Staatsarchiv Luzern (Uri, Fasz. II—V), tragen dieselbe Besiegelung.

2. Ein Exemplar vom Jahr 1578 aus meiner Siegelsammlung im Durchmesser von 33 mm zeigt das neue, gevierte Wappen (1/4 Stierköpf, 2/3 Feuerstahl mit Kreuz; Helmzier: steigender Stier mit 6-zackigem Stern an beiden Hörnern); 2,5 mm hohe Umschrift im Kreise: ,,S. HEINRICH BVNTINER". (Siegel-Abb. No. 90.)

3. In der Sammlung des Landesmuseums ist ein Rundsiegel von 1580 von 17 mm. Im Rundschild von 8 mm ist das hievor beschriebene Wappen mit Helmzier
(Siegel-Abb. No. 91).

Quelle:  
Püntener, Landammann Heinrich (I4411)
 
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Der 47. Landammann von Uri (Amtsperiode 90) - Johannes Zumbrunnen III.

Johannes Zumbrunnen III., in Altdorf, Landammann 1579—81, Sohn des Landammann Mansuetus und der Barbara Aschwanden; f 1588.

Gattin: Anna Schuler.

Wappen: Das ursprüngliche Wappen ist bei No. 16 beschrieben. Landvogt Ulrich und Landammann Mansuetus Z. führen als Wappen auch eine „Mundus- kugel mit Kreuz". Das endgültige Wappen blieb ein sprechendes: in Gold oder Rot ein silberner, 6-eckiger Brunnen, mit Wildmann, einen Brunnen tragend, als Helmzier; durch eine Wappenbesserung kam eine goldene Lilie auf die Brunnensäule. Auch im Wappenbuch der Straussengesellschaft von 1645 sind dieselben Tinkturen und Formen belegt.

Johannes war vorerst Landschreiber zu Lauis 1550 und 1551, des Rats, Säckelmeister 1558, Tagsatzungsgesandter 1558—87, Landvogt im Thurgau 1564—66, Landessäckelmeister 1569, Statthalter seit 1570, und erhielt 1563 die Würde eines römischen Ritters und 1567 den hl. Michaels-Orden.

Dierauer nennt Zumbrunnen „einen Mann von wahrhaft edler Gesinnung, einen charakterfesten Mann, der keine Pensionen annahm". Johannes Z. ist tatsächlich der Hervorragendste dieses vornehmen Geschlechtes, ein intimer Freund des hl. Kardinal Karl Borromäus und mit Ritter Melchior Lussi ein Hauptförderer der katholischen Interessen in der Urschweiz. Die katholischen Orte sandten ihn nach Rom als ihren Vertreter zum Abschluss der tridentinischen Verhandlungen 1562 und 1563. Altlandammann Z. war auch Gesandter zu König Heinrich III. von Frankreich 1582 und zur Beschwörung des mit König Philipp II. errichteten Bundes zu Mailand 1588. Angewidert von der Doppelzüngigkeit der Politik zog er sich zeitig vom öffentlichen Leben zurück, seine Tätigkeit meist nur noch der kirchlichen Reform widmend. Dem Kloster Einsiedeln stiftete J. Z. 1580 seine Wappenscheibe und der Kirche St. Martin zu Altdorf 2000 Gl. sowie mit seinem Bruder Josue im Jahr 1582 die Frühmessglocke.

Das Mandat des Landvogt Hans Zumbrunnen im Thurgau (St. A. Zürich) auf Papierurkunde von 1565 weist den Siegelabdruck von 32 mm. Das Siegelbild zeigt den sechseckigen Brunnen mit 2 Röhren und hoher verzierter Säule. Auf dem Schriftband: „HANS ZVM BRVNNEN" (Siegel-Abb. No. 92).

Das Stiftsarchiv St. Gallen liefert uns noch weitere Belege:

a) einen Brief d. d. 23. November 1572, mit hochovalem Siegelabdruck von 26 x 21 mm; Wappen wie hievor; Umschrift in 1,5 mm hohen Majuskeln: „IO- HANNES * ZUM * BRUNNEN" (Siegel-Abb. No. 93).

b) verschiedene Schreiben aus den Jahren von 1572 bis 1576, enthaltend die Abdrucke eines Ringsiegels von 14 X 13 mm. Über dem Wappenschild von 9 X 9,5 mm mit dem sechseckigen Brunnen befinden sich die drei Initialen „HZB" (Siegel-Abb. No. 94).

Quelle:  
Zumbrunnen, Landammann & Ritter Johannes (I5086)
 
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Der 48. Landammann von Uri (Amtsperiode 92 - )Sebastian Tanner

Sebastian Tanner, von Altdorf, Landammann 1583—1585, Sohn des Hauptmann und Ritter Jakob und der Katharina Arnold von Spiringen.

Wappen: in Rot ein goldener Löwe auf grüner Fläche unter einer Tanne ruhend. Die Tinkturen bestätigt auch das Wappenbuch der Straussenbruderschaft Altdorf von 1645.

Gattin: 1. Barbara Imhof ; 2. Magdalena Feer von Castelen, Witwe des Obersten H. Thammann.

Tanner erbaute um die Mitte des 16. Jahrhunderts das Haus in der Langmatte zu Altdorf, welches einige Jahrhunderte im Besitze dieser Familie war.

Sebastian Tanner ward 1562 zur Beschwörung des mit König Heinrich III. von Frankreich erneuerten Bundes entsandt, 1565 zum Ritter des St. Sylvesterordens geschlagen und durch Papst Pius IV. zum Gardehauptmann zu Ravenna ernannt, welches Ehrenamt er von 1566 bis 1590 innehatte. Er wurde ferner Spitalvogt und Mitglied des 1. Schulrates zu Altdorf, nach dem Treffen von Dye am 13. Juni 1575 zum Regimentsoberst in kgl. franz. Diensten befördert, Gesandter der Tagsatzung 1576 nach Lyon wegen Soldrückständen und 1582 an König Heinrich III., 1579—Landesstatthalter, 1580 Landeshauptmann, Tagsatzungsgesandter 1581 bis 1589. Dieser Landammann kann in die Reihe der bedeutenderen Staatsmänner gezählt werden, zudem war er auch wohl der tüchtigste Feldherr, den Uri im 16. Jahrhundert besass. Er legte sich das Adelsprädikat „von Tanneck" bei. Bei der Belagerung von Pontoise erlag er am 16. Januar 1590 seinen Verwundungen.

Als Bote von Uri und Schiedsrichter mit Jakob Muheim des Rats besiegelte Tanner den Spruchbrief vom 24. April 1588 zwischen den beiden Appenzell (Landesarchiv Appenzell A. III, 78). Das Rundsiegel hält 34 mm im Durchmesser und in 2 mm hohen Majuskeln die Umschrift ,,* S. SEBASTIAN ° TANNER * ". Der Wappenschild von 13 x 9—13 mm trägt als Helmzier einen Löwen mit geschulterter Tanne. Im Wappen ruht der Löwe unter der Tanne. (Siegel-Abb. No. 128.)

Quelle:  
Tanner, Landammann & Ritter Sebastian (I16566)
 
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Der 49. Landammann von Uri (Amtsperioden 94 und 100) - Ambros Püntener

Ambros Piintener, in Altdorf, Landammann 1586—88 und 1598—1599, des Landvogt Heinrich und der Maria Wichser, † im September 1598 im Amte.

Ambrosius ward am 19. März 1555 an der Universität Freiburg immatrikuliert. Der Historiker Aegidius Tschudy, dem er viele Angaben über Uri vermittelte, nannte ihn „einen gelehrten Mann". Püntener widmete sich frühzeitig dem Militär- und Kriegsdienste, und brachte es bis zum Hauptmann.

Gattinnen: 1. Ursula von Magoria aus Locarno, 2. Barbara von Ury, 3. Anastasia Tschudy von Wasserstelz, aus Glarus. Durch seine 1. Ehe gelangte Ambros P. in den Besitz der Casa dei Nobili (del Negromante) in Locarno.

In den Jahren 1568 bis 1570 war Püntener Kirchenvogt von Altdorf, erstes Mitglied des neugeschaffenen Schulrates in Altdorf; 1570 Ehrengesandter zum Syndikat in Lauis; Statthalter 1583—1586, Tagsatzungsgesandter 1583—1598. Seit 1570 wird er Ritter genannt.

Luzern schenkte Landammann Püntener 1598 das Bürgerrecht dortselbst. Die Tagsatzung beauftragte ihn 1587 und 1598, beim französischen Ambassador und nötigenfalls beim König selber die Begleichung alter Soldrechnungen und Forderungen der Eidgenossen zu erwirken, ebenso erhielt er 1586 verschiedene diplomatische Missionen an den Gubernator von Mailand.

Wappen: Geviert : 1 und 4 in Gold ein schwarzer Stierköpf mit rotem Nasenring, beseitet von zwei schwarzen Sternen; 2 und 3 in Schwarz ein goldener Feuerstahl,
überhöht von silbernem Tatzenkreuz. F. V. Schmid führt in Uraniens Gedächtnistempel das ältere Wappen mit folgenden Tinkturen an : in Gelb ein schwarzer Stierkopf mit roter Zunge und Nasenring, beseitet von 2 roten sechszackigen Sternen.
Von Varianten sei erwähnt : 1 und 4 in Gold schwarzer Stierkopf, beseitet von 2 silbernen Sternen; 2 und 3 in Gold schwarzer Feuerstahl, mit silbernem Tatzenkreuz.

Ambros P. bringt in seinem Siegel das viergeteilte Wappen zur Darstellung, gleich dem hievor geschilderten Wappen. Der hier abgebildete Siegelabdruck No. 129 von 32 mm Durchmesser befand sich an einer Gült vom 5. Dezember 1585 ab Hofstatt zu Sigmanig in Bürglen. Der Wappenschild misst 10—12 X 10—14 mm. Der Stier mit Nasenring, die Hörner beseitet von 2 Sternen, bildet die Helmzier. Die 1⅟2 mm hohe Umschrift in Majuskeln lautet ,,S. AMBROSIUS BUNTINER".

Quelle:  
Püntener, Landammann & Ritter Ambros (I7812)
 
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Der 50. Landammann von Uri (Amtsperioden 96 und 103) - Johann Jakob Troger

Johann Jakob Troger, in Altdorf, Landammann 1588 bis 1590 und 1601 bis 1603, t 1607.

Eltern: Hauptmann und Landvogt Heinrich und Magdalena Morosini.
Gattin: 1. Apollonia Gisler, des Andreas und der Anna Willi; 2. Regina Dietlin, t 1622.

Troger begann seine Laufbahn 1565 als Landschreiber, avancierte zum Ratsherr, Hauptmann, Tagsatzungsgesandter 1570 bis 1606, wurde Landvogt von Mendrisio 1570—72, Gesandter der katholischen Orte 1576 nach Frankreich, 1591 nach Rom an Papst Gregor XIV. zur Huldigung und 1604 nach Mailand zum Bundesschwur. In Altdorf bekleidete er das Amt als Spitalvogt 1576 bis 1578, Kirchenvogt 1580 bis 1582 und Dorfvogt in den Jahren 1574 und 1575. Die Landsgemeinde 1586 wählte Troger zum Statthalter. 1587 erhielt er die Würde eines Ritters des St. Michaels-Ordens.

Das Urteil des Fünfzehner-Gerichtes vom 31. Mai 1602 wegen Zoll- und Weggeldern am Gotthardpass, und die Bürgschaft vom 21. Oktober 1602 des Jakob Hartmann für die Niederlassungsgebühr des Jakob Hotz in Schwyz (St. Archiv Schwyz No. 1236) ist beglaubigt mit dem Siegel des Landammann Troger, von 34 mm Durchmesser. Umschrift in 2 mm hohen Antiqua-Majuskeln: „IOHANN IACOB TROGER : RITTER". Schild von 13 X 10—12 mm, mit Wappen: 2 entwurzelte Tannen kreuzweise übereinander liegend, mit je einem Stern unten und oben. Helmzier: Wildmann, in jeder Hand eine entwurzelte Tanne haltend (Siegel-Abb. No. 130).

Quelle:  
Troger, Landammann Johann Jakob (I2277)
 
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Der 52. Landammann von Uri (Amtsperiode 97) - Sebastian von Beroldingen

Sebastian von Beroldingen, in Altdorf, Landammann 1592—-1594, f 1610. Eltern: Josue, Landammann, und Katharina von Heideck.
Gattin: 1. Apollonia Reding von Biberegg; 2. Columbina Tschudy von Grepp-
lang, Tochter des Landvogt Balthasar (Ehebrief vom 27. September 1593 im historischen Museum zu Altdorf).

Sebastian v. B., geboren 1550, holte seine Bildung in Mailand, war zeitweise
Offizier in der päpstlichen Garde zu Bologna, bekleidete 1576—1588 die Stelle
als Landschreiber von Lugano, 1589 Hauptmann im Regiment Tanner in französischen Diensten, avancierte am 4. Februar 1590 zum Oberst, ist in Altdorf
Kirchenvogt 1588-—1590, vertrat Uri als Tagsatzungsgesandter von 1591—1602, wurde 1593 Pannerherr und 1594 Landeshauptmann.

Am 17. November 1598 ernannte ihn Papst Clemens VIII. zum Comes Pala- tinus, Eques Auratus und Aulae Laterani Eques. Das lateinische Diplom ist im Urner Neujahrsblatt 1928, Seite 49, wiedergegeben. Bekanntlich waren die In- signien dieser Ritterschaft eine goldene Kette, Schwert und goldene Sporen. Im
gleichen Jahre verlieh ihm die Landsgemeinde von Nidwaiden das dortige Ehrenbürgerrecht.

Noch 1602 war Sebastian von B. nominell Oberst in dem Regiment Lussy, das vom König von Frankreich, vom Papst und von Venedig besoldet wurde. Er bekleidete viele Botschaften nach Mailand, so 1587 und 1589 wegen Erhaltung des helvetischen Kollegiums, 1593 zur Erzielung eines Abkommens betr. die Verfolgung von Banditen, in Handelsangelegenheiten, 1600 wegen Soldansprüchen, Salztransit.

Das Schloss und die Güter zu Beroldingen auf Seelisberg erhob er zu einem ewigen Fideikommiss.

Ich konnte 4 verschiedene verwendete Siegel feststellen:

a) Der Siegelabdruck in Holzkapsel, herrührend von einer Gült der Pfarrkirche Bürglen vom 20. Oktober 1592, hat 32 mm Durchmesser. Die Inschrift von I und 2 mm hohen Antiqua-Majuskeln „SEBÎ VO. BEROLD INGEN. VRI LKNDKTl" und das Wappen mit Helmzier ist von einem 1 mm breiten Kranz eingefasst (Siegelabb. No. 6).

b) Ein weiterer Abdruck vom 31. Dezember 1592 misst 3,4 cm im
Durchmesser; die 2 mm grosse Umschrift ,,S. SEBKSTIKN V. B-'OLDINGEN" wird unterbrochen durch den Wappenschild von 13 mm Höhe und die Helmzier
(Siegelabb. No. 7).

c) Siegel von 36 mm am Ehevertrag vom 27. September 1593 zwischen Oberst
Seb. von Beroldingen und Collobina Tschudi (Histor. Museum, Altdorf), eingefasst von 2 mm breitem Kranz. Inschrift in 2 mm hohen Majuskeln ,,S. SEBK-
STIKN V. B-'OLDINGEN". (Siegelabb. No. 8.)

d) Das Siegel am Ehekontrakt des Hieronymus Arnold und der Anna Judith
von Beroldingen vom 21. Februar 1599 (im Histor. Museum von Uri) ist etwas grösser als das Vorbeschriebene, sonst aber demselben ähnlich (Siegelabb. No. 9).

Alle vier Siegel weisen das gevierte Wappen (1 und 4 Löwe, 2 und 3 Reichsapfel) mit dem Löwen als Helmzier.

Quelle:  
von Beroldingen, Landammann & Ritter Sebastian (I3226)
 
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Der 54. Landammann von Uri (Amtsperioden 99 und 109) - Peter Gisler

Peter Gisler, von Bürglen, Landammann 1596—1598 und 1615—-1617. Er ist geboren 1548 zu Bürglen und f 15. Dezember 1616 im Amte. Gattin: 1. Ursula im Ebnet, 2. Anna Maria Pfyffer, Tochter des Statthalter Balthasar Pfyffer, von Luzern.

Wappen: Das ursprüngliche Wappen weist in Gold ein von 2 Sternen beseitetes schwarzes fussgesparrtes Kreuz als Fortsetzung eines ,,M". Landvogt Melchior Gisler hat in seinem Siegel an dem Bericht vom Freitag nach St. Ulrichstag 1526 (Stiftsarchiv St. Gallen) noch dieses Wappenzeichen. Seit der Mitte des 16. Jahrhunderts führt die Familie in Gold ein Schwert (auch über grünem Dreiberg). Die Helmzier bildet ein Löwe mit gezücktem Schwert. Landvogt Johannes Gisler trägt das neue Wappen (Beleg: besiegelte Urkunde vom 17. März 1560 über Einsetzung von Mathäus Mustkay als Pfarrer in Thal; Stiftsarchiv St. Gallen M. 2. W.). Das Wappenbuch der Straussenbruderschaft von 1645 enthält das neuere Wappen ebenfalls in den beschriebenen Tinkturen.

Peter Gisler war in jungen Jahren Hauptmann zu Venedig, zeichnete sich L573 in Dalmatien aus, später auch als Hauptmann in Frankreich; seit 1577 als Landsfähnrich der Regierung angehörend, 1577—1616 Tagsatzungsgesandter, 1582 Gesandter nach Paris zur Besiegelung des Bündnisses mit Heinrich III. von Frankreich, erbaute in demselben Jahre die Tellenkapelle zu Bürgten und schrieb deren Stiftungsurkunde, machte 1583 eine Wallfahrt nach Jerusalem, die er beschrieb, und erhielt die Würde als Ritter des hl. Grabes, 1588—1590 Landvogt in der Riviera, 1590—1592 Kommissar zu Bellenz, 1594 und 1595 Landesstatthalter, tatkräftiger Abgeordneter Uri's im Walliserhandel 1602 und 1603, Gesandter nach Mailand 1604, seit 1606 Landeshauptmann, baute 1609 das stattliche, heute noch erhaltene Wohnhaus in Bürglen. Er genoss nach übereinstimmenden Berichten das grösste Ansehen beim Volke und betätigte sich auch als Freund der Geschichte. Kardinal D'Aquino bezeugt: „Der Landammann Peter Gisler, der unter seinen Landsleuten den grössten Einfluss geniesst, ist ein Mann von reinen Absichten und steht besonders desshalb in der grössten Achtung, weil er neutral ist und gar
keine Pensionen annimmt."

Das Historische Museum in Altdorf besitzt ein prächtiges Buffet mit den Wappen des Landammann Peter Gisler und seiner Ehefrauen, ebenso eine Landsfähnrich Wappenscheibe desselben aus dem Jahre 1577. Eine Wappenscheibe von 1590 in der Sammlung des Lord Sudeley ist im „Schlachtjahrzeit von Uri" von Dr. E. Wymann wiedergegeben ; aus dem gekrönten Helm wächst ein Löwe, der statt eines Schwertes hier einen geteilten Kartuschenschild mit den Abzeichen der Ritterschaft des hl. Grabes in den Pranken hält.

Als Landammann und Statthalter bediente sich Peter Gisler des hier wiedergegebenen Siegels von 36 mm mit der 2—2% mm hohen Umschrift „S * PETER * * GISLER* ". Im Wappenschild von 13 X 12—-9 mm ist das Schwert auf punktiertem Grunde und als Helmzier ein Löwe mit Jerusalems-Grabritterkreuz in Medaillon zwischen den Pranken (Siegelabb. No. 12). Als Belege seien folgende von G. besiegelte Urkunden erwähnt: a) Fünfzehner-Urteil vom 21. April 1595 betr. Auftrieb auf Mettenerbutzli (Pfarrarchiv Spiringen) ; b) Urteil des Fünfzehnergerichtes vom 27. April 1596 gegen alt Hans Zwyssig (Staatsarchiv Obwalden No. 172).

Das Staatsarchiv Tessin verwahrt in der Abt. Leventina einen Entscheid betr. Ursern und Leventina von 1594, versehen „mit min dess obgemelten Richters Peter Gysier der Zit Stathalter und Landtsfendrich zuo Ury anhangendem Insigell von Gerichtswegen".

Quelle:  
Gisler, Landammann & Ritter Peter (I17215)
 
113
Der 55. Landammann von Uri (Amtsperioden 101 und 111) - Emanuel Bessler

Emanuel Bessler, in Altdorf, Landammann 1599—1601, 1619—1621, f 1626.

Sohn des Magnus, Landschreiber zu Lugano und Obervogt zu Kaiserstuhl, und der Regula Murer.
Gattin: Barbâra Schmid, Tochter des Landammann Jost und der Elisabetha Mutschlin.

Stifter der Linie Bessler von Wattingen, welche einzig die 9 Landammänner dieses Geschlechtes stellte, ist Kaspar, Landschreiber, zu Altdorf, dem 1499 das Landrecht geschenkt wurde. Später zweigten 2 weitere Linien ab, die Bessler von Tannegg oder „Tübli-Bessler" und die Sternen-Bessler, welche besondere Wappen führten. In Uri ist dieses Geschlecht seit 1915 ausgestorben.

Wappen: Das ursprüngliche Wappen hält in Schwarz ein goldenes Doppelkreuz auf geteiltem Stamm; Helmzier: schwarzgekleideter Mann mit goldenen Überschlägen, in der Rechten einen dreiarmigen Brand und in der Linken eine Fakel haltend.

a) Bessler von Wattingen: von Gold mit schwarzem Querbalken, belegt mit 3 goldenen Kugeln; im Schildhaupt 2 schwarze Brackenköpfe mit roter Zunge und goldenem Halsband; im Schildfuss 2 vierästige Brände. Helmzier: schwarze und goldene Straussenfedern, belegt mit den 3 goldenen Kugeln auf schwarzem Querbalken.

b) Bessler von Tannegg: geviert: 1 und 4 in Blau silberne Taube mit Ölzweig, 2 und 3 in Gold ein grüner Ölzweig; Herzschild: in Gold grüne Tanne: Helmzier: Friedenstaube.

c) Linie der Sternen-Bessler: gespalten: links in Blau goldene Lilie über grünem Dreiberg; rechts: in Grün schwarzer Bär, mit 3 schwarzen Sternen besteckt. Helmzier: wachsender Bär, die Lilie haltend.

Emanuel Bessler, geb. 1569, bewohnte das väterliche Haus an der Schmiedgasse in Altdorf, Ritter vom goldenen Sporn, seit 1597 Tagsatzungsgesandter, 1598 Statthalter, 1603 Landvogt zu Bellenz, und ab 1615 Pannerherr, wurde 1606 und 1607 nach Mailand und Turin entsandt, 1618 von den kath. Orten mit einer Gesandtschaft nach Rom betraut, und 1622 nach Lindau an die Friedenskonferenz zwischen Österreich und den grauen Bünden. An der VH-örtigen Tagsatzung vom 7- und 8. August 1618 eröffnete Bessler, Uri gedenke zu oberst in der Schöllenen ein Blockhaus zu erstellen zur Sicherung des Passes gegen Italien; das war gewiss die erste Anregung für die Gotthardbefestigungen.

Disentis schenkte Emanuel B., des Rats zu Uri, 1596 das dortige Landrecht. Vom päpstlichen Nuntius d'Aquino ist B. als aufrichtig und bescheiden beurteilt worden, er sei Anhänger der spanischen Partei und dem hl. Stuhl ergeben. Dessen Original-Porträt von 1623 befindet sich im Historischen Museum von Uri.

An dem Stiftungsbrief vom 13. Februar 1600 einer ewigen Samstag-Frühmesse auf dem St. Niklausaltar der Pfarrkirche Altdorf (Pfarrarchiv) hängt das gut erhaltene Siegel des Landammann E. B. von 34 mm Durchmesser. Der Schild von 12 X 8—13 mm zeigt das 1 cm hohe Wappen, ein fussgesparrtes Doppelkreuz, und als Helmzier eine Mannsfigur mit 3-teiligem Brand in der einen und Fakel in der andern Hand. Umschrift in 1 ⅟2 mm hohen Majuskeln: ,,S. EMANUEL BESLER" (Siegelabb. No. 13).

Im Archivio Municipale in Bellinzona ist eine von Landvogt Emanuel Bessler besiegelte Urkunde vom 4. September 1605. Das ovale Siegel von 18 X 15 mm zeigt das Wappen mit Helmzier und die zwei Initialen ,,E. B.".

Quelle:  
Bessler von Wattingen, Landammann & Ritter Emanuel (I263)
 
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Der 56. Landammann von Uri (Amtsperiode 105) - Gedeon Stricker

Gedeon Stricker, in Altdorf, Landammann 1607—1609, fiöiö.

Eltern: Michael Stricker, Hauptmann und Landschreiber (j 1599) und Anna von Angeloch.

Gattin: Agatha Gamma, Tochter des Johann, des Rats, Wassen, und der Apollonia Bessler.

Wappen:

I. in Rot ein silberner Flug mit goldener Fussfessel.

II. Geviertet: 1 und 4: in Blau drei Schildchen; 2 und 3: in Rot ein silberner Flug mit goldener Fessel am Fusse.

Nach einer Wappenbesserung durch den König von Frankreich führte die Familie folgendes Wappen: Geviertet: 1 und 4 in Blau goldene bourbonische Lilie, 2 und 3 das Stammwappen.
Im Wappenbuch von 1645 der Straussengesellschaft in Altdorf kommt von 1664 bis 1747 einzig das Wappen III vor.

Gedeon Stricker, des Rats, Hauptmann, Gesandter zur Beschwörung des Bündnisses mit Savoyen am 28. September 1578 in Turin, war Dorfvogt von Altdorf 1582—1586, französischer Agent und Vertrauensmann der Partei des Königs Heinrich III. von Frankreich, Statthalter 1599—1607, von 1599—1614 über 55mal Gesandter an Tagsatzungen und Konferenzen, und Gesandter zu König Heinrich IV. nach Paris im Oktober 1602. Die Landsgemeinde erteilte ihm als Hauptmann in kgl. französischen Diensten die Bewilligung zur Werbung eines Fähnleins, das Stricker nach Frankreich führte, worüber die siebenörtige Tagsatzung vom 12. August 1597 sich derart aufregte, dass von den nichturnerischen Orten dessen Bestrafung an Leib und Gut verlangt wurde.

Er liess sich 1602 durch Martin Martini in einem Kupferstich verewigen. In sein neuerbautes Haus im Herrensitz Stoffel (heutige kantonale Erziehungsanstalt für arme und verwahrloste Kinder) erbat sich Stricker durch Landammann Zum- brunnen von der Tagsatzung 1579 uncl Fenster und Ehrenwappen der 13 Orte. Landamman Stricker wird als kluger, beredter Mann geschildert.

Die im 18. Jahrhundert ausgestorbene Familie stammt ursprünglich von Appenzell; Johann Stricker erhielt 1455 das Urner Landrecht.

Ich konnte zwei verschiedene Siegel feststellen, welche von Stricker gebraucht wurden:

a) an einem Schriftstücke vom 18. August 1580 an Schultheiss Ludwig Pfyffer im Staatsarchiv Luzern (Uri: Forderungssachen) als Briefverschluss: Ovalsiegel von 19 x 16 mm; Schild von 8 X 8 mm mit Wappen: geviertet: 1 und 4: drei kleine Schilde, 2 und 3 : Flug; Helmzier: Flug, begleitet von den Majuskeln ,,G.ST." (Siegelabb. No. 14);

b) ab einer Gült vom 20. September 1607 in meiner Siegelsammlung: Rundsiegel von 3,6 cm in Holzkapsel. Inschrift von 2,5 mm Höhe: ,,S. GEDEOIl STRICKER". Schild von 13 X 14—9 mm mit Wappen: geviertet: 1 und 4 Lilie, 2 und 3 Flug; Helmzier: Flug. Das Ganze von 2 min starkem Kranz eingerahmt (Siegelabb. No. 15).

Quelle:  
Stricker, Landammann Gedeon (I17508)
 
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Der 57. Landammann von Uri (Amtsperioden 106 und 114) - Johann Konrad von Beroldingen

Johann Konrad von Beroldingen, in Altdorf, Landammann 1609 bis 1611 und 1625—1627.

Eltern: Johann Peregrin, Hauptmann, und Ursula von Liebenfels.
Gattinnen:
1. Regina Schmid, Tochter des Landammann Jost und der Anna Zollikofer;
2. Elisabeth Bodmer, Witwe des Landammann Joh. Waser, Tochter des Landschreiber Kaspar Bodmer, des Rats, zu Baden, und der Maria Locher (Ehebrief vom 10. Juli 1610 im Historischen Museum in Altdorf).

Wappen:
(Verleihung 1521) : Geviertet: 1 und 4 Stammwappen, nämlich in Gold ein blauer, mit 2 goldenen Sternen belegter, schwarz gesprängter Reichsapfel, 2 und 3 in Gold ein schwarzer rotbewehrter Löwe mit flatternder blauer Halsbinde; Helmzier: wachsender, schwarzer Löwe mit blauer Halsbinde.

Johann Konrad, geb. 1558, ist der Stammvater der Zweiglinie von Lugano, welche die Kanzler der Vogtei von 1576—1798 stellte, und 1802 mit Landschreiber Franz Anton erlosch. Leopold I. verlieh derselben 1697 den Baronatstitel. Dieser Landammann, Herr zu Sonnenberg (Thurgau), Ritter des hl. römischen Reiches, welcher von 1587—1606 die Kanzlerwürde zu Lugano inne hatte, schuf 1599 seiner Frau das Kolleg der Somasker in Lugano, vertrat Uri an den Tagsatzungen und Konferenzen von 1607—1635, wurde 1607 Landesstatthalter, Landeshauptmann seit 1627, Kirchenvogt in Altdorf 1608—1610; die Stadt Rapperswil verlieh ihm 1612 ihr Bürgerrecht. Er stand als Oberst in spanischen Diensten und war Gouverneur von Novarra, wo er am 23. August 1636 verstarb. Im kantonalen Museum befindet sich sein Originalgemälde. Nach den Informationen des Kardinals d'Aquino war Johann Konrad von feinen Manieren, klug und überhaupt schätzenswert.

Eine Gült vom 11. November 1610 ab Schipfi in Bürglen weist eine Besiege- lung in rotem Wachs auf von 3,2 cm Durchmesser mit 1,2 mm hoher Umschrift: „S. HANS . CONRAD V. BEROLDINGEN .+". Der Schild von 11 X 11—8 mm enthält das gevierte Wappen : 1 und 4 Munduskugel, 2 und 3 Löwe ; Helmzier : Löwe (Siegelabb. No. 16). Dasselbe Siegel ziert auch den hievor erwähnten Ehebrief vom 10. Juli 1610.

Das 34 mm Durchmesser haltende Siegel an dem Ehebrief vom 28. November 1613 zwischen Ritter Johann Georg von Beroldingen, des Rats, und Katharina Göldlin von Tiefenau (ebenfalls im Museum des histor. Vereins, in Altdorf) hat dieselbe Anordnung (Siegelabb. No. 17).

Quelle:  
von Beroldingen, Landammann & Oberst Johann Konrad (I16530)
 
116
Der 58. Landammann von Uri (Amtsperioden 107 und 119) - Johann Peter von Roll

Johann Peter von Roll, in Altdorf, Landammann 1611—1613 und 1635—1637; f 1648.

Eltern: Oberst Walter von Roll und Maria Ursula Zollikofer.
Stammvater dieser Familie ist Ludwig von Roll; dessen Grossohn Peter von Roll, Ritter, erhielt 1525 das Urner Landrecht.

Wappen: Geviertet: 1 und 4 in Blau ein goldener steigender Löwe, 2 und 3 in Rot ein silberner Balken über silberner Kugel, überhöht von goldenem Rad. Das von Oberst Walter von Roll 1562 erbaute grosse Haus am Platze (jetzt Urner Kantonalbank) ist heute noch mit zwei grossen Medaillonwappen geschmückt. Das Epitaph am Kapuzinerkloster in Altdorf zeigt ebenfalls in Reliefformen dieses Wappen, das auch im Wappenbuch der Straussengesellschaft von 1645 vielmal vorkommt. Als Abgeordneter zum Syndikat wurde Johann Peter 1605 im Castell Visconti zu Locarno mit Inschrift und Wappen verewigt; letzteres zeigt (iund4) in Rot ein gelbes Rad über weissem Balken und darunter weisse Kugel, (2 und 3) in Blau gelben Löwen; Helmzier: Löwe mit Rad in den Pranken.

Johann Peter, verheiratet in 1. Ehe mit Maria Katharina Schmid, Tochter des Landammann Jost und der Elisabeth Mutschlin, und in 2. Ehe mit Anna Maria Tresch, Tochter des Landammann Heinrich Tresch von Urburg, und der Anna Püntener (f 1648), ward 1606 Ritter vom goldenen Sporn, begründete die Urner Linie, welche am 22. März 1784 mit dem päpstlichen Protonotar Dr. theol. Karl Martin, Klosterkaplan in Seedorf, ausstarb. Sein Bruder, Karl Emanuel, ebenfalls Landammann, ist Begründer der deutschen Linie der „von Roll von Bernau". Von den Söhnen des Landammann Johann Peter begründete Johann Peter II. den Böttsteiner Zweig, welcher im 18. Jahrhundert erlosch, und Hauptmann Jost, f 1672, der 1645 das Schloss zu Mellikon erbaute, den Urner Zweig,
bei dem sich die Herrschaft Mellikon bis 1769 vererbte.

Mit seinen Brüdern erwarb Johann Peter 1606 die Herrschaft Böttstein und 1635 Bernau. Er bekleidete von 1593—1595 die Vogtei der Frühmesspfründe in Altdorf, war Kirchenvogt 1600—1602, Tagsatzungsgesandter seit 1605, Landesstatthalter 1609—-16x1. Mit seinem Bruder Karl Emanuel bedachte Johann Peter die Kirche Madonna del Sasso oberhalb Locarno mit bedeutenden Vergabungen; so wird ein kostbares Kunstwerk, die Piéta, ihnen zugeschrieben. Das Museum in Altdorf hütet das Originalgemälde dieses Landammanns, dessen Charakter von Zeitgenossen sehr günstig beurteilt wurde.

In der Siegelsammlung des Landesmuseums ist der Abdruck eines Siegels von 1594 im Durchmesser von 32 mm, mit 2 mm hoher Umschrift: ,,S. HANS . PETER * VON . ROLL . RITER . " Im Schild von 11 X 11 mm ist das oben beschriebene Wappen (1 und 4: Rad, Balken, Kugel; 2 und 3: Löwe) und als Helmzier der Löwe, das Rad hochhaltend (Siegelabb. No. 18).

Einzig in der Grösse unterscheidet sich das Siegel ab einer Gülte vom 11. November 1611 (in meiner Sammlung) von dem Vorbeschriebenen: 36mm Durchmesser (Siegelabb. No. 19).

Quelle:  
von Roll, Landammann Johann Peter (I7748)
 
117
Der 60. Landammann von Uri (Amtsperiode 110) - Heinrich Tresch

Heinrich Tresch, in Altdorf, Landammann 1617—1619; f 18. April 1626. Die Familie Trösch stammt aus Graubünden, erhielt 1474 das Urner Landrecht
und wohnte anfänglich in Silenen.

Wappen: in Gold zwei grüne Balken, belegt mit schwarzem Reitersporn
(Wappenscheibe von 1636 des Landvogt Jakob Tresch, im Landesmuseum).
Varianten:
a) in Silber zwei grüne Balken mit Sporn belegt;
b) geteilt: oben in Grün ein schwarzer Sporn; unten in Silber zwei grüne Balken mit goldener Lilie belegt. Helmzier: Wildmann mit Dreschflegel.

Heinrich Trösch ist geboren 1555 als Sohn des Hauptmann Ambros Trösch und war verheiratet in erster Ehe mit Maria Gisler, f 1594, und in zweiter Ehe mit Anna Piintener, Witwe des Bernhard Tschudy. Er betätigte sich vorerst als Landschreiber,. wurde Ratsherr, Hauptmann in königl. spanischen Diensten in Flandern, Ritter, Spitalvogt von Altdorf 1596—1598, Tagsatzungsgesandter
von 1610—1625, Landesstatthalter 1613—1617.

Im historischen Museum zu Altdorf ist ein grosses Originalgemälde dieses
Landammanns aus dem Jahre 1616.

Das hier wiedergegebene Siegel aus meiner Sammlung rührt von einer Gült vom Ii. April 1619 und misst 34 mm im Durchmesser. Die 1,5 mm grosse Umschrift im beiderseitigen Schriftraum von 3 mm lautet: „+ S. HEINRICH * TRÖSCH * ". Das Wappenbild, ein Reitersporn mit Lederbinde, ist in einem Ovalschild von 10 X 8 mm, und die Helmzier wird dargestellt durch eine Mannsfigur mit geschultertem Dreschflegel (Siegelabb. No. 46).

Quelle:  
Tresch (Trösch), Landammann & Ritter Heinrich (I5254)
 
118
Der 61. Landammann von Uri (Amtsperioden 112 und 120) - Johann Heinrich Zumbrunnen

Zumbrunnen Johann Heinrich, in Altdorf, Landammann 1621—1623, 1637—!639 ; † 18. April 1648; Sohn des Ratsherrn und Kirchenvogt Heinrich, und der Maria Jauch, verehelicht mit Maria Magdalena, Tochter des Oberst Rudolf Reding von Biberegg und der .Elisabetha in der Halten.

Johann Heinrich Z. war Mediziner, gehörte schon frühzeitig dem Rate an, wurde von der Landsgemeinde 1611 zum Seckelmeister gewählt, welches Amt er bis 1617 versah; Ratsbote und Tagsatzungsgesandter von 1612—1648, Landesstatthalter 1617—1621, Landshauptmann 1638 bis zum Ableben; Ritter des St. Michaels-Ordens 1618, Oberst in französischen Diensten, hatte dort 1621—1637 ein eigenes Regiment. Er ist auch Stifter der Zumbrunnen-Pfründe in Altdorf 1644.

In der Turmknopf-Urkunde vom 21. Januar 1637 des Klosters Seedorf — er war einer der Protektoren desselben — wird er genannt: ,,Hr. Joh. Heinrich Zum- brunnen von Leuenstein, Ritter, Medicinae Doctor, und Altlandammann zu Uri".

Wappen: geviertet : 1 und 4: in Gold ein silberner Brunnen, 2 und 3: in Rot, gespalten von Gold. Helmzier: Wildmann mit Brunnen auf der rechten Hand. Landammann Joh. Heinr. Zumbrunnen führte dieses ge- vierte Wappen zuerst und sodann Landschreiber Josue Zumbrunnen (1680). Dieselben Tinkturen weist auch das Wappenbuch der Straussenbruderschaft. Im Landesmuseum befindet sich eine Wappenscheibe des Landschreiber Josue Z. und seiner Frau Anna Maria Margritha Zum Brunnen von 1683 in ähnlicher Ausführung.

Zumbrunnen war Vertreter am Kongress in Lindau 1622 mit den Österreichern wegen den graubündischen Streitigkeiten. In vielen Fällen gehörte er als Obmann oder Richter den Schiedsgerichten an, so z. B. im sogenannten Küttel-Handel; am Entscheid im Archiv Gersau vom 15. November 1635 ist sein Siegel in Holzkapsel gut erhalten.

Ein Originalgemälde dieses Landammann Zumbrunnen ist im Besitze der Familie Jauch in Altdorf, und ein koloriertes Landammänner-Bild mit Wappen, von
Suter, im histor. Museum zu Altclorf.

Am 11. November 1621 besiegelte Zumbrunnen eine Gülte über 100 Gulden ab Hofstatt, Haus und Garten des Andreas Imhof beim Spital zu Erstfeld (Pfarrarchiv Bürglen). Das Rundsiegel von 3,4 cm Durchmesser, in Holzkapsel, wird von einem 1 mm breiten Kranz umrankt, welchem sich beiderseits in 2 mm hohen Antiqua-Majuskeln die Umschrift anschliesst: „*S * IOHAN * HEINRICH / ZUM * BRUNNEN" Im Schild von 13 x 12 mm ist das hievor beschriebene gevierte Wappen (1 und 4: Brunnen, 2 und 3: ein Pfahl) mit Wildmann als Helmzier, auf der rechten Hand einen sechseckigen Brunnen tragend. Der Raum zwischen Schrift und Wappen ist mit Verzierungen ausgefüllt (Siegel-Abbildung No. 47).

In Uri ist diese Familie, die dem Lande so manchen hervorragenden Staatsmann und tüchtigen Haudegen schenkte, am 1. September 1743 mit Karl Franz Josef Z. im Mannesstamme erloschen. Nachkommen der Zumbrunnen leben im Kanton Tessin unter den Familiennamen Fontana und Bronner, letztere in Ouinto, und führen dasselbe Zumbrunnen-Wappen (siehe A. Lienhard-Riva, im Archiv 1925, Seite 75 und 120).

Quelle:  
Zumbrunnen, Landammann Johann Heinrich (I10463)
 
119
Der 62. Landammann von Uri (Amtsperiode 113 und 122) _ Johann Jakob Tanner

Tanner Johann Jakob, in Altdorf, Landammann 1623—1625 und 1641—1643; † 3. November 1657 auf seinem Landgute zu Luzern.
Sohn des Landammann, Oberst Sebastian, und der Maria Magdalena Feer, von Luzern.
Verehelicht mit Apollonia von Beroldingen, Tochter des Landammann Sebastian und der Apollonia Reding von Biberegg, † 8. Januar 1652.

Tanner, welcher das Haus hinter dem Rathaus zu Altdorf bewohnte, war Mitglied des Landrates, päpstlicher Gardehauptmann zu Ravenna 1604—1617, Ritter des St. Stefan-Ordens, seit 1619—1656 Ratsbote und Tagsatzungsgesandter, Landesstatthalter 1621 und 1622, Landsfähnrich seit 1622. Er war u. a. 1621 Gesandter an Papst Gregor XV. wegen der Seligsprechung des Bruder Klaus; 1645 Friedensvermittler zwischen Einsiedeln und Schwyz.

Nach verschiedenen Angaben soll Tanner auch Ritter des goldenen Sporn gewesen sein.

Ein Siegel dieses Landammanns in Holzkapsel aus meiner Sammlung, ab Gült vom 11. November 1623, hat 33 mm Durchmesser und zeigt in 2 mm hohen Majuskeln die Umschrift „IOHAN IAKOB / * TANNER" ; im Schild von 13 X 13/10 mm das Wappen: unter Tanne ruhender Löwe und als Kleinod den Löwen mit Tanne in beiden Pranken (Abbildung No. 48).

Quelle:  
Tanner, Landammann & Ritter Johann Jakob (I16565)
 
120
Der 63. Landammann von Uri (Amtsperiode 115) - Kaspar Roman Troger

Troger Kaspar Roman, in Altdorf, Landammann 1627—1629; f 2. Juni 1651.
Sohn des Landammann Johann Jakob und der Regina Dietlin, vermählt mit Anna Maria Imhof von Blumenfeld, Tochter des Landvogt Christoph und der Anna Apro. Er ist das letzte Staatsoberhaupt aus dieser Magistratenfamilie, welche im Mannesstamme mit Landesfürsprech und Salzdirektor Karl Anton, des Rats, in Altdorf, 1804 erlosch.

Troger stand als Hauptmann in spanischen Diensten, war in den Jahren 1600 bis 1602 Vogt des Spitals in Altdorf, Mitglied des Landrates, Landvogt zu Men- drisio 1618 und 1619, sowie 1642 und 1643, Ritter des hl. Mauritius und des hl. Lazarus, Ratsbote und Tagsatzungsgesandter 1621—1648, Landesstatthalter 1623 bis 1627, Landeshauptmann 1625; Gesandter zu der in Turin vom 30. September bis 4. Oktober 1634 stattfindenden Beschwörung des Bündnisses der 6 katholischen Orte mit Herzog Viktor Amadäus von Savoyen.

Zwei seiner Söhne traten in den Ordensstand, Hieronymus wurde Abt von Muri, und P. Meinrad Konventuale von Einsiedeln, während Hauptmann Karl Emanuel und Hauptmann Johann Jakob, Landschreiber zu Mendrisio, in die Fussstapfen des Vaters traten. Der Letztgenannte, verehelicht mit Gräfin Peregrina de Perinis, vergabte dem Spital zu Mailand 90,000 Gulden.

Landammann Kaspar Roman Troger führte ein Siegel von 3,6 cm Durchmesser, eingerahmt durch einen 3 mm breiten Kranz. Der Schild von 17 x 14/11 mm zeigt das Wappenbild — 2 gekreuzte entwurzelte Tannen — belegt durch Herzschild mit Kleeblattkreuz, beseitet von einem Stern, sowie im Schildhaupt und Fuss je eine Lilie; als Kleinod Wildmann, in jeder Hand eine Tanne hochhaltend. 2 mm grosse Umschrift „S. CHSPKR ROMTvN * TROGER RITTER Zwischen Schriftkreis, Schild und Helmzier kräftige Verzierungen. Der abgebildete Siegelabdruck rührt von einer Gült d. d. 11. November 1627 her (Abbildung No. 49).

Die von Landammann Troger vorgenommene Besiegelnng eines 15-ner Gerichtsurteils vom 8. Juli 1628 gegen die Erben von Melchior Megnet (Pfarrarchiv Altdorf) stimmt mit dem hievor beschriebenen Abdrucke überein.
Ein Brief von 1633 im Staatsarchiv Tessin ist mit einem Ovalsiegel,Trogers versehen, dessen Siegelbild die beschriebene Wappenzeichnung aufweist und beiderseits der Helmzier (Wildmann mit 2 Tannen) die Buchstaben: CR TR.

Quelle:  
Troger, Landammann & Ritter Kaspar Roman (I187)
 
121
Der 64. Landammann von Uri (Amtsperiode 116) - Sebastian Heinrich Tresch

Tresch Sebastian Heinrich, in Altdorf, Landammann 1629—1631, † 18. Januar 1637; geboren 1585, Sohn des Landammann Heinrich und der Maria Gisler, verehelicht mit Regina Zumbüel, Tochter des Ritter Nikolaus, und der Magdalena Wolleb.

Seit 1608 war Tresch Landschreiber, dann des Rats, Hauptmann in königlich
spanischen Diensten in Flandern, Tagsatzungsgesandter 1614—1636, Landvogt im Rheintal 1622—1624, Kirchenvogt zu Altdorf 1624—1626, Zeugherr 1626, Landesstatthalter 1627, Ritter des Militärordens des hl. Jakob. Im Pestjahre 1629 führte er eine Zeitlang die Regierung allein, da nebst ihm nur noch 6 Ratsherren vom schwarzen Tode verschont blieben. Bei der Belagerung von Valenza tat er sich besonders hervor und erlag seinen daselbst erlittenen Verwundungen am 18. Januar 1637 in Mailand.

Sein von Suter gemaltes Landammännerbild befindet sich im historischen Museum zu Altdorf. Die Kapelle zu Witterschwanden (Spiringen) enthält ebenfalls ein Gemälde mit dem Wappen Tresch.

Das Wappenbuch von 1645 der Straussengesellschaft in Altdorf bringt für Landvogt Joh. Kaspar (1636) und Fähnrich Hans Karl Trösch (1656) das geteilte Wappen: oben in Grün einen schwarzen Sporn, unten in Silber zwei grüne Balken, belegt mit goldener Lilie; Kleinod: Wildmann mit Dreschflegel.

Am 11. November 1628 besiegelte Landammann Seb. Heinr. Tresch eine Gült über 200 Gulden ab ,,Schüpfi" in Bürglen des Sebastian Muoser. Das Siegel in Holzkapsel hat 3,6 cm Durchmesser, wird eingefasst durch 3 mm breiten Kranz und darauf folgt im Schriftkreis von 3,5 mm in 1,5 mm hohen Majuskeln: ,,* S. SEBASTIAN / HEINRICH . TRÖSCH +". Der Schild von 12 X 9 mm weist den Reitersporn und als Helmzier ist der Wildmann mit Dreschflegel (Siegelabb. No. 50).

Quelle:  
Tresch, Landammann & Ritter Sebastian Heinrich (I18009)
 
122
Der 65. Landammann von Uri ( Amtsperiode 117 und 123) - Karl Emanuel von Roll

von Roll Karl Emanuel, in Altdorf, Landammann 1631—1633 und 1643—1645, † 18. Juli 1654; geboren 1579 als Sohn von Oberst Walter und der Ursula Zollikofer, hatte drei Gemahlinnen: 1. Regina Schmid, Tochter des Jost und der Barbara von Beroldingen, † um 1629/30; 2. Kunigunda Strölin von Beffingen, Tochter des Junker Friedrich und der Barbara Ebinger, † 20. April 1650; 3. Magdalena Ptintener, Tochter des Seckelmeister und Landvogt Heinrich und der Magdalena Schmid, † 9. Juli 1683.

Er war Landvogt im Thurgau 1620—1622, und zu Bellenz 1638—1640, Tagsatzungsgesandter von 1624—1653, Pannerherr 1626—1654, Landesstatthalter 1629—1631 und Spitalvogt von Altdorf 1626—1628.

Hauptmann K. E. von Roll ist seit 1606 Herr zu Böttstein, 1626 Herr zu Neuenburg und Mammern und 1635 Herr zu Bernau. Ums Jahr 1620 erhielt er den St. Sylvester-Ritterorden.

Das historische Museum in Altdorf bewahrt ein Originalgemälde, dieses Landammanns; er befindet sich auch unter den von Suter gezeichneten und kolorierten Landammännerbildern. Auf der Wappentafel der Thurgauischen Landvögte sind die Felder des Wappens vertauscht.

Ich konnte zwei verschiedene Siegel feststellen. An einer Gült vom Ii. November 1631 ab Berg „Obersüess" in Bürglen, ist das Rundsiegel von 3,6 cm Durchmesser, in Holzkapsel, mit einem 1,5 mm breiten Abschlusskranz und der Inschrift in 2 mm hohen Majuskeln: „* CAROL . EMANUEL * /.: VON : ROLL 1620". Im Schild von 14 X 12 mm das viergeteilte Wappen: 1 und 4 Rad, Balken und Kugel, 2 und 3 Löwe. Als Kleinod: Löwe mit Rad zwischen den Pranken (Abbildung No. 51).

Eine Gült vom 10. Dezember 1643 ab „Hartismatt' in Bürglen trägt das Siegel von 4,2 cm mit iV4 mm hoher Umschrift: „CAROL EMANUEL * / * VON * ROLL*". Der Schild von 15 X 13 mm zeigt das Familienwappen und als Helmzier den Löwen mit hochgehaltenem Rad (Siegelabb. No. 52).

In der Urkundensammlung des Staatsarchives Luzern liegt der schiedsrichterliche Spruch von Uri, Schwyz, Unterwaiden und Zug zwischen der Stadt Luzern und 10 Ämtern ihrer Landschaft, vom 7. Juni 1653, mit den Standessiegeln der vermittelnden Orte und den Privatsiegeln der Schiedsrichter, worunter dasjenige des Obmannes, alt Landammann Karl Emanuel von Roll, sehr gut erhalten ist.

Der Sohn Franz Ludwig, geb. 1622, begründete den deutschen Zweig der Familie „von Roll zu Bernau", welche 1690 durch Kaiser Leopold in den Freiherrenstand erhoben wurde und 1832 mit Hans Walter erloschen ist. Das Freiherrendiplom enthält das neue Wappen: geviertet: 1 und 4 von Blau, Silber und Gold geteilt, im Schildhaupt silberne Kugel, 2 und 3 in Rot goldener Löwe. Herzschild in Rot von Silber und Schwarz gespaltener Schrägrechtsbalken.

Quelle:  
von Roll, Landammann Karl Emanuel (I7764)
 
123
Der 66. Landammann der Schweiz (Amtsperiode 118) - Johann Kaspar Arnold von Spiringen

Arnold von Spirigen Johann Kaspar, in Altdorf, Landammann —1635, † 16. November 1638; geboren 1590 als Sohn des Heinrich, Seckelmeister, und der Anna Imhof († 1591) ; und dreimal vermählt: 1. mit Maria Stricker, † um 1621/22, 2. mit Magdalena Käs, im September 1622 († 16. November 1628), 3. mit Anna Maria Tresch, † 1645.

Arnold war Landschreiber 1611—1625, Tagsatzungsgesandter 1618—1637, Landvogt zu Riviera 1624—1626, Kommissar zu Bellenz 1626—1628, Landesstatthalter 1631-1633, Landeshauptmann 1635.

Bei Anlass der Beschwörung des Bundes mit König Philipp IV. von Spanien in Mailand am 20. September 1634, erhielt Arnold die Ritterwürde verliehen.

Vom Jahre 1626—1632 wohnte Johann Kaspar Arnold zu Bürglen im Hause des Ritter Peter Gisler sei., das nach des letztern Ableben an seinen Schwiegervater, Landschreiber und Kirchenvogt Mathias Käs kam.

Im Jahre 1618 gehörte Arnold dem Syndikate an; sein Wappen ist im Porticato des Castello di Locarno bei diesem Anlasse verewigt worden: in Blau ein roter Hellebardier, mit derselben Helmzier. Ein Originalgemälde von 1634 dieses Landammannes kam s. Z. ins Kunstmuseum nach Frankfurt; dessen Photographie ist im Historischen Museum zu Altdorf.

Von Landammann Arnold sind mir 2 Siegelabdrücke zu Gesicht gekommen mit derselben Darstellung; sie unterscheiden sich durch die Grösse. Ein Aktenstück vom 17. April 1625 des Staatsarchives Tessin, Abt. Riviera, zeigt das Rundsiegel von 3 cm Durchmesser; im Schild von 11 X 14/11 mm, der Hellebardier, ebenso als Helmzier, und die 1,2 mm grosse Umschrift: „S. IOHANN KAS / PAR . ARNOLD" (Abbildung No. 54).

Ferner ab einer Gült von 200 Gl. d. d. 29. Dezember 1633 auf „Hofstatt zu Sigmanig" in Bürglen das Siegel von 3,4 cm Durchmesser. Schild von 13 X11 mm, mit dem Wappenbilde, und der Inschrift in 1,5 mm hohen Majuskeln. (Abbildung No. 53).

Quelle:  
Arnold von Spiringen, Landammann & Ritter Johann Kaspar (I18095)
 
124
Der 68. Landammann von Uri (Amtsperiode 124) - Johannes Stricker

Johannes Stricker, in Altdorf, Landammann 1645—1647, † 25. April 1651.
Er wurde geboren 1585 als Sohn des Landammann Gedeon und der Agatha Gamma und heiratete nach dem am 21. November 1642 erfolgten Hinscheid seiner ersten Gattin, Margaretha Bessler, Tochter des Hauptmann Alexander und der Katharina von Varese, Witwe des Jost Theodor Schmid, die Anna Katharina Epp, Tochter des Hauptmann Martin und der Katharina Grüeninger, † 25. September 1651.

Stricker war Hauptmann in französischen Diensten; warb 1614 eine Kompagnie von 300 Mann unter dem Regiment Fegeli ; bekam eine Ratsherrenstelle, wurde als Gesandter zur Beschwörung des Bündnisses mit Herzog Viktor Amadeus von
Savoyen 1634 nach Turin abgeordnet; Tagsatzungsgesandter 1634—1647, Landesstatthalter 1639—1645.

Das hier abgebildete Siegel benützte Stricker als Statthalter am 11. November 1644 zur Besiegelung einer Gült ab Walter Zeffel's Haus mit Garten zu Schattdorf; es hat einen Durchmesser von 3,6 cm. Ein Kranz von 1,5 mm schliesst das Siegelfeld ein. Der in die Umfassung hineinragende Schild von 13 x 13/9 mm zeigt das geviertete Wappen: 1 und 4 Lilie, 2 und 3 Flug; als Kleinod ein Flug mit Fussband. Die Umschrift in 2 mm hohen Majuskeln lautet: "... IOHANNES / STRICKER .." (Abbildung No. 84).

Quelle: 
Stricker, Landammann Johann (Johannes) (I17513)
 
125
Der 69. Landammann von Uri (Amtsperiode 125 und 129) - Sebastian Peregrin Zwyer von Evibach

Zwyer von Evibach, Sebastian Peregrin, in Altdorf, Landammann 1647—1651 und 1657—1659. † 5. Februar 1661; geboren 1597 zu Klingnau, als Sohn des Hauptmann Andreas, Obervogt zu Klingnau und Kaiserstuhl, und der Helena von Beroldingen, Gemahl der Maria Ursula von Roll, Tochter des Landammann Johann Peter und der Katharina Schmid.

Die angesehene, einflussreiche Familie, welche ihren Zunamen vom Stammsitze beim Evibach zu Silenen ableitet und die ums Jahr 1400 nach Altdorf übersiedelte, ist in Uri seit Anfang des 18. Jahrhunderts ausgestorben, soll aber in einer Seitenlinie in Österreich noch fortbestehen.

Wappen:
I. In Blau drei Zweige mit je 5 Blättern, die untern zwei silbern,
die obern golden.
II. Durch das kaiserliche Diplom vom 6. Mai 1668, womit die Familie von Landammann Zwyer in den Reichsfreiherrenstand erhoben wurde, fand eine Wappenbesserung statt : in Blau mit goldenem Bord drei gestielte goldene Lindenblätter.

Vorerst Page des Herzogs von Alba, trat Sebastian Peregrin 1619 als Hauptmann in den kaiserlichen Dienst, avancierte 1624 zum Oberstleutenant und 1632 zum Regimentsinhaber; Führer und Sieger in der Schlacht bei Nördlingen 6. September 1634. Nach der Wahl zum Generalmajor und kaiserlichen Kriegsrat 1635 reorganisierte Zwyer die kaiserliche Armee, übernahm 1638 das Kommando des von den katholischen Kantonen Spanien zugesicherten Regimentes, um 1641 wieder den Dienst des Kaisers aufzunehmen, rückte 1642 zum Feldmarschall-Leutenant vor. 1647 verliess Zwyer den fremden Kriegsdienst und zog sich in seine Heimat zurück. Als Tagsatzungsgesandter begegnet uns Zwyer von 1644—1658. Die Landsgemeinde wählte ihn 1645 zum Landesstatthalter und 1648 als Landshauptmann. 1650 wurde Zwyer mit Bürgermeister J. R. Wettstein von Basel als eidg. Bote nach Wien entsandt zur Ratifikation der beim westphälischen Frieden zu Münster für die Schweiz erwirkten Vergünstigungen. Im Bauernkrieg 1653 kommandierte General Zwyer die urschweizerischen Truppen, warf den Aufstand nieder und erhielt von Luzern nebst goldener Kette mit Denkmünze am 12. Juli 1653 das Ehrenbürgerrecht. An seinem Krönungstage, den 28. Juni 1653, verlieh Kaiser Ferdinand IV. Zwyer die Reichsritterwürde und am 6. August 1658 erhob er ihn zum Reichsfreiherrn.

Seit 1627 Obervogt zu Klingnau und Kaiserstuhl, Erbtruchsess des Stiftes Konstanz, erwarb Sebastian Peregrin Zwyer das Schloss Wartegg am Bodensee und am 11. November 1644 mit seinem Bruder Joh. Franz die Herrschaft Hilfikon im Freiamt. Seine Bestrebungen, den 1. Villmergerkrieg zu verhindern, brachte Zwyer in Gegensatz zu einigen Orten und führte zu einem langwierigen Prozess, der bis 1660 dauerte.

Die Zwyerkapelle zu Magigen an der Attinghauserstrasse liess Zwyer anlässlich der Pest von 1629 erstellen. (Anm. Nicht sicher? siehe dazu "Zur Geschichte des Zwyerhauses und der Zwyerkapelle bei Altdorf". ms)

General Zwyer war wohl der bedeutendste und einsichtvollste Staatsmann, den die katholische Schweiz in dieser Zeit hervorgebracht.

Den Sitzungssaal der Regierung im Rathause zu Altdorf schmückt ein Originalgemälde des General Zwyer.

Das Siegel (Abb. No. 85) befindet sich an der Urkunde No. 1682 des Stadtarchives Baden (Gerichtliche Bestätigung eines Vertrages vom 6. April 1628, besiegelt von Obervogt Zwyer Seb. Peregrin), 3,6 cm Durchmesser. 2 mm hohe Umschrift: * S. SEBASTIAN / BILGER ZWEI/ER *". Wappenschild, mit Bord und 3 Blättern mit Zweig. Als Kleinod: 5 Pfauenfedern. Das Ganze eingerahmt durch einen starken Kranz.

Ein Siegelabdruck des Landesmuseums von 1630, von feiner Gravierarbeit, hat 3,3 cm Durchmesser, Wappenschild mit Bord von 12 X-9 mm und Kleinod wie hievor beschrieben. 2 mm grosse Umschrift: " * S * SEB(AiSTIAN) BI(LGER ZW)EYER *", 2 mm breite Kranzeinfassung (Abbildung No. 86).

An Schreiben im Stiftsarchiv St. Gallen sind Abdrücke von folgenden Siegeln:
a) vom 3. November 1631 (H. 1844) : Oktogon-Siegel von 18 x 15 mm. Wappen mit Siegelbild und Kleinod, wie hievor. Inschrift von y2 mm Höhe : „SEBASTIAN PEREGRIN . ZWYER VON . FRIBACH" (Abbildung No. 87);
b) vom 12. Januar 1649 (D. I. 21/3) : Oktogones Ringsiegel von 10 X 9 mm, mit ähnlichem Siegelbild wie hievor (Abbildung No. 88).

Quelle:  
Zweyer (Zwyer) von Evibach, Landammann & Ritter Sebastian Peregrin (I7743)
 
126
Der 70. Landammann von Uri (Amtsperiode 126) - Jost Püntener

Jost Püntener, in Altdorf, Landammann 1651—1653, † 4. Januar 1657, geboren 1587 als Sohn des Johann Heinrich, Gardehauptmann zu Turin und der Katharina Rüepplin, Gemahl der Katharina Tussin, † 3. August 1651.

Püntener brachte es in fremden Kriegsdiensten bis zum Hauptmann. Seiner Heimat stellte er seine Dienste zur Verfügung als Landschreiber bis 1632, Landvogt im Thurgau 1634 und 1635, Landesseckelmeister seit 1637, Tagsatzungsgesandter von 1638—1655, Landsfähnrich 1646—1654, Landesstatthalter 1647—1651; Gesandter nach Turin zur Beschwörung des Bündnisses mit dem Herzog von Savoyen 1653. Dem Kirchenrate von Altdorf gehörte er längere Zeit an, in den Jahren 1620—1622 als Kirchenvogt.

Wappen: Geviertet: 1 und 4 in Gold ein schwarzer Stierkopf mit rotem Nasenring,
2 und 3 in Schwarz ein goldener Leuerstahl mit silbernem Tatzenkreuz. Eine ältere Variante hat an Stelle des Kreuzes über dem Leuerstahl einen silbernen
Stern.

Die Wappentafel der thurgauischen Landvögte bringt das vorbeschriebene Wappen, dagegen die Leider 2 und 3 einzig mit dem Leuerstahl.
Das Landesmuseum besitzt eine von Glasmaler Nikiaus Bluntschli gemalte
Allianz-Wappenscheibe des „Virich Büntiner des Raths zu Vry disser Zyt Landtuogt Jnn Lryen Ampteren des Ergöws vnd Lrouw Adelheida Buntinerin ein Gebornne
von Pro sein Elicher Gemacheil 1597", worauf der Stierkopf von 2 Sternen beseitet ist.

Originalgemälde dieses Landammanns im Historischen Museum in Altdorf.

Als Landvogt im Thurgau besiegelte Jost Püntener einen Brief vom 5. Oktober 1634 an Dr. Jodoc Appenzeller in St. Gallen (Stiftsarchiv St. Gallen, VIII, 26/3) mit Oktogon-Siegel von 12 X 11 mm. Der Schild von 5,5 x 5 mm zeigt das ge- vierte Wappen (i/4 Stierkopf, 2/3 Feuerstahl, überhöht von Stern) und als Kleinod den steigenden Stier (Abbildung No. 89).

Jost Püntener war Besitzer des Gutes „Seewadi" zu Erstfeld und erbaute daselbst 1644 die St. Josefs-Kapelle und veranlasste die am 19. März 1658 vollzogene Stiftung einer Pfründe.

Quelle:  
Püntener, Landammann & Ritter Jost (I1975)
 
127
Der 71. Landammann von Uri (Amtsperiode 127) - Johann Anton Arnold von Spiringen

Johann Anton Arnold von Spiringen, in Altdorf, Landammann 1653 bis 1655, † 11. April 1663.

Sohn des Ratsherrn und Spitalvogt Walter und der Barbara Tschudi, kam in spanischen Diensten bis zum Hauptmann, wird als Mann von grosser Reputation geschildert, ist Abgeordneter an Tagsatzungen und Konferenzen von 1639—1662, Kirchenvogt von Altdorf 1638—1640, gehörte sodann der Regierung an als Zeugherr 1637—1647, wird Landvogt im Thurgau 1648—1650, Landesstatthalter 1651 bis 1653, Pannerherr 1655—1662. Beim Friedensschluss mit Bern und Zürich am 26. Februar 1656 vertrat Landammann Arnold seinen Kanton.

Er war zweimal verheiratet:
1. mit Magdalena von Beroldingen, Tochter des Heinrich und der Apollonia Türler, kinderlos † 5. April 1639.
2. mit Maria Apollonia Schmie! von Uri, Tochter des Hauptmann Jost Dietrich und der Anna Margretha Bessler, 1644, † 6. Dezember 1660.

Arnold besass das Schlösschen Rudenz zu Flüelen.

Wappen: In Rot ein mit Hellebarde bewehrter Krieger (wie das Wappen derer „von Spiringen").

Siegel:
1. Der thurgauische Landvogt besiegelte sein Schreiben vom 19. Februar 1650 (Stiftsarchiv St. Gallen, X. 24/3) an den st. gallischen Hofmeister mit einem Oktogon-Siegel von 14 x 11 mm, mit „Hellebardier" und gleicher Helmzier, beseitet von den Initialen "IAA" (Abbildung Nr. 91).

2. Zum Besiegeln der Gülten benützte Landammann Arnold ein Rundsiegel von 32 mm Durchmesser, mit Wappenschild von 12 X 7—12 mm, den Krieger mit Hellebarde und dasselbe Kleinod zeigend ; die 2 mm hohe Umschrift lautet : ,,*S*HANS . ANT/ONI ARNOLD". Das Belegexemplar in meiner Sammlung ist ab einer Gült vom 4. Marz 1654. (Abbildung Nr. 90.)

Joh. Anton von Spiringen, genannt Arnold, ist der letzte Landammann aus dieser Familie, welche anfangs des 19. Jahrhunderts ausstarb. Ein Zweig derselben bekleidete von 1591—1737 die Gardehauptmannstelle zu Bologna.

Quelle:  
Arnold von Spiringen, Landammann Johann Anton (I7790)
 
128
Der 72. Landammann von Uri (Amtsperiode 128) - Andreas Planzer

Andreas Planzer, in Bürglen, Landammann 1655—1657, † 1678.
Sohn des Landesfähnrich Johannes und der Anna Schädler, verehelichte sich dreimal:
1. mit Anna Moor, Tochter des Ratsherrn Johann in Attinghausen, und der Barbara Aschwanden, † 1641;
2. mit Christina Zgraggen, Tochter des Johann Zgraggen in Schattdorf, und der Barbara Troger, † 15. April 1652;
3. 1658 mit Anna Katharina Arnold, von Altdorf, † 1660.

Er bewohnte zuerst sein Vaterhaus an der Feldgasse (heutige Sennerei Planzer), und erwarb später das von Ritter Peter Gisler 1609 erbaute schöne Landhaus in der Spielmatt. Dieser stolze Sitz ist bis heute, also während 300 Jahren im Besitze der Hauptlinie geblieben. Andreas Planzer stand beim Landvolke in»hohem Ansehen, vertrat die 3. Genossame des Landes, Bürglen ob dem Gräbli, schon in jungen Jahren im Landrate, amtete als Kirchenvogt von Bürglen. 1624—1626 und Verwalter der Kapelle im Riederthal 1626—1628, war Tagsatzungsbote von 1626-1668, trat als Landesfähnrich 1635 in die Regierung und bekleidete das Amt des Landesstatthalters von 1653—1655.

Ein Originalgemälde dieses Landammanns befindet sich in Bürglen im Familienbesitze.

Der Familienname kommt von dem Landgut „Planzern" in Bürglen, das noch im 17. Jahrhundert im Besitze der Familie war. Landamman Planzer ist übrigens Stammvater dieses alten Urnergeschlechtes, das 1930, verbürgert in Altdorf, Bürglen, Schattdorf, Flüelen und Sisikon 413 Angehörige zählte.

Wappen:
1. Das alte Wappen weist in Silber ein blaues lateinisches Klee- blattkreuz.
2. Das jüngere Wappen ist geteilt: oben in Blau 2 silberne Lilien, unten in Rot ein silbernes Tatzenkreuz, eine silberne Devise über der Teilung (Ofen von 1835 im Hause der Gebr. Max und Joh. Jos. Planzer, Bürglen; Uraniens Gedächtnistempel und Wappenbuch Schrnid von 1822).

Das hier abgebildete Siegel in Holzkapsel rührt von einer durch Landammann Planzer besiegelten Gült vom 11. November 1655 ab Jörg Zwyer's Haus, Garten und Hofstättli zu Flüelen, hält 3 cm im Durchmesser, mit einem 2 mm breiten Kranz zwischen einfachen Linien abschliessend, zeigt im Schild von 11 x 10/8 mm ein Lilienkreuz und als Helmzier den Wildmann mit 3-blättrigem Kleeblatt in der rechten Hand. Umschrift in 1,5 bis 2 mm grosser Antiqua: " S. ANDREAS PFLANZER (Abbildung Nr. 92.)

Quelle:  
Planzer, Landammann Andreas (I15831)
 
129
Der 73. Landammann von Uri (Amtsperiode 130) - Johann Franz Imhof von Blumenfeld

Johann Franz Imhof von Blumenfeld, in Altdorf, Landammann 1659 bis 1661, † 11. April 1674.

Sohn des Landammann, Ritter Walter II. und der Maria Elisa von Roll, geboren 1601.
Gattin: Lucretia Rüepplin.

Imhof bekleidete von 1626 bis 1653 das Amt eines Landschreibers und trat 1655 in die Regierung ein als Statthalter. Als Tagsatzungsbote vertrat er Uri 1641 bis 1672. Er war Hauptmann in spanischen Diensten, welche ihn lange von daheim fernhielten. In Altdorf bewohnte Imhof das grosse Haus beim Tellen- brunnen, das über 300 Jahre im Besitze der Familie war. Er schliesst die Reihe der 5 Landammänner aus dem Geschlechte „Imhof von Blumenfekl", welches im Anfang des 19. Jahrhunderts erloschen ist. Demselben gehörte auch eine, mehrere Generationen umfassende Goldschmiedfamilie an.

Joh. Franz I. ist mit Wappen und Sinnspruch im Wappenbuch der Straussengesellschaft 1646 verewigt, ebenso dessen Sohn, Landschreiber und' Tagsatzungsbote Hugo Ludwig 1652. Suter hat in seiner Landammänner-Bilderserie auch unsern Landammann verewigt.

Am 1. September 1652 besiegelte Landschreiber Joh. Franz I. einen Brief an Junker Ignaz Balth. zu Baldenstein (Stiftsarchiv St. Gallen, VI. 48/2) mit Oktogon Ringsiegel von 7,5 x 6,5 mm, einzig das Familienwappen (Schaufelkreuz) mit Helmzier aufweisend (Abbildung Nr. 93).

Die Nachkommen des Landvogtes Christoph Imhof, f 1590 als Landvogt zu Baden (derselbe war vermählt mit Anna von Pro) führten ein geviertetes Wappen : 1 und 4 in Gold das Stammwappen (schwarzes Schaufelkreuz), 2 und 3 in Blau 2 silberne Hunde mit goldener Lilie (Wappen Apro). So führt 1689 Hauptmann Emanuel Josef Im Hoff, Landesfürsprech, im Straussen-Wappenbuch dieses Allianzwappen, und dessen Grossvater, Hans Caspar I., siegelte als Landvogt zu Baden 1621 mit einem gleichen Siegelbilde.

Quelle:  
Imhof von Blumenfeld, Landammann Johann Franz (I10401)
 
130
Der 74. Landammann von Uri (Amtsperiode 131 und 138) - Johann Karl Emanuel Bessler von Wattingen

Johann Karl Emanuel Bessler von Wattingen, in Altdorf, Landammann 1661—1663 und 1675—1677, † 30. November 1681.

Sohn des Hauptmann Johann Kaspar und der Maria Elisa Bodmer, geboren 1621. Er ist ein Enkel Emanuel's, des ersten Landammanns aus dieser Familie, welche Uri neun Staatsoberhäupter schenkte.

Gattin: Barbara von Roll, Tochter des Landamman Karl Emanuel und der Regina Schmid.

Eine Allianzscheibe von Hans Jost Tschupp, Sursee, welche 1928 zu kaufen war und im Neujahrsblatt des Vereins für Geschichte und Altertümer von Uri 1929, Tafel II, zur Wiedergabe gelangte, zeigt die Widmung: „Hr. Haupmä Johan Carll Emanuel Bässler Landamafi vnd Panerherr lobl. stands Vry. Fr. Maria Barbara von Roll Sein Gmahlin 1681." Das Wappen „Bessler" führt als Helmzier 5 Pfauenfedern, besteckt mit dem Dreikugeln-Band.

Johann Karl Emanuel Bessler, meistens nur mit den zwei letzten Taufnamen benannt, war Hauptmann in fremden Kriegsdiensten, Spitalvogt zu Altdorf 1646 bis 1649, Landesstatthalter 1659—1661 und Pannerherr, sowie Tagsatzungsgesandter.

Im historischen Museum zu Altdorf befindet sich sein Porträt; er ist auch vertreten in der Sammlung der Landammännerbilder von Suter.

Unser Landammann hat am 25. April 1676 eine Gült ab Johann Gnossen Mütschenberg in Silenen besiegelt; das Rundsiegel von 3,6 cm Durchmesser führt im Schild von 14 x 12 mm das Wappen : Querbalken belegt mit 3 Kugeln, im Schildhaupt 2 Brackenköpfe, im Schildfuss 2 vierästige Feuerbrände. Als Helmzier 5 Pfauenfedern, besteckt mit den 3 Kugeln auf Band. Die 2 mm hohe Umschrift lautet: "⁜ IOAN : CARL: EM/ANVEL: BESLER ⁜". Das Ganze wird durch einen 3 mm breiten Kranz abgeschlossen. (Abbildung Nr. 94.)

Quelle:  
Bessler von Wattingen, Landammann Johann Karl Emanuel (I7762)
 
131
Der 76. Landammann von Uri (Amtsperiode 133 und 136) - Johann Franz Schmid von Bellikon

76. Johann Franz Schmid von Bellikon, in Altdorf, Landammann 1665 bis 1667 und 1671 bis 1673, † im Amte am 25. März 1673.

Eltern: Hans Martin, des Rats, und Katharina Kyd.
Gattin: Anna Katharina Zwyer von Evibach, Tochter des Landammann Sebastian Peregrin und der Maria Ursula von Roll, † 8. September 1661.

Peter Schmid, aus dem Bomatt stammend, erhielt 1566 das Urner Landrecht um 1035 Gulden; er ist der Stammvater dieser Familie, welche aber erst unter Hans Martin, nach dem Ankauf von Schloss und Herrschaft Bellikon und Erhebung durch Kaiser Ferdinand III. in den Freiherrenstand 1646 sich ,,Schmid von Bellikon" nannte.

In Altdorf bewohnte die Familie Schmid das um 1612 erstellte grosse Haus auf dem Lehn, das in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts an die Schmid von Uri überging.

Nach der damaligen Übung machte Johann Franz vorerst fremde Kriegsdienste mit, wo er es bis zum Hauptmann brachte, kam in den Landrat, sodann 1632 als Landessäckelmeister in die Regierung, ist von 1653—1655 Landvogt zu Baden, und von 1663—1665 Landesstatthalter. Von 1650 bis 1673 vertritt er Uri
Römischer Reichsritter.

Wappen: Ursprünglich in Rot zwei steigende abgekehrte goldene Löwen mit verschlungenen Schweifen, überhöht von einer goldenen Lilie. Seit 1646, nach Erhebung in den Reichsritterstand, ist das Wappen geviertet: 1 und 4: das alte Wappen, 2 und 3: in Schwarz ein goldener Querbalken (Bellikon).

Ein Originalgemälde dieses Landammanns befindet sich im Schlosse Böttstein.

Johann Franz Schmid hat als Landvogt zu Baden u. a. eine Urkunde vom 11. August 1654 (Stadtarchiv Baden Nr. 1763) besiegelt, womit den Angehörigen des Amtes Rohrdorf gestattet wird, ihren Wein von der Trotte zu verkaufen. Das Rundsiegel hat 39 mm Durchmesser. Der Schild hält 18 x 15 mm. Das Wappen ist geviertet : 1 und 4: zwei stehende Löwen mit verschlungenen Schwänzen, 2 und 3 : drei Balken mit Verzierungen. Helmzier: rechts Löwe mit Lilie in den Pranken, links Zipfelkappe. 2 mm grosse Umschrift: IOAN / ES FRANCISCUS / SCHMID / RITHER. Das Ganze ist von einem 2,5 mm breiten Kranz abgeschlossen (Siegelabb. Nr. 115).
Eine Gült vom 11. Juni 1665 ab „Schwanden" in Unterschächen, besiegelt von Landammann Johann Franz Schmid, hat einen übereinstimmenden Siegelabdruck.

Quelle:  
Schmid von Bellikon, Landammann & Ritter Johann Franz (I7776)
 
132
Der 78. Landammann von Uri (Amtsperiode 135) - Johann Kaspar Stricker

Johann Kaspar Stricker, in Altdorf, Landammann 1669 bis 1671, wurde geboren 1609 als Sohn des Hauptmann Gedeon und der Elisabeth Dorner. Sein Todesdatum ist der 4. Juli 1671.

Gattin: Anna Margaretha Förstenheuser, Tochter des Apothekers Sebastian und der Katharina Bessler von Wattingen.

Johann Kaspar Stricker besass den Baumgarten unterhalb der Schmidischen Mühle zu Altdorf, befand sich vorerst in französischen Diensten, ward sodann Vogt der Seelmesspfründe Altdorf 1641—1643, Dorfvogt seiner Heimatgemeinde 1644 und 1645, des Rats 1651, Tagsatzungsgesandter, und Zeugherr, vermutlich von 1652 an. Er ist der letzte Landammann aus diesem Geschlechte, das hier im 18. Jahrhundert ausgestorben ist.

Wappen: I. in Rot ein silberner Flug mit goldener Fussfessel.

Unterm Jahr 1664 ist Gardehauptmann Sebastian Heinrich Stricker im Wappenbuch der Straussen-Gesellschaft verewigt. Das gevierte Wappen weist: 1 und 4 in Blau eine goldene Lilie, 2 und 3 in Rot einen silbernen Flug, sowie als Helmzier (Kleinod) einen blauen Flug mit roter Fessel.

Ein Siegelabdruck dieses Landammanns konnte nicht beigebracht werden.

Quelle:  
Stricker, Landammann Johann Kaspar des Raths (I17516)
 
133
Der 80. Landammann von Uri (Amtsperiode 140) - Sebastian Muheim

Sebastian Muheim, in Erstfeld, Landammann 1679—1681.

Geboren 1611, † 1694 als letzter männlicher Sprosse der Erstfelder Linie, die sich nach Flüelen und Altdorf verzog. Sein Wohnhaus im Taubach zu Erstfeld, vom Vater vermutlich auf den Trümmern des alten Meierturmes erbaut, war mit seinen meterdicken Grundmauern das Muster eines alten, stolzen Urner Bauernhauses.

Eltern: Hauptmann, Landvogt Jakob und Katharina Giudice.
Gattin: Maria Barbara Muther, Tochter des Johann Jakob und der Anna Maria Zgraggen.

Wappen: I) Ursprüngliches: in Gold eine schwarze Hausmarke, von 2 Sternen beseitet (1494), wiedergegeben auf der Thurgauer Landvögte-Wappentafel von 1797; 2) Neueres: in Gold ein geschweifter Sparren, begleitet von 3 schwarzen Grillen (mundartlich: Muheimen). Letzteres führte erstmals Ritter, Landessäckelmeister Beat Ludwig 1549, wahrscheinlich infolge eines Wappenbriefes.

Sebastian Muheim war Kirchenvogt zu Erstfeld, des Rates, Landvogt im Rheintal 1654—1656, Landesstatthalter 1673—1679, Tagsatzungsgesandter von 1658 bis 1693, wurde 1677 und 1684 an die Stadt Rapperswil, 1680 nach Turin und 1684 nach Luzern zur Erneuerung des Bündnisses mit dem Herzog von Savoyen, und 1681 nach Sitten zur Erneuerung des Bundes mit Wallis entsandt.
Anlässlich der Renovation der Jagdmatt-Kapelle in Erstfeld 1676 stiftete Muheim den Dreikönigenaltar mit dem Altargemälde, welches das Allianzwappen Muheim-Muther trägt.

Unter den im Stiftsarchiv St. Gallen befindlichen Urkunden konnte ich 2 verschiedene Siegelungen feststellen.

1) Der Rezess vom 9. Juni 1656 zwischen dem Reichshof Kriesern und Oberriedt, und Hans Rechsteiner in Altstätten (C. T. Nr. 19) trägt ein Rundsiegel von 3 cm Durchmesser in Holzkapsel mit der Umschrift von 2 mm Höhe: SEBASTIAN MUHEIM. Im Schild von 11 X 10 mm sind als Wappenfiguren 3 Heimchen, und als Helmzier (Kleinod) das steigende Einhorn (Abbildung Nr. 119).

2) Einem Handschreiben vom 10. Januar 1656 ist das Oktogon-Siegel von 14 X 12 mm aufgedrückt, mit dem hievor beschriebenen Wappen. Das Einhorn als Kleinod ist beseitet von den Initialen iS. Tl. (Abbildung Nr. 120).

Sebastian Muheim ist der Stammvater der vier im 19. Jahrhundert amtierenden Landammänner dieses Geschlechtes in Altdorf.

Quelle:  
Muheim, Landammann Sebastian (I16145)
 
134
Der 81. Landammann von Uri (Amtsperiode 141) - Johann Anton Schmid von Uri

Johann Anton Schmid, in Altdorf, Landammann 1681—1683, aus der Linie des Gardehauptmanns, * 1630, ✟ 14. Juli 1706.

Eltern: Gardehauptmann Jost und Maria Magdalena Tanner.
Gattin: Maria Anna Zwyer von Evibach, Tochter des Landammann Sebastian Peregrin und der Ursula von Roll.

Johann Anton diente vorerst als Gardeleutnant unter seinem Vater in Paris und seit 1665 bei der Gardekompagnie zu Turin, deren Hauptmann er 1670 wurde mit dem Rang eines Obersten; des Rats, als Zeugherr trat er 1669 in die Regierung und rückte 1679 zum Landesstatthalter vor. Tagsatzungsgesandter 1670—1704. Gesandter nach Paris 1663 zur Beschwörung des Bündnisses mit König Ludwig XIV., 1668 und 1674 nach Mailand, 1681 nach Ensisheim zu König XIV. von Frankreich, und zur Beschwörung des Goldenen Bundes, 1683 zur Bundeserneuerung mit dem Herzog von Savoyen. 1688 amtete Schmid als Schiedsrichter in den Grenzstreitigkeiten zwischen Bern und Wallis. Seit 1676 auch Landeshauptmann, finden wir ihn im Jahre 1678 als Befehlshaber der Truppen an der Grenze zum Schutze des Vaterlandes.

Die Landsgemeinde 1671 verehrte Schmid wegen der vielen dem Lande geleisteten Dienste einen 100 Lot schweren silbernen Becher.

Als Oberster der 100 Schweizer in Turin trat Sch. 1700 zugunsten seines Sohnes Jost Anton, des nachherigen Landammanns, zurück.

In Altdorf hatte er seinen Wohnsitz im grossen Hause zu Grossutzigen (heute Lusser'sches) beim Frauenkloster.

Für die auf dem Zuge gegen die Türken 1688 Gefallenen aus dem Regimente seines Sohnes Sebastian Peregrin stiftete Landammann Sch. das Moräer-Jahrzeit. Die Urkunde vom 5. März 1698 trägt in kleiner Holzkapsel den Abdruck seines Ringsiegels von 19 x 16 mm, ohne Inschrift. Der Schild von 8x6 mm führt das gevierte Wappenbild (1 und 4: Lilie, 2 und 3: Bär), mit Bär als Helmzier (Kleinod) (Abbildung Nr. 121).

Meine Siegelsammlung enthält einen weitern Siegelabdruck von 3 cm Durchmesser1). Der Schild mit dem Wappen Schmid ist 11 x 13 — 8 mm gross. Kleinod: Bär. Umschrift in 2 mm hohen Majuskeln: ✠ IO . AN ✣ . SCHMIDT ✠ (Abbildung Nr. 122).

Quelle:  
Schmid von Uri, Landammann & Ritter Johann Anton des Raths (I17648)
 
135
Der 83. Landammann von Uri (Amtsperiode 143) - Johann Karl Püntener

Johann Karl Püntener, in Altdorf, Landammann 1685—1687, ✟ 27. Mai 1694.

Eltern: Landammann Jost und Katharina Tuss.

Gattinnen:
1. Maria Dorothea Tanner, Tochter des Landammann Joh. Jakob und der Apollonia von Beroldingen,
2. Katharina von Gotterauw, 3. Anna Mar- gretha Stricker, Tochter des Landammann Johannes und der Margretha Bessler.

Johann Karl war Dorfvogt zu Altdorf 1646 und 1647, Hauptmann in fremden Kriegsdiensten, Landschreiber 1641—1668, des Rats, Tagsatzungsgesandter 1648 bis 1687, Landessäckelmeister 1669—1674, Landvogt zu Locarno 1676 und 1677, und Landesstatthalter 1681—1685.

Im Jahr 1928 befand sich eine Wappenscheibe im Handel mit der Aufschrift: „Hr. Haubtman Jo. Carll Bünttiner, alt Sekelmeister, vnd gwester Landvogt zu Lugarus, der Zeit Stathalter Loblichen Stands Vry Ao. 1681". — Das Wappenbuch der Straussengesellschaft gibt das gevierte Wappen dieses Landammanns wieder: 1 und 4 in Gold schwarzer Stierköpf, 2 und 3 in Schwarz goldener Feuerstahl, überhöht von silbernem Tatzenkreuz. Kleinod: Steigender schwarzer Stier mit roter Zunge und Nasenring.

Als Landschreiber bediente sich Püntener eines Oktogon-Siegels von 8x7 mm Bildfläche, mit dem Wappen: 1 und 4 Stierkopf, 2 und 3 Feuerstahl mit fünfzackigem Stern. Über dem Schild sind die Initialen ,,ICB" (Abbildung Nr. 19). Die Wiedergabe ist ab einer Handschrift vom n. November 1668 ab „Haueten" in Bürglen (Pfarrarch. Bürglen).

Den Vertrag vom 10. Februar 1650 zwischen Anthoni zur Brugg und dem Spital in Altdorf (Pfarrarch. Altdorf) besiegelte Landschreiber P. mittelst eines oktogonen Siegels von 14 X 11 mm, mit dem steigenden Stier als Kleinod über dem Wappenschild, begleitet von den 1,5 mm hohen Initialen „ICB".

Ein Bruder, Hauptmann Gedeon Püntener, zog um 1650 nach Erstfeld, bewohnte die „Seewadi" und begründete die Erstfelder-Linie.

Quelle:  
Püntener, Landammann Johann Karl (I4121)
 
136
Der 84. Landammann von Uri (Amtsperiode 144, 147 und 150) - Johann Karl Bessler von Wattingen

Johann Karl Bessler von Wattingen, in Altdorf, Landammann 1687 bis 1689,1693—1695 und 1699—1701.

Sohn des Landammann Johann Karl Emanuel und der Maria Barbara von Roll, geb. 1641, ✟ 12. April 1702.

Gemahl der Maria Anna von Beroldingen, Tochter des Oberst Karl Konrad und der Maria Ursula Zwyer von Evibach.

Er diente seiner Heimat als Landschreiber 1669—1680, Tagsatzungsbote 1673—1701, Landessäckelmeister 1680-—1684, Landvogt von Lugano 1684 und 1685, Pannerherr 1686—1702.

Von der Republik Venedig erhielt er am 18. Februar 1687 das Diplom als Ritter des St. Markus-Ordens. Als Oberst befehligte Bessler von 1690 bis 1698 ein Schweizerregiment in Spanien unter Karl II. Sein Originalgemälde befindet sich im historischen Museum in Altdorf.

Im Landesmuseum ist eine Wappenscheibe Bessler-Beroldingen von Glasmaler H. J. Tschupp, Sursee, von 1683, mit falsch eingesetztem Namensschild Römer von Ritt. Dieselbe betrifft aber Joh. Karl Emanuel Bessler von Wattingen, Landessäckelmeister, und Frau Maria Anna von Beroldingen.

Siegel:

1) Im Stadtarchiv Bellinzona befindet sich ein von „Sargente Maggiore Gio Carlo Besler, secretario d'Urania", gezeichnetes Schriftstück, besiegelt mit dessen einfachem Wappen-Ovalsiegel.

2) Am 7. Dezember 1672 fertigte und siegelte Landschreiber B. eine Gült ab Berg im Erstfeldertal. Das Oktogon-Siegel von 15 x 13 mm weist das Ovalwappen, unter 9-zackiger Krone, und 2 Bracken als Schildhalter auf.

3) Das Rundsiegel von 36 mm ab einer Gült vom 31. Mai 1699 ab „Schwanden- berg" in Unterschächen hat einen Schild von 14 x 11—14 mm, mit dem Wappenbild der Bessler von Wattingen. Die 2 mm hohe Umschrift lautet : ❁ IOAN : CARL : EMANUEL BESSLER ❁. Das Ganze ist eingerahmt durch 3 mm breiten Kranz (Abbildung Nr. 20).

Quelle:  
Bessler von Wattingen, Landammann & Ritter Johann Karl (I7739)
 
137
Der 85 Landammann von Uri (Amtsperiode 145 & 152) - Johann Martin Schmid von Bellikon

Johann Martin Schmid von Bellikon, in Altdorf, Landammann 1689 bis 1691 und 1703 bis 1705, geb. 1648 als Sohn des Landammann Johann Frz. und der Anna Katharina Zwyer von Evibach, f 23. März 1712.

Am 3. Juni 1670 heiratete er Anna Maria von Roll, Tochter des Karl Ernst von Roll und der Magdalena Zumbrunnen, welche ihrem Ehemanne die Herrschaft Böttstein 1674 zubrachte. Joh. Martin wurde so der Stammvater der Böttsteiner- Linie. In zweiter Ehe führte er Maria Apollonia Crivelli, Tochter des Oberst Sebastian Heinrich und der Helena Tresch (geb. 1652), heim.

In Altdorf bewohnte Landammann Joh. Martin Schmid das heutige Haus Bessler beim damaligen Zeughause am Schiesshüttenplatz. Er erhielt frühzeitig einen Ratssitz, war seit r68o Zeugherr, Tagsatzungsgesandter 1681—1707, und Landvogt zu Baden 1685—1687.

Schmid siegelte als Landvogt zu Baden den Kauf vom 24. Juni 1687 um den Segelhof (Stadtarchiv Baden Nr. 1855). Das Siegel von 4 cm Durchmesser hat einen Schild von 18 x 14 mm, mit dem Wappenbild: geviert: 1 und 4 die,zwei Löwen, 2 und 3 geteilt durch einen Balken, und als Helmzier (Kleinod): rechts: Löwe, eine Lilie haltend, links: Rumpf mit Zipfelkappe. Umschrift 2 mm hoch: „IOANNES MARTINUS SCHMIT VON BELLICKEN" (Abbildung Nr. 21).

Ein in der Ausführung mit dem vorbeschriebenen übereinstimmendes, aber nur 38 cm Durchmesser haltendes Siegel hat Schmid als Landammann zur BeSiegelung der Gülten benützt. Das Belegexemplar ziert eine Gült vom 30. November 1690 ab „Bachli" in Bürglen (Pfarrarchiv Bürglen) (Abbildung Nr. 22).

Quelle:  
Schmid von Bellikon, Landammann Johann Martin (I7769)
 
138
Der 86. Landammann von Uri (Amtsperiode 146) - Johann Franz Schmid von Uri

Johann Franz Schmid, in Altdorf, Landammann 1691—1693, geb. 1647, als Sohn des Landammann Karl Franz und der Magdalena Moor.

Johann Franz Schmid war Landschreiber bis 1689, des Rates 1685, Landessäckelmeister 1689—1691, Tagsatzungsgesandter 1685—1693. Von der Landsgemeinde wurde Schmid zum Landvogt für die Freiämter auf die Jahre 1693 und 1694 gewählt, erkrankte aber im November 1693 und verstarb am 23. dieses Monats.

Aus der am 19. Januar 1668 geschlossenen Ehe mit Elisabeth Bessler von Wattingen, Tochter des Landammann Heinrich Emanuel und der Magdalena Zwyer von Evibach, gingen auch die beiden Landammänner Ritter Karl Franz und Hauptmann Jost Anton hervor.

Unterm Jahre 1685 ist Landschreiber Johann Franz Schmid im Wappenbuche der Straussenbruderschaft in Altdorf eingetragen.

Die im Pfarrarchiv Bürglen befindliche Obligation vom 15. Dezember 1675 ab ,,Ennermatt" in Bürglen, geschrieben und besiegelt von Landschreiber Schmid, trägt ein Oktogon-Siegel von 15 X 14 mm, mit dem Geschlechtswappen und dem Bär, eine Lilie tragend, als Kleinod. Die Bildfläche ist eingerahmt von einer Perlenlinie (Abbildung Nr. 23).

An einer Gült vom 14. November 1691 im Pfarrarchiv Bürglen befindet sich das Rundsiegel von 32 mm, mit der 2,5 mm grossen Umschrift : „CAROL • FRAN • SCHMD". Unser Landammann bediente sich somit des väterlichen Siegels zur Besiegelung der Gülten (Abbildung Nr. 24).

Quelle:  
Schmid von Uri, Landammann Johann Franz des Raths (I7780)
 
139
Der 87. Landammann von Uri (Amtsperiode 148) - Sebastian Emanuel Tanner

Sebastian Emanuel Tanner, in Altdorf, Landammann 1695 bis 1697; geb. 18. März 1648, als Sohn des Landsfähnrich und Gardehauptmann Johann Franz und der Anna Katharina von Roll, ✟ 17. Februar 1705.

Gattin: Maria Ursula Schmid (f 12. August 1697), Tochter des Landammann Karl Franz und der Maria Magdalena Moor (kopuliert 1669).

Tanner war päpstlicher Gardehauptmann zu Ravenna 1679 bis 1693, des Rats, Landsfähnrich 1674—1705, Landvogt in den freien Ämtern 1680 bis 1682, Tagsatzungsgesandter 1681 bis 1700, Gesandter nach Ensisheim 1681 zu König Ludwig XIV. von Frankreich, Landesstatthalter 1685 bis 1695.

Im Wappenbuch der Straussenbruderschaft ist 1674 dessen Wappen mit folgenden Tinkturen eingetragen: in Rot ein goldener Löwe auf grünem Boden unter einer Tanne ruhend. Kleinod: Goldener Löwe mit entwurzelter Tanne.

Als Landvogt besiegelte Tanner am 30. April 1680 eine Schuldanerkennung des Rittmeisters Andreas Oetwyler von Dietwil (Stadtarchiv Baden Nr. 1833) mit Rundsiegel von 38 mm Durchmesser. Der Schild, unter 7-zackiger Krone, enthält den unter der Tanne ruhenden Löwen. Die Inschrift von 2 mm lautet: „S • SEBASTIAN • EMANUEL • TANNER". Das Siegelbild wird von einem Lorbeerkranz eingerahmt (Abbildung Nr. 25).

Eine Gült vom 7. Juni 1696 ab „Haus und Mätteli" in Bürglen trägt ein Siegel von 4 cm Durchmesser, mit Wappen und Schild, wie hievor beschrieben, beiderseits mit Palmzweigen; 3 mm hoher Umschrift: S • SEBASTIAN • EMANUEL • TANNER; abgeschlossen durch einen 4 mm breiten Kranz (Abbildung Nr. 26).

Quelle:  
Tanner, Landammann Sebastian Emanuel des Raths (I18382)
 
140
Der 88. Landammann von Uri (Amtsperiode 149) - Jost Azarias Schmid von Uri

Jost Azarias Schmid, in Altdorf, Landammann 1697 bis 1699, geb. 1631, ✟ 1706.

Derselbe entstammt der 3. Linie „auf der Schiesshütte", welche im Jahre 1865 ausgestorben ist.
Eltern: Ritter und Zeugherr Johann Jakob und Klara Püntener.

Gattin: Anna Katharina Püntener, Tochter des Landammann Johann Karl und der Maria Dorothea Tanner, getraut 1659.

Jost Azarias Schmid war Landesfürsprecher, des Rats, Dorfvogt zu Altdorf 1664 und 1665, Abgeordneter zum Syndikat in Lauis im August 1674 und 1676, Landvogt im Blenio 1686 und 1687, Tagsatzungsgesandter 1694 bis 1699, Landesstatthalter 1695 bis 1697. Es ist ihm auch der Titel eines Ritters beigelegt worden.

Während der zwei Jahre seines Landammannamtes hat Jost Azarias Schmid sich des Siegels seines frühverstorbenen Bruders Johann Bernhard, Hauptmann in Frankreich, bedient. In meiner Sammlung habe ich dieses Siegel in Holzkapsel, herrührend von einer Gült vom 9. Januar 1699 ab „Balm" in Bürglen, 36 mm im Durchmesser, mit abgerundetem Schild von 14 X 11 mm und Kette, das Wappen Schmid enthaltend, und die 2 mm grosse Umschrift: BERNHARD • SCHMIDT •
Im Text der Schuldurkunde ist ausdrücklich vermerkt, dass sie mit dem Siegel des Landammann Jost Azarias Schmid versehen sei. Ein Siegel mit der Namensaufschrift dieses Landammanns ist mir bei den Nachforschungen nicht zu Gesichte gekommen.

Quelle:  
Schmid von Uri, Landammann & Ritter Jost Azarias (I18385)
 
141
Der 89. Landammann von Uri (Amtsperioden 151, 153, 157, 160, 162, 165 & 168) - Josef Anton Püntener von Brunberg

Josef Anton Püntener von Brunberg, in Altdorf, Landammann 1701 bis 1703, 1705—1707, 1713--1715, 1717—1721, 1723—1725, 1729—1731 und 1734—1736.

Geboren am 31. Mai 1660 als Sohn des Landammann Karl Anton und der Anna Maria von Roll, heiratete Josef Anton Püntener die Tochter Ludwigs von Roll und von Schönau, Theresia Secunda von Roll, und nach deren Ableben am 20. Oktober 1706 in 2. Ehe Maria Magdalena Schmid von Bellikon, Tochter des Johann und der Anna Zwyer, ohne männliche Nachkommen zu hinterlassen.

Im Staatsdienste war Püntener vorerst von 1689 bis 1696 Landschreiber und trat 1697 als Landesstatthalter in die Regierung, der er bis zu seinem Lebensende am 4. Februar 1748 angehörte. Landeshauptmann 1707—1748. Von 1701—1739 vertrat er seinen Heimatkanton als Gesandter an den Tagsatzungen und erhielt den Beinamen ,,oculus helvetiae".

Landammann Püntener beherrschte sechs Sprachen, verfügte über umfangreiche wissenschaftliche Kenntnisse, war von grosser staatsmännischer Begabung mit diplomatischem Geschick; besonders nachgerühmt wird ihm seine unerschütterliche Rechtlichkeit, gepaart von Milde, Güte und aufrichtiger Frömmigkeit. Er war ein grosser Wohltäter der kirchlichen Institutionen und Kirchen.

Mit Oberst Betschard errichtete er 1703 ein Regiment in Diensten König Philipp V. von Spanien, und 1734 führte Oberst Püntener ein Regiment für Kaiser Karl VI. in die österreichischen Waldstätte. König Philipp beschenkte ihn mit einer schweren goldenen Ehrenkette. Als Landeshauptmann versuchte Püntener das urnerische Militärwesen in bessere Ordnung zu bringen. Eine Zählung der damaligen waffenfähigen Mannschaft ergab 1679 Mann, ohne Ursern und Lifenen. Landammann Püntener warnte vor dem Krieg mit Bern und Zürich und trat vor der Landsgemeinde vom 13. Juni 1712 noch für den Frieden ein. Als Landschreiber erhielt er 1693 das Landrecht von Obwalden. Der Bischof von Basel ernannte ihn 1707 zum bischöflichen Geheim- und Bundesrat. Püntener ward für die Eidgenossenschaft 1700 zu Kaiser Leopold I. und im Auftrage einiger katholischer Orte 1703 zu Kaiser Josef I. nach Wien gesandt.

Im kant. Museum befindet sich das Originalgemälde dieses Landammanns, ebenso eine runde Grisaillescheibe mit dem Wappen Püntener und der Inschrift : „Herr Oberst Josef Anton Püntener von Brunberg, jetz das fünftemahl Regierender Landammann und Landshauptmann d. w. löbl. Standes Uri. Fr. M. Magd. Schmid s. Ehegemahl 1723". Der Porträtstich von J. F. Strickler vom Jahre 1720 zeigt Püntener in grosser Perücke und im Harnisch, mit goldener Kette geschmückt.

Im Wappenbuch der Straussengesellschaft ist 1714 das Allianzwappen Püntener Schmid von Bellikon eingezeichnet: geviertet: 1 und 4 in Gold schwarzer Stierkopf, 2 und 3 in Schwarz goldener Feuerstahl, überhöht von silbernem Breitkreuz ; Herzschild : von Gold zwei schwarze Balken. Goldenes Bord, mit 15 schwarzen Kugeln belegt. Kleinod: rechts: schwarzer Stier, links: zwei goldene Schwäne.

Im Landesmuseum ist ein ovaler Siegelabdruck aus dem Jahr 1701, 26 X 21 mm gross, mit halbrundem Wappenschild von 11x9,5 mm, unter neunzackiger Krone, eingerahmt durch eine Kette. Das Familienwappen hat ein Bord, belegt von 15 Kugeln. Die Krone trägt 3 Helme: der mittlere hat als Kleinod den springenden Stier, die beiden andern den gekehrten Feuerstahl, überhöht vom Breitkreuz (Abbildung Nr. 27).

Das Rundsiegel von 35 mm Durchmesser wird abgeschlossen von einem 1,5 mm breiten Kranz. Die 2 mm hohe Umschrift lautet: ,,S. IOSEPH : ANTON : BÜNTENER : VON : BRUNBERG :" Der Schild von 15x13 mm, einschliesslich Bord, belegt mit 15 Kugeln, zeigt das gevierte Wappen : 1 und 4 Stierkopf-, 2 und 3 Feuerstahl, überhöht von breitem Kreuz. Herzschild mit 2 Balken. Um den Schild, überragt durch neunzackige Krone, hängt eine Kette (Abbildung Nr. 28).

Quelle:  
Püntener, Landammann Josef Anton (I18390)
 
142
Der 90. Landammann von Uri (Amtsperiode 154) - Johann Ulrich Püntener

Johann Ulrich Püntener, in-Altdorf, Landammann 1707—1709, geboren 1635. Sohn des Johann Ulrich, des Rats, und der Maria Elisabetha Bodmer, heiratete 1661 Anna Maria Crivelli, Tochter des Oberst Sebastian Heinrich und der Helena Tresch; ✟ 2. Mai 1717.

Johann Ulrich war Landesfürsprech, und des Rats, 1672 und 1673 Dorfvogt von Altdorf; in fremden Kriegsdiensten brachte er es zum Hauptmann. Als Landesseckelmeister trat er 1683 in die Regierung seines Heimatkantons, ward Statthalter 1701—1707, Tagsatzungsgesandter von 1688—1710. Ehrengesandter zum Syndikat nach Lauis im August 1678 und 1686. In die Jahre 1690 und 1691 fällt die Wirksamkeit Pünteners als Landvogt im Thurgau.

Am 9. November 1715 stiftete alt Landammann Joh. Ulrich Püntener mit zwei andern Familienangehörigen die Püntener-Kaplaneipfrund in Altdorf. Sein Originalgemälde ist ebenfalls in der Landammänner-Galerie des kantonalen Museums. Auf der Wappentafel von 1797 der Thurgauer-Landvögte und im Wappenbuch der Straussengesellschaft (1664) figuriert dessen Wappen. Sein Sohn Emanuel Stanislaus erlangte auch die Landammanns-Würde.

Das Rundsiegel dieses Landammanns hat einen Durchmesser von 3,5 cm und trägt die 3 mm grosse Umschrift ,,S- ULRICH ✠ PUNTINER", undimTartschen- schild von 14 x 12—14 mm das gevierte Wappen : 1 und 4 den Stierkopf, beseitet von 2 Sternen, 2 und 3 Feuerstahl mit überhöhtem Kreuz, sowie als Kleinod einen steigenden Stier mit Nasenring, die Hörner beseitet von sechszackigem Stern (Abbildung Nr. 32). Das Belegexemplar befand sich an einer Gült für 300 Gulden d. d. 25. April 1708 ab Berg „Rämsen" zu Unterschächen.

Quelle:  
Püntener, Landammann Johann Ulrich des Raths (I18398)
 
143
Der 91. Landammann von Uri (Amtsperiode 155) - Jost Anton Schmid von Uri

Jost Anton Schmid, in Altdorf, Landammann 1709—1711, von der Linie des Gardehauptmanns, war der zweite Sohn des Landammann Johann Anton und der Maria Anna Zwyer von Evibach, geboren 8. Juli 1657, f 1718, bewohnte das Schmid'sche Stammhaus im Landgut Grossutzigen. Er verehelichte sich mit Maria Anna Ursula Stricker, Tochter des Hauptmann Sebastian Heinrich und der Maria Ursula Schmid von Bellikon.

Frühzeitig trat Schmid in savoyische Dienste, wurde bereits 1698 Oberstlieutenant, 1700 Oberstkommandant der Schweizergarde in Turin, 1704 auch noch Oberstlieutenant im Regiment von Schulenburg. Ritter des St. Mauritius- und St. Lazarus-Ordens. Er machte verschiedene Feldzüge mit, aus welchen er ruhmvoll, aber auch wundenbedeckt hervorging ,-.1709 zog er sich aus dem Militärdienste zurück.

Im Staatsdienste seiner Heimat betätigte sich Schmid von 1692—1700 als Landesseckelmeister, sowie als Tagsatzungsgesandter von 1694—1712. Die Landsgemeinde wählte ihn zum Landvogt von Baden für die Jahre 1701 und 1702, 1708 als Landesstatthalter und 1712 als Gesandten an den Herzog von Savoyen.

Sein Originalgemälde befindet sich in Altdorf im Besitze der Familie Oberst Epp-Schmid.

Die Gült vom 26. April 1710 für 100 Gulden ab „Burgli" in Attinghausen besiegelte Landammann Jost Anton Schmid mit einem Rundsiegel von 3 cm Durchmesser mit der 2 mm hohen Inschrift: „✠ IO . AN ...... SCHMIDT . ✠". Das gevierte Wappen enthält eine abweichende Folge: 1 und 4: Lilie, 2 und 3: Bär im Schild von 12x9—14 mm. Helmzier: stehender Bär (Abbildung 33).

Quelle:  
Schmid von Uri, Landammann Jost Anton (I17646)
 
144
Der 92. Landammann von Uri (Amtsperiode 156 & 170) - Karl Alfons Bessler von Wattingen

Karl Alfons Bessler von Wattingen I., in Altdorf, Landammann 1711 bis 1713 und 1738 bis 1742, ✟ 26. Februar 1742 im Amte; geboren 8. April 1671, Sohn des Landammann Johann Karl Emanuel und der Maria Anna von Beroldingen, ehelichte 1696 Maria Helena Margritha Crivelli, Tochter des Otto und der Anna von Roll. Dieser Ehe entsprossen 16 Kinder, darunter die beiden Land- ammänner Friedrich Alfons und Konrad Emanuel.

In jungen Jahren schon diente Karl Alfons im Schweizerregimente seines Vaters, seit 1690 als Oberstwachtmeister und 1692 als Oberstlieutenant, und stand im Dienste Karl II. von Spanien bis zum Frieden von Ryswijk, welcher die Auflösung des Regimentes Bessler zur Folge hatte. Nach Uri zurückgekehrt, widmete sich Bessler dem Staatsdienste, ward 1699 Landesfürsprecher, und begleitete Landammann Jos. Anton Püntener 1700 auf der Gesandtschaftsreise nach Wien. In der heimatlichen Regierung versah er seit 1702 das Amt des Pannerherrn, wurde 1706 Landessäckelmeister; Tagsatzungsbote 1700 bis 1742, Landvogt zu Lugano 1708 und 1709, sowie im Thurgau 1720 und 1721. Ritter des hl. Jakobus.

Von 1703 bis 1706 stand Bessler im Schweizerregiment Püntener mit dem Rang eines Oberstlieutenant. 1725 warb er ein Regiment und führte es König Philipp V. von Spanien zu. Der König verlieh ihm 1730 für die hervorragenden Leistungen den Grad eines Oberstbrigadiers der spanischen Armee. Bessler tat sich besonders bei der Besetzung von Parma und Piacenza, der Toskana und der Eroberung von Neapel hervor.

Landammann Karl Alfons Bessler liess auf seine Kosten in der Pfarrkirche Schattdorf 1733 den prächtigen Hochaltar durch Bildhauer Ritz bauen und bezahlte ein Deckengemälde in der Pfarrkirche Silenen.

Im historischen Muséum zu Altdorf ist das grosse Originalgemälde dieses Landammanns, der in der Rechten den Kommandostab hält. Eine Monolitscheibe daselbst weist neben dem Allianzwappen die Inschrift: „Oberster und Brigadier Carl Alphons Bessler, alt Landammann und Bannerherr zu Ury. Maria Helena Crivellin, sein Ehegemahl 1734."

In der Siegelsammlung des Landesmuseums befindet sich ein ovaler Siegelabdruck von 23 X 20 mm, ohne Umschrift, mit dem Wappen der Bessler von Wattingen in verziertem Schild, unter fünfzackiger Krone.

Eine Altgülte vom 12. Januar 1713 ab Hans Peter Arnold's „Berg vff Egg, Vierschröt", in Bürglen, geschrieben von Landschreiber Heinrich Anton Püntener, ist besiegelt von Oberstleutenant, Pannerherr, Landammann Carl Alfons Bessler von Wattingen"; der Siegelabdruck ist aber identisch mit dem Siegel seines Vaters Johann Karl Emanuel Bessler (siehe Nr. 74, Seite 87/88, Jahrgang 1938).

Quelle:  
Bessler von Wattingen, Landammann Karl Alfons (I7736)
 
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Der 93. Landammann von Uri (Amtsperiode 158) - Karl Anton Püntener II.

Karl Anton Püntener von Brunberg II., in Altdorf, Landammann 1715 bis 1717; geboren 16. Dezember 1674, als Sohn des Landschreibers und Hauptmanns Heinrich Ludwig und der Katharina Barbara Stricker, Neffe des Landammanns Josef Anton Püntener, machte seine Studien an der Universität Parma, trat sodann im Schweizerregiment Bessler in königlich-spanische Dienste, wo er bis zum Hauptmann avancierte. Nach Auflösung dieses Regimentes stellte sich Püntener in den Dienst seiner Heimat, ward 1702 Landesfürsprech, Mitglied des Landrates, Schulinspektor, Kirchenrat von Altdorf, Ehrengesandter zum Syndikat nach Lifenen und Bellenz 1704 und 1706, nach Lauis 1714, Landesfähnrich 1708, Landesstatthalter 1709—1715; Tagsatzungsgesandter 1715—1720, Landvogt von
Luggarus 1724 und 1725.

Püntener hatte gefällige Umgangsformen und gute staatsmännische und militärische Begabung.

Im Jahre 1694 heiratete er Klara Viktoria von Roll, Tochter des Ludwig und der Apollonia Crivelli, welcher Ehe acht Kinder entsprossen. Sein Todesdatum ist der 30. Mai 1729.

Auch sein Porträt befindet sich im Historischen Museum in Altdorf.

Landammann Karl Anton Püntener besiegelte am 26. Dezember 1715 eine Gült (Kirchenlade Schattdorf), mit seinem Rundsiegel von 36 mm Durchmesser, welches zwischen einfachen Linien einen 2 mm breiten Kranz weist und die 2 bis 2 1/2 mm hohe Umschrift „S. CAROL • ANTON : PUNTENER DE BRUNBERG " um den Schild mit Bord von 17 x-15 mm, umrahmt von Kette (Wappen : 1 und 4: Stierkopf, 2 und 3: Feuerstahl, überhöht von Tatzenkreuz, nebst Herzschild mit Balken), unter neunzackiger Krone (Abb. Nr. 34).

Quelle:  
Püntener, Landammann Karl Anton II. (I7804)
 
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Der 94. Landammann von Uri (Amtsperiode 159 & 164) - Karl Franz Schmid von Uri II.

Karl Franz Schmid II., in Altdorf, Landammann 1717 bis 1719, 1727
bis 1729, f 27- Juli I73°. aus der Linie „ob der Kirche"; geboren 11. Juli 1677, Sohn des Landammann Johann Franz und der Elisabetha Bessler, besuchte die fürstliche Akademie der ritterlichen Künste in Mailand.

Er verehelichte sich am 4. Februar 1704 mit Maria Rosa Genoveva Schmid von Bellikon (* 25. IV. 1680, f 3. II. 1717), Tochter des Landammanns Johann Martin und der Magdalena von Roll, wodurch er Ansprüche auf die Herrschaft Bellikon erhielt. Zwei seiner. Söhne wurden auch wieder Landammänner, nämlich Johann Franz Martin und Karl Franz Josef.

Einer der stärksten Eidgenossen seiner Zeit, trat Karl Franz Schmid vorerst in französische Kriegsdienste, ward 1701 Landesfürsprecher, 1706 Landesfähnrich, Landessäckelmeister 1707—1715, Landesstatthalter 1715—1717, Tagsatzungsbote 1708—1730, Landvogt in dem obern Freiamt 1723—1725, 1709 Gesandter der sieben katholischen Orte an Wallis, 1715 in Solothurn zur Beschwörung des Bundes mit Frankreich, und 1718 in Schwyz zur Beschwörung des Goldenen Bundes. Seit 1727 bezog Landammann Schmid von Frankreich eine jährliche Privatpension von 600 Louisdors. Er nannte sich auch „Schmid von Bellikon" und verwendete ebenso das Siegel mit dem Wappen derselben.

Eine Gült, gefertigt von Landschreiber Odoard Tanner unterm 24. Mai 1728 (Pfarrkirche Bürglen) trägt ein Rundsiegel von 3,2 cm, mit dem gevierten Wappen : 1 und 4 Lilie, 2 und 3 Bär, ebenso letztern als Kleinod, und in dem 3 mm breiten Schriftkreis die Umschrift: ❁ CARL • FRANZ SCHMIDT ❁" (Abb. Nr. 35).

Landammann Karl Franz Schmid siegelte am 5. November 1727 eine Gült, haftend auf „Bittleten" in Bürglen, mit einem Rundsiegel von 3,8 cm, ohne Umschrift, welches durch 2 mm breiten Kranz eingefasst wird. Im Ovalschild von 17 x 13 cm ist das gevierte Wappen der Schmid von Bellikon : 1 und 4 : zwei Löwen mit verschlungenen Schwänzen, 2 und 3: zwei Balken. Kleinod: rechts: Löwe mit Lilie zwischen den Pranken, links: Zipfelkappe (Abb. Nr. 36).

Quelle:  
Schmid von Uri II., Landammann Karl Franz (I7767)
 
147
Der 96 Landammann von Uri (Amtsperiode 169) - Sebastian Heinrich Crivelli

Sebastian Heinrich Crivelli in Altdorf, Landammann 1725—1727, Sohn des Ratsherrn Sebastian Balthasar und der Maria Barbara Schmid von Bellikon.
Er heiratete Maria Anna Eva Schmid von Bellikon, Tochter des Hauptmann Johann Karl und der Maria Magdalena Zumbrunnen.

Aus Mailand stammend, wo die Familie seit dem II. Jahrhundert bekannt ist, liess sich Bartholomäus Crivelli anfangs des 16. Jahrhunderts in Lugano nieder. Der Urgrossvater des ersten Landammannes aus dieser Familie — sie stellte Uri drei Landeshäupter — Dr. med. Johann Anton Crivelli liess sich Ende des 16. Jahrhunderts in Altdorf nieder und erhielt von der Landsgemeinde 1606 das Landrecht in Uri, heiratete in 1. Ehe Maria Barbara Kuon, Tochter des Landeshauptmann Adrian und der Ottilia Grüsin, in 2. Ehe Dorothea Zumbrunnen, vermutlich Tochter des Mansuetus, Landschreiber zu Lauis, und der Dorothea Imhof.

Wappen: Unter goldenem, mit schwarzem Adler belegten Schildhaupte, von Rot und Silber geviertet, belegt mit goldenem Kornsieb. Kleinod: Schwarzer Adler. (Sprechendes Wappen: Sieb Crivello). Das Wappenbuch der Straussen- gesellschaft in Altdorf, welcher Crivelli angehörte, zeigt ebenfalls dieses Wappen, dagegen mit goldenem Bord, belegt mit 13 silbernen Kugeln.

Sebastian Heinrich war Hauptmann im Regiment Bessler in spanischen Diensten, von 1721—1725 Landesstatthalter in Uri, und Tagsatzungsgesandter 1725 bis 1732. ✟ 1737. Er hatte auch das Bürgerrecht von Luzern und Rapperswil, besass die Herrschaft Zufikon, verkaufte letztere aber 1718. Ein Sohn, Franz Maria Josef Leonz (1750—1752,1766—1768) brachteeszur höchsten WürdedesLandes.

Landammann S. H. Crivelli bediente sich eines Rundsiegels von 3,6 cm, mit 2 mm grosser Umschrift „ S x SEBASTIAN HENRIC CRIVELLI". Im Schild von 18 x 14 mm, unter neunzackiger Krone, ist das hievor beschriebene Wappen. Das hier wiedergegebene Siegel befindet sich an einer Gült vom 21. Februar 1726 auf „Ried" in Bürglen (Abb. Nr. 38).

Oberst Sebastian Heinrich Crivelli, Grossvater des Landammanns, stiftete eine Familienpfründe zu St. Martin in Altdorf und erbaute 1654 die Familienkapelle bei der Schächenbrücke zu Schattdorf.

Quelle:  
Crivelli, Landammann Sebastian Heinrich (I7818)
 
148
Der 97. Landammann von Uri (Amtsperiode 166) - Johann Sebastian Jauch

Johann Sebastian Jauch, in Altdorf, Landammann 1731 und 1732, f am 4. November 1731 im Amte, ist der Sohn des Landesstatthalters Sebastian Heinrich und der Maria L. Juliana Muheim, geboren am 22. Januar 1674.

Die Familie Jauch ist 1386 erstmals urkundlich nachgewiesen; sie schenkte ihrem Heimatkanton eine Reihe hervorragender militärischer Führer und Magistraten. Eine Linie von Altdorf, aus welcher die drei Landammänner hervorgingen, verzog sich um 1600 nach Wassen und kam von dort Ende des 17. Jahrhunderts wieder an den frühern Wohnsitz zurück. Das Stammhaus in Altdorf aus dem Jahre 1550 mit den so selten gewordenen Treppengiebeln, ist im „Bürgerhaus von Uri" beschrieben und abgebildet.

Johann Sebastian Jauch war dreimal verehelicht: 1. am 4. Oktober 1696 mit Anna Maria Troger, I 24. September 1704; 2. am 16. November 1706 mit Maria Eva Katharina Truttmann, f 9. April 1711, und 3. am 25. April 1713 mit Maria Kunigunda Stricker. Zwei Söhne aus der 3. Ehe, Josef Stefan und Karl Josef, erlangten die Würde des Landammannamtes. Jauch befand sich vorerst in fremden Solddiensten und brachte es daselbst zum Hauptmann. Im Dienste des Heimatkantons war er von 1697—1719 Landschreiber, bekleidete sodann das Amt eines Landvogts von Sargans 1721 und 1722, war Landesstatthalter 1729—1731, Tagsatzungsgesandter 1704—1731,Ehrengesandter zum Syndikat nach Lauis 1707, 1713 und 1719.

Am 30. Oktober 1731 besiegelte Landammann Johann Sebastian Jauch eine Gülte mit einem Rundsiegel von 33 mm. Der Ovalschild von 19 x 16 mm zeigt das gevierte Wappen: 1 und 4: die Hausmarke mit Stern, 2 und 3: Einhornkopf. Helmzier (Kleinod) : Mannsrumpf. 2 Einhorne halten den Wappenschild (Abb. Nr. 70).

Quelle:  
Jauch, Landammann Johann Sebastian (I4837)
 
149
Der 98 Landammann von Uri (Amtsperiode 167) - Jost Franz Anton Schmid von Uri

Jost Franz Anton Schmid, in Altdorf, Landammann 1732—1734, geboren 14. Juli 1690, Sohn des Landammann Johann Franz und der Elisa Bessler. Er ist 1753 ledig gestorben; er gehörte der Linie ,,ob der Kirche" an.

Jost Franz Anton war, wie sein Bruder, Landammann Karl Franz Schmid. vorerst in französischem Kriegsdienste als Hauptmann. 1712 Landesfürsprech, wählte ihn die Landsgemeinde in die Regierung, wo er das Amt eines Landessäckelmeisters von 1719—1731 bekleidete, und 1730 Landesfähnrich, sowie 1731 Landesstatthalter wurde. Seinen Heimatkanton vertrat er von 1720—1753 auf Tagsatzungen und Konferenzen.

Als Landammann besiegelte Schmid am 8. Mai 1732 eine Gült ab Joh. Caspar Gerig's Feld in Silenen (Nr. 15 der Crivelli-Kaplanei, Kirchenarchiv Altdorf). Dieses Rundsiegel von 3,3 cm Durchmesser befindet sich in Holzkapsel, führt das gevierte Wappen (1 und 4: Bär, 2 und 3: Lilie) im Schild von 14 x 10 mm, mit linksgewendetem Bär als Kleinod, und in 3 mm hohen Majuskeln die Inschrift : „S : IOST . ANTONI : SCHMID" (Abb. Nr. 71).

Quelle:  
Schmid von Uri, Landammann Jost Franz Anton (I18381)
 
150
Der 99. Landammann von Uri (Amtsperiode 169) - Franz Martin von Roll

Franz Martin von Roll, in Altdorf, Landammann 1736—1738, geboren 12. November 1682, Sohn des Ratsherrn Karl Fidel und der Maria Crivelli.

Am 26. August 1708 heiratete er Maria Anna Katharina Püntener, Tochter des Jost Karl und der Anna Maria Stricker. Die Familie wohnte im Landhaus ,,Huon" zu Altdorf. Die Tochter, Maria Viktoria Konstantia, geb. 1718, Gattin des Hauptmann Jakob Anton Müller, f 1806, war die Letzte aus der Familie von Roll in Uri.

Franz Martin widmete sich dem Kriegshandwerk in fremden Diensten und nahm als Hauptmann den Abschied. Dem Landrate gehörte er schon frühzeitig an und kam 1732 als Statthalter in die Regierung. Seinen Kanton vertrat er von 1732—1739 an Tagsatzungen und Konferenzen. Er ist 1739, während der Amtsdauer als Landvogt des obern Freiamtes, gestorben. Sein Originalporträt ist im Historischen Museum in Altdorf.

Bisher konnte ich zwei verschiedene Siegel konstatieren, welche Franz Martin von Roll als Landammann verwendete.
1. Eine Gült vom 28. März 1737, auf Berg „Vierschröt" in Bürglen haftend (im Pfarrarchiv Bürglen) trägt ein 4 cm grosses Siegel in HolzkapsqJ.; 'Der ovale Schild von 21 X 17 mm zeigt das gevierte Wappen: 1 und 4: Löwe, 2 und 3: über Kugel ein Balken, oben ein Rad. Der von neunzackiger Krone überragte Schild wird von 2 Löwen gehalten (Abb. Nr. 72).
2. Am 27. Juni 1737 versah Landammann von Roll eine Gült ab „Süessberg" in Bürglen mit dem Siegel von 28 mm Durchmesser. Der Ovalschild von 15 X 11 mm mit dem Wappen trägt als Kleinod den Löwen mit Rad. Die 2 mm hohe Inschrift lautet: "VON ROLL ". Beiderseits an der Schriftstelle ist ein Palmzweig. Das Ganze rahmt ein 2 mm breiter Kranz ein (Abb. Nr. 73).

Quelle:  
von Roll, Landammann & Ritter Franz Martin (I18414)
 

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