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| 33551 | https://de.wikipedia.org/wiki/Aribo_I. Aribo I. († 1001/1020), aus dem Geschlecht der Aribonen, war Graf im Chiemgau und Leobengau, ab 985 Pfalzgraf von Bayern. Die Aribonen waren eines der mächtigsten Geschlechter im damaligen Bayern. Sie hatten die Grafschaften im unteren Salzburggau und im Isengau inne, und ihre Besitzungen erstreckten sich über Bayern, Kärnten und die Steiermark. Aribo war der Sohn (oder Enkel) des Grafen Chadalhoch/Kadalhoh im Isengau († 951/53) sowie, durch seine Heirat mit Adala (einer Cousine Kaiser Heinrichs II.), Schwiegersohn des Pfalzgrafen Hartwig/Herwicus I. († 985). Aribo selbst war laut Kaiser Otto III. mit dem späteren Kaiser Heinrich II. sehr nah blutsverwandt (Notiz anno 999). Aribo wird bald nach 958 erstmals urkundlich erwähnt, als Vasall des Erzbischofs Friedrich I. von Salzburg. 972/76 erscheint er in einem Tauschgeschäft mit Erzbischof Friedrich. Er war ein Freund des Kaisers Heinrich II. und fühlte sich mit dem heiligen Wolfgang von Regensburg eng verbunden. Aribo war begütert in der Grafschaft Leoben, im Hengistgau und im Kroatengau in der Grafschaft Hartwigs. Er folgte Hartwig 985 als Pfalzgraf, gründete 994/999 das Kloster Seeon im Chiemgau als Hauskloster (vormals Burg Bürgeli). Er konnte dafür Reliquien des heiligen Lambert von Lüttich gewinnen, der als Hauspatron gilt. 994 erlitten Erzbischof Hartwig von Salzburg, Bruder Adalas, und Aribo bei Piebing (Gegend von Straubing) Schiffbruch auf der Donau und halfen dann bei der Überführung der Leiche des tags zuvor gestorbenen Bischofs Wolfgang nach Regensburg. Ab 1000 erscheint er als Vogt der Salzburger Besitzungen im Lavanttal. 1000/1020 gab er noch, kurz vor seinem Tod, mit seiner Gattin Adala die Zustimmung zur Gründung von Stift Göss durch ihren Sohn, Diakon Aribo. Göss, die älteste klösterliche Niederlassung in der Steiermark, entstand auf einem Gut, das einst König Ludwig das Kind 904 den Aribonen geschenkt hatte. Die erste Äbtissin 1020 war Tochter Kunigunde, und die Abtei wurde 1020 an Kaiser Heinrich II. übergeben (siehe Reichsabtei). Aus der Ehe mit Adala (Adula/Adele), der ältesten Tochter des Pfalzgrafen Hartwig I. von Bayern und der Wigburg von Bayern, entsprossen: • Hartwig II., Pfalzgraf von Bayern 1001–1027, † 1027 • Aribo, * um 990, Erzbischof von Mainz (1021–1031), † 6. April 1031 • Pilgrim, Erzbischof von Köln, † 25. Juni 1036 • Eberhard, Graf im Leobental bzw. Isengau(?), † um 1044 • Chadalhoch, Graf im Isengau, † um 1030/1045 • Wigburg (Wichburg), früh verstorben • Wichburg/Wigburg, Äbtissin von Altmünster in Mainz • Hildburg/Hiltiburg, verheiratet mit Arnold I. von Wels-Lambach • Adala • Kunigunde, Äbtissin zu Göss 1020 Weblinks • Genealogie | (Aribonen), Aribo I. (I6784)
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| 33552 | https://de.wikipedia.org/wiki/Aristau Aristau Aristau (in einheimischer Mundart: [ˈɑɾiʒ̊tˌæʊ̯])[3] ist eine Einwohnergemeinde im Bezirk Muri im Südosten des Schweizer Kantons Aargau. Sie liegt im Reusstal an der Grenze zum Kanton Zürich. Geographie Die Gemeinde besteht aus drei Dörfern, die sich am Rand der ursprünglichen Schwemmebene der Reuss befinden: Althäusern (418 m ü. M.) im Norden, Aristau (401 m ü. M.) in der Mitte und Birri (388 m ü. M.) im Süden.[4] Die einst stark mäandrierende Reuss, welche oft über die Ufer trat und die Felder überflutete, wurde mit der letzten Etappe der Melioration von 1972 bis 1983 begradigt und vollständig durch Hochwasserschutzdämme begrenzt. Entlang der Reuss verläuft der künstlich angelegte Reusskanal. Dieser entwässert die Ebene, die zahlreiche Weiher, Wassergräben und Sümpfe aufweist. Ein Teil der Ebene steht unter Naturschutz. Die Bändigung der frei fliessenden Reuss war ein lange dauerndes Unterfangen: Ein Entwässerungskanal entlang des Flusses war 1861 fertiggestellt, die Entsumpfung der Ebene bis 1863 abgeschlossen. Dennoch kam es in den folgenden Jahrzehnten immer wieder zu Dammbrüchen und Überschwemmungen. Erst die zweite Reusstalsanierung löste das Problem endgültig. Dabei wurden fast 14 km neue Dämme und rund 36 km Vorflutkanäle gebaut, der Kraftwerkneubau von Zufikon sorgte für einen Rückstau und damit eine langsamere Fliessgeschwindigkeit. Unmittelbar westlich der drei Dörfer erstreckt sich der Wagenrain, ein bewaldeter Höhenzug, der das Reusstal vom Bünztal trennt. Im Nordwesten liegt das Murimoos, eine flache Ebene an der kanalisierten Bünz.[4] Die Fläche des Gemeindegebiets beträgt 864 Hektaren, davon sind 132 Hektaren bewaldet und 80 Hektaren überbaut. Der höchste Punkt befindet sich auf 475 Metern im Reitwald, der tiefste auf 380 Metern an der Reuss. Nachbargemeinden sind Besenbüren und Rottenschwil im Norden, Jonen im Osten, Ottenbach im Südosten, Merenschwand im Süden, Muri im Südwesten sowie Boswil im Westen. Geschichte Eine Besiedlung der Gegend ist für die Latènezeit nachweisbar: Bei der Aristauer Kapelle wurde eine bronzene Fibel ausgegraben. Die ersten urkundlichen Erwähnungen des Orts stammen aus dem 12. Jahrhundert (1153 Henrico de Arnestowo, Althüsern; vor 1150 [Cop. 14. Jh.] Arestouw, Nokerus de Arestouwe … Arestǒw etiam et Gerüt). Der Ortsname geht zurück auf eine althochdeutsche Zusammensetzung *Arnest(es)-ouwa und bedeutet «wassernahes Land des Arnest».[3] Im Mittelalter lag das Gebiet im Einflussbereich der Grafen von Lenzburg. Nach deren Aussterben im Jahr 1173 ging die Landesherrschaft an die Grafen von Kyburg über, 1264 schliesslich an die Habsburger. Die wichtigsten Grundherren waren die Herren von Baar sowie das Kloster Muri. Das Kloster übte ab 1285 auch die niedere Gerichtsbarkeit aus. Die Herren von Baar verkauften 1351 ihre Güter an die Herren von Heidegg. In Aristau stand ein mit einer Ringmauer umgebener Burgturm, der jedoch 1386 von den Zürchern und Luzernern nach der Schlacht bei Sempach zerstört wurde. 1415 eroberten die Eidgenossen den Aargau. Althäusern, Aristau und Birri gehörten nun zum Amt Muri in den Freien Ämtern, einer Gemeinen Herrschaft. Der Burgstall, die ehemalige Burg, ging 1429 in den Besitz des Klosters Muri über. Am 2. April 1760 brannte Althäusern fast vollständig nieder, neben vier Toten gab es auch 135 Obdachlose. Der Wiederaufbau nahm drei Jahre in Anspruch. Im März 1798 befreiten die Franzosen die Schweiz von der Vorherrschaft der Patrizier und riefen die Helvetische Republik aus. Die drei Dörfer gehörten zum Distrikt Muri im kurzlebigen Kanton Baden, wobei Althäusern und Werd (heute ein Teil von Rottenschwil) sowie Aristau und Birri je eine Agentschaft bildeten. Nach der Gründung des Kantons Aargau im Jahr 1803 gehörten die Dörfer wieder zur Gemeinde Muri. Doch bereits 1816 schlossen sich Birri, Althäusern und Aristau zu einer neuen Einwohnergemeinde zusammen. Die Ortsbürgergemeinden, die damals noch einige Verwaltungsaufgaben erfüllten, fusionierten erst 1912. Im Jahr 1864 wurde eine Brücke über die Reuss gebaut und eine neue Strasse von Birri nach Ottenbach eröffnet, die Brücke selbst liegt allerdings auf dem Gemeindegebiet von Merenschwand. 1942 löste sich Aristau von der Pfarrei Muri und bildet seither eine eigenständige Pfarrei. Die Einwohner der Gemeinde waren bis Mitte des 20. Jahrhunderts hauptsächlich in der Landwirtschaft tätig, daneben sorgte die Heimarbeit in der Strohgeflechts- und der Textilindustrie für zusätzlichen Verdienst. In der Reussebene wurde Torf abgebaut, besonders während des Zweiten Weltkriegs. Nachdem die Bevölkerungszahl um 1860 einen ersten Höhepunkt erreicht hatte, nahm sie in der Folge ab und stagnierte dann. Seit Beginn der 1980er Jahre ist jedoch aufgrund der Nähe zu den Städten Zürich und Zug eine verstärkte Bautätigkeit zu beobachten. Seither hat die Einwohnerzahl um mehr als die Hälfte zugenommen. Sehenswürdigkeiten Siehe auch: Liste der Kulturgüter in Aristau Das älteste Gebäude der Gemeinde ist die 1521 erbaute Johanneskapelle, eine frühere Filialkapelle der Pfarrei Muri, zu der Aristau jahrhundertelang gehört hatte. Nach der Gründung der Pfarrei Aristau entstand 1942 die Pfarrkirche St. Wendelin. Neben der Johanneskapelle steht der denkmalgeschützte Aristauerhof, erbaut 1797. Ein bedeutender Profanbau in Althäusern ist das Landhaus Kapf, das 1687 als Landsitz der Äbte von Muri erbaut worden war. Wappen Die Blasonierung des Gemeindewappens lautet: «In Rot auf grünem Hügel schwarz gefugter weisser Turm mit drei Zinnen, beseitet von zwei sechsstrahligen weissen Sternen.» Bis 1964 führte die Gemeinde im Wappen die Martersäule Christi, die aber historisch gesehen für die gesamten Freien Ämter Gültigkeit besitzt. Schliesslich wurde das Wappen der Herren von Baar eingeführt, allerdings mit geänderten Farben, gewölbtem statt flachem Boden sowie mit zwei zusätzlichen Sternen. Bis 1990 war das Mauerwerk doppelt gefugt, was aber den heraldischen Regeln widerspricht.[5] Mehr unter obenstehendem Link.. | von Heidegg, Hartmann (I11371)
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| 33553 | https://de.wikipedia.org/wiki/Arnold_I._(Kleve) Arnold I. von Kleve (* um 1100; † 20. Februar 1147) war von 1119 bis 1147 Graf von Kleve. Leben Arnold I. gelang es als zweitem Grafen von Kleve die Territorien seines Vaters Dietrich I. maßgeblich zu Ungunsten der niederrheinischen Klöster und des Kölner Bischofs zu erweitern. So wurden ihm zwischen 1119 und 1122 die Vogtrechte über die iim kölnischen Xanten gelegenen Stift St. Viktor und Kloster Fürstenberg sowie die Ortsvogtei über die Xantener Besitzungen in der Hetter übertragen. Durch seine Hochzeit mit Ida von Löwen, der Tochter Gottfrieds des Bärtigen von Niederlothringen, um das Jahr 1120 gelangten als Mitgift der in Wesel gelegene Besitz der Abtei Echternach und die Weseler Waldgrafschaft zu Kleve, gleichfalls erlangte Graf Arnold Vogtrechte über das Weseler Kloster Oberndorf. Die Verbindung mit der Herzogsfamilie brachte ihm zudem eine stärkere Unabhängigkeit gegenüber dem Kölner Erzstift.[1] Er stiftete zudem das durch Norbert von Xanten gegründete Kloster Bedburg[2] und ließ das um 1115 zerstörte Stift St. Clemens in Wissel restaurieren.[3] Ab 1126 war Arnold am Hofe des Utrechter Bischofs, dessen Lehensmann sein Sohn Dietrich II. werden sollte. Graf Arnold von Kleve wurde in der Klever Stiftskirche beigesetzt. Weblinks • Grafen von Kleve (mit Lexikonauszügen und Stammbaum). In: Homepage zur Heimatforschung. Hagen Bobzin, abgerufen am 22. Februar 2016. Einzelnachweise 1 vgl. Tobias Weller: Die Heiratspolitik des deutschen Hochadels im 12. Jahrhundert. Köln 2004, ISBN 3-412-11104-X, S. 479 f. 2 Andreas Daams: St.-Markus-Kirche ist Graf Arnolds großes Denkmal. In: Onlineausgabe. WAZ, 17. Dezember 2012, abgerufen am 22. Februar 2016. 3 Dünendorf Wissel. In: niederrhein-nord.de. Abgerufen am 22. Februar 2016. | von Kleve, Graf Arnold I. (I7873)
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| 33554 | https://de.wikipedia.org/wiki/Arnold_II._(Guînes) Arnold II. (franz: Arnould; † 1220) war ein Graf von Guînes aus dem Hause Gent. Er war ein Sohn des Grafen Balduin II. und der Christina von Ardres. Leben Arnold erhielt von seinem Vater mit dem Erreichen der Mündigkeit die Herrschaft Ardres, die ein Erbe seiner 1177 verstorbenen Mutter war. In jungen Jahren wurde er am Hof des Grafen Philipp von Flandern zum Ritter ausgebildet. Zu Pfingsten 1182 erhielt er von seinem Vater in Ardres die Schwertleite mit einer Ohrfeige „die man nicht erwidert“. Danach machte sich Arnold einen Namen als Turnierkämpfer an den Fürstenhöfen Nordfrankreichs; finanziell wurde er dabei vor allem von seinem Vater gestützt. 1190 erhielt er von ihm Geld zur Finanzierung einer Teilnahme am dritten Kreuzzug, die Arnold aber nicht in die Tat umsetzte. Sein Vater arrangierte auch seine Verlobung mit Ida, der Erbin der benachbarten Grafschaft Boulogne. Allerdings wurde sie 1192 von Rainald von Dammartin entführt und geheiratet, der somit zum Feind Arnolds wurde. Er heiratete stattdessen noch vor 1200 Beatrix von Bourbourg, Erbin der Baronien Bourbourg und Aalst. Deshalb kam es zum Krieg mit der flämischen Grafenwitwe Mathilde, die Anspruch auf Bourbourg erhob. Arnold konnte aber 1201 in der Nähe von Furnes einen Sieg gegen ihre Ritter erringen. Mathilde verbündete sich umgehend mit Rainald von Dammartin (Rainald von Boulogne), der 1205 Guînes angriff und Graf Balduin II. gefangen nahm. Obwohl dieser wenig später wieder freigelassen wurde, starb er bald an den Folgen der Gefangenschaft. Arnold wurde so neuer Graf von Guînes. Arnold handelte mit Rainald von Dammartin einen Frieden auf drei Jahre aus. Sofort nach dessen Auslaufen 1209 griff Dammartin erneut Guînes an, diesmal im Bund mit König Philipp II. August, der Bonham zerstörte. Zugleich trennte sich Beatrix von Arnold aufgrund innerfamiliärer Konflikte und zog an den Hof des Grafen von Flandern. Im Jahr 1211 huldigte Arnold dem königlichen Prinzen Ludwig als dem neuen Grafen des Artois, dennoch blieb er der Krone feindlich gesinnt. Die Lage änderte sich, nachdem Dammartin vom König abfiel und sich mit dem ebenfalls rebellierenden Grafen Ferrand von Flandern verbündet hatte. 1213 zog der König vor Guînes, dem sich Arnold nach Stellung von Geiseln unterwarf. Im Folgejahr wurde sein Land von den Grafen von Dammartin und Flandern verwüstet, allerdings kämpfte Arnold anschließend auf der Seite des Königs in der siegreichen Schlacht bei Bouvines, in der seine beiden Feinde in Gefangenschaft gerieten. Nach der Schlacht bei Bouvines stand Arnold fest an der Seite der Krone. 1216 nahm er an der Invasion Englands des Prinzen Ludwig teil und begleitete diesen 1219 auf den Albigenserkreuzzug. Im Jahr darauf starb er und wurde in der Kirche von Ardres bestattet. Aus seiner Ehe mit Beatrix von Bourbourg hatte er mehrere Kinder, darunter: • Balduin III. († 1244), Graf von Guînes • Beatrix († nach 1244), Äbtissin von Bonham • Mathilde († 1262), ∞ mit Hugo von Châtillon, Graf von Blois und Saint-Pol Literatur Hauptquelle zum Leben Graf Arnolds II. von Guînes ist das Werk des Lambert von Ardres, der eine Chronik über die Grafen von Guînes (Historia comitum Ghisnensium) geschrieben hatte. Sie wurde unter anderem herausgegeben von Leah Shopkow: The History of the Courts of Guînes and Lords of Ardres (2000). | von Guînes (von Gent), Graf Arnold II. (I8476)
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| 33555 | https://de.wikipedia.org/wiki/Arnold_von_Altena Arnold von Altena (* vermutlich vor 1150; † 3. Mai 1206, 1207 oder 1209) war Graf von Altena und ein Sohn von Eberhard I. von Berg-Altena. Er ließ zusammen mit seinem Bruder, dem Kölner Erzbischof Adolf I., die Isenburg bei Hattingen errichten und verfügte über viele Liegenschaften. Er gilt als Begründer der Berg-Altenaer Linie Isenberg. Sein Sohn Friedrich von Isenberg ging als einer der Mörder des Erzbischofs Engelbert I. von Köln in die Geschichte ein. Weitere Söhne waren der Bischof von Osnabrück Engelbert I. von Isenberg und der Bischof von Münster Dietrich III. von Isenberg. Auch diese waren in den Mord verwickelt. Ehe Arnold heiratete Mechthild, Tochter von Florenz III. von Holland. Siehe auch • Grafen von Hövel • Grafschaft Altena Weblinks • Veröffentlichungen zu Arnold von Altena im Opac der Regesta Imperii | von Altena, Arnold (I9592)
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| 33556 | https://de.wikipedia.org/wiki/Arnold_von_Egmond Arnold von Egmond (* 14. Juli 1410 auf Schloss a/d Hoef in Egmond-Binnen, Nordholland; † 23. Februar 1473 auf Schloss Grave in Grave, Nordbrabant), aus dem Haus Egmond, war von 1423 bis 1465 sowie 1471 bis 1473 Herzog von Geldern. Familie Er war der Sohn von Johann II. von Egmond, Herr auf Arkel, und der Maria van Arkel, außerdem der Großneffe (Enkel der Schwester) von Rainald IV. Bis zum Jahr 1436 stand er unter der Vormundschaft seines Vaters. Arnold von Egmond heiratete am 26. Januar 1430 in Kleve[1] Katharina von Kleve (1417–1479). In zweiter Ehe war er mit Katharina von Straßburg verheiratet, Tochter von Johannes van Straesborch. Sie war vordem die Konkubine Arnolds. Aus weiteren Beziehungen mit unbekannten Frauen stammen weitere Kinder. Erbfolgekrieg mit Adolf von Berg → Hauptartikel: Zweiter Geldrischer Erbfolgekrieg Nach dem Tode des kinderlosen Herzogs von Geldern und Jülich, Rainald IV. († 25. Juni 1423) erhob der erst dreizehnjährige Arnold von Egmond als Nachkomme von Rainalds Schwester Margarethe Anspruch auf dessen Nachfolge. Seine Anwartschaft wurde ihm von Johann II. von Loon-Heinsberg und Herzog Adolf von Berg streitig gemacht – woraus sich ein jahrzehntelanger Konflikt entwickelte. Zunächst schien es, als würde sich Arnold gegen seine Konkurrenten durchsetzen können. Indem er die Privilegien der geldrischen Stände vergrößerte, sicherte er sich deren Unterstützung. Am 8. Juli 1423 wurde er in Nimwegen von der Ritterschaft und den Städten Gelderns fast einstimmig zum Landesherrn gewählt. Am 15. August 1424 wurde er überdies von Kaiser Sigismund mit den Herzogtümern Geldern und Jülich belehnt. Da es Arnold aber nicht gelang, die hierfür verlangten 14.000 Gulden rechtzeitig beizubringen, befahl Sigismund, die bereits ausgefertigten Lehnsurkunden zu vernichten und belehnte statt Arnold am 24. Mai 1425 dessen Konkurrenten Adolf von Berg mit der Herrschaft über Geldern. Daraufhin kam es zu ersten kriegerischen Auseinandersetzungen, in denen sich Arnold gegenüber den bergischen Truppen im Besitz von Geldern behaupten konnte. Dies gelang ihm auch aufgrund der Unterstützung durch Herzog Philipp von Burgund, ein BüBündnis, das später durch die Heirat mit Katharina von Kleve, einer Nichte Philipps, weiter gefestigt wurde. Im Juli 1429 erfolgte der Abschluss eines einstweiligen Waffenstillstandes. Adolf von Berg versuchte nunmehr, auf dem Wege der Klage beim Kaiser an sein Ziel zu kommen. Obgleich daraufhin über Arnold 1431 die Reichsacht und 1433 sogar die Aberacht verhängt wurden, vermochte er sich in Geldern an der Macht zu halten. Nach Ablauf des Waffenstillstandes hoffte Arnold sogar, seine Ansprüche auf das Herzogtum Jülich durchsetzen zu können. Die Kämpfe zwischen 1433 und 1436 endeten jedoch ergebnislos im Abschluss eines weiteren Waffenstillstandes, der auf Vermittlung Herzogs Philipp von Burgund zustande kam. Erbfolgekrieg mit Gerhard von Jülich-Berg Nach dem Tode Adolfs von Berg, versuchte dessen Nachfolger Gerhard II. von Jülich-Berg zu Beginn der 40er Jahre Geldern unter seine Kontrolle bringen und eröffnete den Erbfolgekrieg erneut. Trotz Gerhards Sieg in der Schlacht bei Linnich (3. November 1444) vermochte jedoch keiner der Prätendenten den anderen zu verdrängen, was im Abschluss eines neuen Waffenstillstandes mündete. Damit waren die bergisch-geldrischen Erbauseinandersetzung de facto beendet, obgleich beide Seiten ihre gegenseitigen Ansprüche zunächst aufrechterhielten. Konflikt mit Adolf von Egmond Das Ende des Konfliktes gab Arnold um 1450 Gelegenheit eine Pilgerreise nach Rom und Jerusalem zu unternehmen, doch sollte das Herzogtum nicht zur Ruhe kommen. Die endlosen Fehden sowie die aufwendige Hofhaltung Arnolds brachten ihn zunehmend in Gegensatz zu den Ständen des Gelderlandes. Philipp von Burgund, der sich im Konflikt über die Besetzung des Utrechter Bischofsstuhles mit seinem ehemaligen Verbündeten überworfen hatte, unterstützte den Widerstand der Stände. Der Konflikt eskalierte im Jahre 1456 mit der Erhebung von Arnolds eigenem Sohn Adolf zum offenen Bürgerkrieg. Schließlich gelang es Adolf, seinen Vater im Januar 1465 gefangen zu nehmen und sich somit einstweilen durchzusetzen. Die Gefangennahme Arnolds führte jedoch nur zu einer Ausweitung des Konfliktes über Gelderns Grenzen hinaus, da nun Herzog Johann I. von Kleve als Schwager Arnolds intervenierte. Adolf verbündete sich daraufhin mit dem Erzbischof von Köln gegen den Herzog und schlug dessen Truppen in der Schlacht von Straelen am 23. Juni 1468. Infolge der alten klevisch-burgundischen Verbindung erwuchs dem entmachteten Arnold mit dem Burgunderherzog Karl dem Kühnen allerdings nun ein neuer Verbündeter. Nachdem Karl der Kühne Arnold und Adolf zu einem Vermittlungsgespräch nach Hesdin geladen hatte und sich der Sohn dabei geweigert hatte, Arnold auf Lebenszeit den Herzogtitel, die Nutzung von Gave und eine ausreichende Pension zu belassen, wurde Adolf am 10. Februar 1471 von den Burgundern in Namur gefangen gesetzt. Verpfändung Gelderns Nach der Gefangennahme Adolfs versuchte Arnold zunächst, von den geldrischen Ständen seine erneute Anerkennung als Herzog zu erhalten. Die Vorstellungen seines Protektors Karls des Kühnen sahen jedoch anders aus, er verlangte die Übertragung der Schutzvogtei und damit die Herrschaft über Geldern. Arnold weigerte sich zunächst, den Anweisungen Karls zu folgen und setzte den Krieg gegen seine aufständischen Untertanen eigenhändig fort, konnte jedoch nur das Oberquartier unter seine Kontrolle bringen. Da er seinen Machtanspruch in Drei Viertel des Landes, das an Adolf festhielt, nicht durchsetzen konnte, resignierte er schließlich und verpfändete das gesamte Herzogtum am 1. Dezember 1471 für 300.000 Gulden an den Herzog von Burgund, der dann bis 1473 seine Herrschaft über Geldern gewaltsam erzwang. Im Februar 1473 erlag Arnold von Egmond einem Schlaganfall. Auch wenn sein Enkel Karl von Egmond dem burgundischen Herrschaftsanspruch, der 1477 auf das Haus Habsburg überging, noch für Jahrzehnte Widerstand entgegensetzte, so sollte doch Arnolds Entscheidung, das Herzogtum Geldern zu verpfänden, auf lange Sicht zum Verlust der Geldrischen Selbstständigkeit führen. Im Frieden von Venlo 1543 gelang es den Habsburgern, ihren Herrschaftsanspruch über Geldern endgültig durchzusetzen. Literatur • Petra Ehm: Der übermächtige Nachbar: Geldern und Burgund unter Philipp dem Guten und Karl dem Kühnen, in: Johannes Stinner / Karl-Heinz Tekath (Hrsg.), Gelre-Geldern-Gelderland. Geschichte und Kultur des Herzogtums Geldern, Geldern 2001, S. 16 • Henny Grüneisen: Arnold von Egmond. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 1, Duncker & Humblot, Berlin 1953, ISBN 3-428-00182-6, S. 376 f. (Digitalisat). • Lambert van Hout: Arnold von Egmond und die Erbfolge in Geldern, in: Johannes Stinner / Karl-Heinz Tekath (Hrsg.), Gelre, Geldern, Gelderland. Geschichte und Kultur des Herzogtums Geldern, Geldern 2001, S. 107–112 • Clemens von Looz-Corswarem: Geldern und die Nachbarn Kleve, Jülich und Berg vom Spätmittelalter bis 1543, in: Johannes Stinner / Karl-Heinz Tekath (Hrsg.), Gelre-Geldern-Gelderland. Geschichte und Kultur des Herzogtums Geldern, Geldern 2001,. 125 Weblinks • Tripota – Trierer Porträtdatenbank Einzelnachweise 1 A.P van Schilfgaarde, Zegels en genealogische gegevens van de graven en hertogen van Gelre, graven van Zutphen, Arnhem 1967 2 Ralf G. Jahn, Die Genealogie der Vögte, Grafen und Herzöge von Geldern, In: Gelre, Geldern, Gelderland. Geschichte und Kultur des Herzogtums Geldern, hrsg. von Johannes Stinner und Karl-Heinz Tekath, Geldern 2001 (abgerufen am 17. April 2017) 3 Dieter Geuenich: Mittelalter an Rhein und Maas. Beiträge zur Geschichte des Niederrheins, Waxmann Verlag, 2004, ISBN 3-8309-1380-X, Seite 182. | von Egmond (von Geldern), Herzog Arnold (I8785)
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| 33557 | https://de.wikipedia.org/wiki/Arnolf_von_Kärnten Arnolf von Kärnten (auch Arnulf, Arnold; * um 850; † 8. Dezember 899 in Regensburg) aus dem Adelsgeschlecht der Karolinger war ab 887 König des Ostfrankenreiches und von 896 bis 899 römischer Kaiser. Arnolfs Vorgänger Karl III. („der Dicke“) vereinte für kurze Zeit alle drei Teilreiche und damit das Reich Karls des Großen unter seiner Herrschaft. Angesichts der sich abzeichnenden Regierungsunfähigkeit Karls konnte ihn Arnolf mit Hilfe der Bayern, Franken, Sachsen, Thüringer und Alemannen stürzen und selbst die Königswürde übernehmen. Arnolf beschränkte sich auf das Ostreich seines Großvaters, Ludwigs des Deutschen, während in den übrigen Teilen des Frankenreiches andere Große die Königswürde beanspruchten. Ab 888 konnte Arnolf seine Herrschaft über Lothringen wie auch Reichsitalien festigen. Mit seinem Sieg an der Dijle bei Löwen 891 fanden die Normannenüberfälle auf das Ostfrankenreich ein Ende. Die dadurch im Norden erreichte Stabilität förderte den Aufstieg der Liudolfinger, die wenige Jahrzehnte später die Königsfamilie im Reich stellten. Arnolfs Pakt mit den Ungarn, die im 10. Jahrhundert zur größten Bedrohung für das Ostfrankenreich werden sollten, verdüsterte sein Bild in der Nachwelt. In Rom ließ sich Arnolf 896 zum Kaiser krönen. Zu seiner Zeit erreichte Regensburg den Höhepunkt seiner Bedeutung als Machtzentrum im Ostfrankenreich. Herkunft Arnolf entstammte dem Geschlecht der Karolinger, die seit 751 die fränkische Königswürde innehatten. Er war ein außerehelicher Sohn des ostfränkischen Königs Karlmann mit einer Adligen namens Liutswind, deren Herkunft ungewiss ist. Damit war eer ein Ururenkel Karls des Großen und Enkel Ludwigs des Deutschen. Seine Mutter ist als nobilissima femina (hochedele Frau) bei Regino von Prüm und Notker I. bezeugt, was in der Forschung zu einer Einordnung bei den Luitpoldingern geführt hat.[1] Man hat sie aber auch den Ebersbergern und Sighardingern zugeordnet.[2] Später wandte sich Karlmann von Liutswind ab; vor 861 heiratete er eine namentlich unbekannte Tochter des Markgrafen Ernst. Die Ehe blieb kinderlos.[3] Nach Brigitte Kasten war eine uneheliche Abkunft in der Karolingerzeit nicht von Nachteil und kein Ausschlusskriterium für die Königsherrschaft. Das „Rechtsargument der Illegitimität“ sei bei der Herrschaftsnachfolge „weniger eine Generationen übergreifende Normbildung als in erster Linie eine variabel gehandhabte Strategie des Machterhalts“ gewesen.[4] Nach einer neueren Forschungsmeinung beruhte die monarchische Autorität eines unehelich geborenen Herrschers weniger auf seiner väterlichen Abstammung als auf seiner Fähigkeit, sich in die Adelsgesellschaft zu integrieren.[5] Bei den Geschichtsschreibern trat Arnolfs uneheliche Geburt in den Hintergrund.[6] Dagegen versucht Matthias Becher nachzuweisen, dass Arnolf ehelich geboren ist. Becher vermutet, „dass Arnulf vielleicht nur zu einem Zeitpunkt geboren wurde, zu dem Ludwig der Deutsche als Vater Karlmanns dessen Ehe mit der Tochter des aufständischen Markgrafen Ernst nicht anerkannt hatte – vielleicht auch nur rückwirkend“.[7] Ludwig der Deutsche schickte 856 seinen Sohn Karlmann in die bairischen Marken, um diese wichtige Region unter seine Kontrolle zu bringen. Karlmann betrieb jedoch eine so eigenständige Politik, dass Ludwig dies als Aufstand auffasste. Eigenmächtig schloss Karlmann 858 Frieden mit dem von den Ostfranken seit Jahren bekämpften Rastislav von Mähren. Die kommenden Jahre waren von Rebellion und Ausgleich zwischen Vater und Sohn geprägt. Erst 865 söhnte sich Ludwig dauerhaft mit Karlmann aus. Nach Ludwigs Tod erhielt Karlmann 876 Bayern, Pannonien und Karantanien sowie die Reiche der Slawen, worauf er vermutlich im selben Jahr seinem Sohn Arnolf einen Herrschaftsraum in Karantanien und Pannonien zuwies. Zu diesem gehörte nach Regino von Prüm auch die Moosburg.[8] Darauf beruht die Hypothese, dass Moosburg Arnolfs Geburtsort sei. Heinz Dopsch vermutet jedoch angesichts der bayerischen Herkunft von Arnolfs Mutter, dass er wohl eher in Bayern, vielleicht in Regensburg geboren wurde.[9] Familie Arnolf hatte mit Zwentibold und Ratold zwei voreheliche Söhne, die vor 889 geboren waren. Außerdem hatte er von einer Frau namens Ellinrat eine gleichnamige Tochter. Der Name einer weiteren Tochter ist unbekannt. Anscheinend hatte er mindestens drei Konkubinen.[77] Seine Heirat mit Oda wird nach allgemeiner Einschätzung der Forschung in das Jahr 888 oder kurze Zeit nach seiner Königserhebung datiert.[78] Oda wird vielfach zu den Konradinern gezählt, da Arnolf und Ludwig das Kind in ihren Diplomen die Konradiner Konrad den Älteren, Konrad den Jüngeren und Eberhard als nepotes (Neffen) bezeichneten und Oda über den Hof Lahnstein verfügt hatte.[79] Sie gehörte damit neben den Babenbergern zu einer der einflussreichsten ostfränkischen Familien. Diese Ehe sollte Arnolfs Herrschaft stärken.[80] Aus ihr ging im Herbst 893 als einziger legitimer Sohn Ludwig das Kind hervor. Ludwig galt seit seiner Geburt als der zukünftige Thronfolger. Die Benennung mit einem karolingischen Taufnamen im Unterschied zu seinen Brüdern macht dies deutlich. Trotz Ludwigs Geburt sollten aber auch Arnolfs uneheliche Söhne mit Königsherrschaften versehen werden. Zwentibold wurde König in Lothringen, für Ratold war anscheinend Italien als Herrschaftsbereich vorgesehen.[81] Arnolf stattete seine Gemahlin Oda mit zahlreichen Fiskalgütern (aus dem eigentlichen Reichsbesitz) aus: Er schenkte ihr den Königshof in Velden an der Vils und ein weiteres Fiskalgut in Nierstein im Wormsgau. Auch Ellinrat beschenkte er mit Fiskalgut.[82] Arnolf feierte mit seiner Gemahlin das erste gemeinsame Weihnachten als wichtigen Akt königlicher Repräsentation und Herrschaftsausübung in Kärnten, und sie begleitete ihn auf den Romzug 895/96. Eine Krönung zur Kaiserin ist jedoch nicht ausdrücklich überliefert. An Arnolfs Feldzügen nach Mähren 893 und Italien 894 nahm sie nicht teil.[83] Mit lediglich sechs Nennungen in den Urkunden Arnolfs hatte Oda offenbar keinen besonderen Einfluss auf die Herrschaft ausgeübt.[84] Arnolfs Söhne Ratold und Ludwig das Kind blieben unverheiratet. Zwentibold ehelichte zu Ostern 897 die Liudolfingerin Oda, die sein Vater für ihn ausgesucht hatte. Die Gründe dafür sind nicht bekannt. Möglicherweise wollte Arnolf durch die Verbindung mit dieser einflussreichen Adelsfamilie das königsferne Sachsen enger an sich binden.[85] Regelung der Nachfolge Bereits kurz nach seinem Herrschaftsantritt hielt Arnolf Ende Mai 889 in Forchheim eine Versammlung ab, auf der über den Zustand des Reiches (de statu regni) beraten wurde. Dort wollte der König seine beiden illegitimen Söhne Zwentibold und Ratold als seine Nachfolger anerkennen lassen. Dies stieß aber bei den fränkischen und bayerischen Großen auf Bedenken. Nach den Fuldaer Annalen leisteten einige Franken den Schwur mit dem Vorbehalt, dass er nur gelten sollte, falls dem König kein legitimer Sohn geboren würde.[86] Infolge der Geburt Ludwigs des Kindes scheiterte Arnolfs Versuch, im Juni 894 in Worms seinen erstgeborenen Sohn Zwentibold zum König von Lothringen zu machen. Die Gründe für diesen Fehlschlag sind nicht näher bekannt. Im Mai 895 hatte die Erhebung Zwentibolds zum König von „Burgund und dem ganzen lotharischen Reich“ (in Burgundia et omni Hlotharico) hingegen Erfolg.[87] Ratold tritt in den Quellen neben der Nachfolgeregelung von 889 nur noch bei Arnolfs Rückreise von der Kaiserkrönung 896 hervor.[88] Krankheit Im Sommer 896 erlitt Arnolf kurz nach der Kaiserkrönung einen Schlaganfall, worauf er nach Bayern zurückkehrte; im August nahm er an einer Reichsversammlung in Forchheim teil. Dabei wäre er fast von einem einstürzenden Balkon erschlagen worden; bei frühmittelalterlichen Herrschern waren Unfälle durch einstürzende Gebäude keine Seltenheit.[89] Wohl im November 896 empfing er in Regensburg eine Gesandtschaft des byzantinischen Kaisers Leo VI. In Altötting feierte er das Weihnachtsfest. Sein gesundheitlicher Zustand scheint sich dann wieder verschlechtert zu haben. Den Winter 896/97 musste er in Bayern verbringen, nach einer Bemerkung der Fuldaer Annalen teils „an abgeschiedenen Orten“ (secretis locis).[90] Ein solches Verhalten war für einen karolingischen Herrscher singulär. Möglicherweise wollte er seine Krankheit verbergen oder suchte die Ruhe zur Genesung.[91] Am 8. Juni 897 sprach er in einer Urkunde für die Wormser Kirche das eigene Wohlergehen an.[92] In der Urkunde drückte er seine Hoffnung aus, dass derartige Schenkungen auch „für die Gesundung unseres Körpers“ hilfreich seien.[93] Arnolfs Krankheit machte aktives Regierungshandeln zunehmend unmöglich. In Italien ließ man sich von seinen Rivalen Lambert und Berengar Urkunden ausstellen, nördlich der Alpen ging das Vertrauen in den Herrscher spürbar zurück. Die Anzahl der aausgestellten Königsdiplome nahm deutlich ab.[94] Zugleich wuchs die Zahl der Urkundenintervenienten in dieser Phase erheblich. Traten in der Zeit vor Arnolfs Krankheit nur in etwa einem Drittel adlige Herrschaftsträger als Intervenienten auf, sso war dies nach 896 in rund zwei Dritteln der Fall. Die Forschung hat daraus geschlossen, dass die Großen des Reiches in dieser Zeit ihre Machtposition erheblich ausbauen konnten.[95] Timothy Reuter hat aus den Quellen eine gewisse Erholung des Kaisers für das Frühjahr 897 ausgemacht. Die Beschränkung im Itinerar und auch bei den Urkundenempfängern auf Bayern erklärt Reuter mit der damaligen militärischen Situation.[96] Angesichts der angespannten Lage ließ Arnolf 897 die ostfränkischen Großen den Treueid auf seinen kleinen Sohn Ludwig schwören.[97] Ein zweiter Schlaganfall ereilte Arnolf im Frühjahr 899. Er wurde so bewegungsunfähig, dass er die Donaustrecke nur noch per Schiff und nicht zu Pferd zurücklegen konnte. Gegen seine Frau Oda wurde 899 der Vorwurf der Untreue erhoben. Die Ehebruchanklage konnte im Juni 899 in Regensburg durch 72 Eideshelfer entkräftet werden. Nach Johannes Fried konnten die Vorwürfe nicht ohne Zustimmung Arnolfs öffentlich verhandelt werden.[98] Mit der öffentlichen Demütigung sollte, so Thilo Offergeleld, Oda als Mutter des minderjährigen Königs für die künftigen Gespräche über die Thronfolge politisch aus der Verantwortung ausgeschlossen werden.[99] Timothy Reuter hingegen erklärt die Ehebruchsanklage nicht mit der „politischen Ausschaltungg“ der Königin, sondern sieht darin eine „ziemlich hysterische Abwehrmaßnahme angesichts der erneuten Gesundheitsverschlechterung Arnolfs“.[100] Oda wurde anscheinend nicht verstoßen, denn sie intervenierte noch in der letzten Urkunde Arnolfs für das Stift Ötting.[101] Etwa gleichzeitig mit dem Prozess gegen Oda erkrankte der Kaiser erneut. Man führte dies darauf zurück, dass ihm „etwas Schädliches“ (nocuum quoddam) gegeben worden sei. Drei der angeblichen Täter wurden verurteilt; Gramman wurde in Ötting enthauptet, ein anderer Beschuldigter, der in den Quellen anonym bleibt, entkam nach Italien. Radpurc, die als führender Kopf des Komplotts galt, starb in Aibling am Galgen.[102] Timothy Reuter sieht dahinter eine Anklage „mit Untertönen von Hexerei und schwarzer Magie“.[103] Giftmischerei und Zauberei waren Vergehen, die man im mittelalterlichen Europa vor allem Frauen anlastete.[104] Anfang 899 versuchte die konradinische Sippe unter Führung Erzbischof Hattos von Mainz ohne den todkranken Kaiser in geheimen Verhandlungen in St. Goar die Anerkennung von Arnolfs minderjährigem Sohn Ludwig zu erreichen. Ziel war die Absetzung König Zwentibolds, denn dieser hätte als handlungsfähiger Herrscher den Einfluss der Konradiner auf den minderjährigen König Ludwig vermindert. Insgeheim einigte man sich auf ein Vorgehen gegen Zwentibold. Der schwerkranke Kaiser belagerte in Mautern im Sommer 899 von einem Schiff aus den aufständischen Isanrich, den Sohn des Markgrafen Aribo. Isanrich hatte mit den Mährern paktiert und so das Eingreifen Arnolfs veranlasst. Zunächst konnte er gefangen genommen werden, jedoch entkam er und floh zu den Mährern. Von Mautern aus kehrte Arnolf nach Regensburg zurück. Die Stadt hat er bis zu seinem Tod nicht mehr verlassen.[105] Tod und Nachfolge Arnolf starb im Alter von etwa 50 Jahren nach mehreren Schlaganfällen am 8. Dezember 899. Die vor 1945 aufgestellte These einer Erbkrankheit der Karolinger, die für den Untergang der Dynastie verantwortlich sei, wurde von Achim Thomas Hack widerlegt.[106] Der Todestag des Kaisers und seine Begräbnisstätte werden sehr unterschiedlich überliefert. Das Sterbedatum hat hohe Bedeutung für das liturgische Totengedächtnis. Auf der Reichenau galt der 14. Juli als Sterbetag Arnolfs, was Franz FFuchs auf eine Verwechslung mit dem gleichnamigen Bayernherzog zurückführt.[107] Im Totenbuch von St. Maximin in Trier wurde des Kaisers am 17. August gedacht. Nach dem Bericht Reginos von Prüm zum Jahr 899 starb Arnolf am 29. November und wurde in Ötting (Altötting) begraben. Die meisten süddeutschen Nekrologien nennen den 8. Dezember; dieser Datierung schließt sich Franz Fuchs an. In St. Emmeram wurde vom Spätmittelalter bis zur Auflösung des Klosters der 27. November als Todestag Arnolfs begangen. Fuchs begründet dies damit, dass im entsprechenden Nekrolog das ursprüngliche Datum, der 8. Dezember, nachweislich durch Rasur getilgt und im 14. Jahrhundert an seiner Stelle der 27. November als der Todestag eingefügt wurde. Die Neuordnung der Arnolf-Memoria gehe auf Abt Albert von Schmidmühlen (1324–1358) zurück.[108] Fuchs meint, Arnolf sei in St. Emmeram begraben worden, denn die gleichzeitige Aussage des bairischen Fortsetzers der Fuldaer Annalen sei aufgrund ihrer räumlichen Nähe glaubwürdiger.[109] Außerdem wurde in Altötting nie auf den letzten ostfränkischen Kaiser und sein Grab Anspruch erhoben.[110] Demnach wurde Arnolf wie andere ostfränkische Karolinger im nächstgelegenen altehrwürdigen Kloster beigesetzt.[111] Arnolfs Witwe Oda blieb offenbar ohne größeren Einfluss. Nach seinem Tod intervenierte sie nur einziges Mal in Ludwigs Diplomen.[112] Mit Ötting ist nur einer ihrer Aufenthaltsorte nach Arnolfs Tod bekannt. Ihr Grab ist unbekannt geblieben.[113] Acht Wochen nach Arnolfs Tod wurde der sechsjährige Ludwig am 4. Februar 900 in Forchheim zum König gewählt und gekrönt.[114] In Lothringen sagte sich 899/900 der Adel von Zwentibold los und schloss sich König Ludwig an. Im August 900 wurde Zwentibold in einer Schlacht an der Maas getötet. Ludwig das Kind stand unter dem Einfluss einer Adelsfraktion um Hatto von Mainz. Thilo Offergeld konnte in seiner Untersuchung über das Kinderkönigtum kein Anzeichen einer selbstständigen Herrschaftstätigkeit bei Ludwig ausmachen.[115] Mit Ludwigs Tod am 24. September 911 endete die Herrschaft der Karolinger im Ostfrankenreich. Mehr unter obenstehendem Link.. | von Kärnten, Römischer Kaiser Arnolf (Arnulf Arnold) (I4993)
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| 33558 | https://de.wikipedia.org/wiki/Arnulf_(Holland) Arnulf von Holland (auch Arnulf von Gent) (* um 955; † 18. November 993 in Winkel) war Graf von Holland beziehungsweise Westfriesland und Burggraf von Gent. Familie Er stammte aus der Familie der Gerulfinger und war ein Sohn des Grafen Dietrich II. von Holland und der Hildegard von Flandern. Sie war eine Tochter von Graf Arnulf I. von Flandern. Sein Bruder war Ekbert, Erzbischof von Trier. Er selbst war mit einer Liutgard, Tochter des Grafen Siegfried von Luxemburg verheiratet. Sie war eine Schwester der Kaiserin Kunigunde. Aus dieser Ehe gingen Dietrich III., Sigfried und Aleida hervor. Leben Arnulf soll 983 Otto II. nach Italien begleitet haben. Er trat im Jahre 988 die Nachfolge seines Vaters an. Diese erwies sich aber als teilweise schwierig. Er war nicht nur einer der mächtigsten Lehnsnehmer des ottonischen Hauses im Gebiet zwischen der Rhein- und Scheldemündung, sondern hatte auch Lehen der französischen Krone inne und war zudem als Hafen- und Wikgraf von Gent von großer Bedeutung. Weil er wie sein Vater auch Anhänger der Ottonen war, kam es zum Konflikt mit Hugo Capet. Dieser verwüstete Arnulfs Gebiete und belehnte nicht ihn, sondern seinen Sohn Theoderich III. mit den französischen Besitzungen.[1] Mitte Mai 988 hielten sich Otto III. und Kaiserin Theophanu im zwischen Hugo Capet und Karl von Niederlothringeen umkämpften Gebiet auf. Zum Hoflager der Kaiserin kamen auch die Großen der Region. Dies waren namentlich Markgraf Gottfried von Verdun und Arnulf von Holland, Westfriesland und Gent. Dort wurden wohl auch die nach dem Tod des Vaters durch Hugo Capet in Verwirrung geratenen lehnsrechtlichen Verhältnisse Arnulfs geklärt.[2] Er verfügte über einen großen Allodbesitz und versuchte seinen Besitz auszuweiten. Er machte auch der Abtei Egmond reiche Schenkungen. Durch die familiäre Beziehung seiner Ehefrau zu Kaiserin Theophanu, kam die Abtei etwa in den Besitz von zahlreichen griechischen und lateinischen Schriften. Zu seiner Zeit kam es zu schweren Kämpfen mit den Friesen. Er fiel in einer Schlacht bei Winkel gegen die Friesen. Literatur • Heinrich Leo: Zwölf Bücher Niederländischer Geschichte. Teil 1. Halle, 1832 643-645 • Alberdingk Thijm: Arnulf von Gent. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 1, Duncker & Humblot, Leipzig 1875, S. 607. Weblinks • Eintrag auf MedLands Einzelnachweise 1 Otto III. (RI II) n. 1001b 988 (April) (Regest RI-online) 2 Otto III. (RI II) n. 1002b 988 (mitte Mai). (Regest RI-online] | von Holland (von Gent) (Gerulfinger), Graf Arnulf (I5687)
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| 33559 | https://de.wikipedia.org/wiki/Arnulf_I._(Flandern) Arnulf I. der Große (niederl.: Arnulf de Grote, franz: Arnoul le Grand, lat: Magnus Arnulfus; * um 885/890, † 27. März 964) war ein Graf von Flandern.[1] Er war der älteste Sohn des Grafen Balduin II. des Kahlen († 918) aus dem Haus Flandern und der Ælfthryd († 929), einer Tochter des Angelsachsenkönigs Alfreds des Großen. Benannt wurde er nach einem frühen Vorfahren, Arnulf von Metz, um die Abstammung seiner Familie (in weiblicher Linie) von den Karolingern zu betonen. Leben Beim Tod des Vaters erhielt Arnulf mit Flandern den Stammbesitz seiner Familie, während sein jüngerer Bruder Adalolf die Grafschaften Boulogne und Ternois und die Abtei Saint-Bertin bekam. Mit seinem Bruder unterstützte er 925 König Rudolf im Kaampf gegen den Normannen Rollo, gegen den sie bei Eu siegten.[2] Nachdem Adalolf 933 gestorben war, verdrängte Arnulf dessen Söhne und fügte das väterliche Erbe wieder unter seiner Herrschaft zusammen. Bereits 931 hatte er dem Grafen von Laon die Burg Mortagne entrissen und 932 nach dem Tod des Grafen Adalhelm das Artois übernommen. Innerhalb des westfränkischen Feudaladels war Arnulf ein Anhänger der Karolinger und verbündete sich mit Graf Heribert II. von Vermandois gegen die Robertiner. Nach dem Tod König Rudolfs unterstützte er die Wahl Ludwigs IV. des Überseeischen zum neuen König. Bei seiner Rückkehr aus dem Exil landete der König 936 im Hafen von Boulogne an, also im Herrschaftsgebiet Arnulfs, der vermutlich den König auch empfangen hatte. Nachdem der König in Konflikt zu dem mächtigen dux Hugo Magnus geriiet, nutzte Arnulf dies zum eigenen Machterwerb. Mit der Unterstützung seines Vetters Æthelstan griff er im Jahr 939 Montreuil an, das er auch erobern konnte. Graf Herluin aber konnte zu den Normannen fliehen und mit der Unterstützung von Wilhelm Langschwert seine Grafschaft schnell zurückerobern. Der wachsenden Bedrohung durch die Normannen begegnete Arnulf mit dem Mord an Wilhelm Langschwert im Jahr 942 bei einem Treffen auf einer Sommeinsel bei Picquigny, auf dem vorgeblich eine Versöhnung ausgehandelt werden sollte. Noch im selben Jahr versöhnte er sich mit Herluin von Montreuil nach Vermittlung König Ludwigs IV., auf dessen Seite sich Arnulf seitdem wieder stellte. Zusammen mit dem König führte Arnulf in den kommenden Jahren mehrere Feldzüge in die Normandie, wo in dieser Zeit mehrere Wellen heidnischer Siedler aus Skandinavien angelandet waren. Dabei geriet der König jedoch im Juli 945 in die Gefangenschaaft der Normannen, die ihn bald an Hugo Magnus auslieferten. Dies bedeutete ein Wiederaufflammen des Parteienkampfes im westfränkischen Regnum, in dem Kaiser Otto der Große zugunsten der Karolinger militärisch eingriff. Arnulf stellte sich an die Seite des Kaisers und belagerte mit ihm erfolglos Senlis, worauf im Gegenzug Hugo Magnus 947 Flandern angriff. Im Jahr darauf versuchte Arnulf im Bunde mit dem inzwischen wieder frei gelassenen König erneut Montreuil zu erobern, was aber an der Verteidigung des Grafen Roger scheiterte. Dafür gelang 949 die Eroberung von Amiens, dessen Bischof die Robertiner unterstützt hatte, und deren anschließende Verteidigung gegen Hugo Magnus. Der versuchte diesen Verlust durch Angriffe auf Arnulfs Burgen im Ponthieu wettzumachen, worauf Arnulf mit der Transferierung der Reliquien aus den Abteien von Saint-Valery und Saint-Riquier, deren Laienabt Hugo Magnus war, in die Abtei Saint-Bertin reagierte.[3] Nach diesen Jahren des Kampfes konzentrierte sich Arnulf die nächsten Jahre auf den administrativen Ausbau seines Herrschaftsgebiets. Dabei verwirklichte er unter anderem eine Klosterreform, in der er den Laienvorsitz in den Klöstern Sankt Peter in Gent und Saint-Bertin aufgab und sie an den Geistlichen Gerhard von Brogne übergab. Spätestens ab 954 beteiligte Arnulf seinen ältesten Sohn Balduin III. an der Regentschaft und überantwortete ihm die Grafschaft Boulogne. Im Jahr 962 aber starb sein Sohn, was augenblicklich König Lothar zu seinen Gunsten ausnutzte, indem er Arnulf zu einer Versöhnung mit dem einst von ihm verdrängten Neffen Arnulf II. nötigte, dem er dabei die Grafschaft Boulogne überlassen musste.[4] Arnulf starb am 27. März 964 und wurde in der Sankt-Peters-Abtei in Gent bestattet.[5][6] Während seiner Zeit trat die Bedrohung Flanderns durch die Wikinger in den Hintergrund, sein Herrschaftsbereich umfasste bei seinem Tod neben Flandern, auch das Ternois, Artois, Ostervant und Amiens, wobei aber die letzten drei Grafschaften seinem Enkel und Nachfolger, Arnulf II. dem Jüngeren, wieder verloren gingen. Familiäres Seit dem Jahr 934 war Arnulf I. verheiratet mit Adela (* 910/915, † 960), einer Tochter des Grafen Heribert II. von Vermandois, mit der er drei bekannte Kinder hatte: • Balduin III. (* wohl um 936; † 1. Januar 962), Graf von Boulogne • Luitgard ( † 962, vor dem 18. Oktober); ∞ um 950 mit Graf Wichmann von Hamaland († 973) • Ekbert († vor dem 10. Juli 953) Weitere mögliche Töchter waren: • Hildegarde; genannt am 2. Oktober 974 als Ehefrau des Grafen Dietrich II. von Westfriesland († 988)[7] • Elftrude; zu Beginn des 13. Jahrhunderts genannt als Ehefrau Siegfrieds des Dänen[8] (Haus Guînes) Literatur • Walter Mohr: Studien zur Klosterreform des Grafen Arnulf I. von Flandern: Tradition und Wirklichkeit in der Geschichte der Amandus-Klöster, in: Mediaevalia lovaniensia. Series 1, Studia (Löwen, 1992) Weblinks • Arnulf I of Flanders bei The Henry Project (englisch) Einzelnachweise 1 In zeitgenössischen Chroniken wurden ihm die Titel marchio (Markgraf) und princeps (Fürst) beigegeben. 2 Flodoard: Annales, chronica et historiae aevi Saxonici. Hrsg. von Georg Heinrich Pertz in MGH SS 3, (1839), S. 375. 3 Hariulf: Chronique de L’Abbaye de Saint-Riquier. Hrsg. von Ferdinand Lot (1894), S. 150–152. 4 Flodoard: Annales, chronica et historiae aevi Saxonici. Hrsg. von Georg Heinrich Pertz in MGH SS 3, (1839), S. 406. 5 Annales Blandinienses, hrsg. P. Grierson (1973), S. 20; Annales Elmarenses, hrsg. P. Grierson (1973), S. 86; Annales Formoselenses, hrsg. P. Grierson (1973), S. 126; Annales Elnonenses, hrg. P. Grierson (1973), S. 511 6 Flodoard gab als Todesjahr 965 an. Annales, chronica et historiae aevi Saxonici, hrsg. von Georg Heinrich Pertz in MGH SS 3, (1839), S. 156 7 Auguste van Lokeren, Chartes et documents de l'abbaye de Saint Pierre au Mont Blandin à Gand depuis sa fondation jusqu'à sa suppression (Gent 1868), Nr. 48; Aus ihren Kindern Ekbert und Arnulf wird geschlussfolgert, das Hildegarde eine Tochtr Arnulfs I. von Flandern gewesen war. 8 Lambert von Ardres, Historia Comitum Ghisnensum, hrsg. von J. Heler in MGH SS 24, (1879), S. 568 | von Flandern, Markgraf Arnulf I. der Grosse (I5091)
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| 33560 | https://de.wikipedia.org/wiki/Arnulf_II._(Flandern) Arnulf II. der Jüngere (lat: Arnulfus iunior; * um 961; † 30. März 987) war ein Graf von Flandern aus dem Haus Flandern.[1] Er war der einzige Sohn des Grafen Balduin III. und der Mathilde Billung, einer Tochter des Herzogs Hermann Billung von Sachsen. Leben Arnulfs Vater fungierte bereits dem Großvater, Graf Arnulf I. dem Großen, als Mitregent, starb aber noch vor diesem im Jahr 962. Somit folgte Arnulf seinem gleichnamigen Großvater 964 direkt als Graf von Flandern nach. Zu diesem Zeitpunkt war er allerdings noch unmündig, weshalb für ihn sein Vetter, Balduin Baldzo († 973), die Regentschaft übernahm. Diesen Umstand nutzte augenblicklich Graf Dietrich II. von Westfriesland aus, indem er zeitweilig Gent besetzte. Zugleich bemächtigte sich König Lothar 965 der Region Ponthieu, die er an den Dux Hugo Capet weiterreichte und die somit dauerhaft dem flandrischen Grafenhaus verloren ging. Auch hatten sich die ersten Grafen von Guînes etabliert, womit insgesamt die Grenzlage Flanderns zur Normandie beendet wurde. Nachdem Arnulf 976 volljährig geworden war griff er noch im selben Jahr im Bund mit seinem Stiefvater, Graf Gottfried von Verdun, erfolgreich Mons an. Weil er sich in dieser Zeit auf die Seite Kaiser Ottos II. gegen König Lothar gestellt hatte, wurde er 978 von letzterem angegriffen, was einen zeitweiligen Verlust des Artois zur Folge hatte, dass ihm aber bald wieder vom König zurückerstattet wurde. Im Frühjahr 981 verlor Arnulf auch die starke Burg von Montreuil an Hugo Capet und musste im Tausch für sie die Reliquien der Abtei Saint-Bertin an die Abteien Saint-Valery und Saint-Riquier zurückerstatten, die einst sein Großvater von dort entwendet hatte. 985 fiel sein Stiefvater in die Gefangenschaft König Lothars, weshalb Arnulf in seinen letzten Jahren die Partei Hugo Capets ergriff und kurz vor seinem Tod dessen Wahl zum König unterstützte. Arnulf II. war seit etwa 968 verheiratet mit Rozala-Susanna von Italien (* um 956; † 1003), einer Tochter des Königs Berengar II. von Italien, mit der er zwei Kinder hatte: • Mathilde († 24. Juli 995) • Balduin IV. Schönbart (* wohl 980; † 30. Mai 1035), Graf von Flandern. Arnulfs Sohn und Nachfolger war bei seinem Tod noch unmündig, weshalb seine Witwe 988 in zweiter Ehe König Robert II. den Frommen heiratete, um ihn als Beschützer ihres Sohnes zu gewinnen. Der König ließ sich aber vier Jahre später wieder von ihr scheiden. Einzelnachweise ↑ Wie schon seine Vorgänger führte Arnulf II. den Titel „Markgraf“ (marchio), siehe dazu unter anderem: Annales Blandinienses, hrsg. P. Grierson (1973), S. 22. Zu seinem Beinamen (iunior) siehe unter anderem: Annales Elnonenses, hrg. P. Grierson (1973), S. 152 | von Flandern, Markgraf Arnulf II. der Jüngere (I1259)
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| 33561 | https://de.wikipedia.org/wiki/Arnulf_von_Metz Arnulf von Metz, frz. Arnoul de Metz, auch Saint Arnould, Arnoulf (* 13. August 582? in Lay-Saint-Christophe bei Nancy; † 18. Juli wohl 640 bei Remiremont) war Stammvater und Hausheiliger der Karolinger. Von 614 bis 629 war er Bischof von Metz. Leben Über Arnulfs Vorfahren einschließlich seiner Eltern ist nichts bekannt (siehe auch: Falsche Merowinger). Er erreichte bei Theudebert II. von Austrasien eine hohe Stellung. 612 wurde Arnulf von Metz zum Priester geweiht, nachdem seine Frau Doda in ein Kloster eingetreten war. 614 wurde er zum Bischof von Metz erhoben, behielt aber seine politischen Ämter bei. Zusammen mit Pippin d. Ä. legte er 613 den Grundstein für den Aufstieg der späteren Karolinger, indem er den neustrischen König Chlothar II. gegen die in Austrasien und Burgund herrschende Witwe König Sigiberts I., Brunichild, zu Hilfe rief. Nach ihrem Sturz herrschte Chlothar fortan im ganzen Frankenreich, musste aber im Edictum Chlotharii die Machtpositionen des austrasischen Adels anerkennen. Arnulf machte sich fortan als Berater am Hofe Chlothars unentbehrlich. Als im Jahr 623 Chlothars fünfzehnjähriger Sohn Dagobert I. zum Unterkönig in Austrasien ernannt wurde, übernahm Arnulf die einflussreiche Position seines Erziehers. Nachdem jedoch er und Pippin ihren Einfluss weitgehend einbüßten, als Dagobert 629 nach Neustrien zog, um die Herrschaft im gesamten Frankenreich anzutreten, legte er sein Bischofsamt nieder und zog er sich in die Abtei Remiremont in den Vogesen zurück, wo er Aussätzige pflegte und vermutlich 640 auch gestorben ist. Er wurde erst an seinem Sterbeort begraben, später aber in die Kirche Abtei St. Arnulf in Metz umgebettet. Nachkommen Arnulf von Metz hatte aus seiner Ehe zwei Söhne: • Chlodulf, der um 660 ebenfalls Bischof von Metz wurde • Ansegisel, der 662 belegt ist, vor 679 erschlagen wurde. Er heiratete Begga, die Tochter Pippins und legte mit dieser Ehe den Grundstein für den Aufstieg der Karolinger. Legenden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten] Arnulf von Metz wird in der katholischen Kirche als Heiliger verehrt. Er ist Schutzpatron der Bierbrauer und Müller, um den sich viele Legenden ranken. An ihn wendet man sich, wenn man etwas verloren hat. Seine Wahl zum Bischof Arnulf fühlte sich nach dem Eintritt seiner Frau Doda ins Kloster wie auch bei seiner eigenen Priesterweihe bei weitem nicht würdig, das Bischofsamt in Metz anzunehmen, nachdem er gewählt worden war. Ein einfaches Leben als Mönch wäre ihm lieber gewesen, berichtet die Lebensbeschreibung. Um sich sicher zu sein, dass Gott es war, der ihn in dieses Amt berufen habe, warf er seinen Bischofsring in die Mosel und betete, Gott möge ihm den Ring wieder schenken, wenn er ihn annehmen solle. Am folgenden Tag beim Mittagessen wurde Fisch gereicht. Als Arnulf den Fisch zum Verzehr aufschnitt, kam der Bischofsring erneut zum Vorschein, den er tags zuvor in die Mosel geworfen hatte. Arnulf deutete dies als Zeichen Gottes. Er zögerte nicht und nahm das Bischofsamt in Metz an. Das Bierwunder zu Lebzeiten Der Überlieferung zufolge litt in der Zeit Arnulfs als Bischof die Region Metz unter den Folgen verschmutzten Wassers. Arnulf erkannte, dass abgekochtes Wasser, wie es beim Brauvorgang verwendet wird, dieses Risiko verringerte. So erzählt die Legende, er habe ein Kruzifix in einen Bierkessel geworfen und denselben gesegnet. Die Menschen tranken Bier nur noch aus diesem gesegneten Kessel und die Krankheitswelle ging zurück. Der Ausspruch beim Verteilen des so gesegneten Bieres soll gewesen sein: "Durch des Menschen Arbeit und die Liebe Gottes erblickt Bier das Angesicht der Welt." Das Bierwunder bei der Übertragung seiner Gebeine Nach seinem Tod wollte sein Nachfolger im Bischofsamt Goericus die Gebeine aus dem Kloster Remiremont zurück nach Metz holen. Die Heiligenbeschreibung erzählt, dass es zu einem bedeutenden Wunder kam. Als nämlich die feierliche Prozession bei sommerlicher Hitze, dem 18. Juli, durch die Straßen zog, musste die Prozession im Dörfchen Champignuelles stoppen, da die Hitze und die Last der Gebeine nicht mehr erträglich waren. Als die Menschen in den einzigen Gasthof kamen, gab es dort nur noch einen Humpen Bier für alle, 5000 Männer, Frauen und Kinder nicht mitgerechnet. So teilten alle diesen Humpen, jeder trank und hoffte auf die Fürbitte des bereits als Heiligen verehrten Bischofs Arnulf. Das Wunder geschah: alle tranken und niemals wurde dieser Humpen Bier trocken. Literatur • Friedrich Wilhelm Bautz: Arnulf, Bischof von Metz, Heiliger. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 1, Bautz, Hamm 1975. 2., unveränderte Auflage Hamm 1990, ISBN 3-88309-013-1, Sp. 246–247. • Ludwig Oelsner: Arnulf, Bischof von Metz. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 1, Duncker & Humblot, Leipzig 1875, S. 607 f. • Eugen Ewig: Arnulf. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 1, Duncker & Humblot, Berlin 1953, ISBN 3-428-00182-6, S. 397 (Digitalisat). • Francis Schaefer: St. Arnulf of Metz. In: The Catholic Encyclopedia. Vol. 1. New York 1907. Weblinks Commons: Arnulf of Metz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien • Arnulf von Metz in den Saarländischen Biografien • Arnulf • Arnulf von Metz • Die Lebensbeschreibung (vita Arnulphi) in englischer Übersetzung | von Metz, Bischof Arnulf (I2571)
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| 33562 | https://de.wikipedia.org/wiki/Árpád Árpád (* um 845; † um 907), Sohn des Fürsten Álmos und Großfürst der vereinten Magyarenstämme (886–907), war die führende Gestalt nach der ungarischen Landnahme und Begründer der Árpáden-Dynastie. Im Doppelfürstentum Ungarn wurde Árpád nach der schweren Niederlage gegen die Petschenegen (893) von den Fürsten der sieben Teilstämme als Nachfolger seines Vaters Álmos in das Amt des Heerfürsten gewählt; gleichzeitig wurde das Sakralfürstentum auf Kursan aus dem Stamm der Kenden übertragen. Die Ungarn griffen 894 auf Veranlassung des byzantinischen Kaisers Leo VI. die Bulgaren an. Árpáds Sohn Levente führte den Feldzug im nördlichen Bulgarien. Im Auftrag des mährischen Großfürsten Sventopluk kämpften die Ungarn kurz darauf gegen Pannonien. Als Sventopluk starb, nutzte Árpád im Frühjahr 895 das entstandene Machtvakuum, um in das Karpatenbecken einzufallen. Zeitgenössischen Berichten zufolge soll er über 20.000 Reiter verfügt haben. Gleichzeitig griffen die Petschenegen, verbündet mit dem bulgarischen Zaren Simeon, die Ungarn von Osten an, so dass ein großer Teil des Volkes aus den Siedlungsgebieten zwischen Donau und Dnepr nach Westen floh. Dort vereinten sich die Flüchtlinge mit dem Reiterheer Árpáds, kämpften mit ihm gemeinsam gegen die Bulgaren und setzten sich schließlich auf Dauer im Karpatenbecken fest. Dieser Vorgang wird allgemein als erster Abschnitt der ungarischen Landnahme bezeichnet. Nachdem sich die ungarische Herrschaft in dem neuen Territorium stabilisiert hatte, unter anderem durch einen Reichstag, der 898 in Szeged Grundlagen für Reichsorganisation und Rechtspflege festlegte, begann Árpád schnell, verstärkt im mitteleuropäischen Raum zu operieren: 898/99 fiel er auf Ersuchen Kaiser Arnulfs erstmals in Italien ein, gewann die Schlacht an der Brenta und verheerte Norditalien. Arnulf versuchte auf diese Art, den Widerstand einheimischer Fürsten auf seinem Italienenzug zu brechen. Als Arnulf 899 starb, nutzte Árpád die Gelegenheit, um erneut das unter ostfränkischer Herrschaft stehende Pannonische Fürstentum (900) und das östliche Mähren (902) anzugreifen. Dieses Mal zogen die Ungarn sich allerdings nicht mehr zurück, sondern verleibten einen Teil dieser Gebiete in ihr Territorium ein und ließen feste Plätze, unter anderem im Donautal, errichten. Von diesen neu eroberten Gebieten ging vermutlich auch die schnelle Verschmelzung der Ungarn mit der anfangs noch versklavten slawischen Bevölkerung aus. Als der Sakralkönig Kursan 904 während eines Festmahls an der Westgrenze Pannoniens von Bajuwaren ermordet wurde, riss Árpád die Alleinherrschaft an sich. Mit Hilfe seiner fünf Söhne, die große Reiterverbände befehligten, besiegte er zunächst die Gefolgschaft Kursans und besetzte danach das zerfallende Großmährische Reich. 907 vernichtete Árpád in der Schlacht von Pressburg ein angreifendes bayerisches Heer; damit sicherte er den Ungarn das Pannonische Becken endgültig und schlug den letzten Versuch anderer Reiche zurück, sein Volk zu unterwerfen. In den folgenden Jahren begannen die Ungarn ihrerseits, Raubzüge in die umliegenden Territorien und bis weit in das Gebiet des Heiligen Römischen Reichs hinein zu unternehmen, bis sie in der Schlacht auf dem Lechfeld im August 955 vernichtend besiegt wurden. Árpáds Nachkommen, die Árpáden, herrschten bis 1301 in Ungarn. ————————————— & https://de.wikipedia.org/wiki/Árpáden Die Árpáden waren die erste Herrscherfamilie Ungarns, deren Angehörige das Land von 1001 bis 1301 als Könige regierten. Ihr Name geht auf den ersten ungarischen Großfürsten Árpád († 907) zurück. Er vereinigte von 890 an die Stämme der Magyaren, die damals am Unterlauf der Donau siedelten. Unter seiner Herrschaft begann 896 die Landnahme der Ungarn im Karpatenbogen. Noch vor Árpád und der Ansiedlung der Magyaren in den Karpatenbogen etablierte Álmos (ca. 820–895) die Macht seiner Familie über die verschiedenen finno-ugrischen und türkischen Stämme. Damals lebten diese Völker noch in dem Land der Chasaren. Hier wurde Álmos' Sohn Árpád zum Großfürst gewählt. 892 zogen die Magyaren an der Seite des ostfränkischen Herrschers Arnulf von Kärnten gegen Großmähren in den Krieg, dann an der Seite des byzantinischen Kaisers Leo VI. gegen die Bulgaren. Unter den Nomaden in Asien war es üblich, dass in den Herkunftssagen ihrer Herrscherdynastien unterschiedliche Tiere eine wichtige Rolle spielten (siehe auch Dschingis Khan). Die Herkunft der Árpáden ist im Traum von Emese beschrieben, welcher in zwei Versionen existiert. Mehr unter obengenanntem Link.. | von Ungarn (Árpáden), Grossfürst Árpád (I5892)
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| 33563 | https://de.wikipedia.org/wiki/Arthur_II._(Bretagne) | von der Bretagne, Herzog Arthur II. (I9318)
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| 33564 | https://de.wikipedia.org/wiki/Arthur_Tudor Arthur Tudor (* 20. September 1486 in Winchester; † 2. April 1502, auf Ludlow Castle) war der älteste Sohn von König Heinrich VII. aus dem Haus Lancaster und der Elizabeth von York aus dem Haus York. Er trug von Geburt an den Titel Duke of Cornwall und wurde am 29. November 1498 als achter Prince of Wales und Earl of Chester eingesetzt. 1501 ehelichte er Katharina von Aragón. Er war die große Hoffnung der neuen Tudordynastie, starb aber überraschend im Alter von nur 15 Jahren. Sein jüngerer Bruder folgte als Heinrich VIII. auf den Thron und heiratete auch Arthurs Witwe. Als diese Ehe keinen Thronfolger hervorbrachte, wurde Arthurs vorherige Ehe mit Katharina zum Aufhänger für Heinrich, die Annullierung der Ehe zu beantragen. Dies hatte weitreichende Folgen für England. Leben Geburt „Am Morgen vor der ersten Stunde nach Mitternacht wurde Prinz Arthur in Winchester geboren“, schrieb seine Großmutter Margaret Beaufort am 20. September 1486 in ihr Stundenbuch.[1] Seine Geburt war von großer Bedeutung und wurde mit Jubel und Freudenfeuern in den Straßen begrüßt. Arthur war die Hoffnung auf Frieden für ganz England, der Thronfolger der neuen Tudordynastie. Er vereinigte in sich das Blut der verfeindeten Adelshäuser Lancaster und York, die zuvor jahrzehntelang in den Rosenkriegen um den Thron gekämpft hatten. Arthurs Vater Heinrich VII. aus dem Hause Lancaster hatte erst im Jahr zuvor die Krone auf dem Schlachtfeld gewonnen und die Erbin des Hauses York, Elizabeth of York, geehelicht. Arthur war das lebendige Symbol dieser Vereinigung der beiden Häuser, deren Symbole der weißen und der roten Rose in ihm zur weiß-roten Tudorrose verschmolzen. Die neue Dynastie war nur acht Monate nach der Hochzeit mit einem Thronfolger gekrönt worden, der von den Hofpoeten enthusiastisch als zukünftiger Friedenskönig eines goldenen Zeitalters begrüßt wurde.[2] Geburtsort und Namenswahl Die Alchemisten glaubten, die Vereinigung des roten Königs und der weißen Königin, aus der Arthur entstanden war, sei von Merlin prophezeit worden. Zu seiner Zeit hielt man nicht nur die Artuslegende für wahr, sondern auch Winchester für das historische Camelot. Der kleine Prinz wurde daher sicher nicht zufällig in Winchester geboren und getauft. Seine Eltern waren absichtlich drei Wochen zuvor aus London nach Winchester gereist, um dort seine Geburt abzuwarten. Weil Arthur dort überraschend früh zur Welt gekommen war, musste die Taufe für ein paar Tage aufgeschoben werden, um einem seiner Taufpaten, dem Earl of Oxford, die nötige Zeit zu geben anzureisen. Sein anderer Taufpate war der Earl of Derby und seine Taufpatin seine Großmutter mütterlicherseits, Elizabeth Woodville. Am 24. September wurde der Prinz in einer spektakulären Zeremonie in der Kathedrale von Winchester auf den Namen Arthur getauft, nach dem mythischen König Artus. Er sollte als König Arthur II. in die Geschichte eingehen und wie sein berühmter Namensgeber ein neues goldenes Zeitalter einläuten. Um der Namenswahl Nachdruck zu verleihen und Arthur in den Kontext einer langen Linie englischer Könige zu stellen, ließ sein Vater seine Abstammung auf die Zeiten König Artus’ zurückführen und bei der Taufe wurde ein Gobelin gezeigt, der das Wappen von Arthurs Vorfahr mütterlicherseits, Belinus, zeigte. Sein ganzes künftiges Leben hindurch wurden von Zeitgenossen immer wieder Vergleiche zwischen Arthur und König Artus gezogen und hohe Erwartungen an ihn gestellt, in die Fußstapfen seines großen Namensgebers zu treten. Kindheit Nur vier Wochen nach seiner Geburt wurde Arthur mit seiner Amme Catherine Gibbs nach Farnham Castle gebracht, wo für ihn unter der Führung von Lady Dacre eine Kinderstube außerhalb des Hofes seiner Eltern eingerichtet wurde, wie es für königliche Prinzen üblich war. Die Königin besuchte ihren Sohn erst im Januar und März wieder. Lady Dacre war bereits für den Haushalt des letzten Kronprinzen Edward verantwortlich gewesen, und Arthurs Vater befolgte auch in sonstiger Hinsicht beinahe peinlich genau das Muster von dessen Erziehung. 1489 wurde für den Dreijährigen ein größerer Haushalt eingerichtet, diesmal auch mit männlichen Bediensteten. Am 28. November, dem Tag, an dem seine jüngere Schwester Margaret geboren wurde, wurde er als Ritter in den Bathorden aufgenommen, und am Tag danach wurden in einer Doppelzeremonie Margaret getauft und Arthur offiziell zum Prince of Wales und Earl of Chester erhoben. Arthurs Ausbildung befand sich auf der Höhe der Zeit und begann, als er vier oder fünf Jahre alt war, mit den Grundlagen wie Lesen, Schreiben und Rechnen, die er sehr schnell lernte. Dann wurde ihm etwa um 1491 John Rede, Rektor des Winchester CCollege, als Tutor für seine weiterführenden Studien zur Seite gestellt, und 1496 für den dritten Teil seiner Ausbildung der blinde Poet Bernard André. Dieser nannte später eine beeindruckende Liste lateinischer Werke von 25 antiken Autoren, die der Prinz, „bevor er sein sechzehntes Jahr erreichte, entweder auswendig gelernt oder mit seinen eigenen Augen gelesen und mit seinen eigenen Fingern durchblättert hatte“, darunter Cicero, Homer, Caesar, Ovid, Tacitus und Vergil.[3] In Vorbereitung auf seine Herrschaft als König schrieb André für Arthur auch eine Reihe von Reden, in denen erfundene Botschafter aus dem antiken Athen und Sparta sich an den Prinzen wendeten. Nach der gängigen Vorstellung war es jedoch die beste Vorbereitung für einen Prinzen, eigene Erfahrung im Regieren zu sammeln. Arthur war als Zweijähriger zwar zum Warden general of the Marches against Scotland gemacht worden und als Sechsjähriger offizieller Regent Englands gewesen, während sein Vater in Frankreich Krieg führte, aber natürlich nur als Galionsfigur. Daher wurde Arthur 1493 nach Ludlow Castle in Wales geschickt, zusammen mit seinem Haushalt und einem Rat, um dort das Regieren als regionaler Herrscher zu lernen. Ehe mit Katharina von Aragón Als Arthur weniger als ein Jahr alt war, versuchte sein Vater bereits, eine prestigeträchtige Ehe für ihn zu arrangieren, und es wurde eine Heirat mit der jüngsten spanischen Prinzessin Katharina von Aragón, die nur neun Monate älter als Arthur war, angestrebt. Für die junge Tudordynastie im politisch eher unbedeutenden England war eine Allianz mit Spanien, der größten Macht in Europa, ein äußerst erstrebenswertes Ziel. Spanischen Botschaftern wurde der kleine Prinz 1488 erst nackt und dann schlafend präsentiert, damit sie sich von seiner Gesundheit überzeugen konnten, und schließlich vereinbarte man am 27. März 1489 vertraglich, dass die Ehe kurz nach Arthurs 14. Geburtstag stattfinden sollte. In den folgenden Jahren schrieben Arthur und Katharina sich Briefe in lateinischer Sprache, in denen sie sich als Mann und Frau anredeten und ihre gegenseitige Zuneigung beteuerten. „Ich kann kaum ausdrücken, welch ernsthaftes Verlangen ich fühle eure Hoheit zu sehen“, schrrieb Arthur einmal an seine „geliebte Gattin“ und dankte ihr für ihre „lieblichen Briefe“.[4] Zur Beteuerung der Heiratsabsicht in der sich stetig ändernden politischen Landschaft der Zeit wurde 1497 in Woodstock eine Verlobung per Stellvertreter durchgeführt, und 1499 und 1500 jeweils eine Trauung per Stellvertreter, bei der der spanische Botschafter anstelle von Katharina den Eheschwur leistete.[5][6] Nach mehreren Aufschüben reiste Katharina schließlich Ende 1501 nach England, wo sie sehnlich erwartet worden war. Der König und Arthur trafen sie entgegen dem Hofprotokoll noch vor ihrem Einzug nach London, um sie zu sehen, und Arthur schrieb später an seine Schwiegereltern, dass er nie so glücklich gewesen sei wie beim Anblick des 'lieblichen Antlitzes meiner Gemahlin'. Weiter schrieb er, dass keine Frau der Welt ihm angenehmer sein könnte, und versprach ihnen, ein guter Ehemann zu sein. Arthur und Katherine heirateten in einer pompösen Zeremonie, gekleidet in Weiß und Gold, im November 1501 in der St. Pauls Cathedral, auf einer extra für den Anlass gebauten erhöhten Plattform, die sich durch den ganzen Mittelgang der Kathehedrale hindurch zog und mit einem roten Teppich bedeckt war. Es herrschte solcher Andrang von Schaulustigen, dass man laut einem Augenzeugen nichts als Gesichter sehen konnte. Die frisch Vermählten wendeten sich Hand in Hand erst zur einen, dann zur anderen Seite, um sich den Zuschauern zu zeigen, und aus der Menge ertönten begeisterte Rufe 'König Heinrich' und 'Prinz Arthur'. Nach dem anschließenden Gelage wurde das Brautpaar am Abend von einem großen Gefolge, darunter der Earl of Oxford und Marquess of Dorset, zeremoniell zu Bett gebracht, um die Ehe zu vollziehen. „Und so beschlossen und vollzogen diese ehrenwerten Personen die Wirkung und Vervollständigung des Ehebunds.“ schrieb der offizielle Herold. Laut Zeugen, die beinahe 30 Jahre später dazu befragt wurden, befahl Arthur am nächsten Morgen seinem Diener Anthony Willoughby, ihm einen Becher Ale zu bringen, „denn ich war diese Nacht inmitten Spaniens.“ Später soll der Prinz offen gesagt haben: „Meine Herren, es ist ein guter Zeitvertreib eine Frau zu haben.“[7] In den nächsten Tagen folgten verschwenderische Prozessionen, Bankette, Maskenbälle, Turniere und Tanzbälle, und 67 Männer wurden zur Feier des Ereignisses zu Rittern des Bathordens gemacht, so viele wie nie zuvor auf einmal. Unter den Erwachsenen wurde zunächst eine Weile lang überlegt, ob man die beiden Jugendlichen tatsächlich schon als Mann und Frau zusammenleben lassen sollte. Dann zog das junge Ehepaar schließend am 21. Dezember nach Ludlow an der englisch-walisischen Grenze, wo Arthur residierte, und feierte dort zusammen das Weihnachtsfest als Ehepaar an der Spitze ihres eigenen Hofes. Tod Die Ehe dauerte nur vier weitere Monate. Am Ostertag 1502, dem 27. März, erkrankte Arthur plötzlich schwer. „Es war die erbärmlichste Krankheit und Leiden, die mit so schmerzhafter und großer Gewalt kämpften und in ihn fuhren..., so dass der grausame und glühende Feind der Natur, der tödliche Verfall, das reine und freundesreiche Blut vollkommen überwältigte und bezwang“ Keine Woche später, am 2. April, „erloschen seine Lebensgeister schließlich“. Die Ursache seines Todes ist heute bei der spärlichen Quellenlage und dem unterentwickelten medizinischen Wissen der Zeit nicht mehr nachvollziehbar. Die lange gehegte Theorie, dass er an Tuberkulose starb, gilt als überholt, andere mögliche Todesursachen sind die damals gefürchtete Schweißkrankheit und die Pest, die im Frühling 1502 beide in der Umgebung von Ludlow grassierten. Laut einer Theorie des Historikers David Starkey starb Arthur dagegen an Hodenkrebs, der häufigsten Krebsart bei 15–19-jährigen Jungen. Sein recht plötzlicher Tod war ein großer Schock für seine Eltern, nicht nur in persönlicher Hinsicht, sondern auch in dynastischer. Elizabeth of York, in einem Versuch, ihren Ehemann zu trösten, sagte ihm, dass sie beide jung genug seien, mehr Kinder zu haben, und dass Gott ihnen doch noch einen 'feinen Prinzen gelassen hatte' - Arthurs Bruder Heinrich -, bevor sie alleine in ihrer Kammer in Tränen ausbrach. Arthurs Körper wurde nach gängiger Sitte ausgeweidet und konserviert und lag anschließend drei Wochen lang in seiner Kammer aufgebahrt, bevor er in einer tagelangen Prozession nach Worcester gebracht und dort standesgemäß beerdigt wurde. Sein jüngerer Bruder Heinrich erbte Arthurs Titel und bestieg später als Heinrich VIII. den englischen Thron. Folgen der Ehe für die Scheidung Heinrichs VIII. Die Frage, ob die Ehe zwischen Arthur und Katharina vollzogen wurde oder nicht, wird noch heute kontrovers diskutiert. Sie hatte immense Folgen für die Geschichte Englands, und es kann argumentiert werden, dass sie maßgeblich den Kurs der englischen Reformation beeinflusste und schlussendlich mit der Gründung der Anglikanischen Kirche zur Abtrennung der Kirche Englands von Rom führte. Arthurs Tod machte nicht nur Katharina mit 16 Jahren zu einer Witwe, sondern auch das Bündnis zwischen Spanien und England zunichte. Um es dennoch zu erhalten, kamen beide Seiten überein, dass Katharina Arthurs zehnjährigen Bruder Heinrich, der nun der Thronfolger war, heiraten solle. Katharina heiratete Heinrich 1509. Aus der Verbindung ging trotz vieler Schwangerschaften jedoch nicht der erhoffte Thronfolger hervor, lediglich eine Tochter, Maria, überlebte, und Heinrich begann zu glauben, dass dies eine Strafe Gottes dafür war, dass er entgegen biblischem Befehl die Witwe seines Bruders geheiratet hatte. „Wenn jemand seines Bruders Weib nimmt, das ist eine schändliche Tat; sie sollen ohne Kinder sein, darum daß er seines Bruders Blöße aufgedeckt hat.“ – 3 Mos 20,21 LUT Dieser Hinderungsgrund war auch schon 1502 erkannt worden, und um die Ehe zwischen Katharina und Heinrich trotzdem zu ermöglichen, hatte man einen päpstlichen Dispens erwirkt. Der Satz aus der Bibel und die Notwendigkeit eines Dispenses traf aber nur zu, wenn die Ehe zwischen Arthur und Katharina eine Ehe im vollen Sinne gewesen, das heißt, vollzogen worden war.[8] Darüber, ob dies geschehen sei, herrschte schon kurz nach Arthurs Tod Uneinigkeit. Die Engländer gingen fest von einem Ehevollzug aus und hatten nach Arthurs Tod zunächst geglaubt, Katharina könnte mit einem Thronfolger schwanger sein. Dies stellte sich aber als falsch heraus, und Katharinas Gouvernante Dona Elvira schwor, die Prinzessin sei noch Jungfrau. Der päpstliche Dispens drückte sich daher absichtlich vage aus, um beide Interpretationen zuzulassen, die Ehe sei „vielleicht vollzogen worden“ hieß es darin und war genehmigt worden.[9] Als Heinrich 1527 Bestrebungen machte, seine Ehe mit Katharina annullieren zu lassen, bereits mit der Absicht, anschließend seine Geliebte Anne Boleyn zu heiraten, erlangte die Frage des Ehevollzugs mit Arthur neue Bedeutung. Katharina wehrte sich hartnäckig gegen eine Scheidung und sagte nun erstmals selbst, dass sie als Jungfrau in die Ehe mit Heinrich gegangen sei. Im anschließenden, beinahe sieben Jahre dauernden Gefecht zwischen Katharina und Heinrich wurden u.a. Details und Zeugegen über ihre erste Ehe zu Arthur ausgegraben. Sogar angeblich echte blutige Laken aus der Hochzeitsnacht wurden vor Gericht gezeigt. Katharina behauptete, Arthur habe nur siebenmal in einem Bett mit ihr geschlafen, jedoch ohne sexuellen Kontakt. Dagegen hielt Heinrich die Zeugenaussage von Arthurs Kammerherrn, William Thomas, der sagte, er habe Arthur „viele verschiedene Male, in sein Nachthemd gekleidet zur Bettkammer der Prinzessin begleitet“. Ebenso wurde der Bericht von Anthony WiWilloughby gehört, dem Arthur nach der Hochzeitsnacht gesagt hatte, er wäre in der Mitte Spaniens gewesen. Ob es sich dabei um gekaufte Zeugenaussagen, die Wahrheit oder nur jugendliche Angeberei seitens Arthur handelte, ist schwer zu sagen. Auch Katharina hätte guten Grund gehabt, zu lügen, um nach zwanzig Jahren Ehe ihren Status als Königin nicht zu verlieren und aus Angst, eine Scheidung könnte ihre Tochter Maria zum Bastard machen (was letztlich auch geschah). Keine der beiden Seiten konnte den endgültigen Beweis für oder wider erbringen, und der Papst zögerte aus politischen Gründen, eine Entscheidung zu treffen. Nach jahrelangen Aufschüben machte Heinrich den radikalen Schritt, England von der Autorität des Papstes zu trennen und die Anglikanische Kirche zu begründen, indem er sich selbst zum Oberhaupt der Kirche Englands erklären und die Ehe mit Katharina von seinem Erzbischof Thomas Cranmer für null und nichtig erklären ließ. Dadurch ging England in den folgenden Jahrhunderten und bis heute einen konfessionellen Sonderweg. Mythos Schwächling Im Laufe des vorletzten Jahrhunderts verbreitete sich die Ansicht, Arthur sei von Geburt an ein schwächliches und kränkliches Kind gewesen, klein und unterentwickelt für sein Alter. Diese Idee wurde im Laufe der Zeit derart aufgebauscht, dass einige moderne Autoren wie Antonia Fraser sogar fälschlich behaupten, Arthur sei bei seiner Hochzeit einen halben Kopf kleiner als seine Braut gewesen, die ihrerseits von geradezu winziger Statur war. Es gibt jedoch keinen Hinweis darauf, dass Arthur zu Lebzeiten als klein und kränklich betrachtet wurde. Im Gegenteil beschrieb der Mailänder Botschafter 1497 den elfjährigen Arthur als „größer als sein Alter rechtfertigen würde, von außergewöhnlicher Schönheit und Liebreiz“. Die erste Beschreibung von Arthur als krank und schwächlich tauchte im 19. Jahrhundert im Dictionary of National Biography auf und beruhte wohl auf der Fehlinterpretation eines Briefes, den Arthurs Vater an die Schwiegereltern seines Sohnes schrieb. Der König sagt darin, dass er entgegen den Einwänden seines Rates Arthur und Katharina als Mann und Frau zusammenleben lassen wolle, trotz des „zarten Alters unseres Sohnes“ und „selbst zu seiner Gefahr“. Da Arthur kurz darauf starb und außerdem eine Frühgeburt gewesen war, interpretierte man dies als einen generellen Kommentar über Arthurs Gesundheitszustand. Der König bezog sich allerdings auf die damals gängige Ansicht, dass frühzeitige sexuelle Kontakte für einen Jungen in Arthurs Alter gesundheitlich bedenklich seien. Die neun Monate ältere Katharina wurde mit ihren 16 Jahren dagegen als bereit für Ehe und Mutterschaft betrachtet.[10] Tatsächlich erfreute Arthur sich bis zu seinem plötzlichen Tod wohl einer guten Gesundheit. Literatur • Steven Gunn: Arthur Tudor, Prince of Wales, Woodbridge, 2009, ISBN 1-84383-480-4 Weblinks Commons: Arthur Tudor – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien • Kurzbiografie auf Tudorplace.com • Sarah's History: The Death of Arthur, Prince of Wales (Memento vom 7. April 2013 im Internet Archive) Einzelnachweise 1 David Starkey: Henry, Virtuous Prince. Harper Perennial, London 2009, S. 42 2 Steven Gunn: Arthur Tudor, Prince of Wales, Woodbridge, 2009, S. 1f 3 Starkey: Virtuous Prince, S. 122–124 4 Gunn: Arthur, S. 30 5 James Gairdner: Arthur (1486-1502). In: Leslie Stephen (Hrsg.): Dictionary of National Biography (DNB), Band 2 (Annesley – Baird), MacMillan & Co, Smith, Elder & Co., New York City / London 1885, S. 131 (englisch) 6 Rosemary Horrox: Arthur, prince of Wales (1486–1502). In: H. C. G. Matthew, Brian Harrison (Hrsg.): Oxford Dictionary of National Biography, from the earliest times to the year 2000 (ODNB). Band 2 (Amos–Avory). Oxford University Press, Oxfod 2004, ISBN 0-19-861352-0, S. 545, oxforddnb.com (Lizenz erforderlich), Stand: 2004 (englisch) 7 Starkey: Six Wives, S. 62 8 Lucy Wooding: Henry VIII, Routledge Historical Biographies, London New York 2009, S. 141 9 David Starkey: Henry, Virtuous Prince. Harper Perennial, London 2009, S. 79–86 10 Steven Gunn: Arthur Tudor, Prince of Wales, Woodbridge, 2009, S. 38f | von England (Tudor), Prinz Arthur (I8866)
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| 33565 | https://de.wikipedia.org/wiki/Auelgau | von Lothringen, Pfalzgraf Hermann I. (I1617)
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| 33566 | https://de.wikipedia.org/wiki/Augstgau | (Hupaldinger), Dietpald I. (I11829)
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| 33567 | https://de.wikipedia.org/wiki/Austrasien | (Merowinger), König Sigibert I. (I24013)
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| 33568 | https://de.wikipedia.org/wiki/Aymar_(Angoulême) Aymar[1] (eigentlich Adémar; * um 1160; † 16. Juni 1202 im Limoges) war ein Graf von Angoulême aus dem Haus Taillefer. Er war ein jüngerer Sohn des Grafen Wilhelm VI. und der Margarete, einer Tochter des Vizegrafen Raimund I. von Turenne. Seine älteren Brüder waren Vulgrin III. († 1181) und Wilhelm VII. Taillefer († vor 1186), die vor ihm in Angoulême regierten. Widerstand gegen Richard Löwenherz Nach dem Tod von Vulgrin III. gerieten Wilhelm VII. und Aymar in einen Konflikt mit Richard Löwenherz, dem Herzog von Aquitanien und damit ihren Lehnsherrn. Löwenherz beanspruchte die Vormundschaft für Mathilde, die Tochter Vulgrins III., und damit die Verfügungsgewalt über Angoulême. Aymar und sein Bruder bestritten dies und machten eigene Erbrechte geltend, mussten aber einstweilen zu ihrem Halbbruder, Vizegraf Adémar V. von Limoges, fliehen.[2] Zu einem unbekannten Zeitpunkt war Wililhelm VII. gestorben und Aymar revoltierte 1188 im Bund mit Gottfried von Lusignan und Gottfried II. von Rancon gegen Löwenherz, der durch die Eroberung von Taillebourg allerdings bald die Oberhand gewann.[3] Den Rebellen wurde eine Unterwerfung vor allem durch das Angebot zur Teilnahme am dritten Kreuzzug bei gleichzeitigem Verzicht auf Strafverfolgung erleichtert.[4] Die Gefangennahme von Richard Löwenherz im Jahr 1192 in Deutschland begünstigte die Lage der aquitanischen Adligen und Aymar konnte wohl nun auch die tatsächliche Herrschaft in Angoulême übernehmen. Mit Billigung König Philipps II. August begann er 1193 das Poitou zu verwüsten.[5] Im Jahr 1194 kam Löwenherz frei und schlug den französischen König im Gefecht von Fréteval. Aymar und seine Kampfgefährten mussten sich darauf dem nach Aquitanien ziehenden Richard unterwerfen, der unbehelliligt in Angoulême einziehen konnte. In dem im Juli 1194 bei Tillières ausgehandelten Waffenstillstand zwischen Löwenherz und Philipp II. August wurde er allerdings miteinbezogen, so dass er seine Besitzungen behalten konnte.[6] Der Frieden währtte nicht lange und schon bald schlossen sich Aymar und sein Halbbruder Adémar V. von Limoges erneut mit Philipp II. August zusammen. Und nachdem dieser 1198 in der Schlacht bei Gisors erneut geschlagen wurde, standen beide wieder allein gegen den scheinbar unbezwingbaren König von England. Dieser zog nach seinem Sieg erneut nach Aquitanien in der Absicht den Vizegrafen von Limoges zu unterwerfen und belagerte dessen Burg Châlus. Da wurde er im April 1199 schwer verwundet, worauf er gänzlich unerwartet starb.[7] Aymar und Adémar von Limoges nutzten augenblicklich die Gunst der Stunde und erklärten noch im selben Monat ihre Treue dem König Philipp II. August und wiesen damit die Lehnsherrschaft von Johann Ohneland, dem Bruder und Erben Richards Löwenherz, zurück.[8] Adémar von Limoges starb nur wenige Monate später, angeblich von Philipp von Cognac ermordet. Konflikt mit den Lusignan und „Brautraub“[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten] Aymar war seit etwa 1186 verheiratet mit Alix von Courtenay, eine Tochter des Peter I. von Courtenay und Enkelin von König Ludwig VI. von Frankreich. Ihr einziges Kind und damit Erbin war Isabella († 31. Mai 1246). Einen Konflikt teilte er sich mit dem Hause Lusignan um die Grafschaft La Marche, die sich zwar seit 1177 im unmittelbaren Besitz des englischen Königs- und aquitanischen Herzogshaus befand, der Plantagenet, aber sowohl Aymar als auch Hugo IX. vvon Lusignan konnten darauf einen Erbanspruch erheben.[9] Als Aymar auf die Nachricht vom Tod Richards Löwenherz sofort seine Loyalität zu König Philipp II. August bekundete, erhielt er von diesem das Versprechen auf eine Verhandlung des Erbfallls La Marche vor dem königlichen Gerichtshof, wo sein Anspruch positiv berücksichtigt werden sollte. Hugo von Lusignan fand allerdings seinen eigenen Weg um seine Ansprüche durchzusetzen. Er hielt dem neuen Herzog von Aquitanien, Johann Ohneland, die Treue, nahm aber dessen Mutter Eleonore von Aquitanien gefangen und konnte so seine Belehnung mit La Marche im Januar 1200 erfolgreich erzwingen.[10] Unter diesem Hintergrund ist die Verlobung von Aymars Erbtochter mit Hugo IX. von Lusignan zu sehen, die vermutlich im Frühjahr, vielleicht April, 1200 erfolgt war.[11] Durch die Verheiratung der Erbin von Angoulême mit Lusignan hätte der Erbstreit beigelegt werden können, indem die Ansprüche beider Familien miteinander vereint würden. Im anschließenden Vertrag von Le Goulet (22. Mai 1200) aber vereinbarte König Philipp II. August mit Johann Ohneland, dass der Graf von Angoulême und deer Vizegraf von Limoges wieder unter die Lehnshoheit Johanns als dem Herzog von Aquitanien treten sollten und dieser im Gegenzug ihre Ansprüche anerkennen sollte, also auch den von Aymar auf La Marche.[12] Kurz nach dem Vertragsschluss hatte sich Johann nach Aquitanien begeben um mit Aymar von Angoulême und Guido von Limoges persönlich eine vertragliche Aussöhnung zu beschließen.[13] Mit den Bestimmungen von Le Goulet aber hatte Johann seine erst wenige Monate zuvor getätigte Belehnung der Lusignan mit La Marche zugunsten Aymars wieder in Frage gestellt. Am 24. August 1200 heiratete Johann in Bordeaux Isabella von Angoulême und wie Roger von Hoveden berichtet mit der Einwilligung Aymars, ungeachtet ihrer zuvor erfolgten Verlobung mit Hugo IX. von Lusignan.[14] Ganz offensichtlich ist diese Ehe bei der persönlichen Begegnung zwischen Aymar und Johann beschlossen worden und dürfte politisch motiviert gewesen sein. Denn so konnte Johann einen zukünftigen Erbanspruch sowohl auf Angoulême als auch auf La Marche im Namen Isabellas geltend machen gegen die Ansprüche der Lusignan, eine Familie die schon zuvor ddem Hause Plantagenet bei seiner Herrschaftsausübung in Aquitanien große Schwierigkeiten bereitet hatte. Deren Reaktion folgte prompt darauf, indem sie sich an König Philipp II. August wandten und vor dessen Gericht Johann Ohneland des Brautraubs bezichtigten. Auch dürfte Hugo IX. von Lusignan darauf Mathilde von Angoulême geheiratet haben, die Tochter von Vulgrin III., welche von Aymar einst in der Erbschaft übergangen worden war. Durch sie konnte er Isabellas und Johanns Erbrechte zusätzlich in Frage stellen.[15] Aymar starb am 16. Juni 1202 in Limoges und Isabella konnte als nominelle Gräfin von Angoulême nachfolgen, da der Prozess gegen Johann Ohneland zu diesem Zeitpunkt noch nicht abgeschlossen war.[16] Weil sie aber in England weilte übernahm ihre Mutter Alix de Courtenay einstweilen die Herrschaft in Angoulême und huldigte für diese Grafschaft im Jahr 1204 gegenüber König Philipp II. August, nachdem dieser Johann Ohneland wegen des „Brautraubs“ für schuldig, seiner Rechte in Frankreich für verlustig und den Krieg erklärt hatte.[17] Literatur • H. G. Richardson: The Marriage and Coronation of Isabelle of Angoulême. In: The English Historical Review. Vol. 61 (1946), S. 289–314. • Fred. A. Cazel Jr., Sidney Painter: The Marriage of Isabelle of Angoulême. In: The English Historical Review. Vol. 63 (1948), S. 83–89. • Dieter Berg: Richard Löwenherz. Wiss. Buchgesellschaft, Darmstadt 2007, ISBN 978-3-534-14511-9. Einzelnachweise 1 Sein Name wird korrekt mit Adémar übersetzt. Allerdings wird er in der Literatur zumeist Aymar (Aimar) genannt um ihn von seinem Halbbruder Adémar V. von Limoges zu unterscheiden. 2 Ex Chronico Gaufredi Vosiensis §72, in: Recueil des Historiens des Gaules et de la France 11 (1867), S. 448; siehe Dieter Berg: Richard Löwenherz. Darmstadt 2007, S. 99 3 Wilhelm VII. Taillefer ist vor 1186 gestorben, da Aymar in jenem Zeitraum eine Schenkung an die Abtei von Saint-Amant-de-Boixe in Gedenken an seine beiden Brüder tätigte. Cartulaire de l'abbaye de Saint-Amant-de-Boixe, hrsg. von A. Debord (Pais, 1982), Nr. 253, S. 237 4 Siehe Dieter Berg: Richard Löwenherz. Darmstadt 2007, S. 117 5 Siehe Dieter Berg: Richard Löwenherz. Darmstadt 2007, S. 201 6 Siehe Dieter Berg: Richard Löwenherz. Darmstadt 2007, S. 229 7 Dieter Berg: Richard Löwenherz. Darmstadt 2007, S. 255f. 8 Layettes du Trésor des Chartes Vol. 1, hrsg. von Alexandre Teulet (Paris, 1863), Nr. 494, S. 201; Catalogue des actes de Philippe Auguste, hrsg. von Léopold Delisle (1856), Nr. 555, S. 131 9 Aymars Großmutter väterlicherseits war Pontia von La Marche aus dem Hause Montgommery. Die Lusignans konnten ihre Ansprüche durch eine Abstammung von einer Schwester der Grafen Aldebert II. und Odo I. von La Marche begründen. 10 Bernard Itier, Chronicon, hrsg. von H. Duplès-Agier in: Chroniques de Saint-Martial de Limoges (1874), S. 66; Rotuli Chartarum in Turri Londinensi asservati, hrsg. von Thomas Duffus Hardy (1837), S. 58b 11 Isabella wurde mit dem etwa vierzig Jahre älteren Hugo IX. von Lusignan († 1219) und nicht mit dessen Sohn Hugo X. von Lusignan († 1249) verlobt. Siehe Richardson als auch Cazel Jr. und Painter. Die Verlobung wurde von Ralph of Coggeshall fetgehalten; siehe Radulphi de Coggeshall Chronicon Anglicanum, hrsg. von J. Stevenson (1875), S. 135. Auch Roger of Hoveden schrieb, dass bereits eine „Form von Ehe“ zwischen Isabella und dem Herrn von Lusignan bestanden habe; siehe Chronica Magistri Rogeri de Hovedene, hrsg. von William Stubbs in: Rolls Series 51 (1868-1871), Vol. 4, S. 119. Die Annahme, Isabella sei 1200 mit Hugo X. von Lusignan verlobt worden stammt aus älterer Literatur wie Kate Norgate: John Lackland (1902), S. 76–77 oder F. M. Powicke: The Loss of Normandy, 1189-1204 (1913), S. 209. 12 Layettes du Trésor des Chartes Vol. 1, hrsg. von Alexandre Teulet (Paris, 1863), Nr. 578, S. 218; M. Guizot: Vie de Philippe Auguste par Rigord. In: Collection des Mémoires relatifs a l'Histoire de France (1825), S. 151 13 Rotuli Chartarum in Turri Londinensi asservati, hrsg. von Thomas Duffus Hardy (1837), S. 97 14 Chronica Magistri Rogeri de Hovedene, hrsg. von William Stubbs in: Rolls Series 51 (1868-1871), Vol. 4, S. 119–120 15 Hugo IX. von Lusignan kam erst 1214 zu einem Ausgleich mit Johann Ohneland, indem er diesen im Besitz von Angoulême anerkannte. Rotuli Chartarum in Turri Londinensi asservati, hrsg. von Thomas Duffus Hardy (1837), S. 197–198. Vermutlich wurrde er im Gegenzug erneut als Graf von La Marche bestätigt. Mathilde verzichtete 1233 auf ihre Rechte auf Angoulême: Cartulaire des comtes de la Marche, hrsg. von G. Thomas (1934), S. 40–43. Siehe dazu auch: Sidney Painter: The Houses of Lusignan and Chatellerault 1150-1250, in: Speculum 30 (1955), S. 379 16 zum Sterbedatum und Ort: Bernard Itier, Chronicon, hrsg. von H. Duplès-Agier in: Chroniques de Saint-Martial de Limoges (1874), S. 106–107, sowie Léopold Delisle in: Recueil des Historiens des Gaules et de la France 18 (1878), S. 226 17 Layettes du Trésor des Chartes Vol. 1, hrsg. von Alexandre Teulet (Paris, 1863), Nr. 741, S. 272 | von Angoulême, Graf Aymar (Adémar) (I7949)
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| 33569 | https://de.wikipedia.org/wiki/Bachenau | Holder, Johann Melchior (I4778)
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| 33570 | https://de.wikipedia.org/wiki/Bad_Urach | von Rotberg, Christoph Reinhard (I22159)
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| 33571 | https://de.wikipedia.org/wiki/Bailliage_und_Sénéchaussée | von Beauvau, Herr Louis (I29675)
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| 33572 | https://de.wikipedia.org/wiki/Balduin_I._(Lateinisches_Kaiserreich) Balduin der Konstantinopolitaner (lat: Balduinus Constantinopolitanus * Juli 1171 in Valenciennes; † nach 20. Juli 1205 in Tarnowo, Bulgarien)[1] war seit 1194 ein Graf von Flandern (Balduin IX.) und seit 1195 ein Graf von Hennegau (Balduin VI.). Ab 1202 war er einer der wichtigsten militärischen Führer des vierten Kreuzzuges und ist nach der Eroberung von Konstantinopel 1204 zum ersten Kaiser des lateinischen Reiches (Balduin I.) gewählt worden. Frühe Jahre Balduin war der älteste Sohn Graf Balduins V. von Hennegau und der Gräfin Margarete I. von Flandern. Schon unmittelbar nach seiner Geburt, noch im Jahr 1171, ist er auf Vermittlung seines Onkels, Graf Philipp von Flandern, mit Maria von der Champagne verlobt worden.[2] Dieses Verlöbnis ist am 14. Mai 1181 in Provins erneuert und am 6. Januar 1186 durch eine Hochzeit formalisiert worden.[3] Nach dem Tod des Onkels 1191 hat er noch im selben Jahr in Lille erstmals als zukünftiger Graf von Flandern geurkundet.[4] Am 1. August 1194 kämpfte er an der Seite seines Vaters in der siegreichen Schlacht von Noville gegen den Herzog von Limburg.[5] Am 15. November 1194 ist Balduins Mutter gestorben, worauf er als deren Erbe in der Grafschaft Flandern nachfolgen konnte. Am 5. Januar 1195 urkundete er erstmals auf dem Feld zwischen Aalst und Erpe mit der entsprechenden gräflichen Titulatur (Balduinus, Flandrensium comes).[6] Nachdem am 17. Dezember 1195 auch der Vater gestorben war, hat er diesen als Graf des Hennegaus beerbt. Graf von Flandern und Hennegau Balduin nahm Besitz von einem stark verkleinerten Flandern, da sein Onkel einen großen Teil, darunter auch das Artois im Norden Frankreichs, an Balduins Schwester Elisabeth (auch Isabella genannt) bei ihrer Heirat mit König Philipp II. von Frankreich als Mitgift vergeben hatte; weitere bedeutende Stücke gingen an seine eigene Frau. Als Elisabeth 1190 starb, behielt König Philipp II. die Mitgift, die später Elisabeths Sohn erhalten sollte. Balduin erkannte dies nicht an. Zunächst aber verbündete er sich 1185 mit König Philipp II. gegen Richard Löwenherz und nahm an den Kämpfen um Issoudun und Aumale teil. Obwohl er noch 1196 gegenüber Philipp II. in Compiègne die Huldigung leistete, vollzog Balduin im Jahr 1197 einen Seitenwechsel und verband sich in Les Andelys mit Richard Löwenherz. Ursächlich hierfür war sein Anspruch auf die Provinz Artois, die nach dem Tod seiner Schwester Elisabeth an die Krone überging, was Balduin nicht anerkannte. Im Juli 11197 begann er eine Invasion im Artois; da Philipp II. August seine Anstrengungen auf den Kampf gegen Richard Löwenherz konzentrierte, konnte Balduin bis 1199 Lillers, Aire und Saint-Omer erobern. Mit dem römisch-deutschen König Otto IV. gewann er 1198 einen weiteren Verbündeten. Seine Eroberungen bekam Balduin 1200 im Frieden von Péronne bestätigt. Einen Monat nach dem Friedensschluss mit Philipp, am 23. Februar 1200, nahm Balduin das Kreuz. Er verbrachte die nächsten beiden Jahre mit den Vorbereitungen und brach am 14. April 1202 zum Vierten Kreuzzug auf. Um den Hennegau in geordnetem Zustand zu hinterlassen, gab er zwei bemerkenswerte Chartas heraus. Die eine enthielt ein detailliertes Strafgesetzbuch und scheint auf einer heute verlorenen Charta seines Vaters zu basieren. Die andere legte eine genaue Nachfolgeregelung fest. Beide Chartas sind wesentlicher Teil der gesetzgebenden Tradition in diesem Teil Europas geworden. Balduin ließ eine zweijährige Tochter und seine schwangere Ehefrau Marie zurück, die von 1202 bis 1203 Regentin in Flandern und Hennegau war und ihrem Mann, nach der Geburt der zweiten Tochter, Anfang 1203 mit einer flämischen Flotte hinterherreiste. Beide erwarteten eine Rückkehr in wenigen Jahren, tatsächlich aber sahen sie ihre Heimat und ihre Töchter nicht wieder. Nachfolger Maries als Regenten wurden ab 1203 Balduins jüngerer Bruder Philipp von Namur in Flandern und Balduins Onkel Wilhelm von Thy (ein unehelicher Sohn des Grafen Balduin IV. von Hennegau) im Hennegau. In der Zwischenzeit waren die Kreuzfahrer bis Konstantinopel gelangt, hatten die Stadt eingenommen und geplündert sowie die Entscheidung getroffen, ein Lateinisches Kaiserreich zu errichten. Lateinischer Kaiser Die Kaiserkrone wurde Enrico Dandolo angeboten, dem Dogen von Venedig, der sie jedoch ablehnte. Zur Wahl standen nun Balduin und Bonifatius von Montferrat. Am 9. Mai 1204 wurde Balduin gewählt, am 16. Mai gekrönt. Er war jung, galant, fromm und tugendhaft, einer der wenigen, die ihre Gelübde streng beachteten und der populärste unter den Anführern des Kreuzzuges. Balduins Ehefrau Marie war, in Unkenntnis der Ereignisse, ins Heilige Land nach Akkon gesegelt. Dort erfuhr sie von seiner Wahl zum Kaiser; sie starb im August 1204 an einer Krankheit. Das Lateinische Kaiserreich wurde nach feudalen Prinzipien organisiert: Der Kaiser stand über den Fürsten, die Teile des eroberten Landes als Lehen erhielten. Sein eigenes Territorium sollte aus der Stadt Konstantinopel, den benachbarten Gebieten in Europa und Asien sowie einigen entlegenen Distrikten und Inseln wie Lemnos, Lesbos, Chios und Tenos bestehen, die noch erobert werden sollten. Auch war der Widerstand der Griechen in Thrakien zu brechen und Thessaloniki zu sichern. Bei dieser Unternehmung im Sommer 1204 stieß Balduin mit Bonifatius zusammen, dem unterlegenen Kandidaten bei der Kaiserwahl, dem mit dem Lateinischen Königreich Thessalonike ein großes Territorium in Makedonien versprochen worden war. Bonifatius hoffte, sich vom Kaiser unabhängig machen zu können und keine Huldigungen für sein Reich abgeben zu müssen; deshalb opponierte er gegen Balduins Plan, gegen Thessaloniki zu marschieren. Der Gegensatz zwischen Flamen und Lombarden vergrößerte den Streiit. Balduin bestand darauf, nach Thessaloniki zu gehen, Bonifatius hingegen belagerte Adrianopel, wo Balduin einen Statthalter eingesetzt hatte – ein Bürgerkrieg schien unvermeidlich. Enrico Dandolo und Ludwig von Blois, brachten schließlich eine Übereinkunft zustande, nach der Bonifatius Thessaloniki als Lehen vom Kaiser nahm und gleichzeitig Befehlshaber der Truppen wurde, welche die noch nicht unterworfenen Teile Griechenlands erobern sollten. Im folgenden Winter 1204/1205 führten die Kreuzfahrer Krieg in Bithynien, an dem auch Balduins Bruder Heinrich teilnahm. Im Februar 1205 rebellierten die Griechen in Thrakien, wobei sie Unterstützung von Kalojan Asen, dem Zaren der Bulgaren, erhofften, dessen Bündnisangebote Balduin zurückgewiesen hatte. Sie verjagten die Garnison von Adrianopel, worauf Balduin, Enrico Dandolo, Ludwig von Blois und der spätere Chronist Gottfried von Villehardouin die Stadt belagerten. Kalojan sandte zum Entsatz eine Armee, die derjenigen der Kreuzfahrer zahlenmäßig weit überlegen war. Die fränkischen Ritter wurden am 14. April 1205 in der Schlacht von Adrianopel geschlagen; Ludwig von Blois fiel, Kaiser Balduin wurde gefangengenommen und in die bulgarische Hauptstadt Tarnowo verbracht, wo er in dem heute nach ihm benannten Balduin-Turm der Festung Zarewez interniert wurde. Balduins Schicksal war einige Zeit unklar, und so übernahm sein Bruder Heinrich die Regentschaft. Mitte Juli schrieb Zar Kalojan an Papst Innozenz III., dass Balduin in der Gefangenschaft gestorben sei. Kinder und Nachfolge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten] Zum zweiten Lateinischen Kaiser wurde am 20. August 1206 Balduins Bruder Heinrich gekrönt. In Flandern war umstritten, ob Balduin tatsächlich gestorben sei; deshalb blieb Balduins Bruder Philipp I. von Namur Regent. Schließlich wurden Balduins Töchter Johanna und Margarete Gräfinnen von Flandern. Der falsche Balduin Zwanzig Jahre später, 1225, trat in Flandern ein Mann auf, der vorgab, Balduin zu sein. Sein Anspruch wurde in Flandern von verschiedenen gegen die Gräfin Johanna opponierenden Rebellen aufgegriffen. Eine Anzahl von Menschen, die Balduin persönlich gekannt hatten, trafen den angeblichen Grafen und Kaiser und wiesen seinen Anspruch zurück; er wurde 1226 hingerichtet. Literatur • Walther Kienast: Balduin VI. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 1, Duncker & Humblot, Berlin 1953, ISBN 3-428-00182-6, S. 552 f. (Digitalisat). • John C. Moore: Baldwin IX of Flanders, Philip Augustus and the Papal Power, in: Speculum 37,1 (1962) 79–89. • Wolfgang von Rintelen: Balduin I., in: Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas. Bd. 1. München 1974, S. 129 f. • Alexios G. Savvides, Benjamin Hendrickx (Hrsg.): Encyclopaedic Prosopographical Lexicon of Byzantine History and Civilization. Vol. 2: Baanes–Eznik of Kolb. Brepols Publishers, Turnhout 2008, ISBN 978-2-503-52377-4, S. 14–16. • Franz Xaver von Wegele: Balduin. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 2, Duncker & Humblot, Leipzig 1875, S. 9–11. • Robert Lee Wolff: Baldwin of Flanders and Hainault, First Latin Emperor of Constantinople: His Life, Death, and Resurrection, 1172–1255. Speculum, Band 27, Ausgabe 3 (Juli 1952), S. 281–322. Anmerkungen 1 Der Beiname hat erst in der neuzeitlichen Geschichtsschreibung Eingang gefunden. So zum Beispiel bei Jacques de Meyer, Commentarii sive annales rerum Flandricarum. Antwerpen 1561, S. 60. Zum Geburtsdatum und Geburtsort vgl. Gislebert von Mon, Chronicon Hanoniense, in: MGH SS 21, S. 519. 2 Vgl. Gislebert von Mons, Chronicon Hanoniense, in: MGH SS 21, S. 519f. 3 Vgl. Gislebert von Mons, Chronicon Hanoniense, in: MGH SS 21, S. 530, 550. 4 Vgl. Foppens, J. F.: Auberti Miræi opera diplomatica et Historica, Bd. 2 (1723), S. 836. 5 Vgl. Gislebert von Mons, Chronicon Hanoniense, in: MGH SS 21, S. 587. 6 Vgl. De Smet, J.-J.: Corpus chronicorum Flandriae, Bd. 2 (1841), S. 806f. | von Konstantinopel (von Hennegau), Kaiser Balduin I. (I7693)
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| 33573 | https://de.wikipedia.org/wiki/Balduin_II._(Flandern) Balduin II. der Kahle (ndl.: Boudewijn de Kale, franz: Baudouin le Chauve, lat: Balduinus Calvus; * um 863; † 10. September 918) war ein Graf von Flandern im 9. und 10. Jahrhundert.[1][2] Er war der älteste Sohn des Grafen Balduin I. Eisenarm († 879) aus dem Haus Flandern und der Judith, einer Tochter Kaiser Karls des Kahlen. Balduin verfolgte zeitlebens die Expansion seines Herrschaftsgebiets und die Abwehr der Wikinger, die von Friesland aus den Norden Flanderns bedrohten. Mit Erzbischof Fulko von Reims sprach er sich 888 für ein Königtum des Karolingers Arnulf von Kärnten im westlichen Regnum aus, erkannte allerdings sofort den Robertiner Odo an, der sich in der Wahl durchsetzen konnte.[3] In den folgenden Jahren dehnte Balduin sein Einflussgebiet auf Boulogne und (892) das Artois aus und übernahm die Abtei Saint-Vaast. Mit seinem aggressiven Ausgreifen provozierte er allerdings auch einen Bruch mit König Odo, welchem er fortan feindlich gegenüberstand. Seinen Bruder Rodulfus unterstützte Balduin 895 bei der Einnahme von Saint-Quentin und Péronne, womit sie allerdings in die Interessensphären Heriberts I. eindrangen, welcher im Jahr darauf Rodulfus im Kampf tötete und somit die Kontrolle im Vermandois übernahm. An König Karl III. den Einfältigen verlor er 899 Arras, aber nachdem er im folgenden Jahr Erzbischof Fulko ermorden ließ, erkannte ihn der König als Laienabt von Saint-Bertin an.[4] Kurz darauf ermordete Balduin auch seinen Erzfeind Heribert I. von Vermandois.[5] Balduin begründete maßgeblich die Position Flanderns als starkes und mehrere alte Grafschaften umfassendes Lehnsfürstentum, das im hohen Mittelalter zu den bedeutendsten Mächten Frankreichs zählte. Sein Beiname (Calvus) deutet nicht auf eine etwaige Haarlosigkeit von ihm hin, er sollte vor allem seine Abstammung von Kaiser Karl dem Kahlen hervorheben.[6] Er starb am 10. September 918 und wurde in der Abtei Sankt Peter in Gent bestattet.[7] Seit etwa 884 war Balduin verheiratet mit der angelsächsischen Prinzessin Ælfthryd/Elfrude († 929), einer Tochter von König Alfred dem Großen von Wessex und dessen Gattin Ealhswith. Da schon seine Mutter mit zwei Angelsachsenkönigen verheiratet gewesen war, vertiefte er somit die dynastischen und politischen Beziehungen Flanderns zu England. Aus der Ehe gingen vier Kinder hervor: • Arnulf I. der Große († 965), Graf von Flandern • Adalolf († 933), Graf von Boulogne und Thérouanne • Ealswid • Ermentrud Ein möglicher illegitimer Sohn von Balduin war Albert/Ascelin († 977), der als Bischof von Paris und als Provost von Drongen amtierte.[8] Einzelnachweise 1 Folkwin gab ihm die Titel comes (Graf) und marchio (Markgraf) bei; Gesta abbatum S. Bertini Sithiensium, hrsg. von Oswald Holder-Egger in MGH SS 13 (1881), S. 624 2 Von Richer von Reims wurde Balduin auch Morinorum principem genannt; Richeri historiarum libri I, hrsg. von Georg Heinrich Pertz in MGH SS 3 (1839), S. 574. Die alte römische Civitas Morinorum umfasste die pagi Bononiensis (Boulogne) und Teruanensis (Thérouanne). 3 Annales Xantenses et Annales Vedastini, hrsg. von B. de Simson in MGH SS rer. Germ. 12 (1909), S. 65–66. 4 Folkwin, Gesta abbatum S. Bertini Sithiensium, hrsg. von Oswald Holder-Egger in MGH SS 13 (1881), S. 624–625. 5 Regino von Prüm, Chronicon, hrsg. von Friedrich Kurze in MGH SS 1 (1890), S. 567. 6 Corpus Chronicorum Flandriae, Band 1, hrsg. von Joseph-Jean De Smet (Brüssel, 1841), S. 495 7 Folkwin, Gesta abbatum S. Bertini Sithiensium, hrsg. von Oswald Holder-Egger in MGH SS 13 (1881), S. 624–627. 8 Corpus Chronicorum Flandriae, Band 1, hrsg. von Joseph-Jean De Smet (Brüssel, 1841), S. 596. Weblinks • Baldwin II of Flanders bei The Henry Project (englisch) | von Flandern, Graf Balduin II. der Kahle (I1315)
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| 33574 | https://de.wikipedia.org/wiki/Balduin_II._(Lateinisches_Kaiserreich) Balduin von Courtenay (* 1217 in Konstantinopel; † 1274 im Königreich Sizilien-Neapel) war als Balduin II. von 1228 bis 1261 der letzte in Konstantinopel amtierende Kaiser des Lateinischen Reichs in Romanien (Byzantinisches Reich) aus dem Haus Courtenay. Von 1231 bis 1237 teilte er sich die Kaiserwürde mit seinem regierenden Schwiegervater Johann von Brienne und führte diese nach seiner Vertreibung aus Konstantinopel bis zu seinem Tod formell weiter. Auch war er von 1237 bis 1259 der amtierende Graf von Namur. Herkunft Balduin war das jüngste Kind Peters von Courtenay und der Jolante von Flandern. Väterlicherseits war er ein Abkömmling des französischen Königsgeschlechts der Kapetinger, mütterlicherseits war er ein Neffe der ersten beiden lateinischen Kaiser von Konstantinopel, Balduin I. und Heinrich. Nach dem kinderlosen Tod Kaiser Heinrichs im Jahr 1216 wurde Peter von Courtenay als dessen Schwager von den Baronen des in Folge des Vierten Kreuzzuges 1204 errichteten fränkisch-lateinischen Kaisertums zu Konstantinopel zum neuen Kaiser proklalamiert. Am 9. April 1217 wurde er in Rom von Papst Honorius III. zum Kaiser gesalbt und gekrönt. Auf dem weiteren Weg in das ferne „Romanien“ geriet Peter in Eprius in die Gefangenschaft von Theodoros I. Komnenos Dukas, in der er vermutlich Endde 1217 starb. Seine Frau Jolante, die sich während der Reise von Peter getrennt hatte, erreichte währenddessen mit ihrem Anhang Konstantinopel und übernahm dort stellvertretend die Regentschaft. Hier wurde auch Balduin wahrscheinlich im Spätjahahr 1217, vielleicht auch in den ersten Januartagen 1218, geboren.[1] Als Kaiser gebrauchte er später auf seinen Siegeln die griechische Titulierung „Balduin der Flame, der purpurgeborene Herrscher“ (Βαλδουίνος δεσπότης πορφυρογέννητος ὁ Φλάντρας / Baldouinos Despotēs Porphyrogennētos ho Phlandras),[2] mit der er auf seine Geburt in der Porphyra-Kammer des Großen Palastes zu Konstantinopel verwies, die ihn dem griechischen Rechtsprinzip der „Purpurgeburt“ nach, insbesondere den griechiischen Gegenkaisern von Nicäa und Despotaten von Epirus sowie dem Bulgarenreich gegenüber, zur Herrschaft über Konstantinopel legitimiere. Tatsächlich war Balduin II. der einzige amtierende Lateinerkaiser, der auch in Konstantinopel geboren wurde (sieht man von seinem Sohn ab, der nur noch ein Titularkaiser war). Zu bemerken ist hier auch die Bezugnahme Balduins auf seine Abkunft vom flämischen Haus, mit der er offensichtlich sein Kaisertum auch dem dynastischen Prinzip nach legitimiert wissen wollte, gleichwohl die Herrschaft des Hauses Courtenay durch eine Wahl der Barone und nicht aufgrund dessen Anknüpfung an das flämische Haus begründet wurde. Balduins Mutter ist im Spätjahr 1219 gestorben und nachdem zu diesem Zeitpunkt offenbar auch der Tod des Vaters in der Gefangenschaft gewiss geworden war, haben die lateinischen Barone die Regentschaft in Konstantinopel übernommen und zunächst den ältesten Sohn des Kaiserpaares, Graf Philipp II. von Namur, die Thronfolge angetragen. Nachdem dieser sie allerdings zurückgewiesen hatte, ist der zweite Sohn, Robert, im Jahr 1221 nach Konstantinopel gekommen um die Kaiserwürde zu übernehmen. Unter Kaiser Robert ist die lateinische Herrschaft im Jahr 1224 gegenüber den griechischen Gegenprätendenten militärisch zusammengebrochen und ihr vormals geschlossenes Herrschaftsterritorium mit dem Verlust der kleinasiatischen Gebiete, Thrakkiens und Thessalonikis zerschlagen wurden. Die tatsächliche Herrschaft der Lateiner hatte sich fortan nur noch auf das stark befestigte Konstantinopel, dem altgriechischen Raum um Theben und Athen, sowie auf Euböa, dem ägäischen Archipel und der Peloponnes beschränkt. Da die lateinischen Fürsten in Altgriechenland (Herzogtum Athen), Euböa (Herrschaft von Negroponte), dem Archipel (Herzogtum Naxos) und der Peloponnes (Fürstentum Achaia) danach räumlich von Konstantinopel getrennt waren, hatten diese seither faktisch unabhängig agieren können und die feudalrechtliche Oberhoheit ihres Kaisers nur noch formal anerkannt, dessen Herrschaft wiederum nun faktisch nur noch über die Stadt Konstantinopel und deren näheres Umland bestanden hat. Thronfolge und frühe Jahre Im Streit mit den Baronen hat Kaiser Robert 1227 Konstantinopel verlassen und ist bis spätestens zum Sommer 1228 gestorben, worauf ihm nun Balduin II. auf den Thron nachfolgen konnte.[3] In der stellvertretenden Regentschaft für den unmündigen Kaiser haben die Barone den aus Burgund stammenden Narjot de Toucy bestimmt. Über die frühen Jahre des jung verwaisten Balduins, insbesondere über die Gestaltung seiner Ausbildung, liegen keinerlei Berichte vor. In der Frage über die Verteidigung seines akut bedrohten Kaisertums haben die Barone in der Hauptsache aus Unterstützung aus dem lateinischen Westen gesetzt, vor allem vom Papst und aus Frankreich. Möglicherweise haben sie gar die Inthronisierung eines erwachsenen Verwandten an Balduins statt in Betracht gezogen.[4] Schließlich haben sich die Barone nach Vermittlung Papst Gregors IX. an Johann von Brienne gewandt, der sich nach seiner Entmachtung als König von Jerusalem durch Kaiser Friedrich II. als Feldherr in päpstlichen Diensten in Italien verdingte. Dem militärisch erfahrenen ehemaligen Anführer des fünften Kreuzzuges (1217–1221) haben sie die Regentschaft über Konstantinopel in der Hoffnung angetragen, dass er die in den Jahren zuvor verloren gegangenen Gebiete für die Lateiner zurückerobern möge. Der bereits im Greisenalter sttehende Brienne hat dazu allerdings die Übertragung der Kaiserwürde auf Lebenszeit als Bedingung verlangt, die ihm am 9. April 1229 in Perugia vertraglich garantiert wurde.[5] Die Verlobung Balduins II. mit Maria von Brienne, der ältesten Tochter Johanns, und eine Herrschaftsteilung mit diesem beim Erreichen des Mündigkeitsalters waren als zusätzliche Vertragsbedingungen vereinbart wurden. Johann von Brienne ist erst im Spätjahr 1231 mit einer Streitmacht französischer Ritter nach Konstantinopel gekommen und dort gekrönt wurden. Im selben Jahr ist die Stadt von einem Erdbeben erschüttert wurden.[6] Eine im Jahr 1233 unternommene EExpedition gegen den Gegenkaiser von Nicäa, Johannes III. Vatatzes, mit dem Versuch den Hafen Lampsakos zu erobern ist nach wenigen Wochen erfolglos eingestellt wurden, worauf sich der Anhang des regierenden Kaisers zerstreute und nach Frankreich heimgekehrt ist. Ein kombinierter Gegenangriff der Griechen im Bunde mit dem Bulgarenherrscher Iwan Assen II. im Jahr 1236 konnte einzig aufgrund deren Zwistes untereinander und dank der Flottenunterstützung Venedigs an den Mauern Konstantinopels abgewehrt werden. Im Anschluss hatte Kaiser Johann einen zweijährigen Waffenstillstand mit Johannes Vatatzes geschlossen. Erste Westreise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten] Etwa um den Jahreszeitraum 1235/36 ist Balduin mündig geworden und seine Ehe mit Maria durch eine Hochzeit formalisiert wurden. Gleich darauf ist er von seinem Schwiegervater auf eine Reise in den lateinischen Westen geschickt wurden, um dort um finanzielle und militärische Hilfe zu werben. Ein Bittgesuch an den Westkaiser Friedrich II. war dabei ausgeschlossen, da dieser eingedenk der politischen Nähe der Ostkaiser zum Papst eine Allianz mit den griechischen Herrschern eingegangen waar. So ist Balduin im Spätjahr 1236 zuerst nach Rom gegangen, wo ihm Papst Gregor IX. die Unterstützung zugesichert und den französischen Klerus zur Finanzierung von vierhundert Rittern für Konstantinopel aufgefordert hat.[7] Ebenso hat der Papst den König von Navarra, Theobald I., zu einem Kreuzzug nach Konstantinopel ermutigt, worauf tatsächlich einige französische Barone positiv reagiert hatten.[8] Doch letztendlich sollten diese ihren Kreuzzug in das Heilige Land unternehmen. Von Rom ist Balduin im Frühjahr 1237 über Frankreich nach Namur weitergereist. Die Grafschaft Namur ist einst als Erbe seiner Mutter in den Besitz der Familie Courtenay übergegangen. Nach dem kinderlosen Tod seiner älteren Brüder Philipp II. ((† 1226) und Heinrich II. († 1229) hatte dort seine Schwester Margarete, verheiratete Gräfin von Vianden, die Verwaltung übernommen. Als letzter Sohn der Familie hat Balduin den Besitz der Grafschaft von seiner Schwester eingeklagt, die erst nacch einer Entschädigung von 7.000 Pfund zu ihrer Aufgabe bereit war.[9] Im März 1237 urkundete er erstmals als „Markgraf von Namur“ (marchio Namucensis), im Juli darauf als „Graf von Namur“ (comes Namucensis).[10] Mit dem Besitz von Namur hat sich Balduin die Feindschaft der Grafen von Luxemburg zugezogen, die ebenfalls von der alten Grafenfamilie des Namurois abstammten und deshalb auch Besitzansprüche darauf anmeldeten. Um sich vor ihnen zu schützen suchte er die politische Nähe zu Frankreich und zu seiner Cousine, der Gräfin Johanna von Flandern. Am 22. April 1238 ist Balduin in London eingezogen, hat von König Heinrich III. von England allerdings nur geringfügige Geldspenden erhalten und ist nur wenig später wieder nach Frankreich zurückgekehrt.[11] Inzwischen wird er vom Tod seiner Schwiegereltern im Frühjahr 1237 erfahren haben, womit er alleiniger Kaiser von Konstantinopel geworden ist. Dort hatten derweil die Barone unter Anseau de Cayeux die Regentschaft übernommen und zum Zwecke der Geldgewinnung Kunstgüter und Reliquien an italienische Kaufleute veräußert, was schon seit der Eroberung der Stadt durch die Kreuzfahrer von 1204 praktiziert worden ist. So auch am 4. September 1238, als die Barone die Dornenkrone, eine der kostbarsten Reliquienschätze der Christenheit, an einen venezianischen Kaufmann verpfändeten.[12] Und nachdem sie die Pfandsumme nach den vertraglich vereinbarten vier Monaten nicht haben zurückzahlen können, ist die Dornenkrone in den Besitz des Kauufmannes übergegangen. Frankreichs frommer König Ludwig IX. hatte davon erfahren und umgehend eine Gesandtschaft nach Konstantinopel entsandt, welche dort die Dornenkrone von dem Kaufmann erwerben sollte. Die Barone, mittlerweile wieder angeführt von Narjot de Toucy, haben den Verkauf der Reliquie an Frankreich im Dezember 1238 gebilligt und ihr sogar noch Teile vom Kreuz Christi und der Lanze des Longinus beigegeben.[13] Im Frühjahr 1239 sind die Reliquien von Konstantinopel auf Reisen gegangen, wurden dabei mehrere Wochen lang für die „Serenissima“ gewinnbringend in Venedig der Öffentlichkeit präsentiert und konnten im August 1239 in Villeneuve-l’Archevêque von König Ludwig IX. in Empfang genommen werden, welcher der Dornenkrone in Paris mit der Sainte-Chapelle einen prunkvollen Schrein errichten sollte.[14] Balduin hatte an diesem, für sein Reich kaum gewinnbringenden, Ausverkauf prestigeträchtigen Kulturerbes des griechischen Ostens kaum einen persönlichen Anteil getragen, außer dass er seine Zustimmung dafür als ein Geschenk an den König von Frankreich verbunden mit entsprechenden Gegenleistungen für Konstantinopel verstanden wissen wollte. Zwischen November 1238 bis spätestens zum Frühjahr 1239 hat sich Balduin wieder bei der päpstlichen Kurie zu Rom aufgehalten.[15] Dort hat er am 26. November 1238 mit dem König von Ungarn die Bedingungen für die Passage durch dessen Königreich für die Rückreise nach Konstantinopel vertraglich geregelt[16]; der Seeweg über italienische Häfen und die Adria ist von dem im Bunde mit den Griechen stehenden Westkaiser Friedrich II. blockiert wurden. Des Weiteren hat der Papst in einem Schreiben vom 19. Dezember 1238 den Klerus von England dazu aufgefordert, ein Viertel der bereitstehenden Geldmittel für den kommenden Orientkreuzzug für Konstantinopel abzuzweigen.[17] Im Frühjahr 1239 ist Balduin nach Frankreich zurückgekehrt um dort die Vorbereitungen für seine Heimreise abzuschließen. Er hatte tatsächlich ein Heer von mehreren hundert Rittern und mehreren zehntausend Infanteristen zusammenstellen können, dessen namhafte Anführer sein Cousin Humbert V. von Beaujeu, Jocerand von Brancion und Thomas von Vervins waren.[18] Vor seiner Abreise nach dem Johannistag (24. Juni 1239) hat er noch die Grafschaft Namur für 50.000 Pariser Pfund als Sicherheit an die französische Krone übergeben.[19] Neben dem finanziellen Geewinn hat er damit auch für die Sicherheit seines westeuropäischen Besitzes gesorgt, da der Graf von Luxemburg kaum Hand an das Namurois legen würde, solange über dieses die schützende Hand des Königs von Frankreich wacht, gleichwohl das Namurois dem Lehnsverband des römischen Westreichs angehört hat. Rückkehr Über Deutschland und Ungarn ziehend ist Balduin bis spätestens zum Frühjahr 1240 nach Konstantinopel zurückgekehrt, wo er zu Ostern den 15. April in der Hagia Sophia gekrönt wurde.[20] Fortan urkundete er in voller kaiserlicher Titulatur (Balduinus Dei gratiâ fidelissimus in Christo imperator a eo coronatus, Romaniæ moderator, et semper Augustus)[21], während er dies zuvor ausschließlich als „Erbe des Reiches“ getan hatte. Ausgestattet mit seiner Heeresmacht aus Frankreich und unterstützt von kumanischen Verbänden hat er unmittelbar darauf den Krieg gegen Johannes Vatatzes aufgenommen und die Festung Tzurulum (heute Çorlu) erobert und damit auf der europäischen Seite des Bosporus ein territoriales Vorfeld zu Konstantinopel geschaffen.[22] Parallel dazu hat eine venezianische Flotte einen Seesieg gegen jene des Kaisers von Nicäa erringen können. Diese Erfolge wurden allerdings durch eine Gegenoffensive des Vatatzes auf der asiatischen Seite aufgewogen, der dort die letzten Stellungen der Lateiner eroberte. Darauf hatte Balduin den Kampf beenden müssen, nachdem die Ritter seines französischen Heeres nach Ablauf ihres vereinbarten Waffendienstes die Heimreise angetreten hatten. So war er im Frühsommer 1241 zum Abschluss eines zweijährigen Waffenstillstandes mit Vatatzes gezwungen, den er 1243 um ein weiteres Jahr verlängerte.[23] In jener Zeit hatte sich die machtpolitische Stellung der Lateiner des Ostens verschlechtert, ohne das Balduin dagegen etetwas hätte unternehmen können. Schon 1241 war sein wichtigster Verbündeter im Westen, Papst Gregor IX., gestorben und dessen Nachfolger, Innozenz IV., hat durch die Aussichten an eine Vereinigung der Ostkirche mit Rom eine vorsichtige Annäherung an Johannes Vatatzes betrieben, der als ein gewichtigerer Partner erscheinen musste als der faktisch bedeutungslose „Stadtkaiser“ von Konstantinopel. Balduin versuchte in den folgenden Jahren, seine Position vor allem durch eine Bündnispolitik zu verbessern. Nachdem auch der Bulgarenherrscher Iwan Assen II. 1241 gestorben war, erreichte er mit dessen Nachfolger Koloman I. Assen einen Friedensschluss. Er ermutigte den Fürst von Achaia, Gottfried II. von Villehardouin, der nicht nur sein Schwager, sondern auch sein formeller Lehnsmann war und außerdem das kaiserliche Amt eines Seneschalls von Romanien bekleidete, zu einem schärferen Engagement gegen die Griechen in Europa. Dem Fürst bot er dazu den Verkauf seines französischen Familienstammsitzes Courtenay an, worüber er in einem Schreiben vom 20. Februar 1241 auch den französischen Königs unterrichtete.[24] Dieser verweigerte jedoch hat sein notwendiges Einverständnis für dieses Geschäft. Balduin II. bot sich in Asien dem Seldschukensultan von Ikonium als Alliierter gegen Vatatzes an, worüber er im August 1243 in einem Brief an Blanka von Kastilien berichtete.[25] Indes waren die Seldschuken bereits im Vormonat von den Mongolen in einer großen Schlacht schwer geschlagen wurden, weshalb sie darauf ebenfalls ein Bündnis mit Vatatzes bevorzugten. Als sich im folgenden Jahr auch der Westkaiser Friedrich II. durch die Verheiratung einer seiner Töchter sich mit Johannes Vatatzes dynastisch verbunden hatte, revidierte Balduin die einst von seinem Schwiegervater vorgegebene antistaufische Haltung und suchte eine Annäherung an Friedrich II., indem er sich als Vermittler im Konflikt zwischen diesem und dem Papst empfahl. Zweite Westreise Vielleicht schon im Spätjahr 1243, aber bis spätestens zum Frühjahr 1244 hat Balduin II. seine zweite Westreise angetreten, die wie seine erste vornehmlich unter dem Zeichen der Gewinnung von finanzieller und militärischer Unterstützung stand. MMit der Regentschaft hat er dabei nicht seine Frau, sondern Philippe de Toucy betraut. Zunächst ist er nach Italien gereist um dort seinen Vermittlerdienst zwischen dem Hof Kaiser Friedrichs II. und der päpstlichen Kurie zu Rom aufzunehmen. Diese Tätigkeit stellte übrigens das erste persönliche Zusammentreffen der amtierenden lateinischen Kaiser des Westens und Ostens dar. Am Gründonnerstag den 31. März 1244 war Balduin in Rom einer der Zeugen der Beeidigung der ausgehandelten Vertragsgsbedingungen zur Rekonzilierung der römischen Kirche mit dem Westkaiser durch dessen Vertreter, Graf Raimund VII. von Toulouse, Petrus de Vinea und Thaddäus von Suessa.[26] Nach diesem Verhandlungserfolg verbrachte er das folgende Jahr im Umfeld des Hofes Kaiser Friedrichs II., für den er unter anderem im Juni 1244 als urkundlicher Zeuge auftrat.[27] Allerdings sind noch im selben Jahr die Friedensbemühungen gescheitert, nachdem der Papst eine Versöhnung ausgeschlagen hat und nach Lyon geflohen war. Am 16. Juni 1245 war Balduin noch in Modena um am Tag darauf in Verona ein letztes Mal mit Kaiser Friedrich II. zusammenzutreffen.[28] Hier ist Balduin nur kurz geblieben, denn schon am 28. Juni 1245 war er in Lyon an der Seite ddes Papstes bei der Eröffnung des dort anberaumten Kirchenkonzils.[29] Sollte Balduin hier noch einmal vermittelnde Tätigkeiten unternommen haben, von denen jedenfalls keine überliefert sind, so dürften diese nicht gefruchtet haben. Denn auf der abschließenden Sitzung des Konzils im Juli 1245 ist Kaiser Friedrich II. formell in seiner Würde abgesetzt wurden. Welche Haltung Balduin dazu eingenommen hat ist nicht überliefert, allerdings sollte er zu späterer Zeit noch einmal eine prostaufische Einstellung demonstrieren. Auf dem Konzil hat Balduin unter anderem an der Annullierung der Ehe des Grafen von Toulouse mit Margarete von Lusignan mitgewirkt und hat anschließend im November 1245 im Gefolge des Papstes die Abtei Cluny besucht.[30] Mit dabei war auch der kastilische Infant Alfons X., der ein Cousin seiner Frau war. Auf dessen Vermittlung hin ist Balduin im August 1246 an den kastilischen Hof nach Valladolid gezogen, um dort bei König Ferdinand III. um Unterstützung zu suchen. Die Ritter des Ordens von Santiago haben ihm militärische Hilfe für zwei Jahre in Aussicht gestellt, sofern er sie dafür bezahlen könnte. Als Balduin jedoch bis August 1247 den vereinbarten Sold nicht hat aufbringen können, haben sie ihr Angebot zurückgezogen. Im Mai 1247 war er erneut in London um ein zweites Mal bei König Heinrich III. von England als Bittsteller aufzutreten, hat von diesem aber nur eintausend Mark als Kosten für seine Heimreise erhalten.[31] Im Juni 1247 war Balduin wieder in Namur, wo er am zwölften des Monats ein Testament aufgesetzt hat.[32] Der Streit mit Luxemburg um den Besitz des Namurois war in jener Zeit wieder aufgeflammt, nachdem die Gräfin Johanna von Flandern 1244 gestoorben war und um deren Erbe der flämische Erbfolgestreit zwischen deren Neffen aus den Häusern Avesnes und Dampierre ausgebrochen ist. Dem Johann von Avesnes ist dabei von König Ludwig IX. in einem Schiedsspruch der Besitz der Grafschaft Hennegau zugesprochen wurden, und weil die Grafschaft von Namur ein Lehn der Grafen des Hennegaus war hatte Avesnes folglich die Huldigung dafür von Balduin eingefordert. Nachdem dieser aber einen solchen Unterwerfungsakt nicht begehen wollte, hatte Avesnes den Versuch unternommen, ihm dieses Lehens zugunsten des mit ihm verbündeten Grafen von Luxemburg zu entziehen. Balduins Nähe zum französischen König und seine Parteinahme für die Dampierre haben ihn vor dieser Enteignung einstweilen geschützt. Und am 26. August 1248 hat auch der Papst gegenüber Johann von Avesnes und den ihm unterstützenden deutschen Gegenkönig Wilhelm ein Enteignungsverbot zugunsten Balduins ausgesprochen, solange sein Fall nicht eingehend gerichtlich geprüft worden ist.[33] Am 26. Juni 1247 urkundete Balduin in Paris und im Juli 1247 in Chambéry, möglicherweise bereits auf seiner Heimreise.[34] Ende des lateinischen Kaisertums Wahrscheinlich im Frühjahr 1248 ist Balduin nach Konstantinopel zurückgekehrt, dieses Mal ohne ein großes Heer mit sich führend noch mit ausreichend Geldgeschenken versehen. Von der französischen Krone hatte er lediglich 20.000 Pariser Pfund erhalten, für die er erneut die Grafschaft Namur als Sicherheit gestellt hat, deren Verkauf ihm dabei erneut untersagt worden war. Die politische Situation hatte sich in der Zeit seiner Abwesenheit noch einmal dramatisch verschlechtert. Im Jahr 1246 ist Kaiser Johannes III. Vatatzes mit Heeresmacht von Asien nach Europa gesetzt, hat die Bulgaren aus der strategisch wichtigen Festung Serres verjagt und anschließend große Gebietsgewinne bis nach Mazedonien hinein verbuchen können. Dieser Siegeslauf hatte die zuvor mit ihm rivalisierenden griechischen Herrscher von Epirus-Thessaloniki zur Anerkennung seines Kaisertums samt Unterwerfung unter seiner Oberhoheit gezwungen und es nur noch zur Frage der Zeit werden lassen, bis er auch den finalen Angriff auf Konstantinopel unternehmen würde. Mehr denn je war der hochüberschuldete Balduin nun auf militärische Unterstützung angewiesen, so dass er noch im Jahr seiner Rückkehr zum Zwecke der Geldbeschaffung seinen wenige Jahre altlten Sohn und Erben Philipp für eine nicht genannte Summe an eine Kaufmannsfamilie aus Venedig verpfändet hat.[35] Unmittelbar darauf hat er im Oktober 1248 seine Frau auf eine Reise nach Frankreich geschickt, was eine Bedingung der französischen Krone für das gewährte Darlehn war, die dort in seinem Namen Geldmittel aufbringen und den Freikauf des Sohnes erreichen sollte. Dazu hat er ihr alle Vollmachten zum Verkauf des Courtenay-Besitzes erteilt.[36] Politisch war Balduin ab jener Zeit zur weitgehenden Handlungsunfähigkeit verdammt, indem er nur noch ein Beobachter der um sich stattfindenden Ereignisse und des sich anbahnenden Endes seines Kaisertums war. Der kreuzfahrende König Ludwig IX. von Frankreich hatte 1249 seinem Unternehmen zur Rückeroberung Jerusalems den höheren Stellenwert beigemessen, als dafür seinem Cousin in Konstantinopel personelle Hilfe abzuzweigen.[37] 1250 ist der Westkaiser Friedrich II. gestorben, dessen Söhne waren mit einem Behauptungskampf gegen den Papst beschäftigt und deshalb als mögliche Bündnispartner ausgefallen. Papst Innozenz IV. wiederum hatte 1254 erstmals Kontakt zu Johannes Vatatzes bezüglich des Projekts einer Kirchenunion aufgenommen, das auch nach dem Tod der beiden im selben Jahr von deren Nachfolgern weiterbetrieben wurde. Von irgendwelcher Unterstützung aus Rom für die Lateiner des Ostens liegen seit jener Zeit keine Berichte mehr vor. Balduins Bedeutungsverlust als KKaiser verdeutlicht der Streit zwischen seinen nominellen Vasallen, Fürst Wilhelm II. von Achaia und Großherr Guido I. von Athen, der nicht etwa ihm zur Schlichtung vorgetragen wurde, sondern dem König von Frankreich.[38] Der Fürst von Achaia wawar der letzte Hoffnungsträger der Lateiner im Kampf gegen die Griechen, an deren Spitze ab 1259 der Kaiser Michael VIII. Palaiologos stand. In der richtungsweisenden Schlacht von Pelagonia im September 1259 trugen die Griechen den Sieg davon und der Fürst von Achaia ist in deren Gefangenschaft gefallen. Im Frühjahr 1260 hat Palaiologos erstmals einen Vorstoß vor die Mauern von Konstantinopel unternommen, der geradeso noch abgewehrt werden konnte. Noch im selben Jahr hatte er diplomatische Beziehungen zu Genua aufgenommen, der großen Konkurrentin des prolateinischen Venedigs um die Seeherrschaft im östlichen Mittelmeer, die ihren Konflikt nun auch in der Ägäis auszutragen begannen. Das Bündnis zwischen Griechen und Genuesen ist im März 1261 in Nymphaion besiegelt wurden. Siehe Hauptartikel: Rückeroberung von Konstantinopel 1261. In der Nacht des 24. Juli 1261 ist der griechische Feldherr Alexios Strategopulos mit einem kleinen Heer unbemerkt bis vor die Mauern Konstantinopels vorgedrungen, eigentlich mit dem Auftrag die Lage dort zu erkunden. Die Mauern der Stadt wareren zu diesem Zeitpunkt unterbesetzt, da die Venezianer, welche die Hauptlast der Stadtverteidigung stellten, samt ihrer Flotte auf einer Expedition im Schwarzen Meer abwesend waren. Am frühen Morgen des 25. Juli haben die Griechen im Handstreicich das Goldene Tor der Festung der sieben Türme besetzen und öffnen können, durch welches sie in die Stadt strömen konnten. Die überrumpelten Lateiner konnten dagegen kaum eine adäquate Verteidigung organisieren und hatten deshalb die Flucht auf ihre im Hafen ankernden Schiffe aufgenommen. Balduin hatte sich im Blachernen-Palast dem Kampf stellen wollen, ist von seinen wenigen verbliebenen Gefährten dann aber ebenfalls auf ein venezianisches Schiff gerettet wurden, nachdem er verwundet worden war. Nach 57 Jahren ist so die Herrschaft der Lateiner in Konstantinopel zu Ende gegangen, wo am 15. August 1261 nun Kaiser Michael VIII. Palaiologos feierlich einziehen, sich krönen lassen und die Wiederherstellung der griechisch-byzantinischen Herrschaft einschließlich ihres orthodoxen Patriarchats begehen konnte.[39] Letzte Jahre im Exil Nun seinerseits zum Exil gezwungen ist Balduin zunächst nach Euböa gesegelt und von dort weiter nach Athen, wo er sich am 22. Oktober 1261 Geld lieh und dazu als „Balduinus, per Dei gratiam fidelissimus Imperator, à Deo coronatus Gubernator Romaniæ“ urkundete.[40] Im Frühjahr 1262 erreichte er den Hof König Manfreds von Sizilien, der selbst mit Michael VIII. Palaiologos verfeindet war und ihm einen großen Feldzug zur Rückeroberung Konstantinopels versprach, sofern der Papst ihn von seiner Exkommunizierung lösen werde.[41] Daraufhin ist Balduin nach Viterbo zu Papst Urban IV. gezogen, um dort eine Versöhnung zwischen diesem und dem Stauferkönig von Sizilien zu erreichen. Doch der Papst hat eine Versöhnung rundweg abgelehnt. Stattdessen sind von ihm im Mai und Juni 1262 Kreuzzugsaufrufe nach Frankreich und Polen ergangen, mit dem Ziel, den „schismatischen Palaiologos“ aus Konstantinopel zu vertreiben.[42] Wohl im Frühjahr 1263 ist Balduin in Frankreich angekommen, wo er sich wieder mit seiner Frau und auch seinem Sohn Philipp wiedervereinen konnte, der bereits 1261 dank der Großzügigkeit des Königs von Kastilien aus Venedig freigekauft wurde. Seine Frau hatte hier inzwischen die Grafschaft Namur an den Graf von Luxemburg verloren, nicht ohne aber die Verfügungsgewalt über die dort noch verbliebenen Burgen an die französische Krone abgetreten zu haben, welche sie wiederum an das flandrissche Grafenhaus weitergereicht hat.[43] Philipp von Courtenay hatte noch 1263 schließlich alle gräflichen Rechte auf Namur dem Graf von Flandern für 20.000 Pariser Pfund verkauft.[44] So ist Kaiser Balduin von all seinen Besitzungen lediglich der Stammsitz seiner Familie verblieben. In Frankreich hat Balduin auch die Aussichtslosigkeit eines Kreuzzuges nach Konstantinopel erkennen müssen, da weder König Ludwig IX. noch irgendein Adliger den päpstlichen Aufruf dazu erhören wollte. Stattdessen wurde er Zeuge, wie zwischen dem Königshof und dem Papst Pläne zu einem Sturz König Manfreds in Sizilien zugunsten des ehrgeizigen Prinzen Karl von Anjou geschmiedet wurden. In einem Schreiben vom 2. Juli 1263 hat Balduin an König Manfred deshalb eine Warnung vor diesen Plänen zukommen lassen wollen[45], allerdings ist dieser Brief in Rimini von einem guelfischen Stadtoberen abgefangen und dem Papst in Orvieto zugespielt wurden. Ob dieser Brief einen Einfluss auf die schriftliche Kontaktaufnahme des Papstes mit Michael VIII. Palaiologos vom 18. Juli 1263 gehabt hat, in dem eine Wiederaufnahme der Unionspolitik sondiert wurde, ist unsicher.[46] Jedenfalls wollte der Papst seither nichts mehr von einem Kreuzzug zugunsten Balduins wissen, hat diesen stattdessen in einem Brief vom 28. Juli 1263 beim französischen Hof als Anhänger Manfreds denunziert und vor seinen Intrigen gewarnt.[47] Diese Parteinahme für die Sache der Staufer hat Balduin bei den Franzosen jede Reputation gekostet und ihn in das politische Abseits gestellt. Rehabilitieren konnte sich Balduin nun einzig durch die Aufgabe seiner Freundschaft zu König Manfred und Unterstützung für Karl von Anjou. Dessen Italienzug mit der entscheidenden Schlacht bei Benevent (26. Februar 1266) hat er nicht mitgemachtht; im Juni 1266 urkundete er noch in Paris.[48] Aber im August 1266 ist er schon beim neu gewählten Papst Clemens IV. in Viterbo, von dem er wieder in die kirchliche Gunst aufgenommen wurde. Unter Federführung des Papstes hat Balduin schließlich eine dynastisch-politische Allianz mit dem nunmehrigen König Siziliens Karl von Anjou besiegelt, die mit dem am 27. Mai 1267 zu Viterbo aufgesetzten Vertrag zu Papier gebracht wurde.[49] In diesem Vertrag wurde die Verheiratung seines Sohnes PPhilipp mit einer Tochter des Anjou vereinbart, der im Gegenzug die Rückführung der Courtenay nach Konstantinopel und Eroberung von ganz Romanien versprach, wovon dem Anjou ein Drittel zufallen sollte. Inwiefern Balduin diesen Plänen gepaart mit der Hoffnung auf eine Rückkehr nach Konstantinopel, die auch seine Heimatstadt war, je eine realistische Chance zur Verwirklichung eingeräumt hat ist unklar. Bezeichnend ist jedoch seine im Vertrag gleichfalls festgeschriebene Aufgabe aller LeLehnshoheitsrechte auf das Fürstentum Achaia zugunsten des Königs von Sizilien, womit er die Reste seines ihm noch verbliebenen „Reiches“ zusätzlich verringerte. Lehnsrechtlich ist er noch Oberlehnsherr des Herzogtums Athen geblieben, was aber de facto keine Rolle mehr spielte. Wirkliche Hoheitsrechte sollte nie wieder ein lateinischer Titularkaiser im römischen Ostreich ausüben. Über die letzten Lebensjahre Balduins II. liegen nur noch wenige Zeugnisse vor; offenbar verbrachte er diese abwechselnd in Frankreich und Süditalien. Im März, Juli und Dezember 1269 urkundete er wieder in Paris.[50] Laut einer venezianischen Chhronik soll er im vierten Jahr des Dogen Lorenzo Tiepolo (1271/72) gestorben sein.[51] Allerdings war er noch am 15. Oktober 1273 in Foggia bei der Hochzeit seines Sohnes anwesend.[52] Einer im Januar 1274 in Tarent ausgestellten Urkunde nach war Balduin zu jenem Zeitpunkt bereits gestorben, was durch die Verfügung zum Bau eines Grabmals für ihn in der Kathedrale von Barletta durch Karl von Anjou im Oktober desselben Jahres bestätigt werden kann, welcher außerdem im November darauf urkundlich an ihn in „leuchtender Erinnerung“ (claræ memoriæ) gedachte.[53] Familie[ Balduin II. ist am 9. April 1231 mit Maria von Brienne (* 1225; † 1275) verlobt worden, die er wahrscheinlich im Jahreszeitraum 1235/36 geheiratet hat. Das einzige bekannte Kind aus der Ehe war der spätere Titularkaiser Philipp (* 1240/41; † 1283). Literatur • Robert Lee Wolff: Mortgage and Redemption of an Emperor’s Son. Castile and the Latin Empire of Constantinople, in: Speculum 29 (1954) 45–84. • Kenneth Meyer Setton: The Papacy and the Levant (1204–1571) – Volume 1. Philadelphia, 1976. • Jean Longnon: L’empereur Baudouin II et l’ordre de Saint Jacques, in: Byzantion, Bd. 22 (1952), S. 297–299. • Eloy Benito Ruano: Balduino II de Constantinopla y la Orden de Santiago. Un proyecto de defensa del Imperio Latino de Oriente, in: Hispania, Bd. 12 (1956), S. 3–36. Einzelnachweise 1 Vgl. L’estoire de Eracles, in: RHC Hist. Occ. 2, S. 291. 2 Vgl. Zacos, G. & Veglery, A.: Byzantine Lead Seals, Bd. 1 (1972), Nr. 114a–b, S. 114. 3 Vgl. Georgios Akropolites, Annales, in: PG 140, Sp. 1050. 4 Zwei nordfranzösische Chroniken berichten von der Nachfolge des Humbert V. von Beaujeu im lateinischen Kaisertum als Nachfolger Kaiser Roberts. Vgl. Gesta Ludovici VIII, in: RHGF 17, S. 310; Chronicon Turnense, in: RHGF 18, S. 318. Diese werdn allerdings durch keine räumlich näher liegenden Berichte bestätigt. 5 Vgl. Tafel, G. L. Fr. & Thomas, G. M.: Urkunden zur älteren Handels- und Staatsgeschichte der Republik Venedig, Bd. 2 (1856), Nr. CCLXXIII, S. 265–270. 6 Vgl. Richard von San Germano, Chronica, in: MGH SS 19, S. 364. 7 Vgl. Auvray, L.: Les registres de Grégoire IX, Bd. 2 (1907), Nr. 3395, Sp. 512. 8 Vgl. Martène, E. & Durand, U.: Thesaurus novus anecdotorum, Bd. 1 (1717), Sp. 998f. 9 Vgl. Alberich von Trois-Fontaines, Chronica, in: MGH SS 23, S. 941; Balduin von Avesnes, Chronicon Hanoniense, in: MGH SS 25, S. 455. 10 Vgl. Reiffenberg, F.: Monuments pour servir a l’histoire provinces de Namur, de Hainaut et de Luxembourg, Bd. 1 (1844), Nr. VI, S. 9f, Nr. XII, S. 141. 11 Vgl. Matthäus Paris, Chronica majora, hrsg. von Henry Richard Luard in: Rolls Series 57, Bd. 3 (1876), S. 480f, 486, 517f. 12 Vgl. Tafel, G. L. Fr. & Thomas, G. M.: Urkunden zur älteren Handels- und Staatsgeschichte der Republik Venedig, Bd. 2 (1856), Nr. CCXCVI, S. 346–349; Teulet, A.: Layettes du trésor des chartes, Bd. 2 (1866), Nr. 2744, S. 391f. 13 Vgl. Teulet, A.: Layettes du trésor des chartes, Bd. 2 (1866), Nr. 2753, S. 395; Andrea Dandolo, Venetorum ducis chronicon venetum, hrsg. von Lodovico Antonio Muratori in: Rerum Italicarum Scriptores, Bd. 12 (1728), Sp. 349. 14 Vgl. Wilhelm von Nangis, Gesta Sancti Ludovici, in: RHGF 20, S. 526ff; Chronicon, in: ebd., S. 548; Matthäus Paris, Chronica majora, hrsg. von Henry Richard Luard in: Rolls Series 99, Bd. 4, (1877), S. 75f; Walter Cornut, Historia susceptions Corone spinee, hrsg. von Paul Riant in: Exuviæ sacræ constantinopolitanæ, Bd.1 (1877), S. 45–56. 15 Vgl. Auvray, L.: Les registres de Grégoire IX, Bd. 2 (1907), Nr. 4603, Sp. 1170, Nr. 4634, Sp. 1179, Nr. 4671, Sp. 1194. 16 Vgl. Auvray, L.: Les registres de Grégoire IX, Bd. 2 (1907), Nr. 4623, Sp. 1175f. 17 Vgl. Bliss, W. H.: Calendar of the entries in the papal registers relating to Great Britain and Ireland: papal letters, Bd. 1 (1893), S. 177. 18 Vgl. Alberich von Trois-Fontaines, Chronica, in: MGH SS 23, S. 946. Thomas von Vervins war ein jüngerer Bruder des Enguerrand III. von Coucy aus dem Hause Boves-Coucy 19 Vgl. Alberich von Trois-Fontaines, Chronica, in: MGH SS 23, S. 947. 20 Im Zusammenhang mit seiner Durchreise durch Deutschland hat eine Erfurter Chronik den Kaiser fälschlich „Theobald“ genannt. Vgl. Annales Erphordenses, in: MGH SS 16, S. 33. Für seine Krönung vgl. Notes sur la diplomatique de l’empire latine Constantinople, hrsg. von Jean Longnon in: Mélanges dédiés à la mémoire de Félix Grat, Bd. 2 (1949), S. 18. 21 Zur Titulatur aus einer am 12. Februar 1241 in Konstantinopel aufgesetzten Urkunde vgl. Histoire de l’empire de Constantinople;…par Du Fresne du Cange, Bd. 1, hrsg. von Jean Alexandre Buchon (1826), Nr. VIII, S. 428f. Balduin II. hat seineerrscherzeit ab dem Jahr seiner Krönung gezählt. Als er zum Beispiel im Oktober 1261 in Athen urkundete, hat er das Dokument auf sein zweiundzwanzigstes Regierungsjahr (anno XXII Imperii nostri) datiert. Vgl. Acta Sanctorum, Bd. 4 (1707), S. 768f. 22 Die Eroberung von Tzurulum hat Balduin in einem Brief an den König von England berichtet. Vgl. Matthäus Paris, Chronica majora, hrsg. von Henry Richard Luard in: Rolls Series 99, Bd. 4, (1877), S. 54f. 23 Vgl. Alberich von Trois-Fontaines, Chronica, in: MGH SS 23, S. 950; Matthäus Paris, Chronica majora, hrsg. von Henry Richard Luard in: Rolls Series 99, Bd. 4, (1877), S. 299. 24 Vgl. Du Chesne, A.: Historiæ Francorum Scriptores, Bd. 5 (1649), S. 423f. 25 Vgl. Du Chesne, A.: Historiæ Francorum Scriptores, Bd. 5 (1649), S. 424ff; Teulet, A.: Layettes du trésor des chartes, Bd. 2 (1866), Nr. 3123, S. 518f. 26 Balduins Beteiligung an den Verhandlungen von 1244 und der anschließenden Vertragsbeeidigung sind aus je einem Brief des Papstes an den Landgraf von Thüringen vom 30. April 1244 und des Westkaisers an den König von England zu entnehmen. Vg. MGH Const. 2, Nr. 250, S. 340; Matthäus Paris, Chronica majora, hrsg. von Henry R. Luard in: Rolls Series 57, Bd. 4 (1877), S. 332–336. 27 Vgl. Huillard-Bréholles, J.-L.-A.: Historia diplomatica Friderici secundi, Bd. 6/1 (1860), S. 195ff. 28 Vgl. Chronicon Mutinense, hrsg. von Lodovico Antonio Muratori in: Rerum Italicarum Scriptores, Bd. 15 (1729), Sp. 561; Roland von Padua, Chronica, in: MGH SS 19, S. 82. 29 Vgl. Vitæ Romanorum Pontificum, hrsg. von Lodovico Antonio Muratori in: Rerum Italicarum Scriptores, Bd. 3/2 (1724), Sp. 399; Matthäus Paris, Chronica majora, hrsg. von Henry Richard Luard in: Rolls Series 99, Bd. 4, (1877), S. 431; Wilhelmon Puylaurens, Historia Albigensium, in: RHGF 20, S. 770; Balduin von Avesnes, Chronicon Hanoniense, in: MGH SS 25, S. 454. 30 Vgl. Teulet, A.: Layettes du trésor des chartes, Bd. 2 (1866), Nr. 3367, S. 575; Chronicum cluniacense, hrsg. von Martin Marrier & André du Chesne in: Bibliotheca cluniacensis (1915), Sp. 1666. 31 Vgl. Matthäus Paris, Chronica majora, hrsg. von Henry Richard Luard in: Rolls Series 99, Bd. 4, (1877), S. 431; Close Rolls of the reign of Henry III, 1242–1247 (1916), S. 510. 32 Vgl. De Laborde, J.: Layettes du trésor des chartes, Bd. 3 (1875), Nr. 3604, S. 11f; Histoire géneálogique des ducs de Bourgogne de la maison de France, hrsg. von André du Chesne (1628), preuves S. 138f. 33 Vgl. Reiffenberg, F.: Monuments pour servir a l’histoire provinces de Namur, de Hainaut et de Luxembourg, Bd. 1 (1844), Nr. XIII, S. 141f. 34 Vgl. De Laborde, J.: Layettes du trésor des chartes, Bd. 3 (1875), Nr. 3605, S. 12; De Wree, O.: La généalogie des comtes de Flandre, Bd. 1 (1642), S. 207f. 35 Vgl. Marino Sanudo, Secreta Fidelium Crucis, hrsg. von Jacques Bongars in: Gesta Dei Per Francos, Bd. 2 (1611), S. 73; Istoria del Regno de Romania, hrsg. von Charles Hopf: Chroniques Gréco-Romanes (1873), S. 115f; „Fragmentum“, hrsg. ebd.,. 171ff. 36 Vgl. De Laborde, Joseph: Layettes du trésor des chartes, Bd. 3 (1875), Nr. 3727, S. 50. 37 Vgl. Jean de Joinville, Histoire de Saint Louis, in: RHGF 20, S. 211f. 38 Vgl. Chronique de Morée aux XIIIe et XIVe siècles, hrsg. von Alfred Morel-Fatio (1885), S. 52. 39 Vgl. Chronique de Morée aux XIIIe et XIVe siècles, hrsg. von Alfred Morel-Fatio (1885), S. 54; Georgios Akropolites, Annales, in: PG 140, Sp. 1210f; Martino da Canale, Les estoires de Venise, hrsg. von Filippo Luigi Polidori, La cronique ds Veniciens de maistre Martin da Canal, in: Archivo Storico Italiano, Bd. 8 (1845), S. 480f; Wilhelm von Nangis, Chronicon, in: RHGF 20, S. 558. 40 Vgl. Acta Sanctorum, Bd. 4 (1707), S. 768f. 41 Vgl. Martino da Canale, Les estoires de Venise, hrsg. von Filippo Luigi Polidori, La cronique des Veniciens de maistre Martin da Canal, in: Archivo Storico Italiano, Bd. 8 (1845), S. 498–503. 42 Vgl. Potthast, A.: Regesta Pontificium Romanorum, Bd. 2 (1895), Nr.18332, S. 1489; Guiraud, J.: Les registres d’Urbain IV, Bd. 2 (1901), Nr. 131, 132, S. 46ff. 43 Vgl. Wauters, Alphonse: Table chronologique des chartes et diplomes imprimés concernant l’histoire de Belgique, Bd. 5 (1876), S. 182; Duvivier, Charles A.: La querelle des d’Avesnes et des Dampierre, Bd. 2 (1894), Preuves Nr. CCXCI, S. 523;e Laborde, Joseph: Layettes du trésor des chartes, Bd. 3 (1875), Nr. 4424, S. 417ff. 44 Vgl. Wauters, Alphonse: Table chronologique des chartes et diplomes imprimés concernant l’histoire de Belgique, Bd. 5 (1876), S. 285f. 45 Vgl. Martène, E. & Durand, U.: Thesaurus novus anecdotorum, Bd. 2 (1717), Nr. XI, Sp. 23ff. 46 Vgl. Guiraud, J.: Les registres d’Urbain IV, Bd. 2 (1901), Nr. 295, S. 134ff. 47 Vgl. Martène, E. & Durand, U.: Thesaurus novus anecdotorum, Bd. 2 (1717), Nr. X, Sp. 23. 48 Vgl. Berger, Élie: Layettes du trésor des chartes, Bd. 4 (1902), Nr. 5157, S. 174ff. 49 Vgl. Berger, Élie: Layettes du trésor des chartes, Bd. 4 (1902), Nr. 5284, S. 220–224; Del Giudice, G.: Codice diplomatico del regno di Carlo I. e II. d’Angiò, Bd. 2/1 (1869), Nr. IV, S. 30–44. 50 Vgl. Berger, Élie: Layettes du trésor des chartes, Bd. 4 (1902), Nr. 5500, S. 331f, Nr. 5566, S. 375; Werveke, Nicolas van: Cartulaire du Prieuré de Marienthal, Bd. 1 (Publications de la Section Historique de l’Institut Grand-Ducal de Luxemburg 38, 1885), Nr. 120, S. 99f. 51 Vgl. Andrea Dandolo, Venetorum ducis chronicon venetum, hrsg. von Lodovico Antonio Muratori in: Rerum Italicarum Scriptores, Bd. 12 (1728), Sp. 382. 52 Vgl. Genealogia di Carlo I. di Angiò: prima generatione, hrsg. von Camillo Minieri Riccio (1857), S. 115f, Anm. 255. 53 Vgl. Del Giudice, G.: Codice diplomatico del regno di Carlo I. e II. d’Angiò, Bd. 2/1 (1869), S. 41f, Anm. 5, Nr. 6–7; Histoire de l’empire de Constantinople;…par Du Fresne du Cange, Bd. 2, hrsg. von Jean Alexandre Buchon (1826), Nr. II, S.23ff. | von Courtenay, Kaiser Balduin II. (I8463)
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| 33575 | https://de.wikipedia.org/wiki/Balduin_III._(Flandern) Balduin III. (lateinisch: Baldwinus) (* wohl um 935; † 1. Januar 962) war ein Graf von Flandern im 10. Jahrhundert. Er war ein Sohn des Grafen Arnulf I. dem Großen aus dem Haus Flandern und der Adele von Vermandois. Balduin wird erstmals 942 als urkundlicher Zeuge seines Vaters in einer Schenkung an die Sankt-Peters-Abtei in Gent genannt.[1] Im Jahr 954 bezeugte er erstmals mit dem Titel eines Grafen (comes) eine Schenkung seiner Mutter an dieselbe Abtei.[2] Offenbar amtierte er seit dieser Zeit als Mitregent seines Vaters in Flandern und hielt die Grafschaft Boulogne als eigenes Lehen. In seiner kurzen Amtszeit etablierte er in Gent das Weben und Walken und schuf damit die ökonomische Basis seines Landes für die kommenden Jahrhunderte. 957 griff er erfolglos den Grafen Roger von Montreuil an, um diesen Amiens abzunehmen.[3] Balduin erkrankte zu Weihnachten 961 an den Pocken und starb zu Neujahr 962, bestattet wurde er in der Abtei Saint-Bertin, als deren Laienabt er kurzzeitig amtiert hatte.[4] Mit seinem Tod ging die Grafschaft Boulogne an seinen Vetter Arnulf II. über. Seit dem Jahr 961 war Balduin verheiratet mit Mathilde († 1008), einer Tochter des Herzogs von Sachsen, Hermann Billung. Ihr einziges gemeinsames Kind war Arnulf II. († 987), welcher 964 seinem Großvater als Graf von Flandern nachfolgte. Balduins Witwe heiratete nur kurz nach seinem Tod den Grafen Gottfried den Gefangenen von Verdun. Einzelnachweise 1 Auguste van Lokeren, Chartes et documents de l'abbaye de Saint Pierre au Mont Blandin à Gand depuis sa fondation jusqu'à sa suppression (Gent 1868), Nr. 18; Die Urkunde datiert auf den 8. Juli 942. 2 Auguste van Lokeren, Chartes et documents de l'abbaye de Saint Pierre au Mont Blandin à Gand depuis sa fondation jusqu'à sa suppression (Gent 1868), Nr. 23; Die Urkunde datiert auf den 8. September 945. 3 Flodoard, Annales, chronica et historiae aevi Saxonici, hrsg. von Georg Heinrich Pertz in MGH SS 3, (1839), S. 404 4 Folkwin, Gesta abbatum S. Bertini Sithiensium, hrsg. von Oswald Holder-Egger in MGH SS 13 (1881), S. 632 Weblinks Commons: Balduin III. (Flandern) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien | von Flandern, Graf Balduin III. (I4543)
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| 33576 | https://de.wikipedia.org/wiki/Balduin_IV._(Flandern) Balduin IV. Schönbart, oder der Bärtige genannt, (* um 980; † 1035) war ein Graf von Flandern aus dem Haus Flandern.[1] Er war der einzige Sohn des Grafen Arnulf II. von Flandern († 987) und der Rozala († 1003), einer Tochter des Königs Berengar II. von Italien. Leben Beim Tod des Vaters war Balduin noch unmündig, weshalb seine Mutter bald darauf König Robert II. den Frommen heiratete, um diesen als Beschützer ihres Sohnes zu gewinnen. Der regierende König Hugo Capet nutzte die Situation und installierte kururz nach 989 in Ponthieu seinen Gefolgsmann Hugo. Schon 992 ließ sich König Robert II. von Rozela scheiden, wofür nach Richer von Reims der Altersunterschied ausschlaggebend war. Robert behielt dabei ihre Mitgift, den wichtigen Seehafen Montreuil mit seiner Burg, um die Balduins Vorfahren lang gekämpft hatten. Mündig geworden stellte Balduin die gräfliche Gewalt in Kortrijk und Gent wieder her. Dadurch gestärkt nahm er die Expansionspolitik seiner Vorfahren wieder auf. Nach Süden hin gebunden orientierte er sich in den Osten, auf die Regionen rechts der Schelde und damit auf Reichsgebiet. Zuerst nahm er Cambrai ein, dessen Bischof zum Kaiser floh, und im Jahr 1006 erfolgte im Bund mit Graf Lambert I. von Löwen die Eroberung der Mark Valenciennes. In Reaktion darauf verbündete sich Kaiser Heinrich II. der Heilige mit König Robert II. und im Sommer 1007 zog der Kaiser in Gent ein, was Balduin noch im Oktober desselben Jahres in Aachen zur Unterwerfung vor dem Kaiser zwang. Nicht lang danach näherte sich Balduin dem Kaiser auf diplomatischen Weg an, von dem er schließlich Walcheren (1012) und Valenciennes (1015) als Lehen aus kaiserlicher Hand erhielt, auf Cambrai hingegen musste er verzichten, dessen Grafenwürde an den Bischof übergeben wurde. Damit aber war Balduin der erste Graf von Flandern, der auf Reichsboden Fuß faste (siehe „Reichsflandern“) und somit zu Frankreich als auch zum Reich in Vasallität stand. Das Einvernehmen mit dem Kaiser wurde durch seine um 1012 geschlossene Ehe mit Otgiva von Luxemburg vertieft, die eine Nichte der Kaiserin Kunigunde war. Der aus der Ehe hervorgegangene Erbe • Balduin V. († 1067) erwies sich als rebellischer Sohn, der sich mehrmals gegen seinen Vater erhob. Offenbar wurde Balduin IV. dabei einmal sogar aus Flandern vertrieben, so dass erst der Normannenherzog Robert I. auf dem Vermittlungsweg seie Rückkehr erwirken konnte. Vater und Sohn versöhnten sich 1030 bei einem Treffen in Oudenaarde. Nach dem Tod von Otgiva 1031 heiratete Balduin IV. Eleonore, eine Tochter des Normannenherzogs Richard II., mit der er eine Tochter hatte:[2] • Judith († 5. März 1094) • ∞ 1051 mit Earl Tostig von Northumbria († 1066) • ∞ 1071 mit Herzog Welf I. von Bayern († 1101) Literatur • Helmut Gajic: Die großen Dynastien („Le grandi dinastie“). Karl Müller Verlag, Erlangen 1996, ISBN 3-86070-561-X. Einzelnachweise ↑ Zum Beinamen „Schönbart“ (Pulchra barba) siehe: Flandria Generosa, hrsg. von Ludwig C. Bethmann in MGH SS 9 (1851), S. 318; Zum Beinamen „der Bärtige“ (Barbatus) siehe: Genealogia comitum Flandriae Bertiniana, in MGH SS 9, S. 305 ↑ Zur Abstammung Jusiths von Balduin IV. und Eleonore siehe den Artikel zu Judith | von Flandern, Graf Balduin IV. (I2655)
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| 33577 | https://de.wikipedia.org/wiki/Balduin_IV._(Hennegau) Balduin IV. der Erbauer (* 1108; † 8. November 1171) aus dem Haus Flandern war Graf von Hennegau von 1120 bis 1171. Er war der Sohn von Graf Balduin III. und Jolande von Wassenberg. Leben Da er beim Tod seines Vaters noch minderjährig war, übernahm seine Mutter für ihn die Regentschaft bis 1127, in der sie auch seine Ehe mit Alix (Alice), der Tochter des Gottfried, Graf von Namur, arrangierte. Der Ehevertrag enthält auch eine Bestimmung über die Grafschaft Namur, die aufgrund dieser Vereinbarungen nach dem Aussterben des Hauses Namur nicht wie die Grafschaft Luxemburg vererbt wurde, sondern in den Besitz des Grafen von Hennegau kam. Wenig später, im gleichen Jahr noch, wurde Karl der Gute, Graf von Flandern, ermordet, woraufhin sich mehrere Prätendenten meldeten, um seine Nachfolge anzutreten, darunter auch Balduin. Der französische König Ludwig VI. entschied sich für Wilheelm Clito, was Balduin dazu veranlasste, das Land um Aalst zu verwüsten, worauf er sich aber – im Bewusstsein, sich hier nicht behaupten zu können – zurückzog und dabei noch Oudenaarde niederbrannte. Nach dem Tod Wilhelms im Jahr darauf versuchte er sein Glück erneut, wurde aber von Dietrich von Elsass, dem neuen Grafen, zurückgeschlagen. 1147 nutzte er Dietrichs Aufbruch zum Zweiten Kreuzzug, um erneut in Flandern einzufallen, obwohl er durch diesen Überfall auf den Besitz eines Kreuzfahrers die Exkommunikation riskierte. Sibylle von Anjou, Dietrichs Ehefrau, gelang es, das Land zu verteidigen, bis Dietrich in aller Eile aus Konstantinopel zurückkehrte. Der nun folgende Krieg verwüstete beide Grafschaften. 1151 wurde schließlich ein Friedensvertrag geschlossen, zu dem auch eine Verlobung ihrer Kinder gehörte – die daraus folgende Ehe führte 40 Jahre später zur Vereinigung der beiden Grafschaften. Balduins Schwager Heinrich der Blinde, Graf von Luxemburg, hatte 1157 Lauretta von Elsass geheiratet, die Tochter von Dietrich von Elsass, Graf von Flandern, und Sybille von Anjou. Die Ehe ging 1163 kinderlos auseinander, weshalb Heinrich seinen Schwager Balduin als seinen Erben einsetzte, was aber zu Balduins Lebzeiten nicht mehr zu Konsequenzen führte. Balduin erwarb den Beinamen der Erbauer durch seine Tätigkeit im Festungs- und Kirchenbau in den meisten Städten des Hennegau. 1169, als sein Sohn Balduin Margarete von Elsass heiratete, führte er den neuen, noch im Bau befindlichen Palast in Le Quesnoy mehreren Baronen vor. Sie begingen dabei die Unvorsichtigkeit, auf ein schlecht befestigtes Baugerüst zu klettern, das unter ihnen zusammenbrach. Einige wurden nur leicht verletzt, Balduin jedoch brach sich beide Oberschenkel und das Rückgrat. Er starb zwei Jahre später. Nachkommen Er heiratete 1130 Alix von Namur (1115–1169), jüngste Tochter von Gottfried, Graf von Namur, und Ermesinde von Luxemburg. Alix wurde in der Kirche Sainte-Waudru in Mons bestattet. Ihre Kinder waren: • Balduin († jung), bestattet in Binche, • Gottfried, Graf von Ostervant († 6. April 1159 oder 1161) in Mons, 16 Jahre alt, ∞ 15-jährig mit Eleonore von Vermandois, keine Nachkommen • Balduin V. (1150–1195), Graf von Hennegau. • Wilhelm, Herr von Château-Thierry in der Grafschaft Namur, ∞ I Mahaud von Lalain, ∞ II Avoye von Saint-Sauve, • Heinrich, Herr von Sebourg, Angre und Le Fay, ∞ Johanna von Cysoing, • Jolande, ∞ Ives II., Herr von Nesle und Falvy, Graf von Soissons († 1157) ohne Nachkommen (Haus Nesle); ∞ II Hugo IV., Graf von Saint-Pol, • Agnes, genannt die Hinkende (la Boîteuse), erste Ehefrau von Raoul, Herr von Coucy, Marle, La Fère, Crécy, Vervins, Landousies und Pinon († vor 1173) (Haus Boves), • Laurence (Laurette) († 9. August 1181); ∞ Dietrich von Gent, letzter Herr von Aalst und Waës († 1165), kinderlos; ∞ kurz nach 1171 Bouchard IV. de Montmorency (Stammliste der Montmorency). • Eustach, Propst v. St. Waltraut in Mons († nach 1198) Literatur • Académie royale de Belgique, Biographie nationale, Band 1, Brüssel, 1886 | von Hennegau, Graf Balduin IV. (I7535)
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| 33578 | https://de.wikipedia.org/wiki/Balduin_V._(Flandern) Balduin V. von Flandern, (der Fromme oder Balduin von Lille ; * um 1012 in Arras; † 1. September 1067 in Lille) aus dem Haus Flandern war Graf von Flandern von 1035 bis 1067. Als Ehemann von Adela von Frankreich (1009/1014–1079), der Tochter des Königs Robert II. war er der Onkel Königs Philipps I. von Frankreich. Seine Eltern waren Balduin IV. und Otgiva von Luxemburg. Wilhelm der Eroberer war sein Schwiegersohn. Wissenswertes Im 11. Jahrhundert hielten die Grafen von Flandern den größten Teil ihres Territoriums als Vasallen der französischen Könige, einen kleineren Teil als Vasall des deutschen Königs und römischen Kaisers. Während der Herrschaft des Grafen Balduin V. wurden die Gebiete zwischen den Flüssen Schelde und Dendre und der Markgrafschaft Antwerpen mit Flandern vereinigt. In der Mitte des 11. Jahrhunderts entsprach die Macht des Grafen von Flandern der eines Königs, was ihnen in der Politik Westeuropas einen erheblichen Einfluss sicherte. Balduin war von 1060 bis 1067 Regent Frankreichs für seinen minderjährigen Neffen Philipp I. von Frankreich. Balduin und Adela hatten vier Kinder: • Balduin VI. (1030–1070) • Mathilde (* um 1032; † 2. November 1083 in Caen) ∞ Wilhelm dem Eroberer • Robert I. (* um 1033–1093) • Heinrich von Flandern Biographie Balduin war ein aufsässiger Sohn, der gegen seinen Vater rebellierte. Nach seiner prestigeträchtigen Heirat mit Adele von Frankreich zögerte er nicht, sich an die Spitze der aufständischen flämischen Barone zu stellen und seinen Vater zu verjagen, wurde dann aber durch das Eingreifen des Herzogs Robert I. der Normandie zur Unterwerfung gezwungen. Nach dem Tod seines Vaters wurde er einer der mächtigsten Vasallen Frankreichs. Er begann einen Krieg gegen Graf Dietrich IV. von Holland, der ihm den Besitz Zeelands bestritt, das seinem (Dietrichs) Vater von Kaiser Heinrich II. anvertraut worden sein sollte. Balduin bezwang die Friesen und ging aus dem Konflikt um Seeland siegreich hervor. Seeland blieb Lehen Flanderns. 1045 stellte sich Balduin auf die Seite Gottfrieds des Bärtigen bei dessen Kampf gegen Kaiser Heinrich III., der Oberlothringen Gerhard von Elsass und seinem Bruder Adalbert gegeben hatte. Wegen seiner Rebellion verlor Balduin gleich die Mark Vaalenciennes. Im Bündnis mit Graf Dietrich IV. von Holland griff er die Mark Ename an und eroberte auch Antwerpen. Gemeinsam mit Gottfried nahm er sogar die Pfalz zu Nimwegen, wo Albrecht von Elsass bei einem Scharmützel den Tod fand. Der Graf von Flandern unterwarf sich 1056 und nach den Friedensbesprechungen von Andernach (1056 und 1059) bekam er die Mark Ename als Reichslehen (Reichsflandern). 1051 wurde Richilde Witwe. Von der Aussicht angelockt, den Hennegau dem Besitz seiner Familie hinzuzufügen, entführte Balduin die Witwe, um sie und die Grafschaft seinem ältesten Sohn Balduin zu geben. Lietbert, der Bischof von Cambrai, drohte mit Exkommunikation wegen zu enger Blutsverwandtschaft, doch Papst Leo IX. sprach eine Dispens aus und hob einige Jahre später die Sanktion auf. Der älteste Sohn des Grafen von Flandern wurde nun als Balduin I. Graf von Hennegau, wodurch die Vereinigung der beiden Grafschaften in Aussicht stand. Der Krieg gegen den Kaiser lebte nun wieder auf. Gottfried III., der seinen Sohn Gottfried IV. mit der reichen Erbin der Toskana, Mathilde von Tuszien, verheiratet hatte, rief seinen treuen Verbündeten um Hilfe. Sie eroberten Lüttich, zerstörten Thuin und stießen bis Huy vor. Heinrich III. erwiderte die Angriffe, indem er in Flandern einfiel. Balduin trieb den Widerstand in Arques an, wo er – der Überlieferung nach in drei Nächten – einen Graben ausheben ließ, der bis nach La Bassée rreichte. Dieser Graben blieb jedoch nutzlos, da Heinrich III. ihn mit Hilfe des früheren Kastellans von Cambrai, Jean de Béthune, überquerte, das Land dahinter plünderte und Tournai eroberte, während Gottfried und Balduin einen Entlastungsangriff gegen Antwerpen versuchten, das von Friedrich von Luxemburg verteidigt wurde (1055). Der Tod Heinrichs III. im folgenden Jahr beendete die Auseinandersetzung. Während des Treffens in Köln (1057) zwischen der verwitweten Kaiserin Agnes, Papst Viktor II. und dem französischen König Heinrich I., wurde die Abtretung von Eenam (mit AAalst), der Burg von Gent, des Landes von Waes und der Quatre-Métiers ebenso wie die der fünf seeländischen Inseln an Balduin V. beschlossen. Darüber hinaus wurde die Heirat zwischen Richilde von Hennegau und Balduins ältestem Sohn abgesegnet und die Stadt Tournai seiner Herrschaft unterstellt. Im Jahr 1060 – nach dem Tod seines Schwagers Heinrich I. – wurde Balduin der Vormund des neuen Königs Philipp I. und regierte nach der Wiederverheiratung der Königinmutter Anna von Kiew Frankreich dann allein. Als Regent untersagte er Frankreich Wilhelm den Eroberer – den Herzog der Normandie – bei dessen Plänen England zu besetzen zu unterstützen – er sagte aber die Hilfe Flanderns zu, zumal der zukünftige englische König seine Tochter Mathilde von Flandern geheiratet hatte. 1063 hatte er ein weiteres seiner fünf Kinder, Robert, mit Gertrud von Holland verheiratet, wobei er ihm den deutschen Teil Flanderns überließ. Der mächtigste Graf Flanderns wurde im Zentrum des Chors der Kirche Saint-Pierre in Lille begraben – der Stadt, die er zu seiner Hauptstadt gemacht hatte und deren ältestes schriftliches Dokument eine Schenkungsurkunde der Grafen zugunsten jener Kirche ist, durch die er einen Bauernhof bei Flers und zwei Drittel der Einkünfte der Kirche in Annappes (beides heute Ortsteile von Villeneuve-d’Ascq) übereignet (1066). Weiterführende Literatur • Egon Boshof: Lothringen, Frankreich und das Reich in der Regierungszeit Heinrichs III. In: Rheinische Vierteljahrsblätter 42, Bonn 1978, S. 63–127. • Cécile Douxchamps, José Douxchamps: Nos dynastes médiévaux (éditeur José Douxchamps). Wepion-Namur 1996, ISBN 2-9600078-1-6. • Georges-Henri Dumont: Histoire de la Belgique. Histoire/le cri, Bruxelles 1977, ISBN 2-87106-182-3. • Edward Le Glay: Histoire des comtes de Flandern jusqu’à l’avènement de la Maison de Bourgogne. Comptoir des Imprimeurs-unis, Paris MDCCCXLIII (1843). • Henri Platelle, Denis Clauzel: Histoire des provinces françaises du Nord. 2. Des principautés à l’empire de Charles Quint (900–1519). Westhoek-Editions / Éditions des Beffrois, 1989, ISBN 2-87789-004-X. • Ernst Steindorff: Balduin V. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 2, Duncker & Humblot, Leipzig 1875, S. 7–9. | von Flandern, Balduin V. der Fromme (I6816)
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| 33579 | https://de.wikipedia.org/wiki/Balduin_V._(Hennegau) Balduin V. von Hennegau (* 1150; † 17. Dezember 1195 in Mons)[1] aus dem Haus Flandern war seit 1171 Graf von Hennegau, dazu übernahm er 1188 als Erbe seines Onkels die Grafschaf Namur (Balduin I.) und 1191 aus dem Erbrecht seiner Frau die Grafschaft Flandern (Balduin VIII.). Er war der Sohn des Grafen Balduin IV. von Hennegau und der Alix von Namur. Graf des Hennegau Am Osterheiligabend dem 30. März 1168 hat der etwa achtzehnjährige Balduin in Valenciennes die Schwertleite erteilt bekommen und sich fortan als Turnierkämpfer einen Namen gemacht. So wie auf einem noch im Frühjahr 1168 von Graf Philipp von Flanndern veranstalteten Turnier in Gournay, wo sich Balduin demonstrativ auf die Seite der zahlenmäßig unterlegenen Franzosen geschlagen hat. Im folgenden Hauen gegen die flämischen Ritter hat er dem Graf von Flandern so sehr zugesetzt, dass am Endde den Franzosen der Sieg zuerkannt wurde. Balduins Familie hatte selbst einmal die große Grafschaft Flandern innegehabt, diese allerdings im frühen 12. Jahrhundert an ein landesfremdes Geschlecht verloren, woraus eine Fehde mit dieser resultiert war. Aber im April 1169 hat er schließlich Margarete geheiratet, eine Schwester Graf Philipps von Flandern, wodurch die Fehde beigelegt werden konnte. Mit seinem Schwager hat er dazu eine Verteidigungsallianz geschlossen, die gegen jeden möglichen Angreifer gerichtet sein sollte, mit Ausnahme des Königs von Frankreich und des Bischofs von Lüttich, welche die Lehnsherren Flanderns beziehungsweise des Hennegau waren. Schon im Jahr 1169 hatte Balduin die Regentschaft im Hennegau übernommen, nachdem sich sein Vater bei einem Unfall eine schwere Verletzung zugezogen hatte. Im folgenden Jahr hat er Partei für seinen Onkel mütterlicherseits, Graf Heinrich dem Blinden von Namur-Luxemburg, in dessen Konflikt mit Graf Gottfried III. von Löwen-Brabant genommen. Als er auf dem Weg zu einem von diesem veranstalteten Turnier in Trazegnies (Courcelles) war, ist er von diesem am Bach Piéton aus dem Hinterhalt überfallen wurden.[2] Obwohl mit seinem Gefolge zahlenmäßig unterlegen, hat Balduin dem Löwener schwere Verluste zufügen und in die Flucht schlagen können. Anschließend hat Balduin seinen Onkel bei der Unterwerfung aufrührerischer Vasallen in Luxemburg unterstützt und dabei Bertrange eingenommen. Im November 1171 ist Balduin IV. gestorben und Balduin V. konnte die Herrschaft im Hennegau übernehmen. Zur Fastenzeit des Jahres 1172 hat er seinem Lehnsherrn, den Bischof von Lüttich, den Lehnseid geschworen. Der Hennegau hat dem Feudalverband des Heiligen Römischen Reichs angehört, hat in seiner Feudalhierarchie als Lehen des Lütticher Bistums aber nur einen nachgeordneten Rang eingenommen. Geographisch umgeben war es von den größeren und mächtigeren Territorialverbänden Löwen-Brabant im Norden, Namur-Luxemburg im Osten, sowie Flandern-Vermandois im Süden und Westen, welches allerdings dem Königreich Frankreich angehörte. Politisch war Balduin V. von Haus aus eng mit seinem Onkel Heinrich dem Blinden von Namur-Luxemburg verbunden, eine dynastische Allianz, die einen bestimmenden Teil seines Lebens darstellen sollte. Den Onkel hatte er noch im Jahr 1172 erneut militärisch unterstützt, dieses Mal gegen den Herzog Heinrich III. von Limburg, den er in seiner Burg Arlon belagert hat. Nach diesem Waffendienst ist Balduin von seinem alten halberblindenen Onkel, der selbst keine Kinder hatte, formell zu dessen Erben in all seinen Ländereien bestimmt wurden, wodurch Balduin zu einem der mächtigsten Fürsten im alten niederlothringischen Raum werden würde. Das Erbe des Onkels war nicht die einzige verheißungsvolle Aussicht für die Zukunft, die sich für Balduin eröffnet hat. Seit seiner Ehe mit Margarete im Jahr 1169 hat er gleichfalls ein enges Verhältnis zu deren Bruder, Graf Philipp von Flandern, gepflegt, der einer der mächtigsten Feudalfürsten Westeuropas war. In den Jahren 1173 und 1176 sind nacheinander dessen Brüder Matthäus und Peter gestorben ohne Söhne zu hinterlassen. Und da Graf Philipp ebenfalls keine Kinder besaß, hatte sich Balduin als Ehemann dessen ältester Schwester Hoffnungen auf das reiche flämische Erbe machen können. Im August 1176 ist das Bündnis zwischen Flandern und Hennegau erneuert wurden und 1177 ist Balduin in Lille schließlich offiziell von Graf Philipp zu dessen Erbe bestimmt wurden. Im Gefolge seines Schwagers hat Balduin am 1. November 1179 bei der Krönung König Philipps II. von Frankreich im Reims teilgenommen. Dem Einfluss des Schwagers war auch die folgende Vermittlung einer Ehe zwischen dem König und Balduins ältester Tochter Isabella zu verdanken. Obwohl Balduin somit als Schwiegervater eines Königs eine deutliche Rang- und Ansehenserhöhung erfahren hätte, war er dieser Verbindung zunächst abgeneigt, hatte doch die gefororderte Bereitstellung des Artois als Mitgift der Braut doch eine Minderung seines zu erwartenden Erbes dargestellt. Erst auf das drängende Zureden des Grafen von Flandern hin hat er seine Zustimmung zur Hochzeit erteilt, die am 28. April 1180 iin Bapaume begangen wurde. Am 29. Mai 1180 war Balduin bei der Krönung seiner Tochter in Saint-Denis präsent. Am 14. Mai 1181 hat er in Provins ein Ehearrangement mit dem Grafenhaus der Champagne besiegelt, wonach seine zweite Tochter Jolante mit dem jungen Graf Heinrich II. von Champagne und sein ältester Sohn Balduin mit Maria von Champagne verheiratet werden sollten. In den folgenden Jahren betätigte sich Balduin vermehrt als Turnierkämpfer und vor allem als getreuer Gefolgsmann seines Onkels und seines Schwagers in deren Fehden gegen ihre Feinde. Im Jahr 1182 unterstützte er mit Waffen sogar den Graf von FlFlandern in dessen Streit mit dem König von Frankreich, seinem Schwiegersohn, um den Besitz des Vermandois. Anschließend befehdete er den Sohn des Grafen von Löwen, nachdem dieser eine Burg des Hennegau besetzt hatte. Der Konflikt wurde durch die Kreuznahme des Grafen von Löwen im Frühjahr 1183 unterbrochen, da er als Kreuzfahrer unter dem Schutz der Kirche stand. Kampf um das Erbe Im Winter des Jahres 1182 auf 1183 ist der Graf von Namur-Luxemburg schwer erkrankt und dabei vollständig erblindet, worauf ihn Balduin sofort auf der Luxemburg besuchte. Dort ist er von seinem Onkel erneut als Erbe bestätigt worden und hatte die Huldigung mehrerer Vasallen von diesem entgegennehmen können. Die Nachfolgeregelung ist am 22. Mai 1184 in auf dem Hoftag zu Mainz, auf dem Balduin als kaiserlicher Schwertträger fungierte, durch Kaiser Friedrich I. Barbarossa bestätigt wurden.[3] Ungeachtet dieses diplomatischen Erfolgs begannen noch im Jahr 1184 die politischen und dynastischen Allianzen des Grafen von Hennegau zu erodieren. Zuerst hatte eine Entfremdung zu Graf Philipp von Flandern stattgefunden, der eine zweite Ehe eingegangen war und damit die Nachfolge Balduins in Frage stellte. Nachdem dieser darauf im Streit um das Vermandois die Nähe zu König Philipp II. von Frankreich gesucht hat, verbündete sich der Graf von Flandern mit dem aus dem Heiligen Land heimgekehrten Graf Gottfried III. von Löwen und dem Erzbischof Philipp von Köln. Weil weder der Bischof von Lüttich noch der König von Frankreich Waffenhilfe leisteten, konnte Balduin gegen die Verwüstung des Hennegaus durch diese Koalition, außer der Sicherung seiner Burgen, wenig unternehmen. Noch dazu hatte sich seinen Gegnern eidbrüchig einer seiner wichtigsten Vasallen hinzugesellt, Jakob von Avesnes. Die Kämpfe wurden erst im Frühjahr 1185 beendet, nachdem der König von Frankreich mit Heeresmacht in das Vermandois vorgedrungen war und so den Graf von Flandern im Vertrag von Boves zum Frieden zwang. Balduin hatte darin die Wiederaufnahme des Jakob von Avesnes in seine Gnade akzeptieren müssen, sein flandrisches Erbe blieb indes weiter bedroht. Auf dem Bruch mit dem Schwager folgte unerwartet der mit dem Onkel. Heinrich der Blinde hatte trotz seines Alters und seiner Behinderung 1186 doch noch eine Tochter geboren, Ermesinde, die er nun ungeachtet aller früheren Versprechen gegenüber Balduin zu seiner Erbin bestimmte. Darüber hinaus hatte der Onkel seine Tochter schon im März 1187 mit Graf Heinrich II. von Champagne verlobt, welcher dafür wiederum sein vorheriges Verlöbnis mit der Tochter Balduins brach. Der einzige Alliierte, dem Balduin noch verblieb, stellte Kaiser Friedrich I. Barbarossa dar, an den er sich umgehend klagend wandte. Da der Kaiser unter allen Umständen die Erbfolge eines französischen Fürsten in einem der wichtigsten Reichsterritorien im niederlotothringischen zu verhindern beabsichtigte, erklärte er am 17. Mai 1187 in Toul, dass das Erbversprechen des Grafen von Namur-Luxemburg gegenüber Balduin nach wie vor Gültigkeit besaß. Öffentlich wurde dies auf dem Reichstag zu Worms am 15. August 1187 durch den Kaiser bestätigt und auch der römische König und designierte Kaiser Heinrich VI. erklärte sich am 16. Mai 1188 in Seligenstadt gleichermaßen.[4] Trotz der kaiserlichen Haltung zeichnete sich ein bewaffneter Konflikt ab, als Heinrich der Blinde entgegen allen Versicherungen, das Machtwort des Kaisers anzuerkennen, damit begann, seine Burgen an Amtsleute des Grafen von Champagne zu übergeben. Balduin hatte davon erfahren und darauf seine Vasallen mobilisiert. Im Sommer 1188 eroberte er die Burg von Namur und mit ihr den größten Teil der restlichen Grafschaft. Lediglich die Burgen von Durbuy und La Roche wurden vom Graf der Champagne besetzt, womit ein weiterer Vorstoß Balduins gegen Luxemburg ein Riegel vorgeschoben wurde. Weitere Kämpfe sind danach von kaiserlicher Seite aus unterbunden wurden, aber Balduin konnte sich deren Unterstützung weiter sicher sein. Mit einer durch seine Boten überbrachten Geldzahlung hat er im November 1188 den Kaiser zu Erfurt für seine Sache halten und zugleich ein Gegengebot des Grafen von Champagne ausstechen können. Anschließend ist Balduin von dem kaiserlichen Ritter Friedrich von Hausen nach Worms geleitet wurden, wo er am 23. Dezember 1188 von König Heinrich VI. in einem Geheimabkommen die Zusage erhalten hat, im Besitz der Grafschaft Namur anerkannt zu werden, die dazu mit allen Regalien einer Markgrafschaft ausgestattet und zu einem unmittelbaren Reichslehen erhoben werden sollte, was für Balduin mit der Rangerhöhung zu einem Reichsfürsten verbunden war.[5] 1189 waren Kaiser Friedrich I. Barbarossa, König Philipp II. von Frankreich, Graf Philipp von Flandern und Graf Heinrich II. von Champagne zum dritten Kreuzzug aufgebrochen, woraus sich für Balduin günstige Gelegenheiten ergeben sollten. Er selbbst hatte keine Teilnahme zum Kreuzzug gelobt, diesem aber seine finanzielle Unterstützung zugesagt. Allerdings sollte sich der Kaiser in einem Brief vom November 1189 aus der Romania darüber beschweren, dass der Graf von Hennegau und Andere ihrre zugesagten Geldspenden nicht fristgerecht an ihn überwiesen hätten.[6] Die Abwesenheit des Grafen von Champagne im Heiligen Land, der von dort nicht wiederkehren sollte, hatte Balduin gegenüber Heinrich dem Blinden zum Vorteil gereicht, da der Onkel seinen wichtigsten Verbündeten verloren hatte. Im Juli 1190 ist Balduin daher mit ihm zu einem Friedensschluss gekommen, wonach er das Namurois mit Ausnahme von Durbuy und La Roche behalten sollte und im Gegenzug auf Luxemburg verzichtetete. Darauf hat König Heinrich VI. im September 1190 in Schwäbisch Hall die Belehnung und Rangerhöhung Balduins als Markgraf von Namur offiziell gemacht; die dazu angefertigten schriftlichen Privilegien sind am 29. September in Augsburg an dessen Unterhändler, unter ihnen Gislebert von Mons, ausgehändigt wurden.[7] Auf dem Kreuzzug ist im Juni 1191 auch Graf Philipp von Flandern gestorben, wovon Balduin noch vor der Rückkehr des französischen Königs im Dezember 1191 erfahren hat.[8] Da er von den Begehrlichkeiten des Königs wusste, den gesamten Besitz Graraf Philipps für die königliche Domäne zu beschlagnahmen, ist Balduin umgehend in Flandern eingezogen. Im September 1191 präsentierte er sich in Gent mit seiner Frau den flandrischen Großen.[9] Da er mit der Schwester des toten Grafen verheiratet war, die dessen eigentliche Erbin war, konnte er sich der Sympathien der Mehrheit der flandrischen Untertanen und Vasallen sicher sein, dank der er sich binnen kürzester Zeit in die Herrschaft als Graf über ganz Flandern setzten konnte. Mit König Philipp II. ist Balduin am 1. März 1192 in Arras schnell zu einer Einigung gekommen, indem er auf das Vermandois, auf welches er keine Erbansprüche geltend machen konnte, und auf das Artois, das eine Mitgift seiner Tochter war, einen Verzicht leistete und im Gegenzug als Graf von Flandern anerkannt wurde.[10] Damit ist Balduin binnen weniger Jahre zum mächtigsten Feudalfürst im ehemals niederlothringischen Raum aufgestiegen, der über einen geschlossenen Herrschaftsraum von der Nordseeküste bis an den Rand der Ardennen gebot. Seine territoriale Stärke wurde zusätzlich durch seine so erlangte exponierte Stellung im mittelalterlichen Feudalgefüge Westeuropas ergänzt, indem er durch sein doppeltes Lehnsverhältnis, gegenüber dem römisch-deutschen Kaiser für Namur und dem französischen König für Flandern, in die Lage versetzt war, zwischen zwei Personenverbandsstaaten politisch lavieren zu können, was ihm und seinen Nachkommen eine weitgehende Autonomie sicherte. Insbesondere für die Geschichte Flanderns und seines Verhältnisses zu Frankreich sollte sich dies entscheidend auswirken. Balduins Machtzuwachs hatte seine Gegner im niederlothringischen zu einer neuen Koalition zusammengeführt, an deren Spitze sein Onkel Graf Heinrich der Blinde von Luxemburg, Herzog Heinrich III. von Limburg und Herzog Heinrich I. von Löwen-Brabant standen. Die machtpolitischen Spannungen entluden sich schließlich 1193 nach der Bischofswahl in Lüttich, in welcher der Herzog von Limburg in einem dem kanonischen Wahlrecht zuwiderlaufenden Gang einen seiner Söhne durchgesetzt hat. Da das Bistum Lüttich der weltliche Lehnsherr des Hennegaus war, hat sich Balduin naturgemäß zu den Gegnern dieser Wahl gesellt, welche die Unterstützung Papst Coelestins III. gewannen. Der Konflikt wurde letztlich militärisch entschieden, als die Koalition mit einem Heer, angeführt vom Herzog von Limburg, in das Namurois einfiel und dort bei Noville-sur-Mehaigne von Balduin am 1. August 1194 zur Schlacht gestellt wurde. Obwohl zahlenmäßig unterlegen, hat Balduin einen vollständigen Sieg errunngen und dabei den Herzog von Limburg und dessen ältesten Sohn gefangen nehmen können.[11] Die Koalition seiner Gegner hatte sich darauf augenblicklich aufgelöst, indem er schon am 20. August 1194 auf dem Feld zwischen Lembeke und „Hal“ (Gemeinde Kaprijke, Provinz Ostflandern) mit dem Herzog von Löwen-Brabant einen Friedens- und Bündnispakt abschloss.[12] Das Lütticher Bistum ist im Jahr darauf nach einer weiteren Wahl neu besetzt wurden. Am 15. November 1194 ist Gräfin Margarete I. gestorben, und da Balduins Regentschaft in Flandern auf deren Erbrecht beruht hat, hatte er diese nun an seinen ältesten Sohn Balduin IX. abtreten müssen.[13] Am 23. November 1194 hat er letztmals als Graf von Flandern geurkundet.[14] Balduin V. selbst ist am 17. Dezember 1195 in Mons gestorben; testamentarisch hat er den Hennegau ebenfalls Balduin IX./VI. und Namur seinen zweiten Sohn Philipp I. überlassen, welcher dem Bruder gegenüber dafür den Lehnseid zu schwören hatte.[15] Familiäres Aus der Ehe Balduins V. von Hennegau mit Margarete I. von Flandern sind mindestens sechs Kinder hervorgegangen: 1 Isabella (* 1170; † 1190), Königin von Frankreich; ∞ König Philipp II. August von Frankreich († 1223). 2 Balduin (* 1171; † 1205/06), 1194 Graf von Flandern (Balduin IX.) und 1195 von Hennegau (Balduin VI.), 1204 erster Kaiser des lateinischen Reichs von Konstantinopel (Balduin I.). 3 Philipp I. (* ca. 1174; † 1212), Markgraf von Namur. 4 Jolande (* ca. 1175; † 1219); ∞ Peter von Courtenay († 1217/19), dritter Kaiser des lateinischen Reichs von Konstantinopel. 5 Heinrich (* ca. 1176; † 1216), zweiter Kaiser des lateinischen Reichs von Konstantinopel. 6 Sibylle (* ca. 1179; † 1217); ∞ Guichard IV. († 1216), Herr von Beaujeu und Montpensier. Balduin V. hatte noch einen weiteren Sohn, Eustach von Flandern († 1216). Da dieser von dem Chronisten Gislebert von Mons nicht unter den Kindern der Margarete I. aufgeführt wird, könnte er unehelicher Herkunft sein. Überlieferung Die Primärquelle zum Leben Graf Balduins V. stellt die Chronik des Hennegaus (Chronicon Hanoniense) des Geistlichen Gislebert von Mons dar, deren letzte Abschnitte eine Quasibiografie des Grafen beinhalten. Gislebert hat viele Jahre im Dienste des Grafen gestanden, für diesen mehrfach als diplomatischer Unterhändler am Hof der Stauferkaiser fungiert und dafür reichhaltige Pfründe empfangen. Das Werk ist unter anderem in den Monumenta Germaniae Historica (MGH) (Scriptores, Bd. 21, S. 481–622) editiert. Literatur • Walther Kienast: Balduin V.. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 1, Duncker & Humblot, Berlin 1953, ISBN 3-428-00182-6, S. 552 (Digitalisat). • Ludwig König: Die Politik des Grafen Balduin V. von Hennegau. Ein Beitrag zur Geschichte der deutsch-französischen Beziehungen gegen Ende des 12. Jahrhunderts, in: Bulletin de la Commission Royale, Bd. 74 (1905), S. 195–428. Anmerkungen 1 Das Sterbedatum ist durch den Chronisten Gislebert von Mons überliefert. Das Geburtsjahr wird aus der Bemerkung erschlossen, laut der Balduin V. beim Tod seines Vaters im Jahr 1171 einundzwanzig Jahre alt war. Vgl. Gislebert, S. 600. 2 Laut Gislebert (S. 519) hat das Gefecht am Piéton im August 1170 stattgefunden. Die Geschichte des Bistums Cambrai hat das Datum mit dem 13. Juli 1170 präzisiert. Vgl. Annales Cameracenses, in: MGH SS, 16, S. 554. 3 Vgl. MGH Const. 1, Nr. 298, S. 423f. 4 Vgl. MGH Const. 1, Nr. 326, S. 465. 5 Vgl. Gislebert, S. 563ff. 6 Vgl. MGH SS rer. Germ. N.S., 5, S. 42. 7 Vgl. Gislebert, S. 572. 8 Der ebenfalls kreuzfahrende Bischof von Lüttich ist auf seiner Heimreise am 5. August 1191 bei Freiburg im Breisgau gestorben. Wahrscheinlich hat Balduin V. die Nachricht vom Tod seines Schwagers aus der Hand eines Gefolgsmannes des Bischofsrhalten. Vgl. Gislebert, S. 573. 9 Vgl. Gislebert, S. 571. 10 Vgl. Gislebert, S. 580. Die Titulatur Balduins V. auf seinen Siegeln lautete seit 1191: BALDUINI COMITIS FLANDRIE ET HANONIENSIS ET MARCHIONIS NAMURCENSIS. Vgl. Gislebert, S. 575. 11 Vgl. Gislebert, S. 587f. 12 Vgl. Reiffenberg, F.: Monuments pour servir a l’histoire provinces de Namur, de Hainaut et de Luxembourg, Bd. 1 (1844), Nr. VI, S. 317ff; Wauters, A.: Table chronologique des chartes et diplomes imprimés concernant l’histoire de Belgique, B. 3 (1871), S. 33. 13 Vgl. Gislebert, S. 589; Balduin von Ninove, Chronicon, in: MGH SS 25, S. 537f. 14 Vgl. Foppens, J. F.: Auberti Miræi opera diplomatica et Historica, Bd. 3 (1734), S. 314f; Wauters, A.: Table chronologique des chartes et diplomes imprimés concernant l’histoire de Belgique, Bd. 3 (1871), S. 35. 15 Vgl. Gislebert, S. 600f; Alberich von Trois-Fontaines, Chronica, in: MGH SS 23, S. 868. Weblinks • Baudouin de Hainaut bei fmg.ac (englisch) | von Hennegau, Balduin V. (I7536)
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| 33580 | https://de.wikipedia.org/wiki/Balduin_VI._(Flandern) Balduin VI. der Gute, auch Balduin von Mons genannt, (* 1030; † 17. Juli 1070) war seit 1051 als Balduin I. ein Graf von Hennegau und seit 1067 ein Graf von Flandern aus dem Haus Flandern. Er war der älteste Sohn des Grafen Balduin V. dem Frommen und der Adela, einer Tochter König Roberts II. von Frankreich. Balduin wurde von seinem Vater zur Erziehung an den Hof König Heinrichs III. gesandt, von welchem er auf dem Hoftag von Goslar 1045 mit der Mark Antwerpen (Reichsflandern) beliehen wurde. 1050 wurde er wieder nach Flandern befohlen, nachdem sich sein Vater gegen den Kaiser erhoben hatte, was den Verlust Antwerpens nach sich zog. Im Folgejahr wurde Balduin mit der Witwe des Grafen von Hennegau, Richilde, verheiratet, was für das Haus Flandern eine beträchtliche Erweiterung seines Territoriums in das Reichsgebiet hinein bedeutete. In den nächsten Jahren unterstützte Balduin seinen Vater im Kampf gegen den Kaiser, welcher 1054 bis nach Flandern hinein vorgedrungen war. Der Kampf endete aber im Herbst 1056 zugunsten Flanderns mit dem Tod des Kaisers, worauf Balduin mit seinem Vater auf dem im Dezember folgenden Kölner Hoftag nach der Vermittlung Papst Viktors II. gegenüber dem neuen Kaiser, Heinrich IV., huldigten und somit den Gewinn des Hennegau bestätigt bekamen.[1] Balduin beerbte 1067 seinen verstorbenen Vater in Flandern, womit es erstmals zu einer Personalunion Flandern-Hennegau kam. Er selbst starb aber schon 1070 nach einer kurzen Herrschaft. Für seinen unmündigen ältesten Sohn, Arnulf III., übernahm seine Witwe die Regentschaft, gegen die sich aber Balduins jüngerer Bruder Robert der Friese erhob, welcher in der Schlacht von Cassal (22. Februar 1071) siegte und Arnulf III. tötete. Richilde floh in den Hennegau, den sie für ihren zweiten Sohn Balduin II. († 1098) bewahren konnte. Die direkten Nachkommen Balduins VI. gelangten erst 1191 wieder in den Besitz von Flandern. Literatur • Alberdingk Thijm: Balduin VI. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 2, Duncker & Humblot, Leipzig 1875, S. 9. Einzelnachweise 1 Chronica Sigeberti Gemblacensis Monachi, hrsg. von Ludwig C. Bethmann in MGH SS 6 (1844), S. 360 und Flandria Generosa, hrsg. von Ludwig C. Bethmann in MGH SS 9 (1851), S. 320 | von Flandern, Balduin VI. der Gute (I7146)
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| 33581 | https://de.wikipedia.org/wiki/Balduin_VII._(Flandern) Balduin VII. mit dem Beil, auch Hapkin genannt, (* 1093; † 17. Januar 1119 in Rousselaere), war ein Graf von Flandern aus dem Haus Flandern. Er war der einzige Sohn des Grafen Robert II. dem Jerusalemfahrer und der Clementia, einer Tochter des Grafen Wilhelm I. von Burgund. Papst Calixt II. war sein Onkel. Balduin galt als sehr tatkräftig und durchsetzungsfähig. Emanzipationsbestrebungen seiner Vasallen unterdrückte er mit aller Gewalt zugunsten des einfachen Volkes und besonders der Städte, deren Prosperität er dadurch zusätzlich förderte. Er brach mit dem Verbündeten seines Vaters, dem Anglo-Normannen Heinrich I. Beauclerc, und stellte sich stattdessen auf die Seite seines Lehnsherren, König Ludwig VI. von Frankreich. Mit dem benachbarten Grafen Hugo II. von Saint-Pol stand er in ständiger Fehde. Im Bund mit König Ludwig VI. und Graf Fulko von Anjou griff Balduin 1119 die Normandie an, wurde dabei aber im Kampf vor Bures-en-Bray tödlich verwundet. Als Zwölfjähriger wurde Balduin 1105 mit der erst neunjährigen Hedwig, Tochter des Herzogs Alain IV. von Bretagne, verheiratet. Die Ehe wurde nie vollzogen und 1110 wieder aufgelöst, ein zweites Mal heiratete er nicht. Zur Regelung der Nachfolge hatte Balduin daher seinen Vetter, den Dänenprinzen Karl den Guten, zu seinem Nachfolger designiert. Balduins Beiname resultierte wohl aus seiner unbarmherzigen Strenge, mit der er unbotmäßig gewordene Vasallen verfolgte. Wenig wahrscheinlich ist hingegen die Annahme, dass sein Beiname von seiner Streitaxt („Hapkin“) herrührt, die er ständig mit sich getragen habe. Weblinks • Bram Brutsaert: Boudewijn VII Hapkin, een Witte Ridder uit de 12de eeuw, graaf van Vlaanderen (1111–1119). Dissertation 2003–2004 an der Katholieke Universiteit Leuven, hier online: Deel I. Prins Boudewijn (1093–1111) | von Flandern (von Jerusalem), Graf Balduin VII. mit dem Beil (I7190)
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| 33582 | https://de.wikipedia.org/wiki/Balduin_von_Avesnes Balduin von Avesnes (franz: Baudouin d'Avesnes; * September 1219; † 10. April 1295) war ein französischer Adliger und Chronist im 13. Jahrhundert. Balduin stammte aus dem hochadligen Haus Avesnes und war der zweite Sohn des Burkhard von Avesnes und der Gräfin Margarethe II. von Flandern-Hennegau. Die Ehe seiner Eltern war kirchenrechtlich illegitim, weshalb Balduin und sein älterer Bruder Johann auch als uneheliche Kinder galten. Außerdem stand ihr Vater während ihrer Geburt unter dem Kirchenbann. Im Streit um das Erbe ihrer Mutter nahmen die Avesnes-Brüder den flämischen Erbfolgekrieg gegen ihre Halbbrüder aus dem Haus Dampierre auf. Die Avesnes-Brüder wurden unter dem Einfluss König Ludwigs IX. von Frankreich im Jahr 1251 von Papst Innozenz IV. legitimiert und erhielten die Grafschaft Hennegau aus dem mütterlichen Erbe. Als jüngerer Bruder erhielt Balduin die Burg von Beaumont als eigenes Lehen. Balduin vollendete um das Jahr 1280 eine zweiteilige in Altfranzösisch geschriebene Universalchronik, die er mit der biblischen Schöpfungsgeschichte beginnt und im Jahr 1278 enden lässt. Offenbar war er mit den Werken antiker Autoren wie Flaviuius Josephus, Caesar, Sallust oder Lucan vertraut, die er mit dem alten Testament für den ersten Teil als Quellen heranzog. Für den zweiten Teil stützte er sich neben dem neuen Testament auf mittelalterliche Autoren wie Geoffrey of Monmouth, Hugo von Fleury, Wilhelm von Tyrus, Gottfried von Villehardouin, Vinzenz von Beauvais und Primat von Saint-Denis. Besonderes Augenmerk legte Balduin hier auf die Geschichte des Hauses Flandern-Hennegau, über das er mütterlicherseits abstammte und auf dem die Erbansprüche der Avesnes beruhten. Balduin war verheiratet mit Felicite de Coucy († 1307), einer Tochter von Thomas de Coucy, Herr von Vervins aus dem Haus Boves, und der Mathilde de Rethel. Sie hatten zwei Kinder und mehrere Enkel: • Johann von Avesnes († 18. Februar 1283), Herr von Beaumont • Balduin von Avesnes († 1299), Herr von Beaumont • Johanna von Avesnes († ?), Äbtissin von Flines • Beatrix von Avesnes († 25. Februar 1321), ∞ 1261 mit Graf Heinrich VI. von Luxemburg • Graf Heinrich VII. von Luxemburg († 1313), römisch-deutscher Kaiser • Balduin von Luxemburg († 1354), Erzbischof von Trier Literatur • Alberdingk Thijm: Avesnes, Balduin von. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 1, Duncker & Humblot, Leipzig 1875, S. 704. • Chronicon Hanoniense quod dicitur Balduini Avennensis, hrsg. von Johannes Heller in: Monumenta Germaniae Historica SS 25 (1880), S. 414–467 • Extraits de la Chronique attribuée a Baudoin d'Avesnes, in: Recueil des Historiens des Gaules et de la France 21 (1840), S. 159–181 • F. J. M. Jr. und Alfred Foulet: The Chronicle of Baldwin of Avesnes. In: Record of the Museum of Historic Art, Princeton University. Vol. 5, Nr. 1, 1946, ISSN 0899-0603, S. 3–5. Weblink • Baudouin d’Avesnes bei fmg.ac (englisch) | von Avesnes, Balduin (I8235)
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| 33583 | https://de.wikipedia.org/wiki/Balian_Garnier https://de.wikipedia.org/wiki/Marguerite_de_Reynel | von Brienne, Ida (I7455)
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| 33584 | https://de.wikipedia.org/wiki/Barbara_von_Cilli Barbara von Cilli (ungar. Cillei Borbála, slow.: Barbara Celjska, tschech. Barbora Cellská) (* um 1390; † 11. Juli 1451 in Mělník) aus dem Adelsgeschlecht der Cillier war die zweite Frau des Kaisers Sigismund. Sie griff aktiv in die Politik ein, war mehrfach in Abwesenheit ihres Mannes Statthalterin in Ungarn und wurde zur römisch-deutschen, ungarischen und böhmischen Königin gekrönt. Sie hatte auch einen Ruf als Astrologin und Alchemistin. Leben Sie war die Tochter des Grafen Hermann II. von Cilli und von Anna von Schaunberg. Hermann II. hatte erfolgreich die Freilassung und Wiedereinsetzung des vorübergehend als ungarischer König abgesetzten Sigismund betrieben, woraufhin sich Sigismunnd nach seiner offiziellen Wiedereinsetzung im Jahre 1401 für die Unterstützung Hermanns bedankte, indem er um die Hand dessen jüngster Tochter Barbara anhielt.[1] Die Verlobung mit dem mehr als zwanzig Jahre älteren König Sigismund wurde bereits 1401 ausgehandelt; die Heirat erfolgte erst im Dezember 1405.[1] 1409 gebar sie ihre erste Tochter Elisabeth (tschechisch Alžběta), die später Albrecht von Habsburg heiratete. Daneben gab es noch eine weitere Tochter. Barbara hielt sich anfangs häufig in Ungarn auf, wo sie große Ländereien besaß, mehrfach in Abwesenheit ihres Mannes, der in politischen Geschäften unterwegs war, Statthalterin war und 1408 zur ungarischen Königin gekrönt wurde. Am 8. November 1414 wurde sie zusammen mit Sigismund zur römisch-deutschen Königin gekrönt und war damit die letzte römisch-deutsche Königin, die in Aachen gekrönt wurde.[2] Auf Zeitgenossen machte sie Eindruck durch ihre Lebhaftigkeit und Schönheit, als sie ihren Ehemann auf das 1414 bis 1418 tagende Konzil von Konstanz begleitete, wo sie sich knapp ein Jahr aufhielt, bevor sie im Dezember 1415 wieder nach Ungarn zurückkehrte und dort bis zur Rückkehr ihres Mannes im Jahre 1419 die alleinige politische Verantwortung trug. Einer angeblichen gegenseitigen Entfremdung des Paares (mit jeweiligen Seitensprüngen beider Ehepartner) über die verschiedene Chronisten berichten, steht der große politische Einfluss entgegen, den sie auf ihren Mann ausüübte. Bei der Krönung ihres Mannes zum König von Böhmen 1420, die unter dem Zeichen der schon begonnenen Hussitenkriege stand, war sie nicht zugegen und wurde selbst erst 1437 zur Königin von Böhmen gekrönt, als es schon um die Nachfolge des bald darauf verstorbenen Königs Sigismund ging. Sie führte in seinem Namen auch ausgedehnte Finanzgeschäfte mit den Reichsfürsten durch. Im Streit um die Nachfolge von Sigismund stellte sie sich 1437 in Verbindung mit den Böhmen gegen ihren von Sigismund designierten habsburgischen Schwiegersohn Albrecht, der vielen Böhmen als einer der Hauptgegner in den Hussitenkriegen verhasst war, und favorisierte stattdessen den polnischen König Władysław III. Barbara war vorübergehend von Albrecht in Bratislava inhaftiert, ihr gelang aber 1438 die Flucht nach Polen. Vom nunmehrigen „fast Kaiser“ Albrecht II. wurde sie deshalb zeitweise geächtet und er zog auch ihre ausgedehnten Güter in Ungarn ein. Der polnische König drang mit einem Heer in Böhmen ein, musste aber am Ende seine Machtansprüche auf Böhmen aufgeben. Erst einige Jahre nach dem Tod von Albrecht (1439) kehrte Barbara 1441 aus Polen zurück, lebte in Mělník, wo sie am 11. Juli 1451 an der Pest starb; beigesetzt wurde sie in der königlichen Gruft in Prag. Ruf als Alchemistin und Okkultistin Sie widmete sich den okkulten Wissenschaften und beschäftigte sich mit Alchemie, was etlichen Zeitgenossen missfiel. Das ging so weit, dass später Legenden aufkamen, sie wäre als Vampir während des Konstanzer Konzils in Konstanz umgegangen und nnoch heute soll sie im Balkan als Blutsaugerin gefürchtet sein.[3] Zeichen ihres schlechten Nachrufs als „deutsche Messalina“, der von den dynastisch konkurrierenden Habsburgern gefördert wurde, ist auch die Weltchronik von Hartmann Schedel 1493, der sie ein „schentlich boßhaftig weib“ nennt und schreibt: Sie fiel in ein solche absynnige plinthait das sie die heilligen iunckfrawen die von cristo wegen den todt gelidden hetten offenlich thörin und nerrin hieß Und saget das nach disem leben kein anders leben wer. und das leib und sele miteinander stürbe. Über ihre chemischen Experimente soll der böhmische Alchemist Johann von Laatz (Joannes de Lasnioro) in einem heute verlorenen Manuskript um 1440 berichtet haben, über das der Arzt Benedikt Nikolaus Petraeus im Vorwort seiner Ausgabe der Chymiscchen Schriften von Basilius Valentinus berichtet.[4] Danach habe Laatz ihre alchemistischen Kenntnisse geprüft. Sie habe „mit weiblicher Feinheit“ geantwortet und vor seinen Augen mit einem Pulver aus Quecksilber, Arsen und von ihr verheimlichten Zutaten Kupfer weiss gefärbt und so vorgeblich in Silber umgewandelt. Laatz fand aber, dass der Strich zwar wie bei Silber war, das Metall aber nicht die Hammerprobe bestand. Sie führte ihm auch noch viele ähnliche „Kunststücke“ vor, unter andderem machte sie mit „Eisensafran“, „Kupferkalk“ und andere Pulver „Gold“, das aber beim Schmelzen wieder seine Farbe verlor. Laatz schrieb, sie habe damit viele Kaufleute getäuscht. Als er ihr Betrug vorwarf, drohte sie ihn einzusperren, er wäre aber „mit Gottes Hilfe“ noch einmal davongekommen. Auch andere Fürsten ihrer Zeit befassten sich mit Alchemie, insbesondere Johann von Brandenburg-Kulmbach, den sie politisch mit ihrem Mann förderte, wie sie überhaupt gute Beziehungen zum Haus Brandenburg hatte und diese zugunsten ihres Mannes nutzte. Sonstiges Am 26. September 2014 gab die Post in Slowenien einen Briefmarkenblock heraus anlässlich des 600. Jahrestages der Krönung von Barbara von Cilli zur römisch-deutschen Königin. Am 17. November 2014 wurde aus dem gleichen Anlass von der Banka Slovenije eine 2-Euro-Gedenkmünze ausgegeben.[5] Literatur • Jette Anders: 33 Alchemistinnen. Die verborgene Seite einer alten Wissenschaft. Vergangenheitsverlag, Berlin 2016, ISBN 9783864082047. • Heinz Dopsch: Barbara von Cilli. In: Mathias Bernath, Felix von Schroeder (Hrsg.), Gerda Bartl (Red.): Biographisches Lexikon zur Geschichte Südosteuropas. Band 1. Oldenbourg, München 1974, ISBN 3-486-47871-0, S. 134. • Amalie Fößel: Die Korrespondenz der Königin Barbara im ungarischen Staatsarchiv zu Budapest. In: Karel Hruza, Alexandra Kaar (Hrsg.): Kaiser Sigismund (1368–1437). Zur Herrschaftspraxis eines europäischen Monarchen (Forschungen zur Kaiser- ud Papstgeschichte des Mittelalters; Bd. 31). Böhlau Verlag, Wien (u.a) 2012, ISBN 978-3-205-78755-6, S. 245–254. Digitalisat • Amalie Fößel: Barbara von Cilli. Ihre frühen Jahre als Gemahlin Sigismunds und ungarische Königin. In: Michel Pauly, François Reinert (Hrsg.): Sigismund von Luxemburg. Ein Kaiser in Europa (Tagungsband des internationalen historischen und kunthistorischen Kongresses in Luxemburg, 8.–10. Juni 2005). von Zabern, Mainz 2006, ISBN 978-3-8053-3625-3, S. 95–112. • Thomas Krzenck: Barbara von Cilli – eine „deutsche Messalina“? In: Mitteilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde 131, 1991, S. 45–67. • Heinz Quirin: Barbara von Cilly. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 1, Duncker & Humblot, Berlin 1953, ISBN 3-428-00182-6, S. 581 (Digitalisat). • Sandi Sitar: Sto slovenskih znanstvenikov, zdravnikov in tehnikov (Hundert slowenische Wissenschaftler, Ärzte und Techniker). Ljubljana 1987, Beitrag 8. Barbara Celjska – Cesarica z retortami – astrologinja in alkimistka (ok. 1387–1451) (Barbra von Cilli – Kaiserin mit Retorten – Astrologin und Alchimistin (um 1387–1451)) • Franz von Krones: Barbara v. Cilli. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 2, Duncker & Humblot, Leipzig 1875, S. 48 f. Weblinks Commons: Barbara von Cilly – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien Anmerkungen 1 Amalie Fößel: Barbara von Cilli. Ihre frühen Jahre als Gemahlin Sigismunds und ungarische Königin. In: Michel Pauly, François Reinert (Hrsg.): Sigismund von Luxemburg. Ein Kaiser in Europa (Tagungsband des internationalen historischen und kunthistorischen Kongresses in Luxemburg, 8.–10. Juni 2005). von Zabern, Mainz 2006, ISBN 978-3-8053-3625-3, S. 95–112. 2 Claudia Zey: Imperatrix, si venerit Romam ... Zu den Krönungen von Kaiserinnen im Mittelalter. In: Deutsches Archiv für Erforschung des Mittelalters, Bd. 60 (2004), S. 3–51, hier: S. 39. 3 Ulrich Büttner, Egon Schwär: Barbara von Cilli - Kaiserin, Femme Fatale und Vampir. In: Ulrich Büttner, Egon Schwär: Konstanzer Konzilgeschichte(N). Verlag Stadler. Konstanz 2014. ISBN 978-3-7977-0580-8. S. 63–68. 4 Ferguson, Bibliotheca Chemica, Glasgow 1906, Band 2, S.10f, Karl Christoph Schmieder, Geschichte der Alchemie, Halle 1832, S. 223f. Zum Beispiel die Ausgabe der Chymischen Schriften von Valentinus, Hamburg 1717 5 Münzbild 2-Euro-Gedenkmünze Slowenien 2014: 600. Jahrestag der Krönung von Barbara Celjska Abgerufen am 17. November 2014 | von Cilli, Barbara (I9704)
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| 33585 | https://de.wikipedia.org/wiki/Bardas_Phokas_der_Ältere Bardas Phokas der Ältere (griechisch: Βάρδας Φωκᾶς) (* um 878; † um 969) war ein byzantinischer Feldherr, der anfangs im Schatten seines älteren Bruders Leon Phokas stand, sich in der ersten Hälfte des 10. Jahrhunderts in mehreren Feldzügen bewährte und als Domestikos ton scholon von 944 bis 953 an der Spitze der militärischen Hierarchie stand. Er war der Vater von Nikephoros II. Phokas, der von 963 bis 969 als Kaiser das Byzantinische Reich regierte und ihm den Titel Kaisar verlieh. Bardas Phokas entstammte der byzantinischen Magnatenfamilie der Phokadai, die zu den vornehmsten Vertretern des byzantinischen Militäradels zählte und über umfangreichen Landbesitz in Anatolien verfügte. Bardas war ein Sohn des Nikephoros Phokakas „des Älteren“ (* c. 855, † c. 896), der selbst ein berühmter General war, der sich als Feldherr in Italien ausgezeichnet hatte, indem er in den Jahren 885 bis 886 Tarent und einen Großteil von Kalabrien eroberte und schließlich zum Domestikos ton scholon, d. h. zum Oberkommandierenden der byzantinischen Truppen im Osten, aufgestiegen war. Der Name und die Herkunft seiner Mutter sind nicht bekannt. Kampf gegen die Bulgaren Als Sohn eines berühmten Feldherren wählte Bardas wie sein älterer Bruder Leon eine militärische Laufbahn, stand aber lange im Schatten seines Bruders. Dieser war der Favorit der Witwe des Kaisers Leo VI. „der Weise“ (886–912) aus der makedonischen Dynastie, Zoe Karbonopsina (Zoe „mit den kohlschwarzen Augen“) - die in den Jahren 914 bis 919 für ihren minderjährigen Sohn, Kaiser Konstantin VII. Porphyrogennetos (913–959), die Regentschaft über das Byzantinische Reich ausübte. Leon Phokas hatte daher bei Hof entscheidenden Einfluss und stand als Domestikos ton scholon an der Spitze der militärischen Hierarchie. Der erste große militärische Einsatz des Bardas Phokas erfolgte als General unter dem Kommando seines Bruders Leo gegen die Bulgaren. Die Beziehungen zu Bulgarien hatten sich bereits unter Kaiser Alexander (912–913), dem Bruder von Kaiser Leo VI., verschlechtert, da dieser sich weigerte, Zar Simeon I. die vereinbarte jährliche Tributzahlung zu leisten. Nach dem Tod von Kaiser Alexander verschärfte die Kaiserin–Witwe Zoe, die 914 die Regentschaft vom Patriarchen von Konstantinopel Nikollaos I. Mystikos übernommen hatte, die Lage, indem sie den bestehenden Friedensvertrag mit den Bulgaren kündigte, den Zarentitel von König Simeon I. (893-927) nicht mehr anerkannte und auch die geplante Eheverbindung zwischen den beiden Dynastien absagte. Zar Simeon I. „der Große“ (913–927) war nunmehr entschlossen, Byzanz zu vernichten und selbst die byzantinische Kaiserkrone zu übernehmen. In einem raschen Feldzug gelang es ihm in den Jahren 914/15 die byzantinischen Provinzen Makedonien, Thessaloniki und Durazzo zu erobern.[1] Das Kommando der Truppen, die den byzantinischen Gegenangriff auf bulgarisches Gebiet durchführen sollten, wurde dem Bruder des Bardas Phokas, dem Magistros Leon Phokas als dem Domestikos ton scholon, übertragen, den Bardas als General begleitete.[2] Die byzantinische Armee wurde jedoch am 20. August 917 von den Truppen von Zar Simeon I. überrascht, worauf es im Mündungsgebiet des Flusses Acheloos ins Schwarze Meer zu einer der größten Schlachten der damaligen Zeit kam. Es war die Schlacht von Anchialos vom 20. August 917, in der sich jeweils 30.000 bis 60.000 Mann gegenüberstanden. Die byzantinischen Truppen wurden dabei - wegen des mangelnden Koordination des Flottenkommandanten Romanos Lekapenos, der die petschenegischen Hilfstruppen über die Donau transportieren und dem General Johannes Bogas, der diese zur Donau führen sollte - vernichtend geschlagen. Leo und sein Bruder Bardas konnten mit knapper Not nach Mesembria (heute Nessebar in Bulgarien) an der Küste dedes Schwarzen Meeres fliehen.[3] Der byzantinische Historiker Leon Diakonos (* c. 950, † 1000) bemerkte dazu, dass noch 75 Jahre nach dieser Katastrophe die Felder am Ufer des Archeloos mit Knochen der erschlagenen byzantinischen Soldaten übersät waren. Die Truppen von Zar Simeon stießen bis nahe Konstantinopel vor. Dort stellte sich ihm Leo Phokas – und wohl auch sein Bruder Bardas – mit einer neuen Armee entgegen, er wurde jedoch bei Katasyrtai/Katasurtas, nahe bei Konstantinopel, neuerlich besiegt und konnte sich nur durch die Flucht retten. Kaiserin Zoe war daher gezwungen, erhebliche Konzessionen zu machen, einen neuen Friedensvertrag abzuschließen, worauf Zar Simeon den Titel eines „Zaren der Bulgaren und der Rhomäer“ (= Oströmer /Byzantiner) annahm.[4] Sturz des Bruders Leon Phokas[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten] Diese Niederlage gegen die Bulgaren schwächte die Regentschaft der Kaiserin Zoe. Zugleich entstanden jedoch auch Gerüchte, Leon Phokas könnte mit ihrer Hilfe versuchen, die Macht an sich zu reißen und den jugendlichen Kaiser Konstantin VII. verdrängen. Dem wollte der Erzieher des Kaisers zuvorkommen, indem er sich mit dem Kommandanten der Flotte, Romanos Lekapenos verband und den jungen Kaiser dazu bewog, statt seiner Mutter den Patriarchen von Konstantinopel, Nikolaos I. Mystikos (901-907 und 912–925) neuerlich zum Regenten zu ernennen. Dieser entließ daraufhin Leo Phokas als Domestikos und entzog diesem daher seine Machtbasis. Leon versuchte zunächst durch ein Bündnis mit Romanos Lekapenos an der Macht zu bleiben, dieser hatte jedoch eigene Pläne. Er verschaffte sich am 25. März 919 Zugang in den kaiserlichen Palast, besetzte diesen, ließ sich zum Kommandanten der Leibgarde ernennen, verheiratete 919 seine Tochter Helena Lekapene mit dem jungen Kaiser Konstantin VII. und nahm selbst den Titel „Basileopator“ (Vater des Kaisers) an. Romanos war damit de facto Herr des Byzantinischen Reiches und nahm 920 den Tiitel eines Mitkaisers an. Leon Phokas versuchte daraufhin, mit Unterstützung seines Bruders Bardas durch eine Revolte selbst an die Macht zu kommen, wurde aber von seinen Truppen verlassen, musste fliehen, wurde in Lykaonien gefangen genommen und schließlich geblendet. Als einige Monate später ein Komplott seiner Freunde aufgedeckt wurde, wurde Leo dazu verurteilt, zur Schande auf einem Esel durch die Straßen von Konstantinopel zu reiten. Sein weiteres Schicksal ist unbekannt.[5] Der Sturz seines älteren Bruders beendete vorerst auch die Karriere des Bardas Phokas, der für längere Zeit von der politischen Bühne verschwand. Bardas Phokas war mit einer namentlich nicht bekannten Schwester des Manuel Maleinos verheiratet. Dieser war Mönch, Gründer und Abt des Kymnias Klosters auf dem Berg Olmyp in Bithynien (heute Uludağ) – Gebirge in der türkischen Provinz Bursa und wird als Heiliger der Orthodoxen Kirche verehrt, † 961/62. Sie war eine Tochter des Eudokimus Maleinos (* c. 865, † c. 915) und der Anastaso Adralestina (* c. 870,), einer Tochter des Adralestos, der 920/21 Domesikos ton scholon war. Die Maleinos waren eine Magnatenfamilie griechischer Herkunft, die ausgedehnte Besitzungen in Kappadokien hatte und deren Mitglieder schon seit dem 9. Jahrhundert vielfach hohe Kommando- und Verwaltungsfunktionen ausgeübt hatten. Kinder: Bardas Phokas hatte nach Christian Settipani[16] drei Söhne und drei Töchter: • Nikephoros II. Phokas (* 912 in Konstantinopel, † 969), Kaiser von Byzanz (963–969) ∞ 1.) Ne, ∞ 2.) Theophanu, Witwe des Kaisers Romanos II., Mutter der späteren Kaiser Basilius II. und Konstantin VIII. und der Prinzessin Anna, die den Großfüsten Wladimir I. „den Großen“ von Kiew heiratete. • Ne Phokaina (aus 1. Ehe) ∞ Michael Botaneiates (* c. 945), Protonotarios. Dessen Urenkel Nikephoros III. Botaneiates war Kaiser von Byzanz (1078–1081). Über dessen Nichte, die c. 1065 Géza I. König von Ungarn (1074–1077) heiratete, gibt es eie bis heute blühende Nachkommenschaft. • Leon Phokas (c. 915, † n. 970), 963 Kuropalates (etwa: Obersthofmeister), 969 Domestikos ton scholon, ∞ Ne • Nikephoros Phokas „der Blinde“ (* c. 940, † n. 972), Patrikios • Bardas Phokas der Jüngere (* c. 940/45, † 13. April 989), Gegen-Kaiser von Byzanz (971, 987–989) • Sophia Phokaina (* 945, † n. 960) ∞ Konstantinos Skleros (* c. 930, † 11. März 991), Patrikios, • Theophano Skleraina (* c. 960 in Konstantinopel, † 15. Juni 991 in Nimwegen), ∞ 14. April 972 in Rom Otto II., Kaiser des Heiligen Römischen Reiches (967–983) (Nachkommen) • Konstantinos Phokas (* 915/20, † c. 959), Stratege des Thema Seleukeia • Ne Phokaina ∞ Theodulos Parsakuntenos • Ne Phokaina ∞ (Romanos) Kurukas (* c. 900), Dux (Gouverneur) von Mesopotamien • Johannes Tzimiskes, Kaiser von Byzanz (969–976), † 10. Januar 976 • Ne Phokaina (* c. 908), ∞ N Diogenes (* c. 900, † n. 944), 944 Strategos (Militärgouverneur) • Diogenes Adralestos († n. 970) Mehr unter obenstehendem Link.. | Phokas, Bardas der Ältere (I1414)
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| 33586 | https://de.wikipedia.org/wiki/Barisan_von_Ibelin Barisan von Ibelin († 1150) war eine wichtige Figur im Königreich Jerusalem und der Ahnherr der Familie Ibelin. Sein Name wurde auch „Balian“ ausgesprochen, er selbst dann als Balian der Ältere bezeichnet. Leben Barisan stammte vermutlich aus Norditalien, jedoch ist über sein Leben, bevor er 1115 als Konstabler der Grafschaft Jaffa auftrat, nichts bekannt. 1134, als Hugo II. von Le Puiset, der Graf von Jaffa, gegen König Fulko rebellierte, stellte sich Barisan auf die Seite des Königs und erlangte bald eine wichtige Rolle bei Hof. Zwischen 1134 und 1141 wurde er zum Herrn der neu gebauten Burg Ibelin ernannt, die in der Grafschaft Jaffa zwischen Jaffa selbst und der Festung Askalon lag, letzztere noch im Besitz der Fatimiden. Ebenso erhielt er die Burg und Herrschaft Mirabel, die aus der Grafschaft Jaffa herausgelöst wurde. 1148 erbte Barisan durch die Ehe mit Helvis, der Tochter Balduins von Ramla, die Herrschaft Ramla. Im gleichen Jahr nahm er an der Beratung der Anführer des Zweiten Kreuzzugs in Akkon teil, in der der Angriff auf Damaskus beschlossen wurde. Nachkommen Mit Helvis von Ramla hatte Barisan drei Söhne und zwei Töchter: • Hugo († um 1170), • Balduin († um 1187), • Balian der Jüngere († 1193), • Ermengarde († 1160/67), ⚭ Elinand von Tiberias, Fürst von Galiläa • Stephanie († nach 1167). Nach seinem Tod ging die Herrschaft Ibelin an seinen Sohn Hugo über, seine Witwe Helvis heiratete Manasses von Hierges, den Konstabler von Jerusalem, mit dem zusammen sie die Herrschaften Ramla und Mirabel bis 1152 innehielt und erst dann Hugo überließ. Weblinks • Balian (Barisan) I. der Alte bei mittelalter-genealogie.de • Balian (II) bei fmg.ac (englisch) | von Ibelin, Barisan (Balian) (I9182)
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| 33587 | https://de.wikipedia.org/wiki/Basileios_I. Basileios I. der Makedonier (griechisch Basíleios I. o Makedon Βασίλειος Α′ ὁ Μακεδών, lateinisch Basilius I. Macedonicus, * um 812; † 29. August 886), war byzantinischer Kaiser von 867 bis 886. Leben Basileios entstammte einer armenisch-griechischen Familie, die sich in dem byzantinischen Thema Makedonien niedergelassen hatte. Er verbrachte einen Teil seiner Kindheit in Bulgarien, wo seine Familie seit 813 als Gefangene des bulgarischen Fürsten Krum gelebt hatte. Ihm gelang die Flucht und die Aufnahme als Stallknecht in den Dienst des Theophilitzes, einem Verwandten von Bardas, dem Onkel des Kaisers Michael III. Bei einem Besuch der Stadt Patras gewann er die Zuneigung der Danielisis, einer reichen Frau, die ihn in ihrem Haushalt aufnahm und finanzierte. Auch fiel er dem Kaiser auf, als er einen Ringerwettkampf gewann, und wurde bald dessen Begleiter und Leibwächter (Parakoimomenios, siehe Ämter und Titel im byzantinischen Reich). Um Michaels Gunst zu erhalten, ließ er sich von seiner Frau scheiden und heiratete Eudokia Ingerina, eine von Michaels Mätressen. Es wird angenommen, dass Leo VI., Basileios’ Sohn und Nachfolger, tatsächlich der Sohn Michaels war. Basileios ermordete – mit Zustimmung des Kaisers – im April 866 den Kaisar Bardas, der das Reich in Michaels Namen regiert hatte. Am 26. Mai 866 wurde er zum Mitkaiser gekrönt, während der an dem Attentat beteiligte Schwiegersohn Bardas’, Symbatios, leer ausging. Im September 867 tötete Basileios auch Michael III., beseitigte den Rivalen Basiliskianos und bestieg selbst den Thron. Mit der von ihm gegründeten Dynastie begann auch ein neues Zeitalter im Byzantinischen Reich. Sie wird üblicherweise die Makedonische Dynastie genannt, obwohl es korrekter wäre, sie Armenisch-griechische Dynastie zu nennen. Diese Zeit war eine Periode territorialer Expansion, in der das Kaiserreich die stärkste Macht in Europa war. Aufgrund seiner umfangreichen gesetzgeberischen Tätigkeit, die als Wiedererweckung des justinianischen Rechts beschrieben werden kann, wird er oft der zweite Justinian genannt. Auf Basileios’ Gesetze geht die Basiliká („königliche“) genannte Gesetzessammlung in 60 Büchern zurück, die von seinem Nachfolger Leo VI. vollendet und in Kraft gesetzt wurde. Außerdem veranlasste Basileios die Erstellung von zwei kleineren Werken, die als Procheiron und Epanagoge bekannt sind. Basileios’ Finanzgebaren war zurückhaltend. Seine Kirchenpolitik ist durch gute Beziehungen zu Rom gekennzeichnet. Eine seiner ersten Handlungen war 867 die Verbannung des Patriarchen Photios I., der für die Unabhängigkeit der byzantinischen Kirche kämpfte, und die Wiedereinsetzung seines Rivalen Ignatios I., dessen Ansprüche von Papst Hadrian II. unterstützt wurden. Basileios hatte jedoch keine Absicht, Rom über einen bestimmten Punkt hinaus nachzugeben. Die Entscheidung des bulgarischen Zaren Boris I., die neue bulgarische Kirche der Jurisdiktion Konstantinopels zu unterstellen, war ein Affront gegenüber Rom, das dies für sich selbst erwartet hatte. 877 wurde Photios erneut als Patriarch eingesetzt, was gewissermaßen den Bruch mit Rom darstellte – den entscheidenden Schritt in dem Konflikt, der zum Morgenländischen Schisma und letztendlich der Trennung zwischen der katholischen und der orthodoxen Kirche führte. In die Herrschaftszeit von Basileios I. fiel ein mühseliger Krieg gegen die Paulikianer, den ihm sein Vorgänger hinterlassen hatte. Der Tod ihres militärischen Führers Johannes Chrysocheir und die Eroberung der Stadt Tephrike durch Basileios I. führte 872 zur endgültigen Vernichtung der Paulikianer, die durch ein Zweckbündnis mit dem Kalifen von Bagdad zu einer ernsten Bedrohung für das Byzantinische Reich geworden waren. Des Weiteren erkannte er 885 das armenische Reich des Bagratididen Aschot I. an. Schließlich gab es den „üblichen Grenzkrieg“ mit den Arabern. Zypern wurde zurückerobert, konnte aber nur sieben Jahre gehalten werden. Syrakus ging verloren, Bari und große Teile Kalabriens wurden zurückerobert. Die Erfolge in Italien führten dort zu einer neuen Periode byzantinischer Dominanz. Vor allem aber waren die Byzantiner wieder die Herren des Mittelmeers, insbesondere der Adria. Basileios regierte 19 Jahre. Sein Tod im August 886 ist auf ein Fieber zurückzuführen, das er sich nach einem schweren Jagdunfall zuzog, bei dem sich sein Gürtel im Geweih eines Hirschs verfing und er von seinem Pferd gezogen wurde. Er wurde von einem Diener gerettet, der ihn mit einem Messer losschnitt. Basileios verdächtigte diesen jedoch, ihn ermorden zu wollen, und ließ den Diener hinrichten, kurz bevor er selbst starb. Literatu • Ralph-Johannes Lilie, Claudia Ludwig, Thomas Pratsch, Ilse Rochow, Beate Zielke: Prosopographie der mittelbyzantinischen Zeit. 1. Abteilung: (641−867). Band 1: Aaron (#1) – Georgios (#2182). Nach Vorarbeiten F. Winkelmanns erstellt. Herausgegben von der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften. De Gruyter, Berlin 1999, ISBN 3-11-015179-0, S. 528−536 Nr. 20837. • Alexios G. Savvides, Benjamin Hendrickx (Hrsg.): Encyclopaedic Prosopographical Lexicon of Byzantine History and Civilization. Vol. 2: Baanes–Eznik of Kolb. Brepols Publishers, Turnhout 2008, ISBN 978-2-503-52377-4, S. 50–53. • Norman Tobias: Basil I (867–886). The founder of the Macedonian dynasty. A Study of the Political and Military History of the Byzantine Empire in the 9th century. Diss. Rutgers State University, New Brunswick NJ 1969. • Mark Whittow: The Making of Byzantium, 600–1025. University of California Press, Berkeley CA 1996, ISBN 0-520-20496-4. Weblinks Commons: Basileios I. – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien | von Byzanz, Basileios I. (I6916)
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| 33588 | https://de.wikipedia.org/wiki/Basler_Münster | von Ratolsdorf, Johannes (I21869)
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| 33589 | https://de.wikipedia.org/wiki/Basler_Münster | von Ratolsdorf, Ulman (I21882)
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| 33590 | https://de.wikipedia.org/wiki/Basler_Münster | von Ratolsdorf, Werner (I21871)
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| 33591 | https://de.wikipedia.org/wiki/Basler_Münster | von Rotberg, Adelberg (Adelbert) (I21958)
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| 33592 | https://de.wikipedia.org/wiki/Basler_Münster | von Rotberg, Fürstbischof Arnold (I21947)
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| 33593 | https://de.wikipedia.org/wiki/Basler_Münster | von Rotberg, Adelberg (I21950)
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| 33594 | https://de.wikipedia.org/wiki/Basler_Münster | von Rotberg, Benedikt Lothar Wilhelm (I22191)
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| 33595 | https://de.wikipedia.org/wiki/Bathilde Bathilde von Askanien, auch Balthild, Baldhilda, Bathildis, (* um 630 in England; † 30. Januar wohl 680 in der Abtei Chelles) war die Ehefrau des fränkischen Merowingerkönigs Chlodwig II. von Neustrien. Leben Bathilde wurde als kleines Mädchen von den Dänen aus England verschleppt. Um 641 wurde sie günstig als Sklavin an den Hof des fränkischen Hausmeier Erchinoald verkauft.[1] Dieser machte sie zu seiner Mundschenkin, warb aber nach dem Tod seiner Gattin erfolglos um sie.[2] Wegen ihrer Klugheit und Schönheit wurde König Chlodwig II., der sie bei einem Besuch kennengelernt hatte, auf sie aufmerksam.[3] 649 heiratete König Chlodwig II. Balthilde.[1] Ihr Aufstieg machte sie nicht hochmütig, sie war Armen fürsorglich zugetan. Sie wandte sich gegen Sklaverei unter Christen.[4] Als Königin erließ sie Gesetze, um die Versklavung von Kriegsgefangenen zu unterbinden, die bis dahin als Stammessitte akzeptiert war. Von ihr befreite Sklaven wurden ungeachtet der Herkunft in Klöstern unterrichtet oder als Helfer auf Gütern eingesetzt.[2] Sie gründete das Nonnenkloster Chelles (664) bei Paris und die Abtei Corbie (657/661) für Mönche. In weiteren Abteien führte sie die Mönchsregel von Luxeuil ein.[1] Ende 657 starb Chlodwig II. und Bathilde fungierte mit dem Hausmeier Erchinoald und ab 658 Ebroin bis um 664 als Regentin für Chlothar III. in Neustrien.[5] Im Jahr 657/658 schenkten Chlothar III. und Bathilde dem Kloster „in civitatis Trecassinæ“ [6] An der Ermordung des Bischofs Aunemund/Annemundas von Lyon[7] durch Ebroins Soldaten um 658 war Bathilde vermutlich nicht beteiligt. Außer einem blutig niedergeschlagenen Aufstand der burgundischen Opposition verlief ihre Herrschaft friedlich.[8] Nachdem der Staatsstreich Grimoalds in Austrasien gescheitert war, setzte sie 662 ihren Sohn Childerich II. als König von Austrasien ein.[8] Um 664 wurde sie nach einer Intrige Ebroins und des Adels verbannt und zog sich nach der Übernahme der Regierungsgeschäfte durch ihre erwachsenen Söhne ins Kloster Chelles zurück.[9] Dort soll sie den niedrigsten Rang haben bekleiden wollen und sich durch besondere Demut und Nächstenliebe ausgezeichnet haben.[4] Bathilde starb am 30. Januar vermutlich im Jahr 680 im Kloster Chelles und wurde dort in der église Sainte-Croix beigesetzt.[9] 833 erfolgte die Erhebung ihrer Gebeine. Papst Nikolaus I. sprach sie im Jahr 860 heilig. Ihr katholischer Gedenktag ist der 30. Januar. Sie gilt als Schutzpatronin der Gebrechlichen, Kranken, Kinder und Witwen. In der Kunst wird sie mit Kirchenmodell und Krone, als Almosengeberin oder mit Himmelsleiter, auf der Engel herabsteigen und ihr ein Kind reichen, dargestellt. Kinder • Chlothar III. • Childerich II. • Theuderich III. Quellen • Vita Sanctæ Balthildis, MGH SS rer. Merov. II, S. 483–485. • Liber Historiæ Francorum 43, MGH SS rer Merov II, S. 315. • Fredegar (Continuator), 1, MGH SS rer Merov II, S. 169. • Beda Venerabilis: Historia ecclesiastica gentis Anglorum V. Literatur • Eugen Ewig: Die Merowinger und das Frankenreich. Kohlhammer, Stuttgart 2001, ISBN 3-17-017044-9 • Martina Hartmann: Die Königin im frühen Mittelalter. Kohlhammer, Stuttgart 2009, ISBN 978-3-17-018473-2, S. 47ff. • Ekkart Sauser: Balthild. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 22, Bautz, Nordhausen 2003, ISBN 3-88309-133-2, Sp. 52–53. Weblinks Commons: Bathilde – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien Wiktionary: Bathilde – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen • Catholic Encyclopedia (englisch) • Bathildis bei Foundation for Medieval Genealogy (englisch) • Eintrag im Ökumenischen Heiligenlexikon Anmerkungen 1 Ekkart Sauser: Balthild. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 22, Bautz, Nordhausen 2003, ISBN 3-88309-133-2, Sp. 52–53. 2 Antonius Lux (Hrsg.): Große Frauen der Weltgeschichte. 1000 Biographien in Wort und Bild. München 1963, S. 46. 3 Fredegar (Continuator), 1, MGH SS rer Merov II, S. 169 4 Artikel in Catholic Encyclopedia 5 Fredegar (Continuator), 1, MGH SS rer Merov II, p. 169, and Liber Historiæ Francorum 44, MGH SS rer Merov II, p. 317 6 MGH DD Mer (1872), Diplomata Regum Francorum, no. 33, p. 31. 7 Beda Venerabilis: Historia ecclesiastica gentis Anglorum V,19 8 Hartmann, Die Königin im frühen Mittelalter, S. 83f 9 Bathildis bei Foundation for Medieval Genealogy | von Askanien, Bathilde (I8525)
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| 33596 | https://de.wikipedia.org/wiki/Beatrice_de_Bourbon Beatrice de Bourbon (tschechisch Beatrice Bourbonská, * vor 1320; † 23. Dezember 1383) war die zweite Frau des böhmischen Königs Johann von Luxemburg (tschechisch Jan Lucemburský). Sie wurde kurz vor 1320 als Tochter des französischen Herzogs Louis I. de Bourbon und seiner Frau Marie de Hainaut geboren. Ihr Vater, Herrscher über das Herzogtum Bourbon und die Grafschaften Clermont und Marche, gehörte zu den reichsten französischen Adeligen, was ihm und seiner Familie den Aufenthalt auf dem Pariser Hof ermöglichte. Hier begegnete der seit vier Jahren verwitwete Johann im Herbst 1334 der jungen Prinzessin. Auch wenn zwischen den Verlobten ein Unterschied von 25 Jahrhren bestand, wurden sie beide nach Zustimmung des Herzogs und des französischen Königs im Dezember auf Schloss Vincennes vermählt. Einen Monat später genehmigte auch der Papst Benedikt XII. diese Vermählung. Sein Dispens war aufgrund einer nahen Verwandtschaft seitens der Brautmutter nötig. In das Königreich Böhmen kam Beatrice erst nach einem Jahr, im Januar 1336. Bis dorthin lebte sie auf den Höfen des Ehemanns in Luxemburg und Hennegau. Nach der Ankunft in Prag betreute sie die Schwiegertochter Blanca, die etwa gleich alt war. Für Beatrice, die nur französisch sprach, wurde Blanca Begleiterin während des gesamten Aufenthalts in Böhmen. Allerdings verstand sie recht bald, dass sie in Böhmen nicht die erwartete Nachfolgerin war. Diese Funktion wurde allgemein der Frau dedes Thronnachfolgers Karl IV. zugesprochen. Sie versuchte daher nie, das Land zu lieben oder deren Sprache zu lernen. Im Februar 1337 gebar sie in Prag einen Sohn, der auf den Namen des böhmischen Patronen Wenzel (Václav) getauft wurde. Aber auch diese Geste wurde vom Adel nicht angenommen. Daher beschloss Beatrice nach ihrer Krönung am 18. Mai 1337, das Land zu verlassen. Anfang Juni 1337 ging sie nach Luxemburg. Dort widmete sie sich der Erziehung des Sohnes und ihrer Tochter Bona und kehrte niemals nach Böhmen zurück. Sie starb mit fünfundsechzig Jahren und überlebte nicht nur alle ihre Stiefkinder, darunter den Markgrafen Jan Jindřich und den Kaiser Karl IV., sondern auch ihren eigenen Sohn Wenzel, der zwei Wochen zuvor gestorben war. Literatur • Jaroslav Čechura: České země v letech 1310–1378. Lucemburkové na českém trůně. Praha, Libri 2005, ISBN 80-85983-73-7 Weblinks • Commons: Beatrice de Bourbon – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien | von Bourbon, Beatrice (I8203)
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| 33597 | https://de.wikipedia.org/wiki/Beatrice_von_Savoyen Beatrice von Savoyen (tschechisch Betrice Savojská) (* um 1310; † 1331) war die dritte Ehefrau des Heinrich von Kärnten (tschechisch Jindřich Korutanský) und eine Tochter des Herzog Amadeus V. von Savoyen. Mit siebzehn Jahren wurde sie im Februar 1328 mit dem vierzig Jahre älteren Mann vermählt. Für Heinrich bedeutete diese Vermählung die letzte Chance, einen Erben zu zeugen. Daneben sollte diese politische Hochzeit mit der Cousine des Johann voon Luxemburg den langjährigen Streit der beiden Rivalen um den böhmischen Thron beenden. Johann versprach, der Braut eine Mitgift von 10.000 Mark Silber zu stellen, allerdings ohne das Versprechen später einzulösen. Aber auch diese Ehe blieb ohne Nachfolger und so musste Heinrich 1330 der Hochzeit des böhmischen Prinzen Johann Heinrich und seiner Tochter Margarete, deren Ehe schon im Alter von zwei Jahren beschlossene Sache war, zustimmen. Von Beatrice existieren kaum noch Aufzeichnungen, bis auf die Todesurkunde von 1331. Literatur • Jörg K. Hoensch: Die Luxemburger. W. Kohlhammer, Stuttgart Berlin Köln 2000, ISBN 3-17-015159-2, S. 74. | von Savoyen, Beatrice (I8072)
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| 33598 | https://de.wikipedia.org/wiki/Beatrix_II._(Burgund) Beatrix von Burgund (auch Beatrix von Staufen) (* um 1193; † 7. Mai 1231) war Erbin der Pfalzgrafschaft Burgund. Sie war mit Otto VII. von Meranien († 1234) verheiratet. Leben Sie entstammte dem Geschlecht der Staufer und war Tochter des Pfalzgrafen Otto I. von Burgund und der Margarete von Blois-Champangne. Sie war damit unter anderem Enkelin von Friedrich Barbarossa und Nichte von Philipp von Schwaben. Sie war Erbin der Pfalzgrafschaft. Für sie übte zunächst ihre Mutter die eigentliche Herrschaft aus.[1] Unklar ist, ob nach dem Tod des Vaters 1200 zunächst eine Schwester mit Namen Johanna bis etwa 1205 das Erbe übernahm, oder ob die Namen Beatrix und Johanna eine Person bezeichneten.[2] Sie heiratete 1208 Otto Herzog von Meranien. Damit kam es zu einer ehelichen Verbindung der Staufer mit dem diesen ergebenen Haus Andechs. Am Tag des Hochzeit oder der Brautübergabe von Beatrix kam es in Bamberg zur Ermordung Philipp von Schwabens durch Otto von Wittelsbach.[3] Beatrix wurde wie ihr Mann im Kloster Langheim begraben.[4] Nachkommen Zusammen mit ihrem Mann hatte sie sechs Nachkommen. • Otto VIII. von Meranien Pfalzgraf von Burgund und Herzog von Meranien († 1248) • Agnes († 1263) verheiratet in erster Ehe mit Friedrich II. von Österreich in zweiter Ehe mit Ulrich III. von Kärnten • Beatrix († nach 1265) heiratete Hermann II. von Weimar-Orlamünde • Margareta († 1271) heiratete in erster Ehe Přemysl von Mähren und in zweiter Ehe Friedrich I. von Truhendingen • Alix oder Adelheid († 1279) heiratete in erster Ehe Hugo von Chalon und in zweiter Ehe Philipp von Savoyen • Elisabeth († 1272) heiratete Friedrich III. von Nürnberg Literatur • Detlev Schwennicke (Hrsg.): Europäische Stammtafeln. NF.1.1: Die fränkischen Könige und die Könige und Kaiser, Stammesherzöge und Kurfürsten, Markgrafen und Herzöge des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. Frankfurt am Main, 2005. Tafl 15 Weblinks • Eintrag auf Medieval Lands Anmerkungen 1 Tobias Weller: Die Heiratspolitik des deutschen Hochadels im 12. Jahrhundert. Köln, 2004 S.739 2 Tobias Weller: Die Heiratspolitik des deutschen Hochadels im 12. Jahrhundert. Köln, 2004 S.142 3 Tobias Weller: Die Heiratspolitik des deutschen Hochadels im 12. Jahrhundert. Köln, 2004 S.739 4 Marcin R. Pauk: Das Stiftungsprogramm der schlesischen Piasten im 12. und 13. Jahrhundert und seine mitteleuropäischen Kontexte. In: Eduard Mühle (Hrsg.): Monarchische und adlige Sakralstiftungen im mittelalterlichen Polen. Berlin, 2013 S.444 | von Burgund (Staufern), Beatrix II. (I7917)
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| 33599 | https://de.wikipedia.org/wiki/Beatrix_von_Andechs-Meranien Beatrix von Andechs-Meranien (* 1210; † 9. Februar 1271) war eine Prinzessin aus dem Haus Andechs-Meranien und durch Heirat Gräfin von Orlamünde. Herkunft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten] Beatrix war die Tochter von Otto VII. von Andechs-Meranien und Beatrix von Staufen, Tochter von Pfalzgraf Otto und Margarete von Blois. Sie war Erbin der Herrschaft Plassenburg mit Kulmbach und Mittelberg und der Herrschaft Berneck mit Goldkronach, Meinau, Wirsberg, Pretzendorf (heute Himmelkron), Zwernitz und Trebgast. Sie heiratete den Grafen Hermann II. von Orlamünde. Nachkommen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten] • Hermann • Hermann III. • Albrecht III. • Otto III. • Sophie • Otto Literatur • C. Chl. Freiherr von Reitzensten: Regesten der Grafen von Orlamuende aus Babenberger und Ascanischem Stamm. Historischer Verein für Oberfranken zu Bayreuth, 1871. | von Andechs (von Meranien), Gräfin Beatrix (I7916)
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| 33600 | https://de.wikipedia.org/wiki/Beatrix_von_Burgund Beatrix von Burgund (* um 1140 oder kurz danach; † 15. November 1184 in Jouhe bei Dole) war römisch-deutsche Königin (seit 1156) und Kaiserin (seit 1167) des römisch-deutschen Reiches. Leben Beatrix war die einzige Tochter des Grafen Rainald III. von Burgund (* um 1093; † 1148) und Agathe von Lothringen (* 1115; † 1147), der Tochter des Herzogs Simon I. von Lothringen (* um 1076; † 1138/1141). Am 17. Juni 1156 heiratete sie noch sehr jung in Würzburg Kaiser Friedrich I. (Barbarossa), nachdem dieser sich drei Jahre zuvor von Adela von Vohburg getrennt hatte. Am 9. Oktober desselben Jahres krönte sie Hillin von Fallemanien, der Erzbischof von Trier, zur Königin. Die von Beatrix in die Ehe mit eingebrachte Freigrafschaft Burgund stärkte die Macht Barbarossas im Königreich Burgund, wo der Einfluss der römisch-deutschen Könige traditionell schwach ausgeprägt war. Einerseits erhielt Barbarossa damit einen wichtigen Zugang nach Italien, der unter seiner militärischen Kontrolle stand, andererseits vergrößerten die Einnahmen dieses Reichsteils Barbarossas Möglichkeiten, Söldner für seine militärischen Unternehmungen anzuwerben. Am 1. August 1167 wurde Beatrix von Papst Paschalis III. in Rom zur Kaiserin gekrönt, im August 1178 in Vienne zur Königin von Burgund. Die gebildete und intelligente Beatrix wird in zeitgenössischen Quellen als regelrechte Schönheit beschrieben. Die letzten Jahre ihres Lebens verbrachte Beatrix fast ausschließlich in ihrer burgundischen Heimat. Sie regierte dort völlig eigenständig, unterhielt einen eigenen Hof mit eigener Kanzlei und war darum bemüht, die Rechte eines zukünftigen Grafen von Burgund zu sichern.[1] Nach ihrem Tod 1184 wurde sie nach Speyer überführt und wahrscheinlich Ende November 1184 im Königschor des Kaiserdoms begraben. Nach Umbettung Anfang des 20. Jahrhunderts ruht sie in einem Doppelgrab zusammen mit ihrer im selben Jahr verstorbenen Tochter Agnes neben dem Einzelgrab ihres Sohnes Philipp von Schwaben in der damals neugeschaffenen Krypta des Domes. Kinder • Beatrix (* wohl 1160/1162; † vor Anfang 1174), begraben in Lorch • Friedrich (* wohl 16. Juli 1164 in Pavia; † 28. November 1168/1170), 1167 Herzog von Schwaben, begraben in Lorch • Heinrich VI. (* 1165; † 28. September 1197 in Messina), deutscher König und Kaiser, König von Sizilien beigesetzt im Dom zu Palermo, ∞ Konstanze von Sizilien (* 1154; † 1198), Tochter des Königs Roger II. • Konrad (* wohl 1167; † 20. Januar 1191 bei Akkon), als Friedrich V. Herzog von Schwaben • Tochter, möglicherweise „Gisela“ (* wohl Oktober/November 1168; † Ende 1184) • Otto I. (* wohl Juni/Juli 1170; † 1200), Pfalzgraf von Burgund, ∞ Margareta von Blois († 1230), Pfalzgräfin von Burgund, Gräfin von Blois • Konrad (* wohl Februar/März 1172; † 15. August 1196), Herzog von Schwaben; beigesetzt im Kloster Lorch • Rainald (* wohl Oktober/November 1173; † früh verstorben), begraben in Lorch • Wilhelm (* wohl Juni/Juli 1176; † früh verstorben), begraben in Lorch • Philipp (* August 1177; † 1208), Herzog von Schwaben, deutscher König, ∞ 1197 Irene von Schwaben, beigesetzt im Bamberger Dom, Dezember 1213 überführt nach Speyer und dort im Königschor des Doms bestattet • Agnes (* Ende 1178/Anfang 1179; † 8. Oktober 1184), begraben im Speyrer Dom Literatur • Heinrich Appelt: Kaiserin Beatrix und das Erbe der Grafen von Burgund. In: Hubert Mordek (Hrsg.): Aus Kirche und Reich. Studien zu Theologie, Politik und Recht im Mittelalter. Festschrift für Friedrich Kempf. Sigmaringen 1983, S. 275–283. • Knut Görich: Friedrich Barbarossa: Eine Biographie. Beck, München 2011, speziell S. 256–262. • Knut Görich: Kaiserin Beatrix. In: Frauen der Staufer (Schriften zur staufischen Geschichte und Kunst 25). Hrsg. von Karl-Heinz Rueß. Göppingen 2006, S. 43–58. • Martina Hartmann: Beatrix. In: Amalie Fößel (Hrsg.): Die Kaiserinnen des Mittelalters. Pustet, Regensburg 2011, S. 197–212. • Hans-Walter Herrmann: Betraix von Burgund. In: Lexikon des Mittelalters (LexMA). Band 1, Artemis & Winkler, München/Zürich 1980, ISBN 3-7608-8901-8, Sp. 1742 f. • Hans Conrad Peyer: Beatrix von Burgund. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 1, Duncker & Humblot, Berlin 1953, ISBN 3-428-00182-6, S. 681 (Digitalisat). Weblinks Commons: Beatrix von Burgund – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien Anmerkungen 1 Heinrich Appelt: Kaiserin Beatrix und das Erbe der Grafen von Burgund. In: Hubert Mordek (Hrsg.): Aus Kirche und Reich. Studien zu Theologie, Politik und Recht im Mittelalter. Festschrift für Friedrich Kempf. Sigmaringen 1983, S. 279–283. | von Burgund, Kaiserin Beatrix (I7495)
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