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35601 https://de.wikipedia.org/wiki/Schloss_Bernau_(Aargau) von Rotberg, Herr Hans Jakob (I21971)
 
35602 https://de.wikipedia.org/wiki/Schloss_Böttstein von Roll, Anna Maria Magdalena (I7770)
 
35603 https://de.wikipedia.org/wiki/Schloss_Böttstein  
35604 https://de.wikipedia.org/wiki/Schloss_Böttstein Schmid von Bellikon, Landammann Johann Martin (I7769)
 
35605 https://de.wikipedia.org/wiki/Schloss_Böttstein von Roll, Karl Ernst (I7771)
 
35606 https://de.wikipedia.org/wiki/Schloss_Böttstein von Roll, Landammann Johann Peter (I7748)
 
35607 https://de.wikipedia.org/wiki/Schloss_Brunegg

Das Schloss Brunegg ist ein kleines burgähnliches Schloss in der Gemeinde Brunegg im Schweizer Kanton Aargau.

Es befindet sich rund 120 Meter über dem Dorf Brunegg am Ende eines felsigen Ausläufers des Chestenbergs. Der Berggrat fällt unmittelbar östlich des Schlosses steil in die Ebene des Birrfelds ab. Das Schloss besteht aus der Hauptburg mit Wohntrakt aus dem 13. Jahrhundert, einer Gartenanlage aus dem 19. Jahrhundert sowie zwei Ökonomiegebäuden. Anfang des 19. Jahrhunderts verringerte man die Höhe des Burgturms und vereinte dieses Gebäude mit dem Palas durch den Bau eines Zwischentrakts.

Geschichte
Im 13. Jahrhundert liessen die Habsburger auf der leicht zu verteidigenden Felsflanke eine Burg errichten, um die Südseite ihres Kernlandes, das Eigenamt, zu schützen. Das Burglehen vergaben die Habsburger an die Schenken von Brunegg. Als erster namentlich bekannter Besitzer wird Wernher von Brunegg genannt, der 1270 starb. Weitere Besitzer waren die Ritter von Hedingen, die Herren von Trostburg und die Gessler von Meienberg. Danach kam Brunegg an die Herren von Friedingen.

1415 eroberte die Stadt Bern den westlichen Teil des Aargaus; Brunegg war eine der wenigen Burgen, die Widerstand leisteten. Bern zog 1470 das Lehen ein und verlieh es 1472/73 an die Familie Segesser aus Mellingen AG. Als 1528 im Berner Aargau die Reformation eingeführt wurde, verkauften die katholisch bleibenden Segesser von Brunegg die Burg wieder an Bern. 1626 und 1664 wurde sie durch Naturgewalten stark beschädigt.

Als Rechtsnachfolger übernahm der neue Kanton Aargau die Burg im Jahr 1804. Diese wurde 1805/06 zu einem Schloss umgebaut und einige Jahre lang als Pflegeanstalt genutzt. Seit 1815 befindet sich das Schloss Brunegg im Privatbesitz, erst der ursprünglichen Lenzburger Patrizierfamilie Hünerwadel, dann im Erbweg bis heute der Familie von Salis. Berühmte Bewohner waren der Schweizer Historiker Jean Rudolf von Salis und der Schweizer Schriftsteller Hermann Burger, der sich am 28. Februar 1989 im Schloss Brunegg das Leben nahm. Dem Schloss wurde in Hermann Burgers 1990 erschienenen Roman „Brenner“, dort als „Brunsleben“ bezeichnet, [1] ein literarisches Denkmal gesetzt.[2]

Literatur
Michael Stettler: Das Schloss Brunegg. In: Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte (Hrsg.): Die Kunstdenkmäler des Kantons Aargau. Band II: Die Bezirke Lenzburg und Brugg. Basel 1953, S. 344–353.
Weblinks
Commons: Schloss Brunegg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Burgenwelt: Burg Brunegg
Foto des Schlosses
Schloss Brunegg im Denkmalschutzinventar des Kantons Aargau
Referenzen
1 Urs Dürmüller Hermann Burger, Buchbesprechung Dienstag, 28. Februar 1989
2 Hermann Burger: Brenner (auf vier Bände angelegt): Erster Band: Brunsleben. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1990, ISBN 3-518-40157-2. 
Segesser von Brunegg, Hans Ulrich III (I4116)
 
35608 https://de.wikipedia.org/wiki/Schloss_Bürglen von Bürglen, Judenta (I12313)
 
35609 https://de.wikipedia.org/wiki/Schloss_Ebersberg_(Baden-W%C3%BCrttemberg)

Schloss Ebersberg (Baden-Württemberg)

Schloss Ebersberg (auch Burg Ebersberg) ist die Bildungs- und Begegnungsstätte der Deutschen Pfadfinderschaft Sankt Georg (DPSG) in der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Schloss Ebersberg liegt in der Gemeinde Auenwald im Rems-Murr-Kreis östlich der Teilorte Ebersberg und Lippoldsweiler auf einem Bergsporn.

Geschichte
Die Reste der staufischen Burg Ebersberg liegen oberhalb der Auenwalder Teilorte Ebersberg und Lippoldsweiler. Baubeginn der Burg war zu Beginn des 12. Jahrhunderts, 1226 wurde sie erstmals erwähnt. Nach dem Aussterben der Familie der edelfreien Herren von Ebersberg, in deren Besitz die Burg um 1300 übergegangen war, wechselte die Burg häufig den Besitzer. 1551 wurde das zweiflügelige Schloss Ebersberg dazu gebaut, dessen Reste im heutigen Bau zu sehen sind. Das Kloster Schöntal (Jagst) wurde im Jahr 1698 neuer Besitzer des Schlossgutes. 1714 zerstörte ein Brand fast die gesamte Schlossanlage. In seiner heutigen, barocken Form wurde das Schloss nach diesem verheerenden Brand um 1720 vom Zisterzienserkloster Schöntal erbaut. Die Kapelle zum Heiligen Michael wurde 1724 eingerichtet. Im Jahr 1786 verkaufte das Kloster Schöntal nach dem Wegzug der Mönche das Schloss an den Herzog von Württemberg Carl Eugen. Eine Auflage für den Verkauf war, dass der Herzog die Erhebung zur katholischen Pfarrei, die ungestörte Glaubensausübung der Untertanen sowie den Unterhalt der Kirche im Schloss und des Pfarrers anerkennen musste. Durch § 31 des Osnabrücker Friedensvertrags von 1648 war der Herzog von Württemberg zu diesem Verhalten reichsgesetzlich gezwungen. So ist auch zu erklären, warum der Ort Ebersberg als einziger im protestantischen Gebiet katholisch geprägt ist.

Bildungsstätte der DPSG
Mit dem Bau der katholischen Herz-Jesu-Kirche im Ort Ebersberg ging das Schloss 1962 in den Besitz der Diözese über. Am 17. Juni 1963 wurde das Schloss der Deutschen Pfadfinderschaft St. Georg übergeben. Mit viel Eigenarbeit wurde das Schloss in einer ersten Bauphase von 1964 bis 1965 renoviert und am 21. Mai 1966 von Bischof Carl Joseph Leiprecht als neue Jugendburg eingeweiht. Nach Planungen in den 80er und 90er Jahren wurde – in Übereinstimmung mit dem Landesdenkmalamt und mit der Diözese – ab 1995 das Schloss umgebaut und grundlegend renoviert. 1996 konnte so das neue Schloss wieder eröffnet werden. In einer weiteren Bauphase 1998 wurden die Arbeiten abgeschlossen. Das Haus verfügt nun über 64 Betten und ist ein sogenanntes Selbstversorgerhaus.

Literatur
Gerhard Fritz, Roland Schurig (Hrsg.): Die Burgen im Rems-Murr-Kreis. Verlag Manfred Hennecke, Remshalden 1994, ISBN 3-927981-42-7, S. 63–67.
Weblinks
Commons: Schloss Ebersberg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Schloss Ebersberg – Bildungs- und Begegnungsstätte der Deutschen Pfadfinderschaft Sankt Georg
Informationen auf den Webseiten der Gemeinde Auenwald 
von Ebersberg, Verena (I11304)
 
35610 https://de.wikipedia.org/wiki/Schloss_Heidegg

Schloss Heidegg

Das Schloss Heidegg liegt in Gelfingen im Luzerner Seetal in der Schweiz, hoch über dem Baldeggersee, inmitten einer weitgehend erhaltenen Park- und Kulturlandschaft von nationaler Bedeutung.

Geschichte
Die erste erhaltene Urkunde, die das Geschlecht der Herren von Heidegg erwähnt, datiert von 1185. Als Ministerialen standen die Heidegger im Dienst der Landesherren im Seetal, wohl anfänglich der Grafen von Lenzburg, dann der Kyburger und der Habsburger. Burg und Herrschaft entstanden im Sog der Städte- und Burgengründungswelle des 12./13. Jahrhunderts. Diese erfasste auch das Seetal, das im 13. Jahrhundert für kurze Zeit zur besten überregionalen Landverbindung zwischen Gotthard, Luzern und Basel aufstieg. Die Herrschaft Heidegg umfasste grundherrliche Rechte, die niedere Gerichtsbarkeit über Gelfingen und Altwis, die Vogtei über den grössten Teil des Baldeggersees, Reben und Waldungen. 1431/37 erwarb die neue Besitzerfamilie Büsinger durch Kauf die Herrschaft Lieli mit den Twingen Lieli, Sulz und Mosen hinzu.

Ab 1482/83 lösten einflussreiche Stadtluzerner Ratsfamilien die adligen Besitzer ab. Johann Heinrich Franz Pfyffer von Altishofen baute ab 1678 den im Wesentlichen noch mittelalterlichen Wohnturm zum barocken Schloss aus. Der Familienzweig nannte sich nun Pfyffer von Heidegg. 1700 erwarb die Stadt Luzern Schloss und Herrschaft und vollendete den Innenausbau. 1798 endete die Gerichtsherrschaft. Heidegg wurde zu einer Staatsdomäne des Kantons Baden und 1803 bis 1848 des Kantons Luzern, der sie nach dem verlorenen Sonderbundskrieg an den liberalen Gelfinger Bauern Joseph Heggli versteigerte.

1875 erwarb das vermögende luzernisch-amerikanische Paar Louis und Caroline Pfyffer von Heidegg-Slidell das Schloss zurück, versah das Äussere der Anlage im burgenromantischen Sinne mit Zinnen und Portalen, legte einen Schlosspark mit einer Kastanienallee an und machte 1912 den Schlossturm wieder bewohnbar. 1950 schenkten die letzten Nachfahren, die kinderlosen Witwen Mathilde von Glutz und Marie-Louise de Chambrier, das Schloss dem Kanton Luzern, der es öffentlich zugänglich machte. Den Betrieb samt Museum führt seither die Vereinigung Pro Heidegg[1].

Anfangs der 1950er Jahre verhalfen der von Gottfried Boesch auf Anregung des deutschen Bundeskanzlers Konrad Adenauer angelegte Rosengarten, der wieder mit Reben bepflanzte Burghügel, an dem der Luzerner Staatswein wuchs, und das neu gegründete Schweizerische Jagdmuseum Schloss Heidegg zu überregionaler Ausstrahlung. Von 1995 bis 1998 unterzog der Kanton Luzern das Schloss einer Gesamtrenovation.

Schlossbesitzer
1185 Herren von Heidegg, 1421/29 Büsinger, 1482/83 Hasfurter, 1522/28 Tammann, 1561 Kündig, 1618 Fleckenstein, 1664/65 Pfyffer von Heidegg, 1700 Luzern, 1798 Kanton Baden, 1803 Kanton Luzern, 1849 Heggli, 1875 Pfyffer von Heidegg, 1950 Kanton Luzern

Baugeschichte
Im heutigen Schlossturm verbirgt sich das älteste bekannte Wohngebäude auf Luzerner Boden, ein Steinhaus von 1192 (Jahrringdatierung von 2013). Es wurde 1229/30 und 1236/37 zu einem romanischen Wohnturm erweitert und erhöht und im 15./16. Jahrhundert zum gelegentlich bewohnten Landsitz umgebaut. Ab 1678 erfolgte der Ausbau zum barocken Schloss, zuerst mit vier Eck-Erkern, die bald wieder entfernt wurden. 1688/98 erhielt der Schlossturm mit seinem Walmdach und einheitlichen gelben Verputz seine charakteristische Gestalt als Wahrzeichen des Seetals. Die dem hl. Karl Borromäus geweihte Kapelle stammt aus dem 16./17. Jahrhundert, das Wohnhaus mit Gewölbekeller und Kornschütte von 1704, der Bauernhof aus dem 18.–20. Jahrhundert.

Besichtigung
Das Museum im Schlossturm widmet sich der über 800 Jahre langen Geschichte von Heidegg und seiner Region. Dauerausstellung und Wohnmuseum der Familie Pfyffer von Heidegg werden mit Sonderausstellungen und Erlebnisangeboten angereichert. Auch der 2004/05 erneuerte Rosengarten, der Sieben-Brüggli-Weg durchs romantische Burgtobel und die Allee mit Rastplätzen und Spielanlage machen Schloss und Park Heidegg zum beliebten Ausflugs- und Naherholungsort. Zahlreiche Säle und Räume können für Veranstaltungen genutzt oder gemietet werden.


Literatur
Gottfried Boesch: Schloss Heidegg. Geschichte der Burg und ihrer Bewohner. Gelfingen 1951.
Schloss Heidegg ist 300 Jahre älter als gedacht: Neue Luzerner Zeitung, vom 4. April 2014.
Peter Eggenberger: Gelfingen. Schloss Heidegg. Gesamtrestaurierung des Schlossturms und Umgebungsarbeiten. In: Jahrbuch 17 der Historischen Gesellschaft Luzern. Luzern 1999, S. 72–81.
Dieter Ruckstuhl: Schloss Heidegg. (Schweizerische Kunstführer, Nr. 691, Serie 70). Hrsg. Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK. Bern 2001, ISBN 3-85782-691-6.
Dieter Ruckstuhl u. a.: Romantische Schlossträume. Herrschaftliche Gartenkultur auf Schloss Heidegg im 19. und 20. Jahrhundert. Reihe Schloss Heidegg Geschichte 1, Gelfingen 2006, ISBN 3-9523031-1-9.
Josef Egli: Herrschaftsmittelpunkt – Dorftheater – Märchenschloss. Aus der Geschichte des Schlosses Heidegg von 1775 bis 1950. Reihe Schloss Heidegg Geschichte 2, Gelfingen 2009, ISBN 978-3-9523031-3-9.
Adolf Reinle: Die Kunstdenkmäler des Kantons Luzern, Band VI, Das Amt Hochdorf. Birkhäuser Verlag, Basel 1963, Seiten 82–91.
Weblinks
Commons: Schloss Heidegg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Website zum Schloss Heidegg
Burgenwelt: Schloss Heidegg
Waltraud Hörsch: Heidegg. In: Historisches Lexikon der Schweiz.
Einzelnachweise
1 www.heidegg.ch

 
von Heidegg (Heideck), Anna Katharina (I3718)
 
35611 https://de.wikipedia.org/wiki/Schloss_Heidegg

Schloss Heidegg

Das Schloss Heidegg liegt in Gelfingen im Luzerner Seetal in der Schweiz, hoch über dem Baldeggersee, inmitten einer weitgehend erhaltenen Park- und Kulturlandschaft von nationaler Bedeutung.

Geschichte
Die erste erhaltene Urkunde, die das Geschlecht der Herren von Heidegg erwähnt, datiert von 1185. Als Ministerialen standen die Heidegger im Dienst der Landesherren im Seetal, wohl anfänglich der Grafen von Lenzburg, dann der Kyburger und der Habsburger. Burg und Herrschaft entstanden im Sog der Städte- und Burgengründungswelle des 12./13. Jahrhunderts. Diese erfasste auch das Seetal, das im 13. Jahrhundert für kurze Zeit zur besten überregionalen Landverbindung zwischen Gotthard, Luzern und Basel aufstieg. Die Herrschaft Heidegg umfasste grundherrliche Rechte, die niedere Gerichtsbarkeit über Gelfingen und Altwis, die Vogtei über den grössten Teil des Baldeggersees, Reben und Waldungen. 1431/37 erwarb die neue Besitzerfamilie Büsinger durch Kauf die Herrschaft Lieli mit den Twingen Lieli, Sulz und Mosen hinzu.

Ab 1482/83 lösten einflussreiche Stadtluzerner Ratsfamilien die adligen Besitzer ab. Johann Heinrich Franz Pfyffer von Altishofen baute ab 1678 den im Wesentlichen noch mittelalterlichen Wohnturm zum barocken Schloss aus. Der Familienzweig nannte sich nun Pfyffer von Heidegg. 1700 erwarb die Stadt Luzern Schloss und Herrschaft und vollendete den Innenausbau. 1798 endete die Gerichtsherrschaft. Heidegg wurde zu einer Staatsdomäne des Kantons Baden und 1803 bis 1848 des Kantons Luzern, der sie nach dem verlorenen Sonderbundskrieg an den liberalen Gelfinger Bauern Joseph Heggli versteigerte.

1875 erwarb das vermögende luzernisch-amerikanische Paar Louis und Caroline Pfyffer von Heidegg-Slidell das Schloss zurück, versah das Äussere der Anlage im burgenromantischen Sinne mit Zinnen und Portalen, legte einen Schlosspark mit einer Kastanienallee an und machte 1912 den Schlossturm wieder bewohnbar. 1950 schenkten die letzten Nachfahren, die kinderlosen Witwen Mathilde von Glutz und Marie-Louise de Chambrier, das Schloss dem Kanton Luzern, der es öffentlich zugänglich machte. Den Betrieb samt Museum führt seither die Vereinigung Pro Heidegg[1].

Anfangs der 1950er Jahre verhalfen der von Gottfried Boesch auf Anregung des deutschen Bundeskanzlers Konrad Adenauer angelegte Rosengarten, der wieder mit Reben bepflanzte Burghügel, an dem der Luzerner Staatswein wuchs, und das neu gegründete Schweizerische Jagdmuseum Schloss Heidegg zu überregionaler Ausstrahlung. Von 1995 bis 1998 unterzog der Kanton Luzern das Schloss einer Gesamtrenovation.

Schlossbesitzer
1185 Herren von Heidegg, 1421/29 Büsinger, 1482/83 Hasfurter, 1522/28 Tammann, 1561 Kündig, 1618 Fleckenstein, 1664/65 Pfyffer von Heidegg, 1700 Luzern, 1798 Kanton Baden, 1803 Kanton Luzern, 1849 Heggli, 1875 Pfyffer von Heidegg, 1950 Kanton Luzern

Baugeschichte
Im heutigen Schlossturm verbirgt sich das älteste bekannte Wohngebäude auf Luzerner Boden, ein Steinhaus von 1192 (Jahrringdatierung von 2013). Es wurde 1229/30 und 1236/37 zu einem romanischen Wohnturm erweitert und erhöht und im 15./16. Jahrhundert zum gelegentlich bewohnten Landsitz umgebaut. Ab 1678 erfolgte der Ausbau zum barocken Schloss, zuerst mit vier Eck-Erkern, die bald wieder entfernt wurden. 1688/98 erhielt der Schlossturm mit seinem Walmdach und einheitlichen gelben Verputz seine charakteristische Gestalt als Wahrzeichen des Seetals. Die dem hl. Karl Borromäus geweihte Kapelle stammt aus dem 16./17. Jahrhundert, das Wohnhaus mit Gewölbekeller und Kornschütte von 1704, der Bauernhof aus dem 18.–20. Jahrhundert.

Besichtigung
Das Museum im Schlossturm widmet sich der über 800 Jahre langen Geschichte von Heidegg und seiner Region. Dauerausstellung und Wohnmuseum der Familie Pfyffer von Heidegg werden mit Sonderausstellungen und Erlebnisangeboten angereichert. Auch der 2004/05 erneuerte Rosengarten, der Sieben-Brüggli-Weg durchs romantische Burgtobel und die Allee mit Rastplätzen und Spielanlage machen Schloss und Park Heidegg zum beliebten Ausflugs- und Naherholungsort. Zahlreiche Säle und Räume können für Veranstaltungen genutzt oder gemietet werden.

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von Heidegg, Verena (I11441)
 
35612 https://de.wikipedia.org/wiki/Schloss_Hückeswagen von Hochstaden, Margarete (I11924)
 
35613 https://de.wikipedia.org/wiki/Schloss_Kasteln

Schloss Kasteln / Burg Ruchenstein

Das Schloss Kasteln ist ein Schloss in der Gemeinde Schinznach im Schweizer Kanton Aargau. Es befindet sich westlich des Dorfes auf einem Felsvorsprung, umgeben von Weinbergen und Wäldern. Heute dient es als Schulheim für normal begabte, verhaltensauffällige Schüler. Die unmittelbar daneben liegende Burg Ruchenstein wurde 1643 abgebrochen, als die Burg Kasteln zu einem Schloss umgebaut wurde.

Geschichte
Etwa um 1200 entstand im mittleren Schenkenbergertal, nur wenige Kilometer von der Burg Schenkenberg entfernt, die Burg Kasteln. 1238 wurden erstmals in einer Urkunde die Schenken von Kasteln als Schlossbewohner genannt, Vasallen der Kyburger. 1262 entstand auf dem unmittelbar dahinter liegenden Felsvorsprung die Burg Ruchenstein, in der die aus der March am oberen Zürichsee stammenden Ritter von Ruchenstein lebten. Nach dem Aussterben der Kyburger im Jahr 1264 ging die Landeshoheit über die Gegend an die Habsburger über. 1301 starben die Ritter von Ruchenstein aus, zehn Jahre später die Schenken von Kasteln. Beide Burgen wurden durch die Herren von Mülinen aus Brugg erworben. Von hier aus herrschten sie über ein kleines Gebiet am südlichen Rand des Juras.

Johann Ludwig von Erlach kaufte 1631 die beiden Burgen. Der Berner Patrizier und General ordnete 1642 den Umbau der Burg Kasteln zu einem repräsentativen Schloss an. Die Burg Ruchenstein wurde ein Jahr darauf komplett abgetragen und diente als Baustofflieferant. Weil zuvor keine Expertisen eingeholt worden waren und der Bauherr meist abwesend war, erwies sich der Umbau als teure Angelegenheit und zog sich bis 1650 hin. Nachdem Kasteln während hundert Jahren im Besitz der Familie von Erlach gewesen war, wurde die kleine Herrschaft für 90'000 Taler an die Stadt Bern verkauft. Es entstand die kleinste Landvogtei des Berner Aargaus, bestehend aus den Dörfern Auenstein, Oberflachs, Schinznach und Villnachern.

Nach dem Untergang des Ancien Régime gelangte die bernische Staatsdomäne 1803 in den Besitz des neu gegründeten Kantons Aargau, der es 1836 an Private verkaufte. 1855 erwarben die Brüder Friedrich und Louis Schmutziger aus Aarau das Anwesen und eröffneten eine "Rettungsanstalt für verwaiste und verwahrloste Zöglinge" reformierter Konfession. Am 24. August 1907 steckte einer der Zöglinge das Schloss und die benachbarte Scheune in Brand. Beide Gebäude erlitten schwere Schäden und mussten wieder aufgebaut werden; erst 1909 wurde der Anstaltsbetrieb in Kasteln wieder aufgenommen.

Die Anstalt erhielt 1923 den Status einer Stiftung und wurde 1955 in ein Schulheim für normal begabte, verhaltensauffällige Schüler umgewandelt. 1969 entstanden neben dem Schloss ein zweites Schulhaus, ein Schwimmbad und ein Personalhaus. Das gesamte Schloss wurde 2009 innen und aussen umfassend renoviert und den heutigen Bedürfnissen der Sozialpädagogik angepasst.

Gebäude
Kasteln ist der einzige einheitlich barocke Schlossbau des Aargaus. Dessen Gestalt geht im Wesentlichen auf die Umbauten unter Johann Ludwig von Erlach zurück. An die viergeschossige mittelalterliche Kernburg wurde 1642/50 je ein zweigeschossiger Flügel im Westen und Osten angebaut. Dabei wurde teilweise auch Material der abgerissenen Burg Ruchenstein verwendet. Im Wesentlichen besteht das Schloss jedoch aus Mägenwiler Muschelkalk. Zur selben Zeit entstand nach Südosten hin das "Bärenschloss"; 1840 liess der damalige Besitzer diesen Teil wieder abreissen. Die ungewöhnlich reiche Innenausstattung des Schlosses ging 1907 beim Brand verloren.

Weblinks
Commons: Schloss Kasteln – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Schulheim und Schloss Kasteln
Fotos des Schlosses
Felix Müller: Kasteln (AG). In: Historisches Lexikon der Schweiz.
Schloss Kasteln im Denkmalschutzinventar des Kantons Aargau 
von Ruchenstein, Elisabetha (I4151)
 
35614 https://de.wikipedia.org/wiki/Schloss_Neuenburg_(Schweiz) von Neuenburg, Graf Ulrich II. (I1027)
 
35615 https://de.wikipedia.org/wiki/Schloss_Nußdorf von Reischach zu Nussdorf, Hans Jakob (I21992)
 
35616 https://de.wikipedia.org/wiki/Schloss_Randegg von Randegg, Anna (Clara) (I21954)
 
35617 https://de.wikipedia.org/wiki/Schloss_Rhäzüns von Rhäzüns, Anna (I12203)
 
35618 https://de.wikipedia.org/wiki/Schloss_Rheinweiler Stammler, Lierd (Leonhard) Hochadeliger Rotbergischer Meier (I2056)
 
35619 https://de.wikipedia.org/wiki/Schloss_Rheinweiler von Rotberg, Hans Jakob (I21999)
 
35620 https://de.wikipedia.org/wiki/Schloss_Rietberg

Schloss Rietberg

Das Schloss Rietberg steht oberhalb der Gemeinde Pratval im Domleschg im schweizerischen Kanton Graubünden am Rand des Rietbach-Tobels an der Grenze zur Nachbargemeinde Rodels.

Bau
Die Erbauungszeit der Burg Rietberg ist nicht bekannt. Der Turm als ältester Teil stammt wohl aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts; die ganze Anlage entstand in mehreren Etappen während des 17. und 18. Jahrhunderts. Belegt wird eine erste Etappe durch die Jahreszahl 1601 am Allianzwappen Planta-Jecklin im 1. Wohngeschoss. Aus der gleichen Zeit stammen wohl die gewölbten Kellerräume und der Wohnraum im 3. Geschoss.

Zum ursprünglichen Baubestand gehört der rechteckige Turm im Zentrum der Anlage. Die mit bis 2,5 Meter für Bündner Verhältnisse ungewöhnlich dicken Mauern des Sockels umschliessen die Fundamente eines älteren Turms, vermutlich aus dem 12. Jahrhundert. Die grösseren Fenster und Türen wurden in nachmittelalterlicher Zeit ausgebrochen. Der ursprüngliche Hocheingang lag wohl an der Nordseite des 3. Stockwerks. Über dem 4. Geschoss lag eine massive Wehrplattform aus massiven Balken. Ein grosser Umbau, bei dem oben am Turm auch die charakteristischen Ochsenaugen angebracht wurden, erfolgte im späten 17. Jahrhundert. Der Zinnenkranz wurde im 18. Jahrhundert auf drei Seiten vermauert.[1]

In der warmen Jahreszeit ist das oberste Turmgeschoss Lebensraum für unzählige Fledermäuse der Art Grosses Mausohr, die sich an den starken Balken des ca. fünf Meter hohen Raumes festkrallen. Die Grösse der Kolonie schwankt zwischen fünfzig und mehreren hundert Tieren. Durch schmale Schartenfenster können sie ein- und ausfliegen. Im Spätherbst verlassen die Fledermäuse den Turm und verbringen den Winter an einem unbekannten Ort.[2]

Die Tankzisterne im Hof stammt vermutlich aus dem Mittelalter. Sie ist vom Keller des Wohntraktes durch einen unterirdischen Gang zu erreichen. Der barocke Rundturm über der Zisterne stammt aus dem 17. Jahrhundert. Auch in den übrigen Gebäuden dürften noch Mauerreste der ursprünglichen Bausubstanz erhalten sein; am ehesten in der Aussenmauer der Nordseite. Die zinnenbewehrte Ringmauer auf der Südseite ist neuzeitlich. Von einem im Nordosten angelegten Halsgraben ist infolge von späteren Aufschüttungen nichts mehr zu erkennen[3].

Geschichte

Rietberg war der Sitz der Herren von Rietberg, die in einer Urkunde vom 29. Juli 1286 als Vasallen der Herren von Sax-Misox erwähnt werden und im 13. und 14. Jahrhundert mehrere Male bezeugt sind. Im Verlauf des 14. Jahrhunderts werden sie als Ministeriale des Bischofs von Chur erwähnt. Sie besassen Güter im Domleschg, im Schams und in Chur.

Im Ehevertrag mit seiner Frau Berta von Rhäzüns legte Johann von Rietberg 1320 fest, dass Berta die Burg bis zu ihrem Tod besitzen solle. 1343 überschrieb er seiner Frau allerdings andere Güter und übergab mine vesti Rieperg und mine vesti die hohen Jufalt samt seinen Lehen 1348 den mit ihm verwandten Herren von Landenberg. Johann von Rietberg starb am 5. September 1349. Hermann von Landenberg konnte seine Erbansprüche aber nicht durchsetzen und verzichtete 1352 zu Gunsten des Bistums Chur.

Im Januar 1354 stellte der Bischof auf der Burg einige Urkunden aus. Die Herren von Rhäzüns und von Lumerins machten jedoch noch weitere Ansprüche geltend; die endgültige Zahlung erfolgte nach jahrzehntelangen Auseinandersetzungen erst 1388.

Als Verwalter setzte der Bischof Burggrafen ein; 1384 wird Eglolf von Juvalt erwähnt. In der Folgezeit brachte eine lange Reihe von Verpfändungen durch stetige Erhöhung der Pfandsumme den Bischof schliesslich um den Besitz. Nach mehreren Besitzerwechseln kam die Burg 1530 in die Hände von Anton von Travers, durch dessen Erben 1554 an Herkules von Salis (1503–1578). 1617 wurde der Besitz geteilt: eine Hälfte verblieb den Salis, die andere kam an den mit den Salis verschwägerten Pompejus Planta, den Anführer der Katholiken. In den Bündner Wirren wurde Planta am 25. Februar 1621 von Jörg Jenatsch und seinen Gesinnungsgenossen auf Schloss Rietberg ermordet. Die Tat wurde später von Conrad Ferdinand Meyer in der Novelle Jürg Jenatsch literarisch verarbeitet. 1664 gelangte Rietberg für 9000 Gulden an Oberst Christoph von Rosenroll aus Thusis, 1670 an die Familie von Buol. 1758 kauften die Buol-Schauenstein den Anteil der Planta auf, womit die frühere Teilung aufgehoben wurde.[4]

Weitere Besitzer waren 1798 der Churer Fürstbischof Karl Rudolf, der darin ein Priesterseminar einrichten wollte. Der Einfall der französischen Truppen in den Drei Bünden verhinderten den Plan. Besitzer von Rietberg waren 1802 Gräfin Emilie von Travers, 1803 die Cadonau aus Waltensburg, anschliessend Oberst von Bergamin aus Obervaz und 1822 nochmals die Gräfin von Travers. Im gleichen Jahr erwarb Pfarrer Christian Casparis das Schloss. 1917 gelangte es durch Heirat an die Familie Rudolf Planta-Casparis.[1]

Heute

Heute ist Schloss Rietberg im Besitz von mehreren Familien, alle Nachfahren von Rudolf Planta-Casparis. Auch die beiden ehemaligen Pächterhäuser und die umgebauten Pferdestallungen werden bewohnt, zum Teil als Mietwohnungen. Als Mitbesitzer Rietbergs betreibt die Familie Hämmerle-Caviezel neben dem Schloss einen biologisch ausgerichteten Landwirtschaftsbetrieb mit Mutterkuhhaltung, Mais- und Obstanbau. Zu früheren Zeiten wurden dem russischen Zaren Äpfel des Gutes als Kostbarkeiten zugesandt, einzeln verpackt in Seidenpapier in mit Holzwolle gepolsterten Kisten.[5]

Literatur
Otto P. Clavadetscher, Werner Meyer: Das Burgenbuch von Graubünden. Zürich 1984, ISBN 3-280-01319-4
Fritz Hauswirth: Burgen und Schlösser in der Schweiz. Band 8. Neptun Verlag, Kreuzlingen 1972
Werner Meyer: Burgen der Schweiz. Band 3. Silva Verlag, Zürich 1983
Anton von Castelmur: Die Burgen und Schlösser des Kantons Graubünden, Band I, Birkhäuser-Verlag, Basel 1940
Ludmila Seifert, Leza Dosch: Kunstführer durch Graubünden. Scheidegger & Spiess, Zürich 2008
Willy Zeller: Kunst und Kultur in Graubünden. Haupt Verlag, Bern 1993
Weblinks
Commons: Schloss Rietberg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Maria-Letizia Boscardin: Rietberg. In: Historisches Lexikon der Schweiz.
Hof Rietberg
Einzelnachweise
1 Otto P. Clavadetscher, Werner Meyer: Das Burgenbuch von Graubünden. Zürich 1984 Burgenbuch
2 Infotafel vor Ort
3 Schloss Rietberg
4 Werner Meyer: Burgen der Schweiz. Band 3. Silva Verlag. Zürich, 1983
5 Informationen vor Ort 
von Rietberg ?, Agnes (I923)
 
35621 https://de.wikipedia.org/wiki/Schloss_Rudenz Epp (von Rudenz), Landammann Johann Joachim (I18442)
 
35622 https://de.wikipedia.org/wiki/Schloss_Rudenz Zgraggen, Landammann Josef Maria (I18669)
 
35623 https://de.wikipedia.org/wiki/Schloss_Salenstein  von Hegi, Wetzel (I17929)
 
35624 https://de.wikipedia.org/wiki/Schloss_Schwörstadt von Schönau, Heinrich Hürus (I21636)
 
35625 https://de.wikipedia.org/wiki/Schloss_Uster

Das Schloss Uster steht in der Schweizer Stadt Uster im Kanton Zürich.

Lage
Die Schlossanlage mit den angrenzenden Gebäuden liegt auf dem westlichen Ausläufer eines bis Oberuster reichenden langgezogenen Hügels auf 496 m ü. M. Höhe und ist das Wahrzeichen von Uster.

Geschichte
Mittelalter
Die Ursprünge der ersten Befestigung des Burghügels sind bislang ungeklärt. Um das Jahr 1100 sollen die Grafen von Winterthur inmitten des Herrschaftsbereichs der Grafen von Rapperswil eine Burganlage errichtet haben, eine andere Quelle nennt eine erste Anlage um das Jahr 1000, die auf eine Gründung der «Alt-Rapperswiler» zurückgehen könnte. Ein Teil des Alt-Rapperswiler Güterkomplexes im Zürcher Oberland, der von den Herren von Uster herrührte, ging anlässlich von Erbschaftsstreitigkeiten um das Jahr 1200 an die Freiherren von Bonstetten – Burg Uster, Grund- und Gerichtsrechte in Kirchuster, Nossikon, Sulzbach und Wermatswil – obwohl die Grafen von Kyburg ebenfalls versuchten, Lehnsrechte geltend zu machen.[1]

Die ältesten Teile des noch heute sichtbaren Wohnturms reichen in die Zeit um 1200 zurück. Seine Nutzung durch im Jahr 1249 erstmals erwähnten Ritter von Uster – Dienstleute der Freiherren von Eschenbach-Schnabelburg – ist nicht erwiesen, gilt aber als nicht unwahrscheinlich. 1267 erhielten die Herren von Bonstetten Uster als Lehen von Graf Rudolf von Habsburg, der Burg und Herrschaft um 1264 für die minderjährige Erbin der Grafen von Kyburg verwaltet hatte. Das Lehen beinhaltete auch die Gerichtsbarkeit über den Ustermer Hof Nossikon und einen Teil von Kirchuster, der bäuerlichen Siedlung am Fuss des Burghügels. Ob die Burganlage, zusammen mit der Herrschaft Greifensee um 1300 von Gräfin Elisabeth von Rapperswil verpfändet wurde,[2] ist nicht zweifelsfrei gesichert. Im Appenzellerkrieg (1401-29) besetzten Schwyzer Truppen die Burganlage. Johannes von Bonstetten schloss aus diesem Grund im September 1407 einen Burgrechtsvertrag mit der Stadt Zürich, welche die Burg nun in Kriegszeiten mit Truppen besetzen konnte. Dem Herrn von Bonstetten wurde darin, als habsburgischem Lehnsnehmer, im Falle kriegerischer Auseinandersetzungen Zürichs mit Habsburg-Österreich, von Zürich eine neutrale Stellung zugesichert. Eine weitere Quelle erwähnt im Jahr 1444 die Zerstörung der Burg durch die Acht Alten Orte im Alten Zürichkrieg, was aber auf einer Verwechslung mit der Zerstörung von Greifensee beruhen dürfte – siehe Belagerung von Greifensee. 1474 verzichtete Habsburg-Österreich auf die Lehnshoheit über Uster, und die Rechte gingen an Zürich (Herrschaft Greifensee) über.

Neuzeit
«Anno domini 1492 verbran das Schloss zu Usteri in Grund. Die Bonstetten liessend die ausgebrenten mauren lär ston und bauten ein schön hauss von holtzwerk dernebend». Nachdem 1526 auch dieses Gebäude von einem Brand heimgesucht worden war, liess Batt von Bonstetten den «Turm oben abwerffen und ein schön geheüss darauf setzen».[3]

Durch Erbschaft gelangte die Burg im Jahr 1534 in den Besitz von Ludwig von Diesbach, gefolgt von mehreren Besitzwechseln innerhalb weniger Jahre. Einer der nächsten Inhaber, Hans Vogler, verkaufte 1544 alle noch zur Burg gehörenden Herrschaftsrechte an die Stadt Zürich. 1560 bis 1663 kam die Anlage an die Freiherren von Hohensax und erlebte in den nächsten zwei Jahrhunderten eine Vielzahl weiterer Besitzwechsel. Um 1663 beispielsweise zog mit Christoph Tschudi der Glarner Bauernadel aufs Schloss und nach weiteren Besitzwechseln zerfiel die Anlage zusehends. Hauptmann Schärer von Zürich liess sie 1752 wieder herrichten und erweiterte sie mit Wohntrakten. Im 19. Jahrhundert wechselte die Liegenschaft mehr als zwei Dutzend Mal den Besitzer. 1852 wurde die beständig ausgebaute Schlossanlage Sitz der Bezirksverwaltung.[4] Seit 1858 war die Anlage in den Händen der Zürcher Familie Escher. Der Textilfabrikant Jakob Heusser-Staub kaufte 1916 die Schlossanlage, liess sie 1917 restaurieren und schenkte das Anwesen samt Ökonomiebauten der Stadt Uster als Stiftung.

Während mehrerer Jahrzehnte wurde die Schlossanlage von der Kantonalen Bäuerinnenschule genutzt; seit 1. September 1995 von der privaten Schloss Schule Uster.

Anlage
Die ältesten Teile der heute sichtbaren Anlage reichen in die Zeit um 1200 zurück, als auf dem Hügel in unmittelbarer Nähe der Kirche von Uster wohl ein Wohnturm von 11 Metern Seitenlänge, mit bis zu 3,4 Metern dicken Mauern entstand. Brände zerstörten 1492 den Wohnturm und Teile der Burganlage, 1526 auch das zugehörige Wohnhaus, und so wurde die Anlage 1529 als repräsentatives Schloss und zeitweiliger Sitz der Zürcher Landvögte wieder aufgebaut. Der noch brauchbare Mauersockel wurde mit einem neuen Oberbau versehen, mehrheitlich wohl aus Fachwerk.

Vermutlich zwischen 1560 und 1663 erhielt der Turm einen neuen Oberbau mit Treppengiebeln, auf seiner Südseite wurde ein schmales Treppenhaus errichtet. Damals war die Anlage wohl auch noch von einer Ringmauer mit Zinnen umgeben. Unter den wechselnden Besitzern erfolgte die weitere Umgestaltung der Anlage: 1752 wurden am Turm, der ein Jahrhundert lang leer gestanden haben soll, zwei einstöckige Gebäude errichtet.

Der Usterapfel wurde 1760 erstmals auf dem Schloss Uster gepflanzt. Die Sorte kam von Holland her nach Uster.[5][6][7]

1852 wurde rund um den Turm ein zweistöckiger Neubau als Sitz der Bezirksverwaltung errichtet. Der baufällige Turm, welcher als Gefängnis der Bezirksverwaltung diente, wurde teilweise abgetragen, die Treppengiebel mit gerade abschliessendem Zinnenkranz versehen, worauf ein hoher, blechverkleideter Holz-Pavillon thronte. 1917 liess Jakob Heusser-Staub die bislang letzte Umgestaltung vornehmen, wobei er die obere Hälfte des Palas bis beinahe auf die Höhe der Anbauten abreissen und mit einem neuen Oberbau nach einer Vorlage aus dem 18. Jahrhundert rekonstruieren liess, wieder mit Treppengiebeln. Der darum herum gebaute Wohntrakt wurde umfassend erneuert, was dem heutigen Erscheinungsbild der Schlossanlage entspricht.

Weingut und Schlossgärtnerei
Schon im Mittelalter wurde in Uster Weinbau betrieben, insbesondere am südlichen Burghügel, mit erster urkundlicher Erwähnung im Jahr 1532, als im «Blindenholz» Reben standen und das «räbwerk nit kinder- noch wiberwerk» war. Auf dem Zehntenplan von 1678 erscheint der Burghügel gegen Süden mit Reben bepflanzt, und 1791 schrieb ein englischer Besucher, das Schloss Uster stehe «auf einem hohen Felsen, der bis an den Gipfel mit Weinstöcken bepflanzt ist». Im 19. Jahrhundert wuchs der Rebenbestand auf über vierzig Hektaren an, welche bis 1960 auf gerade nur noch fünf Aren zusammengeschmolzen waren und erst seit 1979 wieder an Anbaufläche dazugewonnen haben.[3]

Die Schlossgärtnerei der Schulen wird von privater Seite weiterhin gepflegt und kann wochentags besichtigt werden, ebenso der Rittersaal jeweils am Sonntag von Juli bis Oktober. Im Schlossrestaurant hat man eine weite Aussicht über Uster und den Greifensee hinweg bis zum Pfannenstiel und Adlisberg.

Literatur
Thomas Bitterli-Waldvogel: Schweizer Burgenführer. Basel/Berlin 1995. ISBN 3-7245-0865-4
Erwin Eugster: Adlige Territorialpolitik in der Ostschweiz. Kirchliche Stiftungen im Spannungsfeld früher landesherrlicher Verdrängungspolitik. Zürich 1991. ISBN 3-9052-7868-5
Werner Meyer (Red.): Burgen der Schweiz, Band 5: Kantone Zürich und Schaffhausen. Zürich 1982.
Hans Martin Gubler: Die Kunstdenkmäler des Kantons Zürich, Bd. III: Die Bezirke Pfäffikon und Uster. Basel 1978.
Heinrich Zeller-Werdmüller: Zürcherische Burgen in Mitteilungen der Antiquarischen Gesellschaft in Zürich, 48./49. Jahrgang. Zürich 1894–1895.
Weblinks
Commons: Schloss Uster – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Burgenwelt: Burg Uster
Website der Stadt Uster, Schloss Uster
Website Schloss Schule Uster
Einzelnachweise
1 Eugster, Adlige Territorialpolitik, S. 236–238 und S. 248.
2 Website Wagner Burgensammlung, Schloss Uster (Memento vom 24. August 2011 im Internet Archive), abgerufen am 16. März 2008
3 Website Zürcher Weinbauverband: Wie Uster mit seinem stolzen Schloss wieder zu einem Rebberg kam, abgerufen am 16. März 2008
4 Schloss Uster auf dickemauern.de, abgerufen am 16. März 2008
5 http://www.apfel.ch/produkte/details.aspx?SortenID=490 Infos apfel.ch am 22. Juli 2014
6 http://www.kunzbaumschulen.ch/fileadmin/user_upload/pdf/zo_9-7.pdf
7 http://www.bioaktuell.ch/fileadmin/documents/ba/medienspiegel/medienspiegel_2011/august-2011/GW_Obstsorten_2011-08-26.pdf 
von Bonstetten, Anna (I235)
 
35626 https://de.wikipedia.org/wiki/Schmid_(Patrizierfamilie) Schmid von der Kugel, Hans Heinrich (I56259)
 
35627 https://de.wikipedia.org/wiki/Schönau_(Adelsgeschlecht) von Schönau, Agnes (I18396)
 
35628 https://de.wikipedia.org/wiki/Schwanau von Ottenheim, Bärbel (I21772)
 
35629 https://de.wikipedia.org/wiki/Schwarzenburg_(Breisgau)

Die Schwarzenburg, historisch Schwarzenberg genannt, ist eine heute nur noch als Ruinenrest erhaltene Gipfelburg in Waldkirch im Landkreis Emmendingen.

Geschichte
Die Schwarzenburg wurde vermutlich zwischen 1122 und 1136 von den Schirmvögten des Frauenklosters St. Margarethen unter Conrad von Waldkilcha erbaut, der sich ab 1136 regelhaft als „de suarcinberc“ nannte und so zum Begründer des Adelsgeschlechtes derer von Schwarzenberg wurde. 1195 wurde Runstal vom damaligen Besitzer Konrad von Schwarzenberg an das Kloster Salem verkauft.

Mit dem letzten Konrad, vermutlich Vogt Konrad (IV) von Schwarzenberg, starb der männliche Stamm der Waldkircher Conradiner aus. 1213 gingen dessen Güter auf seine Schwester Adelheid, Ehefrau Walters I. von Eschenbach-Schnabelburg über. 1270 übernahm Johann, ein Nachkomme Adelheids, mit seinem Neffen Wilhelm aus der Schweiz kommend die Herrschaft und nannte sich fortan Johann I. von Schwarzenberg. Am 8. August 1300 verliehen Johann und Wilhelm von Schwarzenberg Waldkirch das Stadtrecht. 1315 wurde die Herrschaft geteilt: Johann übernahm die Kastelburg und Wilhelm blieb auf der Schwarzenburg.

Die Schwarzenberger Linie starb 1347 mit Burgherr Ulrich II. von Schwarzenberg aus. Sein Nachfolger war Johann III. von der Kastelberger Linie. Dies führte zur Wiedervereinigung der beiden Linien.

Nach dem Tode des Hans Werner von Schwarzenberg 1459 gelangte dessen Tochtermann Heinrich von Rechberg zu Hohenrechberg in den Besitz der Güter und das Vogteiamtes. 1503 trat Martin von Rechberg die Nachfolge seines verstorbenen Vaters Heinrich an. Ihm wiederum folgte 1540 sein Sohn Hans Ludwig von Rechberg. Nach dem Tod Hans Ludwigs 1542 erwarb Sebastian von Ehingen die Güter. Dieser wurde 1559 während der Hochzeitsfeierlichkeiten seiner Tochter von seinem Sohn erdolcht. Daraufhin bekam 1560 Hans Raphael von Reischach die Herrschaft Schwarzenberg zu Lehen übertragen.

1567 übernahm Erzherzog Ferdinand von Tirol die verschuldete Herrschaft Schwarzenberg. Dessen 1578 erfolgter Anordnung, die baufällige Burg abzutragen, wurde allerdings keine Folge geleistet. Eine Besichtigung 1583 durch die vorderösterreichische Regierung zu Ensisheim führte zu dem Befund Stark verfallen. Dem Bericht eines Chronisten des Margarethenstifts zufolge war 1590 von den Dachstühlen nichts mehr zu sehen und die Mauern waren eingestürzt. Die Ruine wurde schließlich als Steinbruch genutzt.

Seit 1975 wird die Burganlage erforscht und restauriert, seit 1980 ist sie begehbar. 1995 wurde von der Stadt Waldkirch bei der Ruine ein Schild mit den Geschichtsdaten der Burg angebracht.


Geographische Lage
Neben der Kastelburg ist die Schwarzenburg die weniger bekannte zweite Burgruine im Besitz der Stadt Waldkirch. Die Ruine der ehemaligen, 656,2 m ü. NHN[1] hoch auf dem Schwarzenberg, einem Ausläufer des Kandels, gelegenen Höhenburg ist schon so weit verfallen, dass nur noch einige Grundmauern zu sehen sind.

Zweck der Burggründung
Sie wurde vermutlich als Flucht- und Schutzburg angelegt, möglicherweise auch aus machtpolitischen Erwägungen der Schwarzenberger heraus, mit dieser bis weit in das Rheintal hinein sichtbaren Burg ihre Stellung als freies, nur dem Kaiser untergeordnetes Adelsgeschlecht zu demonstrieren.

Eigentümer der Burg
Ganz im Gegensatz zu Waldkirch und der später gegründeten Kastelburg war die Schwarzenburg kein österreichisches Lehen, sondern Eigentum der Schwarzenberger bis zu deren Aussterben Mitte des 15. Jahrhunderts.

Literatur
Alfons Zettler/Thomas Zotz: Die Burgen im mittelalterlichen Breisgau, I. Nördlicher Teil: Halbband L-Z. Jan Thorbecke Verlag, Ostfildern 2006, ISBN 978-3-7995-7365-8, S. 470–496.
Andreas Hassis Berner: Die Schwarzenburg bei Waldkirch, in: Stadt Waldkirch (Hrsg.): Beiträge zur Geschichte der Stadt Waldkirch, Band 6: 700 Jahre Stadtrecht Waldkirch 1300–2000, Waldkirch 2000, S. 121–147.
Franz Xaver Kraus: Die Kunstdenkmäler des Großherzogthums Baden, Tübingen und Leipzig, 1904, Sechster Band, Erste Abtheilung - Kreis Freiburg; S. 515–516 online.
Badische Historische Kommission (Herausgeber), bearbeitet von Albert Krieger: Topographisches Wörterbuch des Großherzogtums Baden, Heidelberg 1904, Band 2, Spalte 942–946 online unter Heidelberger historische Bestände - digital L-Z
Einzelnachweise
Kartendienste des Bundesamtes für Naturschutz (Hinweise)
Weblinks
Commons: Schwarzenburg (Breisgau) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Eintrag zu Schwarzenberg b. Waldkirch in der EBIDAT, der wissenschaftlichen Datenbank des Europäischen Burgeninstituts
Eintrag auf Landeskunde entdecken online leobw
waldkirch.info
Rekonstruktionszeichnung von Wolfgang Braun

 
von Schwarzenberg, Freiin Adelheid (I1302)
 
35630 https://de.wikipedia.org/wiki/Schwedische_Sagenkönige#Sigurd_Ring

Als schwedische Sagenkönige werden die Herrscher bezeichnet, welche die Volksgruppen regiert haben sollen, die vor dem 10. Jahrhundert das Gebiet des heutigen Schwedens und der umliegenden Regionen bewohnten.

Quellen
Über die schwedischen Sagenkönige wurde in nordischen Heldengedichten (Ynglingatal) und in den verschiedenen Islandsagas, wie der Ynglinga saga (Heimskringla) berichtet, ebenso im angelsächsischen Beowulfepos (8. Jhd.), der Historia Norwegiæ (um 1200), der Gesta Danorum (um 1190), Rimberts Vita sancti Ansgari (um 876) oder Adam von Bremens Kirchengeschichte (um 1070). In der Hervarar saga und in der Langfeðgatal norska konunga, wurden Königsreihen bis zum Jahr 1333 aufgestellt.

Historizität der Könige
Die Könige werden teils in den Bereich der Mythologie eingeordnet, teilweise wird zumindest ihre historische Existenz in der Geschichtswissenschaft für möglich gehalten.
So gibt es für die heidnische Zeit viele Sagenkönige mit Namen Erik: Erik Björnsson, Erik Emundsson, Erik Anundsson, Erik Revilsson, Erik Väderhatt. Sie können nicht als historisch angesehen werden. Auch der Sagenkönig Erik, der nach der Ynglingatal nebst seinem Bruder Alrik zum Geschlecht der Ynglinger gehörte, war nicht historisch. Die Ynglingatal macht die beiden zu Söhnen König Agnes. Nach Aris Íslendingabók und der Historia Norvegiae war Erik Alriks Sohn. Zu diesen beiden gab es viele Spekulationen. Mal sollten sie in die Völkerwanderungszeit gehören, mal eine Übertragung der griechischen Dioskuren sein, mal hieß es, sie seien in der Ynglingatal nur falsch eingeordnet und gehörten ins 9. Jahrhundert und Erik sei identisch mit einem König gleichen Namens bei Rimbert.
Auch Erik Årsäll hat keinen Platz in der schwedischen Königsreihe. Er wird in mancher historischen Literatur mit Erik Segersäll, Stenkil, König Kol und Erik dem Heiligen identifiziert. Er wird erstmals in einer Version der Sage von Olav dem Heiligen genannt und ist dort identisch mit Erik Sägersäll, dem letzten heidnischen König. Allerdings ist es möglich, dass er ein späterer Kronprätendent war, der den letzten heidnischen Widerstand in Schweden anführte. Denn in der Schilderung der HHeimskringla wird er im Zusammenhang mit Nils Svenssons und Sigurd Jorsalafaris Kreuzzug nach Småland nach Blot-Sven genannt. Dort wird er als der letzte heidnische König bezeichnet. Es scheint wahrscheinlicher, dass die Heimskringla den letzten heidnischen König Schwedens Erik Årsäll vom Ende des 10. Jahrhunderts in die 1120er Jahre als eine von Erik Segersäll zu unterscheidende Person verschoben hat, als dass die Saga von Olav dem Heiligen ihn aus der Zeit um 1120 in die Zeit vor Ollof Skötkonung verschoben und ihn mit Erik Segersäll verschmolzen hat. Die Tatsache, dass die isländische Genealogie Langfeðgatal norska konunga ihn ebenfalls in die Zeit nach 1130 gelegt hat, hat keinen selbständigen Quellenwert. Denn es handelt sich dabei um eine Kompilation von in Island gängigen Genealogien mit schwedischen Königsreihen vom Uppsalatyp. In der isländischen Genealogie wurde Sverker der Ältere „Kolsson“ genannt nach einem König Kol, der Blot-Svens Sohn gewesen sein soll. Langfeðgatals Unzuverlässigkeit ergibt sich auch daraus, dass dieser König Kol eigentlich nach 1170 gehören sollte und einer der Thronkandidaten des Sverkergeschlechts im Kampf gegen Knut Erikssons gewesen sein soll.[1]

Könige der Ynglingar und andere Regenten

Fjölnir
→ Hauptartikel: Fjölnir
Fjölnir, Fjolner oder Fjölner soll der Sohn des mythologischen Gottes Freyr und der Riesin Gerdhr gewesen sein. Laut der Dichtung Grottesången regierte er die Svear zur Zeit des Kaisers Augustus. In der Heimskringla wird berichtet, dass er in einem großen Behälter mit Met beim dänischen Sagenkönig Fróði ertrank.
Sveigder
Sveigder, Svegder oder Swegde war laut Heimskringla verheiratet mit Vana aus Wanenheim. Aus der Ynglingatal übernahm Snorri Sturluson die Geschichte seines Todes. Er soll auf der Suche nach Asgard in die östliche Randzone seines Reiches gewandert sein, wo ihn ein Zwerg so verzauberte, dass er diesem in einen großen Stein folgte, aus dem er nie wieder auftauchte.
Vanlade
Vanlade oder Vanlande wird als erfolgreicher Kämpfer beschrieben. Er besuchte Snær den Alten (eine Personifizierung von Schnee) in Finnland und wurde mit dessen Tochter Driva verheiratet. Später wurde er Opfer einer mystischen Frauengestalt (Mara), die wahrscheinlich eine Personifizierung des Erstickungstodes ist.
Visbur
Visbur folgt in der Heimskringla Vanlade als dessen Sohn. Mit einer Tochter von Auðr dem Reichen zeugte er die Söhne Gisl und Öndur. Nach der Trennung reiste seine Gemahlin zusammen mit den Kindern zurück in ihren Heimatort. Mit seiner zweiten Frau hatte Visbur den Sohn Domaldi. Später kehrten seine erstgeborenen Söhne zurück um die Mitgift der Mutter einzufordern. Als Visbur dies verweigerte, wurde er von Gisl und Öndur mit seinem Haus verbrannt.
Domaldi
Als Domaldi König in Alt-Uppsala war, gab es mehrere Jahre mit Missernten. Da keines seiner Tier- und Menschenopfer zur Verbesserung der Lage beitrug, opferte er sich zum Schluss selbst.
Domar
In Domars Regierungszeit gab es laut Heimskringla viel Wohlstand im Reich der Svear.
Dyggve
Auch Dyggves Jahre als König werden als erfolgreich beschrieben. Nach seinem Tod soll er in die Unterwelt gekommen sein und eine Tochter von Loki geheiratet haben, welche einen königlichen Mann wünschte.
Dag der Weise
Dag war ein Sohn Dyggves und soll die Sprache der Vögel verstanden haben. Er hatte einen gezähmten Spatzen, der herumflog und ihm die Neuigkeiten aus seinem Reich berichtete. Der Spatz wurde in Reidgotaland (wahrscheinlich das Gebiet der Ostgoten am Schwarzen Meer) getötet. Dag reiste in die Fremde um mit einem Angriff auf den Ort Varra den Mord an seinem Vogel zu rächen. Bei der Rückreise wurde er von einem Sklaven aus dem Hinterhalt erschlagen.
Agne
Die Heimskringla schreibt über Agne Skjafarbonde, dass er der Sohn von Dag dem Weisen war und dass er bei einem Raubzug in Finnland das hübsche Mädchen Skjalf Frostesdotter fing. Als sie wieder am Mälarsee waren, überredete Skjalf ihre Begleiter, so dass diese Agne mit seinem eigenen Goldhalsband am Ast einer Fichte aufhängten. Agne soll im Hügelgrab von Lillhersby bestattet worden sein.
Erik und Alrik
Die Söhne Agnes folgten ihm als Herrscher der Svear. Alrik und Erik sollen sich - je nach Überlieferung - gegenseitig mit dem Zaumzeug ihrer Pferde totgeschlagen haben, in der Gesta Danorum überlebt Erik das Duell jedoch.
Yngvi und Alf
Die Brüder Yngvi und Alf (oder Elfse) waren Nachkommen von Alrik. Alf soll still, ehrgeizig und wenig kommunikativ gewesen sein. Als er Yngvi mit seiner eigenen Frau auf dem Thron ertappte, ermordete er seinen Bruder. Yngvi gelang es jedoch einen tödlichen Schwerthieb gegen Alf zu richten, so dass beide zu Boden fielen.
Hugleik
Hugleik oder Ochilaik war laut Heimskringla Alfs Sohn. Er wird als unkriegerisch beschrieben, der die Gesellschaft von Gauklern und Wahrsagern (Völva) dem Kampfgetümmel vorzog. Als der Krieger Haki Alt-Uppsala anfiel, wurde Hugleik zusammen mit seinen zwei Söhnen ermordet.
Haki
Haki war nach seinem Sieg zwei Jahre König der Svear. Er wurde von Hugleiks Cousins Jorund und Erik angegriffen. Erik fiel in der Schlacht und auch Haki erlag später seinen Verletzungen.
Jorund
Jorund plünderte nach seiner Machtübernahme (wahrscheinlich im 5. Jahrhundert) in den Nachbarländern. Als er sich in Dänemark in einer Bucht des Limfjord befand, wurde er vom norwegischen König Gylaug aufgespürt, dessen Vater er zusammen mit Erik ermordet hatte. Die Dänen halfen den Norwegern, was zu Jorunds Festnahme und Hinrichtung am Galgen führte.
Aun
Aun, On, One, Auchun oder Aun der Alte, der Sohn von Jorund, wird in den Sagen als weiser König beschrieben, der wenig kriegerisch war und mehr an der Erhaltung des Friedens interessiert war. Er wurde vom dänischen Prinzen Halfdan angegriffen unund flüchtete nach verlorener Schlacht zu den Gauten in Västergötland. Nach Halfdans Tod kehrte Aun nach Uppsala zurück doch er war schon 60 Jahre alt und opferte deswegen seinen eigenen Sohn an Odin, um noch einmal 60 Jahre leben zu können. Nach 25 Jahren wurde Aun von Ale dem Starken, einem Cousin von Halfdan angegriffen, und in mehreren Schlachten besiegt, so dass Aun erneut nach zu den Gauten flüchtete. Ale herrschte bis er von Starkad dem Alten geschlagen wurde.
Aun übernahm den Thron erneut, doch nun forderte Odin von ihm, dass er alle zehn Jahre einen Sohn opfern solle, wenn er länger leben wolle. Als Aun etwa 200 Jahre alt war, hinderten ihn die Svear an einem erneuten Menschenopfer und so wurde sein Sohn Egil König. Aun soll in einem Grabhügel in Alt-Uppsala beerdigt worden sein.
Egil
Auch Egil oder Ongenþeow wird in den Schriften, genau wie sein Vater als friedlich beschrieben. Laut Heimskringla kaufte sich Egils Schatzmeister, Tunni, ein Heer für das Geld, welches er heimlich aus dem königlichen Vermögen entwendete. In acht Schlachten wird Egil gezwungen nach Dänemark zu flüchten, wo er eine neue Armee erhält unter der Voraussetzung, dass er Steuern an die dänische Seite zahlt. Egil soll bei einer Jagd von einem wilden Stier tödlich verwundet worden sein.
Ottar oder Ohtere
Die Ynglingatal nennt Ottar als König in Alt-Uppsala für die erste Hälfte des 6. Jahrhunderts. Manche Forscher identifizieren ihn mit dem im Beowulf genannten Ohtere, wonach Ohtere zwei Söhne namens Eanmund und Edgilds hatte, von denen letzterer später König wurde. Ohtere soll zusammen mit den Gauten oder Goten gegen seinen Bruder Onela gekämpft haben, der ihm als König folgte.
Ottar starb in Vendel, welches in Snorris Heimskringla klar als der nördliche Bereich von Jütland identifiziert wird. Andererseits ist er nach schwedischem Volksglauben aus späterer Zeit im Ottarshögen in der Gemeinde Tierp im nördlichen Uppland begraben. Diese Region ist auch als Vendeln bekannt und war Namensgeber für die historische Periode der Vendelzeit.
Ottar trägt oftmals den Beinamen Vendelkråka, doch die Bedeutung dieser Bezeichnung ist umstritten. Snorri erklärt den ersten Namensteil mit dem Todesort und den zweiten damit, dass die Dänen nur eine hölzerne Krähe (schwedisch: kråka) anstelle des Leichnams nach Schweden schickten.
Onela
Onela, Ale, Åle oder Ole wurde laut dem Dichtwerk Beowulf im frühen 6. Jahrhundert König der Svear nachdem sein Bruder Ottar im Kampf gefallen war. Ottars Söhne Eanmund und Edgilds suchten Schutz bei Heardred, welcher König der Geatas war. Onela greift Heardred an und tötet diesen. Auch Eanmund stirbt im Kampfgetümmel doch Edgilds kann entkommen und später seinen Onkel besiegen.
In skandinavischen Dichtungen wie Ynglingatal und einigen von Snorri Sturlusons Werken trägt Onela den Namen Ale von Uppland, doch er wird als norwegischer König beschrieben. Dies könnte auf einer Verwechslung der Landschaften Uppland in Schweden und Oppland in Norwegen beruhen.
Edgilds oder Adils
Edgilds wurde König, nachdem er Onela in der Schlacht auf dem Eis (laut Skjöldunga-Saga des Vänern) besiegte. Er wird in fast allen nordischen Sagas genannt. Snorri berichtet, dass er in Alt-Uppsala begraben wurde.
Bei Ausgrabungen im westlichen Grabhügel von Alt-Uppsala fand man die Reste eines reich dekorierten Schwerthalters, Spielsteine aus Elfenbein und Schmucksteine aus dem Nahen Osten. Die Funde wurden auf 575 n.Ch. datiert und könnten Edgilds Grabbeigaben darstellen.
Eysteinn und Sölve
Der Sohn von Edgilds trug den Namen Eysteinn oder Östen und regierte Schweden laut Snorri Sturluson in einer unruhigen Zeit als mehrere Piraten die Küste des Landes bedrohten. Einer von diesen war Sölve, der aus Jütland kam (laut Historia Norwegiæ war er ein Gaute). Sölve fuhr über die Ostsee nach Lofon (wahrscheinlich die Insel Lövön im Mälarsee oder die ehemalige Harde Lagunda in Uppland) wo Eysteinn residierte. Es war Nacht und die Eindringlinge umzingelten die Häuser und setzten alles in Brand wobei die Bewohner starben. Sölve zog weiter nach Sigtuna und verlangte von den Schweden, dass sie ihn als König akzeptieren, doch erst nach einer 11-tägigen Schlacht gaben sich die Schweden geschlagen. Später kam es zu einer Rebellion bei der Sölve getötet wurde.
Ingvar
→ Hauptartikel: Yngvar Harra
Yngvar Harra wird sowohl in der Ynglinga saga als auch in der Historia Norvegiae genannt. Beide stützen sich auch auf die ältere Ynglingatal.
Ingvar war der Sohn von Eysteinn und wird als guter Krieger beschrieben. Er kämpfte mehrfach gegen Wikinger im Baltikum (Eistland). Eines Sommers kam es in Eycilla (Ösel) bei einem Ort namens Stein zu einer großen Schlacht. Die gegnerischen Truppen waren zu stark und Ingvar fiel. Diese Ereignisse werden als historisch möglich angesehen[2]. Die gefundenen Wikingerschiffsgräber von Salme sind archäologische Zeugnisse für die Anwesenheit von Skandinaviern auf Ösel in dieser Zeit.
Bröt-Anund
Bröt-Anund (altnordisch: Brøt-Anundr oder Braut-Önundr), was so viel wie „Anund der Landbereiniger“ bedeutet, soll die Svear in der ersten Hälfte des 7. Jahrhunderts regiert haben. Er folgte seinem Vater Ingvar nach und soll Schweden in einer Zeit reicher Ernten geführt haben. Anund ließ Wege anlegen und Wälder roden, wonach sich sein Volk auch in abgelegenen Teilen des Landes niederließ. Er baute in jedem Distrikt ein Haus für sich und war ein Reisekönig. Er setzte die Kriegszüge seines Vaters nach Estland fort, schon um seinen Vater zu rächen, und machte da reiche Beute. Deshalb wurde er auch in der Ynglingatal „Estlands Feind“ genannt. Die Historia Norvegiae kennt diesen Estlandszug nicht. Möglicherweise hängen die Estland-Kriege damit zusammen, dass nach der Einverleibung des Västgötariket und Gotland nun eine Expansion über das Meer ins Auge gefasst wurde.[3]
Eines Herbsts befand er sich zwischen zwei Bergen bei einem Ort namens Himinheiðr (Himmelshitze), wo ihn ein Erdrutsch überraschte, der ihn tötete. Die Namensähnlichkeit könnte auf einen Ort im Kirchspiel Himmeta in Västmanland hindeuten. Danach wäre Anund im Grabhügel Ströbohögen am Stadtrand von Köping begraben. Meist wird aber der Anundshög bei Västerås als seine letzte Ruhestätte beschrieben.
Ingjald
Anunds Sohn Ingjald (Regierungszeit um 640 – kurz nach 650), der oft den Beinamen Illråde („der Böswillige“) trägt, wird als grausamer König beschrieben, der aber durch seine Politik mehrere Gebiete des heutigen Schweden unter sich vereinte. Lauaut den Sagas soll er in seiner Kindheit von seinem Stiefvater gezwungen worden sein, ein Wolfsherz zu essen, um seinen Charakter gegen Schwachheit zu wappnen. Beim „gravöl“ (= Beerdigungsbier) für seinen Vater soll er die Unterkönige anliegendeer Provinzen in ihren Schlafgemächern verbrannt haben. Danach zog er zum Lager des Stammesführers von Södermanland und brandschatzte dort, da dieser nicht beim Empfang erschienen war. Östergötland soll jedoch trotz mehrerer Angriffe durch Ingjald seine Selbstständigkeit bewahrt haben. Er wurde dann selbst von Ivar, der aus Schonen anrückte, angegriffen und beging Selbstmord, um nicht in dessen Hände zu fallen.[4]
Ingjald hatte einen Sohn Olov und eine Tochter Åsa. Er verheiratete Åsa an König Gudröd in Schonen und brachte diesen dazu, seinen Bruder Halvdan zu ermorden und plante auch dessen eigenen Tod. Doch bei der Ausführung der Tat starb auch er. Åsas Sohn Ivar vidfamne sammelte ein Heer und zog gegen Ingjald und Åsa, die sich selbst verbrannten, um der Ermordung durch Ivar zu entgehen.
Ingjald und Ivar vidfamne werden in der Ynglinga saga und in der Hervarar saga und einigen anderen isländischen Quellen erwähnt.[5] Diesen Sagen zufolge soll Ingjalds Sohn Olov (Olov Ingjaldsson) alias Olaf Trätelgja (schwedisch Olaf Trätälja, norwegisch Olav Tretelgja) nach Norwegen geflohen sein und dort ein neues Reich errichtet haben. Er gilt als Stammvater des norwegischen Zweiges der Ynglingler.
Geschlecht der Skjöldungar und Nachkommen von Ragnar Lodbrok[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Das Geschlecht der Sköldungar folgte dem Geschlecht der Ynglinger nach, nachdem dessen letzter männlicher Thronfolger Olov außer Landes gegangen war.
Ivar Vidfamne
→ Hauptartikel: Ivar Vidfamne
Ivar Vidfamne († gegen 700) war ursprünglich König in Schonen und soll laut Snorri Sturluson zwischen 655 und 695 das damalige Schweden regiert haben. Später soll er auch König in Dänemark, Norwegen und Teilen von England gewesen sein.
Ivar wird als gemein und machthungrig beschrieben. Er zog durch das nördliche Europa und machte sich die Bevölkerung der erreichten Gebiete zu Untertanen. In Dänemark soll er Rörek, den Mann seiner Tochter, als Kleinkönig in Själland installiert und später erschlagen lassen haben. Es gibt unterschiedliche Angaben über Einzelheiten seines Lebens in verschiedenen Sagas.
Bei einer Fahrt ins Gardarike soll er seinem Schwiegersohn Rádbarðr nachgesprungen sein, der sich ins Wasser geflüchtet hatte. Ivar soll nie mehr aufgetaucht sein. In anderen Sagas wird sein Tod in einer Schlacht oder friedlich genannt.
Harald Hildetand
Zu Harald „Kriegszahns“ Herkunft gibt es in den vorhandenen Sagen und Chroniken unterschiedliche Aussagen. Oft wird er als Enkel von Ivar Vidfamne beschrieben. Seine Kindheit verbrachte er im Gardarike. Als Ivar starb soll Harald nach Seeland gezogen sein, wo er als König anerkannt wurde. In Schweden waren die Provinzkönige gerade dabei wieder ihre alten Gebiete zu besetzen, als sie von Harald herausgefordert wurden. Diese nahmen an, dass der Kampf gegen den gerade 15-jährigen leicht sein werde, doch Harald konnte alle besiegen und das Herrschaftsgebiet seiner Familie behaupten.
Er weitete sein Reich weiter aus und besetzte auch die historische Provinz Wendland. Die dänische Schrift Chronicon Lethrense schreibt sogar, dass Haralds Imperium bis zum Mittelmeer reichte. Über seinen genauen Einfluss in schwedischen Regionen gibt es in den verschiedenen Quellen unterschiedliche Angaben. Saxo Grammaticus schrieb ihm Schweden und Dänemark zu. Die isländischen Quellen darüber hinaus das Wendenland, als das slawische Gebiet südlich der Ostsee, große Teile von Westeuropa und in England, wo er den König Northumbrias geschlagen haben soll. Saxo nennt nicht Ivar vidfamne als seinen Vater. Seine Quellen und seine Stammtafel sind von denen der isländischen Quellen verschieden.
Harald wurde sehr alt, nach den Sagas 150 Jahre. Einer Überlieferung nach habe Harald den Tod eines Kriegers sterben wollen, um nach Walhall zu kommen, und soll deshalb seinen über Uppland herrschenden Unterkönig Sigurd Ring zu einer Schlacht herausgefordert haben. Anderen Überlieferungen zufolge sei der Kriegsgrund gewesen, dass der junge Sigurd sich von dem alternden und schwächer auftretenden Harald zunehmend unabhängiger gemacht und von seinem Herrschaftsbereich aus Einfälle von Plündererbanden in Haralds Reich gedeckt habe. Harald fiel schließlich in der legendären Schlacht von Bråvalla (zwischen 715 und 740).
Sigurd Ring
Sigurd, laut den nordischen Sagas der Sohn von Harald Hildetands Halbbruder, wurde von Harald als Unterkönig in Dänemark eingesetzt. Nach der Schlacht von Bråvalla wurde er Herrscher (um 750) über das gesamte Reich seines Onkels.
Der historische Hintergrund dürfte sein, dass das alte schwedische Gebiet Svealand, Västergötland und Gotland aus der dänisch-schwedischen Union auszubrechen trachtete und die südlichen Reichsteile angriff. Nach der Schlacht von Bråvalla unterwarfen die Svear Östergötland, dann Småland, Öland und Blekinge. Damit war zu Beginn des 9. Jahrhunderts das Schwedische Reich errichtet.[6]
Sigurd soll laut Skjöldunga-Saga Alfhild, die Tochter des Königs von Lichtelfenheim geheiratet und mit ihr den Sohn Ragnar Lodbrok gezeugt haben. Nach Alfhilds Tod kam er als alter Mann zu einem Opferfest in Norwegen. Dort traf er ein schönes Määdchen, welches die Tochter eines Königs von Vendel (Vendsyssel-Thy) war. Die Brüder des Mädchens stellten sich gegen eine Heirat von Sigurd mit ihrer Schwester und forderten ihn zum Kampf heraus. Sigurd konnte beide töten, doch die Brüder hatten ihre Schwester schon vergiftet. Sigurd lud die drei Leichen auf ein Schiff und fuhr aufs Meer hinaus, wo das Boot verbrannte.
Über die Zeit zwischen der Schlacht von Bråvalla und 800 gibt es keinerlei Informationen aus den Quellen. Danach berichtet die Vita Anskarii des Rimbert, dass bereits vor dem ersten Besuch Ansgars um 830 bis zu seinem zweiten Besuch 855 die schwedischen Könige ihren Sitz in Birka hatten.[7]
Ragnar Lodbrok
Dieser Ragnar Lodbrok ist nicht identisch mit dem Ragnar Lodbrok, der als Wikinger Paris angriff. Es wird jedoch berichtet, dass er ein Sohn Sigurd Ring sein soll.
Östen Beli
Östen Beli oder Eysteinn Beli wurde von Ragnar als Verwalter des Reiches der Svear eingesetzt und stieg später zum König auf. Laut der Ragnar-Lodbrok-Saga soll Östen unzählig viele Opferzeremonien in Alt-Uppsala abgehalten haben. Später wurde er von Ragnars Sohn Björn Järnsida abgelöst.
Der normannische Herzog Rollo behauptete später, sein Vater Røgnvald Eysteinsson sei ein Nachkomme (Sohn) von Sigurds Sohn Östen (Eystein) gewesen. Schwedische Quellen bezeichneten Rollo daher als Rolf Ragnvaldsson.

Könige des Geschlechts der Munsö
Das Geschlecht der Munsö (schwed. Munsöätten) wird das fiktive Königsgeschlecht genannt, das die alten Sagengeschlechter der Ynglingar und Skjöldungar abgelöst haben soll. Die meisten sind nicht historisch nachgewiesen, so dass auch sie als Sagenkönige bezeichnet werden. Als Stammvater gilt Björn Järnsida, der genaue Ablauf des Übergangs zwischen den Königsgeschlechtern ist jedoch unklar.
Björn Järnsida
Björn Järnsida, auch Björn Járnsíða, ist wahrscheinlich ein vollkommen fiktiver König, der den Sagen zufolge zwischen 785 und 800 auftrat und ein legendärer Wikinger war. Er war einer der Söhne Ragnar Lodbroks. Er soll an Plünderungen in Italien teilgenommen und mit seinem Vater zusammen Paris erobert haben.
Den Namen järnsida (deutsch Eisenseite) erhielt Björn der Sage nach, weil er in Kämpfen nie verletzt wurde. Nach der Hervarar-Sage erhielt er nach dem Tod seines Vaters Svealand, während sein Bruder Sigurd Orm i öga den Rest von Skandinavien erhielt.
Es wird angenommen, dass Björn der Gründer des ebenfalls fiktiven Geschlechts der Munsö war, das jedoch in keinen relevanten, historischen Quelle Erwähnung findet. Er soll im Björnshögen in der Nähe von Husby auf Munsö im Mälaren begraben sein. Björns Söhne hießen Refil und Erik Björnsson, wobei letzterer den Thron von Björn über Svealand geerbet haben soll.
Erik Björnsson
Erik Björnsson war ein Sohn Björn Järnsidas und nach der Hervarar-Sage folgte er seinem Vater als König der Svear. Nach einer kurzen Regentschaft trat sein Neffe Erik Refilsson die Nachfolge an. Eriks Söhne Björn på Håga und Anund Uppsale waren später die Nachfolger von Erik Refilsson und regierten zusammen als Könige der Svear.
Erik Refilsson
Die Hervarar-Sage bezeichnet Erik als einen kraftvollen Kämpfer und reichen König: Þá tók ríkit Eiríkr, sonr Refils; hann var mikill hermaðr ok allríkr konungr. Rimbert notierte, dass Erik so erfolgreich war, dass man Ansgar bei dessen zweiten Besuch in Schweden vorschlug, anstelle des Gottes der Christen Erik zum Gott zu machen. Snorri Sturluson schreibt in seinem Werk Skáldatal, dass Erik einen Skalden namens Álfr jarl inn litli an seinem Hof hatte.
Björn på Håga und Anund Uppsale
Beide Brüder regierten das Reich der Svear anfänglich gemeinsam, doch sie hatten unterschiedliche Lager. Björn trug seinen Beinamen på Håga, da er seine Residenz bei einem alten Grabhügel auf der Insel Adelsön nahe Birka hatte, der die Bezeichnung Hågahögen trägt. Von hier aus konnte er die nahe Handelsstadt gut überwachen. Sein Bruder soll beim Kultzentrum Alt-Uppsala gewohnt haben, was ihm seinen Beinamen einbrachte. Adelsön war von König Adils errichtet worden, und dies wird dahingehend gedeutet, dass hier ein Zweig des alten Ynglingen-Geschlechts die Herrschaft übernommen habe.[8]
Rimbert schreibt in seiner Biografie Ansgars, dass Björn den fränkischen Kaiser Ludwig den Frommen bat, christliche Missionäre nach Birka zu schicken, woraufhin Ansgar 829 nach Norden fuhr. Björn empfing ihn auf seinem Hof und erlaubte ihm, eine christliche Gemeinde zu gründen. Snorri zitiert in seinen Werken einige Dichtungen des Skalden Brage Boddason, der am Hofe Björns gewohnt haben soll. Dieser wird auch in der Hervarar-Saga genannt.
Über Anund berichtet Rimbert, dass er später aus Schweden vertrieben wurde. In den 840er Jahren soll er mit 11 eigenen und 21 dänischen Schiffen zurückgekehrt sein. Anund hatte den Dänen reiche Kriegsbeute für die Teilnahme an dem Kriegszug geboboten, doch als sie in Birka ankamen, war Björn verreist. Anund verlangte von den Bewohnern der Stadt, dass sie hundert Mark in Silber zahlen sollten, um ein Abbrennen der Siedlung zu verhindern, und so erhielt er das Geld. Die Dänen fühlten sicich nun betrogen und planten einen Überraschungsangriff auf die Stadt, doch Anund konnte sie davon abhalten. Man entschloss sich stattdessen, Lose zu ziehen (wahrscheinlicher ist die Befragung eines Orakels). Die Antwort lautete, dass ein Angriff auf Birka Unglück bringen werde und es ratsamer sei, eine slawische Siedlung zu plündern. Dieses Vorhaben wurde ausgeführt und endete mit reicher Kriegsbeute.
Anund verblieb in Schweden und laut Hervarar-Sage folgte sein Sohn Erik ihm und seinem Bruder Björn. Adam von Bremen und Rimbert berichten jedoch, dass Björns Sohn Olof neuer König der Svear wurde. Diese Unstimmigkeiten können zum einen darauf beruhen, dass Schweden in den folgenden Jahren keine Doppelherrscher mehr hatte, oder es liegt daran, dass die knappen Quellen die Details der Doppelregentschaft nicht bis in die heutige Zeit überliefern.
Olof und Erik
Bezüglich der Mitte des 9. Jahrhunderts widersprechen sich die vorhandenen Quellen deutlich. Adam von Bremen und Rimbert nennen einen Olof als König der Svear. Die Hervarar-Sage umschreibt dagegen einen Erik Anundsson, der mit Harald I. von Norwegen im Krieg gestanden haben soll. Die Ynglinga-Saga von Snorri berichtet über einen Erik Emundsson, der auch König in Västergötland, Dalsland, Bohuslän und Värmland war und später Västergötland an Harald I. verlor.
Snorri schreibt außerdem, dass Erik einmal gemeinsam mit Harald in Värmland bei einem Åke zu Besuch war. Åke brachte Erik in einer alten Halle mit alten Trinkbechern unter und Harald in einer neuen Halle mit frischen Trinkbechern. Als sich Erik beschwerte entschuldigte sich Åke damit, das Erik ein alter Mann sei und Harald ein junger Mann im besten Alter. Erik wurde wütend und ermordete Åke.
Bei Olaus Magnus und Saxo Grammaticus wird anderseits ein Erik Väderhatt für die genannte Zeit beschrieben. Sein Beiname soll auf die guten Winde zurückzuführen sein, die er bei seinen Plünderungszügen im Ostseeraum hatte.
Inwieweit es sich bei den genannten Personen mit Namen Erik um ein und dieselbe Person handelt und der Umstand ob und wie sie mit Olof zusammen regierten, ist nicht geklärt.
Ring, Erik, Emund und Björn der Alte
Die Könige Ring, Erik Ringsson und Emund Eriksson folgten laut Adam von Bremen in der genannten Reihenfolge aufeinander und standen in direkter Vaterschaftslinie. Rings Herkunft ist unklar doch er soll 935 oder 936 König der Svear gewesen sein, als Erzbischof Unni in Birka eintraf. Adam berichtet auch, dass Emund eine Allianz mit Harald Blauzahn eingegangen sei.
Die Hervarar-Saga nennt Björn den Alten als König nach 950, doch es ist auch möglich, dass er zusammen mit Emund regierte.
Der Nachfolger Erik der Siegesfrohe, der wahrscheinlich zeitweilig mit Olof II. Björnsson zusammen regierte, gilt als historisch belegt und ist deswegen in der Liste der Könige von Schweden aufgeführt.


Siehe auch
• Liste der Könige von Schweden
Fußnoten
1 „Erik, sagokungar“ in: Svensk biografisk lexikon
2 Nerman, S. 13.
3 Nermann S. 14.
4 Nerman S. 14.
5 Nerman S. 17.
6 Nerman S. 22.
7 Vita Anskarii 11.
8 Nerman S. 24.
Literatur
• Birger Nerman: Sveriges första storhedstid. Stockholm 1942.
Weblinks
 Commons: Schwedische Sagenkönige – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien 
von Dänemark, Sigurd Ring (I7492)
 
35631 https://de.wikipedia.org/wiki/Schweinfurt_(Adelsgeschlecht)

Schweinfurt ist der Name eines alten deutschen Adelsgeschlechts.

Herkunft
Ihre Herkunft ist ungewiss. Vermutlich war der erste Markgraf Berthold ein Sohn oder Enkel des bayrischen Herzogs Arnulfs des Bösen aus dem Geschlecht der Luitpoldinger. Gesichert ist, dass der Babenberger Luitpold I. ein Bruder oder Neffe Bertholds war. Eine Abstammung von den Popponen ist eventuell über eine mütterliche Linie möglich. 1057 starben die Markgrafen aus. Deren Ländereien erbten die Grafen von Andechs und von Andechs-Meranien, nachdem Gisela von Schweinfurt mit Graf Arnold von Dießen vermählt war.

Markgrafschaft Schweinfurt
Die Grafschaft Schweinfurt gründete sich auf Besitzungen im Nordgau, im Radenzgau und im Volkfeldgau, die durch eine Kette von Burgen gesichert war, wodurch der Markgraf eine wichtige Position im zentralen Reichsgebiet einnahm. Die Hauptburg der Markgrafen von Schweinfurt lag auf der Peterstirn, östlich der heutigen Stadt.
Nach der Schweinfurter Fehde wurde die Grafschaft zerschlagen und hinterließ ein Machtvakuum in der Region, welches der König zur Stärkung seines Einflusses zur Gründung des Bistums Bamberg nutzte.

Persönlichkeiten
• Berthold von Schweinfurt († 15. Januar 980), Graf im Nordgau
• Burchard I. von Halberstadt, Bischof von Halberstadt
• Eilika von Schweinfurt, Gründerin des Benediktinerklosters Schweinfurt
• Heinrich von Schweinfurt († 18. September 1017), dessen Sohn, Markgraf im bayerischen Nordgau.
• Otto von Schweinfurt († 28. September 1057), dessen Sohn, Herzog von Schwaben
• Judith von Schweinfurt (* vor 1003; † 2. August 1058) war eine Herzogin von Böhmen


Siehe auch
• Liste hochadeliger Familien in Franken
Literatur
• Rudolf Endres: Die Rolle der Grafen von Schweinfurt in der Besiedelung Nordostbayerns. In: Jahrbuch für Fränkische Landesforschung 32. Neustadt 1972. S. 1–45.
• Werner Emmerich: Landesburgen in ottonischer Zeit. In: Archiv für Geschichte von Oberfranken. Band 37/3. Bayreuth 1957. S. 50–97.
• Peter Ettel: Die Burgen der Schweinfurter – historische und archäologische Überlieferungen. In: Peter Sachenbacher, Hans-Jürgen Beier: Der Orlagau im Frühen und Hohen Mittelalter. Langenweissbach 2007. S. 185–197.
• Erich von Guttenberg: Die Territorienbildung am Obermain, Teil I und II. In: Bericht des Historischen Vereins für die Pflege der Geschichte des ehemaligen Fürstbistums Bamberg 39. Bamberg 1927.
• Hubertus Seibert: Schweinfurt. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 24, Duncker & Humblot, Berlin 2010, ISBN 978-3-428-11205-0, S. 49 f. (Digitalisat).

 
von Schwaben, Gisela (I1281)
 
35632 https://de.wikipedia.org/wiki/Schwieberdingen Leutrum von Ertingen, Philipp Christoph (I22169)
 
35633 https://de.wikipedia.org/wiki/Schœnau von Schönau, Itelek (I21633)
 
35634 https://de.wikipedia.org/wiki/Seengen

Seengen

Seengen (schweizerdeutsch: ˈseːŋə) ist eine Einwohnergemeinde im Bezirk Lenzburg im Schweizer Kanton Aargau. Sie liegt im Seetal am Nordende des Hallwilersees.

Geographie
Das Zentrum des weit verzweigten Dorfes liegt rund einen Kilometer vom Ufer des Sees entfernt am östlichen Rand des Seetals. In Richtung Westen erstreckt sich die flache Ebene des Aabachs. Das Gelände rund um die Nordspitze des Sees ist versumpft und steht unter Naturschutz. In Richtung Osten und Norden befinden sich die sanft abfallenden Hänge des 712 Meter hohen Eichbergs. Dieser ist ein Teil der Rietenberg-Kette, der die natürliche Grenze zum Bünztal bildet. Im Südosten, wo die Hänge auf das Seeufer treffen, wird Weinbau betrieben.[3]

Die Fläche des Gemeindegebiets beträgt 1035 Hektaren, davon sind 313 Hektaren bewaldet und 133 Hektaren überbaut. Der höchste Punkt befindet sich auf 712 Metern auf dem Eichberg, der tiefste auf 441 Metern am Ufer des Aabachs am Dreigrenzpunkt zu Hallwil und Seon.

Nachbargemeinden sind Egliswil im Norden, Villmergen im Nordosten, Sarmenstorf im Südosten, Meisterschwanden im Süden, Boniswil im Südwesten, Hallwil im Westen und Seon im Nordwesten.

Geschichte
Bereits vor 5000 Jahren, während der Jungsteinzeit, lebten Menschen am Ufer des Hallwilersees. Auf dem Gebiet der Gemeinde Seengen befanden sich während der Zeit des Römischen Reiches drei Gutshöfe. Der eine befand sich bei der heutigen Kirche und war im 1. und 2. Jahrhundert bewohnt, wie verschiedene Funde von Terra Sigillata, Ziegelstempeln und Mosaikfragmenten ergaben. Die beiden anderen Gutshöfe (aus dem 2. und 3. Jahrhundert) befanden sich unmittelbar nebeneinander auf der Höhe des Marksteins und waren durch einen gepflästerten Boden miteinander verbunden.[4]

Archäologische Funde weisen auf die nachfolgende Besiedlung durch Alamannen hin. Die erste urkundliche Erwähnung von Seynga erfolgte im Jahr 893 in einem Zinsrodel des Fraumünsters in Zürich. Der Ortsname stammt vom althochdeutschen Seingun, was «bei den Siedlern am See(ufer)» bedeutet.[5] Im späten 12. Jahrhundert liessen die Hallwyler am Aabach einen Wohnturm errichten, aus dem sich das Schloss Hallwyl entwickelte. Die Hallwyler waren damals ein einflussreiches Ministerialengeschlecht im Dienste der Grafen von Lenzburg, ab 1173 der Grafen von Kyburg. Nachdem diese ausgestorben waren, wurden die Habsburger im Jahr 1264 die neuen Landesherren.

1415 eroberten die Eidgenossen den Aargau; Seengen gehörte nun zum Untertanengebiet der Stadt Bern, dem so genannten Berner Aargau. Das Dorf war der Hauptort eines Gerichtsbezirks im Amt Lenzburg, in welchem die Herren von Hallwyl die niedere Gerichtsbarkeit und weitere Rechte ausübten. 1528 führten die Berner die Reformation ein. Der 1346 erstmals erwähnte Eichhof, ein ehemaliger Steckhof, wurde um 1750 in das Gemeinwesen integriert.

Im März 1798 nahmen die Franzosen die Schweiz ein, entmachteten die «Gnädigen Herren» von Bern und riefen die Helvetische Republik aus. Seengen gehört seither zum Kanton Aargau. Bis ins 20. Jahrhundert hinein blieb Seengen ein landwirtschaftlich geprägtes Dorf. Die 1883 eröffnete Seetalbahn verläuft weit abseits des Dorfes am westlichen Rand des Tals. Aus diesem Grund entwickelte sich die Industrie nur langsam. Mitte der 1970er Jahre begann jedoch eine rege Bautätigkeit, die fast eine Verdoppelung der Einwohnerzahl zur Folge hatte.

Sehenswürdigkeiten

Siehe auch: Liste der Kulturgüter in Seengen

Schloss Hallwyl
Wahrzeichen von Seengen ist das Schloss Hallwyl. Der Stammsitz der Hallwyler ist eines der bedeutendsten Wasserschlösser der Schweiz und liegt auf zwei künstlichen Inseln im Aabach, rund einen Kilometer westlich des Dorfzentrums.

Etwa einen Kilometer in südlicher Richtung befindet sich das Schloss Brestenberg. Dabei handelt es sich um einen Landsitz der Hallwyler, der 1625 durch den Ausbau eines bereits im 16. Jahrhundert gebauten Hauses entstanden war. Im 19. Jahrhundert gab es dort eine in ganz Europa bekannte Wasserkuranstalt; heute ist das Schloss in Privatbesitz und nicht öffentlich zugänglich.

Die alte spätgotische Kirche von Seengen, die 1496 neu geweiht worden war, wurde mit der Zeit immer baufälliger und wurde 1825 abgerissen. Als Ersatz entstand 1820/21 ein Neubau im spätklassizistischen Stil. Baumeister war Kopp aus Beromünster, der zur selben Zeit eine fast baugleiche Kirche in Meisterschwanden errichtete. Der Innenraum ist oval, während die Aussenmauern ein gestrecktes Achteck bilden. Das Pfarrhaus wurde 1742 errichtet.

Die ehemalige Untervogtei an der Kreuzgasse entstand um 1440 im Auftrag Rudolfs IV. von Hallwyl als Wohnturm. 1578 erfolgte unter Verwendung der älteren Mauern ein kompletter Umbau zu einem Treppengiebelhaus im spätgotischen Stil. Im Oberdorf befindet sich die 1774 erbaute Alte Schmitte. Sie wurde 1990 von der Gemeinde erworben und renoviert; heute dient sie als Museum für Wechselausstellungen mit regionalen Themen.[6]

Wappen
Die Blasonierung des Gemeindewappens lautet: «In Weiss rot bewehrter und gezungter schwarzer Adler.» Das Wappen entspricht jenem des erloschenen Ministerialengeschlechts der Herren von Seengen, welches erstmals 1340 in der Zürcher Wappenrolle abgebildet ist.[7]

Politik und Recht
Die Versammlung der Stimmberechtigten, die Gemeindeversammlung, übt die Legislativgewalt aus. Ausführende Behörde ist der fünfköpfige Gemeinderat. Seine Amtsdauer beträgt vier Jahre und er wird im Majorzverfahren (Mehrheitswahlverfahren) vom Volk gewählt. Er führt und repräsentiert die Gemeinde. Dazu vollzieht er die Beschlüsse der Gemeindeversammlung und die Aufgaben, die ihm von Kanton und Bund zugeteilt wurden.

Für Rechtsstreitigkeiten ist das Bezirksgericht Lenzburg zuständig. Auf kommunaler Ebene gibt es einen Friedensrichter, der auch für die Gemeinden Fahrwangen und Meisterschwanden verantwortlich ist.

Wirtschaft
In Seengen gibt es gemäss Betriebszählung 2008 knapp 1000 Arbeitsplätze, davon 10 % in der Landwirtschaft, 22 % in der Industrie und 68 % im Dienstleistungsbereich.[11] Die meisten Erwerbstätigen sind Wegpendler und arbeiten in der näheren Umgebung (hauptsächlich in Seon oder Lenzburg).

Seit 1763 besitzt das Dorf Marktrecht. Jeweils im Frühling und im Herbst findet der Vieh-, Landmaschinen und Warenmarkt statt, allerdings werden Vieh und Landmaschinen seit den 1980er Jahren nicht mehr angeboten. Am ersten Wochenende des Dezembers findet in Seengen überdies jährlich ein Weihnachtsmarkt statt.

Verkehr
Seengen liegt rund drei Kilometer östlich der Hauptstrasse 26 von Lenzburg über Hochdorf nach Luzern. Nebenstrassen führen nach Egliswil, Boniswil, Meisterschwanden und Sarmenstorf. Die Anbindungen an das Netz des öffentlichen Verkehrs erfolgt durch zwei Buslinien der Gesellschaft Regionalbus Lenzburg, die vom Bahnhof Lenzburg aus über Seengen nach Bettwil bzw. Teufenthal führen.

Bildung
Die Gemeinde verfügt über zwei Kindergärten und fünf Schulhäuser, in denen sämtliche Stufen der obligatorischen Volksschule unterrichtet werden (Primarschule, Realschule, Sekundarschule, Bezirksschule). Die nächstgelegene Kantonsschule (Gymnasium) befindet sich in Aarau.

Persönlichkeiten
Max Alphonse Erismann (1847–1923), Politiker
Johann Ribi von Lenzburg († 1374), Bischof
Cédric Hächler (* 1993), Eishockeyspieler
Siehe auch
Chlauschlöpfen
Seetaler Winterbräuche
Literatur
Michael Stettler, Emil Maurer: Die Kunstdenkmäler des Kantons Aargau, Band II: Die Bezirke Brugg, Lenzburg. (= Kunstdenkmäler der Schweiz. Band 29). Hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK. Bern 1953. DNB 750561750.
Weblinks
Commons: Seengen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Offizielle Website der Gemeinde Seengen
Felix Müller: Seengen. In: Historisches Lexikon der Schweiz.
Fotos von Seengen

Einzelnachweise
1 Bevölkerungsentwicklung zweites Halbjahr 2017. Departement Finanzen und Ressourcen, Statistik Aargau, März 2018, abgerufen am 8. März 2018 (PDF, 1,7 MB).
2 Bevölkerungsentwicklung zweites Halbjahr 2017. Departement Finanzen und Ressourcen, Statistik Aargau, März 2018, abgerufen am 8. März 2018 (PDF, 1,7 MB).
3 Landeskarte der Schweiz, Blatt 1090 und 1110, Swisstopo
4 Martin Hartmann, Hans Weber: Die Römer im Aargau. Verlag Sauerländer, Aarau 1985, ISBN 3-7941-2539-8, S. 199–200.
5 Beat Zehnder: Die Gemeindenamen des Kantons Aargau. In: Historische Gesellschaft des Kantons Aargau (Hrsg.): Argovia. Band 100. Verlag Sauerländer, Aarau 1991, ISBN 3-7941-3122-3, S. 393–394.
6 Michael Stettler, Emil Maurer: Die Kunstdenkmaeler des Kantons Aargau. Hrsg.: Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte. Band II: Die Bezirke Lenzburg und Brugg. Birkhäuser Verlag, Basel 1953.
7 Joseph Galliker, Marcel Giger: Gemeindewappen des Kantons Aargau. Lehrmittelverlag des Kantons Aargau, Buchs 2004, ISBN 3-906738-07-8, S. 274.
8 Bevölkerungsentwicklung in den Gemeinden des Kantons Aargau seit 1850. In: Eidg. Volkszählung 2000. Statistisches Amt des Kantons Aargau, 2001, abgerufen am 3. April 2012.
9 Eidg. Volkszählung 2000: Wirtschaftliche Wohnbevölkerung nach Religionszugehörigkeit sowie nach Bezirken und Gemeinden. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 25. August 2012.
10 Eidg. Volkszählung 2000: Wirtschaftliche Wohnbevölkerung nach Hauptsprache sowie nach Bezirken und Gemeinden. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 25. August 2012.
11 Betriebszählung 2008. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 25. August 2012. 
von Seengen, Hans (I11359)
 
35635 https://de.wikipedia.org/wiki/Seen_(Adelsgeschlecht)

Seen (Adelsgeschlecht)

Seen (auch Sehaim, Sehym, Sehen, Sehm) ist der Name eines Adelsgeschlechts, das aus Ministerialen entstand und nach der ehemals selbständigen Gemeinde Seen (heute Stadtkreis von Winterthur) benannt ist. 1207 erstmals erwähnt hatte das Geschlecht wohl zuerst seinen Sitz in Seen, verschob aber sein Wirken später nach Höngg, wo es etwa von 1300 bis 1359 tätig war. Von 1315 bis 1405 waren sie die Herren über die Herrschaft Wülflingen mit Sitz auf der Burg Alt-Wülflingen.

Geschichte
Am 27. September 1207 erscheint «Siegfried de Sehaim» als Beurkundungszeuge bei einer Schenkung von Albert von Hohenlohe über das Patronatrecht der Kirche in Mergentheim an das Hospital des heiligen Johannes des Täufers zu Jerusalem. 1219 erscheint Siegfried von Seen zusammen mit seinem Vater Heinrich bei einer Beurkundung als Zeugen der von Hohenlohe.[1] 1240 sind die Herren von Seen als Verwaltungsbeamte der Grafen von Kyburg im Ort Seen erwähnt, ab 1264 bekleideten sie das Vogtamt und führten die Verwaltung für die Grafen von Habsburg-Kyburg.[2] Urkundlich bezeugt erfüllte ein Heinrich von Seen mindestens von 1260 bis 1263 das Hofamt des Speisers («dispensatore») in der Kyburg, dass Amt vererbte er später an seinen Sohn.

Um 1271 befanden sich die Herren von Seen im Ritterstand, in einer Urkunde bezeugte Heinrich II. von Seen seinem neuen Dienstherrn Rudolf von Habsburg eine Schenkung. Die Ritter von Seen verfügten zu dieser Zeit über vielfältige Lehen, in einer Urkunde von 1276 erfährt man, dass Heinrich II. hierfür einen eigenen Amtsmann beschäftigten. Auch ist sein Namen mehrfach in Gerichtsurkunden zu finden. Von seinem Sohn Heinrich III. ist bekannt, dass der damalige Herzog und spätere König Albrecht von Österreich ihm 1289 Margaretha von Humlikon, Tochter des ehemals edelfreien Ritters Heinrich II. von Humlikon, als Braut vermittelte.

Durch Margaretha von Humlikon erlangte Heinrich III. 1300 in Höngg die Rechte der Vogtei welche vorher die von Humlikon innehatten. Nachdem Heinrich III. von Seen 1315 für die Habsburger an der Schlacht bei Morgarten teilnahm, erhielt er noch im selben Jahr die Herrschaft Wülflingen mit der Burg Alt-Wülflingen und der hohen Gerichtsbarkeit von den Habsburgern zu Lehen.

Sein Sohn Johannes von Seen, 1328 erstmals erwähnt, wirkte anfangs auch noch von Höngg aus, musste aber aufgrund finanzieller Schwierigkeiten mehrfach Güter verkaufen und veräusserte 1359 schliesslich die Vogtei mit dem zweiten Meierhof, dem Kirchensatz und Grundbesitz von Höngg für 520 Gulden an das Kloster Wettingen - er selbst war dann bereits auf der Burg Alt-Wülflingen sesshaft. Die Situation von Johannes wurde jedoch nicht besser, so sprach das Landgericht in Rotweil aus unbekannten Gründen gegen ihn die Reichsacht auf, die am 9. Mai 1366 durch Kaiser Karl IV. wieder aufgehoben wurde. Wie lange diese Reichsacht dauerte, ist jedoch nicht bekannt. Die zwischenzeitliche Ächtung scheint ihm jedoch kaum geschadet zu haben, unterschrieb er doch 1369 anstelle des Landvogts Rudolf von Nidau als Vogt zu Baden und zwei Jahre später richtete als Landvogt von Schwaben, Thur- und Aargau. 1973 tritt er zudem als Vogt von Frauenfeld an einem Schiedsgericht auf. Ein letztes Mal urkundet Johannes von Seen am 20. Dezember 1377, zwei Jahre später dürfte er bereits nicht mehr gelebt haben.

Sein ältester Sohn Rudolf von Seen übernahm ab 1376 während eines Jahrzehnts die Herrschaft Elgg, über seine Zeit dort ist jedoch wenig bekannt. Ein weiterer Sohn Johannes, Hartmann I., erhielt 1376 vom Habsburger Herzog Leopold III. die Herrschaft Wülflingen und zeitnah auch Frauenfeld verpfändet. Eine zeitlang besass er als Pfand von Herzog Leopold III. auch das Schloss Landeck im Tirol. Als Johannes 1386 in der Schlacht von Sempach fiel, wurde er zusammen mit anderen Habsburger Rittern in Königsfelden bestattet. Eine Wandmalerei in der dortigen Agnesenkapelle zeigt ihn mit anderen gefallenen österreichischen Gefolgsleuten. Mit dem Tod seines Bruders und dem Erbe des Schlosses Schwandegg durch seine Gemahlin Elisabetha von Schwandegg lässt sich wohl auch der Weggang von Rudolf von Seen aus Elgg erklären.

Da die Habsburger lösten die kleine Herrschaft Wülflingen nicht mehr auslösten, kam diese vollständig an die Ritter von Seen. 1405 fiel der Sohn von Hartmann I. von Sehaim, Hans von Sehaim, in der Schlacht am Stoss, nachdem er zuvor zusammen mit dem Winterthurer Schultheissen Laurenz von Sal in St. Gallen Verhandlungen geführt hat. Da nach dieser Niederlage die Bedrohungslage für das Kloster St. Gallen zu gross geworden war, floh Abt Kuno von St. Gallen nach Winterthur und hielt sich während dieser Zeit im Amtshaus am Untertor von Rudolf von Seen auf. Der Sohn von Hartmann I., Hartmann II., wurde 1407 Bürger der Stadt, sie mussten dabei dem Rat von Winterthur die Burg Alt-Wülflingen als offenes Haus zur Verfügung haben. Danach verschwindet das Geschlecht jedoch nach einer letzten gesicherten urkundlichen Erwähnung im Jahr 1408 aus den Geschichtsbüchern.

1424 wurde die Grafschaft Kyburg stückweise an die Stadt Zürich verpfändet. Die Herrschaft Wülflingen wurde von Ulrich VIII. von Landenberg-Greifensee, dem Schwiegersohn von Hartmann von Seen, übernommen, und die Habsburger verliessen die Region.

Laut Conrad Grünenbergs Wappenbuch von 1480 und Johannes Stumpfs Chronik existierte ausser der Linie von Sehaim-Wülflingen noch die verwandte Linie von Sehaim-Hertemberg im Thurgau.

Wappen
Dargestellt ist das Wappen von Sehaim - Hertemberg: Schräggeteilt von Schwarz und Gold, oben ein sechsstrahliger silberner Stern, unten ein schwarzer, rotgezungter Löwe. Auf dem Helm mit schwarz-goldenen Decken auf einem goldenbequasteten roten Kissen die obere Hälfte eines achtstrahligen silbernen Sterns, die Spitzen der dargestellten fünf Strahlen mit schwarzen Federkugeln besteckt.

Das Wappen ist seit 1274 nachgewiesen, wobei der Löwe vom Wappen der Grafschaft Kyburg abgeleitet ist. Bei dem Wappen derer von Sehaim-Wülflingen fehlt der Löwe. Das Wappen des Stadtkreises Seen (Winterthur) ist vom Geschlechtswappen der Sehaimer abgeleitet.[3]

Literatur und Quelle
Hans Kläui: Seen im Mittelalter. In: Neujahrsblatt der Stadtbibliothek Winterthur. Band 324. Winterthur 1993, ISBN 3-908050-12-X, S. 73–112.
Weblinks
Artikel Seen im Winterthur Glossar
Einzelnachweise
Würtembergisches Urkundenbuch Nr DXXXVIII
Geschichte von Höngg
Heraldry of the World, Seen (abgerufen am 24. November 2015) 
von Seen, Margareta (I11212)
 
35636 https://de.wikipedia.org/wiki/Seen_(Adelsgeschlecht)

Seen (Adelsgeschlecht)

Seen (auch Sehaim, Sehym, Sehen, Sehm) ist der Name eines Adelsgeschlechts, das aus Ministerialen entstand und nach der ehemals selbständigen Gemeinde Seen (heute Stadtkreis von Winterthur) benannt ist. 1207 erstmals erwähnt hatte das Geschlecht wohl zuerst seinen Sitz in Seen, verschob aber sein Wirken später nach Höngg, wo es etwa von 1300 bis 1359 tätig war. Von 1315 bis 1405 waren sie die Herren über die Herrschaft Wülflingen mit Sitz auf der Burg Alt-Wülflingen.

Geschichte
Am 27. September 1207 erscheint «Siegfried de Sehaim» als Beurkundungszeuge bei einer Schenkung von Albert von Hohenlohe über das Patronatrecht der Kirche in Mergentheim an das Hospital des heiligen Johannes des Täufers zu Jerusalem. 1219 erscheint Siegfried von Seen zusammen mit seinem Vater Heinrich bei einer Beurkundung als Zeugen der von Hohenlohe.[1] 1240 sind die Herren von Seen als Verwaltungsbeamte der Grafen von Kyburg im Ort Seen erwähnt, ab 1264 bekleideten sie das Vogtamt und führten die Verwaltung für die Grafen von Habsburg-Kyburg.[2] Urkundlich bezeugt erfüllte ein Heinrich von Seen mindestens von 1260 bis 1263 das Hofamt des Speisers («dispensatore») in der Kyburg, dass Amt vererbte er später an seinen Sohn.

Um 1271 befanden sich die Herren von Seen im Ritterstand, in einer Urkunde bezeugte Heinrich II. von Seen seinem neuen Dienstherrn Rudolf von Habsburg eine Schenkung. Die Ritter von Seen verfügten zu dieser Zeit über vielfältige Lehen, in einer Urkunde von 1276 erfährt man, dass Heinrich II. hierfür einen eigenen Amtsmann beschäftigten. Auch ist sein Namen mehrfach in Gerichtsurkunden zu finden. Von seinem Sohn Heinrich III. ist bekannt, dass der damalige Herzog und spätere König Albrecht von Österreich ihm 1289 Margaretha von Humlikon, Tochter des ehemals edelfreien Ritters Heinrich II. von Humlikon, als Braut vermittelte.

Durch Margaretha von Humlikon erlangte Heinrich III. 1300 in Höngg die Rechte der Vogtei welche vorher die von Humlikon innehatten. Nachdem Heinrich III. von Seen 1315 für die Habsburger an der Schlacht bei Morgarten teilnahm, erhielt er noch im selben Jahr die Herrschaft Wülflingen mit der Burg Alt-Wülflingen und der hohen Gerichtsbarkeit von den Habsburgern zu Lehen.

Sein Sohn Johannes von Seen, 1328 erstmals erwähnt, wirkte anfangs auch noch von Höngg aus, musste aber aufgrund finanzieller Schwierigkeiten mehrfach Güter verkaufen und veräusserte 1359 schliesslich die Vogtei mit dem zweiten Meierhof, dem Kirchensatz und Grundbesitz von Höngg für 520 Gulden an das Kloster Wettingen - er selbst war dann bereits auf der Burg Alt-Wülflingen sesshaft. Die Situation von Johannes wurde jedoch nicht besser, so sprach das Landgericht in Rotweil aus unbekannten Gründen gegen ihn die Reichsacht auf, die am 9. Mai 1366 durch Kaiser Karl IV. wieder aufgehoben wurde. Wie lange diese Reichsacht dauerte, ist jedoch nicht bekannt. Die zwischenzeitliche Ächtung scheint ihm jedoch kaum geschadet zu haben, unterschrieb er doch 1369 anstelle des Landvogts Rudolf von Nidau als Vogt zu Baden und zwei Jahre später richtete als Landvogt von Schwaben, Thur- und Aargau. 1973 tritt er zudem als Vogt von Frauenfeld an einem Schiedsgericht auf. Ein letztes Mal urkundet Johannes von Seen am 20. Dezember 1377, zwei Jahre später dürfte er bereits nicht mehr gelebt haben.

Sein ältester Sohn Rudolf von Seen übernahm ab 1376 während eines Jahrzehnts die Herrschaft Elgg, über seine Zeit dort ist jedoch wenig bekannt. Ein weiterer Sohn Johannes, Hartmann I., erhielt 1376 vom Habsburger Herzog Leopold III. die Herrschaft Wülflingen und zeitnah auch Frauenfeld verpfändet. Eine zeitlang besass er als Pfand von Herzog Leopold III. auch das Schloss Landeck im Tirol. Als Johannes 1386 in der Schlacht von Sempach fiel, wurde er zusammen mit anderen Habsburger Rittern in Königsfelden bestattet. Eine Wandmalerei in der dortigen Agnesenkapelle zeigt ihn mit anderen gefallenen österreichischen Gefolgsleuten. Mit dem Tod seines Bruders und dem Erbe des Schlosses Schwandegg durch seine Gemahlin Elisabetha von Schwandegg lässt sich wohl auch der Weggang von Rudolf von Seen aus Elgg erklären.

Da die Habsburger lösten die kleine Herrschaft Wülflingen nicht mehr auslösten, kam diese vollständig an die Ritter von Seen. 1405 fiel der Sohn von Hartmann I. von Sehaim, Hans von Sehaim, in der Schlacht am Stoss, nachdem er zuvor zusammen mit dem Winterthurer Schultheissen Laurenz von Sal in St. Gallen Verhandlungen geführt hat. Da nach dieser Niederlage die Bedrohungslage für das Kloster St. Gallen zu gross geworden war, floh Abt Kuno von St. Gallen nach Winterthur und hielt sich während dieser Zeit im Amtshaus am Untertor von Rudolf von Seen auf. Der Sohn von Hartmann I., Hartmann II., wurde 1407 Bürger der Stadt, sie mussten dabei dem Rat von Winterthur die Burg Alt-Wülflingen als offenes Haus zur Verfügung haben. Danach verschwindet das Geschlecht jedoch nach einer letzten gesicherten urkundlichen Erwähnung im Jahr 1408 aus den Geschichtsbüchern.

1424 wurde die Grafschaft Kyburg stückweise an die Stadt Zürich verpfändet. Die Herrschaft Wülflingen wurde von Ulrich VIII. von Landenberg-Greifensee, dem Schwiegersohn von Hartmann von Seen, übernommen, und die Habsburger verliessen die Region.

Laut Conrad Grünenbergs Wappenbuch von 1480 und Johannes Stumpfs Chronik existierte ausser der Linie von Sehaim-Wülflingen noch die verwandte Linie von Sehaim-Hertemberg im Thurgau.

Wappen
Dargestellt ist das Wappen von Sehaim - Hertemberg: Schräggeteilt von Schwarz und Gold, oben ein sechsstrahliger silberner Stern, unten ein schwarzer, rotgezungter Löwe. Auf dem Helm mit schwarz-goldenen Decken auf einem goldenbequasteten roten Kissen die obere Hälfte eines achtstrahligen silbernen Sterns, die Spitzen der dargestellten fünf Strahlen mit schwarzen Federkugeln besteckt.

Das Wappen ist seit 1274 nachgewiesen, wobei der Löwe vom Wappen der Grafschaft Kyburg abgeleitet ist. Bei dem Wappen derer von Sehaim-Wülflingen fehlt der Löwe. Das Wappen des Stadtkreises Seen (Winterthur) ist vom Geschlechtswappen der Sehaimer abgeleitet.[3]

Literatur und Quelle
Hans Kläui: Seen im Mittelalter. In: Neujahrsblatt der Stadtbibliothek Winterthur. Band 324. Winterthur 1993, ISBN 3-908050-12-X, S. 73–112.
Weblinks
Artikel Seen im Winterthur Glossar
Einzelnachweise
Würtembergisches Urkundenbuch Nr DXXXVIII
Geschichte von Höngg
Heraldry of the World, Seen (abgerufen am 24. November 2015) 
von Seen, Johannes (I11215)
 
35637 https://de.wikipedia.org/wiki/Sehaim_(Adelsgeschlecht)

Sehaim (auch Sehym, Sehen, Sehm, Seen) ist der Name eines Adelsgeschlechts, das aus Ministerialen entstand und nach der ehemals selbständigen Gemeinde Seen (heute Stadtkreis von Winterthur) benannt ist.

Am 27. September 1207 erscheint Siegfried de Sehaim als Beurkundungszeuge bei einer Schenkung von Albert von Hohenlohe über das Patronatrecht der Kirche in Mergentheim an das Hospital des heiligen Johannes des Täufers zu Jerusalem. 1219 erscheint Siegfried de Sehaim zusammen mit seinem Vater Heinrich bei einer Beurkundung als Zeugen der von Hohenlohe.[1] 1240 sind die Sehaimer als Verwaltungsbeamte der Grafen von Kyburg in dem Ort Sehaim (heute Seen) erwähnt, ab 1264 bekleideten sie das Vogtamt und führten die Verwaltung für die Grafen von Habsburg-Kyburg.[2]
Seit 1272 im Ritterstand, verfügten die Sehaimer über kleinere Lehen, erlangten um 1300 in dem Ort Höngg die Rechte der Vogtei welche vorher die von Humlikon innehatten. 1359 wurde die Vogtei mit dem zweiten Meierhof ,dem Kirchensatz und Grundbesitz an das Kloster Wettingen verkauft. Nachdem Heinrich von Sehaim 1315 für die Habsburger an der Schlacht bei Morgarten teilnahm, erhielt er noch im selben Jahr die Herrschaft Wülflingen mit der Burg Alt-Wülflingen und der hohen Gerichtsbarkeieit von den Habsburgern zu Lehen. 1376 verpfändete der Habsburger Herzog Leopold III. die Herrschaft Wülflingen und zeitnah auch Frauenfeld an Hartmut von Sehaim, der 1386 in der Schlacht von Sempach fiel. Er wurde zusammen mit anderen Habsburger Rittern in Königsfelden bestattet. Ein Wappenrelief zeigt die Gefallenen.
Die Habsburger lösten die kleine Herrschaft Wülflingen nicht mehr aus, so dass diese an die Sehaimer kam. 1405 fiel der Sohn von Hartmann von Sehaim, Hans von Sehaim, in der Schlacht am Stoss. 1424 wurde die Grafschaft Kyburg stückweise an die Stadt Zürich verpfändet. Die Herrschaft Wülflingen wurde von Ulrich von Landenberg-Greifensee, dem Schwiegersohn von Hartmann von Sehaim, übernommen, und die Habsburger und Sehaimer verließen die Region.
Danach teilten die Sehaimer das Schicksal vieler anderer Rittergeschlechter und verloren kontinuierlich an Bedeutung.
Laut Conrad Grünenbergs Wappenbuch von 1480 existierte außer der Linie von Sehaim-Wülflingen noch die verwandte Linie von Sehaim-Hertemberg im Thurgau.

Dargestellt ist das Wappen von Sehaim - Hertemberg: Schräggeteilt von Schwarz und Gold, oben ein sechsstrahliger silberner Stern, unten ein schwarzer, rotgezungter Löwe. Auf dem Helm mit schwarz-goldenen Decken auf einem goldenbequasteten roten Kissen die obere Hälfte eines achtstrahligen silbernen Sterns, die Spitzen der dargestellten fünf Strahlen mit schwarzen Federkugeln besteckt.
Das Wappen ist seit 1274 nachgewiesen, wobei der Löwe vom Wappen der Grafschaft Kyburg abgeleitet ist. Bei dem Wappen derer von Sehaim-Wülflingen fehlt der Löwe. Das Wappen des Stadtkreises Seen (Winterthur) ist vom Geschlechtswappen der Sehaimer abgeleitet.[3]


Weblinks
• Artikel Seen im Winterthur Glossar
Einzelnachweise
1 Würtembergisches Urkundenbuch Nr DXXXVIII
2 Geschichte von Höngg
3 Heraldry of the World, Seen (abgerufen am 24. November 2015)

 
von Seen, Hartmann I (I3303)
 
35638 https://de.wikipedia.org/wiki/Selchow_(Adelsgeschlecht) von Selchow, Hauptmann Daniel (I22087)
 
35639 https://de.wikipedia.org/wiki/Semur-en-Brionnais

Semur-en-Brionnais ist eine französische Gemeinde mit 660 Einwohnern (Stand 1. Januar 2014) im Département Saône-et-Loire in der Region Bourgogne-Franche-Comté. Sie gehört zum Arrondissement Charolles und ist Hauptort des gleichnamigen Kantons. Sie ist Mitgliedsgemeinde des Gemeindeverbands Communauté de communes du Canton de Semur-en-Brionnais und als eines der Plus beaux villages de France (schönste Dörfer Frankreichs) klassifiziert.[1]

Geografie
Der Ort ist Teil der Gegend Brionnais und liegt auf einer kleinen Anhöhe umgeben von Obstwiesen und Weiden 6 km östlich der Loire etwa auf der Höhe von Marcigny. Die Stadt Mâcon befindet sich im Osten in einer Entfernung von etwa 50 km (Luftlinie).
Sehenswürdigkeiten
• Die romanische Kirche Saint-Hilaire. Sie gehört zu den besonderen Kleinoden der Region.
• Die Ruine des Donjons, in dem St. Hugo Abt von Cluny und Erbauer der Basilika von Paray-le-Monial geboren worden sein soll, befindet sich direkt im Ortszentrum.
Persönlichkeiten
• Die Herrschaften von Semur, darunter auch Hugo der Heilige, Abt von Cluny
• Henriette d’Angeville (1794–1871), französische Bergsteigerin
Weblinks
Commons: Semur-en-Brionnais – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Einzelnachweise
1 Semur-en-Brionnais auf Les plus Beaux Villages de France (französisch) 
von Semur, Helie (I7209)
 
35640 https://de.wikipedia.org/wiki/Seurre von Hachberg-Sausenberg, Markgraf Philipp (I13007)
 
35641 https://de.wikipedia.org/wiki/Sibylle_von_Burgund

Sibylle von Burgund (* 1125; † 19. September 1151) war die zweite Ehefrau Rogers II. von Sizilien und somit Königin von Sizilien.
Sibylle war eine Tochter des Herzogs Hugo II. von Burgund. 1149 heiratete sie Roger II., den König von Sizilien. Sie starb jedoch bereits 1151 bei einer Fehlgeburt.



Weblinks
• Sibylle von Burgund auf genealogie-mittelalter.de (Memento vom 1. Oktober 2007 im Internet Archive) 
von Burgund, Königin Sibylle (I7067)
 
35642 https://de.wikipedia.org/wiki/Siegfried_I._(Anhalt)

Siegfried I., Fürst von Anhalt-Köthen (* um 1230; † nach dem 25. März 1298 in Köthen) war ein regierender anhaltischer Landesfürst aus dem Geschlecht der Askanier. Er regierte von 1252 bis 1298.

Siegfried I. war der dritte Sohn von Heinrich I., Fürst von Anhalt, und Irmingard von Thüringen. Beim Tod Heinrichs I. wurde das Fürstentum unter dessen Söhnen Heinrich II. „dem Fetten“ (Anhalt-Aschersleben), Bernhard I. (Anhalt-Bernburg) und Siegfried (Anhalt-Köthen) aufgeteilt.
Nach dem Tode des letzten ludowingischen Landgrafen Heinrich Raspe besetzte Siegfried im Verlauf des thüringisch-hessischen Erbfolgekrieges die Pfalzgrafschaft, für die er Erbansprüche als Sohn Irmingards erhob. Später verzichtete er gegenüber den Wettinern auf die Landgrafschaft, von denen er dafür eine Entschädigung erhielt. Im Jahre 1273 war Siegfried einer der Kandidaten für die Königswahl, die Rudolf von Habsburg für sich entschied.

Siegfried war mit Katharina Birgersdottir von Schweden (1245–1289), einer Tochter von Birger Jarl, verheiratet. Ihr gemeinsamer Sohn, Albrecht I., trat nach Siegfrieds Tod dessen Nachfolge an.


Literatur
• Heinrich Kühne: Die Askanier. Aus der Geschichte der sächsisch-askanischen Herzöge und Kurfürsten von Sachsen-Wittenberg (1180–1422). Drei-Kastanien-Verlag, Wittenberg 1999, ISBN 3-933028-14-0.
• Tilo Köhn (Hrsg.): Brandenburg, Anhalt und Thüringen im Mittelalter. Askanier und Ludowinger beim Aufbau fürstlicher Territorialherrschaften. Böhlau, Köln u.a. 1997 ISBN 3-412-02497-X
• Helmut Assing: Die frühen Askanier und ihre Frauen. Kulturstiftung Bernburg, Bernburg 2002, ISBN 3-9805532-9-9. 
von Anhalt (von Köthen) (Askanier), Fürst Siegfried I (I10106)
 
35643 https://de.wikipedia.org/wiki/Siegfried_I._(Luxemburg)

Graf Siegfried I. (* um 930/940[1]; † wohl 28. Oktober 998[2]) gilt als Gründer von Luxemburg.

Seine Mutter war Cunégonde, Tochter der Ermentrud / Irmintrud (um 875/8-930/40), einer Tochter zweiter Ehe (um 875) des westfränkischen Königs Ludwig II., genannt der Stammler. Sein Vater ist nicht zweifelsfrei belegt.
Siegfried tritt erstmals um 950 auf. Zu der Zeit war er Laienabt des Klosters Echternach.[3] Er ist 982 als Graf im Moselgau nachgewiesen,[4] darüber hinaus Vogt der Reichsabtei St. Maximin zu Trier und des Klosters Echternach.[5] Am 17. April 963 erwarb er als „Comes“ (Graf) die Burg Lucilinburhuc in der heutigen Stadt Luxemburg an der Alzette im Tausch gegen Ländereien in Feulen bei Ettelbrück (Sauer) mit dem Kloster St. Maximin.[6] Um 964 beerbte er seinen Halbbruder, den "Ardennengrafen" Giselbert.[7] 964 erwarb er vom Trierer Erzbischof Heinrich Ländereien bei Saarburg mit dem Inselberg, auf dem sich die Saarburg befand.[8] 984 kämpfte er bei den Auseinandersetzungen um die Nachfolge des Kaisers Otto II. in Lothringen auf der Seite Ottos III., geriet in die Gefangenschaft der Gegenseite in Person des westfränkischen Königs Lothar. Nach dessen Tod 986 gelang Siegfried die Flucht.[9] Am 26. Oktober 997 wird Siegfried letztmals als lebend erwähnt.[3]

Siegfried heiratete um 950/963[10] Hadwig (* um 935/945[11]; † 13. Dezember nach 993[12]), deren Herkunft unbekannt ist. Das Paar hatte elf bezeugte Kinder:[13]


Siehe auch:
Das deutsche Fürstengeschlecht der Luxemburger
Literatur
• Heinz Renn: Das erste Luxemburger Grafenhaus. 1941.
• Andreas Thiele: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte. Band I, Teilband 1, R. G. Fischer Verlag Frankfurt a. M. 1993, Tafel 66.
• Erich Brandenburg: Die Nachkommen Karls des Großen. Neudruck 1998.
• Karl Ferdinand Werner: Die Nachkommen Karls des Großen bis um das Jahr 1000 (1.-8. Generation). Band IV In: Wolfgang Braunfels: Karl der Große Lebenswerk und Nachleben.
• René Klein: Wer waren die Eltern des Grafen Sigfrid? Eine neue Hypothese zum Ursprung des ersten Luxemburger Grafenhauses. In: Luxemburgische Gesellschaft für Genealogie und Heraldik. Jahrbuch 1998. Association Luxembourgeoise de Généalogiet d'Héraldique, Annuaire 1998, S. 9–27.
• Detlev Schwennicke: Europäische Stammtafeln. Band I.2 (1999) Tafel 202/203.
• Eduard Hlawitschka: Die Ahnen der hochmittelalterlichen deutschen Könige, Kaiser und ihrer Gemahlinnen. Ein kommentiertes Tafelwerk. Band I: 937-1137, 2 Teile, 2006 (MGH, Hilfsmittel 25, 1-2)
• Armin Wolf: Ahnen deutscher Könige und Königinnen. In: Herold-Jahrbuch. Neue Folge. 15. Band (2010)
• Michael Margue: Siegfried I.. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 24, Duncker & Humblot, Berlin 2010, ISBN 978-3-428-11205-0, S. 346 f. (Digitalisat).
• Michel Pauly: Geschichte Luxemburgs. München 2011.
• Charles Cawley, Foundation for Medieval Genealogy, im Netz: www.fmg.ac.Luxembourg; wird laufend aktualisiert.
Weblinks
 Commons: Siegfried I. (Luxemburg) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Einzelnachweise
1 Hlawitschka: um 918/921; Brandenburg, S. 94: ca. 922; Wolf, S. 106: 924/929, um 928
2 Schwennicke; „Zum 28. Oktober überliefern die Notae Necrologiae Coufungenses (Nekrolog des Klosters Kaufungen): Sigefridus Kunuz com. pater Chunigundis imperatoricis obiit. Da auch die Mutter und die Gemahlin Siegfrids und ein Sohn des Ehepaaes im Merseburger Necrolog begegnen…, ist die Identifizierung wohl gesichert, zumal der zum 26. Oktober ins Lüneburger Necrolog eingetragene Graf gleichen Namens als occius bezeichnet ist…“ (Gerd Althoff: Adels- und Königsfamilien im Spiegel ihrer Memorialüberlieferung. 1984, S. 420; die Angabe bei Brandenburg, Tafel 5 S. 10 (15. August 998) ist falsch (Werner, S. 471).)
3 Werner, S. 471
4 Brandenburg, Tafel 5 S. 10, Anmerkung S. 123; Werner S. 471
5 Schwennicke: bezeugt 981 für St. Maximin, 997 für Echternach; Brandenburg, Anmerkungen S. 123: bezeugt 974 für Echternach und 981 für St. Maximin; Werner: „Siegfried ist um 950 als (Laien-)Abt von Echternach, dann als Vogt nachweisbar“
6 Brandenburg, Anmerkungen S. 123; zum Datum: Werner, S. 471; zu Feulen: Thiele
7 Thiele
8 zum Nachweis vgl. entsprechender Artikel
9 Walter Mohr, Geschichte des Herzogtums Lothringen, Band I, S. 59–61.
10 um 950 (Hlawitschka, S: 214), 955/960 (Renn, S. 58), um 962/963 (oder um 960) (Wolf, S. 106), vor 964, wohl ca. 950 (Brandenburg, S. 94); der Sohn Heinrich ist am 17. September 964 erstmals bezeugt, allerdings als einziges seiner Kinder
11 Wolf, S. 106
12 Schwennicke
13 nach Schwennicke
14 Wolf, S. 119 
von Luxemburg (im Moselgau), Graf Siegfried I. (I4874)
 
35644 https://de.wikipedia.org/wiki/Siegfried_I._(Spanheim)

Siegfried I. (* um 1010/15 auf der Burg Sponheim; † 7. Februar 1065 in Bulgarien) gilt als Ahnherr der kärntnerischen Spanheimer und all ihrer Seitenzweige, der Grafen von Lebenau und der Grafen von Ortenburg. Er selbst war Graf von Spanheim, Markgraf der Ungarnmark und Gaugraf im Pustertal und Lavanttal.

Ursprünglich kam er aus Rheinfranken, wo er auf der Burg Sponheim geboren wurde. Seine direkten Vorfahren sind aus Mangel an Quellen nicht mehr feststellbar.[1] Es lassen sich aber seine verwandtschaftlichen Beziehungen mit den Zeisolf-Wolframenen, den Grafen im Königssondergau und dem verbleibenden Zweig der Spanheimer im Rheinland nachweisen.[2] Siegfried hatte zudem ein Vettern-Verwandtschaftsverhältnis ungeklärten Grades mit dem Mitte des 11. Jahrhunderts nachweisbaren Grafen Stefan von Spanheim, welcher als Ahnherr der in der rheinischen Heimat gebliebenen Spanheimer gilt, welche in den späteren Fürsten von Sayn und Wittgenstein weiterleben.

Leben und Wirken
Im Jahre 1035 zog Kaiser Konrad II. gegen Herzog Adalbero von Eppenstein nach Kärnten. In Konrads Gefolge war Siegfried I. als dessen Vertrauter. So gelangte er aus dem Rheinland in den Südosten des damaligen Reiches. Durch Heirat von Richgard, der Erbtochter des Grafen Engelbert IV. im Pustertal aus dem Geschlecht der Sieghardinger und der Liutgard, erlangte er große Besitzungen in Tirol und Kärnten.
Im Jahre 1044 trat er als regierender Graf zu Sponheim auf. 1045 wurde Siegfried von Kaiser Heinrich III. mit der Markgrafschaft Ungarnmark im östlichen Niederösterreich belehnt. Diese behielt und verwaltete er aber nur kurze Zeit. Danach fiel diese an die Babenberger. 1048 trat er als Gaugraf im Pustertal und Graf im Lavanttal auf, Siegfried musste also bereits zuvor seinem verstorbenen Schwiegervater Engelbert IV. als Erbe dieser Besitzungen gefolgt sein. Ebenso übernahm er die Besitzungen seines Schwiegervaters in Oberbayern. Des Weiteren wurde er bald Vogt der Hochstifte Brixen und Salzburg. Siegfried erwarb ebenso Besitzungen in Unterkärnten und im östlichen Oberbayern.
Im Jahre 1064 nahm Siegfried I. an der Pilgerfahrt des Erzbischofs Siegfried von Mainz nach Jerusalem teil. Auf der Rückreise, ein Jahr später, verstarb er in Bulgarien. Dort wurde er auch begraben, ehe seine Witwe Richgard den Leichnam auslöste und ihn in der von ihm geplanten und errichteten Kirche St. Paul im Lavanttal beerdigen ließ.
Im Jahr 1909 wurde in Wien Floridsdorf (21. Bezirk) die Siegfriedgasse nach ihm benannt.

Nachkommen
• Engelbert I. († 1096), Markgraf von Istrien, Graf zu Spanheim, Graf im Pustertal, ∞ Hadwig
• Siegfried († 1070) ∞ NN, allen Anscheins nicht ebenbürtig, da Nachkommen nicht in direktem Zusammenhang mit anderen Spanheimern.
• Hartwig († 1102), Erzbischof von Magdeburg
• Hermann († 1118), Burggraf zu Magdeburg



Einzelnachweise
1 
↑ Friedrich Hausmann: Siegfried, Markgraf der „Ungarnmark“ und die Anfänge der Spanheimer in Kärnten und um Rheinland. S. 165
2 Hochspringen 
↑ Friedrich Hausmann: Siegfried, Markgraf der „Ungarnmark“ und die Anfänge der Spanheimer in Kärnten und um Rheinland. S. 166

Literatur
• Walter Fuchs: Schloss Ortenburg, Ortenburger Baudenkmäler und die Geschichte der Reichsgrafschaft Ortenburg. Ortenburg 2000.
• Friedrich Hausmann: Siegfried, Markgraf der "Ungarnmark" und die Anfänge der Spanheimer in Kärnten und um Rheinland. In: Jahrbuch für Landeskunde von Niederösterreich, Neue Folge Band 43. Wien 1977, S. 115–168 (pdf, mgh-bibliothek.de).
• Friedrich Hausmann: Archiv der Grafen zu Ortenburg. Urkunden der Familie und der Grafschaft Ortenburg (= Bayerische Archivinventare 42). Band 1: 1142–1400. Degener, Neustadt an der Aisch 1984, ISBN 3-7686-5061-8.
• Friedrich Hausmann: Die Grafen zu Ortenburg und ihre Vorfahren im Mannesstamm, die Spanheimer in Kärnten, Sachsen und Bayern, sowie deren Nebenlinien. Ein genealogischer Überblick. In: Ostbairische Grenzmarken – Passauer Jahrbuch für Geschiche Kunst und Volkskunde. Nr. 36, 1994, ISSN 0078-6845, S. 9–62.
• Heinz Pellender: Tambach – vom Langheimer Klosteramt zur Ortenburg’schen Grafschaft – Historie des Gräflichen Hauses Ortenburg, des Klosteramtes und Schlosses Tambach. 2. Auflage, Coburg 1990.
• Eberhard Graf zu Ortenburg-Tambach: Geschichte des reichsständischen, herzoglichen und gräflichen Gesamthauses Ortenburg. Teil 1: Das herzogliche Haus in Kärnten. Vilshofen 1932. 
von Spanheim (Sponheim), Graf Siegfried I. (I3021)
 
35645 https://de.wikipedia.org/wiki/Siegfried_III._(Weimar-Orlamünde)

Siegfried III. von Weimar-Orlamünde (* um 1155; † 1206) war von 1172 bis 1206 ein Graf aus dem Geschlecht Weimar-Orlamünde (siehe Münzstätte Weimar, Brakteat Siegfrieds.[1])
Siegfried III. war ein Sohn des Grafen Hermann I. Er war verheiratet mit Sophia von Dänemark (* 1159; † um 1208), einer Tochter des dänischen Königs Waldemar I. – aus der Ehe sind hervorgegangen:
• Albrecht II.
• Hermann II.
Er gilt als Anhänger der Staufer. Siegfried III. hielt sich längere Zeit in Dänemark auf.



Einzelnachweise
1 mcsearch: Brakteat Siegfried III. 
von Weimar-Orlamünde, Graf Siegfried III. (I7911)
 
35646 https://de.wikipedia.org/wiki/Siemomysł

Siemomysł (oder Ziemomysł) war ein legendarischer Fürst in Polen im 10. Jahrhundert. Seine historische Existenz ist unsicher. Als Sohn des Lesteks entstammte er dem Adelsgeschlecht der Piasten.

Leben
Siemomysł wurde nur in der Gesta principum Polonorum des Gallus Anonymus erwähnt. Da er in keiner anderen schriftlichen Quelle seiner Zeit genannt wurde, ist unsicher, ob er als Person existierte. Er war angeblich ein Sohn von Lestek und ein Nachkommen von Piast.
Siemomysł wurde als Vater von Fürst Mieszko I. bezeichnet. Dieser war der erste historisch belegbare Herrscher in Großpolen. In der polnischen Geschichtswissenschaft gibt eine große Unsicherheit, ob Siemomysł als Person existierte. Die meisten AAutoren nehmen seine Existenz an, so Henryk Łowmiański, Gerard Labuda und Kazimierz Jasiński. Mieszko hatte vor 963 ein Herrschaftsgebiet im Gebiet um Posen und Gnesen übernommen (oder erobert?), das bereits existierte. Archäologisch sind einige Burgen aus dieser Zeit bekannt.
Es wurde vermutet, dass Siemomysł auch der Vater von Czcibor, einem historisch erwähnten Bruder Mieszkos[1] und eines weiteren Bruders war, dessen Name nicht bekannt ist.[2] Über Ehefrauen und weitere Nachkommen wurden in der historischen Forschung Vermutungen angestellt, zum Beispiel, dass eine Ehefrau Gorka hieß.
1046 wurde in Pommern ein Herzog Zemuzil erwähnt. Es ist nicht klar, ob dieser ein Nachkomme von Siemomysł war.
Der Name Siemomysl ist verwandt mit verschiedenen Namen der böhmischen Přemysliden (vgl. auch die Burg Przemyśl). Er wird heute meist als aus dem slawischen siemia Familie und mysl Gedanke gedeutet.



Literatur
• K. Jasiński: Siemomysł, in: Polski Słownik Biograficzny, Bd. 37, 1996, S. 58–59
• J. Lukowski: A Concise History of Poland, Cambridge University Press, ISBN 978-0-521-61857-1, S.3f.
Anmerkungen
1 972 gestorben in der Schlacht von Zehden
2 963/965 gestorben 
von Polen (Piasten), Fürst Siemomysł (Ziemomysl) (I5646)
 
35647 https://de.wikipedia.org/wiki/Siemomysław_(Kujawien)

Siemomysław von Kujawien (auch Siemomyslaus von Kujawien, polnisch Siemomysł(aw)/Ziemomysł(aw) Kujawski-Inowrocławski; * 1245/1248; † 1287) war 1267–1271 und 1278–1287 Herzog von Kujawien in Inowrocław aus der Dynastie der kujawischen Piasten. Er war ein Halbbruder des späteren polnischen Königs Władysław I. Ellenlang.
Leben
Siemomysław war der Sohn von Herzog Kasimir von Kujawien aus seiner Verbindung mit der schlesischen Prinzessin Konstanze von Schlesien, Tochter von Heinrich II., Herzog von Schlesien-Breslau.
Nach dem Tod des Vaters 1267 erhielt er Kujawien mit Sitz in Inowrocław. Sein Herzogtum war ein Durchzugsgebiet böhmischer Heere des Königs Ottokar II. Přemysl, der, mit dem Deutschen Orden verbündet, mit dem Ziel der Unterwerfung und Christianinisierung der heidnisch-baltischen Pruzzen und Litauer ins Baltikum zog. Dies ermöglichte ihm nähere Kontakte zu den Deutschrittern und Herzog Sambor von Pommerellen, brachte ihm aber Konflikte mit dem lokalen Adel, der seiner deutschfreundlichen Politik nicht folgte (Nobilitierung und Besetzung von Staatsämtern mit deutschen Adeligen), sodass 1269 ein Aufstand unter der Führung des Bischofs Wolimir von Leslau ausbrach. Die Aufständischen fanden im Herzog Bolesław von Großpolen einen mmächtigen Verbündeten, der an der Seite der kujawischen Adelsopposition die Kastellaneien von Radziejów und Kruschwitz, sowie die Burg von Bromberg einnahm. Erst die Gewährung der Immunität an den Führer des Aufstands, rettete Siemomysław vor dem politischen Absturz.
1271 ging er ein Bündnis mit seinem Schwiegervater Herzog Sambor von Pommerellen gegen dessen Neffen Mestwin II. ein. Diese Entscheidung führte zu erneuter Stärkung der Adelsopposition, die sich um Herzog Bolesław von Großpolen sammelte und schließlich zu Siemomysławs Entmachtung und Exil.
Erst ein Vertrag zwischen seinem älteren Bruder Leszek und Bolesław von Großpolen, 1278, ermöglichte ihm eine Rückkehr ins heimische Herzogtum, wobei die strittigen Kastellaneien Radziejów und Kruschwitz weiterhin bei Großpolen verblieben.
Nach dem Tod von Herzog Sambor, 1278, versuchte Siemomysław die Lage zu Pommerellen unter Mestwin zu entspannen, indem er mit ihm einen Vertrag schloss. Der Vertrag sollte eine Rückkehr der Kastellanei Wyszogród bei Bromberg nach Mestwins Tod ermöglichen.
Kurzzeitig stand er im Bund mit seinem Bruder Leszek gegen den Deutschen Orden, die Gründe für die Verschlechterung seiner Beziehung zu den Deutschrittern sind allerdings unbekannt.
Während seiner Herrschaft wurden vielen Städten seines Reiches die Stadtrechte verliehen, darunter Gniewkowo.
Herzog Siemomysław starb 1287. Das genaue Datum und der Ort seines Todes sowie die Grablege sind unbekannt.

Ehe und Nachkommen
Siemomysław war nur einmal verheiratet. Er ging zwischen 1268/1274 den Bund der Ehe mit Salome von Pommerellen (1257/58–1312) ein, Tochter von Herzog Sambor II. von Pommerellen. Aus dieser Verbindung entsprangen mehrere Söhne und Töchter:
• Leszek (1275–1340), Herzog von Kujawien in Inowrocław und Gniewkowo;
• Przemysław (1278–1338/39), Herzog von Kujawien in Inowrocław und Gniewkowo und von Sieradz;
• Kasimir (1280/87–1347/50), Herzog von Kujawien in Inowrocław und Gniewkowo;
• Fenena (1268/1277–1295), als Gattin von König Andreas III. durch Heirat Königin von Ungarn;
• Konstanze (1268/1274–1331), Nonne im Zisterzienserkloster von Trebnitz, später Äbtissin des Klosters;



Weblinks und Literatur
Ziemomysl, Herzog von Kujawien-Gniewkowo auf Portal: genealogie-mittelalter.de (deutsch) 
von Kujawien, Herzog Siemomysław (I8121)
 
35648 https://de.wikipedia.org/wiki/Siemowit

Siemowit (lateinisch Semovit) war ein legendarischer Fürst der Polanen in der zweiten Hälfte des 9. Jahrhunderts. Seine historische Existenz ist unsicher.

Leben
Siemowit wurde nur in der Chronik des Gallus Anonymus erwähnt. Er soll zu den frühen Angehörigen des Hauses der Piasten gehört haben. Er soll ein Sohn des Fürsten Piast und dessen Frau Rzepicha gewesen sein.[1] Sein Sohn und Nachfolger war Lestek.

Historizität
Da Siemowit nur in der Chronik von Gallus Anonymus erwähnt wird, sind seine Existenz und seine Regierungszeit seit dem Ende des 19. Jahrhunderts umstritten.
Es ist unsicher, ob Siemowit als Person erfunden wurde, oder ob es sich bei ihm um eine tatsächliche Person handelte. Seit den 1960er Jahren ist die vorherrschende Meinung in der polnischen Geschichtswissenschaft, dass er als Person existiert hahabe. (so Henryk Łowmiański, Gerard Labuda, Kazimierz Jasiński, u.a.). Ein Argument dafür ist, dass die Darstellung der frühen Piasten keine sagenhaften unrealistischen Elemente enthält. Möglich ist, dass eine historische Person existierte, deren Leben dann verändert dargestellt wurde.
Archäologische Befunde gibt es allerdings erst für die Zeit ab ungefähr 920 in den Burgen der Piasten um Mieszko I.



Quelle
• Polens Anfänge – Gallus Anonymus: Chronik und Taten der Herzöge und Fürsten von Polen, übersetzt, eingeleitet und erklärt von Josef Bujnoch, Graz u.a. 1978, ISBN 3-222-10554-5.
Literatur
• K. Jasiński: Rodowód pierwszych Piastów, Warszawa 1992, S. 47.
• Janusz Roszko: Kolebka Siemowita, Iskry, 1980, ISBN 978-83-207-0090-9. online, S. 170
Einzelnachweise
1 K. Jasiński, Rodowód pierwszych Piastów, S. 47 
von Polen (Piasten), Fürst Siemowit (I8162)
 
35649 https://de.wikipedia.org/wiki/Sigibert_III.

Sigibert III. (in Frankreich Sigebert III. bzw. Saint Sigisbert also Sigibert der Heilige, * 630; † 1. Februar 656) war ein fränkischer König im Teilreich Austrasien.

Er war der Sohn des Dagobert I. aus dem Geschlecht der Merowinger und dessen Nebenfrau Ragnetrudis. Er war mit der alemannischen Herzogstochter Fridiburga verlobt, die jedoch nach einer Krankheit ins Kloster eintrat. Er heiratete nach 646 Chimnechild, mit der er zwei Kinder hatte: Dagobert II. (* 652; † 679), und Bilichild († 675), die 662 ihren Vetter Childerich II. heiratete und 675 dessen Schicksal teilte.
Sigibert III. war schon ab seinem dritten Lebensjahr auf Verlangen der Großen des östlichen Reichsteils Unterkönig in Austrasien, anfangs unter der Vormundschaft Pippins, konnte aber die Macht im Frankenreich nie vollständig erlangen, sondern musste seinen Bruder Chlodwig II. in Neustrien und Burgund als König einsetzen. Vor allem Herzog Radulf von Thüringen erwies sich als Sigiberts hartnäckigster Gegenspieler. Nach einer Niederlage 641 an der Unstrut wurde Thüringen faktisch unabhängig. Schließlich sah sich Sigibert gezwungen, den Sohn seines Hausmeiers Grimoald I., Childebert zu adoptieren und so die Erbfolge aus der Hand zu geben.
Bedeutend war Sigibert hingegen als Stifter der zwei Klöster Malmedy und Stablo, zu deren Gründung er Remaclus, den damaligen Abt des Klosters Solignac, beauftragte. Sigibert starb 656. Sigebert von Gembloux verfasste seine Vita. Die Grabstätte in St. Martin in Metz kennt seit dem 11. Jahrhundert eine Sigibert-Verehrung, die sich im 13. Jahrhundert auch auf die Klöster Stablo und Malmedy ausdehnte.

Wirken
Sigibert gilt zusammen mit seinem Halbbruder Chlodwig II. als die erste Generation der Faulenzerkönige.


Literatur
• Felix Dahn: Sigibert III. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 34, Duncker & Humblot, Leipzig 1892, S. 244–246. (veraltete Darstellung, nur noch forschungsgeschichtlich interessant)
• Eugen Ewig: Die Merowinger und das Frankenreich. 2. überarbeitete und erweiterte Auflage. Verlag W. Kohlhammer, Stuttgart u. a. 1993, ISBN 3-17-012557-5 (Urban-Taschenbücher 392).
• Pierre Riché: Die Karolinger. Eine Familie formt Europa. 3. Auflage. Deutscher Taschenbuch Verlag, München 1995, ISBN 3-423-04559-0.
• Reinhard Schneider: Königswahl und Königserhebung im Frühmittelalter. Untersuchungen zur Herrschaftsnachfolge bei den Langobarden und Merowingern. Anton Hirsemann, Stuttgart 1972, ISBN 3-7772-7203-5 (Monographien zur Geschichte des Mittelaltes 3), (Zugleich: Berlin, Freie Univ., Habil.-Schr., 1970/71).
• Gertrud Thoma: Sigibert III. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 10, Bautz, Herzberg 1995, ISBN 3-88309-062-X, Sp. 266–267.
• Karl Ferdinand Werner: Die Ursprünge Frankreichs bis zum Jahr 1000. Deutscher Taschenbuch Verlag, München 1995, ISBN 3-423-04653-8, (dtv 4653 dtv-Wissenschaft).
Weblinks
•  Commons: Sigibert III. – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
• Sigebertus Gemblacensis, Vita s. Sigeberti III regis Francorum im Repertorium „Geschichtsquellen des deutschen Mittelalters“ 
von Austrasien (Merowinger), König Sigibert III. (I8529)
 
35650 https://de.wikipedia.org/wiki/Sigismund_(HRR)

Sigismund von Luxemburg KG (* 15. Februar 1368 in Nürnberg; † 9. Dezember 1437 in Znaim, Mähren), auch Siegmund (tschechisch Zikmund Lucemburský, kroatisch Žigmund Luksemburški, ungarisch Luxemburgi Zsigmond), stammte aus dem Hause der Luxemburger. Er war Kurfürst von Brandenburg von 1378 bis 1388 und von 1411 bis 1415, König von Ungarn und Kroatien seit 1387 (siehe dazu Kroatien in Personalunion mit Ungarn), römisch-deutscher König seit 1411, König von Böhmen seit 1419 und römisch-deutscher Kaiser von 1433 bis zu seinem Tode.
In seine Regierungszeit fielen das Konzil von Konstanz (1414–1418), mit dem er eine Kirchenspaltung überwinden konnte, und die Hussitenkriege (1419–1436).

Jugend und die Erlangung der ungarischen Königskrone
Sigismund war ein Sohn Kaiser Karls IV. und Halbbruder Wenzels von Luxemburg: Wenzel entstammte Karls dritter Ehe mit Anna von Schweidnitz. Sigismund hingegen war von Karls vierter Frau Elisabeth von Pommern geboren worden. Er galt als hochgebildet, sprach mehrere Sprachen (darunter Deutsch, Latein, Italienisch und Französisch) und war – anders als sein Vater Karl – ein lebenslustiger Mensch, der auch Freude am Turnier hatte.
Die ungarische Krone erwarb er sich 1387 durch die Heirat mit Maria von Ungarn, doch benötigte er die Hilfe seines Bruders Wenzel, um sich gegen den mächtigen ungarischen Adel und die Erbansprüche des Hauses Anjou (Neapel) durchsetzen zu können. Am 31. August 1387 erfolgte die Krönung Sigismunds in Stuhlweissenburg. Am 4. Juni 1387 konnten seine Truppen unter dem Palatin Nikolaus von Gara die in Novigrad durch die Magnaten Horvath festgehaltene Königin Maria befreien. Sigismund kam seiner Gattin nach Agram (Zagreb) entgegen und wurde jetzt von der Mehrheit der Stände als König akzeptiert.
1388 verpfändete Sigismund die Mark Brandenburg, um seine Militärausgaben in Ungarn zu decken, und gab sie 1417 den Hohenzollern als Lehen. 1390 bis 1391 schlugen Truppen unter Gara neue Aufstände in Kroatien nieder und warfen Angriffe der Bosnier unter Tvrtko I. zurück. In Abwehrkämpfen gegen die Türken rief Sigismund die europäische Ritterschaft zur Hilfe. Dem Ruf folgten vor allem die Franzosen und Burgunder, welche dann auch die Führerschaft beanspruchten. Das vereinigte christliche Heer erlitt aber am 25. bis 28. September 1396 in der Schlacht bei Nikopolis eine fürchterliche Niederlage. Sigismund entkam der Gefangenschaft nur mit Hilfe venetianischer Schiffe, die ihn über Konstantinopel und Rhodos nach Dalmatien zurückbrachten. Infolge dieser Niederlage wurde das ungarische Militärwesen ab 1397 neu organisiert. Um an neue finanzielle Mittel zu kommen, beschnitt er kirchliche Rechte und zog sich dadurch die Gegnerschaft des ungarischen Klerus zu.

Absetzung und Restauration
Sigismund schloss ohne Wissen der ungarischen Stände im Frühjahr 1401 einen wechselseitigen Erbvertrag mit seinem Cousin Markgraf Jobst von Mähren. Am 28. April wurde er darauf durch die aufständischen Stände unter Führung des Erzbischofs Johanann Kanizsay von Gran und dem Prior Bebek von Vrana auf der Ofener Burg gefangengesetzt. Der Palatin Nikolaus von Gara übernahm seine achtzehn Wochen dauernde Bewachung auf der Burg Siklos. Sofort organisierte Jobst von Mähren im Einvernehmen mit Herzog Albrecht IV. von Österreich ein Heer, um Sigismund zu befreien. Sie rückten zwischen der Waag und der Donau vor und eroberten Tyrnau, Frauenmarkt und Preßburg zurück. Teile der ungarischen Stände wollten darauf Wladislaw von Polen als neuen König sehen, doch die zerspaltene Mehrheit unter Stibor von Stiborzice und die Anhänger der Restauration des Hauses Anjou verweigerten dazu ihre Zustimmung. Nachdem der Traum, einen landeseigenen König zu küren, gescheitert war, brachte Stibor seine früheren Kampfgefährten Johannes von Maroth, Nikolaus Frangipan und den Grafen von Cilli dazu, die Wiedereinsetzung Sigismunds zu unterstützen. Hermann II. von Cilli bewog schließlich seinen Schwiegersohn Nikolaus von Gara, ebenfalls umzuschwenken und den König freizugeben. Am Landtag zu Papa am 27. Oktober 1401 erfolgte die offizielle Wiedereinsetzung Sigismunds in die alten Thronrechte. Am 6. März 1402 ließ Sigismund in Begleitung Hermann von Cillis überraschend seinen unbeliebten Bruder König Wenzel auf dem Prager Hradschin verhaften, am 2. Juni wurde der Gefangene nach Schaunberg überstellt. Herzog Albrecht IV. von Österreich übernahm dessen Ehrenhaft, bis Wenzel im November 1403 die Flucht aus Wien und seine Rückkehr nach Prag gelang. Sigismund hatte seinen Bruder Wenzel bereits nach der Erhebung des Gegenkönigs Ruprecht von der Pfalz bewogen, auf seine Thronrechte zu seinen Gunsten zu verzichten, und dafür ausreichend Bewegungsfreiheit erhalten. Sigiismund erneuerte am 18. August 1402 auch die bereits von seinem Vater Karl IV. angestrebte Erbvereinigung der Häuser Luxemburg und Österreich und übertrug daher im Falle seines kinderlosen Todes seine Erbrechte auf seinen Schwager Albrecht IV. Am 5. August 1403 landete mit Unterstützung des Papstes Bonifatius IX. König Ladislaus von Neapel in Zara, pochte auf die alten Ansprüche seines Hauses Anjou und ließ sich sofort vom Erzbischof Kanizsay zum Gegenkönig krönen. Der Bruder des Palattins, Johann von Gara, und Stibor von Stiborzice vereinigten sich darauf bei Preßburg mit dem Aufgebot Sigismunds und eroberten Papa-Minkas und Althofen zurück. Sigismund hatte damit die Invasion des Königs von Neapel erfolgreich abgewehrt. König Ladislaus zog sich darauf nach Dalmatien zurück, brachte aber später Bosnien auf seine Seite. Vergeblich wurde derweil Gran belagert, der Fürstprimas von Ungarn behauptete sich hier weiterhin gegen Sigismund. Am Reichstag von Ofen 1403 amnestierte Sigismund seine politischen Gegner und stellte den inneren Frieden wieder her.
Im Jahr 1404 starb Albrecht IV. mit 27 Jahren an der Ruhr. Sein Nachfolger Albrecht V. war erst sieben Jahre alt, deshalb übernahm dessen Onkel Herzog Wilhelm die Vormundschaft. Nachdem Herzog Wilhelm zudem mit Johanna, der Schwester von Ladislaaus, des Königs von Neapel, vermählt war und zudem im Bund mit dem wieder etablierten König Wenzel von Böhmen lag, war die von Sigismund schwer erarbeitete Stabilität wieder in Frage gestellt. Um sich die Unterstützung des mächtigen Gara-Clans zu erhalten, vermählte sich Sigismund mit der (den Quellen zufolge leichtlebigen) Grafentochter Barbara von Cilli. Tochter aus dieser Ehe war Elisabeth von Luxemburg. Um die dauernd ungefestigte Südgrenze zu festigen, führte Sigismund 1407 ein starkes Heer gegen Bosnien, das wieder zu Ladislaus von Neapel abgefallen war, und unterwarf es seiner Oberhoheit. Der nördliche Teil wurde dem Banat von Macso angeschlossen, der westliche Teil fiel an Kroatien, zu dessen Ban Hermann von Cilli ernnannt wurde. Der östliche Teil Bosniens wurde Fürst Stefan Lazarević von Serbien für seine Neutralität überlassen. Dalmatien blieb aber vorerst dem König Ladislaus ergeben und ging später endgültig an die Republik Venedig verloren. Um seine Macht weiter zu festigen, schuf Sigismund 1408 den Drachenorden, in den auch vereinzelt Deutsche aufgenommen wurden. Vom König gefördert, übernahmen die eingewanderten Deutschen eine führende Rolle im Land und bildeten eine starke Stütze seiner Regierung.

Politik im Reich
Nach dem Tod König Ruprechts von der Pfalz am 18. Mai 1410 war Sigismund neben Jobst von Mähren einer der beiden Kandidaten für dessen Nachfolge. Die Königswahl wenige Monate später ergab einen knappen Sieg für Jobst: drei Kurfürsten (Trier, Pfalz und Brandenburg) stimmten am 20. September für Sigismund, die anderen vier entschieden sich am 1. Oktober für seinen Cousin. Da Jobst jedoch unter ungeklärten Umständen bereits am 18. Januar 1411 verstarb, wurde Sigismund am 21. Juli des Jahrhres zum König gewählt. Allerdings fehlte ihm im Reich, auch bedingt durch die Politik seines Vaters Karl IV., die nötige Hausmacht, um erfolgreich Reichspolitik betreiben zu können; außerdem war Sigismunds finanzielle Lage immer sehr angespanntnt. Das größte Problem jener Zeit stellte die Kirchenspaltung dar, das Abendländische Schisma. Die größte Leistung Sigismunds bestand denn auch in der Wiederherstellung der Einheit der römischen Kirche auf dem Konzil von Konstanz (1414 bis 1418). Dabei kam ihm zugute, dass sein Königtum relativ gefestigt war, während das Papsttum fortwährend an Macht und Ansehen verlor. Sigismund ging diplomatisch geschickt vor und setzte sich in zahlreichen Einzelverhandlungen mit den europäischen Herrschern in Verbindung. Sein Versuch einer Reichsreform konnte jedoch nicht in allen Punkten durchgesetzt werden. Die so genannte Reformatio Sigismundi war jedoch nur eine anonyme Schrift, die sich auf Sigismund berief. 1414 erließ Sigismund einen Schutzbrief für die Heilbronner Juden.

Das Konzil von Konstanz und die Hussitenkriege
Die Unruhen und theologischen Streitigkeiten in Böhmen beschäftigten auch das ab November 1414 tagende Konzil von Konstanz. Es galt, den Ruf des Landes wiederherzustellen und sich vom Vorwurf der Häresie zu befreien. Sigismund sicherte dem Prager Prediger Jan Hus freies Geleit zu und stellte ihm einen Geleitbrief in Aussicht. Hus machte sich aber schon vorher auf den Weg, um seine Ansichten vor dem Konzil darzustellen, und erreichte am 3. November Konstanz, wo er zunächst drei Wochen in einer Herberge predigte, danach aber festgenommen wurde. Als Sigismund am 24. Dezember 1414 eintraf, gab er sich über den Bruch des Geleitbriefes zornig, tat aber nichts, um Hus zu befreien. Die Geleitzusage Sigismunds wurde für nichtig erklärt, da Hus seine Ansichten nicht zurücknehmen wolle und deshalb nicht mehr die weltliche Ordnung für ihn zuständig sei, sondern das kirchliche Recht. Da er die böhmische Krone seines Bruders Wenzel beerben wollte, war ihm stärker daran gelegen, den Ruf Böhmens zu rehabilitieren. Papst Gregor XII. dankte während des Konzils ab, nachdem Papst Johannes XXIII. kurz zuvor abgesetzt worden war, die Verurteilung von Hus erfolgte deshalb ohne direkte päpstliche Beteiligung.
Da Hus seine Thesen nicht widerrufen hatte und deshalb verurteilt wurde, hatte Sigismund keinen Vorwand für einen Eingriff in den Prozess. Am 6. Juli 1415 wurde Hus als Häretiker zum Feuertod verurteilt und auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Beteteiligt am Konzil, dessen Sitzungen im Dom von Konstanz stattfanden, waren Sigismund, Friedrich von Hohenzollern, Ludwig III. von der Pfalz und ein ungarischer Magnat als Repräsentanten der weltlichen Mächte. Beteiligt am kirchlichen Schuldspruch waren der Kardinalbischof von Ostia, der Bischof von Lodi, der Bischof von Concordia und der Erzbischof von Mailand.
In Böhmen führte das Konstanzer Urteil und die Verbrennung ihres Reformators Hus zu Volksaufständen, im Sommer 1419 spitzte sich der Konflikt zu, wozu auch Wenzels immer mehr als tyrannisch empfundene Herrschaft beigetragen hatte. Ende Juli 14119 gelang es den Hussiten, Prag in ihre Hand zu bekommen. Wenzel floh, doch starb er schon am 16. August desselben Jahres. Seinen Bruder Sigismund wollten die Hussiten keinesfalls als neuen König anerkennen, weil er am Konzil seine Zusage für Huus nicht eingehalten hatte. In den Tagen nach dem Tode Wenzels unterwarfen hussitische Volksmassen in Prag Kirchen und Klöster gewaltsam der Kelchkommunion oder zerstörten und verbrannten sie. Der Aufstand dauerte mehrere Wochen. Im Dezember 1419 erlitt eine katholische Einheit in der Nähe von Pilsen eine erste Niederlage gegen ein kleines hussitisches Kontingent.
Die Kreuzzugsbulle von Papst Martin V. vom März 1420 führte dazu, dass aus dem Aufstand ein regelrechter Krieg wurde. Wenige Tage nach Erlass der Bulle griffen katholische Truppen Ende März in Südböhmen vergeblich eine hussitische Einheit bei Sudoměř an. Die Niederlage begründete den militärischen Ruhm des Hussitenführers Jan Žižka, die Schlacht war der Beginn der Entwicklung der Taktik der Wagenburg auf Seiten der Hussiten. Kaiserliche Truppen zogen im Juni 1420 auf der Prager Burg, dem Hradschin, ein. Der Versuch, ganz Prag zu erobern, wurde jedoch am 14. Juli in der Schlacht am Prager St. Veitsberg von den Hussiten abgewehrt. Am 28. Juli 1420 konnte Sigismund trotzdem im Prager Veitsdom seine Krönung zum König von Böhmen erreichen.[1]
Gegen die aufständischen Hussiten rief Sigismund zum Kreuzzug auf, der aber sehr rasch die Form eines langwierigen Kleinkrieges annahm und erst 1436 beendet werden konnte. Sein treuester Verbündeter in diesem Krieg wurde der Herzog von Österreich, Albrecht V., der später auch zu seinem Nachfolger designiert wurde. Am 1. November 1420 hatten die Hussiten den königlichen Truppen in der Schlacht auf dem Berg Witkow (Ziskaberg) eine Niederlage beigebracht, doch die Eroberung der anderen Prager Burg, des Wyschehrad, gelang nicht. Am 28. September 1421 kam Sigismund mit Albrecht in Preßburg über die Bedingungen überein, unter welchen dieser Sigismunds minderjährige Tochter, Prinzessin Elisabeth zur Frau erhalten sollte. Für die Abtretung Mährens, die am 4. Oktober 1423 an den Herzog erfolgte, musste Albrecht V. fast allein die Last des Hussitenkrieges tragen. Neue Söldnertruppen, die Sigismund 1422 vorgehen ließ, wurden in der Schlacht bei Deutsch-Brod abermals geschlagen. Die Hussiten unter Žižka führten ein hartes Regiment, das unter anderem zum Tod und zur Vertreibung vieler Deutscher aus Böhmen führte. [2]
Im Frühjahr 1423 brachen schwere Differenzen zwischen den verschiedenen hussitischen Strömungen auf. Im Juni kam es in Konopischt zu einem zeitweiligen Ausgleich zwischen den Parteien. Nachdem im Oktober 1423 Friedensverhandlungen der Utraquisten in Prag mit Sigismund gescheitert waren, brach der innerhussitische Gegensatz wieder auf.
Insbesondere gegen die zeitweilige Vernachlässigung des Reiches im Angesicht der Hussitengefahr bildete sich 1424 der Binger Kurverein der sechs Kurfürsten, die ein stärkeres Mitspracherecht in der Reichspolitik forderten. Nachdem es Sigismund gelungen war, Friedrich I. von Sachsen auf seine Seite zu bringen, brach das Bündnis faktisch zusammen.
Im Juni 1424 behielt Žižka in der Schlacht bei Maleschau erneut die Oberhand gegen die Prager. Der Schwerpunkt der Kämpfe verlagerte sich nun nach Mähren. Während Herzog Albrecht von Österreich im Juli von Süden her versuchte, das Land in die HaHand zu bekommen, begann von Westen her ein verheerender hussitischer Angriff. Habsburgisch-katholisch gesinnte Städte wurden eingenommen und dem Erdboden gleichgemacht. Nach dem Tode Žižkas übernahm im Oktober 1424 Andreas Prokop die Führung deder Hussiten und sie blieben weiterhin siegreich. Im Jahre 1425 stießen die Hussiten erstmals nach Schlesien vor, ansonsten beschränkten sich die Kämpfe, die von beiden Seiten mit großer Grausamkeit geführt wurden, bis Herbst 1425 noch weitgehend auf mährisch-böhmisches Gebiet.
Im November 1425 drangen hussitische Heere erneut nach Niederösterreich vor, um Herzog Albrecht abzulenken, der in Mähren mit wechselndem Erfolg operierte, auch um die Belastung des eigenen Landes zu verringern und um Beute zu machen. Zahlreiche Klöster und Städte wurden geplündert. Zur Aufstellung eines neuen Kreuzzuges gegen die Hussiten beschloss der Reichstag zu Frankfurt unter König Sigismund am 2. Dezember 1427 eine Steuer, auch Hussitenpfennig genannt. Darauf gingen die Hussiteten unter Andreas Prokop zum Angriff auf katholische Bastionen über. 1428 wurden Niederösterreich und Teile Schlesiens verheert, 1429 auch die Lausitz. Der Hussitenzug des Jahres 1430 betraf bereits die Provinzen Schlesien, Brandenburg, Oberpfalz und Oberfranken, der des Jahres 1431 erneut Brandenburg sowie die westliche Slowakei. Auch ein Beschluss zur Bekämpfung der Hussiten auf dem Reichstag zu Nürnberg im Jahre 1431 konnte das Kriegsglück nicht wenden.
Der Kreuzzug unter Kardinal Giuliano Cesarini endete am 14. August 1431 mit einer blamablen Niederlage in der Schlacht bei Taus. Der Kaiser suchte hierauf nach einer Lösung auf Verhandlungsbasis. Währenddessen folgten 1432/34 die ausgreifendsten Operationen der Hussiten, die im Osten nach Oberschlesien und in die westliche Slowakei führten, in Richtung Norden in die Lausitz und nach Niederschlesien. Ein weiterer Vorstoß vom 18. März bis 5. Mai 1432 betraf erneut Brandenburg und die westlichsten Teile Schlesiens.
Da den königlichen und päpstlichen Truppen bis auf kleinere erfolgreiche Gefechte der Sieg gegen die Hussiten verwehrt blieb, wurde zwischen 1431 und 1433 mit diesen verhandelt. Zwar hatte Kurfürst Friedrich II. von Sachsen am 23. August 1432 schon einen Sonderfrieden mit den Hussiten auf zwei Jahre geschlossen, doch erst 1436 endeten die Kriegshandlungen überall. Auf dem Basler Konzil wurden den Hussiten mit den Prager Kompaktaten einige Zugeständnisse gewährt. Am 21. September 1433 wurde ein Teilkontingent des hussitischen Belagerungsheeres, das in die Oberpfalz eingedrungen war, um dort Truppenversorgung zu erbeuten, von dem wesentlich kleineren Heer des Pfalzgrafen Johann von Pfalz-Neumark vernichtend geschlagen.
Während des Konzils von Basel kehrte der gemäßigte Hussitenflügel der Utraquisten bzw. Calixtiner wieder in den Schoß der katholischen Kirche zurück und verbündete sich sogar mit den kaiserlichen Truppen gegen die radikalen Taboriten. Diese wurden schließlich am 30. Mai 1434 in der Schlacht bei Lipan vernichtend geschlagen. Am 23. September 1434 erlitten die Hussiten in der Schlacht bei Brüx gegen katholische Truppen unter Friedrich II. von Sachsen und Heinrich von Schwarzburg eine weitere schwere Niederlage. Damit waren die Hussitenkriege in Böhmen im Wesentlichen beendet. Die Böhmen mussten am 5. Juli 1436 auf dem Landtag von Iglau die Kompaktaten des Konzils von Basel und Kaiser Sigismund als König von Böhmen anerkennen.

Die letzten Jahre
Im Reich stieß Sigismund auf die Opposition besonders der rheinischen Kurfürsten, die auf der Seite des deutschen Ordensstaats standen und deshalb seine wohlwollende Politik gegenüber Polen-Litauen beargwöhnten.
Sigismunds diplomatisches Talent zeigte sich besonders während seines 1431 begonnenen Italienzugs, als er im komplexen Netz der Bündnisse seinen Vorteil suchte und meistens fand. Einerseits wollte er durch ein Bündnis mit den oberitalienischen Städten die Macht der Republik Venedig schwächen, andererseits wollte er seine gespannten Beziehungen zum heiligen Stuhl verbessern und Papst Eugen IV. für die Beschlüsse des Konzils von Basel gewinnen. Unmittelbar nach der Niederlage der Kreuzritter in der Schlacht bei Taus trat Sigismund mit einigen hunderten Ungarn seinen Zug nach Rom an.
Herzog Filippo Maria Visconti von Mailand war schnell gewonnen; unter dessen Schutz empfing Sigismund am 25. November 1431 die wertlose lombardische Königskrone. Im Dezember 1431 erreichte Sigismund ein formelles Bündnis mit dem Herzog von Savoyen und den Markgrafen von Montferrat gegen Venedig. Über Piacenza und Parma begab er sich nach Siena, wo ihn die Truppen der Republik Florenz zwischen Juli 1432 und Mai 1433 für zehn Monate einschlossen. Nur das Geschick seines Kanzlers Kaspar Schlick bewahrte Sigismund hier vor einer diplomatischen Niederlage. Nachdem Sigismund die Bedeutung des apostolischen Stuhls anerkannt und sich zur Ausrottung der böhmischen Ketzerei verpflichtet hatte, weihte ihn der Papst am 31. Mai 1433 in Rom zum Kaiser und setzte Sigismund die erstrebte Krone auf. Im Frieden von Ferrara vom 7. April 1434 bereinigten Kaiser und Papst endgültig ihre Differenzen; Venedig, Mailand und Florenz schlossen sich diesem Ausgleich an.
Nach dem Ende des siebzehnjährigen grausamen Religionskrieges gegen die Hussiten hielt der Kaiser am 23. August 1436 mit seiner Gemahlin feierlichen Einzug in Prag. Noch während seiner Regierung wurde über Sigismunds Nachfolge spekuliert. Er selbst favorisierte seinen Schwiegersohn Albrecht, Herzog von Österreich. Darin unterstützten ihn die adeligen Katholiken und die gemäßigten Utraquisten sowie einige Königsstädte. Seine Frau Barbara von Cilli mit ihren Anhängern unter Führung von Hynek Ptáček von Pirkstein zog dagegen den polnischen König Wladyslaw vor und betrieb im Geheimen die Absetzung Sigismunds. Der erkrankte Kaiser erfuhr in Prag rechtzeitig von dem Verrat und hieß den gesamten Hof sofort aufbrechen, um durch ein rrechtzeitiges Zusammentreffen mit Albrecht V. den geplanten Staatsstreich zu verhindern. In seiner letzten Stunde und im Angesicht des Todes ließ sich der Kaiser im vollen Ornat noch auf den Thron heben.[3] Sigismund starb am 9. Dezember 1437 im südmährischen Znojmo (deutsch Znaim) und wurde im Dom von Großwardein (rum. Oradea, ung. Nagyvárad) beigesetzt, das heute zu Rumänien gehört. Mit Sigismund, der als großer Reichs- und Kirchenreformer gilt, endete die Luxemburger Dynastie im männlichen Zweig.
Nach seinem Tode kam es zu offenen Auseinandersetzungen. Das Ende des Hauses Luxemburg sah die Überforderung seiner Kräfte, um ein mittel-osteuropäisches Herrschaftsgebilde sicher lenken zu können. Dennoch sollte diese Idee später von den Habsburgern aufgegriffen und mit der Donaumonarchie verwirklicht werden. Die Meinung der Zeitgenossen über Kaiser Sigismund war gespalten. So wurde ihm nach seinem Tod unter anderem vorgeworfen, er habe gegen die Interessen seiner Untertanen unnötig Kriege geführt und allzu leichtfertig sein Hausgut und Vermögen auf das Spiel gesetzt.[4]

Handschriften
Vom Leben und Wirken des Kaisers erzählt das Kaiser Sigismunds Buch des Eberhard Windeck, das in drei Handschriften überliefert ist. Die reich illustrierte spätmittelalterliche Sigismundhandschrift (C) aus der Werkstatt von Diebold Lauber entstand 1445–1450. In 174 Illustrationen werden die spektakulärsten Ereignisse beschrieben, Intrigen und Schlachten, Giftmorde und die Verbrennung des Jan Hus, der 1415 mit der Zustimmung des Kaisers auf dem Scheiterhaufen hingerichtet wurde. Außerdem enthält die Handschrift die drei ältesten Darstellungen der Jeanne d’Arc. Die Handschrift wurde, nachdem sie 50 Jahre lang als verschollen galt, 2009 bei Sotheby’s mit einem Schätzwert von 1,5 Millionen Euro versteigert.[5] Die Handschrift umfasst noch 306 Blätter. Sie war früher im Privatbesitz in Irland und ursprünglich Bestandteil der Bibliothek Phillippica, Cheltenham, Cod. 10381.[6]

Denkmal
Ein Standbild Sigismunds mit den beiden Büsten Lippolds von Bredow und Bernd Rykes als Nebenfiguren schuf Eugen Börmel für die Siegesallee in Berlin. Es wurde am 6. Mai 1900 als Denkmalgruppe 14 enthüllt und ist heute in der Zitadelle Spandau aufgestellt.



Literatur
• Joseph von Aschbach: Geschichte Kaiser Sigmunds. 4 Bde., Hamburg 1838–1845 (ND Aalen 1964). [wichtige ältere Studie, jedoch heute veralteter Forschungsstand]
• Hartmut Boockmann, Heinrich Dormeier: Konzilien, Kirchen- und Reichsreform 1410–1495. (Gebhardt. Handbuch der deutschen Geschichte. 10. Aufl., Bd. 8). Klett-Cotta, Stuttgart 2005, ISBN 3-608-60008-6. [aktueller Überblick]
• Jörg K. Hoensch: Kaiser Sigismund. Herrscher an der Schwelle zur Neuzeit (1368–1437). C. H. Beck, München 1996, ISBN 3-406-41119-3. [grundlegend]
• Karel Hruza, Alexandra Kaar (Hrsg.): Kaiser Sigismund (1368–1437). Zur Herrschaftspraxis eines europäischen Monarchen. Böhlau Verlag, Wien 2012, ISBN 978-3-205-78755-6 (Volltext als PDF / ausführlicher Tagungsbericht)
• Martin Kintzinger: Sigmund. In: Bernd Schneidmüller, Stefan Weinfurter (Hrsg.): Die deutschen Herrscher des Mittelalters. Historische Porträts von Heinrich I. bis Maximilian I. C. H. Beck, München 2003, ISBN 3-406-50958-4, S. 462–485.
• Martin Kintzinger: Westbindungen im spätmittelalterlichen Europa. Auswärtige Politik zwischen dem Reich, Frankreich, Burgund und England in der Regierungszeit Kaiser Sigmunds. Thorbecke, Stuttgart 2000, ISBN 3-7995-4253-1.
• Theodor Lindner: Sigmund. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 34, Duncker & Humblot, Leipzig 1892, S. 267–282.
• Michel Pauly, François Reinert (Hrsg.): Sigismund von Luxemburg. Ein Kaiser in Europa. Philipp von Zabern, Mainz 2006, ISBN 3-8053-3625-X. (Rezension)
• Eva Schlotheuber: Sigismund. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 24, Duncker & Humblot, Berlin 2010, ISBN 978-3-428-11205-0, S. 358–361 (Digitalisat).
• Joachim Schneider: Sigismund. Römisch-deutscher König auf dem Konstanzer Konzil. In: Karl-Heinz Braun, Mathias Herweg, Hans W. Hubert, Joachim Schneider, Thomas Zotz (Hgg.): Das Konstanzer Konzil. Essays. 1414–1418. Weltereignis des Mittelaltrs. Theiss Verlag, Darmstadt 2013, ISBN 978-3-8062-2849-6, S. 41–46.
• Imre Takács (Hrsg.): Sigismundus Rex et Imperator. Kunst und Kultur zur Zeit Sigismunds von Luxemburg (1387–1437). Zabern, Mainz 2006, ISBN 3-8053-3626-8.
• Sabine Wefers: Das politische System Kaiser Sigmunds. Steiner, Stuttgart 1989, ISBN 3-515-05236-4.
• Helmut Fidler: König Sigismund, das Konstanzer Konzil und die Juden. In: Schriften des Vereins für Geschichte des Bodensees und seiner Umgebung. 133 (2015), S. 85–123.
Weblinks
 Commons: Sigismund – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Sigismund von Luxemburg – Quellen und Volltexte
• Die Urkunden Kaiser Sigmunds 1410/11–1437
• Literatur von und über Sigismund im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
• Werke von und über Sigismund in der Deutschen Digitalen Bibliothek
Anmerkungen
1 Gerhard Hartmann, Karl Schnith (Hrsg.): Die Kaiser. 1200 Jahre europäische Geschichte. Marixverlag, Wiesbaden 2006, ISBN 3-86539-074-9, S. 455.
2 Franz Theuer: Der Raub der Stephanskrone, Edition Roetzer, Eisenstadt 1994, S.52 f.
3 Spamers Weltgeschichte Band IV., Leipzig 1897, S.421
4 Konstantin Moritz Langmaier: Der Sermo de rixis des Nikolaus Petschacher (gest. um 1445). Ein historisches Zeugnis aus dem Umfeld König Albrechts II. In: Deutsches Archiv für Erforschung des Mittelalters 72 (2016), S. 593–605.
5 Kaiser unterm Hammer. In: Der Spiegel. Nr. 28, 2009, ISSN 0038-7452, S. 113.
6 Eintrag im Handschriftencensus; Joachim Schneider: Herrschererinnerung in Text und Bild. Zu Besonderheiten des wieder aufgefundenen illustrierten Exemplars von Eberhard Windeckes Sigmund-Buch. In: Imre Takács (Hrsg.): Sigismundus rex et impertor. Kunst und Kultur zur Zeit Sigismunds von Luxemburg 1387–1437. Mainz 2006, S. 433–437. 
von Luxemburg (von Ungarn), König Sigismund (I8278)
 

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