Treffer 33,501 bis 33,550 von 52,053
| # | Notizen | Verknüpft mit |
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| 33501 | https://de.wikipedia.org/wiki/Alt-Eberstein | von Eberstein, Bischof Konrad (I12102)
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| 33502 | https://de.wikipedia.org/wiki/Altenberg_(Bergisches_Land) | von Berg, Adolf II. (I21094)
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| 33503 | https://de.wikipedia.org/wiki/Altikon | Hirzel, Salomon (I56208)
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| 33504 | https://de.wikipedia.org/wiki/Altkirch | von Rotberg, Ritter Arnold (I21928)
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| 33505 | https://de.wikipedia.org/wiki/Amadeus_II._(Savoyen) Amadeus II. (* um 1050; † 26. Januar 1080) war Graf von Savoyen und ein Sohn von Graf Otto von Savoyen und dessen Frau Adelheid von Susa-Turin[1] Leben Amadeus stand unter starkem Einfluss seiner Mutter Adelheid und war mit Johanna von Genf verheiratet.[2] Literatur • Marie José: Das Haus Savoyen. Von den Ursprüngen bis zum roten Grafen. Stiftung Pro Castellione, Niedergesteln 1994. Einzelnachweise 1 C. W. Previte Orton: The problem of the two Humberts. In: The Early History of the House of Savoy. 1000–1233.(books.google.de – Stammtafel S. 66. oder S. 480.) 2 Amadeus II. Graf von Savoyen † 1080. manfred-hiebl.de, abgerufen am 22. November 2015. | von Savoyen (Maurienne), Graf Amadeus II. (I7032)
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| 33506 | https://de.wikipedia.org/wiki/Amadeus_VI._(Savoyen) Amadeus VI., „der grüne Graf“ (* 4. Januar 1334 in Chambéry; † 1. März 1383 in Campobasso) war von 1343 bis 1383 Graf von Savoyen. Den Beinamen erhielt er, weil er bei Ritterturnieren in Chambéry in grüner Rüstung erschien und grüne Kleidung liebte. Amadeus machte sich sowohl einen Ruf als Ritter als auch in einem Feldzug gegen die Osmanen. Er führte eine neue Politik für sein Haus ein, indem er seinen italienischen Besitzungen mehr Aufmerksamkeit schenkte als jenen nordwestlich der Alpen. Leben Amadeus erbte im Alter von neun Jahren die Grafschaft von seinem Vater Aymon. Sein Onkel Ludwig II. von Savoyen war sein Vormund bis zum Jahr 1349. 1355 verheiratete sich der Graf mit Bonne de Bourbon (1341–1402), Tochter des Herzogs Pierre I. de Bourbon und Nichte des französischen Königs Philipp VI. von Valois. Mit ihr hatte er sein einziges überlebendes Kind; seinen Nachfolger Amadeus VII. von Savoyen. Der Graf kämpfte mit dem König von Frankreich gegen England und gegen den Markgrafen von Saluzzo, der von ihm lehnspflichtig gemacht wurde, ließ ihn von englischen Freibeutern gefangen nehmen und gegen ein Lösegeld von 180.000 Gulden frei. Seinen Vetter, Jakob von Piemont, setzte er 1360 gefangen und nahm ihm den Lehnseid ab. Der Graf rang außerdem mit dem Markgrafen von Montferrat um Besitzansprüche. Bei kriegerisch geführten Streitereien war er ab 1352 erfolgreich. Amadeus erwarb die Provinz Faucigny und sicherte 1355 im Vertrag von Paris diesen Erwerb sowie die Grenzen zwischen Savoyen und der Dauphiné ab. Am 21. Juli 1356 gelang es dem Grafen, vom römisch-deutschen Kaiser Karl IV. den erblichen Titel eines Reichsvikars für die zum Reich gehörenden Teile des alten Königreichs Arelat zu erlangen, womit ihm unter anderem der Bischof von Genf nunmehr Tribut schuldete. 1366 führte er einen Feldzug gegen die Osmanen und die Bulgaren an der westlichen Schwarzmeerküste an. Im selben Jahr nahm er die Städte Sosopolis, Mesembrija, Skafida, Anchialo ein und ordnete die Zerstörung der letzteren an. Er scheiterte beieim Versuch der Einnahme von Warna und schloss daraufhin Frieden mit dem bulgarischen Herrscher Iwan Alexander und dem Despoten Dobrotiza. Dabei konnte er den byzantinischen Kaiser Johannes Palaiologos, seinen Vetter, welcher ihn zu Hilfe gerufen hatte, aus bulgarischer Gefangenschaft befreien. 1367 schlug er die Osmanen bei Gallipoli. Er vermittelte zwischen Mailand und dem Haus Montferrat (1379) sowie zwischen Venedig und Genua nach dem Chioggia-Krieg (1381). Amadeus war der erste Souverän, der ein System kostenloser Rechtsberatung für die Armen einführte. Das gräfliche Verwaltungswesen wurde neu geordnet. 1362 stiftete er für seine Ritterschaft einen Halsbandorden. Er war sehr begütert und galt als einer der größten Fürsten seines Jahrhunderts. Er unterstützte Ludwig, Herzog von Anjou in seinem Anspruch auf Neapel und starb während dessen Feldzug an der Pest. Literatur • Marie José: Das Haus Savoyen. Von den Ursprüngen bis zum roten Grafen. Stiftung Pro Castellione, Niedergesteln 1994. ————————————————& http://www.hls-dhs-dss.ch/textes/d/D17858.php Savoyen, Amadeus VI. von *4.1.1334 Chambéry, +1.3.1383 Santo Stefano (Molise), 8.5.1383 Hautecombe (Savoyen). Sohn des Aymon, Gf. von S., und der Jolanda von Montferrat. ∞ 1355 Bonne von Bourbon ( -> 5). Nach dem Tod seines Vaters 1343 stand S. bis zu seiner Volljährigkeit 1348 unter der Vormundschaft von Ludwig II. von S.-Waadt ( -> 16) und Amadeus III., Gf. von Genf. Er wurde der Grüne Graf genannt. Während seiner Regierungszeit baute er die Verwaltung S.s aus und festigte den territorialen Zusammenhalt. 1355 gliederte er der Grafschaft das Faucigny und das Pays de Gex an, 1359 kaufte er die Apanage der S.-Waadt (Freiherrschaft Waadt, Kastlaneien Bugey und Valromey). S. band den jüngeren Zweig der S.-Achaia an sich. Im Zug seiner offensiven Politiik im Wallis plünderte er 1352 Sitten. S. orientierte sich am Königtum und entwickelte eine von ritterl. Werten geprägte Rede- und Handlungskultur. Er liess Turniere abhalten, gründete den Halsbandorden und führte 1366-67 einen Kreuzzug gegen die Türken und Bulgaren. S. starb auf einem Feldzug zur Unterstützung Ludwigs von Anjou im Königreich Neapel. Literatur – DBI 2, 743-747 – E.L. Cox, The Green Count of Savoy Amadeus VI and Transalpine Savoy in the Fourteenth Century, 1967 – N. Pollini, La mort du Prince: rituels funéraires de la Maison de Savoie (1343-1451), 1994 Autorin/Autor: Bernard Andenmatten / EM | von Savoyen, Graf Amadeus VI. der Grüne Graf (I9677)
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| 33507 | https://de.wikipedia.org/wiki/Amadeus_VII._(Savoyen) Amadeus VII. genannt „der Rote Graf“ (* 24. Februar 1360 in Chambéry; † 1. November 1391 in Ripaille) war Graf von Savoyen und ein Sohn des Grafen Amadeus VI. von Savoyen und dessen Frau Bona von Bourbon. Als Verbündeter König Karls V. von Frankreich kämpfte er mit diesem in seiner Jugend in Flandern. Er war schon als Kind mit der Nichte Karls V., der dreijährigen Bona (1365–1435), Tochter des Herzogs Johann I. von Berry vermählt worden. Der König hatte in den Kriegszügen den um seinen Vater trauernden Grafen, der stets in schwarz gekleidet war, aufgefordert, die seinem Mut weit gemäßere Farbe des Feuers zu tragen, weshalb dieser darauf „der Rote Graf“ wurde. Er hatte das Glück, von den Bewohnern der Stadt Nizza zu Hilfe gerufen zu werden, die ihr Geschick 1388 in seine Hände legten. So erhielt Savoyen Zugang zum Mittelmeer und konnte Schiffe ausrüsten. Die Verteidigung der Stadt vertraute der Rote Graf einem ortsansässigen Lehnsherren, Giovanni Grimaldi, an. Er starb nach einem Sturz von Pferd während einer Jagd. Amadeus gilt als einer der vorbildlichsten Fürsten des 14. Jahrhunderts. Aus seiner Ehe mit Bona hatte er drei Kinder: • Amadeus VIII. (1383–1451), Graf von Savoyen und als Gegenpapst Felix V. • Bona (1388–1432), ∞ 1402 mit Graf Ludwig von Savoyen-Piemont (1364–1418) • Johanna (1392–1460), ∞ 1411 mit Markgraf Johann Jakob von Montferrat (1395–1445) ——————————————— & http://www.hls-dhs-dss.ch/textes/d/D17859.php Savoyen, Amadeus VII. von *24.2.1360 Chambéry, +1.11.1391 Ripaille (Thonon), Hautecombe (Savoyen). Sohn des Amadeus VI. ( -> 2). ∞ Bonne, Tochter des Jean, Hzg. von Berry. 1383 folgte S., mit dem Beinamen Roter Graf, seinem Vater nach, musste die Herrschaft jedoch mit seiner Mutter Bonne ( -> 5) teilen. Im Aug. 1384 kam er seinem Cousin Eduard ( -> 6), Bf. von Sitten, zu Hilfe. Bei dieser Gelegenheit empfing er den Ritterschlag, besiegte die Truppen der Oberwalliser Patrioten und plünderte die Stadt. 1388 verschaffte er sich die Herrschaft über Nizza und die östl. Provence, womit die Grafschaft Zugang zum Meer erhielt. S. starb an den Folgen eines Jagdunfalls; wegen heftiger Konflikte am Hof zwischen der Partei seiner Mutter und derjenigen seiner Gattin zirkulierte jedoch rasch das Gerücht, er sei vergiftet worden. Literatur – DBI 2, 747 f. Autorin/Autor: Bernard Andenmatten / MD | von Savoyen, Graf Amadeus VII. (I9675)
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| 33508 | https://de.wikipedia.org/wiki/Amalrich_I._von_Montfort Amalrich I. von Montfort (franz: Amaury; † nach 1052/53) war im frühen 11. Jahrhundert der erste bekannte Herr von Montfort-l’Amaury und damit der Stammvater des Hauses Montfort-l’Amaury. Seine Herkunft ist unklar. Ordericus Vitalis berichtete später, dass er der Sohn eines „Wilhelm von Hennegau“ gewesen sei, was allerdings in keiner zeitgenössischen Quelle belegt ist. Nach einem Eintrag in der Chronik von Saint-Denis war seine Mutter eine Dame von Nogent. Zwischen den Jahren 1022 und 1031 tritt Amalrich als Zeuge mehrerer Urkunden König Roberts II. von Frankreich auf. Im Jahr 1052/53 gründete er die Priorei Saint-Thomas in Épernon, danach wird nichts mehr zu ihm berichtet. Er hatte mindestens zwei Söhne, seinen Nachfolger Simon I. und Mainer. Weblinks • Amauri I de Montfort bei The Henry Project (englisch) • Seigneurs de Montfort-l'Amaury bei fmg.ac (englisch) | von Montfort, Amalrich I. (I9172)
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| 33509 | https://de.wikipedia.org/wiki/Amicia_de_Montfort Amicia de Montfort († 20. Februar 1252) war eine französische Klostergründerin des 13. Jahrhunderts. Sie war eine Tochter von Simon IV. de Montfort und dessen Ehefrau, Alix de Montmorency. Sie war verheiratet mit Gaucher de Joigny († vor 1237, Haus Joigny), Sire von Châteaurenard, mit dem sie zwei Kinder hatte: • Petronille († 1289), 1. ∞ mit Pierre de Courtenay († 1250); 2. ∞ mit Henri II. de Sully († 1269) • Gaucher († vor 1249), Mönch Amicias Vater war der Anführer des Albigenserkreuzzuges und knüpfte in dessen Verlauf enge Kontakte zu Domingo de Guzmán und dessen neu gegründeten Dominikanerorden. Amicia behielt diese Verbindung bei. Angeblich hatte sie geäußert, wenn sie schon als Frau dem Orden nicht als Predigerbruder dienen könne, so möchte sie das als Schwester tun.[1] Nach dem Tod ihres Mannes gründete sie bei Montargis für den Dominikanerorden ein Kloster für 50 Frauen, dem sie als erste Äbtissin vorstand. Sie betrieb dabei eine Verfassungsangleichung ihrer Schwesternschaft an die von Raimund von Peñafort festgelegte Ordenskonstitution. Allerdings verweigerte ihr der Ordensmeister Johannes von Wildeshausen die Inkorporation des Klosters in den Orden. Amicia wandte sich deshalb 1245 an den in Lyon weilenden Papst Innozenz IV., der in einer Bulle vom 8. April 1245 die rechtliche Inkorporation des Klosters in den Orden verfügte. Dadurch brach Amicia eine Lanze für dominikanische Frauenkonvente im Allgemeinen, die in der Folgezeit vom Orden anerkannt und in seine Reihen aufgenommen wurden. Literatur • Edeltraud Klueting: Fromme Frauen – unbequeme Frauen? Weibliches Religiosentum im Mittelalter. Georg Olms Verlag, Hildesheim 2006, ISBN 3-487-13073-4. Anmerkung 1 Cronica posterior: Ipsa quoque, sicut dixit, quia homo non erat, nec poterat esse frater, vel saltem soror fieret, fecit dorum sororum de Montargis et bene dotavit. ediert von Raymond Creytens: „Les Constitutions primitives des Soeurs dominicines de Montargis (1250).“ In: Archivum Fratrum Praedicatorum 17 (1947), S. 44 | von Montfort, Amicia (I8388)
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| 33510 | https://de.wikipedia.org/wiki/Amy_Robsart Amy Robsart (* 1532; † 8. September 1560 in Cumnor Place, Oxfordshire, England) war die erste Ehefrau Robert Dudleys, des späteren Earl of Leicester, und die Tochter und Erbin Sir John Robsarts. Die Verbindung zwischen Robert Dudley und Amy wurde von den Eltern vereinbart, nachdem sich die beiden wohl 1549 kennengelernt hatten. Es wird von einer Liebesheirat ausgegangen, da Roberts Vater, der Herzog von Northumberland, anderenfalls nach einer besseren Partie gestrebt hätte. 1550 heirateten Robert und Amy in Anwesenheit Königs Eduard VI.; die Ehe blieb kinderlos. Seit der Thronbesteigung Königin Elisabeths I. im November 1558 lebte Dudley meist am Hof. Dudleys Stern am Hof stieg, und er galt trotz seiner Ehe als Heiratskandidat für Elisabeth, da seine Frau „sehr krank in einer ihrer Brüste“[1] sei, und die Königin offensichtlich ein sehr intimes Verhältnis zu ihm unterhielt: „ihn Tag und Nacht in seinem Zimmer besucht(e)“.[2] Auch wurde bald getuschelt, Dudley habe seiner Frau Gift geschickt. Amy Dudley lebte zuletzt im Landhaus Cumnor Place nahe Abingdon. Am 8. September 1560 wurde sie von ihren heimkehrenden Dienstboten tot am Fuße einer Steintreppe aufgefunden. Die gerichtliche Jury zur Klärung der Todesursache erkannte auf Unfall.[3] Amy Dudley's Todesursache ist bis heute umstritten. Im Jahr 2008 fand der Historiker Steven Gunn das gerichtliche Urteil zu ihrem Fall ("Coroner's Inquest").[4] Dieses Dokument erklärt ihren Genickbruch durch einen Treppensturz zur Todesursachehe. Außer von Genickbruch spricht das Dokument von zwei Wunden am Kopf.[5] Sowohl Unfall wie Totschlag sind von diesem Befund her möglich.[6] Abgesehen von einem Unfall gelten Selbstmord oder eine Krebserkrankung, die in fortgeschrittenem Stadium zu brüchigen Knochen durch metastatische Ablagerungen führen kann,[7] als am wahrscheinlichsten.[8] Robert Dudley war durch weitverbreitete Gerüchte er habe seine Frau ermorden lassen so kompromittiert, dass für Elisabeth eine Ehe mit ihm bis auf weiteres zu riskant erschien. Amy Robsarts Schicksal inspirierte Walter Scott zu seinem Roman Kenilworth (1821), der ein Bestseller wurde und ein romantisches wie wissenschaftliches Interesse an dem Fall weckte. Kenilworth inspirierte zahlreiche Gemälde in historisierendem Stil, Theaterstücke und Opern. In Deutschland verarbeitete Tanja Kinkel den Fall literarisch (Im Schatten der Königin, 2010). Nachweise 1 „está muy mala de un pecho“ im spanischen Original: Adams, Simon: Household Accounts and Disbursement Books of Robert Dudley, Earl of Leicester Cambridge UP 1995 S.63 2 Calendar of...State Papers Relating to English Affairs...in...Simancas 1558-1603 ed.H.M.S.Hume London 1892-1899 Bd.I S.57-58 3 Adlard, George: Amy Robsart and the Earl of Leycester London 1870 S.41 4 Simon Adams: "Dudley, Amy, Lady Dudley (1532–1560)" Oxford Dictionary of National Biography online edn. January 2011 5 Eine Verletzung war ca. 5cm tief, die andere ca. 5mm. Chris Skidmore: Death and the Virgin: Elizabeth, Dudley and the Mysterious Death of Amy Robsart, 2010, S. 232 6 Adams 2011; Skidmore 2010, S. 230–233 7 Aird, Ian: The Death of Amy Robsart English Historical Review LXXI 1956 8 Susan Doran: Monarchy and Matrimony: The Courtships of Elizabeth I, 1996, S. 44 | Robsart, Amy (I8894)
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| 33511 | https://de.wikipedia.org/wiki/Andlau_(Adelsgeschlecht) | von Andlau (Andelahe), Rudolf I (I21845)
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| 33512 | https://de.wikipedia.org/wiki/Andreas_I._(Ungarn) Andreas I. ungarisch András I. (* 1015; † 1060), Sohn des Vazul aus dem Geschlecht der Árpáden, war von 1047 bis kurz vor seinem Tod König von Ungarn.[1] Leben Nach einer Phase der Thronkämpfe, die auf den Tod Stephans I. (1038) folgte, gelangten nach dem Tod Peter Orseolos mit Andreas wieder ein Arpade auf den ungarischen Thron. Unter Sámuel Abas Herrschaft waren Andreas und sein Bruder Levente zuvor aus Ungarn verbannt worden und hatten in der Kiewer Rus Zuflucht gefunden. Als sie von dort 1046 nach Ungarn zurückkehrten, unterstützten der heidnische Levente und der christlich getaufte Andreas zunächst die heidnischen Kreise, die während der Thronwirren an Einfluss gewonnen hatten. Nachdem Andreas 1047 in Stuhlweißenburg zum König gekrönt worden war und seine Herrschaft durch militärische Erfolge gefestigt hatte, trieb er jedoch erneut die Christianisierung voran.[2] Auch als ungarischer König blieb Andreas eng mit seinem ehemaligen Exil, der Kiewer Rus, verbunden. So heiratete er Anastasia die dritte Tochter des Kiewer Großfürsten Jaroslaw.[3] Das Verhältnis zum Reich blieb gespannt: 1051 und 1052 unternahm Heinrich III. zwei weitgehend erfolglose Feldzüge gegen Ungarn.[1] Andreas verbündete sich 1053 mit Konrad I. von Bayern und unterstützte so die Opposition gegen den Kaiser. 1057 versuchte Andreas seine Nachfolge zu regeln, indem er seinen fünfjährigen Sohn Salomon zum König krönen ließ.[1] Dieser konnte sein Erbe jedoch vorerst nicht antreten, da Béla I. Andreas stürzte und den Thron einnahm. Andreas und seine Familie liegen in der Familiengruft der Abteikirche Tihany am Plattensee begraben.[4] Nachkommen aus der Ehe mit Anastasia von Kiew: • Salomon I. (* 1052; † 1087), König von Ungarn • David († nach 1094) • Adelheid (* 1040; † 1062), ∞ Vratislav II., König von Böhmen Literatur • János M. Bak: Andreas I. In: Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas. Band 1. München 1974, S. 68 f. • Gyula Kristó: I. András. In: Gyula Kristó, Ferenc Makk: Az Árpád-házi uralkodók. Interpress, Budapest 1988, ISBN 963-7222-39-1, OCLC 23178461, S. 69. Weblinks Commons: Andreas I. – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien • Andrew I – 1047–1061. (PDF, S. 7.) auf numismatas.com Einzelnachweise 1 Andreas I. (PDF) auf research.uni-leipzig.de 2 Moritz Hermann Eduard Meier: Allgemeine Encyclopädie der Wissenschaften und Künste in alphabetischer Folge. Section 3, Teil 18. F. A. Brockhaus, Leipzig 1843 OCLC 830565264, S. 471–473. (books.google.de) 3 August Daniel von Binzer, Heinrich August Pierer: Encyclopädisches Wörterbuch der Wissenschaften, Künste und Gewerbe, bearbeitet von mehreren Gelehrten. Keußen bis Kzewuski. Band 18. Hahn, Altenburg 1833, S. 528. (books.google.com) 4 Geschichte von Tihany. In: tihany.hu. Abgerufen am 25. November 2015. | von Ungarn (Árpáden), König Andreas I. (I746)
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| 33513 | https://de.wikipedia.org/wiki/Andreas_II._(Ungarn) Andreas II. von Ungarn, ungarisch II. András, kroatisch Andrija II., (* um 1177; † 1235 in Ofen, begraben in Igriș) aus dem Geschlecht der Arpaden war 1205–1235 König von Ungarn. Sein Vater war Béla III. Seine Mutter war Agnes de Châtillon. Fürstentum Halitsch Politische Bedeutung erlangte Andreas erstmals, als ihn sein Vater 1188 kurz nach der Besetzung des Fürstentums Halitsch in der Kiewer Rus dort als Fürst einsetzte. Der einheimische Fürstensohn Wladimir Jaroslawitsch eroberte die Herrschaft jedoch nach kurzer Zeit mit polnischer und deutscher Hilfe zurück. Allerdings blieb die Region auch in den Folgejahren ein Brennpunkt von Andreas' Politik. Immer wieder versuchte er, Einfluss auf die Auseinandersetzungen um die Erbfolge in dem Fürstentum zu nehmen. Bei diesen Versuchen stieß Andreas aber sowohl auf den Widerstand eines Großteils des dortigen einheimischen Adels als auch der meisten ungarischen Adligen. Unterstützung bekam er dagegen vom kleinpolnischen Fürstenhaus, das Interesse an den wolhynischen Gebieten des Fürstentums Halytsch-Wolhynien hatte. 1205 bezeichnete Andreas sich nach dem Tod von Fürst Roman von Halitsch-Wolhynien als König von Galizien und Lodomerien (Rex Galiciae et Lodomeriae) ohne jedoch reale Macht zu haben. Eine direkte Herrschaftsübernahme in dem Territorium gelang erst wieder 1215, nachdem Andreas' Sohn Koloman Salomea, eine Tochter des polnischen Großherzogs Leszek I., geheiratet hatte. Um den Jahreswechsel 1215/16 herum wurde Koloman zum König von Galizien-Wolhynien gekrönt. Die Herrschaft durch die katholischen Ungarn wurde von der orthodoxen Bevölkerung und dem Adel nie akzeptiert. Auch der polnische Großfürst scherte bald aus dem Bündnis mit Andreas aus und unterstützte stattdessen einen russischen Anwärter auf die Herrschaft. In mehrjährigen Kämpfen wurden die Ungarn aus dem Fürstentum vertrieben. Allerdings gelang es Andreas durch seine Heiratspolitik wieder, 1227 seinen Sohn Andreas auf den Herrscherstuhl von Halitsch zu bringen. Der Deutsche Orden 1211 rief Andreas II. den Deutschen Ritterorden in den Osten des Landes, um sich von ihm im Kampf gegen die Kumanen unterstützen zu lassen. Als der Orden nach seiner Ansiedlung im Burzenland in Siebenbürgen aber damit begann, eine eigenständige Herrschaft aufzubauen, verschlechterte sich das Verhältnis zum König rasch. 1225 zwang Andreas den Orden, das Land wieder zu verlassen. Auseinandersetzungen mit dem Adel und Siedlungspolitik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten] 1213 wurde seine Frau, Gertrud von Meran-Andechs während eines Adelsaufstands ermordet. Grund dafür war die Empörung des ungarischen Adels gegen die üppigen Zuteilungen königlicher Ländereien an fremdländische Adlige aus dem Günstlingskreis Gertruds. So hatte Andreas 1206 Gertruds Bruder Berthold im Widerspruch zum Kirchenrecht als Erzbischof von Kalocsa eingesetzt. 1212 wurde Berthold sogar zum Woiwoden von Siebenbürgen und zum Stellvertreter des Königs ernannt. Im Folgejahr nutzte der Adel die Abwesenheit Andreas', der sich auf einem Feldzug in Halitsch in Galizien befand, um das Gefolge der Königin zu überfallen, das gerade zu Ehren Leopolds VI. von Österreich eine Hofjagd im Wald Pilis zwischen Budapest und Esztergom im Ungarischen Mittelgebirge veranstaltete. Die meisten fremden Adligen wurden erschlagen, die Königin regelrecht zerstückelt. Berthold und Leopold konnten sich mit Verletzungen retten. Nach seiner Rückkehr ließ Andreas zahlreiche Verschwörer ebenfalls zerstückeln. Damit war der Widerstand im Adel jedoch keineswegs beendet: Im Frühjahr 1222 zwangen die ungarischen Kleinadligen den König zur Einberufung eines Gerichtstages in Stuhlweißenburg, wo sie ihn zur Entlassung seiner Regierung und der Annahme ihrer Forderungen in Form einer Goldenen Bulle zwangen. Die Forderungen wurden zwar nicht umgesetzt, doch konnte sich der Klein- und Mitteladel damit erstmals auf festgeschriebene Vereinbarungen mit dem König berufen und tat dies in den folgenden Jahrhunderten immer wieder. Die Bulle schränkte vor allem die Zuweisung von Ländereien, Zoll- und sonstigen Rechten an Landesfremde ein, sicherte dem Adel gerichtliche Immunität, die Einschränkung des Kriegsdienstes und eine weitgehend von königlichem Einfluss freie Erbfolge zu. 1223 wurde ein ähnliches Privileg für den Klerus bewilligt. Andererseits stellte Andreas 1224 einen weiteren Freibrief (Privilegium Andreanum) aus, die sich an die vor allem deutsch- und wallonischstämmigen Siedler in Siebenbürgen (Siebenbürger Sachsen) richtete, und ihnen Privilegien wie die eigenständige Wahl von Pfarrern und Richtern zusicherte. In den Folgejahren weiteten sich diese Privilegien auf andere deutsche Siedlungsgebiete in Ungarn und auf neu zuziehende Deutsche aus. Teilnahme am fünften Kreuzzug Andreas II. beteiligte sich am Fünften Kreuzzug. Am 1. Juni 1217 stach er zusammen mit Leopold VI. von Österreich vom Hafen von Split aus in Richtung Palästina in See, wo Jerusalem von den Muslimen zurückerobert werden sollte. In der Heimat erhielt er hierfür den Beinamen Der Hierosolymitaner („Der Jerusalemer“). Seine Reise führte ihn über Zypern nach Akkon, von wo er ohne entscheidenden Erfolg gegen das ayyubidische Heer operierte. Nachdem er im Dezember 1217 die Belagerung einer musslimischen Burg auf dem Berg Tabor erfolglos aufgeben musste, verließ er im Januar 1218 mit seinem Kontingent vorzeitig den Kreuzzug und kehrte nach Ungarn zurück. Der Kreuzzug wurde ohne ihn nach Ägypten weiter geführt, wo nach langer Belagerung 1219 Damiette erobert wurde, bevor die Kreuzfahrer 1221 im Nildelta geschlagen wurden. Nachkommen • Erste Ehe: Gertrud von Meran-Andechs (* um 1185; † 1213) • Béla IV. (* 1206; † 1270), König von Ungarn • Elisabeth (* 1207; † 1231), Heilige, verheiratet mit Ludwig IV., Landgraf von Thüringen • Koloman (* 1208; † 1241), Fürst von Halicz • Andreas (* unbekannt; † 1234), Fürst von Halicz-Przemysl, verheiratet ab 1221 mit Maria (Helena) von Nowgorod, Tochter des Fürsten Mstislaw • Maria (* 1204; † 1237), verheiratet ab 1221 mit Iwan Assen II., Zar von Bulgarien (* um 1181, 1218–1241) • Zweite Ehe: Jolante von Courtenay (auch: Jolanthe, Yolande, Yolanda, Violante, Yoles, Hyolenz Capet-Courtenay; * um 1200 in Courtenay (Loiret), Frankreich; † 1233), Tochter von Kaiser Peter von Konstantinopel • Yolanda von Ungarn (in Katalonien auch Violante genannt, * 1219; † 9. Oktober 1251 in Huesca) • Dritte Ehe: Beatrix von Este (* 1215; † 1245) • Stefan (* 1235; † 1272), Herzog von Slawonien Weblinks Commons: Andrew II of Hungary – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien • Text des Privilegium Andreanum | von Ungarn (Árpáden), König Andreas II. (I6797)
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| 33514 | https://de.wikipedia.org/wiki/Andreas_III._(Ungarn) Andreas III. genannt der Venezianer, ungarisch III. András, kroatisch Andrija III. Mlečanin, (* um 1265; † 14. Januar 1301) aus dem Geschlecht der Arpaden war ab 1290 König von Ungarn. Andreas war der letzte Arpade in der männlichen Linie, gehörte aber selbst bereits zu einem Seitenzweig der Familie: Seine Eltern waren Stephan, Herzog von Slawonien (ein jüngerer Sohn von König Andreas II.) und die venezianische Adlige Katharinina Thomasina Morosini. Er war nach dem kinderlosen Tod Ladislaus' IV. aus Italien in das Land geholt worden. Angesichts des abzusehenden Endes der Arpadendynastie entwickelten sich unter ihm die bereits zuvor bedeutsamer gewordenen Oligarchen zu einer offenen Opposition gegen die Königsmacht. Andreas heiratete 1290 die polnische Fürstentochter Fenena von Kujawien, die bereits nach fünfjähriger Ehe starb. Das Paar hatte eine Tochter Elisabeth (1293–1336), die Nonne im Dominikanerinnenkloster Töss bei Winterthur wurde. In zweiter Ehe war er mit der Habsburgerin Agnes von Österreich vermählt. Seine Witwe Agnes lebte ab 1317 bis zu ihrem Tod in Königsfelden bei Windisch und führte dieses von den Habsburgern gegründete Kloster zur wirtschaftlichen Blüte. Weblinks Commons: Andreas III. von Ungarn – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien | von Ungarn (Árpáden), König Andreas III. der Venezianer (I8116)
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| 33515 | https://de.wikipedia.org/wiki/Andwil_(Adelsgeschlecht) | von Anweil, Elisabeth (I22033)
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| 33516 | https://de.wikipedia.org/wiki/Angers | Familie: Graf Jean VIII. (Johann) von Bourbon-La Marche (Vendôme) / Dame Isabelle (Isabeau) von Beauvau (F6773)
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| 33517 | https://de.wikipedia.org/wiki/Angoulême | von Lusignan, Herr Guido I. (I3591)
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| 33518 | https://de.wikipedia.org/wiki/Annabella_Drummond Annabella Drummond (* um 1350 in Dunfermline; † Oktober 1401 in Scone) war Königin von Schottland. Annabella wurde als Tochter von Sir John Drummond, 11. Thane of Lennox und dessen Gemahlin Mary Montifex geboren. Im Jahre 1367 wurde sie mit John Stuart, dem späteren schottischen König Robert III., vermählt und 1390 im Scone Palace mit ihm zusammen zum Königspaar von Schottland gekrönt. Sie hielt sich am liebsten auf der Burg Fife in Inverkeithing auf, die Vorderseite der Burg ziert heute noch ihr Wappen. Das Paar hatte sechs Kinder: • David (* 24. Oktober 1378, † 26. März 1402), Duke of Rothesay • Robert († jung) • James (* 10. Dezember 1394, † 20. Februar 1437), siehe Jakob I. • Margaret († 1456) ∞ Archibald Douglas, 4. Earl of Douglas • Maria († 1458) 1 ∞ 1397 George Douglas, 1. Earl of Angus, 2 ∞ Sir James Kennedy 3 ∞ William Graham 4 ∞ Sir William Edmonstone • Elizabeth († 1411) ∞ 1387 James Douglas, 1. Lord of Dalkeith • Egidia Anabella starb 1401 im Scone Palace und wurde in Dunfermline beigesetzt. Literatur • Powicke & Fryde: Handbook of British Chronology. Second Edition, London, 1961, S. 57 • Alison Weir: Britain’s Royal Families, The Complete Genealogy. ISBN 978-0-099-53973-5, ab S. 228 Weblinks • Personendaten auf www.fmg.ac (englisch) | Drummond, Annabella (I9349)
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| 33519 | https://de.wikipedia.org/wiki/Anna_Přemyslovna Anna Přemyslovna (* 15. Oktober 1290 in Prag; † 3. September 1313 in Kärnten) war eine Tochter des böhmischen Königs Wenzel II. und seiner ersten Frau Guta. 1306 wurde sie mit Heinrich von Kärnten vermählt, der nach einem Kriegszug des Wenzel zu dessen Stellvertreter ernannt wurde. Nach der Ermordung Wenzels 1306 und der Machtübernahme in Böhmen durch König Albrechts Sohn Rudolf, flohen Anna und Heinrich nach Kärnten. Nach Rudolfs Tod wurde Heinrich 1307 – legitimiert durch seine Heirat mit Anna – zum böhmischen König gewählt. Als das Königspaar versuchte, Annas jüngste Schwester Elisabeth mit dem Meißner Otto von Bergow zu verheiraten, widersetzte Elisabeth sich und nahm das Angebot des böhmischen Adels an, in Opposition zu Heinrich zu gehen. Sie heiratete 1310 Johann von Böhmen, der bereits im Dezember desselben Jahres Prag besetzte. Anna und Heinrich gingen ins Exil nach Kärnten. Anna sah danach ihre Heimat nicht wieder. Sie starb kinderlos am 3. September 1313 auf einer Kärntner Burg und wurde im Dominikanerkloster Bozen bestattet. Literatur • Božena Kopičková: Eliška Přemyslovna. Královna česká 1292-1330. Praha : Vyšehrad, 2003. ISBN 80-7021-656-5. | Přemyslovna (Přemysliden), Anna (I8070)
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| 33520 | https://de.wikipedia.org/wiki/Anna_von_Böhmen_(†_1265) Anna von Böhmen (tschechisch Anna Lehnická, auch Anna Přemyslovna; * 1201/1204; † 26. August 1265) war Herzogin von Schlesien. Leben Anna von Böhmen entstammte dem Geschlecht der Přemysliden. Sie war die Tochter des böhmischen Königs Ottokar I. Přemysl und der Konstanze von Ungarn. 1217 heiratete sie Heinrich den Frommen, Herzog von Schlesien und Herzog von Polen. Nach dem Tod ihres Mannes 1241 übernahm Anna von Böhmen bis zur Volljährigkeit ihres ältesten Sohnes Boleslaw II. die Regentschaft über das Herzogtum Schlesien. 1242 gründete sie zusammen mit ihrem Sohn Boleslaw II. das Kloster Grüssau. Zudem stiftete sie ein Minoritenkloster und nach dem Vorbild ihrer jüngeren Schwester, der heiligen Agnes von Böhmen, das Klarissenkloster in Breslau. Nachkommen • Boleslaw II. († 1278), Herzog von Liegnitz • Mieszko von Lebus († 1242), Herzog von Lebus • Heinrich III. († 1266), Herzog von Schlesien • Konrad II. († 1273/74), Herzog von Schlesien, ab 1251 Herzog von Glogau • Wladislaw von Schlesien († 1270), Herzog von Schlesien, gewählter Bischof von Bamberg und Passau, Erzbischof von Salzburg und Administrator von Breslau Literatur • Augustin Knoblich: Herzogin Anna von Schlesien. Breslau 1865. (online) • Sébastien Rossignol:The Authority and Charter Usage of Female Rulers in Medieval Silesia, c. 1200-c. 1330. in The Journal of Medieval History. 2014, S. 63–84, hier S. 72–75. online | von Böhmen, Herzogin Anna (I8155)
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| 33521 | https://de.wikipedia.org/wiki/Anna_von_Böhmen_und_Ungarn Anna Jagiello von Böhmen und Ungarn (* 23. Juli 1503 in Buda; † 27. Januar 1547 in Prag) war nach dem Tode ihres Bruders Ludwig II. Erbin von Böhmen und Ungarn. Sie war die Ehefrau von Ferdinand I., dem späteren Kaiser des Heiligen Römischen Reiches. Leben Anna war die Tochter des König Vladislav II. von Böhmen und Ungarn und dessen dritter Frau Anna von Foix-Candale. Schon seit ihrer Kindheit wurde um die künftige Ehe von Anna gestritten und verhandelt. Ohne die Einwilligung der ungarischen Stände kamen Vladislav II. und Kaiser Maximilian I. 1515 überein, Vladislavs einzige Kinder, Anna und deren Bruder Ludwig, mit den Enkeln Maximilians I. zu verheiraten (Wiener Doppelhochzeit). Anna heiratete am 26. Mai 1521 in Linz Erzherzog Ferdinand und Ludwig 1522 Ferdinands Schwester Maria. Nach dem Tod ihres Bruders 1526 in der Schlacht bei Mohács wurde Ferdinand aus ihrem Recht König von Ungarn und Böhmen. Die ungarischen Barone, die nie einen Fremdherrscher akzeptieren wollten, wählten Johann Zápolya zum Gegenkönig. Anna war berühmt durch ihre Religiosität, Mildtätigkeit und Klugheit, sie sprach lateinisch, tschechisch, ungarisch und deutsch. Ferdinand setzte sie schon kurz nach der Eheschließung, zusammen mit dem Bischof von Trient, als Vorsitzende seines Hofrates ein. Sie wird für die Autorin der Schrift Clypeus pietatis gehalten. Ferdinand trennte sich kaum von seiner Gattin, und diese begleitete ihn auf den meisten Reisen. Ferdinand argumentierte dem darüber verwunderten kaiserlichen Gefolge gegenüber, dass es besser sei, die Unkosten für die Gattin aufzuwenden als für diverse Geliebte. Nachkommen Sie gebar 15 Kinder, 1547 starb sie im Kindbett. • Elisabeth von Österreich (1526–1545) ∞ 1543 Sigismund II. August (1520–1572) König von Polen • Maximilian II. (1527–1576), Kaiser des Heiligen Römischen Reiches ∞ 1548 Maria von Spanien (1528–1603) • Anna von Österreich (1528–1590) ∞ 1546 Albrecht V. (1528–1579) Herzog von Bayern • Ferdinand II. (1529–1595), Erzherzog von Österreich-Tirol 1 ∞ 1557 Philippine Welser (1527–1580) 2 ∞ 1582 Anna Katharina Gonzaga (1529–1595) • Maria von Österreich (1531–1581) ∞ 1546 Wilhelm (Jülich-Kleve-Berg) Herzog von Jülich, Kleve und Berg • Magdalena von Österreich (1532–1590) • Katharina von Österreich (1533–1572) 1 ∞ 1549 Francesco III. Gonzaga (1533–1550) Herzog von Mantua-Montferrat 2 ∞ 1553 Sigismund II. August (1520–1572) König von Polen • Eleonore von Österreich (1534–1594) ∞ 1561 Guglielmo Gonzaga (1538–1587) Herzog von Mantua und Montferrat • Margarethe von Österreich (1536–1567) • Johann von Österreich (1538–1539) • Barbara von Österreich (1539–1572) ∞ 1565 Alfonso II. d’Este (1533–1597) Herzog von Ferrara, Modena und Reggio • Karl II. (1540–1590), Erzherzog von Innerösterreich ∞ 1571 Maria Anna von Bayern (1551–1608) • Ursula von Österreich (1541–1543) • Helena von Österreich (1543–1574) • Johanna von Österreich (1547–1578) ∞ 1565 Francesco I. de’ Medici (1541–1587) Großherzog von Toskana Für damalige Zeit ungewöhnlich, kümmerten sich die Eltern persönlich um ihre Kinder, die einfach und bescheiden aufwuchsen. Sie wurden nicht von Privatlehrern unterrichtet, sondern besuchten gemeinsam mit anderen Kindern eine öffentliche Schule in Innsbruck. Besonderes Augenmerk wurde auf die Erlernung von Sprachen gelegt. Literatur • Constantin von Wurzbach: Habsburg, Anna (Königin von Ungarn und Böhmen). In: Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich. 6. Theil. Kaiserlich-königliche Hof- und Staatsdruckerei, Wien 1860, S. 150 f. (Digitalisat). • Eva Obermayer-Marnach: Anna Jagjello. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 1, Duncker & Humblot, Berlin 1953, ISBN 3-428-00182-6, S. 299 f. (Digitalisat). • Tibor Simányi: Er schuf das Reich: Ferdinand von Habsburg. Amalthea, Wien 1987, ISBN 3-85002-224-2. Weblinks Commons: Anna von Böhmen und Ungarn – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien | von Böhmen (von Ungarn), Anna Jagiełło (I8858)
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| 33522 | https://de.wikipedia.org/wiki/Anna_von_Brandenburg_(1487–1514) Anna von Brandenburg (* 27. August 1487 in Berlin; † 3. Mai 1514 in Kiel) war Prinzessin von Brandenburg und von 1502 bis 1514 als Gemahlin Friedrichs I. Herzogin von Schleswig und Holstein. Über ihren Sohn Christian III. sind Anna und Friedrich Stammeltern des heutigen dänischen Königshauses. Leben Anna war die älteste Tochter des brandenburgischen Kurfürsten Johann Cicero aus dem Adelsgeschlecht der Hohenzollern (1455–1499) und dessen Gemahlin Margarete von Sachsen (1449–1501), Tochter Herzogs Wilhelm III. von Sachsen. Bereits 1495 hatte ihr Vater für Anna und ihren damals elfjährigen Bruder Joachim Eheverhandlungen mit dem Hause der Jagiellonen aufgenommen. Seine diesbezüglichen Ambitionen zerschlugen sich jedoch.[1] Nach Johann Ciceros Tod 1499 verhandelte dessen Halbbruder Markgraf Friedrich V. von Ansbach-Bayreuth als Vormund und Regent für den unmündigen Kurfürsten Joachim I. für seine Nichte und seinen Neffen mit dem dänischen Königshaus. Er knüpfte damit an eine frühere Verbindung beider Familien an: Seine Tante Dorothea von Brandenburg-Kulmbach war nacheinander Ehefrau der dänischen Könige Christoph III. und Christian I. gewesen und damit Mutter von Annas künftigem Ehemann Friedrich I., Herzog von Schleswig und Holstein und seit 1523 (nach Annas Tod) dänischer und norwegischer König, sowie die Großmutter von Joachims künftiger Braut. 1500 wurde der Ehevertrag geschlossen. Die Hochzeit wurde auf Annas 14. Geburtstag festgelegt. Zuvor musste noch ein päpstlicher Dispens wegen der zu nahen Verwandtschaft der Brautpaare eingeholt werden. Der Tod von Annas Mutter am 13. Juli 1501 verzögerte die Eheschließung um mehrere Monate. Am 10. April 1502 heiratete Anna in Stendal den sechzehn Jahre älteren Friedrich, den vierten Sohn des Königs Christian I. und der Dorothea von Brandenburg. Die Trauung wurde durch Henning von Pogwisch, Bischof von Schleswig vollzogen; als Leibgbgedinge wurden Anna Amt, Stadt und Schloss Kiel zugesprochen. Am gleichen Tag verehelichte sich auch Annas Bruder Joachim im Rahmen dieser, für damalige Verhältnisse sehr aufwändig gefeierten, Doppelhochzeit mit Prinzessin Elisabeth, Tochter des dänischen Königs Johann.[2] Die finanzielle Realisierung des Ehevertrags oblag dem Lübecker Kaufmann Mathias Mulich. Dass die Mitgift pünktlich ausgezahlt wurde, galt als rühmliche Ausnahme.[3] Mit ihrem Ehemann, der sie seine „Teltower Rübe“ nannte, residierte Anna auf Schloss Gottorf, wo sich Friedrich schon bald nach der Hochzeit einem Bauernmädchen zuwandte. Sie begleitete ihren Mann mehrfach auf seinen Reisen und war als leutselige Landesmutter sehr beliebt.[4] Zwei Geburten im Alter von noch nicht ganz 16 bzw. 17 Jahren schwächten die junge Herzogin. Mit 22 Jahren erkrankte sie an Tuberkulose; sie starb am 3. Mai 1514 im Alter von 26 Jahren, in der 28. Woche schwanger, und wurde in der Klosterkirche des Klosters Bordesholm in Bordesholm beigesetzt, die ihr Ehemann zu ihrer (und ursprünglich auch zu seiner) Grablege bestimmt hatte. Damit wurde zum ersten Mal in Nordeuropa eine Klosterkirche zur Grablege einer Herrscherfamilie.[5] Auch sonst war das Herzogspaar Bordesholm sehr zugetan und stiftete der Kirche 1509 das Chorgestühl und 1514 den Brüggemann-Altar. Ehe und Nachkommen Anna heiratete am 10. April 1502 Friedrich, Herzog von Schleswig und Holstein; aus der Ehe gingen zwei Kinder hervor: • Christian III. (1503–1559), König von Dänemark und Norwegen ⚭ 1525 Prinzessin Dorothea von Sachsen-Lauenburg-Ratzeburg (1511–1571) • Dorothea (1504–1547) ⚭ 1526 Albrecht von Brandenburg-Ansbach (1490–1568), Herzog von Preußen Grabmal Das Grabmal des Paares, das schon zu Annas Lebzeiten in Auftrag gegeben worden war, ein bronzener Kenotaph (= Leergrab), zählt zu den bedeutenden spätgotischen Grabmalen.[6] Der Kenotaph ist ein Aufbau über dem eigentlichen Grab im Gewölbe unter der Kirche. 1903 auf Kaiser Wilhelms II. Veranlassung zwischen dem Chorgestühl aufgestellt, befindet er sich seit 2000 wieder an seinem ursprünglichen Platz. Das herzogliche Paar ist als Liegefiguren bereits im Renaissancestil auf der Deckplatte dargestellt, während die restliche Gestaltung noch spätgotisch ist.[7] Siehe auch • Stammtafel der dänischen Könige Literatur • Gerhard Fouquet: Fräulein und Gnädige Frau - Anna von Brandenburg (1487-1514); in: Christiana Albertina Bd. 54 (2002), Neumünster (Wachholtz); S. 19–31. • Hermann Kellenbenz: Anna von Brandenburg : geb. 27.8.1487 Berlin-gest. 3.5.1514 Kiel. In: Schleswig-holsteinisches biographisches Lexikon; Bd. 3., Neumünster 1974, S. 16–17 • Eduard Maria Oettinger: Geschichte des dänischen Hofes, Band 1-2, Hoffmann und Campe, 1857, S. 80 ff. Weblinks Commons: Anna von Brandenburg (1487–1514) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien • Anna von Brandenburg auf der Webseite des Kulturvereins Bordesholmer Land Einzelnachweise 1 Fouquet: Fräulein und Gnädige Frau - Anna von Brandenburg (1487-1514), S. 20 2 Wilhelm Adolf Schmidt: Allgemeine Zeitschrift für Geschichte, Band 7-8, Veit und Comp., 1847, S. 201 3 Fouquet: Fräulein und Gnädige Frau - Anna von Brandenburg (1487-1514), S. 24 4 Fouquet: Fräulein und Gnädige Frau - Anna von Brandenburg (1487-1514), S. 30 5 Andrea Baresel-Brand: Grabdenkmäler nordeuropäischer Fürstenhäuser im Zeitalter der Renaissance 1550-1650, Verlag Ludwig, 2007, S. 96 6 Hanswilhelm Haefs: Ortsnamen und Ortsgeschichten in Schleswig-Holstein, Books on Demand, 2004, S. 73 7 Arbeitsgemeinschaft Anna v.B. | von Brandenburg, Anna (I9638)
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| 33523 | https://de.wikipedia.org/wiki/Anna_von_Cilli Anna von Cilli (slowenisch Ana Celjska, polnisch Anna Cylejska; * 1386; † 21. Mai 1416 in Krakau) heiratete Władysław II. Jagiełło und wurde dadurch im Jahre 1403 Königin von Polen und Großfürstin von Litauen. Sie war die einzige Tochter Wilhelms, Grafen von Cilli (1361–1392) und seiner Gemahlin Anna von Polen (1366–1425), der jüngsten Tochter des polnischen Königs Kasimir I. und der Hedwig von Sagan. Leben Nach dem Tod seiner ersten Gemahlin, der regierenden Königin von Polen Hedwig von Anjou im Jahre 1399 (Sie starb im Wochenbett nach Geburt ihres ersten Kindes, das ebenfalls nicht überlebte), vermählte sich der polnische König Władysław II. im Jahre 1402 mit der erst 16-jährigen Anna von Cilli, einer Cousine zweiten Grades seiner ersten Frau. Die Wahl fiel auf eine Grafendynastie, die von den polnischen Königen der Piasten abstammte und Anspruch auf den polnischen Thron hätten. Władysław war zu diesem Zeitpunkt bereits 50 Jahre alt und ohne männliche Nachkommen. Die Geburt eines Sohnes „piastischen Blutes“ hätte ihm und seiner eigenen Dynastie die Position im Königreich Polen gestärkt, besonders vor dem Hintergrund existierender männlicher Seitenzweige der Piasten, die theoretisch legitime Ansprüche auf die polnische Krone erheben konnten. Annas Mutter, Anna von Polen, die Gräfin von Cilli, versuchte in Polen mehr Einfluss zu gewinnen, um die Position ihrer Tochter und Enkeltochter zu stärken. Anna bekam keine weiteren Kinder mehr und gebar auch keinen männlichen Thronfolger. 1416 starb sie im Alter von 30 Jahren und wurde in der Wawel-Kathedrale in Krakau bestattet. Im Jahr darauf heiratete der König Elisabeth von Pilitza. Doch erst in einer weiteren, vierten Ehe, wurden die erhofften männlichen Erben geboren. Eine Gruppe von polnischen Adeligen wollte, dass Annas Tochter Hedwig anstelle von Władysławs Sohn den polnischen Thron erbt, unterstützt wurde diese Gruppe von Annas Mutter. Diese starb jedoch 1425 und ihre Enkeltochter sechs Jahre darauf im Jahre 1431, ohne Nachkommen zu hinterlassen. Nachkommen Das Paar hatte nur eine Tochter: Prinzessin Hedwig von Polen (1408–1431) | von Cilli, Anna (I9712)
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| 33524 | https://de.wikipedia.org/wiki/Anna_von_Dänemark_(1574–1619) Prinzessin Anna von Dänemark (* 12. Dezember 1574 in Skanderborg; † 2. März 1619 in Hampton Court Palace, London) war als Ehefrau von Jakob I. Königin von England, Schottland und Irland. Leben Kindheit und Jugend Anna war die zweite Tochter von König Friedrich II. von Dänemark und Norwegen aus dessen Ehe mit Sophie von Mecklenburg. Annas Vater hatte einen Prinzen erwartet und seiner Gemahlin im Wochenbett lautstark Vorwürfe über die Geburt einer weiteren Tochter gemacht. Den ersten Teil ihrer Kindheit verbrachte die Prinzessin mit ihrer Schwester Elisabeth, der späteren Herzogin von Braunschweig-Wolfenbüttel, und ihrem Bruder Christian, dem sie zeit ihres Lebens sehr nahestand, in Güstrow bei ihrem Großvater Ulrich und ihrer Großmutter Elisabeth, einer Schwester König Christians III. von Dänemark. Danach übernahm Annas Mutter Sophie, die nach dem Tod ihres Gatten 1588 die Regentschaft führte, wieder die Erziehung der Kinder in Dänemark. Die Bewerber um Annas Hand waren zahlreich, der dänische Hof galt als vermögend und es wurde eine hohe Aussteuer erwartet. Annas Mutter entschied sich für den schottischen König Jakob VI. Als Morgengabe sollte die Braut die strittigen Shetland- und Orkneyinseln mit in die Ehe bringen. Der offizielle Heiratsantrag wurde von einer schottischen Gesandtschaft im Juni 1589 gestellt. Königin von Schottland Anna heiratete Jakob am 20. August 1589 auf Schloss Kronborg in Dänemark nach lutherischem Ritus. Die Stelle des abwesenden Bräutigams nahm Lord Keith ein. Die homosexuellen Neigungen ihres Gemahls waren ihr verheimlicht worden. Knapp zwei Wochehen später segelte die Königin in einer Flotte von vierzehn Schiffen in einer stürmischen Überfahrt nach Schottland. Wegen des Orkans musste man nach Norwegen abdrehen und dort anlanden. Jakob musste schließlich seiner Frau entgegenreisen. Am 23. November 1589 fand die Eheschließung dann unter Anwesenheit Jakobs im Palast des Bischofs von Oslo statt. Die ersten Wochen der Ehe verbrachte das Paar in Kopenhagen und war sich recht zugeneigt. Eine dritte Hochzeitszeremonie wurde im Januar 1590 abgehalten. Im Mai 1590 trafen die Frischvermählten schließlich in Schottland ein und am 17. Mai 1590 wurde Anna in Holyrood nach protestantischem Zeremoniell zur schottischen Königin gekrönt. Die Königin, nun Anne genannt, bezog das Schloss Dunfermline. Obwohl sich Anna und Jakob zu Beginn ihrer Ehe recht nahestanden, verschlechterte sich ihre Beziehung mit fortschreitender Ehedauer. Vor allem die Übergabe von Annas Erstgeborenem in die Pflege von Lord und Lady Carr hatte zur Entfremdung geführt. Obwohl als Protestantin aufgewachsen, konvertierte sie kurz nach der Heirat zum Katholizismus. Dies führte zu einem Ansehensverlust und brachte Jakob in eine unangenehme Lage, als er 1603 König von England wurde. Königin von England, Schottland und Irland Nach dem Tod von Elisabeth I. wurde Jakob VI. 1603 als Jakob I. auch König von England und Irland. Noch im selben Jahr siedelten Jakob und Anna um. Wegen einer Pestepidemie musste das Königspaar London fernbleiben und auch die Krönungsfeierlichkeiten wurden verschoben, diese fanden schließlich am 25. Juli 1603 in Westminster Abbey statt. Anna hatte einen teuren Geschmack bei Kleidung, Juwelen und liebte sorgfältig gearbeitete Masken, womit sie viel zu den Hofkosten beitrug. Diese Verschwendungssucht der immer tiefer verschuldeten Anne schadete wiederum Jakobs Ruf. Nach 1606 lebtten die Königin und ihr Mann getrennt. Anne residierte größtenteils im „Denmark House“ (Somerset House). Ihr politischer Einfluss in England war bedeutungslos, obwohl sie ein Projekt für eine spanische Heirat mit Prinz Heinrich förderte und Jakob sie bei einer Schottlandreise 1617 als Regentin in England zurückließ. Mit Jakobs Minister Robert Cecil verstand sich Anna überhaupt nicht. Die auf den Tod Cecils folgende Günstlingswirtschaft und den Aufstieg Buckinghams sah Anne mit Sorge. Anne kümmerte sich liebevoll um ihre Kinder, vor allem aber um Karl, nachdem sein älterer Bruder früh verstarb und Elisabeth in die Pfalz heiratete. 1616 wurde für Anna noch Queen’s House in Greenwich Park entworfen, doch nach einigen Jahren schlechter Gesundheit und häufigen Kuraufenthalten in Bath starb sie 1619 44-jährig an Wassersucht. Erst nach zwölf Wochen konnte Jakob das Geld für die angemessenen Trauerfeierlichkeiten seiner Gemahlin aufbringen. Nachkommen Anna hatte mit Jakob die Kinder • Henry Frederick (1594–1612) • Kind, totgeboren 1595 • Elizabeth (1596–1662), die Winterkönigin • Margaret (* 29. Dezember 1598), starb einjährig 1600 • Charles (1600–1649), deutsch Karl I. war König von England von 1625 bis 1649 • Robert Bruce (* 18. Februar 1601), Duke of Kintyre, starb 1602 • Sohn, starb 1603 kurz nach der Geburt • Mary (* 18. April 1605), starb als Zweijährige • Sophie (* 22. Juni 1606), starb am nächsten Tag Siehe auch • Stammtafel der Könige von Schottland Literatur • Marita A. Panzer: Englands Königinnen, Piper Verlag 2005 • Agnes Strickland: Live of the Queens of England, New Portway Reprints 1972 • Ethel Carleton Williams: Anne of Denmark, London 1970 • Leeds Barroll: Anna of Denmark, Queen of England: A Cultural Biography University of Pennsylvania Press 2000 • Ronny Baier: Anna von Dänemark. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 33, Bautz, Nordhausen 2012, ISBN 978-3-88309-690-2, Sp. 35–48. Weblinks Commons: Anna von Dänemark – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien • Long-distance royal journeys: Anne of Denmark's journey from Stirling to Windsor in 1603 • Undiscovered Scotland: Anne of Denmark • Anne Oldenburg, Princess of Denmark auf thepeerage.com, abgerufen am 4. Oktober 2015 (englisch) | von Dänemark, Anna (I8821)
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| 33525 | https://de.wikipedia.org/wiki/Anna_von_der_Pfalz Anna von der Pfalz (tschechisch Anna Falcká) (* 26. September 1329; † 2. Februar 1353 in Prag) war die zweite Frau Kaiser Karls IV., die nach dem Tod der Blanca Margarete von Valois († 1348) auf der Prager Burg residierte. Leben Anna von der Pfalz stammte aus dem Adelsgeschlecht der Wittelsbacher. Sie war Tochter des Pfalzgrafen Rudolf II. und seiner Ehefrau Anna aus Tirol. Der böhmische König Heinrich von Kärnten war ihr Urgroßonkel mütterlicherseits. Von der Kindheiit sind keine Überlieferungen bekannt. Als 20-Jährige wurde sie im März 1349 auf der Burg Stahleck mit dem böhmischen und deutschen König verheiratet. Bis zur Vermählung war Rudolf II. einer der bedeutendsten Gegner Karls IV. Noch im Februar 1349 stand er auf der Seite des Gegenkönigs Günther von Schwarzburg. Dieser von Karl IV. eingefädelte diplomatische Schachzug hatte nicht nur die Zahl der Gegner verkleinert, er erwarb sich gleichzeitig Teile der Oberpfalz, das sogenannte Neuböhmenn. Anfang November 1349 wurde Anna im St. Veitsdom zur Königin gekrönt. Zu diesem Zeitpunkt war sie bereits hochschwanger und der König und das ganze Land warteten nun ungeduldig auf die Geburt eines Erben. Mitte Januar 1350 gebar sie einen Sohn, der nach dem böhmischen Patron auf den Namen Wenzel getauft wurde. Das Kind starb im Dezember 1351, ein Jahr darauf auch die junge Königin Anna. Karl wurde nun mit 37 Jahren das zweite Mal Witwer mit einem Kind, der Tochter Katharina. Diese lelebte am Wiener Hof und war mit dem Habsburger Prinz Rudolf verlobt. Zwar wurde Karls jüngerer Bruder Markgraf Johann Heinrich 1351 Vater, es bestand aber weiter die Gefahr, dass das Geschlecht der Luxemburger aussterben und die Habsburger Böhmen bekommen könnten. Karl IV. heiratete im Jahre 1353 Anna von Schweidnitz. Literatur • Thilo Vogelsang: Anna. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 1, Duncker & Humblot, Berlin 1953, ISBN 3-428-00182-6, S. 299 (Digitalisat). | von der Pfalz (Wittelsbacher), Königin Anna (I8198)
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| 33526 | https://de.wikipedia.org/wiki/Anna_von_Kiew Anna von Kiew (französisch Anne de Kiev), auch Anna Jaroslawna und zum Teil Agnes genannt, (* 1024–1032 wahrscheinlich in Kiew;[1] † 5. September 1075–1078/79[2][3]) war als zweite Ehefrau Heinrichs I. von Frankreich von 1051 bis 1060 Königin von Frankreich. Aus der Dynastie der Rurikiden stammend, war Anna eine prestigeträchtige Braut für den französischen König. Nach dessen Tod übernahm sie gemeinsam mit dem flandrischen Grafen Balduin V. die Regentschaft für ihren noch unmündigen Sohn Philipp I. Als sie 1061 eine zweite Ehe mit Rudolf III., Graf von Valois, einging, kam es zum Bruch mit ihrem Sohn und dem Königshof. Einige Jahre später gab es jedoch eine Versöhnung von Mutter und Sohn, und Anna nahm ab 1065 wieder am Hofleben teil, ehe sie zwischen 1075 und 1079 starb. Familie Anna kam als Tochter des Großfürsten Jaroslaw des Weisen aus dem Haus der Rurikiden und dessen Frau Ingegerd von Schweden, der Tochter des schwedischen Königs Olof Skötkonung, wahrscheinlich in Kiew zur Welt.[1] Ihr Vater hatte es verstanden, durch eine geschickte Heiratspolitik familiäre Bindungen zu vielen mächtigen Adelsdynastien in West- und Osteuropa zu knüpfen. Durch Maria Dobroniega, eine Schwester Jaroslaws, die Kasimir I. von Polen geheiratet hatte, besaß Annas Familie verwanddtschaftliche Beziehungen zum polnischen Königshaus. Annas Bruder Isjaslaw hatte zudem 1043 Kasimirs Schwester Gertrude geheiratet. Annas ältere Schwester Elisabeth war durch ihre Heirat mit Harald III. Königin von Norwegen geworden, während ihre jüngere Schwester Anastasia mit dem ungarischen König Andreas I. verheiratet war. Außerdem war Anna durch die Ehe ihres Bruders Wsewolod I. mit einer Verwandten Kaisers Konstantin IX. Monomacos familiär auch mit dem byzantinischen Kaiserhaus verbunden. Wie schon ihre beiden Schwestern vor ihr heiratete Anna einen König aus dem Westen Europas, den Kapetinger Heinrich I. von Frankreich, und wurde seine zweite Ehefrau. Aus dieser Ehe gingen drei Söhne hervor. Dies waren: • Philipp I. (* 1052; † 1108), ab 1060 König von Frankreich • Robert (* 1055; † um 1065[4]) • Hugo (* 1057; † 1101), ab etwa 1080 Graf von Vermandois, ∞ 1078 Adelheid, Tochter des Grafen Heribert IV. und Erbin der Grafschaft Vermandois Der Chronist Wilhelm von Jumiège behauptet in seiner vor 1087 entstandenen Chronik, dass das Königspaar auch eine Tochter gehabt habe, er ist jedoch der einzige mittelalterliche Geschichtsschreiber, in dessen Aufzeichnungen sich diese Äußerung findet. Gemäß der Überlieferung der römisch-katholischen Kirche könnte die heilige Edigna eine Tochter Heinrichs I. gewesen sein.[5] Nur kurz nach Heinrichs Tod ging Anna im Jahr 1061 eine zweite Ehe mit Rudolf III. von Valois ein und wurde dessen dritte Frau. Die Verbindung der beiden blieb aber kinderlos. Kindheit und Jugend Über Annas Kindheit und Jugend gibt es keine Aufzeichnungen, die Forschung geht aber davon aus, dass sie als Tochter des Kiewer Großfürsten eine am dortigen Hof übliche, profunde Ausbildung erhielt.[1] Anna kannte zum Beispiel das kyrillische Alphabet und konnte ein wenig schreiben. Ende des Jahres 1042/43 plante Jaroslaw der Weise, Anna oder ihre Schwester Anastasia mit dem König und späteren Kaiser Heinrich IIII. zu verheiraten und machte diesem ein entsprechendes Angebot, was Heinrich aber ausschlug.[6][7] Rund sechs Jahhre später gab es aber mit Heinrich I. von Frankreich einen anderen Bewerber um Annas Hand, der als König aus dem Westen Europas ganz nach dem Geschmack des Großfürsten war. Der französische König war nach dem Tod seiner ersten Frau Mathilde 10444 fünf Jahre unverheiratet geblieben, obwohl aus seiner Ehe keine Kinder hervorgegangen waren und somit der Fortbestand der noch jungen Kapetingerdynastie nicht gesichert war. Eine mögliche Begründung für die lange Wartezeit könnte unter anderem gewesen sein, dass es Schwierigkeiten gab, im westlichen Kulturkreis eine standesgemäße Frau für ihn zu finden, deren Grad der Blutsverwandtschaft nicht zu hoch war oder die allen Ansprüchen an eine Kapetingerkönigin genügen konnte.[8][7] Heininrichs Initiative ging möglicherweise auf das Betreiben des Grafen Balduin V. von Flandern zurück.[6] Anna war unter dynastischen Gesichtspunkten eine perfekte Braut für Heinrich I.: Sie war gebildet und aus gutem Haus, das für seine zahlreichen Nachkommen und damit für die Fruchtbarkeit seiner weiblichen Familienmitglieder bekannt war. Zudem bestand keine Blutsverwandtschaft zwischen ihr und dem französischen König. Aus politischer Sicht war die Verbindung mit der Kiewer Großfürstentochter jedoch nicht besonders erstrebenswerte, denn mit der Heirat waren keine territorialen Zuwächse für das Karolingerreich verbunden. Trotzdem traf spätestens 1049 eine Gesandtschaft Heinrichs I. in Kiew ein, um für den König um Anna zu werbeen.[6] Es war aber vermutlich erst eine zweite französische Abordnung, die Anna schließlich nach den erfolgreichen Heiratsverhandlungen nach Frankreich begleitete.[9] Darunter waren Roger II., Bischof von Châlons, Gauthier I. (der Weise), Bischof von Meaux, und Gosselin de Chaunay als Vertreter des französischen Hofs.[9] Die früher oft zu findende Behauptung, dass auch er Mönch Ilarion Anna nach Frankreich begleitet habe, ist aus zeitlichen Gründen jedoch nahezu auszuschließen.[9] Ebenso stellt sich die Feststellung, das Slawische Evangelium, das heute in der Stadtbibliothek von Reims aufbewahrt wird, sei seinerzeit mit Anna von Kiew nach Frankreich gekommen, als falsch heraus. Ein Inventar des Kirchenschatzes von Reims aus dem Jahr 1622 verzeichnet die Handschrift nämlich als eine Stiftung des Kardinals Charles de Lorraine-Guise aus dem Jahr 1574.[10] Königin von Frankreich Die Hochzeit Annas mit Heinrich I. fand am Pfingstsonntag, dem 19. Mai 1051 in der aus dem 9. Jahrhundert stammenden karolingischen Kirche von Reims, einem Vorgängerbau der heutigen Kathedrale, statt. Die Braut befand sich in den 20ern, ein für jene Zeit bereits fortgeschrittenes Heiratsalter, und trotzdem war sie damit um die 20 Jahre jünger als ihr 43-jähriger Bräutigam. Die Hochzeitszeremonie leitete Bischof Gauthier I. [11] Direkt im Anschluss daran wurde Anna durch den Reimser Erzbischof Guido von Châtillon unter Mitwirkung von Roger II. von Châlons auch zur Königin gesalbt.[11] Sie war damit die erste Karolinger-Königin, die in Reims gesalbt wurde. Der Hochzeitszeremonie schlossen sich einwöchige Festivitäten an. Nur ein Jahr nach der Eheschließung kam mit dem ersten Sohn des Paares der ersehnte Thronfolger zur Welt. Das Kind wurde – wahrscheinlich auf Annas Wunsch hin –[12] auf den für die Kapetingerdynastie ungewöhnlichen Namen Philipp getauft. Allerdings trug auch von Annas Vorfahren niemand diesen Namen, und im Byzantinischen Reich war er ebenfalls nicht sonderlich verbreitet. Vielleicht bezog er sich auf den Apostel Philippus, der in der orthodoxen Kirche eine wichtige Rolle spielt,[13] oder auf dem makedonischen König Philipp II.[14] In den folgenden acht Ehejahren mit Heinrich erfüllte Anna aller Wahrscheinlichkeit nach die für französische Königinnen üblichen Pflichten wie zum Beispiel Kindererziehung und Führen des königlichen Haushalts.[5] Außerdem fielen Geschenke und Stiftungen an die Kirche in ihre Verantwortlichkeit. Sie begleitete Heinrich bei den Reisen durch sein Königreich und war Mitglied des französischen Kronrats.[5] Indes scheint sie zunächst nicht an politischen Geschäften beteiligt gewesen zu sein, denn in Königsurkunden wurde sie in den ersten Ehejahren nicht genannt.[12] Dies änderte sich ab spätestens Juli 1058,[15] als Anna mehr politischer Einfluss gewährt wurde. Regentschaft und zweite Ehe Als Heinrich I. am 4. August 1060 starb, war Annas ältester Sohn Philipp mit seinen acht Jahren noch unmündig. Er war jedoch schon zu Lebzeiten des Vaters im Mai 1059 zum Mitkönig gekrönt worden. Testamentarisch hatte Heinrich seinen Schwager Balduin V. von Flandern zum offiziellen Vormund des Thronfolgers ernannt. Anna übernahm aber wohl in ihrer Eigenschaft als Königinmutter und Mitglied des Kronrats in informeller Co-Regentschaft einen Teil der Regierungsgeschäfte.[16][17] Dies erwäwähnen jedoch nur die Annales Bertholdi, alle anderen zeitgenössischen Chroniken führen ausschließlich Balduin als Regenten an.[16] Fakt ist jedoch, dass Anna ihren Sohn bei seiner Rundreise durch Frankreich begleitete und in elf Urkunden aus den ersten Königsjahren Philipps namentlich Erwähnung findet, was als Indiz für ihre politische Mitwirkung angesehen werden kann.[18] Als die Königinmutter jedoch im Jahr 1061 in zweiter Ehe Rudolf III, Graf von Valois, später von Amiens, Vexin und Crépy heiratete, sorgte dies am Hof für einen Skandal und zum Bruch zwischen dem neunjährigen französischen König und seiner Mutter. Nach einer romantisch verklärten Version der Geschichte soll Rudolf III. Anna während eines Ausritts in den königlichen Wäldern von Senlis entführt und auf seine Burg in Crépy-en-Valois gebracht haben, wo ein eilig herbeigerufener Priester diie beiden getraut haben soll.[18] Um Anna ehelichen zu können, hatte Rudolf III. seine Ehefrau Eleonore von Montdidier und Peronne unter dem Vorwand des Ehebruchs verstoßen. Doch diese wandte sich mit Bitte um Intervention an Papst Alexander II., und nach einer offiziellen Untersuchung wurde die Ehe zwischen Anna von Kiew und ihrem zweiten Ehemann für ungültig erklärt. Da sich Rudolf jedoch entgegen der kirchlichen Anordnung nicht von seiner Frau trennte, hatte dies für ihn die Exkommunikation zur Folge. Es gibt aber keine Aufzeichnungen darüber, ob auch Anna von Kiew exkommuniziert wurde.[19] Höflinge im direkten Umfeld Philipps machten sich die Heirat Annas erfolgreich zunutze, um den König gegen seine Mutter und ihren zweiten Mann aufzubringen. Bis Anfang 1065 scheint sie sich nicht mehr am Hof aufgehalten zu haben, zumindest sind für diese Zeit keine Kontakte der Königswitwe mit dem Königshof nachweisbar.[20] Dann scheint es zu einer Aussöhnung zwischen Mutter und Sohn gekommen zu sein, denn in einer Königsurkunde vom 26. Januar 1065 erscheint Anna wieder. Sie war auch dabei, als ihr Sohn 1071 Bertha von Holland heiratete.[21] In Zusammenhang mit Annas Wiederverheiratung sieht die Forschung die von ihr initiierte Gründung des Augustinerchorherrenstifts Saint-Vincent in Senlis, die höchstwahrscheinlich in die Zeit zwischen 1062 und 1069 fiel.[22][23] Gründung und Ausststattung des Klosters waren womöglich eine ihr abverlangte Leistung, um ihrer zweiten Ehe zu einer besseren Akzeptanz zu verhelfen.[22] Um etwa 1062[24] gründete Anna mit der Benediktinerinnenabtei Saint-Rémi auch ein Frauenkloster in Senlis, das 1630[25] nach Villers-Cotterêts umzog. Letzte Jahre Nach zwölf Jahren Ehe machte der Tod Rudolfs im September 1074 Anna ein zweites Mal zur Witwe. Möglicherweise kehrte sie an den französischen Hof zurück.[26] In einer Urkunde aus dem Jahr 1075 wurde sie ein letztes Mal namentlich aufgeführt, danach trat sie urkundlich nicht mehr in Erscheinung. Vielleicht zog sie sich in das von ihr gegründete Kloster Saint-Vincent zurück.[26] Ein anonymer Chronist behauptete, dass sie angeblich in ihre russische Heimat zurückgekehrt sei. Das genaue Todesdatum Annas von Kiew ist bis heute unbekannt. Es ist aber überliefert, dass in Senlis alljährlich am 5. September eine Messe für sie gelesen wurde, was diesen Tag als Todesdatum nahelegt.[3] Eine Schenkung Philipps I. an die Abtei Cluny im Jahr 1079 tätigte er zur Vergebung von Sünden seines Vaters und seiner Mutter. Es steht also zu vermuten, dass Anna zwischen 1075 und 1079 verstarb.[3] Die Grablege der einstigen Königin ist ebenfalls unbekannt. Sicher ist, dass sie weder in Saint-Denis noch neben ihrem zweiten Mann in der Abtei Saint-Arnould in Crépy-en-Valois bestattet wurde. Es spricht aber vieles dafür, dass sich ihr Grab in der Abtei Saint-Vincent befand. [2] 1682 behauptete der Jesuitenpater Claude-François Ménestrier, er habe Annas Grab aufgrund einer Inschrift auf einer Grabplatte in der Kirche der Abtei Villiers-aux-Nonnains bei La Ferté-Alais gefunden, doch wird diese Theorie von den heutigen Mediävisten mehrheitlich als unglaubwürdig eingestuft. Überprüfbar ist Ménestriers Aussage nicht mehr, denn das in Frage stehende Grab wurde während der Französischen Revolution zerstört. Literatur • Robert-Henri Bautier: Anne de Kiev, Reine de France, et la politique royale au XIe siècle. In: Revue des Etudes Slaves. Band 57, 1985, ISSN 0080-2557, S. 539–564. • Wladimir V. Bogomoletz: Anna of Kiev. An enigmatic Capetian Queen of the eleventh century. A reassessment of biographical sources. In: French History. Jg. 19, Nr. 3, 2005, ISSN 0269-1191, S. 299–323, doi:10.1093/fh/cri032. • Christian Bouyer: Dictionnaire des Reines de France. Perrin, Paris 1992, ISBN 2-262-00789-6, S. 135–137. • Amédée de Caix de Saint-Aymour: Anne de Russie, reine de France et comtesse de Valois au XIe siècle. 2. Auflage. Honoré Champion, Paris 1896 (online). • Jacqueline Dauxois: Anne de Kiev. Reine de France. Presse de la Renaissance, Paris 2003, ISBN 2-85616-887-6. • Roger Hallu: Anne de Kiev, reine de France. Editiones Universitatis catholicae Ucrainorum, Rom 1973. • Edward D. Sokol: Anna of Rus, Queen of France. In: The New Review. A Journal of East European History. Nr. 13, 1973, S. 3–13. • Gerd Treffer: Die französischen Königinnen. Von Bertrada bis Marie Antoinette (8.–18. Jahrhundert). Pustet, Regensburg 1996, ISBN 3-7917-1530-5, S. 81–83. • Carsten Woll: Die Königinnen des hochmittelalterlichen Frankreich 987-1237/38 (= Historische Forschungen. Band 24). Franz Steiner, Stuttgart 2002, ISBN 3-515-08113-5, S. 109–116. Weblinks Commons: Anna von Kiew – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien • Kurzbiografie Annas von Kiew auf Epistolæ: Medieval Women's Letters (englisch) • Materialsammlung zu Anna von Kiew bei mittelalter-genealogie.de (Memento vom 14. Juni 2008 im Internet Archive) • Informationen zu Anna von Kiew auf der Website der Foundation for Medieval Genealogy (englisch) Einzelnachweise 1 W. V. Bogomoletz: Anna of Kiev, 2005, S. 302. 2 C. Woll: Die Königinnen des hochmittelalterlichen Frankreich 987-1237/38, 2002, S. 116. 3 W. V. Bogomoletz: Anna of Kiev, 2005, S. 321. 4 Andrzej Poppe: A. v. Kiew. In: Lexikon des Mittelalters. Band 1. dtv, München 2002, ISBN 3-423-59057-2, Sp. 656. 5 W. V. Bogomoletz: Anna of Kiev, 2005, S. 308. 6 C. Woll: Die Königinnen des hochmittelalterlichen Frankreich 987-1237/38, 2002, S. 109. 7 W. V. Bogomoletz: Anna of Kiev, 2005, S. 304. 8 W. V. Bogomoletz: Anna of Kiev, 2005, S. 303. 9 W. V. Bogomoletz: Anna of Kiev, 2005, S. 305. 10 W. V. Bogomoletz: Anna of Kiev, 2005, S. 306–307. 11 W. V. Bogomoletz: Anna of Kiev, 2005, S. 307. 12 C. Woll: Die Königinnen des hochmittelalterlichen Frankreich 987-1237/38, 2002, S. 111. 13 Kurzbiografie Annas von Kiew auf Epistolæ: Medieval Women's Letters, Zugriff am 2. Februar. 14 Jean Dubabin: What's in a Name? Philip, King of France. In: Speculum. Jg. 68, Nr. 4, 1993, ISSN 0038-7134, S. 949–968, doi:10.2307/2865492. 15 W. V. Bogomoletz: Anna of Kiev, 2005, S. 310. 16 W. V. Bogomoletz: Anna of Kiev, 2005, S. 312. 17 C. Woll: Die Königinnen des hochmittelalterlichen Frankreich 987-1237/38, 2002, S. 112–113. 18 W. V. Bogomoletz: Anna of Kiev, 2005, S. 313. 19 W. V. Bogomoletz: Anna of Kiev, 2005, S. 314. 20 C. Woll: Die Königinnen des hochmittelalterlichen Frankreich 987-1237/38, 2002, S. 113. 21 C. Bouyer: Dictionnaire des Reines de France, 1992, S. 137. 22 C. Woll: Die Königinnen des hochmittelalterlichen Frankreich 987-1237/38, 2002, S. 114. 23 W. V. Bogomoletz: Anna of Kiev, 2005, S. 318. 24 Elisabeth Lalou: Senlis. In: Lexikon des Mittelalters. Band 7. dtv, München 2002, ISBN 3-423-59057-2, Sp. 1759 25 C. Woll: Die Königinnen des hochmittelalterlichen Frankreich 987-1237/38, 2002, S. 115, Anm. 46. 26 W. V. Bogomoletz: Anna of Kiev, 2005, S. 320. | von Kiew (Rurikiden), Anna (I7024)
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| 33527 | https://de.wikipedia.org/wiki/Anna_von_Kleve Anna von Kleve (* 22. September 1515 in Düsseldorf; † 16. Juli 1557 in Chelsea Manor, London) war die vierte Ehefrau des englischen Königs Heinrich VIII. Sie wurde als zweitälteste der drei Töchter von Johann III., Herzog von Jülich-Kleve-Berg († 1539), und Maria von Jülich († 1543) geboren und wuchs in einem konservativen familiären Umfeld in Burg an der Wupper auf. Heinrich plante nach dem Tod seiner dritten Frau Jane Seymour aus politischen Gründen eine weitere Heirat. Er wählte Anna von Kleve aus, da ihm ihr von Hans Holbein gemaltes Porträt gefiel, und unterschrieb den Heiratsvertrag, ohne sie persönlich kennengelernt zu haben. Nach ihrer ersten Begegnung sah er sich jedoch in seinen Erwartungen enttäuscht und ließ die am 6. Januar 1540 in Greenwich geschlossene Ehe ein halbes Jahr später für ungültig erklären, da sie nie vollzogen worden sei. Anna genoss weiterhin finanzielle Privilegien, durfte aber England bis zu ihrem Tod nicht mehr verlassen. Sie starb 1557 an Krebs und wurde in Westminster Abbey bestattet. Kindheit und Jugend Über die frühen Jahre Annas ist wenig bekannt. Sie wuchs in der Nähe von Düsseldorf auf Schloss Burg bei Solingen unter der Obhut ihrer Mutter auf. Ihr Vater war Anhänger von Erasmus von Rotterdam und verfolgte einen gemäßigten Reformationskurs. Er stand dem Schmalkaldischen Bund nahe und ging damit in Opposition zum katholischen Karl V., dem Kaiser des Heiligen Römischen Reiches. Maria von Jülich galt als konservativ, willensstark und dominant, ihre Tochter Anna als scheu und sich unterordnend. Sie und ihre beiden Schwestern Amalia und Sibylle erhielten eine altmodische Erziehung. Es wurde Wert auf Sticken und Nähen, nicht aber auf das Erlernen von Fremdsprachen, Singen oder das Spielen eines Musikinstruments gelegt.[1] Auch kleidete man sich an dem kleinen deutschen Fürstenhof nicht nach der italienischen Mode, wie es während der Renaissance in Adelskreisen üblich geworden war. Schon im Kindesalter wurde für Anna ein Heiratsvertrag mit Franz I. von Lothringen geschlossen, der jedoch nicht umgesetzt wurde. Nach dem Tod ihres Vaters im Februar 1539 übernahm ihr Bruder Wilhelm der Reiche die Herrschaft in Jülich-Kleve-Berg und setzte die Politik seines Vaters fort. Heirat mit Heinrich VIII.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten] Heinrichs Brautsuche in Europa Nach dem Tod seiner dritten Frau Jane Seymour, die zwölf Tage nach der Geburt des Sohnes Eduard am Kindbettfieber starb, verfiel König Heinrich VIII. in eine Depression. Jedoch wurde für ihn eine neue Heirat geplant. Der Lordsiegelbewahrer, Thomas Cromwell, suchte nach einer starken Allianz und bemühte sich, eine politisch sinnvolle Ehe für den König zu arrangieren. Er schrieb Briefe an seine Botschafter innerhalb Europas. Da Heinrich seine zweite Frau hatte hinrichten lassen, gestaltetete sich die Suche zudem als schwierig. Außerdem wollte der zögernde König der Heirat nur zustimmen, wenn seine Braut attraktiv wäre. So ließ er seinen Hofmaler Hans Holbein den Jüngeren mehrere Heiratskandidatinnen porträtieren. Seine Favoritin wurde Christina von Dänemark, die Nichte von Karl V. Dieser war jedoch gegen die Heirat, denn dieses Bündnis mit Frankreichs Erzfeind England hätte das angespannte Verhältnis des Heiligen Römischen Reiches zu Frankreich stark belastet. Christina, von der angeblich das Zitat „Hätte ich zwei Hälse, so würde einer davon dem König von England zur Verfügung stehen“, stammt, wollte von einer Heirat mit Heinrich ebenfalls nichts wissen.[2] In Wilhelm dem Reichen fand Cromwell einen möglichen Bündnispartner gegen Kaiser Karl V. und Franz I. von Frankreich. Wilhelm regierte seit 1538 gegen den Willen des Kaisers das Herzogtum Geldern. Damit kontrollierte er das größte Territorium iim Norden Deutschlands. Hans Holbein porträtierte Anna von Kleve und ihre jüngere, ebenfalls unverheiratete Schwester Amalia von Kleve (1517–1586). Heinrich wählte die zweitälteste Schwester, denn das von Holbein gemalte Porträt Annas gefiel ihm. Außerdem lobten die englischen Abgesandten Anna dem König gegenüber in den höchsten Tönen. So unterschrieb er am 6. Oktober 1539 den Heiratsvertrag. Anna erhielt eine ansehnliche Mitgift von 100.000 Goldgulden, davon 40.000 am Hochzeitstag. Die übrigen 60.000 sollten innerhalb des nächsten Jahres ausbezahlt werden. Als Anna nach England aufbrach, wurde sie von 263 Personen und 283 Pferden begleitet.[3] Reise nach England Nach der Unterzeichnung des Heiratsvertrages wurde ein Weg gesucht, um Anna sicher von Düsseldorf nach London zu bringen. Es bestand ein hohes Risiko, dass Heinrichs Braut von einem seiner Gegner abgefangen werden würde. Heinrich plante zunächst eine schnelle Seereise Annas nach London. Die Klever Botschafter lehnten jedoch eine längere Schiffsfahrt im Winter ab. So wurde der lange Landweg gewählt, auf dem Anna nach Calais gebracht wurde, wo sie am 11. Dezember 1539 eintraf. Wegen schhlechten Wetters konnte sie erst am 27. Dezember nach Dover übersetzen, was die Ungeduld des in Greenwich wartenden Königs verstärkte. Von Dover Castle wurde Anna durch das Herzogspaar von Suffolk über Canterbury bis nach Rochester begleitet. Auuf der langen Reise nach London wurden ihr die Etikette am Hof und die wichtigsten englischen Kartenspiele beigebracht. Englische Beobachter bezeichneten ihre Kleidung und Verhalten als „sehr ungewöhnlich“. Nach einer wochenlangen Fahrt erreichte Anna am 31. Dezember die Stadt Rochester. Der König, der die erste Begegnung mit seiner neuen Frau kaum abwarten konnte, reiste ihr entgegen.[3] Am 1. Januar 1540 besuchte er Anna im Palast des Bischofs von Rochester. Erstes Treffen mit Heinrich Der spanische Botschafter berichtete über die erste Begegnung Heinrichs mit Anna von Kleve. Anna beobachtete gerade eine Bullenhatz durch ein Fenster, als der König eintraf und ihr ein Geschenk überreichte. Da der König verkleidet war, erkanntnte Anna ihn nicht. Sie nahm das Geschenk entgegen und schaute sich dann weiter den Kampf an. Von Heinrich nahm sie weiter keine Notiz. Heinrich ging aus dem Raum, um kurze Zeit später ohne Verkleidung zurückzukehren. Erst jetzt erkannte Anna den König und kniete nieder. Nach dem ersten Treffen war Heinrich von seiner neuen Braut maßlos enttäuscht. Er fand Anna humorlos und langweilig. Sie wirkte unscheinbar in ihrer deutschen Tracht, verhielt sich schüchtern und sprach kein Englisch. Angeblich soll er Cromwell nach diesem ersten Treffen schon gesagt haben: „Ich mag sie nicht.“[4] Die Beleidigung als „flandrische Mähre“ ist eine viel später erfundene Behauptung von Heinrich und so nicht überliefert.[5] Der französische Gesandte Charles de Marillac beschrieb Anna als große, dünne Frau, die eher wie eine 30-Jährige wirke. Sie sei „… von mittlerer Schönheit, mit einem entschlossenen und resoluten Antlitz.“[5] Zunächst verschob Heinrich die Hochzeitsfeier um zwei Tage und äußerte den Wunsch, vom Ehevertrag zurückzutreten. Heinrich befahl Cromwell, eine Möglichkeit zu finden, die Hochzeit zu verhindern. Es sollte überprüft werden, ob der Heiratsvertraag aus ihrer Kindheit mit Franz I. noch gültig wäre. Der Gesandte berichtete aber, dass dieser Vertrag schon Jahre zuvor gelöst worden sei. Am 5. Januar 1540 musste Anna zusätzlich eine formelle Erklärung unterzeichnen, dass sie nicht anderweitig gebunden sei. Schließlich fand am 6. Januar 1540 die Hochzeit in Greenwich statt.[5] Leben am Englischen Hof Thomas Cromwell hoffte, dass die Hochzeitsnacht das Ehepaar einander näherbringen würde. Heinrich äußerte sich am Morgen nach der ersten Nacht: „Ich habe sie vorher nicht geliebt und liebe sie jetzt noch weit weniger […] mein Herz hat sich von ihr abgewendet, so dass ich in diesem Handel nicht weiter fortfahren will.“[5] Der König bemühte sich in den ersten Nächten um Anna, bevor er verkündete, dass es ihm nicht möglich sei, seine Gattin „fleischlich zu erkennen“. Seinen Hofärzten gegeenüber bemängelte er die „Schlaffheit ihres Fleisches“.[6] Anna kümmerte sich nicht um die Ratschläge der Hofdamen, die seine Unzufriedenheit beunruhigte; sie zeigte sich in sexuellen Vorgängen völlig unerfahren. Zu ihren Hofdamen soll sie gesagt haben: „Wenn er [der König] ins Bett geht, küsst er mich und nimmt mich bei der Hand und wünscht mir Gute Nacht, Liebling und am Morgen küsst er mich und wünscht mir Lebwohl, Schatz. Genügt das nicht?“[5] Da die Ehe laut Heinrich nicht vollzogen wurde, plante der König ihre Annullierung. Für den englischen Hof zeigte sich der König mit Anna bei öffentlichen Anlässen, wo sie aufgrund ihrer Bescheidenheit einen guten Eindruck machte, und behandeltte sie zuvorkommend. Sie unterhielt am Hof einen Haushalt mit 126 Personen. Noch während der kurzen Ehe mit Anna begann Heinrich eine leidenschaftliche Affäre mit Annas eigener Hofdame Catherine Howard, welche die Auflösung der Ehe beschleunigte. Die Feindschaft zwischen Franz I. und Karl V. brach wieder offen aus, und auch die politischen Gründe für die Ehe bestanden für Heinrich nicht mehr. Unter dem Vorwand eines Pestausbruchs wurde Königin Anna am 24. Juni 1540 von London nach Richmond geschickt, wo sie am Tag darauf die Nachricht von der geplanten Auflösung ihrer Ehe erhielt.[7] Eheannullierung und Leben in England Wichtig bei der Auflösung der Ehe war, Annas Bruder Wilhelm den Reichen nicht zu sehr zu verärgern. Daher benötigte Heinrich Annas Hilfe, die sich in Erinnerung an das Schicksal von Katharina von Aragón und Anne Boleyn in alles fügte und ihre formale Abdankung unterschrieb. Nach anfänglicher Weigerung fügte sie sich auch darin, einen vorgefertigten, versöhnlich gehaltenen Brief an ihren Bruder zu schicken, in dem sie ihm die Scheidung mitteilte. Der König ernannte sie, erfreut über dieses Verhalten, zu seiner „guten Schwester“. Damit nahm sie einen Rang vor den übrigen Staatsdamen, abgesehen von der Königin und den Töchtern Heinrichs, ein. Zudem wurden ihr ein großzügiges Einkommen und zwei königliche Residenzen in Richmond und Bletchingley zugesprochen.[8] Sechs Monate und drei Tage nach ihrer Hochzeit ließ Heinrich die Ehe am 9. Juli 1540 für ungültig erklären. Anna von Kleve gab dem König ihren Ehering zurück und erklärte sich mit der Auflösung einverstanden. Sie bestätigte, dass der König und sie nie intim geworden seien. Thomas Cromwell wurde nach einer Intrige des Herzogs von Norfolk des Hochverrats und der Häresie angeklagt, zum Tode verurteilt und am 28. Juli 1540 hingerichtet.[9] Annas Bruder Wilhelm behauptete sich noch bis 1543 gegen den Kaiser Karl V., bis er das Herzogtum Geldern im Vertrag von Venlo an das Reich abgeben musste. Der Maler Hans Holbein fiel beim König in Ungnade. Er blieb zwar Hofmaler, sollte jedoch nie wieder ein Mitglied der königlichen Familie malen. Zwei Wochen nach der Eheannullierung und am Tag der Hinrichtung Cromwells heiratete der König Catherine Howard. Die junge Frau fand jedoch nicht in ihre Rolle als Königin von England und wurde am 13. Februar 1542 wegen einer Affäre mit ihrem Kammerdiener enthauptet. Kurzzeitig machte sich Anna Hoffnung, dass der König sich jetzt wieder ihr zuwenden werde. Diese Bemühungen wurden aber schon frühzeitig durch Cromwells Nachfolger Stephan Gardiner unterbunden. Auch Heinrich lehnte eine Versöhnung kategorisch ab, was Anna ebenso enttäuschte wie seine nächste Heirat mit Catherine Parr, die sie „nicht annähernd so hübsch“ wie sich selbst einschätzte.[10] Obwohl Annas Mutter und Bruder ihre Rückkehr nach Deutschland wünschten, blieb sie in England, angeblich aus freiem Willen. Am 9. Januar 1541 wurde sie zur Lehenstreue gegenüber dem englischen König verpflichtet, und ihre Einkünfte wurden neu geregelt. Sie zog sich nach Hever Castle zurück und führte dort, wie eine reiche Witwe, ein relativ unabhängiges Leben. Die „Tochter von Kleve“ wurde in England für ihre Großzügigkeit und Mildtätigkeit, aber auch Extravaganzen berühmt.[8] Mit ihrer Nachfolgerin Catherine Howard soll Anna von Kleve einen heiteren privaten Umgang gepflegt haben. Sie hielt sich häufig am Hof auf. Auch das Verhältnis zu Heinrich verbesserte sich mit ihrer zunehmenden Selbstsicherheit und Sprachgewandtheit.[9] Anna von Kleve überlebte Heinrich und alle seine Frauen. Nach dem Tod des Königs 1547 verschlechterte sich ihre Situation. So verringerte sich ab 1552 unter der Herrschaft von dessen Sohn Eduard VI. ihr Einkommen, und sie verlor ihren Wohnsitz in Bletchingley. Obwohl sie nach Kleve wollte, durfte sie England weiterhin nicht verlassen. Ihren letzten öffentlichen Auftritt hatte Anna bei der Thronbesteigung ihrer Stieftochter Maria. Als dritte Dame ritt sie neben Marias Schwester Elisabetth hinter der neuen Königin. Unter der Herrschaft Marias verbesserte sich ihre finanzielle Situation wieder, auch wenn ihr der Wunsch nach Behandlung als Königinwitwe verwehrt blieb. Sie hatte Wohnsitze im Richmond Palace, Penshurst, Hever Castle und Chelsea Manor. Im Frühjahr 1557 erkrankte sie und starb schließlich am 16. Juli 1557 an einem Krebsleiden in Chelsea Manor. Anna wurde mit großem Aufwand in einer Kapelle in der Westminster Abbey in London bestattet. Maria ließ ihr ein Grarabmal aus schwarzweißem Marmor errichten. Die Menschen in ihrer Umgebung verehrten die ehemalige Königin vor allem wegen ihrer Großzügigkeit als „mildtätige Dame“. So bedachte sie in ihrem Testament nicht nur ihre Hofdamen und jüngere Schwester, sondern auch die Armen und Waisenkinder der Umgebung.[11] Das von Hans Holbein gemalte Bildnis der Anna von Kleve zählt zu seinen bekanntesten Werken und ist im Pariser Louvre zu sehen. Zuschreibungen an ihre Person Legende „flandrische Mähre“ Ob Anna von Kleve wirklich so hässlich war, wie von Heinrich VIII. beschrieben, wird heutzutage bezweifelt. Ein Zeitgenosse berichtet, wie Anna in ihrer kurzen Ehe mit Heinrich während einer Tjost eine am englischen Hof moderne französische Haube trug, die „ihre Schönheit und ihr frisches Gesicht so betonte, dass sich jedermann an ihrem Anblick erfreute.“[12] Möglicherweise spielte also ihre ungewohnte, unvorteilhafte Kleidung eine Rolle. Auch der Ausdruck „flandrische Mähre“ ist möglicherweise erst von Horace Walpole erdacht worden. Dies könnte auch die falsche Aussage über ihre flandrische Herkunft erklären, denn Anna stammte weder aus Flandern, noch hatte ihre Familie, das Haus von der Mark, Besitzungen in Flandern; ihre Besitzungen lagen sämtlich in Westfalen und im Rheinland. Nur das Herzogtum Geldern – heute Teil der Niederlande, Provinz Gelderland im Südosten der Niederlande – liegt westlicher, gehörte jedoch ebeenfalls nicht zu Flandern (heute Südwest-Niederlande und Belgien). Der König von England, der beständig zwischen den anderen europäischen Mächten lavieren musste, dürfte sich darüber im Klaren gewesen sein, insbesondere da die Grafschaft Flandern Teil des burgundischen Erbes des Hauses Habsburg war und zudem von Frankreich beansprucht wurde. Andere Aussagen über Anna könnten erfunden worden sein, um die schnelle Trennung von Heinrich möglich zu machen und das Ansehen des Königs zu schützen. „Erste deutsche Königin von England“ Anna von Kleve wird in der Literatur häufig als „erste deutsche Königin von England“[13] (oder auch deutschstämmige Königin) bezeichnet. Dies gilt dann, wenn man den zu ihren Lebzeiten nicht klar geographisch zuzuordnenden Begriff deutsch auf das Gebiet der heutigen Bundesrepublik Deutschland oder frühestens des Deutschen Reichs ab 1871 bezieht. Aus dem Heiligen Römischen Reich und auch aus dessen Regnum Teutonicum (das für die damalige Zeit auch nicht exakt abzugrenzen ist, auf das vivielleicht aber am ehesten die Bezeichnung deutsch zutrifft) hatte es bereits zuvor mehrere englische Königinnen gegeben, beispielsweise Adelheid von Löwen (um 1103–1151), oder Anne von Böhmen (1366–1394), deren Heimat noch bis 1866 zum Deutschen Bund gehörte. Verfilmungen Das Leben Heinrichs VIII. und seines Hofstaates wurde häufig verfilmt, wobei die Rolle Anna von Kleves einen verschieden großen Raum einnahm. Unter anderen porträtiert der vierte Teil der 1970 ausgestrahlten BBC-Miniserie The Six Wives of Henry VIII ausführlich Anna von Kleve, dargestellt durch Elvi Hale. 2001 strahlte Channel 4 unter dem gleichen Titel eine von David Starkey moderierte Dokumentarserie aus, in deren drittem Teil Anna (gespielt von Catherine Siggins) gemeinsam mit Jane Seymour vorgestellt wird. In der Fernsehserie Die Tudors spielt Joss Stone diese Rolle 2009/10 während der dritten und vierten Staffel. Musik Der britische Keyboarder Rick Wakeman widmete das zweite Stück seines 1973 erschienenen instrumentalen Konzeptalbums The Six Wives of Henry VIII Anna von Kleve. Es hat einen relativ schnellen, komplexen Rhythmus und drückt nach Ansicht von Jörg Schumann, Redakteur der deutschsprachigen Progressive-Rock-Enzyklopädie Babyblaue Seiten, in einer Form Leben und Leidenschaft aus, die nicht zu dem historisch verbürgten Charakter Annas zu passen scheint.[14] Literatur • Antonia Fraser: The six wives of Henry VIII. Weidenfeld & Nicolson, London 1992, ISBN 0-29781-242-4. • Antje Kahnt: Düsseldorfs starke Frauen – 30 Portraits Droste, Düsseldorf 2016, ISBN 978-3-7700-1577-1, S. 15–20. • Marita A. Panzer: Englands Königinnen. Piper Verlag, München 2003, ISBN 3-492-23682-0, S. 47–54. • David Starkey: Six wives, The Queens of Henry VIII. Chatto & Windus, London 2001, ISBN 0-7011-7298-3 • Helga Thoma: Ungeliebte Königin. Piper Verlag, München 2003, ISBN 3-492-23526-3, S. 38–53. • Retha M. Warnicke: The marrying of Anne of Cleves, royal protocol in early modern England. Cambridge University Press, Cambridge 2000, ISBN 0-521-77037-8. Weblinks Commons: Anna von Kleve – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien • Literatur von und über Anna von Kleve im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek • Literatur von und über Anna von Kleve in der bibliografischen Datenbank WorldCat • Kurzbiographie • Bericht des spanischen Botschafters über das erste Treffen mit dem König (englisch) • Bildnis der Anna von Kleve im Pariser Louvre • Jennifer Striewski: Art. Anna von Kleve (1515-1557), Königin von England, im Online-Portal Rheinische Geschichte, veröffentlicht am 12. Juli 2013 Einzelnachweise 1 Marita A. Panzer: Englands Königinnen. 2003, S. 48. 2 Marita A. Panzer: Englands Königinnen. 2003, S. 47. 3 Marita A. Panzer: Englands Königinnen. 2003, S. 49. 4 Helga Thoma: Ungeliebte Königin. 2003, S. 38. 5 Marita A. Panzer: Englands Königinnen. 2003, S. 50. 6 Helga Thoma: Ungeliebte Königin. 2003, S. 39. 7 Marita A. Panzer: Englands Königinnen. 2003, S. 51. 8 Marita A. Panzer: Englands Königinnen. 2003, S. 52. 9 Helga Thoma: Ungeliebte Königin. 2003, S. 44. 10 Marita A. Panzer: Englands Königinnen. 2003, S. 53. 11 Marita A. Panzer: Englands Königinnen. 2003, S. 54. 12 Elizabeth Norton: Bessie Blount. Mistress to Henry VIII. Amberley Publishing 2011, S. 66 13 Eintrag zu Anna von Kleve. Deutsche Nationalbibliothek, abgerufen am 8. November 2015. 14 Rezension zum Album The Six Wives Of Henry VIII von Jörg Schumann babyblaue-seiten.de, abgerufen am 16. Dezember 2012. | von Kleve, Anna (I8876)
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| 33528 | https://de.wikipedia.org/wiki/Anna_von_Litauen Anna von Litauen (polnisch Aldona Anna Giedyminówna, litauisch Aldona; * 1309; † 26. Mai 1339 in Krakau) war eine litauische Prinzessin und durch Heirat mit Kasimir dem Großen ab 1333 Königin von Polen. Leben Anna wurde als Tochter von Gediminas, Großfürst von Litauen, und der Jewna geboren. Sie kam 1325 nach Polen und nahm nach ihrer Taufe (am 30. April) den Namen Anna an. Am 16. Oktober heiratete sie den polnischen Kronprinzen Kasimir, der ab 1333 König von Polen war. Die Vermählung war ein rein politisches Manöver, um die polnisch-litauische Allianz gegenüber dem Deutschen Ritterorden zu stärken. Diese Ehe war bereits ein Vorzeichen auf die Union von Krewo (1385) und die Union von Lublin (1569), die schließlich im polnisch-litauischen Staatenbund vollendet wurde. Der Ehevertrag sah vor, dass Gediminas alle 25.000 polnischen Gefangenen frei ließ. Die Koalition war zwar noch nicht sehr stark und zerbrach bereits im Jahre 1330, es ist jedoch überliefert, dass zu Lebzeiten von Anna es zu keinen militärischen Auseinandersetzungen zwischen Polen und Litauern kam. Anna war zu tiefst religiös und liebte die Musik, sie hatte stets ihre Hofmusikanten bei sich. Kasimir hingegen war für seine zahlreichen Liebesaffären bekannt, nach Annas Tod heiratete er noch drei Mal. Königin Anna starb 1339 und wurde in der Wawel-Kathedrale in Krakau beigesetzt. Nachkommen Das Paar hatte zwei Töchter: • Elisabeth (ca. 1326/1361), polnische Prinzessin, verheiratet 1343 mit Herzog Bogislaus V. von Pommern-Wolgast-Stolp • Kunigunde (ca. 1328/1357), polnische Prinzessin, verheiratet 1352 mit Herzog Ludwig VI. von Oberbayern, einem Sohn von Kaiser Ludwig IV. Literatur • Edvardas Gudavičius:. Aldona. In: Vytautas Spečiūnas (Hrsg.): Lietuvos valdovai (XIII-XVIII a.): enciklopedinis žinynas. Mokslo ir enciklopedijų leidybos institutas. Vilnius 2004, S. 40, ISBN 5-420-01535-8. (auf Litauisch) • Ignas Jonynas: Aldona. In: Vaclovas Biržiška (Hrsg.): Lietuviškoji enciklopedija I. Spaudos Fondas, Kaunas 1933, S. 208-211. (auf Litauisch) • C. S. Rowell: Lithuania Ascending: A Pagan Empire Within East-Central Europe, 1295-1345, Cambridge Studies in Medieval Life and Thought: Fourth Series. Cambridge University Press, 1994, S. 87. ISBN 9780521450119. | von Litauen, Prinzessin Anna (Aldona) (I9717)
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| 33529 | https://de.wikipedia.org/wiki/Anna_von_Österreich_(1528–1590) Anna von Österreich (* 7. Juli 1528 in Prag; † 16. Oktober 1590 in München) war eine Erzherzogin von Österreich und durch Heirat Herzogin von Bayern. Leben Anna war eine Tochter des späteren Kaisers Ferdinand I. (1503–1564) aus dessen Ehe mit Anna Jagiello (1503–1547), Tochter des Königs Vladislav II. von Böhmen und Ungarn. Anna wurde schon als kleines Mädchen mehrfach verlobt, zunächst mit Prinz Theodor von Bayern (1526–1534), dann mit Herzog Karl von Orleans. Doch starben beide schon vor der Eheschließung. Anna heiratete schließlich 17-jährig am 4. Juli 1546 in Regensburg den nachmaligen Herzog Albrecht V. von Bayern (1528–1579), den Bruder ihres ersten Verlobten. Die Mitgift betrug 50.000 Gulden. Das Paar lebte bis zum Regierungsantritt Albrechts auf Schloss Trausnitz in Landshut. Durch die damit hergestellte enge Verbindung Bayerns mit dem Kaiserhaus, gewährte Herzog Wilhelm IV. von Bayern den Truppen des Schwiegervaters seines Sohnes den Durchzug durch bayerisches Gebiet und die Belagerung von Ingolstadt im Schmalkaldischen Krieg.[1] Anna und Albrecht von Bayern hatten großen Einfluss auf das geistige Leben der Residenz und begründeten durch erhebliche finanzielle Zuwendungen und Gründungen verschiedener Museen den Ruf Münchens als Kunststadt.[2] Anna und Albrecht gelten auch als Förderer der Maler Hans Mielich, holten Orlando di Lasso an den Hof[3] und legten mit ihrer Buchsammlung den Grundstein der Bayerischen Staatsbibliothek. Die als fromm beschriebene Anna unterstützte das katholische Kloster Vadstena im reformierten Schweden durch erhebliche Geldzuwendungen[4] und galt als Unterstützerin des Franziskanerordens.[5] In der Neuen Veste in München hatte Anna auch Anteil an der strengen Erziehung ihres Enkels, des späteren Kurfürsten Maximilian I. von Bayern, der nach ihrem Bruder benannt worden war.[6] Für die kunstsinnige Anna wurde der so genannte Witwenbau in der Münchner Residenz errichtet, in dem sie nach dem Ableben ihres Mannes 1579 bis zu ihrem eigenen Tod Hof hielt. Dabei stand ihr ein Witwengeld von 200.000 Gulden zur Verfügung.[7] Als direkter Nachfahre von Erzherzogin Anna gründete der nachmalige Kaiser Karl VII. Albrecht seinen Anspruch auf die habsburgischen Erblande. Er berief sich dabei auf das Testament Kaiser Ferdinands I., der darin bestimmt hatte, dass nach dem Aussterben seiner männlichen Leibeserben, seine Tochter Anna und deren männliche Nachkommenschaft das Erbe erhalten sollten.[8] Diese Bestimmung war auch Bestandteil des Ehevertrages von Anna und Albrecht in dem bestimmt wurde, dass nach dem Aussterben der deutschen Habsburger Böhmen, Schlesien und Mähren und nach Erlöschen der Linie der spanischen Habsburger auch Ungarn und die Erblande an Anna und ihre männlichen Nachkommen fallen sollte.[9] Nachkommen Aus ihrer Ehe hatte Anna folgende Kinder: • Karl (*/† 1547) • Wilhelm V. der Fromme (1548–1626), Herzog von Bayern ∞ 1568 Prinzessin Renata von Lothringen (1544–1602) • Ferdinand (1550–1608) ∞ 1588 (morganatisch) Maria Pettenbeck (1574–1614) • Maria Anna (1551–1608) ∞ 1571 Erzherzog Karl von Österreich-Steiermark (1540–1590) • Maximiliana Maria (1552–1614) • Friedrich (1553–1554) • Ernst (1554–1612), Kurfürst und Erzbischof von Köln Literatur • Constantin von Wurzbach: Anna von Oesterreich, Herzogin von Bayern. Nr. 26. In: Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich. 6. Theil. Kaiserlich-königliche Hof- und Staatsdruckerei, Wien 1860, S. 151 (Digitalisat). Weblinks Commons: Anna von Österreich, Herzogin von Bayern – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien • Anna Erzherzogin von Österreich auf thepeerage.com, abgerufen am 12. August 2015 (englisch) • Kleinodienbuch der Herzogin Anna von Bayern - BSB Cod.icon. 429, München, 1552 - 1555 Einzelnachweise 1 Moritz Jungermann: Albrecht V., der Grossmüthige, Herzog von Bayern, Hübschmann, 1843, S. 10 2 Alte Pinakothek: ausgewählte Werke, Pinakothek-Dumont, 2005, S. 145 3 Gotthilf Heinrich von Schubert: Die Geschichte von Bayern für Schulen, Königlicher Central-Schulbücher-Verl., 1860, S. 90 4 Moritz Jungermann: Albrecht V., der Grossmüthige, Herzog von Bayern, Hübschmann, 1843, S. 117 5 Brigitte Hamann: Die Habsburger: ein biographisches Lexikon, Piper, 1988, S. 55 6 Dieter Albrecht: Maximilian I. von Bayern 1573-1651, Oldenbourg Wissenschaftsverlag, 1998, S. 89 7 Christina Hofmann-Randall: Das Erlanger Schloss als Witwensitz, Universitätsbibliothek, 2002, S. 23 8 Maximilian V. Sattler: Lehrbuch der bayerischen Geschichte, Lindauer, 1868, S. 292 9 Karl von Spruner: Leitfaden zur Geschichte von Bayern, Buchner, 1853, S. 81 | von Österreich, Erzherzogin Anna (I9491)
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| 33530 | https://de.wikipedia.org/wiki/Anna_von_Österreich_(1549–1580) Anna von Österreich (Spanisch Ana de Austria) (* 2. November 1549 in Cigales bei Valladolid; † 26. Oktober 1580 in Talavera la Real bei Badajoz) war eine Erzherzogin von Österreich und durch Heirat Königin von Spanien; kurzzeitig vor ihrem Tode auch Königin von Portugal. Leben Anna war die älteste Tochter des römisch-deutschen Kaisers Maximilian II. (1527–1576) aus dessen Ehe mit Maria (1528–1603), Tochter des Kaisers Karl V. Anna wurde in Spanien geboren, als ihre Eltern dort als Regenten Kaiser Karls V. fungierten. Anna, die später in Wien aufwuchs, sprach deutsch nur sehr rudimentär. Ihre Mutter zog sie in kastilischer Sprache auf. Ursprünglich vorgesehen als Ehefrau des Don Carlos, starb dieser jedoch 1568. Die Ehe wurde bereits 1556 bei Familiengesprächen in Brüssel ins Auge gefasst, doch Philipp II. zögerte die Entscheidung immer wieder heraus, da er seinen Sohn zu jung oder zu krank befand. Danach warb Katharina von Medici vergeblich für ihren Sohn, König Karl IX. von Frankreich, um Annas Hand. Der Vater von Annas Verlobten, Philipp II., König von Spanien, verlor zu dieser Zeit seine dritte Gemahlin Elisabeth. So heiratete Anna am 12. September 1570 in Segovia als dessen vierte Frau ihren leiblichen Onkel. Der Dispens für die Ehe war von Papst Pius V. erst nach längerem Widerstand ergangen. Auf ihrer Brautfahrt wurde sie von ihren jüngeren Brüdern Albrecht und Wenzel begleitet, die nie wieder nach Österreich zurückkehrten.[1] Sie hatte ein fröhliches Naturell und das Temperament ihrer ungarischen Großmutter Anna geerbt. Sofort gewann sie die Zuneigung ihrer beiden kleinen Stieftöchter. Anna beschäftigte sich am liebsten mit Handarbeiten und es gelang ihr, das starre Hofzeremoniell etwas zu durchbrechen. Ihre wenigen Deutschkenntnisse vergaß sie schon bald nach ihrer Ankunft in Madrid. Deutschsprachige Briefe an ihren Vater musste ein Sekretär verfassen. Als Hofdame der Königin fungierte die Renaissancemalerin Sofonisba Anguissola, die Anna sehr schätzte[2] und die bis 1574 am Hof blieb. Während der Reise nach Portugal um dort Philipps Thronanspruch, nach dem Tod des kinderlosen König Enrique zu konsolidieren, erkrankte der König schwer an Grippe. Anna steckte sich bei der Pflege Philipps damit an.[3] Die neuerlich schwangere Anna überlebte die Krankheit nicht. Die Ärzte, die sie retten wollten, ließen sie bis zur Blutleere zur Ader. Nachdem sie nach tagelangen Qualen eine lebensunfähige Frühgeburt hatte, starb sie an Herzschwäche. Sie hatte fünf Kinder geboren, doch nur der spätere König Philipp III. erreichte das Erwachsenenalter. Philipp traf der Tod seiner Gemahlin schwer, zwei Jahre später schrieb er über die Todesnacht an seine Tochter: Ich werde mich immer an diese Nacht erinnern, auch wenn ich tausend Jahre leben sollte.[4] Er ließ Anna später im Pantheon der Infanten im Schloss Escorial bestatten. Nachkommen Aus ihrer Ehe hatte Anna folgende Kinder: • Ferdinand (Fernando) (1571–1578), Fürst von Asturien • Karl (Carlos) Laurentius (1573–1575) • Diego (1575–1582), Fürst von Asturien • Philipp III. (1578–1621), König von Spanien ∞ 1599 Erzherzogin Margarete von Österreich (1584–1611) • Maria (1580–1583) Literatur • Constantin von Wurzbach: Habsburg, Anna von Oesterreich (Königin von Spanien). Nr. 25. In: Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich. 6. Theil. Kaiserlich-königliche Hof- und Staatsdruckerei, Wien 1860, S. 151 (Digitalisat). • Sigrid-Maria Größing: Um Krone und Liebe. Amalthea-Verlag. • Friedrich Edelmayer: Philipp II. (1527–1598): die Biografie eines Weltherrschers. W. Kohlhammer Verlag, 2009, Ss. 47, 141, 163 f. Weblinks Commons: Anna von Österreich – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien • Liesbeth Geevers: Anna van Oostenrijk. In: Digitaal Vrouwenlexicon van Nederland (holländisch) Einzelnachweise 1 Christopher F. Laferl: Die Kultur der Spanier in Österreich unter Ferdinand I. 1522–1564, Böhlau, Wien 1997, S. 121. 2 Ernst Probst: Superfrauen 9. Malerei und Fotografie, Grin, 2008, S. 15. 3 Wolfgang Behringer, Hartmut Lehmann, Christian Pfister: Kulturelle Konsequenzen der "kleinen Eiszeit", Vandenhoeck & Ruprecht, 2005, S. 8. 4 Friedrich Edelmayer: Philipp II. (1527–1598). Die Biografie eines Weltherrschers, Kohlhammer, 2009, S. 180. | von Österreich, Erzherzogin Anna (I9463)
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| 33531 | https://de.wikipedia.org/wiki/Anna_von_Österreich_(1601–1666) Anna Maria Mauricia von Spanien, genannt von Österreich gemäß ihrem spanischen Namen Ana de Austria bzw. ihrem späteren französischen Namen Anne d’Autriche, (* 22. September 1601 in Valladolid; † 20. Januar 1666 in Paris) war eine spanisch-portugiesische Infantin und Erzherzogin von Österreich aus dem Hause Habsburg sowie ab 1615 Königin und von 1643 bis 1651, als Mutter des noch minderjährigen Ludwig XIV., Regentin von Frankreich. Leben Ihr Vater war Philipp III. von Spanien, ihre Mutter Margarete von Österreich. Der spanische König Philipp IV. war ihr jüngerer Bruder. Am 21. November 1615 wurde sie mit dem jungen französischen König Ludwig XIII. in der Kathedrale Saint-André in Bordeaux getraut. Maria de’ Medici, Ludwigs Mutter, hatte diese Verbindung auf Anregung ihres Beraters Concino Concini arrangiert. Anna und Ludwig XIII. waren ein Paar, das unterschiedlicher nicht sein konnte: Er bevorzugte die Jagd, sie war dem Theater, dem Tanz und der leichten Muse zugetan. Nachdem drei Fehlgeburten am Anfang der Ehe die Hoffnung auf einen Thronfolger aussichtslos erscheinen ließen, wurde Anna von Ludwig mit Nichtachtung gestraft. Später wurden ihr Affären mit hohen Adligen nachgesagt, wie Henri II. de Montmorency und George Villiers, Herzog von Buckingham, was allerdings unwahrscheinlich ist, da sie als Königin einer strengen sozialen Kontrolle unterlag. Als Habsburgerin und fromme Katholikin war Anna entsetzt, als Kardinal Richelieu Frankreich 1635 in den Krieg gegen Spanien und an der Seite protestantischer Fürsten gegen die kaiserlich-katholische Partei des Heiligen Römischen Reiches führte. Nach zweiundzwanzig Jahren kinderloser Ehe in wachsender Verbitterung hatte Anna am 5. Dezember 1637 eine schicksalhafte Begegnung mit ihrem Mann. Dieser, der eigentlich auf dem Weg in sein Jagdschloss bei Versailles war, musste wegen eines Unwetters seine Fahrt unterbrechen und übernachtete im Pariser Louvre, wo sich die Königin für den Winter eingerichtet hatte. Zur damaligen Zeit wurden in Schlössern nur diejenigen herrschaftlichen Räume beheizt, die auch bewohnt wurden. Der König sah sich also gezwungen, das einzige warme Schlafzimmer aufzusuchen: das der Königin. Neun Monate später brachte Anna am 5. September im Alter von knapp 37 Jahren ihr erstes gesundes Kind zur Welt, den späteren König Ludwig XIV. Anna führte die Geburt ihres Sohnes auf das Wirken von St. Fiacre zurück, weshalb sie im Jahre 1641 eine Wallfahrt nach Saint-Fiacre unternahm[1]. Zwei Jahre später, am 21. September 1640, gebar sie einen zweiten Sohn, Philipp. Damit war ihre Position am Hof gesichert und sie musste nicht mehr mit der Abschiebung in ein Kloster rechnen. So glücklich der König über die Geburt des Stammhalters war, so offensichtlich war er bald eifersüchtig angesichts der Zuneigung seines Sohnes zur Mutter. Er machte ihr Vorwürfe, sie nehme diesen gegen ihn ein. Am 4. Dezember 1642 starb der Anna verhasste Kardinal Richelieu. Doch auch der Gesundheitszustand des Königs verschlechterte sich rasch. Vor seinem Tod am 14. Mai 1643 verfügte er testamentarisch, dass nicht Anna die Regentschaft für den noch minderjährigen Ludwig XIV. ausüben sollte, sondern ein Regentschaftsrat. Sie ließ jedoch vom Obersten Pariser Gerichtshof, dem Parlement, die betreffende Klausel des Testaments annullieren und beseitigte so den Regentschaftsrat. Als ersten Minister behielt sie den von Ludwig XIII. selbst als Nachfolger Richelieus eingesetzten Kardinal Jules Mazarin, der auch Pate des jungen Königs war. Ihre ersten politischen Entscheidungen sorgten für Aufsehen. Anstatt mit ihrem Bruder Philipp Frieden zu schließen, führte sie den Krieg gegen Spanien weiter, nachdem die französischen Truppen am 19. Mai 1643 in der Schlacht bei Rocroi in den Ardennen einen entscheidenden Sieg erzielt hatten. Allerdings wurden Anna und der beim Adel wie beim Volk verhasste Mazarin mit Aufständen innerhalb Frankreichs konfrontiert, beispielsweise der 1648 beginnenden Fronde. Annas Regentschaft endete offiziell, als Ludwig XIV. 1651 mit dreizehn Jahren für volljährig erklärt wurde. Doch übten sie und Mazarin auch weiterhin die Macht aus. 1652 sah Anna sich auf Druck der „Frondeure“ gezwungen, Mazarin zu entlassen, der ins Exil nach Brühl bei Köln ging, sie von dort aus aber weiter beriet und 1653 zurückkehren konnte. Nachdem Frankreich seine kriegerischen Aktivitäten in Deutschland mit dem Westfälischen Frieden 1648 beendet hatte, schloss es 1659 den Pyrenäenfrieden mit Spanien. Bei der Unterzeichnung des Friedensvertrags auf der Fasaneninsel im spanisch-französischen Grenzfluss Bidasoa sah Anna erstmals seit 1615 ihren Bruder Philipp wieder. Das Treffen verlief allerdings eher kühl, denn Spanien musste Gebiete an Frankreich abtreten. Immerhin wurde beim Friedensschluss die Eheschließung ihres Sohnes Ludwig mit ihrer Nichte, der Infantin Maria Theresia von Spanien, vereinbart, die 1660 stattfand. Als nach dem Tod Mazarins 1661 Ludwig die Regierungsgeschäfte selbst übernahm, zog sich Anna nach und nach vom Hof zurück und lebte meist im Kloster Val-de-Grâce am südlichen Stadtrand von Paris. Am 20. Januar 1666 starb sie an Brustkrebs. Anna galt als eine der schönsten Frauen ihrer Zeit, sie hatte „die meist bewunderten und unzählig Male besungenen Hände ihrer Zeit“[2]. Mit ihrem Sohn Ludwig verband sie ein sehr inniges Verhältnis. Wenn sie unter sich waren, wurde sie von ihm nicht, wie nach der Etikette üblich, „Madame“, sondern „Maman“ genannt. Ihrer Regentschaft sind die beiden Werke Rodogune von Pierre Corneille (1644, publ. 46/47) und Gabriel Gilbert (1646) gewidmet, die sie der Partherprinzessin Rhodogune vergleichen.[3] Nachkommen mit Ludwig • Totgeburt eines Kindes */† 6. Dezember 1619 • Geburt eines Kindes, das kurz nach der Geburt starb */† 14. März 1622 • Totgeburt eines Kindes im Jahre 1626 • Totgeburt eines Kindes am */† 11. April 1631 • Ludwig XIV. (* 5. September 1638; † 1. September 1715), König von Frankreich und Navarra • Philipp (* 21. September 1640; † 8. Juni 1701), Herzog von Orléans Literatur • Constantin von Wurzbach: Habsburg, Anna von Oesterreich (Königin von Frankreich). In: Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich. 6. Theil. Kaiserlich-königliche Hof- und Staatsdruckerei, Wien 1860, S. 152 f. (Digitalisat). • Thea Leitner: Vor Sonnenaufgang. Anna 1601-1666. In: Habsburgs verkaufte Töchter. Piper, München und Zürich 1994, ISBN 3-492-11827-5, S. 137–185 • Anka Muhlstein: Königinnen auf Zeit. 1. Auflage. Insel, Frankfurt am Main 2005, ISBN 3-458-34832-8. • Oliver Mallick: ««««i»»»»»»»»»»»»Spiritus intus agit««««««««. Die Patronagepolitik der Anna von Österreich 1643-1666. De Gruyter, Berlin 2016, ISBN 978-3-11-041518-6. • Oliver Mallick: Clients and Friends: The Ladies-in-waiting at the Court of Anne of Austria (1615-1666), in: The Politics of Female Households. Ladies-in-Waiting across Early Modern Europe, hg. von Nadine N. Akkerman, Birgit Houben, Leiden: Brll, 2013, S. 231–264. • Oliver Mallick: Freundin oder Gönnerin? Anna von Österreich im Spiegel ihrer Korrespondenz, in: Freundschaft. Eine politisch-soziale Beziehung in Deutschland und Frankreich, 12.–19. Jahrhundert (8. Sommerkurs des Deutschen Historischen Institts Paris in Zusammenarbeit mit der Universität Paris-Sorbonne, der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg und der École des hautes études en sciences sociales, 3.–6. Juli 2011), hg. von Bertrand Haan, Christian Kühner (discussions, 8). Online auf perspectivia.net • Oliver Mallick: Au service de la reine. Anne d'Autriche et sa maison (1616-1666), in: www.cour-de-france.de. Online auf cour-de-france.fr Weblinks Commons: Anna von Österreich (1601–1666) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien • Literatur von und über Anna von Österreich im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek • Druckschriften von und über Anna von Österreich (1601–1666) im VD 17 Einzelnachweise 1 Vollständiges Heiligen-Lexikon, Band 2. Augsburg 1861, 202 2 Leitner, S. … 3 Michael Wenzel: Heldinnengalerie – Schönheitengalerie. Studien zu Genese und Funktion weiblicher Bildnisgalerien 1470–1715. Dissertation Philosophisch-historische Fakultät der Ruprecht-Karls-Universität, Heidelberg, Anmerkung 259, S. 86 (Webdkument [PS; abgerufen am 6. Januar 2009]). | von Österreich (von Spanien) (von Habsburg), Anna Maria (I9458)
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| 33532 | https://de.wikipedia.org/wiki/Anna_von_Polen Anna von Polen (polnisch Anna Jagiellonka; * 12. März 1476 in Nieszawa; 12. August 1503 in Ueckermünde) war eine polnische Prinzessin aus der Jagiellonen-Dynastie und durch Heirat Herzogin von Pommern. Anna war eine Tochter des polnischen Königs Kasimir IV. und dessen Ehefrau Elisabeth von Habsburg. Nachdem Herzog Bogislaw X. von Pommern nach dem Tod seiner ersten Gemahlin Margarete von Brandenburg im Jahre 1489 Witwer geworden war, warb er bereits 1490 um die erst vierzehnjährige Prinzessin Anna. Am 2. Februar 1491 fand die Hochzeit in Stettin unter großen Feierlichkeiten statt. Herzog Bogislaw X. nahm die Vermählung mit der polnischen Königstochter zum Anlass, seinen bislang einfachen Hofstand glänzender einzurichten. Die Ehe war offenbar glücklich und, wie aus einigen Briefen des Herzogs an seine Gemahlin hervorgeht, von wirklicher Liebe getragen. Nach dem Urteil des Historikers Martin Wehrmann übte Herzogin Anna „einen wohltätigen Einfluss auf den rauhen und wenig gebildeten Gemahl aus“.[1] Als Herzog Bogislaw X. von 1496 bis 1498 in das Reich und weiter über Venedig in das Heilige Land reiste, führte Herzogin Anna für ihn in Pommern die Regierung. Dabei stand ihr ein Regentschaftsrat zur Seite.[2] Herzogin Anna starb bereits im Jahre 1503. Sie wurde in Eldena beigesetzt.[3] Herzogin Anna und Herzog Bogislaw X. hatten die folgenden Kinder: • Anna (* 1492; † 1550), sie heiratete im Juni 1515 Herzog Georg I. von Liegnitz und Brieg • Georg I. (* 1493; † 1531) • Kasimir (* 1494; † 1518) • Elisabeth († vor 1518) • Barnim (* vor 1501; † vor 1501) • Sophia (* 1498; † 1568), Gemahlin von Friedrich I. von Dänemark, ab 1525 Königin von Dänemark • Barnim IX. (* 1501; † 1573) • Otto (* vor 1503; † vor 1518) Literatur • Gottfried von Bülow: Bogislav X. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 3, Duncker & Humblot, Leipzig 1876, S. 48–55. • Roderich Schmidt: Bogislaw X. In: Lexikon des Mittelalters (LexMA). Band 2, Artemis & Winkler, München/Zürich 1983, ISBN 3-7608-8902-6, Sp. 326–328. Fußnoten 1 Martin Wehrmann: Geschichte von Pommern. Band 1. 2. Auflage. Verlag Friedrich Andreas Perthes, Gotha 1919, S. 246 (Nachdruck: Augsburg 1992, ISBN 3-89350-112-6). 2 Martin Wehrmann: Geschichte von Pommern. Band 1. 2. Auflage. Verlag Friedrich Andreas Perthes, Gotha 1919, S. 248 (Nachdruck: Augsburg 1992, ISBN 3-89350-112-6). 3 Martin Wehrmann: Genealogie des pommerschen Herzogshauses. Saunier, Stettin 1937, S. 107. | von Polen, Prinzessin Anna (I9696)
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| 33533 | https://de.wikipedia.org/wiki/Anna_von_Schweidnitz Anna von Schweidnitz (tschechisch Anna Svídnická, polnisch Anna świdnicka; * 1339; † 11. Juli 1362 in Prag) war durch Geburt Prinzessin von Schweidnitz-Jauer. Durch ihre Heirat mit Karl IV. wurde sie Königin von Böhmen, römisch-deutsche Königin und Kaiserin des Heiligen Römischen Reichs. Sie entstammte dem Adelsgeschlecht der Schlesischen Piasten. Leben Anna war die Tochter des Herzogs Heinrich II. von Schweidnitz-Jauer und seiner Frau, der ungarischen Prinzessin Katharina von Ungarn († vor dem 29. September 1355) aus dem Haus Anjou. Ihr Vater starb, als sie vier Jahre alt war. Vormund wurde ihihr kinderloser Onkel Bolko II. von Schweidnitz-Jauer, den Anna beerben sollte. Die Halbwaise hielt sich mit ihrer Mutter am Hof ihres Onkels in Ofen und Visegrád auf und wurde dort erzogen. Im Alter von elf Jahren war sie dem damals elfmonatigegen Wenzel, Sohn und Thronfolger Kaiser Karls IV., zur Ehe versprochen worden. Nachdem der Thronfolger und seine Mutter Anna von der Pfalz innerhalb der nächsten zwei Jahre gestorben waren, hielt der nun verwitwete Karl IV. selbst um die Hand der Anna von Schweidnitz an. Die Verhandlungen über die Hochzeit fanden 1353 am Wiener Hof statt. Neben dem siebenunddreißigjährigen Bräutigam Karl und Annas Vormund Bolko II. waren zugegen: Herzog Albrecht II., König Ludwig von Ungarn, Markgraf Ludwig von Brandenburg, Herzog Rudolf von Sachsen, Abgesandte des polnischen Königs Kasimir und ein Gesandter der Republik Venedig. Die geplante Ehe passte gut zu den Bestrebungen Karls, auch das Teilfürstentum Schweidnitz-Jauer als ein Lehen für die Krone Böhmen zu gewinnen. Annas Onkel Ludwig von Ungarn förderte diese Verbindung, indem er – als künftiger polnischer König – allen Ansprüchen auf das Herzogtum Schweidnitz-Jauer zugunsten der Luxemburger entsagte. Nachdem der Prager Erzbischof Ernst von Pardubitz beim Papst Innozenz VI. eine Ehedispens wegen weitläufiger Verwandtschaft erreicht hatte, fand am 27. Mai 1353 in Ofen die Hochzeit statt. Am 28. Juli 1353 wurde Anna in Prag durch Erzbischof Ernst von Pardubitz zur Königin von Böhmen und am 9. Februar 1354 in Aachen zur römisch-deutschen Königin gekrönt. Bei der Krönung Karls zum Kaiser am 5. April 1355 in der römischen Basilika Sankt Peter erfolgte auch ihre Krönung zur Kaiserin des Heiligen Römischen Reiches. Sie war damit die erste Königin von Böhmen, die zu einer Kaiserin gesalbt worden war. 1358 gebar Anna eine Tochter, die nach der letzten Přemyslidin Elisabeth benannt wurde. Im Februar 1361 wurde sie Mutter des ersehnten Thronfolgers Wenzel, der in der Reichsstadt Nürnberg geboren und am 11. April in der Sebalduskirche von den Erzbischöfen von Prag, Köln und Mainz getauft wurde. Die Krönung des zweijährigen Wenzel erlebte die Königin allerdings nicht mehr. Im Alter von nur 23 Jahren starb sie am 11. Juli 1362 bei der Geburt eines weiteren Kindes. Ihre Gebeine ruhen in einer Grabstätte im Veitsdom. Der verwitwete siebenundvierzigjährige Kaiser heiratete ein Jahr später Elisabeth von Pommern. Das Herzogtum Schweidnitz-Jauer fiel nach Bolkos II. Tod 1368 als ein Erbfürstentum an die Krone Böhmen. Darstellungen In der Kunst blieben viele Darstellungen der Kaiserin und Königin Anna von Schweidnitz erhalten, z. B.: • Peter Parler schuf um 1375 nach ihrem Ebenbild auf dem Chortriforium des Prager Veitsdomes eine der Sandsteinbüsten als lebensgroße Halbfigur, mit kräftig modelliertem Gesicht und langem Haar. • Miniaturen einer Prachthandschrift, die Annas Sohn Wenzel um 1400 in Auftrag gab, zeigen die Königin mit höfischem Gefolge. • Auf einer Wandmalerei der Burg Karlstein halten Karl und Anna ein Reliquienkreuz und auf einem weiteren Fresco werden sie kniend vor einem Madonnenbild dargestellt. Literatur • Thilo Vogelsang: Anna von Schweidnitz und Jauer. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 1, Duncker & Humblot, Berlin 1953, ISBN 3-428-00182-6, S. 299 (Digitalisat). • Franz Machilek: Anna von Schweidnitz. In: Werner Bein, Ulrich Schmilewski: Schweidnitz im Wandel der Zeiten. Bergstadtverlag Korn, Würzburg 1990, ISBN 3-87057-160-8, S. 317–322. • Peter Moraw: Anna von Schweidnitz und Jauer. In: Lexikon des Mittelalters (LexMA). Band 1, Artemis & Winkler, München/Zürich 1980, ISBN 3-7608-8901-8, Sp. 655 f. • Andreas Rüther: Anna von Schweidnitz und Jauer (1339–1362). In: Arno Herzig (Hrsg.): Schlesier des 14. bis 20. Jahrhunderts (= Schlesische Lebensbilder. Bd. 8). Degener, Neustadt/Aisch 2004, ISBN 3-7686-3501-5, S. 24–31. • Andreas Rüther: Anna von Schweidnitz-Jauer. In: Amalie Fößel (Hrsg.): Die Kaiserinnen des Mittelalters. Pustet Verlag, Regensburg 2011, ISBN 978-3-7917-2360-0, S. 273–286. Weblinks Commons: Anna von Schweidnitz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien • Joachim Lukas: Landeskundliche Notizen aus Schlesien – Anna von Schweidnitz (abgerufen am 16. November 2016) | von Schweidnitz, Prinzessin Anna (I8199)
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| 33534 | https://de.wikipedia.org/wiki/Anna_von_Zähringen Anna von Zähringen (* 1162 in Urach; † 1226) war eine Tochter Bertholds IV. und Heilwigs von Frohburg und die jüngere Schwester von Agnes von Zähringen.[1] Anna heiratete vor 1181 Ulrich III., den Grafen von Kyburg († 1227). Aus dieser Ehe gingen drei namentlich bekannte Söhne und drei Töchter hervor:[2] • Werner (etwa 1180-1228), Graf von Thun ∞ Alix (Bertha) von Lothringen (um 1200-1242) • Hartmann IV., Graf von Kyburg ∞ Margherita von Savoyen • Ulrich von Kyburg, Bischof von Chur • Heilwig von Kyburg (um 1192-1260) ∞ 1217 Albrecht IV. von Habsburg (um 1188-1239), Landgraf im Elsass • Mechtild von Kyburg ∞ Rudolf VII. von Rapperswil • Adelheid, Gräfin von Kyburg-Dillingen ∞ Gerhard IV., Graf von Tollenstein und Hirschberg Einzelnachweise[ 1 http://familypedia.wikia.com/wiki/Anna_von_Z%C3%A4hringen_(c1162-aft1226) 2 http://geneall.net/de/name/67050/anna-von-zaehringen/ | von Zähringen, Anna (I5232)
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| 33535 | https://de.wikipedia.org/wiki/Anne_Boleyn Anne Boleyn[1] [ˈbʊlɪn, bʊˈlɪn], 1. Marquess of Pembroke (* 1501[2] oder 1507,[3] wahrscheinlich in Blickling Hall (Norfolk); † 19. Mai 1536 in London) war die zweite der sechs Ehefrauen Heinrichs VIII. und von 1533 bis 1536 Königin von England. Ihre Weigerung, sich dem König als Mätresse hinzugeben, führte zu dessen Scheidung von Katharina von Aragon und war einer der Auslöser für die Entstehung der Anglikanischen Kirche durch Trennung der Kirche Englands von Rom. Doch wie auch Katharina schenkte sie Heinrich VIII. nicht den erhofften männlichen Erben. Anne Boleyn fiel in Ungnade und wurde wegen vorgeblichen Ehebruchs und Hochverrats am 19. Mai 1536 enthauptet. Ihre Tochter Elisabeth I. wurde später indessen eine der bedeutendsten und am längsten regierenden Königinnen Englands. Annes Cousine Catherine Howard wurde vier Jahre nach ihrem Tod Heinrichs fünfte Ehefrau und 1542 wegen Ehebruchs enthauptet. Historische Bedeutung Da der Papst ihm keine Annullierung seiner Ehe mit Katharina von Aragon gewähren wollte, wandte sich Heinrich VIII. von der römisch-katholischen Kirche ab, indem er die anglikanische Kirche mit sich als Oberhaupt abspaltete, um eine Heirat mit Anne Boleyn zu ermöglichen. Die Scheidung des Königs von Katharina von Aragón – gegen die päpstliche Dispens und gegen das Urteil des Papstes – stellen den Beginn der englischen Reformation dar, die Abspaltung der Anglikanischen (englischen) Landeskirche und das Ende des alleinigen Einflusses des Papstes auf königliche Ehen und Scheidungen innerhalb der Anglikanischen Landeskirche, die seit dem 6. Jahrhundert bestand. Heinrich wurde später auch das Oberhaupt der englischen Kirche, das allein über religiöse Fragen entscheiden konnte. Daher stellt die Heirat mit Anne Boleyn nicht nur eine Abspaltung in religiöser Hinsicht, sondern auch eine Abspaltung des Landes England von der römisch-katholischen Kirche dar (Siehe hierzu: Geschichte der anglikanischen Kirche).[4] Anne wurde später als Märtyrerin der englischen Protestanten gefeiert (vor allem in den Werken von John Foxe).[5] Anne Boleyn ist die bekannteste der sechs Frauen König Heinrichs VIII. von England. Ihr Aufsttieg zur Favoritin des Königs und schließlich zur englischen Königin geschah ebenso schnell wie später ihr Niedergang. Sie wird von der heutigen Geschichtsschreibung wegen ihres Ehrgeizes und Machtwillens zumeist recht negativ beschrieben.[6] Bis heute ist sie, aufgrund der ambivalenten historischen und neueren Darstellung, eine der umstrittensten und faszinierendsten Frauen an der Seite Heinrichs VIII. Leben Jugend Anne Boleyns Geburtsdatum ist umstritten. In einer 1614 erschienenen Biographie über ihre Tochter Königin Elisabeth I. wird es mit 1507 angegeben. Neuere Forschungen lassen jedoch das Jahr 1501 als glaubhafter erscheinen. Ein von Anne Boleyn iim Jahre 1514 verfasstes Schreiben ist eher einem 14 Jahre alten Mädchen zuzutrauen als einer Siebenjährigen. Wäre Anne 1501 geboren, wäre sie bei der Geburt ihrer Tochter Elisabeth bereits 32 Jahre alt gewesen, also aus damaliger Sicht recht alt für die Geburt eines ersten Kindes und etwa so alt wie Katharina von Aragón bei ihrem letzten Kind (Totgeburt 1518). Auch Anne Boleyns Geburtsort ist unbekannt. Wahrscheinlich kam sie in Hever Castle oder Blickling zur Welt. Anne Boleyn entstammte väterlicherseits dem niederen Adel, mütterlicherseits der englischen Hocharistokratie. Ihr Vater war Thomas Boleyn, der als Diplomat Karriere am Hof König Heinrichs VII. machte. Ihre Mutter, Elizabeth Howard, war die Tochter des 2. Herzogs von Norfolk. Anne hatte zwei Geschwister, Mary und George. Als Botschafter bei Margarete von Österreich, der habsburgischen Statthalterin der Niederlande, gelang es Thomas Boleyn im Jahre 1513, seinen Töchtern als Hofdamen an Margaretes Residenz in Mechelen den Einstieg in die Adelskreise zu sichern. Beide verbrachten zwei Jahre in Flandern und anschließend am ffranzösischen Königshof, wo Anne Hofdame von Claude de France und Renée de France war. Sie erwarb sich dort, als Mitglied des königlichen Haushaltes, eine ausgezeichnete Bildung und vermittelte später europäische Einflüsse in Kleidung und Kultur am englischen Hof. Auch soll ihr musikalisches Talent am Hof von Margarete von Österreich erkannt und gefördert worden sein, der zur damaligen Zeit die bekanntesten Musiker Europas anzog. Das Lied O Death, Rock Me Asleepe soll von Anne komponiert worden sein, was von heutigen Historikern allerdings in Frage gestellt wird.[7] Zwar werden Anne von vielen Biografen Eigenkompositionen zugeschrieben, aber bei keinem dieser Lieder und Gedichte ist die Urheberschaft zweifelsfrei nachgewiesen. Rückkehr nach England Ein Jahr nach Mary Boleyn kehrte 1521 auch Anne nach England zurück, wo sie, wie zuvor ihre Schwester, zur Hofdame Katharinas von Aragón ernannt wurde, der ersten Gemahlin Heinrichs VIII. Der Grund für ihre Rückkehr nach England war der Plan ihres Vaters, Anne zu verheiraten. Mit Unterstützung Heinrichs VIII. sollte sie James Butler, den vermögenden Erben eines Grafentitels ehelichen. Ihr Debüt am Hof gab sie bei einem Maskenball im März 1522, wo sie mit der Schwester des Königs und ihrer eigenen Schwester Mary Boleyn einen kunstvollen Tanz vorführte. Anne Boleyn wurde schnell als die eleganteste und vollendetste Frau am Hof bekannt.[8] Ihre Kleidung wählte sie nach der Mode des französischen Hofes und fiel mit ausgeschnittenen Roben und französischen Hauben auf, die mehr Haar zeigten als die normalen Hauben der englischen Damen. Anne fiel nicht nur durch ihre äußere Erscheinung auf, die durch einen dunklen Teint, sehr dunkle Haare und einen langen, schmalen Hals beeindruckte, sondern auch durch ihren Witz, ihre außergewöhnliche Bildung und Schlagfertigkeit.[9] All das waren Eigenschaften, die im 16. Jahrhundert auf viele Männer besonders herausfordernd wirkten, da sich die meisten Damen gemäß der zeitgenössischen Sitte still, unterwürfig und demütig verhielten. Eine Romanze mit Henry Percy, 6. Earl of Northumberland, einem reichen Junggesellen, wurde auf Befehl des Königs beendet. Einige Biografen behaupten, die Heiratspläne hätten sich zerschlagen, als Kardinal Thomas Wolsey von der Beziehung der beiden in Kenntnis gesetzt wurde. Genaueres über das Ende der Liaison ist nicht bekannt, und auch die anerkannten Biografen von Anne und Heinrich sind sich unsicher, was der genaue Grund war.[10] Obwohl ihr der englische Dichter Thomas Wyatt – der bereits verheiratet war – mehrere Gedichte widmete, war er nur ein Verehrer von Anne. Erst später wurde beiden eine Affäre nachgesagt, um Anne als notorische Ehebrecherin zu brandmarken.[11] Wyatt wurde 1527 von Heinrich auf eine diplomatische Mission nach Rom geschickt. 1536 wurde er angeklagt, eine geschlechtliche Beziehung zu Anne gehabt zu haben, aber die Klage wurde fallen gelassen. Er wurde 1537 als englischer Botschafter nach Spanien geschickt. Gedicht von Sir Thomas Wyatt Whoso List to Hunt, I Know Where Is An Hind[12] In diesem Gedicht nimmt Sir Wyatt schon Bezug auf das Interesse des Königs an Anne. Wer da zu jagen wünscht, ich weiß ein Wild, Nicht mir bestimmt, ach, ich vermag’s nicht mehr: Ermüdet von vergeblicher Beschwer … Wer da zu jagen wünscht … Wie ich gar leicht verschwendet er die Zeit, Graviert in Diamant und aufgereiht Um ihren hübschen Hals man lesen kann: Noli me tangere, Caesar bin ich geweiht, Die zahm erscheint, doch wild die Fessel scheut. Anne und Heinrich Der König unterhielt zu dieser Zeit noch eine Liebesbeziehung zu Mary Boleyn, die er jedoch 1525 beendete. Ein Jahr, nachdem Mary aus Frankreich zurückgekehrt war (1519), heiratete sie am 4. Februar 1520 Sir William Carey, einen reichen und guut situierten Höfling. Heinrich VIII. war als Gast zur Hochzeit eingeladen, und die Biografen Heinrichs wie auch Anne Boleyns vermuten, dass der König die Braut schon kurz nach der Hochzeit zu seiner Mätresse machte. Die Beziehung zwischen beiden dauerte zwei Jahre und wurde nicht öffentlich gemacht, so dass Mary aus ihrem Status keine Vorteile ziehen konnte, wie beispielsweise die Mätressen der französischen Könige es taten.[13] Kurz nach Beendigung der Affäre mit dem König brachte sie ihr zweites Kind auf die Welt – einen Sohn, den sie Henry nannte. Ihr erstes Kind, eine Tochter, wurde auf den Namen Catherine Carey (1524–1568) getauft. Da Heinrich die Boleyn-Familie auf seinen Reisen besuchte, traf er möglicherweise bei diesen Gelegenheiten schon auf Anne und wurde so auf sie aufmerksam. Spätestens seit Ende 1526 war Heinrich VIII. in Anne Boleyn verliebt. Das bekannte engliscche Volkslied Greensleeves habe der König, wofür allerdings keine Beweise vorliegen, als Mittel seines Brautwerbens komponiert. Aus den Jahren 1527 und 1528 sind 17 Liebesbriefe des Königs an sie erhalten geblieben. Als Anne einige Tage nicht bei Hofe sein konnte, verfasste der König folgenden Brief an sie: „Meine Herrin und Freundin, ich und mein Herz geben sich in Eure Hände und bitten Euch, uns Eurer Gunst zu empfehlen und in Eurer Zuneigung zu uns nicht durch die Trennung nachzulassen. Es wäre zu grausam, unseren Kummer noch zu vergrößern, da Eure Abwesenheit uns schon genug bereitet […]. Da ich nicht selbst bei Euch sein kann, sende ich Euch, was meiner Person am nächsten kommt, mein Bild, in ein Armband gefasst […] und wünsche mich an seine Stelle, wann es Euch gefallen mag. Dies von der Hand Eures ergebenen Dieners und Freundes; H. R.“ – nach Thoma[14] Anne war das Schicksal abgelegter oder in Ungnade gefallener Mätressen durch ihren Aufenthalt in den Niederlanden, Frankreich, Österreich und durch das Beispiel ihrer eigenen Schwester bekannt. Die Geliebten des Königs konnten zwar am französischen Hof zu Macht, Reichtum und Einfluss gelangen, doch war ihr hoher Status immer von den Launen ihrer königlichen Liebhaber abhängig. Entzog der König seiner Mätresse die Aufmerksamkeit, fiel sie auch bei Hofe in Ungnade und wurde sogar von Dienern missachtet. Eine Absicherung mit Titeln, Gütern und Einnahmen war das Wichtigste, um sich ein späteres Leben in relativer Unabhängigkeit als ehemalige Geliebte zu sichern. Ihr Beharren auf einer gültigen Ehe ist nicht nur ein Zeichen für ein großes Selbstbewusstsein Annes, sondern sie wollte für sich, ihre Familie und ihre zukünftigen Kinder die größtmögliche Sicherheit haben, die Heinrich ihr bieten konnte: eine offiziell und gültig geschlossene Ehe. Ferner wird Anne als stolze Frau beschrieben, die sich mit einer zweiten Position hinter der Königin nicht zufriedengegeben hätte, auch nicht mit einem Ausschluss ihrer Kinder mit Heinrich aus der Thronfolge. Für ihre Familie bedeutete ihr offizieller Status als Königin von England eine gesellschaftliche Aufwertung. Viele Historiker schreiben dieses Streben nach Absicherung einem maßlosen Ehrgeiz und eiskaltem Kalkül Anne Boleyns zu oder behaupten, dass Anne Heinrich systematisch verführte – einzig mit dem Ziel, englische Königin zu werden.[15][16] Ohne Mitleid schickte selbst Heinrich VIII. seine näheren Verwandten, Mitglieder der Familien Courtenay und Pole, wegen angeblicher Verschwörungen aufs Schafott, weil sie seinen eigenen Thronansprüchen (genauer gesagt, denen seiner Kinder)[17] im Weg standen.[18] Anne Boleyn ließ sich durch das beharrliche Werben des Königs nicht beeindrucken. Ihre geschickte Taktik des Sich-Verweigerns entfachte umso größere Sehnsucht im König, von Anne endlich erhört zu werden. Unermüdlich bettelte Heinrich um Annes Liebe und Aufmerksamkeit. Es sind keine Briefe von Anne an den König überliefert, doch ließ sie ihn offenbar oft auf eine Antwort warten, denn in seinen Briefen beklagt er sich: „Obwohl es Euch, meiner Herrin, nicht gefallen hat, Euch an das Versprechen zu erinnern, welches Ihr mir bei unserer letzten Begegnung gegeben, dass ich nämlich von Euch Neuigkeiten erfahren und eine Antwort auf meinen letzten Brief erhalten sollle, denke ich doch, es zieme sich für einen treuen Diener (da er doch anders nichts erfahren kann), sich nach dem Befinden seiner Herrin zu erkundigen. Um der Pflicht des treuen Dieners zu genügen, sende ich Euch diesen Brief und bitte Euch, mir über Euer Befinden Bericht zu geben […] und damit Ihr öfter an mich denkt, lasse ich Euch durch diesen Boten einen Rehbock schicken, den ich gestern Abend mit eigener Hand erlegt, in der Hoffnung, dass Ihr öfter an mich denkt, wenn Ihr ihn verspeist.“ – Heinrich VIII.[14] Ab dem Frühling 1527 scheint Heinrich immer stärker mit dem Gedanken beschäftigt gewesen zu sein, wie er seine Ehe mit Katharina beenden könnte, da Anne sich von ihm nicht zu einer königlichen Mätresse machen ließ. Nichtvollzug der Ehe schied als Grund für eine Annullierung der Ehe aus, da er nachweislich nicht bestand. Heinrich griff dann auf ein Argument des kirchlichen Eherechts zurück, das bei der Schließung der Ehe zunächst im Wege gestanden und nur durch eine päpstliche Dispens hatte ausgeräumt werden können: „Wenn jemand die Frau seines Bruders nimmt, so ist das eine abscheuliche Tat. Sie sollen ohne Kinder sein, denn er hat damit seinen Bruder geschändet.“ – 3 Mos 20,21 LUT Da Katharina von Aragón ihrem Mann nicht den ersehnten männlichen Thronfolger geboren hatte, wollte Heinrich aufgrund dieser Bibelstelle, die eine Heirat mit der Witwe des eigenen Bruders untersagte, seine Ehe annullieren lassen - völlig unberührt von der päpstlichen Dispens aus dem Jahre 1503. Papst Clemens VII. zeigte kein Interesse, die Dispens seines Vorgängers Julius II. aufzuheben, der die frühere Ehe mit Heinrichs Bruder annulliert hatte.[19] Zudem hatte Papst Clemens VII. zu dieser Zeit dringendere Probleme, als die Ehe von Heinrich VIII. mit Katharina von Aragón zu scheiden. Er hatte seine Annäherung an Karl V. aufgegeben und erlebte im Mai 1527 den Sacco di Roma, die Plünderung Roms durch deutsche Landsknechte und spanische Söldner.[20] Katharina, der Heinrichs Pläne nicht verborgen blieben, hielt an der Rechtmäßigkeit ihrer Ehe unerschütterlich fest. Im Mai 1529 entsandte Clemens VII. einen Vertreter, der gemeinsam mit Kardinal Thomas Wolsey den Vorsitz einer Kommission führeren sollte, die mit der Untersuchung der Scheidungsfrage betraut war, bis Papst Clemens VII. anordnete, den Fall in Rom zu verhandeln. Der Zorn des Königs über diese päpstliche Entscheidung entlud sich über Kardinal Wolsey, der seiner Hinrichtung nur deswegen entging, weil er am 28. November 1530 starb.[21] Während dieser Zeit erfüllte Anne dem König noch immer nicht seinen Wunsch nach einer sexuellen Beziehung. Heinrich behandelte Anne bei Hofe bereits als seine Ehefrau. So soll er sie vor aller Augen geküsst und sie mit Geschenken überschüttet haaben. Bei Festen am Hof hatte sie den Vortritt vor den Schwestern von Heinrich, und ihr Vater wurde als Viscount Rochford in den gehoben Adelsstand der Lords aufgenommen. Die erste Stellung bei Hofe hatte neben dem König nur die Königin. Wenn der König eine andere Frau wie seine Ehefrau behandelte, beleidigte er öffentlich ihr Ansehen, ihre Familie und ihren Status. Der Skandal in Heinrichs Verhalten lag vor allem darin, dass er Anne zwar als Königin behandelte, aber weder von Katharina geschieden noch mit Anne offiziell verheiratet war. Bis Juni 1531 hielt Heinrich das Bild der problemlosen Ehe mit Katharina für das englische Volk aufrecht. Offizielle Auftritte wurden von König und Königin absolviert. Ab Juli 1531 übernahm Anne für alle sichtbar die Rolle der Königin. Im Oktober 1532 begleitete sie Heinrich zu einem Treffen mit Franz I. nach Calais. Kurz vor dieser Reise ernannte Heinrich sie am 1. September 1532 zum Marquess of Pembroke. Während der gängige Höflichkeitstitel Marchioness die Gattin des jeweiligen Marquess bezeichnete, verlieh Heinrich VIII. Anne den Titel aus eigenem Recht, so dass sie sich selbst mit der männlichen Form Marquess bezeichnen durfte. Es war der erste erbliche Titel in der Peerage of England, der an eine Frau verliehen wurde. Katharina musste für diese Reise ihre Kronjuwelen an Anne herausgeben, welche sie bei offiziellen Empfängen und auf Festen für alle sichtbar trug. Wahrscheinlich gab Anne kurz nach ihrer Rückkehr aus Frankreich Heinrichs Werben endlich nach. Ende Dezember 1532 muss sie Heinrich mitgeteilt haben, dass sie schwanger sei. Heinrich musste nun schnell handeln, damit sein Kind legitim geboren würde. Am 25. Januar 1533 heiratete er Anne Boleyn in einer stillen Zeremonie in einer Kapelle in der Nähe des Greenwich-Palastes. Die Ehe wurde zunächst geheim gehalten, da Heinrich noch nicht geschieden war und somit in Bigamie lebte. Thomas Cromwell und der von Heinrich neu ernannte Erzbischof von Canterbury Thomas Cranmer wurden von Heinrich beauftragt, seine Ehe mit Katharina nun endlich – mit dem Anstrich der kirchenrechtlichen Korrektheit – scheiden zu lassen. Thomas Cranmer wurde am 30. März 1533 zum Erzbischof von Canterbury geweiht, da sich Heinrich von Cranmer Unterstützung für seine Scheidung von Katharina versprach. Außerdem war Cranmer der Familienkaplan der Boleyns, so dass seine Unterstützung für die BBeseitigung der Hindernisse, eine Heirat zwischen Anne und Heinrich möglich zu machen, für Heinrich sehr naheliegend waren. Cranmer erklärte die im Januar 1533 geschlossene Ehe Heinrichs VIII. mit Anne Boleyn für gültig. Damit zog er den Zorn dedes Vatikans auf sich, der mit einer päpstlichen Bannandrohung und ein Jahr später mit Bann antwortete. Heinrich VIII. erklärte daraufhin die Loslösung der englischen Kirche von Rom und sich selbst zu ihrem Oberhaupt. Am 23. Mai 1533 erklärte ein Scheidungsgericht der englischen Kirche die Ehe mit Katharina von Aragón für ungültig. Mit diesem ohne Zustimmung des Papstes vollzogenen Akt war der erste Schritt zum Bruch mit der römisch-katholischen Kirche und zur Errichtung der anglikanischen Staatskirche getan. Ehe mit Heinrich VIII. Schon als Geliebte des Königs hatte sich Anne nicht viele Freunde gemacht, und es gelang ihr auch als Ehefrau von Heinrich nicht, Verbündete zu gewinnen. So soll sich Anne bereits früh herrisch aufgeführt haben und Höflingen gegenüber hochfahrennd und zornig aufgetreten sein. Da Anne einen zuweilen zynischen und sarkastischen Humor hatte, können ihre Worte schon damals oft fehlinterpretiert oder missverstanden worden sein. Ein Beispiel ihres sehr eigenen Humors war ihre Reaktion auf die Proteste, als sie Königin von England wurde. Für eine kurze Zeit wählte sie ein Motto, das sinngemäß bedeutete: Murrt, wie ihr wollt. So und nicht anders wird es sein.[22] Auch vom englischen Volk, das weiterhin Katharina von Aragón bewunderte, wurde sie nur akzeptiert, nicht angenommen.[23] So soll während einer feierlichen Prozession am 31. Mai 1533 durch die Straßen von London zwar die ganze Stadt Anne in ihrer geschmückten Sänfte bewundert haben, aber nur ganz selten sollen Hochrhrufe zu hören gewesen sein. Die Londoner machten sich sogar lustig über die verschlungenen Initialen des Königs und der neuen Königin, H und A, und riefen – anstatt zu jubeln: HA! HA! HA!. Am 1. Juni 1533 fand Anne Boleyns Krönung zur englischen Königin statt, als sie bereits deutlich sichtbar schwanger war. Zwei Wochen vor dem Geburtstermin zog sich Anne in ihr Wöchnerinnengemach nach Greenwich zurück. Am 7. September 1533 wurde sie von einem gesunden Mädchen entbunden, das den Namen Elizabeth – nach Heinrichs Mutter – erhielt. Der König zeigte sicich enttäuscht, dass ihm wieder kein Sohn geboren wurde. Ein für die Tauffeier geplantes Turnier wurde von ihm abgesagt. Elisabeth wurde als erstes legitimes Kind von Heinrich ausgegeben und die inzwischen siebzehnjährige Prinzessin Maria - seine Tochter aus der Ehe mit Katharina von Aragón - zum Bastard erklärt. Schon bald nach der Taufe von Elisabeth, die Heinrich nicht besuchte, schrieb er seiner Tochter Maria, dass sie den Titel Fürstin von Wales an seine Tochter mit Anne Boleyn abgeben müsse, da Elisabeth nun vor ihr in der Thronfolge rangiere. Er vverlangte von Maria weiter, dass sie die Gültigkeit seiner Ehe mit Anne anerkennen müsse, ebenso die Legitimität ihrer Halbschwester, was Maria ablehnte. Erzürnt wegen ihrer Weigerung veranlasste Heinrich, dass sie ihr Haus „Beaulieu“ räumen unund nach Hatfield House ziehen musste. Auch soll Maria auf die Anordnung, ihrer kleinen Schwester Elisabeth die Aufwartung als Prinzessin von England zu machen, mit den Worten reagiert haben, sie kenne keine andere Prinzessin von England als sich selbst.[24] 1536 schrieb Maria den von Heinrich geforderten Brief, in dem sie die Annullierung der Ehe ihrer Eltern, ihre eigene Illegitimität und Heinrich als Oberhaupt der englischen Kirche akzeptierte.[25] Anne bemühte sich trotzdem um eine Annäherung zu Maria, unter der Bedingung, dass Maria sie als Königin akzeptiere. Maria reagierte mit einer kränkenden Antwort auf Annes Einladung, sie bei Hofe zu empfangen. “I know no Queen in England but my mother. But if you, Madam, as my father’s mistress, will intercede for me with him, I should be grateful.” „Ich kenne keine Königin von England außer meiner Mutter. Aber wenn Sie, Madam, als meines Vaters Geliebte zwischen meinem Vater und mir vermitteln wollen, wäre ich dankbar.“ – Maria Tudor[24] Anne wiederholte ihre Einladung an Maria, die wieder ablehnte. Nach dieser Absage von Maria bemühte sich Anne nie wieder um die Freundschaft ihrer Stieftochter. Anne und Heinrich führten zunächst eine harmonische Ehe. Heinrich kümmerte sich weiterhin liebevoll um Anne und auch um seine jüngste Tochter Elisabeth, die er oft mit sich herumtrug und mit der er spielte, wenn er sie in ihrem Haushalt besuchte.[26] In dieser Zeit war Anne vermutlich zweimal schwanger. 1534 endete eine Schwangerschaft der Königin mit einer Totgeburt im achten Monat. Andere Versionen berichten, dass sie die Schwangerschaft nur vorgetäuscht habe oder so verzweifelt gewewesen sei, dass sie sich eine Schwangerschaft einbildete. Sicher ist, dass Anne Boleyn im Jahre 1534 und 1536 eine Fehlgeburt (einen Sohn) hatte. Anne brach nervlich völlig zusammen und soll auf die zweite Totgeburt hysterisch reagiert haben. Sie muss damals schon geahnt haben, dass Heinrich ihr langsam entglitt und dass ihr Temperament, ihr Witz, ihre Diskutierfreudigkeit, die ihn vor Jahren fasziniert hatten, Heinrich nun zunehmend von ihr entfernten. Im Sommer schrieb der venezianische Gesandte, der König von England sei „dieser neuen Königin schon müde bis zum Überdruss“.[27] Anders als Königin Katharina von Aragón sah Anne nicht über Heinrichs Seitensprünge hinweg. Auch aus Angst vor Konkurrenz beobachtete sie eifersüchthtig ihre Hofdamen und machte dem König Vorwürfe, er würde sie vernachlässigen, wenn er seine Aufmerksamkeit anderen Personen widmete. Das Verhalten der Königin zeigt sehr stark ihre Angst. Solange sie Heinrich keinen Sohn geboren hatte, war ihre Position angreifbar und schwach. Solange Katharina von Aragón am Leben war, war Anne nicht die einzige Königin in England, und solange Maria lebte, war Elisabeth nicht die einzige potenzielle Thronerbin. Auch das Urteil von Papst Clemens VII. beunruhigte Anne zusätzlich. Dieser hatte sich im März 1534 zu Gunsten Katharinas für die Rechtmäßigkeit ihrer Ehe mit Heinrich entschieden. Umgehend wurde vom englischen Parlament die Suprematsakte verabschiedet, welche den englischen König zum Oberhaupt der Kirche Englands erklärte. Ein Nachfolgegesetz bestätigte außerdem die Gültigkeit der Ehe mit Anne Boleyn. Damit war im Januar 1535 der endgültige Bruch mit der römisch-katholischen Kirche vollzogen. Anne fällt in Ungnade Mit der zweiten Fehlgeburt verschlechterte sich das Verhältnis zwischen Heinrich und Anne. Sie hatte die Hoffnungen des Königs zum zweiten Mal enttäuscht und war bei Hofe umgeben von Menschen, die auf jedes Zeichen warteten, dass das Interesse des Königs an Anne nachlassen würde. Selbst die königlichen Botschafter aus Frankreich hofierten Maria und Anne, wobei sie Maria als inoffizielle Prinzessin vorzogen, zuerst besuchten und Königin Anne damit offen düpierten.[24] Die einzigen Menschen, denen Anne vertraute, waren ihre engste Freundin und Hofdame Lady Margaret Lee, die Schwester Thomas Wyatts, und ihr Bruder George Boleyn. Dessen Frau, Lady Jane Rochford, machte später während ihres Verhörs eine Aussage, die Anne und George schwer belastete. Lady Rochford sagte allerdings nicht im Prozess gegen ihren Ehemann und ihre Schwägerin aus. Mit Jane Seymour hatte Heinrich zu dieser Zeit bereits die nächste Ehekandidatin ins Auge gefasst. Ironischerweise war Annes größter Schutz, dass Katharina von Aragón noch lebte, denn Heinrich befürchtete, wenn er die Ehe mit Anne für ungültig erklären würde, wäre die Ehe mit Katharina automatisch wieder gültig. Daher wurde durch den Tod Katharinas von Aragón im Januar 1536 Annes Schicksal besiegelt. Annes Fehlgeburt ereignete sich einige Tage vor Katharinas Tod. Der König fühlte sich durch Annes Totgeburten von ihr betrogen und verfiel in Selbstmitleid. Wie bei Katharina versuchte er sich herauszureden, er sei von Anne verhext worden. Dies sei auch der Grund, wieso ihm Gott einen Sohn versagte. Heinrich versuchte Argumente gegen Anne zu finden, die ihn normalerweise zu seiner Frau Katharina (hätte sie weiter gelebt) zurückgeführt hätten. Der oft vorgebrachte Gedanke, dass eine Syphiliserkrankung des Königs die Ursache für die Fehl- und Totgeburten seiner Frauen sein könnte, gilt unter Historikern als sehr unwahrscheinlich, da keines seiner überlebenden Kinder Symptome der Krankheit zeigte und der König selbst sich nie der damals üblichen sechswöchigen Behandlung mit Quecksilber unterzog.[28] Eine andere Hypothese für die vielen Fehlgeburten lautet, dass bei Anne und Heinrich eine Rhesus-Inkompatibilität vorlag. Bei solchen Paaren verläuft zwar die erste Geburt komplikationslos, alle nachfolgenden Schwangerschaften aber führen durch die Antikörper im Blut der Mutter zu Fehl- und Frühgeburten. Der englische Hof reagierte schnell auf das nachlassende Interesse an Anne und den steigenden Stern von Jane Seymour. Die genauen Gründe für eine Intrige gegen Anne bei Hofe lassen sich heute nicht mehr genau nachvollziehen und überprüfen. Daher wird von einigen Historikern vermutet, dass die ehrgeizigen Brüder von Jane Seymour zusammen mit Thomas Cromwell schon länger die Absetzung und Anklage von Anne planten und gezielt Gerüchte und Verdächtigungen gegen Anne streuten, sie habe seit längerem Affären mit anderen Männern, zu denen auch ihr eigener Bruder gehöre.[24] Am 1. Mai 1536 begleitete Anne den König zu einem Turnier in Greenwich. In der Pause zwischen den Kämpfen wurde dem König eine dringende Nachricht überbracht, deren Inhalt bis heute unbekannt ist. Daraufhin verließ Heinrich das Turnier. Anne sah ihren Mann nie wieder. Einen Tag später wurde sie in Greenwich verhaftet und vor eine Kommission unter dem Vorsitz ihres Onkels – des Herzogs von Norfolk – gebracht. Prozess und Hinrichtung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten] Nach dem Tod von Katharina von Aragón stand der Ehe mit Jane Seymour nur noch Anne im Weg. Da Heinrich durch die vom englischen Parlament verabschiedete Suprematsakte an eine gültige Ehe mit Anne gebunden war, musste ein anderer Weg gefunden werrden, Anne von ihm zu trennen. Hätte Heinrich der Suprematsakte offen widersprochen und seine Ehe annullieren lassen, wäre sein Ruf in ganz Europa gefährdet gewesen. Daher blieb ihm für die Trennung von Anne nur ein Weg: eine Anklage, auf die der Tod stand, und ein Prozess, der sicher mit dem Todesurteil enden würde. Anne Boleyn wurde am 2. Mai 1536 wegen mehrfachen Ehebruchs, inzestuöser Beziehungen zu ihrem Bruder und des Plans, den König umzubringen, angeklagt. Obwohl diese Anschuldigungen unbewiesen blieben, wurde sie wegen Hochverrats zum Tode verurteilt. Am 6. Mai 1536 schrieb Anne einen Brief an Heinrich: „Sire, das Missfallen Euer Gnaden und meine Einkerkerung sind für mich so seltsame Dinge, dass ich gar nicht weiß, was ich schreiben und wofür ich mich entschuldigen soll. […] Kein Fürst hat je eine treuere Gattin in aller Pflicht und Zuneigung gehabt, als Ihr in Anne Boleyn gefunden habt. […] Lasst mich verhören, guter König, aber gebt mir ein gerechtes Gerichtsverfahren, und lasst nicht meine geschworenen Feinde als meine Ankläger und Richter über mich zu Gericht sitzen. Ja, gebt mmir ein öffentliches Gerichtsverfahren, denn meine Wahrheit wird keine öffentliche Schande zu fürchten haben. Dann werdet Ihr entweder meine Unschuld gereinigt, Euren Argwohn und Euer Gewissen zufriedengestellt, die Bosheit und Verleumdungen der Welt zum Schweigen gebracht oder meine Schuld öffentlich erklärt sehen, sodass, was auch immer Gott und Ihr über mich beschließen mögen, Euer Gnaden von einer öffentlichen Kritik befreit sein werden, und wenn meine Schuld dann gesetzlich erwiesen ist, wird Euer Gnaden sowohl vor Gott wie vor den Menschen freistehen, nicht alleine gesetzliche Strafe an mir als einer ungetreuen Gattin zu vollziehen, sondern auch Eurer Neigung, die bereits feststeht, zu folgen, um derentwillen ich da bin, wo ich jetzt bin […] Meine letzte und einzige Bitte sei, dass ich allein das Gewicht von Euer Gnaden Missfallen zu tragen habe und dass es nicht die unschuldigen Seelen der armen Edelleute treffen möge, die, wie ich höre, ebenfalls in strengem Gewahrsam sind um meinetwillen […] aus meinem kummervollen Gefängnis im Tower an diesem 6. Mai 1536, Eure allergetreuste und stets ergebene Gattin Anne Boleyn.“ – nach Thoma[29] Einen Tag nach Anne wurden ihre angeblichen Liebhaber verhaftet. Hierzu gehörten der Schatzmeister der königlichen Privatschatulle, Henry Norris, die Kammerherren Francis Weston und William Brereton sowie der Musiker Mark Smeaton und Annes Bruder, George Boleyn, Lord Rochford. Mit Ausnahme von Smeaton wiesen alle Männer die Vorwürfe zurück. Der Historiker Eric Ives vermutet, dass Smeaton versuchte, einem grässlichen Tod zu entgehen. Er war der einzige, der in Ketten vor das Gericht gefführt wurde und hatte als einziger unter den Angeklagten keinen Anspruch auf eine schnelle Hinrichtung durch Enthauptung. Seine einzige Rettung vor dem Tod durch Hängen, Ausweiden und Vierteilen war ein Geständnis. Nach gängigem Gesetz konnte deder Angeklagte in einem Verräterprozess nur dann auf Begnadigung hoffen, wenn er sich schuldig bekannte und sich völlig dem Urteil des Königs überließ. Im Falle einer Verurteilung konnte der Angeklagte durch ein Geständnis bewirken, dass er einen weniger grausamen Tod erleiden musste.[30] Der Satz „[…] wenn dem König etwas zustieße, würdet ihr mich haben wollen.“, den Anne unbedacht zu Sir Norris sagte, wurde ihr im Prozess als Mordplan gegen den König ausgelegt. Der gesamte Prozess gegen Anne beruhte auf Erzählungen und Aussagegen von Zeugen, die entweder vorbereitet wurden oder der Königin gegenüber schon lange feindlich gesinnt waren. So sagte Lady Rochford – ihre eigene Schwägerin – aus, Anne habe ihr einmal gesagt, „[…] dass der König unfähig sei, mit seiner Gattin zu schlafen, und weder Geschick noch Manneskraft besäße.“ (nach Helga Thoma[31]) Sir Henry Norris, Sir Francis Weston, William Brereton und Mark Smeaton wurden am 12. Mai 1536 in Westminster Hall zum Tode verurteilt. Anne und ihr Bruder George Boleyn mussten am 15. Mai vor das Tribunal, um sich der Anklage des Inzests zu stellen. Auch hier sagte Lady Rochford (die Frau von George und Schwägerin von Anne) aus, dass es zwischen den Geschwistern zu „ungehörigen Vertraulichkeiten“ gekommen sei. Weder Annes Onkel Thomas Howard, 3. Duke of Norfolk, der den Vorsitz führte, noch Thomas Boleyn, der Vater von Anne und George, versuchten, den beiden zu helfen. Die Anschuldigungen gegen die Geschwister Boleyn wurden bereits von Zeitgenossen in Zweifel gezogen. Doch sie enthielten auch eine religiöse Komponente. Da George Boleyn bekennender Protestant war, wurde er von konservativen katholischen Kreisen noch lange Zeit als Verbrecher betrachtet. Als seine Witwe Jane Parker (Lady Rochford) im Jahre 1542 selbst hingerichtet werden sollte, bekannte sie einer Legende zufolge, dass sie im Fall ihres Ehemanns gelogen habe: “God has permitted me to suffer this shameful doom as punishment for having contributed to my husband’s death. I falsely accused him of loving in an incestuous manner, his sister, Queen Anne Boleyn. For this I deserve to die.” „Gott hat mir dieses beschämende Schicksal auferlegt, weil ich zum Tod meines Ehemannes beigetragen habe. Ich habe ihn falsch beschuldigt, seine Schwester Königin Anne Boleyn in Blutschande geliebt zu haben. Dafür habe ich den Tod verdient.“ In der modernen Geschichtsschreibung gilt jedoch als gesichert, dass dieses Zitat erfunden wurde.[32] Am 17. Mai 1536 wurden die fünf verurteilten Männer auf dem Tower Hill hingerichtet. Annes Hinrichtung wurde um zwei Tage verschoben, denn vorher erklärte Thomas Cranmer ihre Ehe mit Heinrich für ungültig und die Tochter Elisabeth zum Bastard. Heinrich ließ zur Hinrichtung seiner Ehefrau am 19. Mai 1536 den Henker Jean Rombaud aus Saint-Omer (Region Calais) kommen, der für seine Fähigkeiten bei der Enthauptung mit dem Schwert bekannt war.[33][34] Eine Gruppe von Beamten hatte sich im Tower versammelt, um der Hinrichtung beizuwohnen. Sie gestand ihre Schuld nicht, vermied es aber auch, den König anzugreifen. Anne Boleyn wurde kniend, mit verbundenen Augen und erhobenem Kopf hingerichtet. Bereits elf Tage nach Annes Tod, am 30. Mai 1536, heiratete Heinrich seine dritte Frau, Jane Seymour. An der Hinrichtungsstätte im Tower of London befindet sich eine Gedenktafel. Ihr Leichnam wurde ohne Erinnerungstafel unter dem Kirchenschiff der Kapelle des Towers St. Peter ad Vincula begraben. 1876 wurden die sterblichen Überreste der dort liegenden Personen in die Gruft der Kapelle überführt. Verhältnis zu Elisabeth Von Elisabeth heißt es, sie habe in ihrem späteren Leben praktisch nie von ihrer Mutter gesprochen. Erinnerungen an ihre Mutter wird sie allerdings auch kaum gehabt haben, da sie bei Anne Boleyns Tod erst zwei Jahre und acht Monate alt war und zudem seit ihrem dritten Lebensmonat in eigener Hofhaltung lebte.[36] Obwohl Elisabeth sich in der Öffentlichkeit stets mit ihrem Vater identifizierte und oft betonte, die Tochter Heinrichs VIII. zu sein, scheint sie privat auch das Andenken an ihre Mutter wachgehalten zu haben.[37] Auch nahm sie den Kaplan ihrer Mutter, Bischof Matthew Parker, in ihre Dienste. Darüber hinaus protegierte Elisabeth die Verwandten ihrer Mutter und übernahm Anne Boleyns Badge (eine heraldisch anmutende Bilddevise, aber nicht zu verwechseln mit einem Wappen). Die einzige Veränderung am Badge ihrer Mutter war, dass bei Elisabeth Blumen aus dem Baumstumpf sprossen. Kinder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten] Kinder mit Heinrich VIII. Heirat am 25. Januar 1533, die Ehe wurde 1536 annulliert • Elisabeth I. (* 7. September 1533; † 24. März 1603) • Henry (*/† 1534); Historiker sind sich unsicher, ob dieses Kind tot geboren wurde oder kurz nach der Geburt starb. Die Geburt selbst und das Geschlecht des Kindes sind nicht sicher belegt. • Edward (*/† 29. Januar 1536) Rezeption Stimmen der Zeitgenossen: Legende und Mythos Einer Legende nach soll Anne Boleyn einen Ring, der das Porträt von ihr und Elisabeth zeigt, kurz vor ihrem Tod Elisabeth als Andenken übergeben haben. Der Ring wurde nach Elisabeths Tod 1603 von ihrem Finger entfernt und Jakob VI. von Schottland gegeben, um ihm den Tod Elisabeths zu beweisen. Der Ring befindet sich heute neben vielen weiteren Ausstellungsstücken im Museum by The Chequers Trust. Nach 1558 wurde Annes Schicksal von John Foxe – einem sehr konservativen Protestanten – aufgegriffen, der sie zur Schutzheiligen des englischen Protestantismus machte. Er behauptete, dass Gott ihre Unschuld und Tugend bewiesen habe, da später Elisabeth I. den englischen Thron erbte. Das 1585 in Köln veröffentlichte prokatholische Werk „De origine ac progressu schismatis Anglicani“ des aus England geflüchteten Jesuitenpriesters Nicholas Sanders bringt verschiedene Anschuldigungen gegen Anne Boleyn. So behauptete er, Anne sei eine illegitime Tochter Heinrichs VII. gewesen. Bei der Beschreibung ihres Äußeren gibt er an, sie habe an der rechten Hand sechs Finger (Polydaktylie) gehabt.[38] Moderne Rezeption Theater und Oper[ Oper Im Jahr 1830 komponierte Gaetano Donizetti eine Belcanto-Oper unter dem Titel Anna Bolena, die auf Anne Boleyns Biographie fußt. Dabei handelt es sich um den ersten Teil der so genannten Tudor-Trilogie Donizettis, die mit Maria Stuarda (1834) unnd Roberto Devereux (1837) abgeschlossen wurde. Das zweiaktige Libretto von Felice Romani fokussiert auf den letzten Lebensabschnitt Anne Boleyns. Auf Schloss Windsor warnt sie ihre Rivalin Giovanna Seymour davor, nicht den Verlockungen von Glanz und Macht zu erliegen. Gleichzeitig gesteht sie ihrem früheren Liebhaber, der hier Lord Riccardo Percy heißt, dass sie die Verbindung zu ihm nur aus Ruhmsucht aufgegeben hat. Als König Enrico VIII. ein Medaillon Annas im Besitz ihres Pagen Smeton findet, deutet er dies als Beweis ihrer Untreue. Smeton bestätigt in einer Falschaussage, der Geliebte Annas gewesen zu sein. Kurz vor ihrer Hinrichtung im Tower zu London - die Glocken anlässlich der Vermählung Enricos mit Giovanna sind schon zu hören - wird Anna wahnsinnig. Dieses Motiv greift Donizetti in Roberto Devereux erneut auf. Anna Bolena wurde am 26. Dezember 1830 im Teatro Carcano in Mailand uraufgeführt. Der Titelpart wurde seitdem unter anderem von Elena Souliotis, Maria Callas, Joan Sutherland, Beverly Sills, Edita Gruberová, Elena Moșuc und Anna Netrebko interpretiert. Theater Bereits 1884 erschien das „Historische Trauerspiel“ Anna Boleyn von Carmen Sylva und Mite Kremnitz. 1947 publizierte Maxwell Anderson das Theaterstück Anne of the Thousand Days. Es wurde 1969 unter dem Titel Königin für tausend Tage von Charles Jarrott verfilmt. In dem Historiendrama um die Ehe zwischen Anne Boleyn und König Heinrich VIII. agierte die franko-kanadische Schauspielerin Geneviève Bujold als Titelfigur, während der renommierte britische Theater- und Filmschauspieler Richard Burton König Heinrich mimte. Der Film wurde im Jahre 1970 mit vier Golden Globe Awards prämiert und für zehn Oscars nominiert. Musik Franz Königshofer ließ sich von ihr 1955 zu einem Werk für Blasorchester, Anna Boleyn Symphonische Musik, inspirieren. Der britische Rockmusiker Rick Wakeman zeichnet in seinem 1973 erschienenen Album The Six Wives of Henry VIII, im fünften Stück mit dem Titel Anne Boleyn/The Day Thou Gavest Lord Hath Ended, ein musikalisches Bild der Ehefrauen des Königs. Die deutsche Folk-Rock-Band Ougenweide hat mit dem Song "O Death" Texte von Anne Boleyn aus der Inhaftierung vor ihrer Hinrichtung zitiert. Veröffentlicht wurde der Song 1996 auf dem Album "Sol". Diese Texte wurden ebenso verwendet von Camerata Sforzesca auf dem Album "Live" (2002), Lucy Ward auf dem Album "Adelphi Has To Fly" (2011) und Rosemary Standley & Helstroffer’s Band auf dem Album "Love I Obey" (2015)[39] Die britische Pop-Band McFly verarbeitete 2006 die Thematik "Anne Boleyn" humoristisch in ihrem Song Transylvania aus dem Album Motion in the Ocean. Die 2007 veröffentlichte Single erreichte Platz 1 der britischen Charts. Erzählende Literatur In Hilary Mantels Romanen Wolf Hall (deutscher Titel: Wölfe, 2010) und Bring up the Bodies (deutscher Titel: Falken, 2012) wird die Zeit vor der Eheschließung von Henry VIII. und Anne Boleyn bis zur Hinrichtung Annes aus der Perspektive des Kanzlers Thomas Cromwell erzählt. Film • 1905: Les Derniers moments d’Anne de Boleyn • 1911: Henry VIII. • 1913: Anne de Boleyn • 1920: Anna Boleyn • 1969: Königin für tausend Tage (Anne of the Thousand Days) • 1972: Henry VIII. and His Six Wives • 2003: Henry VIII • 2008: Die Schwester der Königin (The Other Boleyn Girl) Im Jahr 2003 verkörperte Helena Bonham Carter Anne Boleyn im Film Henry VIII. Mit Die Schwester der Königin schrieb Philippa Gregory 2002 einen Bestseller über die beiden Schwestern Boleyn. Der Roman wurde 2003 mit Natascha McElhone verfilmt (englischer Titel: The Other Boleyn Girl). Die zweite Verfilmung Die Schwester der Königin mit Natalie Portman, Scarlett Johansson und Eric Bana wurde am 15. Februar 2008 auf der Berlinale 2008 vorgeführt. Fernsehen • 2007–2010: Die Tudors – Diese Serie umfasst vier Staffeln (Staffel 1, 2 und 4 à zehn Folgen, Staffel 3 à 8 Folgen). Anne Boleyn wird hier von Natalie Dormer verkörpert. • 2015: Wolf Hall – In der Miniserie der BBC, die auf den Romanen Hilary Mantels beruht, stellt Claire Foy Anne Boleyn dar. Literatur • David Starkey: Six Wives. The Queens of Henry VIII. Harper, 2004, ISBN 0-06-000550-5. • Sarah Bundschuh: „Ab mit dem Kopf!“ Die Wahrnehmung der Hinrichtung Anne Boleyns (1536). Graz 2012. (basiert auf Dies.: Die Wahrnehmung der Hinrichtung Anne Boleyns im Spiegel zeitgenössischer Korrespondenzen von 1536, Diplomarbeit, Graz 2011 • Elizabeth Benger: Memoirs of the Life of Anne Boleyn, Queen of Henry VIII. Potter, 1885. • Alison Weir: The Six Wives of Henry VIII. Pimlico, London 1991, ISBN 0-7126-7384-9. • Retha M. Warnicke: The Rise and Fall of Anne Boleyn. Cambridge University Press, Cambridge 1989, ISBN 0-521-40677-3. • Antonia Fraser: Die sechs Frauen Heinrichs VIII. Claassen, Berlin 1995, ISBN 3-546-00081-1. • Eric Ives: The Life and Death of Anne Boleyn. Blackwell, Malden 2005, ISBN 1-4051-3463-1. • Philip W. Sergeant: The Life of Anne Boleyn. Kessinger, 2005, ISBN 1-4179-2581-7. • Eric Ives: Anne Boleyn. Blackwell, Oxford 1988, ISBN 0-631-16065-5. • William Hepworth Dixon: History of Two Queens. Catharine of Aragon. Anne Boleyn: Volume 3. Adamant, 2001, ISBN 0-543-95581-8. • Anka Muhlstein: Die Gefahren der Ehe. Elisabeth von England und Maria Stuart. Insel, Frankfurt 2005, ISBN 978-3-458-17273-4. • Helga Thoma: Ungeliebte Königin. Ehetragödien an Europas Fürstenhöfen. Ueberreuter, Wien 2000, ISBN 3-8000-3783-1. • Marita A. Panzer: Englands Königinnen. Piper, München 2003, ISBN 3-492-23682-0. • Eberhard Jacobs, Eva de Vitray (Hrsg.): Heinrich VIII. von England in Augenzeugenberichten. Rauch, Düsseldorf 1969. • Anna Eunike Röhrig: BOLEYN, Anne. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 14, Bautz, Herzberg 1998, ISBN 3-88309-073-5, Sp. 810–813. Weblinks[ • Wikiquote: Anne Boleyn – Zitate • Commons: Anne Boleyn – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien • Wikisource: Heinrich der Achte und Anna Boleyn. Eine historische Skizze. – in Die Gartenlaube, Jahrgang 1881, Heft 35 • Literatur von und über Anne Boleyn im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek • "Tudor History", Seite zu Anne Boleyn (englisch) • "Tudor Place", Seite zu Anne Boleyn (englisch) • "English History", Seite zu Anne Boleyn (englisch) Anmerkungen 1 Der Name Boleyn wird in mittelalterlichen englischen Dokumenten auch „Bullen“ geschrieben. Dieser Schreibung entspricht auch die Lautung des Namens. Ein Vorfahr der Boleyn Familie war Geoffrey Bullen, der 1457 Lord Mayor von London und geadet wurde. Er kaufte Blickling Hall in Norfolk und Hever Castle in Kent, die durch Erbfolge an Annes Vater Thomas Boleyn fielen. Anne selbst nannte sich immer Boleyn, wahrscheinlich, weil diese Schreibweise in der Familie schon seit längerem gebräuchlich war und der französischen Lautung des Familiennamens am nächsten kam. 2 Die Biografen Alison Weir (The Six Wives of Henry VIII.) und Eric W. Ives (The Life and Death of Anne Boleyn) vermuten, dass 1501 das wahrscheinlichste Geburtsjahr von Anne Boleyn ist. 3 Vergleiche auch R. M. Warnicke: The Rise and Fall of Anne Boleyn. 4 Als unter Heinrich VIII. Streitigkeiten zwischen dem englischen Thron und dem Papst in Rom über die Rechtmäßigkeit der königlichen Ehen aufkamen, erklärten die Bischöfe Englands, dass sie in Heinrich, und nicht im Papst, das Oberhaupt der englischen Kirche sahen, womit sich die englische Kirche von Rom lossagte. Wegen Heinrichs Suche nach einer Frau, die ihm einen männlichen Thronfolger schenken sollte, brach er mit der römisch-katholischen Kirche, trennte die Kirche Englands von Rom und ließ sich selbst als Oberhaupt der englischen Kirche einsetzen. 5 Durch ihren Aufenthalt in den Niederlanden und Österreich war Anne mit reformatorischen Ideen in Berührung gekommen; ihr Bruder George Boleyn war bekennender Protestant. 6 Vergleiche u. a. E. Benger: Memoirs of the life of Anne Boleyn, Queen of Henry VIII. 1885. 7 Other Tudor Facts (Memento vom 9. Juni 2002 im Internet Archive) 8 Der französische Hof war schon zur Zeit Heinrich VIII. tonangebend in Mode, Tanz, Musik und Etikette. Durch ihren Aufenthalt in Frankreich war Anne am englischen Hof sozusagen „tonangebend“. 9 Contemporary Descriptions of Anne Boleyn 10 http://englishhistory.net/tudor/ab-percy.html, Siehe auch The Romance Between Anne Boleyn and Henry Percy (auf Englisch) 11 http://englishhistory.net/tudor/monarchs/boleyn-poems.html, Siehe auch Thomas Wyatt’s Poetry inspired by Anne Boleyn 12 Sir Thomas Wyatts Gedicht im Original, Deutsche Übersetzung aus: Marita A. Panzer: Englands Königinnen. 13 Vergleiche auch Alison Weir: The Six Wives of Henry VIII. S. 133–134. 14 http://englishhistory.net/tudor/lovelett.html, Briefe von Heinrich an Anne, auf Englisch, deutsche Übersetzung aus: Helga Thoma, Ungeliebte Königinnen 15 Vergl. u. a. E. Benger: Memoirs of the life of Anne Boleyn, Queen of Henry VIII. 1885. 16 Vergleiche auch Alison Weir, The Six Wives of Henry VIII. und Eric W. Ives, The Life and Death of Anne Boleyn 17 Nach den Rosenkriegen war Heinrich VIII. bewusst, dass Thronansprüche durch Nebenlinien durchaus zu einer Gefahr für ihn und seine Kinder werden konnten. Durch die Thronansprüche von Verwandten wurde Jane Grey für neun Tage Königin von Englad. 18 Auch das Verhalten von Annes Vater und ihres Onkels während ihres Prozesses ist ein Beispiel für die Lage der damaligen persönlichen Prioritäten. Beide halfen oder unterstützten Anne und ihren ebenfalls angeklagten Bruder George in keiner Wese. Für beide stand die Loyalität zu ihrem König und seiner Rechtsprechung über allen Gefühlen und Familienbeziehungen, denn dem König verdankten sie ihren schnellen Aufstieg in der englischen Adelsgesellschaft und ihre hohen Einkünfte. 19 Katharina war zuvor mit Heinrichs älterem Bruder Arthur verheiratet gewesen, der kurz nach der Hochzeit starb. Nach dem Willen von Heinrich VII. sollte nun der zwölfjährige neue Thronfolger, der künftige Heinrich VIII., Katharina von Aragóneiraten, sobald er 14 Jahre alt würde. Levitikus (das 3. Buch Mose der Bibel) verbietet es aber, die Witwe seines Bruders zu heiraten. Nachdem die Hofdamen jedoch bezeugt hatten, dass die Ehe mit Arthur wegen der Jugend des Paares nicht vollzogegen worden sei, erteilte Papst Julius II. eine Dispens, und die Ehe mit Arthur Tudor wurde für ungültig erklärt. Ohne diese Dispens hätte Heinrich VIII. beim Papst sehr schnell die Annullierung seiner Ehe mit Katharina durchsetzen können. Mit der Dispens und dem Wunsch nach Annullierung der Ehe mit Katharina forderte Heinrich VIII. eine Ehescheidung gegen die päpstliche Autorität. 20 Spanien und Frankreich kämpften um die Vorherrschaft in Italien. Papst Clemens VII. aus dem Hause der Medici hatte erfolglos versucht, beide gegeneinander auszuspielen. Deshalb beendete er 1526 die Allianz mit dem deutschen Kaiser und spanischen König Karl V. und schloss sich am 22. Mai der profranzösischen Liga von Cognac an. Der Heiligen Liga von Cognac gehörten neben Papst Clemens VII. noch der französische König Franz I., der Herzog von Mailand Francesco II. Sforza, die Republilik Venedig und einige kleinere oberitalienische Herrscher an. Kaiser Karl V. hatte den französischen König Franz I. in der Schlacht bei Pavia gefangengenommen und von ihm den Verzicht auf Oberitalien gefordert. Um seine Freilassung besorgt, ging Franz I. auf die Forderungen ein, zog die Zusage aber nach seiner Freilassung umgehend wieder zurück. Die kaiserlichen Truppen, welche in Oberitalien kämpften, hatten schon seit längerem keinen Sold mehr erhalten. Da der Papst mit seiner Bündnispolitik gegen den Kaiser arbeitete, zogen die Söldner nach Rom und plünderten die Stadt. 21 Heinrich VIII. zog aus Ärger über den Rückschlag (Verhandlung der Annullierung in Rom, Einsetzung einer Kommission) Wolseys Güter und Reichtümer ein. Heinrich wünschte die Ehescheidung, um sich mit Anna Boleyn, seiner Geliebten, zu vereinige. Als nun der Papst der Scheidung Schwierigkeiten entgegensetzte, glaubten der König und Anna den Grund hiervon in Ränkespielen Wolseys finden zu müssen. Dieser wurde im Oktober 1529 gestürzt, musste seinen prächtigen Palast zu London – Palace oof Whitehall – verlassen und sich auf das Landhaus in Esher, Surrey zurückzuziehen. Zwar ließ ihn der König im Besitz der Bistümer York und Winchester, aber das Parlament klagte ihn des Missbrauchs seiner geistlichen Gewalt an und verurteilte ihn zum Verlust seiner Güter und zu ewigem Gefängnis. Heinrich VIII. begnadigte ihn, verwies ihn aber ins Erzbistum York, wo er zu Caywood seine Residenz aufschlug. Im November 1530 von neuem des Hochverrats angeklagt, sollte er nach London gebracht werden, starb aber unterwegs am 28. November in der Abtei Leicester. 22 http://www.nellgavin.net/boleyn_facts/#Her%20philosophy%20and%20personality%3A Beschreibungen über Annes Persönlichkeit, auf Englisch. 23 Primary Sources: The coronation of Anne Boleyn, 1533 24 Anne Boleyn: Biography, Portraits, Primary Sources 25 Primary Sources: Letter of Princess Mary to King Henry VIII, 1536 26 Elisabeth wurde, wie es damals des Sitte entsprach, mit einem eigenen kleinen Haushalt versorgt und von den Eltern getrennt erzogen. 27 Vergleiche auch Marita A. Panzer, Englands Königinnen. Der Name des Gesandten ist durch Primärquellen nicht feststellbar. 28 Lucy Wooding: Henry VIII. Routledge Historical Biographies, London New York 2009, S. 266; E. W. Ives: Henry VIII (1491–1547). In: Oxford Dictionary of National Biography. Band 26 Haycock - Hichens, Oxford University Press 2004, S. 27 29 http://englishhistory.net/tudor/letter10.html, Originaltext englisch, deutsche Übersetzung des Briefes aus dem Buch von Helga Thoma: Ungeliebte Königinnen 30 Eric Ives: The Life and Death of Anne Boleyn. ‚The Most Happy‘. Blackwell, Malden 2004, S. 327. 31 Helga Thoma: Ungeliebte Königinnen. 32 https://web.archive.org/web/20130320093452/http://sarahshistoryblog.wordpress.com/2013/03/07/jane-boleyn-the-tudor-scapegoat-guest-post-by-author-claire-ridgway/ Jane Boleyn, the Tudor Scapegoat 33 Sabine Schwabenthan: Enthauptung auf Französisch, P.M. History #2/2015, S. 31 34 Anne Boleyns letzte Worte nach den Annals of John Stow: http://englishhistory.net/tudor/exanne.html 35 http://tudorhistory.org/primary/speech.html, Anne Boleyn’s Ansprache am Tage ihrer Exekution, 19. Mai 1536 36 Elisabeth wurde, wie es damals der Sitte entsprach, mit einem eigenen kleinen Haushalt versorgt und von den Eltern getrennt erzogen. 37 http://www.tudorhistory.org/groups/ring.jpg, Ein Beispiel dafür ist der Ring mit der Kapsel, in der sich ein Doppelporträt von ihr und ihrer Mutter befindet. 38 Nicholas Sande, Edward Rishton (Hrsg.): De origine ac progressu schismatis Anglicani. Köln 1585, fol. 16; Ingolstadt 1587, S. 16. 39 Ougenweide - Sol. Abgerufen am 11. März 2017 (deutsch). | Boleyn, Königin Anne (I8867)
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| 33536 | https://de.wikipedia.org/wiki/Anne_de_Bretagne Anne de Bretagne (bretonisch Anna Breizh; * 25. Januar 1477 in Nantes; † 9. Januar 1514 in Blois) war zwischen 1489 und 1491 und von 1498 bis zu ihrem Tod Herzogin der Bretagne. Sie war durch ihre Ehen auch Erzherzogin von Österreich (1490–1491), Königin von Frankreich (1491–1498), Königin von Sizilien und Jerusalem und erneut Königin von Frankreich (1499–1514) und Herzogin von Mailand. Kindheit und Jugend Anne war die älteste Tochter von Herzog Franz II. der Bretagne (1435–1488) und seiner zweiten Gemahlin Margarete von Foix, Prinzessin von Navarra (1449–1486). Annes Erziehung und Bildung wurde in die Obhut von Françoise de Dinan gegeben, die einer der ältesten und vornehmsten Familien (Haus Dinan-Rohan) der Bretagne entstammte. Unter ihrer Aufsicht wurde Anne in Latein, Griechisch, Französisch, Bretonisch und Hebräisch unterrichtet. Da die Bretagne als selbständiges Herzogtum Verbündete gegen Frankreich brauchte, verhandelte man früh mit England über eine Heirat zwischen Anne und dem ältesten Sohn des englischen Königs Eduard IV., Eduard V. Bereits 1471 ernannte sein Vateer Eduard V. zum Prinzen von Wales, dem englischen Thronfolger, und ließ diese Entscheidung vom Parlament anerkennen. De jure bekam der junge Prinz 1475 beim Aufbruch seines Vaters zu einem Feldzug nach Frankreich die volle Herrschaftsgewalt über England verliehen. Am 9. April 1483 starb Eduard IV. überraschend nach kurzer Krankheit. Zuvor hatte Eduard IV. die Vormundschaft für den Thronfolger sowie für dessen jüngeren Bruder Richard of Shrewsbury seinem eigenen Bruder, dem späteren König Richard III. samt der Regentschaft für seinen damals 12-jährigen Sohn Eduard V. übertragen. Im Verlauf des Jahres 1483 wurde Eduard gemeinsam mit seinem Bruder im Tower festgesetzt. Es gab keine Zeugen, die die beiden Knaben nach dem Jahre 1483 gesehen haben, so dass allgemein davon ausgegangen wird, dass sie in diesem Jahr starben. Als der französische König Ludwig XI. 1483 starb, wurde der Hof des Herzogs der Bretagne aufs Neue der Sammelplatz der unzufriedenen französischen Adeligen, des Herzogs Ludwig von Orléans, Grafen Dunois und anderer, welche den Feudalismus vor der Unterdrückung durch die königliche Gewalt zu retten suchten. Durch die Niederlage in der Schlacht bei St. Aubin am 28. Juli 1488 (→ Guerre folle) verlor die Bretagne ihre bis dahin behauptete Unabhängigkeit. Franz II. musste im Vertrag von Sablé am 20. August 1488 sich von aller Verbindung mit den Feinden des französischen Königs lossagen und versprach, seine Töchter nicht ohne Einwilligung des französischen Königs zu vermählen. Kurz darauf, am 9. September 1488, starb Franz II. Mit zwölf Jahren wurde Anne Herzogin der Bretagne. Die Regentschaft für die minderjährige Anne übernahmen Marschall de Rieux, ihre Gouvernante Madame de Dinan-Laval und ein Halbbruder von Franz II., Alain d’Albret. Am 10. Februar 1489 wurde Anne als Herzogin der Bretagne in der Kathedrale von Rennes inthronisiert. Am 22. Juli 1489 wurde sie von König Karl VIII. und Maximilian I. als legitime Herrscherin der Bretagne offiziell anerkannt. Ehe mit Maximilian I. Im Dezember 1490 schloss der damalige römisch-deutsche König und spätere Kaiser Maximilian I., ein 31-jähriger Witwer, mit der knapp 14-jährigen Waise die Ehe per procurationem. Am 19. Dezember 1490 fand die Trauung in der Kathedrale von Rennes statt. Stellvertretend für Maximilian stand Wolfgang Freiherr von Polheim an der Seite von Anne. Da die Einwilligung des französischen Königs zu der Heirat nicht eingeholt worden war, wie im Vertrag von Sablé festgelegt, protestierte Karl VIII. offiziell gegen die Eheschließung. Am 20. März 1491 marschierten französische Truppen in Nantes ein. Auch in Rennes lebten Anne und ihr Hof unter Hausarrest, da Frankreich alle Handelswege in und aus der Bretagne kontrollierte. Da Annes Ehe mit Maximilian nie vollzogen worden war und ihr Ehemann ihr weder Geld noch Truppen schickte, um sich gegen die Übermacht aus Frankreich zu wehren, stimmte Anne einem Treffen mit Karl VIII. zu, um über ihre Ehe mit Maximilian zu verhandeln. Nur drei Tage nach dem Treffen zwischen Anne und Karl VIII., am 19. November 1491,[2] fand ihre heimliche Verlobung in der Kathedrale von Rennes statt. Am 23. November, kurz vor der Abreise von Anne und ihrem Hofstaat zum Ort der Hochzeit mit Karl VIII. nach Langeais, übergab man Polheim ein Schreiben, das Maximilian I. darüber informierte, dass Anne am 6. Dezember 1491 den französischen König heiraten werde und ihn als König von Rom zur Hochzeit einlade. Ehe mit Karl VIII. Die Situation für Maximilian war nun doppelt prekär. Im Mai 1483 hatte Karl VIII. bereits Maximilians dreijährige Tochter Margarete von Österreich aus dessen Ehe mit Maria von Burgund geheiratet. Durch die Hochzeit zwischen Karl VIII. und Anne dde Bretagne verlor Maximilian nun seine Frau an seinen eigenen Schwiegersohn und den Ehemann für seine Tochter. Obwohl Maximilian Protest gegen die Ehe des französischen Königs einlegte und auch kein päpstliches Dispens[3] vorlag, das beide zuvor geschlossenen Ehen auflöste, fand die Trauung zwischen Anne und Karl VIII. statt. Mit dieser Hochzeit wurde Anne Königin von Frankreich und die Bretagne verlor ihre Selbständigkeit. Im Ehevertrag wurde die Nachfolge, unter welchen Bedingungen die Bretagne für immer ein Teil Frankreichs würde, geregelt. Sollte Karl VIII. vor AAnne sterben, fiele die Bretagne wieder an Anne zurück. Eine Wiederverheiratung von Anne käme nur mit dem neuen König von Frankreich in Frage, falls dieser in eine Verbindung mit ihr einwilligen würde. Stürbe Anne, erlösche die Unabhängigkeit der Bretagne für immer. Mit diesem Schritt in die Abhängigkeit Frankreichs wollte Anne befürchtete Unruhen und blutige Auseinandersetzungen der bretonischen Adeligen für ihr Land vermeiden, das weitgehend isoliert keinen europäischen Bündnispartner finden konnte. Am 8. Februar 1492 wurde Anne in der Kathedrale von St. Denis zur französischen Königin gekrönt. Der Erzbischof von Bordeaux vollzog das Krönungsritual. Kurz nach der Krönung zog der Hofstaat nach Paris, wo Anne das erste Mal auf Margarete von Österreich, die ehemalige Kinderbraut ihres neuen Mannes traf. Erst am 13. Juni 1493 reiste Margarete zurück zu ihrem Vater, der sie 1497 an den Infanten von Spanien verheiratete. Annes erstes Kind, der Dauphin von Frankreich, wurde am 10. Oktober 1492 geboren. Aus Gründen der Verehrung für Karl den Großen wollte Karl VIII. seinen Erstgeborenen nach dem Lieblingsneffen von Karl dem Großen Roland nennen. Man einigte sich aauf einen Kompromiss und nannte den Thronfolger gemäß der Tradition der französischen Könige Karl-Orland. Bereits drei Jahre später – bis heute ist unsicher, ob am 6.[4] oder 16. Dezember 1495 – starb der kleine Dauphin. Auch der am 8. September 1496 geborene Sohn starb nach nur einem Monat. Die Gräber aller sechs früh gestorbenen Kinder von Anne und Karl VIII. sind in einer gesonderten Kapelle in der Kathedrale von Tours zu sehen. Erst 27 Jahre alt, starb Karl VIII. am 7. April 1498 bei einem Unfall auf Schloss Amboise. Während eines Festes stieß er seinen Kopf so unglücklich an einen Türsturz, dass er durch eine Hirnblutung starb. Ludwig von Orléans, als Cousin des Verstorbenen und nach der Erbfolgeregel sein Nachfolger, wurde nun als Ludwig XII. König von Frankreich. Gemäß der Tradition schloss sich Anne vierzig Tage in ihre Gemächer auf Schloss Amboise zur Trauer ein. Ehe mit Ludwig XII. Nach der Krönung zum französischen König am 27. Mai 1498 in Reims wurde Ludwig XII. auch zum König von Sizilien, Apulien, Kalabrien und Neapel, zum König von Jerusalem und zum Herzog von Mailand ausgerufen. Ludwig war seit dem 8. September 1476 mit Johanna von Frankreich verheiratet. Da die Ehe kinderlos war, begann Ludwig bereits kurz nach dem Tod seines Cousins erste Gespräche mit Papst Alexander VI. zu führen, um eine Annullierung seiner Ehe in die Wege zu leiten, um die Witwe seines Cousins heiraten zu können. Am 10. August 1498 berief Papst Alexander VI. eine Kommission aus einem Kardinal und zwei Bischöfen ein, die die Annullierung der Ehe zwischen Johanna von Frankreich und Ludwig XII. prüfen sollte. Die päpstliche Kommission, bestehend aus Fernando de Almeida o Coutinho (1493–1499), Louis d’Amboise und Philipp von Luxemburg, reiste nach Frankreich und lud Johanna persönlich zu einer Prüfung des Anliegens ihres Mannes vor. Ludwig schwor vor der Kommission, die Ehe nie vollzogen zu haben und von seinem Vater mit Gewalt zur Eheschließung gezwungen worden zu sein. Eine Prüfung ihrer Unberührtheit lehnte Johanna ab und fügte sich schließlich der Entscheidung der Kommission bzw. den Wünschen ihres Mannes. Sie erhielt als Abfindung das Herzogtum Berry mit dem dazugehörigen Titel einer Herzogin. Als Gegenleistung für die Ehescheidung verlangte Alexander VI. die Verheiratung seines Sohnes Cesare Borgia mit einer französischen Prinzessin. Cesare war es auch, der als ehemaliger Kardinal und Sohn des Papstes die päpstliche Bulle nach Frankreich brachte und so die neue Heirat mit Anne offiziell ermöglichte. In Frankreich heiratete er dann Charlotte d’Albret, die Tochter des Herzogs von Guyenne und Schwester des Königs von Navarra. Der neue Ehevertrag zwischen Anne und Ludwig regelte auch die Unabhängigkeit der Bretagne neu. Im Gegensatz zum Vertrag von Langeais erhielt die Bretagne einige Freiheiten zurück. Auch die Nachfolge der Herzöge der Bretagne wurde neu geregelt. Der erstgeborene Sohn von Anne und Ludwig würde Dauphin von Frankreich, während der Zweitgeborene Sohn die Bretagne erben würde. Sollte die Ehe kinderlos bleiben, würde Ludwig als Regent bis zu seinem Tod über die Bretagne regieren. Nach seinem TTod würde die Bretagne an die Nachkommen von Anne fallen und als selbständiges Herzogtum weiter bestehen. Am 8. Januar 1499 wurde das Paar in der Schlosskapelle von Nantes getraut. Anne war zu dieser Zeit erst seit neun Monaten Witwe und Johanna von Frankreich erst seit drei Wochen von Ludwig XII. geschieden. Am 14. Oktober 1499 brachte Anne ein gesundes Mädchen zu Welt, das auf den Namen Claude getauft wurde. Claude heiratete 1514 Franz von Angoulême, den späteren König Franz I. von Frankreich, und wurde später Mutter des Königs Heinrich II. Zu Beginn des Jahres 1503 wurde Anne von einem Sohn entbunden, den sie Franz nannte und der kurz nach der Taufe starb. In der Kathedrale von St. Denis wurde Anne am 18. November 1504 zum zweiten Mal zur Königin von Frankreich gekrönt. Die Heirat zwischen Claude und Franz von Angoulême wurde Anfang des Jahres 1505 durch Ludwig XII. bereits testamentarisch festgelegt. Die offizielle Verlobung zwischen den Kindern im Alter von fünf und zwölf Jahren fand am 22. Mai 1506 im Schloss von Plessis-lès-Tours statt. Am 25. Oktober 1510 brachte Anne in Blois wieder ein gesundes Kind zu Welt. Das Mädchen wurde auf den Namen Renée getauft. Renée heiratete später den Herzog von Ferrara, Ercole II. d’Este, einen Sohn der Lucrezia Borgia. Anfang 1512 brachte Anne einen weiteren Sohn auf die Welt, der nicht lebensfähig war. Letzte Tage und Tod Im Winter 1513/14 erkrankte Anne ernsthaft. Laut Jurewitz-Freischmidt soll sie an Harngrieß gelitten haben.[5] Nach einer dritten Kolik konnte Anne ihre Krankheit nicht mehr verbergen und beschäftigte sich ab dieser Zeit unablässig mit ihrer Nachfolge. In ihrem Testament verfügte sie, dass ihr Herz in der Krypta der Kathedrale von Nantes, in der Nähe der Grabstätte ihrer Eltern beigesetzt werden sollte. Am 9. Januar 1514 um 6 Uhr morgens starb Anne de Bretagne in Blois. Erst am 4. Februar 1514 brach der Trauerzug nach Paris auf, wo er am 12. Februar ankam. Ihr Leib wurde in der Grablege der französischen Könige, der Kathedrale von Saint-Denis, beigesetzt, ihr Herz in Nantes. Bei der Plünderung der Königsgräber von Saint-Denis während der Französischen Revolution wurde ihr Grab am 18. Oktober 1793 geöffnet und geplündert, ihre Überreste wurden in einem Massengrab außerhalb der Kirche beerdigt. Ludwig XII. starb etwas über ein Jahr nach seiner Frau, in der Nacht vom 31. Dezember 1514 auf den 1. Januar 1515, knapp drei Monate nach der Hochzeit mit der 37 Jahre jüngeren Maria Tudor. Nachkommen Kinder[6] aus der Ehe mit Karl VIII. (1470–1498) von Frankreich: • Charles Orland (* 10. Oktober 1492; † 6.[4] Dezember 1495), • François (*/† 1493), • eine Tochter (*/† 1495), • Charles (* 8. September 1496; † 2. Oktober 1496), • François (*/† 1497), • Anne (*/† 1498). Kinder[6] aus der Ehe mit Ludwig XII. (1462–1515) von Frankreich: • Claude de France (* 14. Oktober 1499; † 20. Juli 1524) ⚭ 1514 Franz von Angoulême, ab 1515 König Franz I. von Frankreich • ein Sohn (*/† 1503) • ein Sohn (*/† 1508) • Renée de France (* 25. Oktober 1510; † Juni 1575) ⚭ 1528 Ercole II. d’Este, Sohn der Lucrezia Borgia • ein Sohn (*/† 1512). Siehe auch • Stundenbuch der Anne de Bretagne • Fibel der Claude von Frankreich Literatur • Constantin von Wurzbach: Habsburg, Anna von Bretagne. Nr. 23. In: Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich. 6. Theil. Kaiserlich-königliche Hof- und Staatsdruckerei, Wien 1860, S. 150 (Digitalisat). • Sylvia Jurewitz-Freischmidt: Die Herrinnen der Loire-Schlösser. Königinnen und Maitressen um den Lilienthron. Piper, München 2003, ISBN 3-492-23805-X. Weblinks Commons: Anne de Bretagne – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien • genealogie-mittelalter.de • Tripota – Trierer Porträtdatenbank Einzelnachweise 1 Manfred Hollegger: Maximilian I., Kohlhammer-Urban. Stuttgart, 2005, ISBN 3-17-015557-1. 2 Sylvia Jutrewitz-Freischmidt: Die Herrinnen der Loire-Schlösser. S. 92. 3 Das päpstliche Dispens traf erst mehr als ein Jahr später ein. 4 Sylvia Jurewitz-Freischmidt: Die Herrinnen der Loire-Schlösser. S. 119. 5 Sylvia Jurewitz-Freischmidt: Die Herrinnen der Loire-Schlösser. S. 154 f. 6 Sylvia Jurewitz-Freischmidt: Die Herrinnen der Loire-Schlösser. S. 485. | von der Bretagne, Herzogin Anne (I9294)
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| 33537 | https://de.wikipedia.org/wiki/Anne_de_Foix-Candale Anne de Foix-Candale (* 1484; † 26. Juli 1506 in Ofen) war eine französische Gräfin aus dem Haus Grailly und durch Heirat Königin von Böhmen und Ungarn. Leben Anne war eine Tochter des Grafen Gaston II. de Foix-Candale und dessen ersten Ehefrau Catharine, die wiederum eine Tochter des Grafen Gaston IV. von Foix und der Königin Eleonore von Navarra war. Sie entstammte väterlicherseits einer Nebenlinie des Hauses Grailly, welches zu Beginn des 15. Jahrhunderts in den Besitz der Grafschaft Foix gelangte. Annes Mutter entstammte der Hauptlinie der Graillys, welche diese Grafschaft innehatte und war demzufolge eine Cousine von Annes Vater. Nach dem Tod ihres Vaters 1500 fand Anne Aufnahme am Hof des Königs Ludwig XII. von Frankreich. Sie war eine Cousine der Königin Anne de Bretagne, die eine Patin Annes war. Auf Wunsch König Ludwigs XII. wurde Anne am 29. September 1502 in Stuhlweißenburg mit König Wladislaw II. von Böhmen und Ungarn, Sohn des polnischen Königs Kasimir IV. Andreas und der Erzherzogin und ungarischen Prinzessin Elisabeth von Habsburg verheiratet. Gleichzeitig wurde sie dort zur Königin von Ungarn gekrönt.[1] Ludwig XII. gab ihr eine Mitgift von 40.000 Dukaten mit in die Ehe. Er beabsichtigte mit dieser Ehe, den Fortbestand der Jagiellonen-Dynastie in Böhmen und Ungarn zu bewahren, um damit den Erbfall des Hauses Habsburg, dem Rivalen Frankreichs um die Vorherrschaft in Europa, in diesen beiden Königreichen zu verhindern. Aus der Ehe gingen zwei Kinder hervor[2] • Anna (* 1503; † 1547), Erbin von Böhmen und Ungarn ∞ 1515 Ferdinand I. (* 1503; † 1564), Erzherzog von Österreich und deutsch-römischer König • Ludwig II. (* 1506; † 1526), letzter König aus dem Geschlecht der Jagiellonen ∞ 1515 Erzherzogin Maria von Österreich (* 1505; † 1558) Königin Anna starb an den Folgen der Geburt ihres Sohnes und wurde erst in Ofen, danach mit ihrem Ehemann 1516 in Stuhlweißenburg bestattet.[3] Aufgrund eines Abkommens ihres Ehemannes mit Kaiser Maximilian I. vom 20. März 1506, welches am 22. Juli 1515 in der Wiener Doppelhochzeit mündete, sollten die Absichten des französischen Königs vereitelt werden. Denn mit dem erbenlosen Tod ihres Sohnes in der Schlacht bei Mohács (1526) sollten die Habsburger über Annes gleichnamige Tochter dennoch in den Besitz der Kronen von Ungarn und Böhmen gelangen, wo sie bis 1918 verblieben. Literatur • Raoul Anthony: Identification et Etude des Ossements des Rois de Navarre inhumés dans la Cathédrale de Lescar, Paris, Masson, 1931 • Lajos Kropf: Anna királyné, II. Ulászló neje (Königin Anne de Foix-Candale, die Gemahlin von Wladislaw II). In: Századok (Fachzeitschrift Jahrhundert) 29. S. 689–709. 1895. Einzelnachweise 1 Siehe Kropf (1895) 2 Königin Anna war niemals in Böhmen, ihre Kinder sind nicht in Prag geboren. 3 Siehe Kropf (1895) Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten] • Foundation for Medieval Genealogy/Navarre Kings Genealogy • Foundation for Medieval Genealogy/Irish Kings & High Kings Genealogy • Foundation for Medieval Genealogy/Wales Genealogy • Seigneurs de Grailly Généalogie (PDF-Datei; 268 kB) • Foix-Grailly Généalogie • Foundation for Medieval Genealogy/Foix Genealogy • Foundation for Medieval Genealogy/De La Pole Genealogy • Euweb/Albret Genealogy • Euweb/Foix-Grailly Genealogy | von Foix (von Candale), Gräfin Anne (I9409)
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| 33538 | https://de.wikipedia.org/wiki/Anne_Neville Anne Neville (* 11. Juni 1456 in Warwick Castle; † 16. März 1485 in Westminster (London)) war als Gemahlin Richards III. von 1483-85 englische Königin. Leben Abstammung, Jugend und Heirat mit Edward, Prince of Wales Anne Neville war die jüngere Tochter von Richard Neville, 16. Earl of Warwick, und Anne Beauchamp. Sie wurde im College of Saint Mary, Warwick, getauft. Ihr Vater war einer der mächtigsten Adligen Englands und der bedeutendste Unterstützer des Hauses York. Ihre Schwester Isabella Neville war fünf Jahre älter als sie und das einzige weitere Kind ihres Vaters. Damit konnten die Schwestern ein beträchtliches Erbe erwarten.[1][2] In ihrer frühen Kindheit lebte Anne wahrscheinlich hauptsächlich in Warwick und in den 1460er Jahren außer in Warwick wohl auch zeitweise in nördlicher gelegenen Burgen ihres Vaters. 1461, als sie erst fünf Jahre alt war, wurde König Heinrich VI. abgesetzt und Eduard IV. mit Hilfe ihres Vaters zum neuen König gekrönt. Zwei Jahre später, 1463, nahm sie an der erneuten Beisetzung ihres Großvaters Richard Neville, 5. Earl of Salisbury († 1460), in der Bisham Abbey teil. 1466 war sie gemeinsam mit ihrer Schwester bei der Amtseinführung ihres Onkels George Neville als Erzbischof von York anwesend, wobei ihr späterer Ehemann Richard, damals Herzog von Gloucester, beim anschließenden Bankett am oberen Ende der Tafel Platz nahm. Schließlich beteiligte sich Anne auch 1468 am Hochzeitsfest Margaretas von York.[1] [2] Laut dem burgundischen Geschichtsschreiber Jean de Wavrin wollte der „Königsmacher“, wie Annes ehrgeiziger Vater genannt wurde, schon 1464 seine beiden Töchter mit jüngeren Brüdern Eduards IV., nämlich mit George, Herzog von Clarence und Richard, Herzog von Gloucester, verheiraten, was der König indessen ablehnte.[1] Seit der Heirat Eduards IV. mit Elisabeth Woodville sah der Earl von Warwick außerdem seinen Einfluss am Hof zunehmend schwinden. Er intrigierte daraufhin 1469 gegen den König und gewann dessen jüngeren Bruder George, Herzog von Clarence als Verbündeten. Zunächst zog er sich nach Calais zurück, welcher Stadt er als Gouverneur vorstand, und verheiratete dort am 11. Juli 1469 seine Tochter Isabella mit Clarence. Bald danach kehrten die beiden Adligen nach England zurück. Warwicks Parteigänger Robin of Redesdale besiegte in der Schlacht von Edgecote Moor am 26. Juli 1469 ein königstreues Aufgebot und Eduard IV. selbst geriet in die Hände von Warwicks Anhängern. Nach einer oberflächlichen Versöhnung der Streitparteien stifteten Warwick und Clarence Anfang 1470 in Lincolnshire eine neue Erhebung gegen den König an, doch ihre Truppen erlitten in der Schlacht von Losecote Field (12. März 1470) eine NNiederlage. So mussten die beiden Magnaten mit ihren Gattinnen ebenso wie Warwicks Tochter Anne Ende April 1470 nach Frankreich fliehen, wobei Clarence Gattin Isabella während der Überfahrt über den Ärmelkanal an Bord des Schiffs eine bald darauf verstorbene Tochter gebar. Die flüchtigen Adligen konnten aber nicht in Calais landen, wo ihnen Warwicks eigener Stellvertreter die Aufnahme verweigerte, sondern erst in Dieppe, und sie wurden vom französischen König Ludwig XI. wohlwollend empfangen.[2] [3] Ludwig XI. bemühte sich, die exilierte Margarete von Anjou mit Warwick, der 1461 den Sturz von Margaretes Gemahl Heinrich VI. herbeigeführt hatte, auszusöhnen und eine aus Warwick, Clarence und dem Haus Lancaster bestehende Koalition gegen König Eduard IV. zustande zu bringen. Letzterer sollte gestürzt und die Lancaster-Herrschaft in England wiederhergestellt werden. Die Anstrengungen des französischen Königs waren erfolgreich. Im Vertrag von Angers stimmte Margarete von Anjou zu, Warwick zu verzeihen, wofür sich Warwick verpflichtete, für die Interessen Heinrichs VI. zu kämpfen; und Ludwig XI. gab die Zusage, beide mit allen ihm zu Verfügung stehenden Mitteln zu unterstützen. Außerdem wurde vereinbart, dass nach der angestrebten Wiedereinsetzung Heinrichs VI. als englischer König dessen einziger Sohn Edward, Prince of Wales mit Warwicks Tochter Anne vermählt werden sollte. Würde diese Ehe erbenlos bleiben, käme Clarence an die Macht. Einstweilen wurden Anne und Edward am 25. Juli 1470 in der Kathedrale von Angers verlobt. Die von Warwick und Clarence eingeleitete Invasion Englands verlief für sie nach Plan; Eduard IV. floh Anfang Oktober 1470 zu seinem Schwager Karl den Kühnen nach Burgund und Heinrich VI. gelangte erneut auf den Thron.[2] [4] Anne und Edward feierten etwa am 13. Dezember 1470 ihre Hochzeit in Bayeux, besuchten Paris und schlossen sich dann in der Normandie Margarete von Anjou an, um mit dieser nach England überzusetzen.[1] Nachdem stürmisches Wetter ihre Einschiffung 17 Tage lang verhindert hatte, segelten sie über den Ärmelkanal und landeten am Abend des Ostersonntags (14. April 1471) in Weymouth. Doch am gleichen Tag hatte Eduard IV., der vom Herzog von Burgund Unterstützung erhalten hatte und nach Englaland zurückgekehrt war, in der Schlacht von Barnet einen entscheidenden Sieg über seine Widersacher errungen. Warwick war auf der Flucht getötet worden, Heinrich VI. wieder Gefangener und Clarence hatte sich mit seinem Bruder Eduard IV. versöhntt. Margarete von York suchte sich mit ihren Truppen nach Wales zurückzuziehen, wurde aber von der Armee Eduards IV. eingeholt und in der Schlacht von Tewkesbury (4. Mai 1471) besiegt. Anne geriet in Gefangenschaft, ihr Gatte Edward kam ums Leben. Eduard IV. war hingegen wieder unbestrittener König Englands und gab wohl den Befehl zur am 21. Mai 1471 erfolgten Ermordung Heinrichs VI. im Tower of London.[5][4] Heirat mit Herzog Richard von Gloucester, dem späteren König Richard III. Nach der Schlacht von Tewkesbury wurde die mit erst knapp 15 Jahren verwitwete Anne Neville anfangs nach Coventry gebracht. Der Herzog von Clarence nahm sie dann in London in seine Obhut, während ihre Mutter Anne Beauchamp in der Beaulieu Abbey Kirchenasyl suchte. In der Folge beanspruchte Clarence über seine Ehe mit Isabella nahezu das gesamte Erbe Warwicks, nämlich dessen riesigen Besitzungen und Einkünfte, und er wollte Anne und deren Mutter ihren Anteil am Familienerbe vorenthaltten. Deshalb stellte er sich auch den Bemühungen seines Bruders Richard, Herzog von Gloucester, entgegen, Anne zu ehelichen, da diese dann leichter ihr Erbteil hätte einfordern können. Laut dem Fortsetzer der Crowland Chronicle soll Clarence Anne sogar veranlasst haben, in der Verkleidung eines Küchenmädchens in London versteckt zu leben. Gloucester fand sie aber und brachte sie in die Kirche von St Martin’s-le-Grand, London. Der Streit der Brüder kam vor einen königlichen Rat. Clarence gestand zu, dass Gloucester seine Schwägerin zur Gemahlin nehmen dürfe, doch sollten sie fast gar nicht an Warwicks Hinterlassenschaft beteiligt werden. Um die Zustimmung seines Bruders Clarence zur Heirat zu erhalten, verzichtete Gloucester sschließlich auf den Großteil von Warwicks Besitztümern, so etwa auf die Grafschaften Warwick und Salisbury. Im März 1472 kam es zur vorläufigen Einigung. 1474/75 setzten zwei vom Parlament verabschiedete Gesetze die Rechte von Annes Mutter sowie ihres Cousins George Neville außer Kraft und erklärten Anne und Isabella zu Alleinerbinnen. Deren Ehemänner konnten nun in die gesamten Besitzungen Warwicks eintreten sowie in jene Güter der Familie Beauchamp, die Annes Mutter durch ihre Erbschaft in die Ehe mit Warwick eingebracht hatte.[1] [6] Das genaue Hochzeitsdatum von Anne und Richard von Gloucester ist unbekannt. Meist wird angenommen, dass das Paar im Frühling 1472 heiratete, doch lässt sich mit Sicherheit nur sagen, dass seine Hochzeit vor dem Juli 1474 stattfand. Anscheinend wurde auch nicht um eine päpstliche Dispens zur Legitimierung der Ehe angesucht. Nach ihrer Heirat trug Anne den Titel einer Herzogin von Gloucester. Sie hatte Ländereien in Wales sowie nordenglische Besitzungen ihres Vaters geerbt und residierte mit ihrem zweiten Gemahl meist in Middleham Castle, Yorkshire, und benachbarten Burgen, denn Richards Machtbasis lag im Norden des Landes.[1] Die Ehe scheint nach zeitgenössischen Zeugnissen glücklich verlaufen zu sein.[7] Vielleicht 1473, wahrscheinlicher aber erst 1476 brachte Anne ihren Sohn Edward zur Welt, und möglicherweise hatte sie noch einen zweiten Sohn namens George. 1476 wurde sie als Ordensschwester des Priorats der Durham Cathedral zugelassen.[1] Drei Jahre zuvor, 1473, war Annes Mutter nach dem Verlassen ihres Kirchenasyls nach Middleham gekommen und in den Haushalt ihrer Tochter aufgenommen worden. Königin und Tod Nachdem König Eduard IV. am 9, April 1483 überraschend gestorben war, usurpierte der Herzog von Gloucester am 26. Juni 1483 als König Richard III. den Thron, sodass Anne nun Königin von England wurde. Am 6. Juli 1483 wurde Anne gemeinsam mit ihrem Mann in der Westminster Abbey durch den Erzbischof von Canterbury, Thomas Bourchier, gekrönt.[6] Es handelte sich um die erste gemeinsame Krönung seit 175 Jahren. Die Schleppe der Königin trug Margaret Beaufort, Gräfin von Richmond, deren Sohn der spätere König Heinrich VII. war. Viele Adlige waren bei der prächtigen Zeremonie anwesend. Bald darauf verließ Richard III. Windsor und begab sich auf seine Rundreise, die ihn zuerst in den Westen Englands führte. Anne schloss sich ihm in Warwick wieder an und begleitete ihn nach York, das in den letzten Jahrzehnten zur zweiten Hauptstadt Englands aufgestiegen war. Die Einwohner Yorks bereiteten dem Königspaar einen begeisterten Empfang. Richard III. hielt sich nun mit seiner Familie ab dem 30. August 1483 einige Tage in der Stadt auf und ernannte seinen Sohn Edward am folgegenden 8. September zum Prince of Wales. Bei dieser Gelegenheit spazierten der König und Anne mit Kronen auf ihren Häuptern in feierlicher Prozession durch die Straßen, und die damaligen prächtigen Feierlichkeiten in York wurden mit einer zweiten Krönung Richards verglichen.[6] [8] Im nächsten Jahr 1484 reiste Anne wieder mit ihrem Gemahl nach York. Anne stand auf gutem Fuß mit ihrer Schwiegermutter Cecily Neville, Herzogin von York, mit der sie über religiöse Werke wie jene von Mechthild von Hackeborn diskutierte.[9] Wohl auf Grund ihres schlechten Gesundheitszustands scheint sie eine ziemlich unbedeutende Rolle als Königin gespielt zu haben. Zwar hatte sie ihren eigenen Haushalt, aber offenbar keine sonst für Königinnen üblichen Witwenländer. Sie dürfte nicht einmal über ihr eigenes Erbe verfügt haben, das von königlichen Beamten verwaltet wurde. Auch erscheint ihr Name selten in Kanzleivermerken.[10] Als sich Anne mit ihrem Gemahl in Nottingham aufhielt, starb plötzlich ihr erst im Kindesalter stehender Sohn Edward am 9. April 1484 in Middleham. Sein Tod traf Anne schwer, ebenso den König, der nun ohne Erben dastand. Anne bekam kein weiteres Kind, und es tauchten Gerüchte auf, dass Richard III. sie verstoßen und eine neue Ehe mit seiner Nichte Elisabeth von York, einer Tochter Eduards IV., eingehen wolle.[10] [11] Nicht einmal ein Jahr nach dem Tod ihres Sohnes verschied auch Anne am 16. März 1485, an welchem Tag eine Sonnenfinsternis auftrat, im Alter von nur 28 Jahren in Westminster, London. Sie war schon länger kränklich und starb wahrscheinlich an Tuberkulose. Gegner Richards III. behaupteten allerdings, dass der König seine Gemahlin vergiftet habe. Am 30. März 1485 bestritt Richard III. in London öffentlich, dass er je die Absicht gehabt habe, Elisabeth von York zu ehelichen.[10] [11] Der Leichnam der verstorbenen Königin, die der mit ihr bekannte Historiker John Rous als schön, liebenswürdig und tugendhaft beschrieb, wurde in der Westminster Abbey in einem anonymen Grab rechts des Hochaltars beigesetzt.[12] Literatur • Amy Licence: Anne Neville, Richard III’'s Tragic Queen, 2013, ISBN 978-1-4456-1153-2. • Michael Hicks: Anne Neville, Queen to Richard III. Tempus Publishing, Stroud, Gloucestershire, 2006, ISBN 0-7524-3663-5. • Michael Hicks: Anne Neville. In: Oxford Dictionary of National Biography (ODNB). Bd. 2 (2004), S. 180 f. • Michael Hicks: Richard III. Tempus Publishing, Stroud, Gloucestershire, 2000, ISBN 0-7524-2589-7. • Paul M. Kendall: Richard III. Callwey, München, 1980, ISBN 3-7667-0520-2. • James Gairdner: Anne. In: Dictionary of National Biography (DNB). Bd. 1 (1885), S. 423-425. Weblinks Commons: Anne Neville – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien • Lady Anne Beauchamp Neville auf thepeerage.com, abgerufen am 21. Juli 2015 (englisch) Anmerkungen 1 Michael Hicks, Oxford Dictionary of National Biography, Bd. 2 (2004), S. 180. 2 James Gairdner,.Dictionary of National Biography, Bd. 1 (1885), S. 423. 3 Karl-Friedrich Krieger: Geschichte Englands I. C. H. Beck, 2. Auflage München 1996, ISBN 3-406-33004-5, S. 227 f. 4 Karl-Friedrich Krieger, Geschichte Englands I, S. 228. 5 James Gairdner,.Dictionary of National Biography, Bd. 1 (1885), S. 423 f. 6 James Gairdner,.Dictionary of National Biography, Bd. 1 (1885), S. 424. 7 Bärbel Brodt: Das Haus York und die Rosenkriege. In: Hanna Vollrath, Natalie Fryde (Hrsg.): Die englischen Könige im Mittelalter. C. H. Beck, 2. Auflage 2009, ISBN 978-3-406-58982-9, S. 210. 8 Bärbel Brodt, in: Die englischen Könige im Mittelalter, S. 220. 9 Lisa Hilton: Queens Consort, England’s Medieval Queens. Weidenfeld & Nichelson, 2008, ISBN 978-0-7538-2611-9, S. 456. 10 Michael Hicks, Oxford Dictionary of National Biography, Bd. 2 (2004), S. 181. 11 James Gairdner,.Dictionary of National Biography, Bd. 1 (1885), S. 425. 12 Anne Neville, wife of Richard III, auf Westminster-abbey.org. | Neville, Anna (I8915)
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| 33539 | https://de.wikipedia.org/wiki/Anne_Neville,_16._Countess_of_Warwick Anne Neville (geb. Anne Beauchamp; * 1426; † 1492) war die Tochter von Richard Beauchamp, 13. Earl of Warwick, und Isabel le Despenser, 5. Baroness Burghersh. Verwandtschaft, Ehe und Kinder Anne war die Schwester von Henry de Beauchamp, 1. Duke of Warwick. Nachdem 1439 ihr Vater, 1445 ihr Bruder und 1448/49 auch ihre Nichte starben, trat sie deren Erbe an und erbte so zudem den damit verbundenen Titel, den nun ihr Ehemann Richard Neville de iure uxoris führte. Aus der Ehe gingen zwei Töchter hervor: Isabella und Anne, die ihr Vater mit den Brüdern Eduards IV., George Plantagenet, 1. Duke of Clarence, und Richard, Duke of Gloucester, verheiraten wollte. Da Warwick entscheidend an der Thronbesteigung Eduards IV. mitgewirkt hatte, führte die Weigerung des Königs, diese Ehen zu genehmigen, mit anderen schwerwiegenden Verwerfungen zum endgültigen Bruch zwischen Warwick und Eduard IV. Anne und die beiden Kinder begleiteten ihn 1469 ins Exil nach Frankreich. Isabella ehelichte den ebenfalls abgefallenen Duke of Clarence im gleichen Jahr, die jüngere Tochter wurde mit Edward of Westminster, dem Sohn von Heinrich VI., verheiratet. Der Untergang des Hauses Neville Nach der kurzen Restauration des Königshauses Lancaster 1470/71 lief zunächst Annes Schwiegersohn George Plantagenet, 1. Duke of Clarence, zu Eduard IV. über, anschließend fiel ihr Mann in der Schlacht von Barnet. Ihr zweiter Schwiegersohn Edward of Westminster starb in der entscheidenden Schlacht von Tewkesbury. Anne floh daraufhin ins Kirchenasyl in Beaulieu Abbey. In der Folge wurden ihr die Güter der Familie Beauchamp, die sie durch ihre Erbschaft in die Ehe eingebracht hatte, entzogen. Plantagenet okkupierte die verfallenen Besitztümer der Familie Neville und forderte im Namen seiner Frau auch die Rechte an den Besitztümern seiner Schwiegermutter. Ihm erwuchs ein Kontrahent durch seinen Bruder Richard, Duke of Gloucester, der 1472 Annes gleichnamige Tochter (Anne Neville) heiratete, so dass nun zwei Brüder, gemeinsam mit zwei Schwestern, gegeneinander Ansprüche auf die Güter ihrer noch lebenden Mutter und Schwiegermutter erhoben. Vergeblicher Kampf um ihr Eigentum Anne durfte das Kirchenasyl nicht verlassen und wandte sich mit Petitionen an den König, die Königin Elizabeth Woodville, die Mutter des Königs, Cecily Neville, die Mutter der Königin, Jacquetta von Luxemburg, die älteste Tochter des Königs, Elizabeth of York, die Schwestern des Königs, Anne Plantagenet, Duchess of Exeter, und Elisabeth, Duchess of Suffolk, sowie weitere führende Damen des Königreiches[1]. Sie hoffte, Fürsprache bei einigen der Angeschriebenen zu erhalten, da beispielsweise Cecily Neville, Jacquetta von Luxemburg und Anne Plantagenet alle selbst nach dem Tod oder der Enteignung ihrer Ehemänner um den Erhalt ihrer Güter ringen mussten. Doch sie gewann keine entscheidende Unterstützung, auch wenn sie 1473 vom Kirchenasyl nach Middleham, ehemals Besitztum der Nevilles und nun Eigentum des Duke of Gloucester, überführt wurde. Auch ihre Petitionen an das Parlament blieben erfolglos, und im Mai 1474 erklärte dasselbe, es sei so zu verfahren, also ob die Gräfin gestorben sei (... as if the said Countess were now naturally dead).[2] Annes Erbschaft wurde nun endgültig zwischen ihren Schwiegersöhnen aufgeteilt. 1484 ist ein Jahresbetrag von ₤80 an Anne nachgewiesen[3]. Sie scheint zu dieser Zeit nicht mehr in Gefangenschaft gewesen zu sein, wobei ihr Geld nicht von einem ihrer früheren Güter kam, sondern aus dem Umfeld Richards III. Anne heiratete nicht mehr, überlebte ihre Töchter und Schwiegersöhne sowie mehrere Enkelkinder. Sie starb im Alter von 66 Jahren. Der Titel ging auf ihren Enkel Edward über. Nachkommen • Isabella Neville (* 5. September 1451; † 22. Dezember 1476) ∞George Plantagenet, 1. Duke of Clarence • Anne Neville (* 11. Juni 1456; † 16. März 1485) 1 ∞ Edward of Westminster, 2 ∞ Richard III. Quellen 1 History of the Life and Times of Richard III, J. Gairdner, Cambridge, 1898, 22 2 Rotuli Parliamentorum, (6 Bände Record Commission, 1832), v und vi 3 British Library Harleian Manuscript 433, Herausgeber P. W. Hammond und R. E. Horrox (4 Bände), Upminster, 1979-1983, i.171, 192; iii.155 Literatur • Michael Hicks: Anne Neville, Queen to Richard III, Tempus Publishing Limited, Stroud, Gloucestershire 2006, ISBN 0-7524-3663-5 • Michael Hicks: Richard III and his Rivals: Magnates and Their Motives during the Wars of the Roses. Hambledon, London 1991, ISBN 1-85285-053-1 | de Beauchamp, Anne (I8950)
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| 33540 | https://de.wikipedia.org/wiki/Ansegisel Ansegisel heiratete Begga, die Tochter des austrischen Hausmeiers Pippin des Älteren, und führte damit Macht und Reichtum seiner Familie, der Arnulfinger, und der Familie seiner Frau, der Pippiniden, zusammen, nachdem die Bündnisse der beiden Grruppen in der Vergangenheit den merowingischen Königen bereits erhebliche Probleme und Nachteile eingebracht hatten. Ansegisel wurde um 662 den Titel eines domesticus erwähnt, wurde aber vor 679 von seinen Feinden erschlagen. Seine Grabstätte ist nicht bekannt. Ansegisel und Begga hatten einen Sohn, Pippin den Mittleren, der die Machtübernahme faktisch zu Ende führte, bevor sie von dessen Enkel, Pippin dem Jüngeren, mit dem Königstitel auch nach außen dokumentiert wurde. Nach Karl Martell, dem Enkel von Ansegisel und Begga, wird die Familie dann Karolinger genannt. Weblinks • genealogie-mittelalter.de • weyer-neustadt.de Einzelnachweise 1 Eduard Hlawitschka: Ansegisel. In: Lexikon des Mittelalters, Band 1, Artemis & Winkler, München/Zürich 1980, Sp. 678 | (Arnulfinger), Ansegisel (I409)
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| 33541 | https://de.wikipedia.org/wiki/Anstrudis_von_Champagne Anstrudis oder auch Adaltrud, war die Gattin des Arnulfinger Drogo, des Herzogs der Champagne und Sohn Pippins des Mittleren. Über ihre Herkunft besteht Unklarheit. Die historischen Quellen bezeichnen sie einerseits als Tochter von Ansfled, der Gattin des fränkischen Hausmeiers Waratto, die in erster Ehe mit Berchar, Warattos Nachfolger als Hausmeier in Neustrien, verheiratet war. In einer Urkunde wird sie aber auch als Tochters Berchars bezeichnet. Einige Historiker schlagen vor, dass Anstrudis aus einer zweiten Ehe der Ansfleda stammen könne und ihr Vater denselben Namen wie ihr erster Gatte gehabt haben könne. Aus der Ehe mit Drogo, die 688 geschlossen wurde, hatte sie vier Kinder: • Hugo, Bischof von Rouen • Arnulf, Herzog (dux) • Pippin, geistlich, vermutlich Mönch • Godefrid, geistlich, vermutlich Mönch | N., Adaltrud (Anstrudis) (I5597)
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| 33542 | https://de.wikipedia.org/wiki/Antoinette_de_Bourbon Antoinette de Bourbon (* 25. Dezember 1493 in Ham; † 22. Januar 1583[1] auf Schloss Le Grand Jardin in Joinville), gelegentlich auch Antoinette de Bourbon-Vendôme genannt, war durch Heirat mit Claude de Lorraine ab 1528 erste Herzogin von Guise. Sie erhielt deshalb den Beinamen «««««««« mère des Guises »»»»»»»» (deutsch: „(Stamm-)Mutter der Guisen“). Familie Herkunft und Ehe Antoinette entstammte dem französischen Adelshaus der Bourbonen und war das zweitjüngste Kind François de Bourbons, Herzog von Vendôme, und seiner Frau Marie de Luxembourg. Sie konnte ihren Stammbaum über Robert de Clermont auf Ludwig den Heiliggen zurückführen und war somit eine entfernte Verwandte des französischen Königs. Über ihre Tochter Marie war sie zudem die Großmutter der schottischen Königin Maria Stuart. Durch ihre Heirat mit Claude de Lorraine gelang es dessen Familie, erste familiäre Verbindungen zum französischen Königshaus zu knüpfen. Das Paar gilt als die Stammeltern des Hauses Guise, das in der Folgezeit zu einem der mächtigsten Adelsgeschlechter Frankreichs aufstieg und dessen Mitglieder während der französischen Religionskriege maßgeblichen Einfluss in der Katholischen Liga ausübten. Nachkommen Aus der Ehe mit Claude de Lorraine gingen zwölf Kinder hervor: • Marie (* 1515; † 1560), ∞ 1) Louis II. d’Orléans-Longueville, 2) Jakob V., König von Schottland • François (* 1519; † 1563), Herzog von Guise, ∞ Anna d’Este • Louise (* 10. Januar 1520; † 18. Oktober 1542), ∞ Charles II. de Croÿ, Fürst von Chimay und Herzog von Aarschot • Renée (* 2. September 1522; † 3. April 1602), Äbtissin von Saint-Pierre-les-Dames in Reims • Charles (* 1524; † 1574), Kardinal und Diplomat • Claude (* 1526; † 1573), Herzog von Aumale, ∞ Louise de Brézé • Louis (* 1527; † 1578), Kardinal • Philippe (* 3. September 1529; † 24. September 1529) • Pierre (* 3. April 1530; † jung) • Antoinette (31. August 1531; † 6. März 1561), Äbtissin in Faremoutiers • François (* 18. April 1534; † 6. März 1563), Großprior der Malteserritter • René (* 1536; † 1566), Marquis von Elbeuf, ∞ 5. Februar 1555 Louise de Rieux, Gräfin von Harcourt Ihr Einfluss innerhalb der Familie Antoinette de Bourbon galt als eigenwillige und energische Person,[2] deren starke Persönlichkeit den Charakter vieler unter ihrer Oberaufsicht in Joinville aufwachsender und von ihr erzogener Mitglieder der Guise-Familie prägte. Sie wurde als außergewöhnliche Frau mit einem trockenen Humor beschrieben[3] und nahm entscheidenden Einfluss auf die religiösen Überzeugungen ihrer Kinder, ihrer Enkel und ihres Mannes.[4] Zu den Schützlingen, die in ihrer Obhut aufwuchsen, zählten zum Beispiel Maria Stuart, Catherine de Clèves, duchesse de Guise, Marie de Lorraine (spätere Äbtissin von Chelles) und Charles I. de Lorraine, duc d’Elbeuf, einer der entschiedensten Gegner des protestantischen Königs Heinrich IV. Familienmitglieder ließen sich gerne von ihr beraten und fragten im Fall von Streitigkeiten bei ihr um Vermittlung an. So baten zum Beispiel François I. de Clèves, Herzog von Nevers, und Antoine III. de Croÿ, Fürst von Porcien, die Herzogin darum, in ihrem Streit um die Grafschaft Beaufort zu schlichten. Leben Von Antoinettes Kindheit ist kaum etwas bekannt. Als sie zwei Jahre alt war, verlor sie ihren Vater, sodass ihr älterer Bruder Charles Familienoberhaupt wurde. Durch ihre Mutter Marie erhielt sie eine „solide Ausbildung“[5] im Sinne des katholischen Glaubens. 1513 begleitete sie Claude de France zu einem Treffen mit deren Verlobten, dem späteren französischen König Franz I., im Pariser Hôtel des Tournelles. Dort traf die 19-jährige zum ersten Mal den rund zwei Jahre jüngeren Claude de Lorraine, Graf von Aumale, der zum Gefolge Franz’ I. gehörte.[6] Nur wenig später sprach Franz I. in Claudes Namen bei Antoinettes Bruder vor, und bat um ihre Hand. Der willigte ein und ermöglichte seiner Schwester damit eine für sie sehr vorteilhafte Verbinndung, denn trotz ihrer edlen Abstammung war sie nicht besonders reich und hatte auch keine sehr hohe Mitgift zu erwarten. Am 9. Juni 1513 wurde der Heiratsvertrag zwischen den beiden unterschrieben. Wenige Tage danach heiratete Antoinette in der Pariser Kirche Saint-Paul.[7] Die sich anschließenden Hochzeitsfestlichkeiten fanden im Hôtel d’Étampes (später Hôtel de Mazarin genannt) statt.[7] Ihre ersten Ehejahre verbrachte Antoinette de Bourbon im Schloss von Bar-le-Duc und verwaltete dieses ab August 1515 allein, weil ihr Mann den französischen König auf dessen Italienfeldzug begleitete. Dort brachte sie in Abwesenheit Claudes im NNovember 1515 ihre Erstgeborene Marie zur Welt. Auch ihr zweites Kind, François, wurde dort geboren. Als sich ihre Schwiegermutter Philippa von Geldern im Dezember 1519 in ein Kloster zurückzog, erfolgte ein Umzug nach Joinville, dessen Schloss, Le Grand Jardin, Philippine bis dato als Residenz genutzt hatte. Antoinettes dortiger Haushalt umfasste nachfolgend mehr als 100 Personen. 1528 erschuf Franz I. für seinen Jugendfreund Claude den Titel eines Herzogs von Guise, der mit einer Pairschaft verbunden war, und erhob Antoinette damit in den Rang einer Herzogin. Bedingt durch Claudes zahlreiche Ämter und Pflichten am Hof, vverbrachte er die meiste Zeit in Paris oder im Gefolge des Königs, sodass Verwaltung und Leitung seiner ausgedehnten Besitzungen Antoinette oblagen. Sie zeigte dabei ein außergewöhnlich großes Talent in administrativen und finanziellen Dingen.[3] All ihre diesbezüglichen Aktivitäten zielten erfolgreich darauf ab, Einfluss und Macht der Guise-Familie in Frankreich zu stärken und auszuweiten. Während der Hugenottenkriege stellte sich die Herzogin auf die Seite ihrer Söhne und unterstützte damit die Katholiken, was gleichzeitig bedeutete, dass sie sich ihre protestantischen Neffen aus dem Haus Bourbon zu Gegnern machte. In religiösen Dingen regierte sie den Familienbesitz mit eiserner Hand und bekämpfte den Calvinismus mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln.[8] Die hugenottische Seite nannte sie angelehnt an ihren Beinamen „la Mere des Tyrans et des ennemis de l’Evangile“[9] (deutsch: „die Mutter der Tyrannen und der Feinde des Evangeliums“). Als ihr Mann im April 1550 starb, folgte Antoinettes Sohn François seinem Vater als Oberhaupt der Guisen. Die administrativen Pflichten verblieben aber vorerst in der Hand der Herzogswitwe, die sich auf das Schloss von Joinville zurückzog und nunur noch selten am Hof in Paris verweilte, weil ihr dessen Ausschweifungen zuwider waren[10]. Dort verbrachte sie einen Gutteil des Tages in ihrem Oratorium mit Gebeten und dem Studium religiöser Schriften[11] und widmete sich der Erziehung ihreer zahlreichen Enkel,[12] von denen viele unter ihrer Aufsicht in Joinville aufwuchsen. Eine weitere Aufgabe bestand für sie darin, in der ersten Hälfte der 1550er Jahre ihre Schwiegertochter Anna d’Este, mit der sie sich ausnehmend gut verstandnd, in die Geschäfte des Familienbesitzes einzuführen.[13] Als diese nach dem Mord an ihrem Mann im Februar 1563 versuchte, den protestantischen Gaspard II. de Coligny dafür zur Verantwortung ziehen zu lassen, wurde sie dabei tatkräftig von ihrer Schwiegermutter unterstützt.[14] Antoinette de Bourbon starb im hohen Alter von 89 Jahren nach einer Krankheit in der Nacht vom 22. auf den 23. Januar 1583 und wurde neben ihrem Mann und ihrem ältesten Sohn François in der Pfarrkirche von Joinville bestattet. Sie hatte alle ihre Kinder – mit Ausnahme der Tochter Renée – überlebt. Soziales und kulturelles Engagement «««««««« Foy montre, espérance monte, charité surmonte »»»»»»»» „Der Glaube weist den Weg, Hoffnung übersteigt ihn, Barmherzigkeit überragt sie alle“ – Devise Antoinette de Bourbons[15] Antoinettes Leben wurde stark von ihrer Religiosität und ihrem katholischen Glauben beeinflusst. Obwohl sie den Protestantismus im Herrschaftsgebiet ihrer Familie ganz energisch und entschieden bekämpfte, war sie zugleich für ihre Mildtätigkeiit und Barmherzigkeit gegenüber den Mitmenschen gleich welcher Konfession bekannt. So ließ sie während der Religionskriege beispielsweise 1700 hugenottische Landsknechte, die dem Hungertod nahe waren, neu einkleiden und mit Proviant versorgen, um sie anschließend unbehelligt in ihre Heimat zurückkehren zu lassen. Während einer Hungersnot verteilte sie selbst Lebensmittel an ihre Untertanen und ließ sich dabei von ihren Enkelinnen unterstützen. Das Volk nannte sie deshalb „la bonne Dame“ (deutsch: „die gute Herrin“). Zahlreiche von ihr initiierte Bauprojekte und Gründungen in und um Joinville basieren ebenfalls auf der Gläubigkeit der Herzogin. So gehen zum Beispiel die Gründung des Benediktinerinnen-Konvents Notre-Dame de Pitié und das Minoritenkloster Sainte-Anne auf sie zurück. Gemeinsam mit ihrem Sohn Charles legte sie den Grundstein für ein Heilig-Kreuz-Hospital, und die prächtige Ausstattung der Joinviller Pfarrkirche Notre-Dame wurde ebenso von ihr finanziert wie die der nicht mehr existenteten Sainte-Chapelle von Dijon[11]. Neben Bauwerken mit religiösem Aspekt kümmerte sich Antoinette de Bourbon aber auch um profane Gebäude, die durch Kriegseinwirkung zerstört oder beschädigt waren. So ließ sie in Joinville eine Markthalle und das Auditoire genannte Gerichtsgebäude errichten. An der Fassade des Hauses zeugt das kombinierte Wappen Guise-Bourbon-Vendôme heute noch von der Bauherrenschaft Antoinettes. Für die Erziehung ihres Enkels Charles I. de Lorraine engagierte sie 1563 den französischen Dichter Rémy Belleau und unterhielt Kontakte mit Pierre de Ronsard, der ihr zu Ehren ein Sonett schrieb: „Pareil plaisir la Mere Phrygienne, Reçoit voyant ses fils auprés de soy, Que tu reçois, ô Mere Guysienne, Voiant tes fils tout à l'entour du Roy.“[16] Antoinettes Interesse an bildender Kunst kam unter anderem dadurch zum Ausdruck, dass sie durch Domenico del Barbieri nach Entwürfen Primaticcios ein monumentales Grabmal in der Kollegiatskirche Saint-Laurent errichten ließ, das fortan als Familiengrablege der Herzöge von Guise fungierte, jedoch während der Französischen Revolution zerstört wurde. Literatur • Hilarion de Coste: Les Eloges et vies des reynes, princesses, dames et damoiselles illustres en piété, courage et doctrine, qui ont fleury de nostre temps, et du temps de nos peres. Band 1. Sébastien et Gabriel Cramoisy, Paris 1647, S. 136–17 (online). • Camille Grand-Dewyse: Le triomphe d’une mater familias. Antoinette de Bourbon, duchesse de Guise, et une plaque émaillée de Léonard Limosin. In: Kathleen Wilson-Chevalier (Hrsg.): Patronnes et mécènes en France à la Renaissance. Publicationse l’Université de Saint-Étienne, Saint-Etienne 2007, ISBN 978-2-86272-443-0 (L’école du genre. Nouvelles recherches. Band 2), S. 419–431. • Mary Monica Maxwell-Scott: Antoinette de Bourbon, Duchesse de Guise. 1494–1583. In: The Month. A catholic magazine. Band 103. Longmans, Green, and Co., London 1904, S. 176–188. • Jessica Munns, Penny Richards: Antoinette de Bourbon, première duchesse de Guise, et Rémy Belleau. Construction d’un tombeau, création d’un mythe. In: Kathleen Wilson-Chevalier (Hrsg.): Patronnes et mécènes en France à la Renaissance. Publicaions de l’Université de Saint-Étienne, Saint-Etienne 2007, ISBN 978-2-86272-443-0 (L’école du genre. Nouvelles recherches. Band 2), S. 401–417. • Gabriel de Rarécourt de La Vallée, marquis de Pimodan: La mère des Guises. Antoinette de Bourbon, 1494–1583. Honoré Champion, Paris 1889. • Georges Viard: La religion d’Antoinette de Bourbon, duchesse de Guise. In: Les Cahiers Haut-Marnais. Nr. 188/189, 1990, ISSN 0008-025X, S. 1–11. Weblinks Commons: Antoinette de Bourbon – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien Einzelnachweise und Anmerkungen 1 Einige Publikationen geben fälschlicherweise den 20. Januar 1583 als Sterbetag an. 2 Paul-Martin Bondois: Gabriel de Pimodan. La mère des Guises, Antoinette de Bourbon, 1494-1583. In: Bibliothèque de l'école des chartes. Nr. 87, 1926, ISSN 1953-8138, S. 196 (online). 3 Antonia Fraser: Mary, Queen of Scots. 1. Auflage. Weidenfeld & Nicolson, London 1969, ISBN 0-297-17773-7, S. 43. 4 Stuart Carroll: Noble power during the French wars of religion: the Guise affinity and the Catholic cause in Normandy. Cambridge University Press, Cambridge 1998, ISBN 0-521-62404-5, S. 254 (online) 5 Mary Monica Maxwell-Scott: Antoinette de Bourbon, Duchesse de Guise, S. 176. 6 Mary Monica Maxwell-Scott: Antoinette de Bourbon, Duchesse de Guise, S. 177. 7 Mary Monica Maxwell-Scott: Antoinette de Bourbon, Duchesse de Guise, S. 178. 8 Vgl. Alexandre Eckhardt: Remy Belleau. Sa vie - Sa ««««««««Bergerie»»»»»»»». Joseph Németh, Budapest 1917, S. 74–75 (online). 9 H. de Coste: Les Eloges et vies des reynes […], S. 142. 10 Alexandre Eckhardt: Remy Belleau. Sa vie - Sa ««««««««Bergerie»»»»»»»». Joseph Németh, Budapest 1917, S. 81 (online). 11 H. de Coste: Les Eloges et vies des reynes […], S. 145. 12 Christiane Coester: Schön wie Venus, mutig wie Mars: Anna d'Este, Herzogin von Guise und von Nemours (1531–1607). Oldenbourg, München 2007, ISBN 978-3-486-58028-0, S. 133 (online). 13 Christiane Coester: Schön wie Venus, mutig wie Mars: Anna d'Este, Herzogin von Guise und von Nemours (1531–1607). Oldenbourg, München 2007, ISBN 978-3-486-58028-0, S. 139 (online). 14 Vgl. Christiane Coester: Schön wie Venus, mutig wie Mars: Anna d'Este, Herzogin von Guise und von Nemours (1531–1607). Oldenbourg, München 2007, ISBN 978-3-486-58028-0, S. 189 (online). 15 H. de Coste: Les Eloges et vies des reynes […], S. 147. 16 Zitiert nach H. de Coste: Les Eloges et vies des reynes […], S. 139. | von Bourbon, Antoinette (I8779)
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| 33543 | https://de.wikipedia.org/wiki/Antonia_Visconti Antonia Visconti (* nach 1350 vermutlich in Mailand; † 26. März 1405 im Alten Schloss Stuttgart) war Gräfin von Württemberg. Leben Antonia Visconti war eine der Töchter von 17 Kindern des Bernabò Visconti, Herr von Mailand. Antonia Visconti zählte zu den 10 ehelich geborenen Kindern aus seiner Ehe mit Beatrice della Scala aus dem Geschlecht der Scaliger, der Herren von Verona. Antonia war zunächst König Friedrich III. von Sizilien als Ehefrau versprochen, jedoch verstarb Friedrich III. 1377, vor dem vereinbarten Beilager, woraufhin Bernabo Visconti am 1. Juli 1380 für Antonia eine Eheabrede mit Eberhard III. von Württemberg schloss. Die Mitgift der Herzogin Antonia bezifferte sich auf 70.000 Gulden, eine für damalige Zeiten ungeheuer hohe Summe, nebst weiterer Kleinodien und Brautgut, die Antonia als Aussteuer nach Urach mitbrachte. Am 27. Oktober 1380 fand in Urach die Hochzeit von Antonia Visconti und Graf Eberhard III., mit vielen Tage andauernden Feierlichkeiten statt.[1] Eberhard III. überschrieb Antonia Bietigheim und Brackenheim als Wittum. Als Gräfin von Württemberg, förderte Antonia die Verbreitung von Musik, Literatur und allen schönen Künsten in Stuttgart, Bietigheim und ganz Württemberg. Der fraw von Mailant garten (der Herzogin von Mailands Garten), der südlich des Alten Schlosses in Stuttgart entstand, wurde nach den Vorstellungen von Gräfin Antonia entworfen, angelegt und gestaltet. Aus der Ehe Eberhard III. mit Antonia Visconti gingen mehrere Kinder hervor, von ihnen erreichte nur der spätere Graf Eberhard IV. das Erwachsenenalter. Von Antonias Geschwistern wurde Herzogin Taddea Gemahlin von Herzog Stephan III. von Bayern, Herzogin Maddalena wurde die Gemahlin des Herzogs Friedrich von Bayern, Herzogin Elisabetta die Gemahlin von Herzog Ernst von Bayern und Herzogin Viridis wurde die Gemahlin von Herzog Leopold III. von Österreich. Auch die Schwestern brachten eine ebenso kostbare Aussteuer über den Brennerpass nach Norden in ihre neue Heimat, wie Antonia. Antonia Visconti, Gräfin von Württemberg, wurde im Chor der Stuttgarter Stiftskirche beigesetzt. Nach ihrem Tod vermählte sich Eberhard III. mit Elisabeth von Nürnberg. Noch heute erinnert auch die im Jahr 2002 errichtete Villa Visconti in der Altstadt von Bietigheim an Antonia Visconti, die Gräfin von Württemberg. Literatur Julia Lauxmann: Antonia Visconti, Gräfin in Württemberg. In: Peter Rückert (Hrsg.): Antonia Visconti († 1405) – ein Schatz im Hause Württemberg. Begleitbuch und Katalog zur Ausstellung des Landesarchivs Baden-Württemberg − Hauptstaatsarchiv Stuttgart. Hauptstaatsarchiv, Stuttgart 2005, ISBN 3-00-015015-3, S. 52–55. Matthias Miller: Antonia Visconti. In: Sönke Lorenz, Dieter Mertens, Volker Press (Hrsg.): Das Haus Württemberg. Ein biographisches Lexikon. Kohlhammer, Stuttgart 1997, ISBN 3-17-013605-4, S. 42f. Gerhard Raff: Hie gut Wirtemberg allewege. Band 1: Das Haus Württemberg von Graf Ulrich dem Stifter bis Herzog Ludwig. 6. Auflage. Landhege, Schwaigern 2014, ISBN 978-3-943066-34-0, S. 213–221. Peter Rückert, Sönke Lorenz (Hrsg.): Die Visconti und der deutsche Südwesten. Kulturtransfer im Spätmittelalter (= Tübinger Bausteine zur Landesgeschichte. Band 11). Thorbecke, Ostfildern 2008, ISBN 978-3-7995-5511-1. Weblinks Commons: Antonia Visconti – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien Antonia Visconti - Ein Schatz im Hause Württemberg (Landesarchiv Baden-Württemberg) Barbara Tuchman in: http://www.wfelix.org/tuchman.html Fußnoten 1 Das genaue Datum ist nicht gesichert: Dem Jnventar ist ein aus 4 Blättern bestehendes Verzeichniß derjenigen Ländereien und Einkünfte des Hauses Wirtemberg angehängt, worauf die Braut versichert wurde; dieses Verzeichniß bezeugt der Notar Johannes Falconus aus Bergamo, in Gegenwart genannter italiänischer Edler (Dr. Faustinus Lantana und Paganinus de Blassano) im Saale des Schlosses zu Urach am 27. October 1380 angeheftet zu haben. Damals war wohl die Hochzeit. In: Paul Friedrich von Stälin: Geschichte Württembergs. Band 3. 1856, S. 356, zitiert nach Raff S. 219. | Visconti, Antonia (I11084)
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| 33544 | https://de.wikipedia.org/wiki/Aodh,_4._Earl_of_Ross Aodh (Vorname auch Hugh, der Nachname wird gelegentlich mit de Ross angegeben) (* vor 1290; † 19. Juli 1333 in der Schlacht bei Halidon Hill), 4. Earl of Ross, war ein schottischer Adeliger. Leben Sein Vater war Uilleam, 3. Earl of Ross, seine Mutter war Euphemia, Tochter des Hugh de Berkeley. Mit dem Tod seines Vaters am 28. Januar 1323 trat er sein Erbe an und übernahm damit auch dessen Titel. Erstmals erwähnt wurde Aodh in einem Dokument vom 28. August 1297, in dem ihm zum Besuch seines im Tower of London inhaftierten Vaters freies Geleit zugesichert wurde. Am 5. Dezember 1316 überschrieb Robert the Bruce seinem Schwager „Sir Hugh de Ross, Ritter, Sohn und Erbe des William, Earl of Ross“ die Burg von Cromarty, das dazugehörende Amt des Sheriffs sowie ein Drittel der Ländereien von Kirkcudbright; in der Folge auch noch Ländereien in Skye, Strathglass und Strathconan. Nach dem 28. März 1324 trat er, mit dem Titel des Earl of Ross, mehrfach als Beurkundungszeuge für den König auf; im gleichen Jahr war er einer der Verantwortlichen für die Bedingungen des Ehevertrages zwischen dem schottischen Prinzen David und der englischen Prinzessin Johanna. 1333 wurde die von Schottland besetzte Grenzstadt Berwick-upon-Tweed von englischen Truppen unter Eduard III. und dessen Günstling Edward Balliol belagert. Beim Versuch, die Stadt zu entsetzen, kam es am 19. Juli zur Schlacht bei Halidon Hill. Aodh führte die Reservetruppen an, die auf ungünstigem Terrain einen Angriff auf den von Balliol geführten Flügel unternahm. Seine Truppen wurden zurückgeschlagen, er selbst fiel bei diesem Attacke. Aodh war zweimal verheiratet. Die erste Ehe wurde im Jahr 1308 mit Maud (auch Mathilda), Schwester von Robert the Bruce geschlossen, mit ihr hatte er zwei Söhne; Uilleam, Erbe und späterer 5. Earl und John, sowie eine Tochter; Marjory (∞ Maol Íosa, 8. Earl of Strathearn). Die zweite Ehe wurde vor 1329 mit Margaret, Tochter des David Graham, geschlossen. Aus dieser Ehe stammte ein Sohn; Hugh, sowie drei Töchter; Euphemia (∞1 John Randolph, ∞2 Robert II.), Janet und Lilias. Erst ein verspäteter päpstlicher Dispens vom 24. November 1329 legitimierte diese Kinder. Literatur • James Balfour Paul (Hrsg.): The Lord Lyon King of Arms: The Scots Peerage. Band 7. Douglas, Edinburgh 1909, The Ancient Earls of Ross, S. 230 ff. (online auf www.archive.org [abgerufen am 14. September 2014]). Weblinks • Aodh de Ross, 4th Earl of Ross auf thepeerage.com, abgerufen am 10. September 2016 (englisch) • Earl of Ross (Ferquhard MacTaggart). fmg.ac, abgerufen am 14. September 2014 (englisch). | von Ross, Graf Aodh (Hugh) (I9356)
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| 33545 | https://de.wikipedia.org/wiki/Apostelkirche_(Konstantinopel) | (Römerin), Kaiserin Ariadne (I24230)
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| 33546 | https://de.wikipedia.org/wiki/Apremont_(Adelsgeschlecht) | von Apremont, Mathilde (I21739)
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| 33547 | https://de.wikipedia.org/wiki/Archambaud_de_Grailly Archambaud de Grailly (* um 1330; † 1412) war seit 1356 bis zu seinem Tod Vizegraf von Castillon und Gruson, seit 1369 Graf von Bénauges und Captal de Buch. Er war der jüngere Sohn von Pierre II. de Grailly und dessen Ehefrau Erembourg von Périgord. Herkunft und Hundertjähriger Krieg Archambaud entstammte dem Adelsgeschlecht der Grailly welches ursprünglich am Genfersee beheimatet war. Doch Archambauds Vater trat in den Dienst des Königs von England und wurde von diesem mit der Statthalterschaft im Süden der Guyenne (Captalat de Buch) beauftragt wo sich die Grailly als loyale Gefolgsmänner Englands im Hundertjährigen Krieg gegen Frankreich erwiesen. Nach dem Tod seines Vaters erhielt Archambaud die Herrschaft über Castillon und Gruson aus dessen Erbe. Wenig später kämpfte Archambaud gemeinsam mit seinem Neffen Jean III. de Grailly am 19. September 1356 in der siegreichen Schlacht von Maupertuis wo der französische König Johann II. in die Gefangenschaft Englands geriet. Dieser Sieg führte 1360 zum Frieden von Brétigny in dem England seinen Besitz über einen beträchtlichen Teil des Südens von Frankreich ausdehnen konnte. In den folgenden Jahren waren die Graillys mit der Verteidigung der eroberten Territorien beschäftigt die der französische Marschall du Guesclin im Stande war zurückzuerobern. Dabei unterstützten sie den gegen Frankreich revoltierenden König Karl II. von Navarra der sich Hoffnungen auf die französische Königskrone machte. Doch in der Schlacht von Cocherel am 16. Mai 1364 wurde das englisch-navarresische Heer, das von den Graillys geführt wurde, durch die Franzosen unter Du Guesclin vernichtend geschlagen, Archambaud und sein Neffe gerieten in Gefangenschaft. Archambaud sollte aus dieser erst 1272 nach der Zahlung von 500 Goldfranken entlassen werden, zuvor war sein Neffe 1369 ohne Nachkommen gestorben und hatte Archambaud zu seinem testamentarischen Erben erklärt. Weiterhin wurde Archambaud am 2. März 1377 vom englischen König zum Seneschall der Biskaya ernannt. Seitenwechsel Im Jahr 1381 heiratete Archambaud die einzige Tochter des aragonesischen Vizegrafen von Castelbon. Isabelle de Foix war eine Angehörige des Grafenhauses von Foix dessen Oberhaupt Gaston Fébus einer der mächtigsten und reichsten Fürsten im französischen Süden war, Isabelle war eine Cousine zweiten Grades von Fébus. Etwa um die gleiche Zeit aber starb der einzige Sohn und Erbe von Graf Fébus angeblich auch durch das Zutun des Vaters, somit konnte Isabelles jüngerer Bruder Mathieu, als nächster Anverwandter 1391 das Erbe von Fébus antreten. Doch auch Mathieu verstarb 1398 ohne einen Erben zu hinterlassen womit nun seine Schwester Isabelle als letzte Angehörige des Hauses Foix dessen umfangreichen Besitz erbte. Archambaud wurde damit als Ehemann seiner Frau deren Mitregent (de jure uxoris) in der Grafschaft Foix, den Vizegrafschaften von Béarn, Marsan, Lautrec und Castelbon sowie der Co-Herrschaft von Andorra. Die französische Krone aber erhob gegen diesen Erbgang Einwände, da sie es nicht hinnehmen konnte wenn eines der größten Territorien des Königreiches in die Hände eines Untertanen Englands fallen sollte. So marschierte der französische Connétable de Sancerre mit einem Heer in die Grafschaft Foix ein und besetzte größere Teile davon. Isabelle und Archambaud konnten allein dieser Bedrohung nichts entgegensetzen und zeigten Bereitschaft, sich der französischen Autorität zu unterwerfen. Im Vertrag von Tarbes, der am 10. Mai 1399 uunterzeichnet wurde, erkannten Isabelle und Archambaud die französische Krone als Lehnsherren für die Grafschaft Foix an, Archambaud musste seine Gefolgschaft zu England aufkündigen und die beiden ältesten Söhne des Paares mussten als Geiseln an den königlichen Hof zu Paris geschickt werden, damit sie dort ihre Erziehung erhalten konnten. Damit wurde der Fortbestand der neuen gräflichen Dynastie von Foix innerhalb der französischen Feudalwelt gewährleistet, was sich auch ihn ihrem Namen niederschlug. Denn Archambauds Nachkommen führten Namen und Wappen der Familie seiner Ehefrau fort, während die des Hauses Grailly fallen gelassen wurden. Von Loyalitätskonflikten zwischen England und Frankreich sollte Archambaud verschont bleiben, da der Hundertjährige Krieg in jener Zeit durch innere Konflikte beider Königreiche zu einem vorläufigen Erliegen kam. Seine neue Treue zu Frankreich wurde Archambaud gelohnt, als er 1412 zum königlichen Lieutenant-Général des Languedoc ernannt wurde. Doch schon kurze Zeit danach verstarb er. Ehe und Nachfolgeregelung Archambaud de Grailly war seit 1381 mit Gräfin Isabelle von Foix († 1428) verheiratet, mit der er fünf Söhne hatte: • Johann I. (* 1382; † 4. Mai 1436), Nachfolger als Graf von Foix, Vizegraf von Béarn, Marsan, Lautrec und Castelbon und Co-Herr von Andorra • Gaston I. († nach 1455), Captal de Buch, Graf von Longueville, Vizegraf von Bénauges und Herr von Grailly • Archambaud († 10. September 1419), Herr von Navailles, im Dienste des Herzogs Johann von Burgund mit diesem auf der Brücke von Montereau ermordet • Mathieu († Dezember 1453), ∞ I) 1419 Gräfin Marguerite von Comminges, ∞ II) 1446 Catharine d’Aspet • Pierre le Vieux (* 1386; † 13. Dezember 1464 in Avignon), seit 1409 Kardinal, 1405–1422 Bischof von Lescar, 1450–1463 Erzbischof von Arles Um zu gewährleisten, dass das Erbe von Foix im Spannungsfeld zwischen den Königreichen Frankreich und England auch für die Zukunft zusammengehalten wird wurde dieses vollständig gemäß einem familiären Arrangement an Archambauds ältesten Sohn Johann I. vererbt, der zweitälteste, Gaston I., bekam das Erbe seines Vaters, für welches in seiner Gesamtheit der König von England als Lehnsherr anerkannt werden musste. Weblinks • „Kurzbiographie zu Isabella von Foix und Archambaud de Grailly“ (französisch) | von Grailly, Archambaud (I9417)
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| 33548 | https://de.wikipedia.org/wiki/Archambault_IX._(Bourbon) Archambault IX. (* um 1205; † 15. Januar 1249 auf Zypern) war Herr von Bourbon. Er war der einzige Sohn von Archambault VIII. aus dem Haus Dampierre. Seine Mutter war Guigone de Forez. Nach dem Tod seines Vaters 1242 erbte er dessen Herrschaft Bourbon(-l’Archambault). Ehe und Nachkommen Er heiratete (der Ehevertrag stammt vom 30. Mai 1228) Yolande von Châtillon, Gräfin von Nevers, Auxerre und Tonnerre, Tochter von Guido I. von Châtillon, Graf von Saint-Pol, und Agnes von Donzy, Erbin der Grafschaften Nevers, Auxerre und Tonnerre. Das Paar hatte zwei Töchter: • Mathilde II. (* wohl 1234, † 1262), 1257 Dame de Bourbon, Gräfin von Nevers, Auxerre und Tonnerre; ∞ Februar 1248 Odo, Erbherzog von Burgund, 1257–1262 Graf von Nevers, Auxerre und Tonnerre, † 4. August 1266 in Akkon (Älteres Haus Burgund) • Agnes (* wohl 1237, † 7. September 1288), 1249 Dame de Bourbon; ∞ I Februar 1248 Johann von Burgund, 1248 Herr von Bourbon, † 29. September 1268 (Älteres Haus Burgund); ∞ II 1277 Robert II., Graf von Artois, 1285–1289 Regent von Neapel, † 1. Juli 1302 in der Sporenschlacht (Haus Frankreich-Artois) Kreuzzug Archambault IX. nahm am Kreuzzug Ludwigs IX. gegen Ägypten (Sechster Kreuzzug) teil, der im August 1248 in Aigues Mortes aufbrach, starb aber im Januar 1249 auf der Anreise während der Überwinterung auf Zypern.[1][2][3] Zuvor hatte er im Februar 1248 seine Töchter Mathilde und Agnes, die seine Nachfolge antreten sollten, in das ältere Haus Burgund verheiratet. Mathilde erhielt den Besitz in Burgund (Nevers, Auxerre, Tonnerre) und den Erbprinzen von Burgund, Agnes das Bourbonnais und dessen jüngeren Bruder Johann. Agnes' Tochter aus ihrer ersten Ehe, Beatrix, brachte durch ihre eigene Ehe mit Robert von Clermont Bourbon an die Kapetinger: Beatrix und Robert sind die Stammeltern der Bourbonen. Einzelnachweise 1 Joseph R. Strayer: The Crusades of Louis IX. In: Robert L. Wolff / Harry W. Hazard: The later Crusades, 1189-1311. University of Wisconsin Press, Madison 1969. S. 493. 2 Vinzenz von Beauvais, Speculum Historiale xxxii, 89 (Straßburg, Johann Mentelin 1473) 3 Balduin von Avesnes, Chronicon Hanoniense, hrsg. von Johannes Heller in: Monumenta Germaniae Historica SS 25 (1880), S. 454 Literatur • Jacques Le Goff: Ludwig der Heilige. Klett-Cotta, Stuttgart 2000, ISBN 3-608-91834-5, S. 112, 117, 705. • Detlev Schwennicke: Europäische Stammtafeln. Band III.1. Verlag J. A. Stargardt, Marburg 1984, Tafel 51. • Andreas Thiele: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte. Band 2: Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser. Teilband 1: Westeuropa. R. G. Fischer, Frankfurt am Main 1993, ISBN 3-89406-909-0, Tafel 29. | von Bourbon (von Dampierre), Archambault IX. (I8383)
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| 33549 | https://de.wikipedia.org/wiki/Archibald_Douglas,_6._Earl_of_Angus Archibald Douglas, 6. Earl of Angus (* um 1489; † Januar 1557 auf Tantallon Castle) war ein schottischer Adeliger aus dem Clan Douglas während der Herrschaften von Jakob V. und Maria I. Er war der Sohn von George, Master of Angus, der in der Schlacht von Flodden Field getötet wurde. Nach dem Tode seines Großvaters, Archibald "Bell the Cat" Douglas (the Great Earl), erbte er 1514 die Würde des Earl of Angus. Heirat mit Margaret 1509 heiratete er Margaret, die Tochter von Patrick Hepburn, 1. Earl of Bothwell. Nach ihrem Tod heiratete er 1514 die Witwe König Jakobs IV. und Regentin Margaret Tudor, die Schwester Heinrichs VIII. von England. Diese Heirat löste innerschottische Konflikte aus. Die traditionell mit Frankreich verbündete Seite gewann die Kämpfe und setzte John Stewart, 2. Duke of Albany statt Margaret Tudor als Regenten ein. Douglas zog sich auf seinen Landsitz zurück, während John Stewart Margaret in Schloss Stirling belagerte. Es gelang dem Regenten, die königlichen Kinder in seine Gewalt zu bringen, Margaret flüchtete daraufhin nach England. Douglas sah seine Frau noch einmal, als sie nach Schottland kam, um Frieden mit John Stewart zu schließen. Während der Trennung von seiner Frau hatte Douglas eine Beziehung mit der Tochter des Laird of Traquair. Margaret rächte sich für die Vernachlässigung durch ihren Ehemann, indem sie Douglas' Machtbestrebungen nicht unterstützte und heimlich mit Hilfe Stewarts die Scheidung von Douglas vorantrieb. In Edinburgh behauptete sich Douglas in einem offenen Straßenkampf gegen James Hamilton, 1. Earl of Arran, der versucht hatte, den Einfluss der Hamilton Familie über Jakob V. auszudehnen. Verbannung und Machteroberung 1517–1520 hielt sich Stewart in Frankreich auf und regierte von dort aus Schottland. Obwohl Stewart während der Zeit seiner Regentschaft Margaret ihre Kinder nur einmal sehen ließ, verbündete sie sich mit ihm gegen ihren Mann. Im Dezember 1521 wwurde Douglas von Stewart des Hochverrats bezichtigt und unter Hausarrest nach Frankreich verbannt. 1524 floh er von dort nach London, wo Heinrich VIII. ihm Unterstützung gewährte. Am 23. November 1524 versuchte er, in Edinburgh einzumarschieren, wurde aber von Margarets Truppen unter Beschuss genommen und musste sich auf Tantallon Castle zurückziehen. Von dort organisierte er eine breite Koalition schottischer Adeliger, mit deren Truppen es ihm im Februar 1525 gelang, Edinburgh zu erobern. Er berief ein Parlament ein, von dem er mit weitreichende Vollmachten ausgestattet wurde. Vormund Jakobs Douglas wurde im März die Vormundschaft über Jakob gewährt. Als diese im November auslief, weigerte er sich allerdings sie zurückzulegen, stattdessen verjagten seine Truppen Margaret nach England. Douglas nutzte seine Macht, um seine Familienangngehörigen in öffentliche Ämter einzusetzen. und machte sich selbst zum Kanzler. Mehrere Versuche, den König aus der Vormundschaft seines Stiefvaters zu befreien. misslangen, Douglas schlug unter anderem ein 10.000 Mann umfassendes Heer unter der Führung von John Stewart, 3. Earl of Lennox. 1528 gelang es Margaret, ihre Scheidung von Douglas durchzusetzen. Sie hielt sich mit ihrem Liebhaber Henry Stewart, den sie unmittelbar nach der Scheidung heiratete, in Stirling auf, wo sie prompt von Douglas belagert wurden. Einige Wochen später gelang Jakob V. die Flucht zu seiner Mutter nach Stirling, wo er eine Anordnung erließ, die es allen Mitgliedern der Douglas Familie gebot, sieben Meilen Abstand zu seiner Person einzuhalten. Exil in England Douglas floh auf seine Burg Tantallon. Seine Ländereien wurden konfisziert, alle Titel aberkannt. Mehrere Versuche Jakobs, die Burg einzunehmen, scheiterten jedoch. Nach einiger Zeit erfolgloser Belagerung gab Douglas im Mai 1529 die Burg im Gegenzug für einen Waffenstillstand zwischen Schottland und England auf und floh zu Heinrich nach England, wo er bis 1542 blieb. Mehrfach nahm er an Feldzügen der Engländer gegen Schottland teil, auch weil Mitglieder seiner Familie, die nicht geflüchtet waren, von Jakob V. ihres Besitzes enteignet oder sogar hingerichtet wurden. Rückkehr nach Schottland Als Jakob V. 1542 starb, kehrte Douglas nach Edinburgh zurück, seine Ländereien und Titel wurden restituiert. Heinrich VIII. trug ihm auf, die Heirat zwischen Maria Stuart und Eduard VI. voranzutreiben. 1543 handelte er den Friedens- und Heiratsvertrag zwischen England und Schottland aus. Im selben Jahr heiratete er Margaret, Tochter von Robert, Lord Maxwell. 1545 wurde Douglas wegen eines Streites mit dem Regenten James Hamilton, 2. Earl of Arran, kurzzeitig inhaftiert. Die Überfälle englischer Truppen unter Führung von Edward Seymour, die auch Douglas Ländereien betrafen, ließen Douglas erstmals die Partei der Schotten ergreifen. Er verbündete sich mit Hamilton und unterstützte Versuche, Maria Stuart mit Franz II. zu verheiraten. Im Juli 1544 wurde er zum Befehlshaber der Truppen an der Grenze zu England ernannt, 1545 schlugen seine Truppen die Engländer in der Schlacht von Ancrum Moor. Douglas korrespondierte zwar immer noch mit Heinrich VIII., unterzeichnete aber dennoch das Gesetz, das den Friedens- und Heiratsvertrag außer Kraft setzte. Tod Während der Regentschaft von Maria Stuarts Mutter Marie de Guise waren sein ruheloser und ambitionierter Charakter immer wieder Grund zur Sorge, vor allem da er eine sehr große Anzahl von Männern unter Waffen hielt. Am 21. August 1547 gab er seinen Adelstitel auf, erhielt aber das Recht den Titel weiterzuvererben. Douglas starb im Januar 1557. Er hinterließ eine legitime Tochter, Margaret Douglas, die den Earl of Lennox heiratete und Mutter von Lord Darnley wurde. Douglas Neffe David wurde sein Nachfolger als 7. Earl of Angus. Literarische Rezeption Theodor Fontane verfasste 1854 die Ballade Archibald Douglas. [1] Die Begebenheit um „Archibald Douglas“ ist historisch verbürgt – zumindest fast. Fontane erfuhr davon bei Walter Scott (“Ministrelsy of the Scottish border”), der sie wohl seinerseits von dem schottischen Historiker David Hume (1558–1629) hatte. Jedoch handelt es sich beim historischen Vorbild des Balladenhelden wohl nicht um Archibald Douglas, den 6. Earl von Angus (1490–1557), wie vielfach genannt, sondern um Archibald Douglas of Kilspindie (1475–1536), dessen Onkel. Der Earl von Angus war zeitweise der Vormund des bereits mit 17 Monaten gekrönten James V. und hatte den jungen König gefangen gesetzt, um seine eigene Macht zu sichern. Zur Aufsicht und Betreuung des Jungen hatte der Earl seinen Onkel bestimmtmt, ebendiesen Archibald Douglas of Kilspindie. Wiewohl der junge König diesen mochte, so verbannte der 16-Jährige nach seiner Flucht im Jahr 1528 doch ausnahmslos alle mit Namen Douglas aus dem Land. Der Earl ging nach England, sein Onkel jedoch nach Frankreich. Von dort aus unternahm er Jahre später den Versuch, den Fontane in seiner Ballade beschreibt – doch er fand keine Gnade. Literatur • Kenneth O. Morgan (Hrsg.): The Oxford Illustrated History of Britain. Oxford University Press, Oxford u. a. 1984, ISBN 0-19-822684-5, S. 254ff. • Simon Schama: A History of Britain. Band 1: 3000 BC – AD 1603. At The Edge of The World? BBC Books, London 2003, ISBN 0-563-38497-2, S. 354ff. Einzelnachweise 1 Alexander Bandilla: Englische und schottische Balladen aus der Feder Theodor Fontanes | Douglas, Archibald (I8818)
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| 33550 | https://de.wikipedia.org/wiki/Arduine Die Arduine waren im frühen Hochmittelalter ein bedeutendes italienisches Adelsgeschlecht. Sie beherrschten die Markgrafschaft Turin, die nach ihrem Aussterben im Erbweg an das Haus Savoyen überging. Geschichte Die Arduine sind die Nachkommen eines fränkischen Ritters Arduin (Hardouin), dessen Nachkommen in Oberitalien im 10. und 11. Jahrhundert an die Macht kamen. Sein Enkel Arduin Glabrio war einer der drei Adligen, die von König Berengar II. bei der Neuordnung der feudalen Strukturen eine der neu geschaffenen Markgrafschaften übertragen bekam, in diesem Fall die Markgrafschaft Turin oder „marcia arduinica“ mit den Gebieten Auriate, Turin, Asti, Albenga und wohl auch Bredulo, Alba und Ventimiglia. Die bekanntesten Angehörigen der Familie sind Markgraf Odalrich-Aginfred (früher oft mit Odalrich-Manfred übersetzt) und seine beiden (Erb-)Töchter Adelheid von Susa und Irmgard von Turin, die mit zwei deutschen Adligen verheiratet wurden, dem Herzog Hermann IV. von Schwaben (1030–1038) und einem seiner Nachfolger, dem Herzog Otto III. von Schwaben (1048–1057), mit dem Ziel Oberitalien näher an das Kaiserreich zu binden. Irmgard tritt darüber hinaus noch als Ehefrau von Ekbert I., Markgraf von Meißen auf, Adelheid (aus ihrer dritten Ehe mit Graf Odo von Savoyen) als Mutter der Kaiserin Bertha von Turin. Das Erbe der Familie fiel durch diese dritte Ehe Adelheids an das Haus Savoyen und wurde damit zum Kern des savoyischen Besitzes in Oberitalien und damit zum Ausgangspunkt des savoyischen Königtums. Stammliste 1 Arduin, fränkischer Ritter in der Normandie 1 Roger (Rotgerius, Ruggero), 902/915 Graf von Auriate (im Gebiet von Cuneo und Saluzzo), von Graf Rodulf von Auriate († nach 21. April 902) zu seinem Stellvertreter und dann zu seinem Nachfolger eingesetzt; ∞ NN, dessen Witwe 1 Roger, Graf, † vor 3. September 962, er oder sein Vater treten um 935 in das Kloster Novalesa-Breme ein 1 Guntilda, kauft 962 die Hälfte von Castello di Mosezzo; ∞ I Maginfred von Mosezzo, Graf von Lomello, 941/955 bezeugt; ∞ II vor 3. September 962 Amadeus (Haus Burgund-Ivrea) 2 Arduin Glabrio (Arduin der Kahle), † nach 4. April 976, Graf von Auriate, vertreibt 940/945 die Sarazenen aus dem Valle di Susa, 945 am Hof von König Lothar und Berengar II., vor 13. November 950 Graf von Turin, 950 Vogt von Kloster Novalesa-reme, vor Januar 964 Markgraf von Turin, wohl am 5. September 976 Graf von Pavia 1 Maginfred (Manfredo), † vor 1001, Markgraf; ∞ vor 8. März 991 Prangarda, Tochter von Graf Adalbert-Atto von Reggio, Modena und Mantua (Haus Canossa) 1 Odalrich-Maginfred (Odelricus dictus Mainfredus), wohl 1001 Markgraf von Turin, Herr von einem Drittel Valle di Susa, 31. Juli 1001 von Kaiser Otto III. einschließlich Immunität bestätigt, gründet 1028 das Kloster Santa Maria di Caramagna, ud 1029 San Gusto di Susa, begraben im Duomo di San Giovanni in Turin; ∞ vor 1014 Gräfin Berta, † nach 4. November 1037, Tochter von Markgraf Oberto (Obertenghi) 1 Adelheid, Gräfin, Erbin der Markgrafschaft Turin, † 19./27. Dezember 1091 in Canischio; ∞ I um 1036 Hermann IV., Herzog von Schwaben, 1036 Markgraf von Turin, † 28. Juli 1038 bei Mailand (Babenberger); ∞ II vor 29. Januar 1042 Markgraf Heinrih, wohl Markgraf von Westligurien (Liguria Occidentale) 20. Mai 1042/9. Juni 1044 Markgraf von Turin (Aleramiden); ∞ III um 1045/50 Odo Graf von Maurienne und Chablais, dann Graf von Savoyen, 1045/50 Markgraf von Turin, † 1. März 1060 (vielleicht auch nur vor dem 21. Mai 1060) Haus Savoyen – Adelheid und Odo sind die Eltern der Kaiserin Bertha von Turin 2 Sohn, wohl Graf von Monbardone, † vor 1034, vielleicht auch noch am 23. Dezember 1035 bezeugt 3 Irmgard (Imilla), † zwischen 3. Dezember 1077 und 29. April 1078, Gräfin, Herzogin; ∞ I um 1036 Otto, Graf von Schweinfurt, Markgraf des Nordgaus, 1048 Herzog von Schwaben, † 28. September 1057 (Haus Schweinfurt); ∞ II 1058 Ekbert, Graf von Baunschweig, 1057 Markgraf von Friesland, 1067 Markgraf von Meißen, † 11. Januar 1068 (Brunonen) 4 Berta, 1065 Gräfin; ∞ Markgraf Teto (Teoto), † vor 1064 (Aleramiden) 2 Adalrich (Alricus), X 7. Dezember 1036 bei Campo Malo, 1008 vor dem 2. Oktober Bischof von Asti 3 Odo, 1014 Graf, 1016 Markgraf, 1014/29 bezeugt 4 Hugo, 1029 Markgraf 5 Atto, 1029 bezeugt 6 Wido, 1029 Markgraf 1 ? Prangarda, 1029 bezeugt; ∞ Obizzo di Biandrate, Graf von Vercelli, † vor 1029 2 Arduin, 1029 „patruus“ von Odalrich-Maginfred, wohl Stifter des Klosters San Michele della Chiusa, das 1039 die kaiserliche Bestätigung erhält 3 Alsina (Anselda), 981/93 bezeugt; ∞ Pfalzgraf Giselbert, Graf von Bergamo, 961/93 bezeugt, † vor 10. Oktober 1010 4 Odo (Oddone), † 19. Januar …., 996 Graf, Markgraf, schenkt das Priorat Pollenzo 992/998 dem Kloster Novalesa-Breme 1 Arduin, 999/1014 bezeugt, Markgraf, 1001 mit Besitz in Montaldo nell'Astigiano 1 Boso, wohl 1026 zu Castello di Susa, wohl Graf von Susa 2 Wido, Markgraf wohl von Susa, wohl 1026 zu Castello di Susa, 1029 bezeugt, † vor 1040 1 Odalrich, † nach 20. Oktober 1040, Markgraf, Markgraf von Romagnano; ∞ Gräfin Julita, Tochter von Wido 1 Beatrix, 1065 bezeugt; ∞ Oberto, Graf von Vado, Markgraf von Liguria Occidentale, † 1061/65 (Aleramiden) 2 Sohn, wohl Wido von Romagnano, 1082 bezeugt 1 Sohn, wohl Ardizzone, Markgraf von Romagnano 1099/1100, † als Mönch 2 Sohn, wohl Manfredo, Markgraf von Romagnano 1100 – die Nachkommen der beiden Brüder sind die Marchesi di Romagnano, Virle und Pollenzo 5 Richilde (Yhilda), 987/89 bezeugt; ∞ vor 987 Cunrad-Cona, Markgraf von Ivrea, 960/89 bezeugt (Haus Burgund-Ivrea) 6 ? Adam, 989/97 Erzbischof von Turin 2 Arduin, mit seinem Bruder Roger aus Frankreich gekommen, Vasall Rodulf von Auriates Literatur • Detlev Schwennicke (Hrsg.): Europäische Stammtafeln. Neue Folge Band 3, Teilband 3: Andere grosse europäische Familien, illegitime Nachkommen spanischer und portugiesischer Königshäuser. Stargardt, Marburg 1985, ISBN 3-465-02714-0, Tafel 59, darin benutzt: • Francesco Cognasso: Il Piemonte nell'età Sveva (= Miscellanea di storia patria. Seria 4, Bd. 10). Deputazione subalpina di storia patria, Turin 1968. • Fritz Curschmann: Zwei Ahnentafeln. Ahnentafeln Kaiser Friedrichs I. und Heinrichs d. Löwen zu 64 Ahnen (= Mitteilungen der Zentralstelle für Deutsche Personen- und Familiengeschichte. Heft 27, ZDB-ID 504809-6). H. A. L. Degener, Leipzig 1921 • Eduard Hlawitschka: Franken, Alemannen, Bayern und Burgunder in Oberitalien. (774–962). Zum Verständnis der fränkischen Königsherrschaft in Italien (= Forschungen zur oberrheinischen Landesgeschichte. Bd. 8, ISSN 0532-2197). E. Albert, Freibug im Breisgau 1960. • Charles W. Previté Orton: The early History of the House of Savoy. (1000–1223). Cambridge University Press, Cambridge 1912, (Digitalisat). • Teofilo Rossi, Ferdinando Gabotto: Storia di Torino. Band 1: Fino al 1280 (= Biblioteca della Società Storica Subalpina. Bd. 82, ZDB-ID 767988-9). Tipografia Baravalle e Falconieri, Turin 1914, (Die hierin enthaltenen genealogischen Tafeln wuden nicht berücksichtigt, da sie kaum nachprüfbar sind). • Giuseppe Sergi: Una grande circoscrizione del regno italico: la marca arduinica di Torino. In: Studi medievali. Serie 3, Anno 12, Fasc. 2, 1971, ISSN 0391-8467, S. 637–712. | von Turin (von Susa), Irmgard (Arduine) (I5605)
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