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47951 Zitat aus:
https://de.wikipedia.org/wiki/Fürstenberg_(schwäbisches_Adelsgeschlecht)

Die Fürstenberg sind ein südwestdeutsches Adelsgeschlecht des Hochadels, dessen Besitzungen in Deutschland zwischen Schwarzwald, Hochrhein, Bodensee und der Schwäbischen Alb lagen und teils auch heute noch liegen. Darüber hinaus hatten die Fürstenberg große Besitzungen in den österreichischen Erblanden inne – besonders in Böhmen.

Mit dem Fürstentum Fürstenberg beherrschten sie bis 1806 eines der größten Territorien des deutschen Südwestens. Internationalen Ruf erlangten die Fürstenberg unter anderem durch die Fürstlich Fürstenbergische Brauerei, als Eigentümer einer der größten privaten Kunstsammlungen in Europa sowie als Gründer und Patron der Donaueschinger Musiktage, der Donaueschinger Reitturniere sowie des Fürstenberg Polo Cup.[1] In Donaueschingen bewohnen sie seit 1488 das Schloss Donaueschingen, nachdem sie die Entenburg im Ortsteil Pfohren verlassen hatten.

Mit dem Schloss Heiligenberg besitzt das Haus Fürstenberg daneben eines der bedeutendsten Denkmale der Renaissance nördlich der Alpen. Die wirtschaftlichen Grundlagen der Familie liegen vor allem in einem umfangreichen Waldbesitz.

Die Familie ist nicht mit den Freiherren von Fürstenberg aus Westfalen verwandt.

Titel
Die private Verwendung des Titels Fürst respektiv Fürstin, Prinz oder Prinzessin als Teil des Namens ist im Haus Fürstenberg noch üblich, der (inoffizielle) Titel lautet heute: Fürst zu Fürstenberg, Landgraf in der Baar und zu Stühlingen, Graf zu Heiligenberg und Werdenberg. Seit dem Jahre 2002 stehen Heinrich Fürst zu Fürstenberg und Christian Erbprinz zu Fürstenberg dem Hause vor. Heinrich Fürst zu Fürstenberg ist der „Chef des Hauses“. Sitz der Residenz der Familie ist seit 1723 Donaueschingen, ihre Grablege befindet sich in Neudingen auf dem Gelände des ehemaligen Klosters Neudingen.

Geschichte
Die Grafen und Fürsten zu Fürstenberg lassen sich mit einiger Wahrscheinlichkeit auf die fränkische Grafenfamilie der Unruochinger zurückführen, die zur Zeit Karls des Großen im deutschen Südwesten wichtige Funktionen in der Landesverwaltung innehatten. Eindeutig nachweisbar sind die Fürstenberg seit dem 11. Jahrhundert als Grafen von Urach auf der Schwäbischen Alb und in der Gegend des mittleren Neckars.

Die Fürstenberg sind eine Seitenlinie der Grafen von Urach und stammesverwandt mit den Grafen von Achalm. Der mit Agnes, Tochter Bertholds IV. von Zähringen, verheiratete Graf Egino IV. von Urach erbte 1218 einen großen Teil des Besitzes der Herzöge von Zähringen, da Berthold V. kinderlos verstorben und somit die Zähringer Hauptlinie erloschen war. Die Erbschaften auf der Baar und im Schwarzwald bildeten den Grundstock der Seitenlinie der Fürstenberg.

Graf Konrad begründete mit den zähringischen Gütern im Breisgau die Linie der Grafen von Freiburg. Sein jüngerer Bruder Heinrich übernahm das zähringische Erbe im Kinzigtal, im Schwarzwald und auf der Baar und nannte sich nach der Burg auf dem „fürdersten Berg“, dem Höhenzuge Länge bei Neudingen Graf von Fürstenberg. Er wurde so zum Stammvater deren von Fürstenberg.

Während sich die Grafen von Freiburg vor allem in der Auseinandersetzung mit der Bürgerschaft der aufstrebenden Stadt Freiburg und den Habsburgern aufrieben und im 15. Jahrhundert ausstarben, gelang deren von Fürstenberg dank der engen Anlehnung an das Haus Habsburg, einer klugen Heiratspolitik und mehreren günstigen Erbgängen eine Vervielfachung ihres territorialen Besitzes. Seit dem ausgehenden Mittelalter erwarb das Haus nicht nur den späteren fürstenbergischen Residenzort Donaueschingen mit der hochbedeutsamen Donauquelle (1488), sondern auch so wichtige Territorien wie die Grafschaften Heiligenberg (1543) und die Landgrafschaft Stühlingen (1637/1639) oder die Herrschaften Trochtelfingen und Jungnau (1543), Meßkirch, Wildenstein, Gundelfingen, Falkenstein, Hayingen, Neufra und ein Drittel Helfenstein-Wiesensteig (1627/1636) sowie (Hohen-)Hewen mit Engen (1637/1639).

Schloss Donaueschingen ist bis heute die Hauptresidenz des Fürsten zu Fürstenberg geblieben, auch Schloss Heiligenberg gehört noch zum Familienbesitz. Die niederösterreichische Herrschaft Weitra mit Sitz auf Schloss Weitra im Waldviertel gelangte 1607 an die Familie Fürstenberg, die bis 1848 die Grundherrschaft innehatte und ebenfalls immer noch Eigentümer des Schlosses und des dazugehörigen Großgrundbesitzes in der Umgebung ist.

Eine größere Machtsteigerung der Familie resultierte aus diesen territorialen Zugewinnen zunächst nicht. In Erbteilungen wurden diese Territorien immer wieder auf verschiedene Linien aufgeteilt. Erst Fürst Joseph Wilhelm Ernst zu Fürstenberg-Stühlingen (1699–1762) gelang nach dem Aussterben der Linien in Heiligenberg (1716) und Meßkirch (1744) die Zusammenfassung der verschiedenen Herrschaftsgebiete zu einem fürstenbergischen Staat mit einheitlicher Verwaltung. Dabei wurde das 1488 erworbene Donaueschingen zur neuen Residenz ausgebaut. Bis zur Vereinigung der beiden badischen Markgrafschaften Baden-Durlach und Baden-Baden 1771 bildete Fürstenberg das zweitwichtigste Territorium im deutschen Südwesten.

Während der Reformation trat Graf Wilhelm von Fürstenberg 1537 zum evangelischen Glauben über, bereits 1549 erfolgte jedoch die Rückkehr zur römisch-katholischen Kirche. Das Fürstenhaus konnte sich in seinen Territorien gegen den ansässigen niederen Adel vollständig durchsetzen.[2] Am 31. Oktober 1723 war die Hauptstadt und Residenz von Stühlingen nach Donaueschingen verlegt worden, weil es zum Ueberblicke der Angelegenheiten besser gelegen als das entfernte Stühlingen.[3]

Durch Vereinigung aller Herrschaften unter dem „Fürsten zu Fürstenberg“ Josef Wilhelm Ernst entstand 1744 ein mit größeren deutschen Territorialstaaten vergleichbares Gebilde, dem es jedoch an territorialer und administrativer Geschlossenheit sowie äußerer Machtstellung fehlte. Die Herrschaft hatte etwa 85.000 Einwohner und war in 14 Oberämter gegliedert. Der Regierung in Donaueschingen gehörten ein Kanzler, drei Hof- und zwei Kammerräte sowie der fürstliche Archivar an. Ihr unterstanden das Hofzahlamt und die Finanzverwaltung.[4] Fürst Josef Wilhelm Ernst mischte sich als kaiserlicher Prinzipalkommissar nur wenig in die Verwaltung seines Territoriums ein. Nachdem ihm als Parteigänger Karls VII. im Österreichischen Erbfolgekrieg die Güter seiner Frau Maria Anna Gräfin von Waldstein in Böhmen konfisziert worden waren, trat er für eine rasche Beendigung des Krieges ein. Er führte im Auftrag des bayerischen Kurfürsten Max Joseph wenig erfolgreich Friedensverhandlungen mit Maria Theresia.[5]

Fürst Karl Joachim Aloys Franz de Paula floh 1798 und 1800 vor den französischen Truppen auf seine Besitzung nach Weitra. Nach dem frühen Tod des Fürsten wurde 1806 das fürstenbergische Territorium aufgrund der Rheinbundakte im Gefolge des Reichsdeputationshauptschlusses mediatisiert und großteils dem Großherzogtum Baden zugeschlagen. Der am linken Donauufer gelegene Landesteil ging an Hohenzollern-Hechingen.[6]

In Österreich-Ungarn, genauer im Königreich Böhmen und in der Markgrafschaft Mähren, hatten Mitglieder der Familie Fürstenberg hohe und höchste Ämter inne, so etwa das des Fürsterzbischofs von Olmütz oder des Bischofs von Brünn.

1896 starb die schwäbische Stammlinie aus, die Leitung des vereinigten fürstlich fürstenbergischen Hauses ging auf Max Egon II. zu Fürstenberg über. Unter ihm wurde 1929 die böhmische Burg Křivoklát mit der Sammlung und der Bibliothek aus dem Palais Fürstenberg auf der Prager Kleinseite sowie das Schloss Lány an den tschechoslowakischen Staat verkauft.

Der Verlust ihrer traditionellen Herrschaftsrechte tangierte die Stellung der Familie allenfalls kurzfristig. Fürst Karl Egon II. brachte durch eine dynastische Verbindung mit dem großherzoglich-badischen Haus seinen Status als erster Standesherr in Baden zum Ausdruck. Sein Sohn Karl Egon III. organisierte das fürstenbergische Forst- und Hüttenwesen streng nach privatwirtschaftlichen Gesichtspunkten. Binnen weniger Jahre stieg er dadurch zu einem der reichsten Männer in Deutschland auf. Fürst Max Egon II. schließlich wandte seine Aufmerksamkeit vor allem der Fürstenbergbrauerei zu und baute sie zu einer der größten Brauereien des Deutschen Reiches aus („Tafelgetränk S.M. des Kaisers“). Was das Haus durch die Mediatisierung an staatlicher Stellung verloren hatte, versuchte es daneben durch kulturelle und soziale Aktivitäten auszugleichen. Mit den fürstlichen Instituten für Kunst und Wissenschaft, bestehend aus Sammlungen, Archiv und Hofbibliothek, errichteten die Fürsten Karl Egon II. (1796–1854) und Karl Egon III. (1820–1892) eine der größten Privatsammlungen in Europa und machten diese der Öffentlichkeit zugänglich. 1921 schließlich etablierte Max Egon II. zu Fürstenberg die Donaueschinger Musiktage, die sich zum wichtigsten Forum für zeitgenössische Musik wurden. Unter dem Patronat von Joachim zu Fürstenberg (1923–2002) erlangten ab 1954 auch die Donaueschinger Reitturniere internationale Bedeutung.

Größere Teile ihres wirtschaftlichen und kulturellen Imperiums haben die Fürstenberg jedoch im Lauf der Zeit wieder veräußert, darunter schon 1867 Schloss Neufra, 1869 Schloss Trochtelfingen und ab den 1970er Jahren Burg Wildenstein und Schloss Meßkirch sowie umfangreichen Wald- und Landbesitz, zuletzt 2011 Schloss Hohenlupfen in Stühlingen mit Ländereien. Der Waldbesitz soll 2015 noch "ca. 18.000 Hektar" umfassen, dazu Waldbesitz in Kanada und Österreich. Mit der Lignis GmbH & Co. KG baute Heinrich Prinz zu Fürstenberg ein Unternehmen zur Holzvermarktung auf, an dem er viele namhafte Fürstenhäuser beteiligte: Waldburg-Wolfegg, Leiningen, Löwenstein-Wertheim-Rosenberg und Sayn-Wittgenstein-Hohenstein – zusammen 52.000 Hektar Wald.[7] Die Familie ist zudem Franchisepartnerin der Friedwald GmbH und betreibt als Süddeutschlands größter Anbieterin von Urnenplätzen sechs Waldbestattungsanlagen auf 256 ha[8] sowie einen Tierfriedhof.[9]

Von Beginn der 1980er Jahre an wurde die einzigartige und kulturhistorisch hochbedeutende Hofbibliothek Donaueschingen schrittweise veräußert. Zunächst kam es zum Verkauf einzelner, teilweise herausragender Handschriften. Während die verbliebenen Handschriften und Musikalien vom Land Baden-Württemberg 1992 geschlossen erworben wurden, wurde das übrige, darunter die einzigartige Inkunabelsammlung und der geschlossene Bestand der über 11.000 Drucke umfassenden Sammlung des berühmten Bibliophilen und Nestors der Altgermanistik, des in morganatischer Ehe mit der verwitweten Fürstin Elisabeth von Fürstenberg (1767–1822) verbundenen Freiherrn Joseph von Laßberg (1770–1865), von 1994 bis 2002 in mehreren Tranchen über verschiedene Auktionshäuser versteigert, nachdem Verhandlungen mit dem Land Baden-Württemberg über einen geschlossenen Ankauf gescheitert waren und dieses lediglich einen Teil der Inkunabeln vorab erworben hatte.[10] 1999 wurde die Musikaliensammlung verkauft, 2002 die Sammlung mittelalterlicher Tafelgemälde, darunter der Wildensteiner Altar des Meisters von Meßkirch. Ein Großteil der Sammlung ist heute Bestandteil der Sammlung Würth und ausgestellt in der Johanniterhalle in Schwäbisch Hall, 2004 folgte schließlich die Brauerei.[11]

In Donaueschingen zu besichtigen ist die historische Naturkundesammlung mit Fossilien und Mineralien, präparierten Tieren und die Sammlung zur Geschichte des Hauses Fürstenberg sowie Moderne Kunst, in einem eigens dazu erbauten historischen Museumsgebäude nahe beim Schloss, die Hofbibliothek ist dem Publikum zu den Öffnungszeiten zugänglich.

Grafen von Fürstenberg - Stammlinie
Die angegebenen Jahreszahlen sind jeweils die Regierungszeit.

Heinrich I. (1250–1284)
Friedrich I. (1284–1296)
Heinrich II. (1303–1337)
Heinrich III. (1337–1367)
Heinrich IV. (1367–1408)
Heinrich V. (1408–1441)
Konrad (1441–1484)
Wolfgang (1484–1509) – (bis 1499 gemeinsam mit Heinrich VII.)
Friedrich II. (1510–1559) – (bis 1549 gemeinsam mit Wilhelm)
Christoph I.
Albrecht (–1599)
Christoph II. (1599–1614)

Die Seitenlinie Fürstenberg-Haslach 1284–1386
Bereits unter den Söhnen des Stammvaters Heinrich I. kam es wieder zu einer Erbteilung. Während Friedrich die Hauptlinie fortsetzte, begründete Egon 1284 die Seitenlinie Fürstenberg-Haslach, die allerdings bereits 1386 mit dem Tod des Grafen Johann in der Schlacht von Sempach in der männlichen Linie ausstarb.[12] Heinrich IV. konnte nach einem langwierigen Erbstreit mit dem Grafen Friedrich XI. von Hohenzollern und dem Bischof von Straßburg, Friedrich von Blankenheim, die Eigengüter und Reichslehen der Nebenlinie für das Haus Fürstenberg erhalten, wobei er jedoch auf drei andere Dörfer verzichten musste.[13][14][15]

Die Grafen von Fürstenberg-Haslach
Egon (Egen), 1284–1324
Gottfried (Götz), 1324–1341
Hugo (Hug), 1341–1371
Johann (Hans), 1371–1386
Die Seitenlinie Fürstenberg-Wolfach 1407–1490
Unter den Söhnen von Graf Heinrich IV. wurden die fürstenbergischen Lande wieder aufgeteilt.[16] Während die Stammburg und die Landgrafschaft Fürstenberg an Heinrich V. fielen und Egon die Herrschaft Wartenberg mit der Stadt Geisingen erhielt, kamen die fürstenbergischen Besitzungen im Kinzigtal mit den Städten Wolfach und Haslach an Konrad. Konrad begründete eine eigene Seitenlinie Fürstenberg-Wolfach oder Fürstenberg-Kinzigtal. Heinrich und Egon regierten einige Besitzungen im Schwarzwald gemeinsam und treten auch in den Urkunden häufig gemeinsam auf. Nachdem die Seitenlinie 1490 mit dem Tod Heinrich VI. ausstarb, erbte dessen Vetter, Wolfgang den Hauptteil seiner Besitzungen. Nachdem Konrads älterer Bruder, Heinrich VII., bereits 1499 starb, waren die fürstenbergischen Besitzungen wieder vereinigt.

Die Grafen von Fürstenberg-Wolfach
Konrad (1407–1419); übernahm bereits vor dem Tod seines Vaters die Regentschaft
Heinrich VI. (1419–1490); war beim Tod seines Vaters 1419 noch unmündig, weshalb bis 1432 eine vormundschaftliche Regierung unter seinen Onkel Egon und Heinrich V. die Herrschaft übernahm.[17]
Der Aufstieg in den Reichsfürstenstand
Die Fürstenberger gehörten dem Reichsgrafenstand an. 1664 wurden Hermann Egon aus der Linie Fürstenberg-Heiligenberg und seine geistlichen Brüder Franz Egon (Bischof von Straßburg) und Wilhelm Egon (Kardinal) von Kaiser Leopold in den Fürstenstand erhoben.[18] Nachdem die Linie Fürstenberg-Heiligenberg 1716 ausgestorben war, wurden die Grafen Froben Ferdinand zu Fürstenberg-Mößkirch und Joseph Wilhelm Ernst zu Fürstenberg-Stühlingen durch Kaiser Karl VI. zu Reichsfürsten ernannt.[19]

Grafen und Fürsten von Fürstenberg-Heiligenberg
Die Grafschaft Fürstenberg-Heiligenberg wurde 1559 von der Grafschaft Fürstenberg-Baar abgespalten. Von Fürstenberg-Heiligenberg spaltete sich 1617 die Linie Fürstenberg-Donaueschingen ab, die jedoch bereits 1698 zum mittlerweile (1664) zum Fürstentum erhobenen Fürstenberg-Heiligenberg zurückfiel. Die gesamte Linie fiel 1716 an die Fürsten von Fürstenberg-Fürstenberg.

1559–1598 Joachim, Graf
1598–1617 Friedrich IV., Graf
1617–1618 Wilhelm II., Graf
1618–1635 Egon VIII., Graf
gemeinsame Regierung:
1635–1652 Ernst Egon, Graf
1635–1674 Hermann Egon, Graf, seit 1664 Fürst
1635–1662 Ferdinand Friedrich Egon, Graf
gemeinsame Regierung:
1662–1676 Maximilian Joseph
1674–1716 Anton Egon, Fürst
Stammlinie der Fürstenberger Linie zu Meßkirch-Wildenstein
1.1 Wratislaus II. † 1642, Sohn des Christoph II. von Fürstenberg, Stifter der Fürstenberger Linie zu Meßkirch[20]-Wildenstein, ∞ a) Johanna Eleonora, Erbin von Gundelfingen, Meßkirch, Hayingen und Neufra, Tochter des Froben Christoph Graf von Helfenstein, Freiherr von und zu Gundelfingen ∞ b) Franzisca Carolina, Erbin von ein Drittel Helfenstein-Wiesensteig, Wildenstein und Falkenstein, Tochter des Rudolf III. Graf von Helfenstein-Wiesensteig
2.1 Franz Christoph † 1671.
3.1 Froben Ferdinand 1664–1741; Reichsfürst 1716–1741 ∞ Gräfin Maria Theresia Felicitas von Sulz
4.1 Karl Friedrich 1714–1744; Reichsfürst 1741–1744; ∞ Herzogin Maria Gabriele Felicitas von Schleswig-Holstein-Sonderburg; stirbt kinderlos.
3.2 Karl Egon
3.3 Philipp Karl
2.2 Froben Maria
2.3 Ferdinand Rudolf
Fürsten zu Fürstenberg aus der Stühlinger Linie
Josef Wilhelm Ernst (1699–1762); ∞ Maria Anna von Waldstein. Nach dem Aussterben der Linie Fürstenberg-Meßkirch beerbte Joseph den Fürsten Karl Friedrich und vereinigte alle fürstenbergischen Lande in Schwaben. Er organisierte eine einheitliche Landesverwaltung und gilt daher als der eigentliche Begründer des Fürstentums.
Josef Wenzel (1728–1783) ∞ Gräfin Maria Josepha von Friedberg-Trauchburg-Scheer
Joseph Maria Benedikt Karl (1758–1796) ∞ Maria Antonia von Hohenzollern-Hechingen
Karl Joachim Aloys Franz de Paula (1771–1804)[21] ∞ Karoline von Fürstenberg-Weitra; die Ehe blieb kinderlos und die Linie Fürstenberg-Stühlingen starb mit Karl Joachim aus - das gesamte Erbe ging an Karl Egon II. von der böhmischen Subsidiallinie über.
Mediatisierte Fürsten und badische Standesherren
Als Standesherren genossen die seit 1806 mediatisierten Fürsten zu Fürstenberg gemäß dem Artikel XIV der Deutschen Bundesakte von 1815 noch zahlreiche Sonderrechte, die zwar in der Märzrevolution weitgehend verloren gingen, jedoch blieb die Anwartschaft auf einen Sitz in der ersten Kammer der Badischen Ständeversammlung bis 1918 bestehen.

Nachfolgend die Liste der Fürsten zu Fürstenberg als badische Standesherren bis zum Untergang der Monarchie 1918:

1804–1854 Karl Egon II. zu Fürstenberg (1796–1854), Vizepräsident der Ersten Kammer der badischen Ständeversammlung; ∞ Prinzessin Amalie von Baden
1854–1892 Karl Egon III. zu Fürstenberg (1820–1892), Präsident des Vereins der deutschen Standesherren; ∞ Prinzessin Elisabeth Henriette Reuß ältere Linie
1892–1896 Karl Egon IV. zu Fürstenberg (1852–1896), Standesherr und Politiker; ∞ Gräfin Dorothea von Talleyrand-Périgord
1896–1918 Max Egon II. zu Fürstenberg (1863–1941), Standesherr und Politiker; ∞ Gräfin Irma von Schönborn-Buchheim
Chefs des Hauses Fürstenberg
Nach dem Untergang der Monarchie in der Novemberrevolution wurden sämtliche öffentlich-rechtlichen Adelsprivilegien abgeschafft. Im privatrechtlichen Sinne besteht das Haus Fürstenberg jedoch bis heute weiter. Die bisherigen Adelsbezeichnungen wurden 1919 zu Bestandteilen des bürgerlichen Familiennamens erklärt. Im Fall des Hauses Fürstenberg tragen seitdem alle Mitglieder den bürgerlich-rechtlichen Familiennamen Prinz bzw. Prinzessin zu Fürstenberg. Der jeweilige Chef des Hauses tritt jedoch in der Öffentlichkeit weiterhin mit dem historischen Primogeniturtitel Fürst im Namen auf, der seit 1941 (mit dem Tod Max Egons II.) kein Bestandteil des bürgerlichen Namens mehr ist.

Fürst Max Egon II. durfte nach 1919 gemäß den gesetzlichen Bestimmungen als bürgerlichen Namen Fürst zu Fürstenberg weiterverwenden. Ob der Name mit dem an den Erstgeburtstitel Fürst erinnernden Namensbestandteil danach noch für einzelne Nachfolger amtlich wurde oder ob der Familienname Prinz zu Fürstenberg stets die amtliche Form des Namens bei allen Chefs des Hauses nach 1941 blieb, ist unklar.

1918–1941 Max Egon II. zu Fürstenberg (1863–1941), Unternehmer und Politiker
1941–1973 Karl Egon V. zu Fürstenberg (1891–1973), Unternehmer und Politiker; ∞ Ida Gräfin Nostitz-Rieneck
1973–2002 Joachim Egon zu Fürstenberg (1923–2002), Unternehmer; ∞ Paula Gräfin zu Königsegg-Aulendorf; wurde Nachfolger seines Onkels Karl Egon V.
seit 2002 Heinrich zu Fürstenberg (* 1950), Unternehmer; ∞ Maximiliane Prinzessin zu Windisch-Graetz; Sohn und Erbe: Christian (* 1977) ∞ Jeanette Griesel;[22] Enkel und Nacherbe: Tassilo (* 2013)[23]
Weitere bedeutende Persönlichkeiten des Hauses
Wratislaw I. von Fürstenberg (1584–1631), Offizier in spanischen und österreichischen Diensten sowie Diplomat und zuletzt Hofratspräsident
Maria Franziska von Fürstenberg-Heiligenberg (1633–1702), Markgräfin von Baden
Karl Aloys zu Fürstenberg, (1760–1799), Feldmarschallleutnant
Elisabeth zu Fürstenberg, (1767–1822), Sprecherin der mediatisierten Reichsfürsten auf dem Wiener Kongress
Josefa zu Fürstenberg-Weitra (1776–1848), Fürstin von und zu Liechtenstein
Friedrich Egon von Fürstenberg (1813–1892), Erzbischof von Olmütz
Max Egon I. zu Fürstenberg (1822–1873), Politiker
Ira von Fürstenberg (* 1940), Schauspielerin
Catherine von Fürstenberg-Dussmann (* 1951), Geschäftsfrau


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von Fürstenberg (von Urach), Heinrich I. (I12896)
 
47952 Zitat aus: Bianca Maria Visconti (* 31. März 1425 in Settimo Pavese, Lombardei, Italien; † 23. Oktober 1468 in Melegnano, Italien[1]) war von 1450 bis 1468 Herzogin von Mailand.

Herkunft und Kindheit
Bianca Maria Visconti wurde in der Nähe von Settimo Pavese geboren und war die uneheliche Tochter von Filippo Maria Visconti, Herzog von Mailand, und dessen Mätresse Agnese del Mainio.[2][3] Agnese war die Tochter von Ambrogio del Maino, einem Mailänder Edelmann. Sie diente Filippos Ehefrau Beatrice di Tenda als Hofdame. Filippo und Agnese hatten neben Bianca Maria noch eine weitere Tochter, die entweder Caterina Maria oder Lucia Maria hieß und 1426 geboren wurde, aber kurz nach der Geburt verstarb.

Als sie sechs Monate alt war, zog Bianca Maria mit ihrer Mutter in ein Schloss in Abbiategrasso, wo für sie eine Residenz eingerichtet worden war. Ihr Vater verbrachte ebenfalls viel Zeit dort. Bianca Maria verbrachte ihre gesamte Kindheit und Jugend in Abbiategrasso, wo sie eine humanistische Erziehung erhielt. Sie teilte die Leidenschaft ihres Vaters für Pferde und Jagd.

Heirat
1430 wurde Bianca Maria fünfjährig dem Condottiere Francesco I. Sforza versprochen, der 24 Jahre älter war. Im gleichen Jahr war der Vertrag zwischen Mailand und den Sforza ausgelaufen, die Verlobung sollte nunmehr dazu dienen, den mächtigen General weiterhin an Mailand zu binden. Es wurde auch vermutet, dass Visconti Sforza versprochen haben soll, ihn als legitimen Erben des Herzogtums einzusetzen. Sforza nahm wohl vor allem wegen der reichen Mitgift Bianca Marias an, die Territorien bei Cremona, Castellazzo Bormida, Bosco Marengo und Frugarolo beinhaltete.[3] Der Verlobungsvertrag wurde am 23. Februar 1432 im Schloss von Porta Giovia, der Residenz der Visconti in Mailand, unterzeichnet. Bianca Marias offizieller Vertreter war ihr Pate, Andrea Visconti, General der Humiliaten. Ob Bianca Maria und ihre Mutter bei der Zeremonie anwesend waren, ist nicht sicher, manchen Quellen zufolge soll sie Mailand erst als erwachsene Frau erstmals besucht haben.

In den folgenden Jahren versuchte der misstrauische Filippo Maria zweifach, die Verlobung mit dem ehrgeizigen Sforza zu lösen. 1434 hatte sich Sforza mit Papst Eugen IV. verbündet, der ihn in den Kampf gegen Mailand schickte. Der darauffolgende Versuch, Bianca Maria mit Leonello d'Este, Markgraf von Ferrara, Modena und Reggio zu verloben, war nur ein politischer Zug, um Sforza dazu zu zwingen, das Bündnis mit Venedig gegen Mailand zu verlassen. Bianca Marias Reise nach Ferrara im September 1440 ist auch ihre erste bestätigte Reise außerhalb Abbiategrassos. Der Versuch, Sforza zum Bündniswechsel zu zwingen, blieb erfolglos und Bianca Maria kehrte im April 1441 auf ihr Schloss zurück.

Im gleichen Jahr wurde Francesco Sforza von Niccolò Piccinino gefangen genommen, der von Visconti als Preis für die Freilassung Sforzas die Herrschaft über Piacenza forderte. Daraufhin versöhnte sich Visconti mit Sforza und bestätigte die Verlobung Sforzas mit Bianca Maria.

Francesco Sforza und Bianca Maria Visconti heirateten am 24. Oktober 1441 in der Abtei San Sigismondo in Cremona, die sie aus Sicherheitsgründen dem Dom der Stadt vorzogen. Die Hochzeitsfeier dauerte mehrere Tage und bestand aus opulenten Banketten, Wettkämpfen, einem Wettrennen und einem Turnier. Außerdem gab es einen großen Kuchen, der den Torrazzo, dem Kirchturm der Stadt, darstellte. Es ist möglich, dass dieser Kuchen der Ursprung des Torrone ist.[4]

Erste Ehejahre
Am 7. November 1441 erließ Filippo Maria ein Dekret, mit dem er die Rechte seiner Vasallen, einschließlich Francescos, minderte. Dieser zog es daraufhin vor, sich in das sichere Territorium Venetien zurückzuziehen, in den kleinen Ort Sanguinetto. Im gleichen Jahr wurden Francesco und Bianca Maria vom venezianischen Dogen nach Venedig eingeladen. Kurz darauf erreichte die Nachricht, dass Piccinino Sforzas Besitztümer in den Marken bedrohte. Später begleitete Bianca Maria ihren Mann nach Rimini, Gradara und Jesi, wo sie Gäste von Sigismondo Malatesta waren. Hier blieb sie in der Burg zurück, während Francesco eine militärische Operation gegen Piccinino anführte. Von ihrem Ehemann wurde Bianca Maria zudem zur Regentin der Marken ernannt, obwohl sie erst 17 Jahre alt war. Wenngleich diese Wahl überraschend erscheint, so hatte sich Bianca Maria als in Verwaltung in Diplomatie fähig bewiesen. Das Paar verstand sich wohl sehr gut, doch obwohl Francesco Gefühle für seine Frau hatte, so war er ihr dennoch häufig untreu. Bianca Maria ignorierte dies weitgehend, allerdings verschwand 1443 eine der Mätressen ihres Mannes und wurde unter mysteriösen Umständen ermordet.[5]

1442 wurde Francesco exkommuniziert. Vier Jahre später versuchte Filippo Maria Visconti schwer krank, sich mit Francesco zu versöhnen. Dieser blieb jedoch misstrauisch und konzentrierte sich lieber auf die Verteidigung seiner Territorien, die von päpstlichen Truppen bedroht wurden, wenngleich Bianca Maria ihn angefleht hatte, sich mit ihrem Vater zu versöhnen. 1447 nahm Sforza schließlich doch die Position des Statthalters des Herzogtums Mailand an. Allerdings änderte Visconti wieder seine Meinung, da er neidisch und misstrauisch ob der Popularität Sforzas in Mailand war. Gleichzeitig forderte der neue Papst Nikolaus V. die Rückgabe von Jesi. Es war eine sehr schwere Zeit für Bianca Maria und Francesco.

Francesco Sforza gab dem Papst die Stadt Jesi im Austausch für 35.000 Gulden zurück und zog mit seiner Frau in Richtung Mailand. Die Nachricht vom Tod Filippo Maria Viscontis, der in der Nacht vom 13. auf den 14. August 1447 verstarb, erreichte sie in Cotignola. Bianca Maria war sehr wütend, als sie von den Plünderungen hörte, unter denen die Besitztümer der Visconti in Mailand nach dem Tod Filippos litten. Bianca Maria und Francesco zogen mit 4000 Reitern und 2000 Fußsoldaten nach Mailand, als die neugegründete Ambrosianische Republik angesichts der Bedrohung durch Venedig Francesco den Titel des Ersten Generals anbot. Bianca Maria wollte, dass Francesco ablehnte, dieser nahm jedoch an. In den folgenden drei Jahren bemühte er sich darum, die Städte zurückzuerobern, die nach Filippo Viscontis Tod ihre Unabhängigkeit von Mailand erklärt hatten.

Im Mai 1448 griff Venedig Cremona an, während Sforza in Pavia weilte. Bianca Maria zog eine Paraderüstung an und eilte mit einigen Truppen und dem Volk, um mit einer Lanze die Brücke zu verteidigen.[2] Der Kampf sollte bis zum Abend dauern und Bianca Marias Ruf als waghalsige und kriegerische Frau begründen, dies blieb jedoch eine einmalige Episode in Bianca Marias Leben.

Nachdem die venezianische Gefahr beseitigt worden war, ließ sich Bianca Maria zusammen mit einem großen Hofstaat im Schloss der Visconti in Pavia nieder. Durch ihr gutes Verhältnis zu ihren Visconti-Verwandten gewann sie an Popularität und erhielt Darlehen, um ihren Mann finanziell zu unterstützen. Am 24. Februar 1450 brach in Mailand eine Revolte aus. Der venezianische Botschafter wurde getötet, da die Republik Venedig für die Hungersnot in Mailand verantwortlich gemacht wurde. Daraufhin bat eine Versammlung von Bürgern, Adeligen und Notabeln Francesco, die Stadt zu regieren.

Herzogin von Mailand
Der Tag des Einzugs des neuen Herzogspaars ist umstritten: entweder der 22. oder der 25. März. Francesco und Bianca Maria lehnten den Triumpfwagen ab, sondern erreichten den Dom stattdessen auf Pferden. Zum ersten Mal war der Herzogstitel durch die Bürger der Stadt verliehen worden.

Während den ersten Herrschaftsjahren arbeitete Bianca Maria gemeinsam mit ihrem Mann daran, die Besitztümer ihres Vaters zurückzuerlangen und den herzoglichen Palast zu erneuern. Francesco musste nochmals in den Krieg gegen Venedig ziehen, Bianca Maria blieb währenddessen in Mailand zurück und verwaltete das Herzogtum. Dies belegt die Korrespondenz mit ihrem Mann, welche einen Einblick in die Erziehung ihrer Kinder, die Staatsangelegenheiten, die finanziellen Schwierigkeiten und ihren Alltag bietet. Die Briefe zeigen auch Bianca Marias bestimmenden Charakter, da sie nie zögerte, ihre Meinung zu äußern, auch wenn sie ihrem Mann damit widersprach. In den Briefen sind auch Anschuldigungen seiner außerehelichen Abenteuer zu finden.

1453 war Bianca Maria in Pavia Gastgeberin für René I. von Anjou, der nach Cremona ziehen sollte, um mit seiner Armee an der Seite Sforzas zu kämpfen. Bianca Maria zeigte ihm später auch die Baustelle des neuen Castello Sforzesco in Mailand.

Letzte Jahre
Nach dem Frieden von Lodi 1454 widmete sich Bianca Maria nicht nur der Diplomatie und der Instandsetzung und Ausschmückung der herzoglichen Residenzen, sondern auch öffentlichen Arbeiten. Das herzogliche Paar ließ ein großes Hospital in Mailand bauen, das Ospedale Maggiore[2], Bianca Maria half zudem vielen armen Frauen. 1459 berief Papst Pius II. das Konzil von Mantua ein, um einen Krieg gegen die Osmanen zu organisieren. Bianca Maria bot 300 Reiter und Francesco wurde als militärischer Anführer vorgeschlagen, der Krieg kam jedoch nie zustande. Francescos und Bianca Marias Unterstützung für den Papst sorgte dafür, dass dieser ihnen Ablass für den Dom und das Ospedale Maggiore in Mailand gewährte.[3]

1462 erkrankte Francesco Sforza schwer an Gicht und Wassersucht. Während seiner Erkrankung sorgten Bianca Marias Fähigkeiten in Politik und Verwaltung dafür, dass der Staat nicht durch von Venedig angestachelte Rebellionen zerfiel. Als Regentin agierte Bianca Maria sehr wirkungsvoll. Zudem half sie beim Arrangement der Ehe von Jacopo Piccinino, dem Sohn Niccolòs, und Drusiana, einer illegitimen Tochter Francescos.

Das größte Problem für Bianca Maria war in dieser Zeit ihr ältester Sohn, Galeazzo Maria, dessen instabiler und tückischer Charakter ihr viele Probleme bereitete. Am 13. Dezember 1465 starb ihre Mutter Agnese del Maino. Kurz darauf, am 8. März 1466, verstarb auch Francesco Sforza. Bianca Maria übernahm schnell die Zügel und rief Galeazzo Maria nach Hause zurück, um die Herrschaft zu übernehmen, während dieser gemeinsam mit dem französischen König kämpfte. Galeazzo nahm zunächst Rücksicht auf seine Mutter und zeigte sich dankbar, seine Gier und Rücksichtslosigkeit sorgten jedoch bald dafür, dass er selbstständig handelte und Bianca Marias Ratschläge ignorierte. Mit der Zeit nahm Bianca Maria eine immer unbedeutendere Position bei Hof ein und wurde letztlich von ihrem Sohn gezwungen, Mailand zu verlassen. Sie zog nach Cremona. Laut manchen Quellen soll sie es in Betracht gezogen haben, die Kontrolle der Stadt an Venedig abzutreten, da sie regelmäßig im Kontakt mit Ferdinand I. von Neapel stand, der versuchte, Galeazzo zu stürzen.[3]

Tod
Entgegen dem Rat ihrer Berater entschloss sich Bianca Maria, an der Hochzeit Galeazzos am 9. Mai 1468 teilzunehmen. Nach dem Ende des Fests begleitete ihre Tochter Ippolita sie nach Serravalle, von wo aus sie sich auf den Weg nach Cremona machte.[3] Unterwegs, in Melegnano, erkrankte sie jedoch. Ein Fieber zwang sie, bis August das Bett zu hüten, dennoch korrespondierte sie viel. Anfang Oktober verschlechterte sich ihr Zustand. Sie starb am 28. Oktober, nachdem sie ihre jüngeren Kinder Elisabetta und Ottaviano deren Bruder Galeazzo anvertraut hatte. Bianca Maria wurde im Mailänder Dom neben ihrem Mann beigesetzt. Die Leichenrede, die von Galeazzo beauftragt worden war, wurde von dem Humanisten Francesco Filelfo geschrieben.

Ihr Tod sorgte für Misstrauen. Galeazzo Maria Sforza wurde von mehreren Personen, unter anderem Bartolomeo Colleoni, beschuldigt, sie vergiftet zu haben. Gesichert ist, dass einige Personen, die eng mit Galeazzo verbunden und später in andere Vergiftungsfälle verwickelt waren, zum Zeitpunkt von Bianca Marias Erkrankung in Melegnano waren. Eine Vergiftung ist somit nicht bewiesen, aber durchaus möglich. 
Visconti, Bianca Maria (I42074)
 
47953 Zitat aus: Die Burg Nieder-Windeck
(Jahrbuch des Historischen Vereins des Kantons Glarus, Band: 6 Jahr: 1870)

Dass die Burg fortwährend in gutem baulichem Zustande erhalten wurde, damit sie bei dem bevor- stehenden Kriege mit den Eidgenossen nicht etwa dem Feinde indie Hände falle, ersehen wir aus der Weisung, die Herzog Leopold III. unter'm 4. August 1384 seinem »Getreuen« Eglolf von Ems ertheilte : »Daz du an vnserr vest Windegg verpawest hundert gulden an den Stetten, da ez aller notdürftigest si.« Ritter Eglolf von Ems, zuerst Vogt, dann Pfandherr der beiden Aemter zu Glarus, erscheint in einer Urkunde vom 23. Januar 1386 auch im pfandrechtlichen Besitze der Feste Nieder-Windeck, welche damals mit Zustimmung der Herrschaft von dem Grafen Rudolf von Mont- fort-Feldkircli eingelöst wurde. Die fortwährenden Geldverlegen- heiten, in denen sich die österreichischen Herzoge befanden, nötliigten sie eben, eine ihrer Besitzungen nach der andern zu verpfänden.

Link:
https://www.google.ch/search?rlz=1C5CHFA_enCH766CH766&ei=DNZFW6rHHa-JmwX9m5fwDg&q=Eglolf+von+Ems&oq=Eglolf+von+Ems&gs_l=psy-ab.3...7015.9794.0.11762.7.7.0.0.0.0.78.485.7.7.0....0...1c.1.64.psy-ab..0.1.72...0i7i30k1j0i8i7i30k1j0i8i7i10i30k1.0.W4qSoT6Rltc#

 
von Ems, Eglolf (I11521)
 
47954 Zitat aus: Familie Reding, (Mitteilungen des historischen Vereins des Kantons Schwyz), Band 59 - Jahr 1966 - Seiten 12, 13, 14.

Das Kollaturrecht in Sattel wurde der Familie Reding, bzw. Rudolf von Reding und seinem Sohne Recta, von Papst Bonifaz IX. (1389-1404) im Jahre 1400 verliehen, nachdem sie unter dem Titel der Hl. Dreifaltigkeit, der Heiligen
Maria und Katharina in der Leutkirche auf dem Sattel einen Altar gestiftet hatten. Die Familie überließ aber 1589 das Patronats- und Präsentationsrecht den Kirchgenossen von Sattel gegen eine jährliche Gedächtnisfeier, die heute noch gehalten wird. Ital der Aeltere siedelte schon im Jahre 1400 nach Oberarth über. Dieser Ital d. Ae., einer der Größten aus dem Hause Reding, erscheint in der Geschichte des Standes Schwyz und der Eidgenossenschaft von 1412-1447. Als Landammann und Tagsatzungsbote leitete er von 1412-1444 die schwyzerische Politik fast ununterbrochen als Standeshaupt und trug in der eidgenössischen Politik bleibende Erfolge für das Land davon.

So amtete Ital am 17. März 1413 als Schiedsrichter in den Streitigkeiten zwischen den Freien von Rhäzüns und dem Bischof von Chur. Weiter schlichtete Ital den Streit zwischen den Freiherren von Rhäzüns und dem Grafen Hans von Sax-Misox. 1448 trat er als Mittler im Krieg Savoyens und Berns gegen Freiburg auf. In den Urkantonen trat Ital Reding sehr selbständig auf, denn Schwyz nahm in den Jahren 1416-1417 an den Landrechten von Luzern, Uri und Unterwaiden mit den Wallisern nicht teil und stellte sich im Raronkrieg auf die Seite Rarons. 1448 wurden für den verstorbenen Pfarrer von Nuolen zwei Nachfolger eingesetzt.
Der Generalvikar von Konstanz entschied sich am 27. September des gleichen Jahres für Heinrich Geißinger, der von Schultheiß und Rat von Rappetswil
zu Recht als Pfarrer von Nuolen eingesetzt worden war, und empfahl Ital Reding, den andern Kandidaten abzuweisen. Auch außenpolitisch spielte Ital d. Ae. eine bedeutende Rolle. Im Jahre 1414 war er Abgeordneter der Eidgenossenschaft an das Konzil von Konstanz, wo er vor der Versammlung der Kirchenfürsten eine lateinische Rede hielt.20 1417 hieß Ital König Sigismund in Luzern im Namen des Standes Schwyz willkommen. Er begleitete den König nach Schwyz, Einsiedeln und Zürich bis nach Konstanz. In Schwyz übertrug ihm Sigismund die March als Lehen. Bei diesem königlichen Verleihungsakt handelte es sich nicht um ein Mannlehen eines zusammenhängenden Gebietes, sondern nur um einzelne Lehen von Kirchensätzen, Gefällen, Höfen und dergleichen, die dem Lande Schwyz überlassen wurden. Unter March ist auch nicht eine geschlossene Lehensherrschaft zu verstehen. Sie entspricht in keiner Weise dem heutigen Bezirk March im Kanton Schwyz. Die March besaß übrigens in jener Zeit weder Siegel noch Wappen. Die schriftliche Bestätigung dieses Lehensaktes erfolgte jedoch erst am io. Februar 1424 in Ofen. Zugleich erwarb Reding am 6. Februar 1424 die Schirmvogtei über das Kloster Einsiedeln. Bei der Kaiserkrönung Sigismunds in Rom 1433 vertrat Ital d. Ae. die Eidgenossenschaft.

Im alten Zürichkrieg spielte Ital die führende Rolle auf Schwyzerseite. So nabm er 1436 gleich die Obermarch in Besitz, schloß samt Glarus Landrechte mit Toggenburg, Uznach und Gaster und erreichte 1438 die Verpfändung der Landschaften Uznach und Gaster an Schwyz und Glarus. Im Jahre 1440 leitete er den Krieg gegen Zürich und erfocht bei Freienbach und auf dem Sihlfelde vor Zürich glänzende Siege. 1443 zog er nochmals vor Zürich und im Jahr darauf stand er vor Greifensee. Wir glauben kaum, daß man Ital die alleinige Verantwortung für den Mord von Greifensee zuschreiben kann, da diesem Blutbad doch alle beteiligten Eidgenossen zustimmten.

Als letzten staatsmännischen Akt sollte er das Urteil im Streit des Ammanns, Rates und der Bürger der Stadt Zug mit Ulrich von Hertenstein, Schultheiß von Luzern, fällen. Doch starb Ital d. Ae. vor Beendigung dieses Prozesses, so daß sein Sohn diese Angelegenheit am 26. September 1449 in Ordnung brachte.

 
Reding von Biberegg, Ital der Ältere (I5704)
 
47955 Zitat aus: http://burgenseite.de/html/abenberg.html

Geschichte Burg Abenberg

Die Burg wurde von den mächtigen Grafen des Rangaus und Radenzgaus gebaut, die auch Vögte des Hochstifts Bamberg waren. Adalbert II. könnte Gründer und Namensgeber gewesen sein, er starb nach 1059. Graf Rapoto von Abenberg gründete 1132 das Zisterzienserkloster Heilsbronn als Familiengrablege und erneuerte die Burg als Steinbau um 1140.

Friedrich I. erlangte traurige Berühmtheit durch seinen Tod beim Erfurther Latrinensturz im Jahr 1184. Sein Sohn Graf Friedrich II. zeichnete sich 1189 auf dem Kreuzzug Kaiser Barbarossas durch besondere Tapferkeit aus und wurde dafür vom mittelalterlichen Dichter Tannhäuser als "jugendlicher held von abenberc" verewigt. Mit Friedrich II. ist das Geschlecht der Abenberger Grafen im Mannesstamm ausgestorben.

Über Friedrichs Enkelin Sophia kam Friedrich von Zollern, Burggraf von Nürnberg, in den Besitz. Die Burggrafen ließen die Burg nach 1236 auf die heutige Größe erweitern und mit der neuen Ringmauer umgeben. 1296 verkauften sie an den Bischof Reinboto von Eichstätt. Seine Nachfolger besetzten Abenberg in den folgenden Jahrhunderten mit Pflegern.

Im 17. Jahrhundert wird der Wohnturm abgerisssen, die Kapelle stürzt im 18. Jahrhundert ein. 1806 wird Burg Abenberg auf Abbruch verkauft. Ihre heutige Gestalt verdankt sie dem Münchner Kunsthändler Zwerschina, der sie ab 1875 rettet und für seine Feste romantisch ausbauen lässt. Der Kammersänger Anton Schott führt dieses Werk bis 1903 fort, dann wieder Verfall, bis in den 90er Jahren alles umfassend renoviert wird. Ein Zweckverband kümmert sich um Betrieb und Vermarktung. Auf der Burg finden heute regelmäßig Rockfestivals statt.

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von Abenberg, Hildegard (I9653)
 
47956 Zitat aus: http://www.die-helfensteiner.de/index.php/altvorderen/die-grafen.html

Graf von Helfen­stein 1241 – 1294, Graf von Sig­marin­gen, Vogt zu Blaubeuren, † um 1294, erst­mals ver­mählt mit Willi­birg, Tochter von Graf Hart­mann IV. von Dillin­gen, danach mit N.N., Tochter des Grafen Rudolf I. der Scherer von Tübin­gen; ältester Sohn des Grafen Ulrich I. von Helfen­stein und einer namentlich unbekan­nten Tochter von Adal­bert von Raven­stein.
Ulrich II. heiratet Willi­birg, die Tochter des Hart­mann IV. von Dillin­gen. Nach dessen Tod (1258) zieht Ulrich II. die Vogtei Her­brechtin­gen an sich. Von den „Kärnten-​Herzögen“ lässt er sich mit der Burg Her­wart­stein samt Zuge­hör belehnen und bringt damit den Tal­pass Kocher/​Brenz in seine Hand.
Durch Ulrichs II. zweite Heirat (1267) mit der Tochter des Pfalz­grafen Rudolf von Tübin­gen kommt die Herrschaft Blaubeuren nebst der Vogtei über die Besitzun­gen des dor­ti­gen Klosters an ihn und er ist dadurch einer der mächtig­sten Her­ren in Schwaben.
Die Haupt­bur­gen, um welche sich der beträchtliche Besitz des Geschlechtes in der Helfen­steiner Gegend grup­pierte, waren neben seiner Stamm­burg Helfen­stein, Hiltenburg bei Ditzen­bach, Wiesen­steig und Her­wart­stein bei Königs­bronn.
Eine Quelle reicher Einkün­fte bildete der Geis­linger Zoll. Die Graf­schaften, welche die Fam­i­lie, wie es scheint, seit dem let­zten Drit­tel des 12. Jahrhun­derts ver­wal­tete, waren die des alten Ratold­es­buch­gaues und des Pleo­nunge­tales. Durch die Heirat Ulrichs Tochter Agnes kam jedoch ein Teil der Graf­schaft und der Besitz zu Sig­marin­gen an Graf Ulrich I. von Mont­fort.
Die in Süd­deutsch­land derzeit mächtig­sten Grafen, Graf Ulrich II. und Graf Eber­hard von Würt­tem­berg sind 1286 in Oppo­si­tion zu König Rudolf von Hab­s­burg. König Rudolf unter­wirft 1287 Graf Eber­hard und bezwingt im sel­ben Jahr die Burg Her­wart­stein. Er bricht damit auch die Macht Ulrichs II. Dieser ist dadurch 1302 gezwun­gen Her­wartein mit Zuge­hör an König Albrecht I. von Hab­s­burg zur Ausstat­tung des kün­fti­gen Klosters Königs­bronn zu verkaufen. 
von Helfenstein, Graf Ulrich II. (I11696)
 
47957 Zitat aus: http://www.die-helfensteiner.de/index.php/altvorderen/die-grafen.html (nicht mehr öffentlich?)

Graf von Helfen­stein 1294 – 1315, Herr zu Hür­ben, Vogt zu Blaubeuren, Augs­burg und Elchin­gen, † um 1315, erst­mals ver­mählt mit Adel­heid, Tochter des Grafen Berthold III. von Grais­bach, danach mit Mar­gareta, Tochter des Grafen Friedrich III. von Toggen­burg; Sohn des Grafen Ulrich II. von Helfen­stein und der Willi­birg von Dillin­gen.
Ulrich III. gewinnt das Erbe der Her­ren von Albeck und damit das Augustiner-​Chorherrenstift in Stein­heim mit Zuge­hör. Die Vogtei der Albeck­ischen Fam­i­lien­s­tiftung war im Erb­gang an Adel­heid von Grais­bach (der Enke­lin der Adel­heid von Albeck) gelangt, mit der sich Ulrich III. ver­mählte. Sie bringt die Vogtei Stein­heim als Mit­gift in die Ehe. Damit hält Ulrich III. die Vogteien Anhausen, Her­brechtin­gen und Stein­heim.
Am 25. August 1303 verkauft Graf Ulrich III. Burg und Dorf Ger­hausen als Teil seiner Herrschaft Blaubeuren an die Herzöge von Öster­re­ich, erhält aber alles als öster­re­ichis­ches Lehen zurück. In der Fol­gezeit wählt ein Zweig der Helfen­steiner Hohenger­hausen zu seiner Res­i­denz. Hohe Schulden zwin­gen sie, Güter zu verkaufen oder zu verpfän­den.
Ulrich III. ist bei Albrecht I. von Rech­berg mit 800 Mark Sil­ber ver­schuldet (187 kg Sil­ber). Deshalb ist er 1307 gezwun­gen Gebi­ete (sicher Böh­menkirch, ver­mut­lich auch — später sicher — Weißen­stein, Tre­f­fel­hausen und Schnit­tlin­gen) an den Rech­berger zu verkaufen.
Ab 1315 ver­wal­ten die Söhne Ulrichs III., Johann I. und Ulrich IV. die Güter. 
von Helfenstein, Graf Ulrich III. (I11694)
 
47958 Zitat aus: http://www.die-helfensteiner.de/index.php/altvorderen/die-grafen.html (Nicht mehr öffentlich?)

Lud­wig I.

Graf von Helfen­stein 1171 – 1200, als Lud­wig IV. Graf von Spitzen­berg und Sig­marin­gen 1147 – 1200, † um 1200, ver­mählt mit N.N., Erbin von Helfen­stein, Tochter des Grafen Eber­hard II. der Jün­gere von Helfen­stein.
In der zweiten Hälfte des 12. Jahrhun­derts, erst­mals im Jahre 1171, erscheint ein nach der Burg Helfen­stein benan­nte Graf Lud­wig, Sohn eines gegen die Mitte des Jahrhun­derts (um 1135 und 1147) vork­om­menden Graf Rudolf von Spitzen­berg und Sig­marin­gen. Lud­wig, bere­its im Jahre 1147 mit seinem Vater erwähnt, scheint dem Geschlechte der Her­ren von Sig­marin­gen ange­hört zu haben, welche seit dem Jahre 1083 in mehreren Gliedern erwähnt, in neuerer Zeit aus einer Ehe der Grafen­häuser Althausen und Bre­genz hergeleitet wer­den und ab dem 12. Jahrhun­dert auch von Spitzen­berg heißen. Als erster Graf von Spitzen­berg ist 1092 ein Lud­wig nach­weis­bar, der aus dem Hause Sig­marin­gen stammt und mit Rich­inza der Tochter des Her­zogs von Kärn­ten und Mark­t­graf von Verona, Berthold I. von Zährin­gen, ver­heiratet war. Nach den neuesten Forschun­gen war Spitzen­berg und das dazuge­hörende Gebiet ein Erbgut dieser Rich­inza von Spitzen­berg.
Graf Lud­wig fand sich häu­fig am Hoflager Kaiser Friedrichs I. Bar­barossa ein, unterze­ich­nete den berühmten Kon­stanzer Frieden vom Jahre 1183, beteiligte sich in her­vor­ra­gen­der Weise am Kreuz­zug des Kaisers und leis­tete wohl auch noch bei dessen Söh­nen, Kaiser Hein­rich VI. und König Philipp von Schwaben, Hoffahrt.

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von Spitzenberg (I. von Helfenstein), Graf Ludwig III. (I11700)
 
47959 Zitat aus: http://www.hls-dhs-dss.ch/textes/d/D14122.php

Fleckenstein, Heinrich

geboren vermutlich 1484, gestorben 1558, von Luzern. Sohn des Clewi (Niklaus) Wetzel, genannt F., Fuhrmanns, Weinhändlers, Wirts, Grossrats ab 1489, und der Margret von Alikon. Ritter. ∞ 1) Martha von Meggen, 2) Anna Reichmuth, Tochter des Gilg, Ammanns zu Schwyz. Luzerner Grossrat 1515, Kleinrat 1522-58, Schultheiss 1535 und in den geraden Jahren 1540-46 (kaiserl. Parteigänger). Vogt zu Weggis 1521-23, Statthalter in der Landvogtei Thurgau 1522, Vogt zu Baden 1523-25, zu Willisau 1527-29, zu Rothenburg 1532-34, zu Merenschwand 1545. Häufig Tagsatzungsgesandter, eidg. Gesandter nach Rom 1556. Hauptmann in kaiserl. Diensten in Italien 1521, Schützenhauptmann der Luzerner bei Kappel 1531. In seine Amtszeit als Vogt in Baden fällt die Verhaftung des neugläubigen Klaus Hottinger, der nach seiner Überführung nach Luzern hingerichtet wurde. F. beteiligte sich auch an den Verhören nach dem Ittingersturm 1524. Tätig als Wirt zur Sonne und Weinhändler, betrieb F. zusammen mit Pietro de Sala zudem um 1520 in Torno am Comersee und später in Lugano einen Tuchverlag. Das vielleicht bedeutendste von Luzerner Ratsherren im 16. Jh. betriebene Unternehmen brach Ende der 1540er Jahre auseinander. Daneben handelte F. mit Getreide und Reis aus Oberitalien sowie weiteren Gütern, beteiligte sich an der Goldsuche in der Kleinen Emme und immer mehr auch an Geldgeschäften. Er hinterliess ca. 36'000 Gulden.


Literatur
– K. Messmer, P. Hoppe, Luzerner Patriziat, 1976
– J. Wiget, Wirtschaft und Politik im spätma. Luzern, 1978

Autorin/Autor: Markus Lischer 
von Fleckenstein, Ritter & Schultheiss Heinrich (I2620)
 
47960 Zitat aus: http://www.hls-dhs-dss.ch/textes/d/D14123.php

Fleckenstein, Heinrich

gestorben 9.8.1589, kath., von Luzern. Sohn des Heinrich ( -> 2). Ritter. ∞ 1) Anna Klauser, reiche Witwe des Aurelian zur Gilgen, 2) Dorothea Anderhalden, 3) Barbara von Hertenstein. Luzerner Stadtrechner 1555, Grossrat ab 1559, Kleinrat ab 1576, Schultheiss in den ungeraden Jahren 1581-89. Vogt zu Habsburg 1569-71, zu Baden 1571-73, zu Büron-Triengen 1573-75, zu Willisau 1579-81, zu Knutwil 1581-82, 1583-84 und 1585-87. Häufig Tagsatzungsgesandter und auf Auslandmissionen. F. übte selbst in jungen Jahren keinen gewerbl. oder handwerkl. Beruf mehr aus, sondern widmete sich in erster Linie der Politik, lebte von seinen Erbschaften, Regierungsämtern, Pensionen, Finanzgeschäften und seinem Grundbesitz. Er war Vertrauensmann Spaniens in Luzern und bezog an geheimen Pensionen ein Mehrfaches seiner Ratskollegen, daneben auch päpstl., savoy. und franz. Zahlungen.


Literatur
– K. Messmer, P. Hoppe, Luzerner Patriziat, 1976
– J. Wiget, Wirtschaft und Politik im spätma. Luzern, 1978
– R. Bolzern, Spanien, Mailand und die kath. Eidgenossenschaft, 1982

Autorin/Autor: Markus Lischer 
von Fleckenstein, Heinrich (Henri) (I13341)
 
47961 Zitat aus: http://www.hls-dhs-dss.ch/textes/d/D14124.php

Fleckenstein, Heinrich

geboren um 1578, gestorben 10.9.1664 Muri (AG), kath., von Luzern. Sohn des Heinrich ( -> 3). Ritter. ∞ 1) 1597 Jakobea Kündig, von Heidegg, 2) Elisabeth Meyer, von Freiburg. 1588 am Luzerner Jesuitenkollegium. Luzerner Grossrat ab 1597, Kleinrat ab 1604, Schultheiss in den geraden Jahren 1644-64 (somit auch z.Z. des Bauernkriegs). Vogt zu Ebikon 1601-03, Ruswil 1609-10, Willisau 1623-25, 1631-33, 1643-45. Bannerherr. Statthalter der Kommende Hohenrain. 1618 erwarb er Burg und Herrschaft zu Heidegg. Oberst in span.-mailänd. Diensten. F. stiftete u.a. für die Luzerner Hofkirche, die Jesuiten und das Bürgerspital. Er galt als einer der reichsten Eidgenossen seiner Zeit und hinterliess über 180'000 Gulden.

Literatur
– Th. von Liebenau«Die Schultheissen von Luzern», in Gfr. 35, 1880, 53 112
– K. Messmer, P. Hoppe, Luzerner Patriziat, 1976
– R. Bolzern, Spanien, Mailand und die kath. Eidgenossenschaft, 1982

Autorin/Autor: Markus Lischer 
von Fleckenstein, Heinrich (I11174)
 
47962 Zitat aus: http://www.hls-dhs-dss.ch/textes/d/D14136.php

Gundoldingen, Petermann von
gestorben 9.7.1386 in der Schlacht von Sempach, von Luzern. Sohn des Werner, Schultheissen. ∞ 1) Berchta von Garten, 2) Agnes von Moos. Als Nachfolger seines Vaters war G. Luzerner Schultheiss von 1361 bis zu seinem erzwungenen Rücktritt im Dez. 1384. Sein Wappen (Luzerner Schild mit österr. Schärpe) symbolisiert die polit. Situation seiner Zeit. Unter ihm wurde Luzerns Wandel von einer österr. Landstadt zur Territorialherrin eingeleitet: 1366 übernahm Luzern die Pfandschaft über die Vogtsteuer von den Gf. von Frohburg, was eine Grundlage der städt. Erwerbspolitik bildete; 1379 wurde die Vogtei Ebikon an G. und seinen Sohn als österr. Lehen übertragen; 1380 erwarb er die Vogtei Weggis für Luzern; ab 1380 kam es zu intensivierten Burgrechtserteilungen im nachmaligen Luzerner Gebiet (Sempacherkrieg). G. war ferner als Schiedsrichter für die eidg. Orte und Österreich tätig. Seine Gefangennahme durch Propst Bruno Brun 1370 in Zürich war einer der Gründe für die Abfassung des Pfaffenbriefs. 1386 erhielt er den Oberbefehl über die Luzerner Truppen im Sempacherkrieg gegen Österreich. Unter den eidg. Identifikationsfiguren konnte sich G. gegen die Winkelried-Figur nicht durchsetzen.

Literatur
– T. von Liebenau, «Die Schultheissen von Luzern», in Gfr. 35, 1880, 55-182
– M. Estermann, «Aus der Gesch. der G.», in Das Vaterland, 3.7.1886
– K. Müller, «Petermann von G.», in Innerschweiz. Jb. für Heimatkunde 8-10, 1944-46, 61-74

Autorin/Autor: Gregor Egloff 
von Gundoldingen, Petermann (I6068)
 
47963 Zitat aus: http://www.hls-dhs-dss.ch/textes/d/D14150.php

Jakob vonHertenstein

* um 1460, ✝︎ 13.2.1527, von Luzern. Sohn des Kaspar. Bruder des Peter. ​⚭ 1) 1486 Veronika Seevogel von Wildenstein, Tochter des Hans Bernhard, aus Basel, 2) 1495 Anna Mangold von Sandegg, 3) 1512 Ursula von Wattenwyl, 4) 1514 Anna von Hallwyl, Tochter des Dietrich. Kaufmann und Rentier. Vermutlich 1485 Grossrat, 1486-1527 Kleinrat, 1514-19 Säckelmeister, 1516-19 und 1522 Schultheiss (letzter seines Geschlechts). 1487-89 Vogt zu Büron-Triengen, 1491-95 im Rheintal, 1499-1501 und 1509-11 zu Willisau, 1503-05 zu Rothenburg. 1506 Landeshauptmann des Abts von St. Gallen in Wil; ab 1502 mehrmals Tagsatzungsgesandter. H. besass die Herrschaft Buonas, nachdem er 1499 seine Brüder ausgekauft hatte; daneben gehörten ihm mehrere Häuser und Höfe in Luzern. Durch geschickte Heiratspolitik vermehrte er sein Vermögen, das schliesslich auch Güter, ein Haus und Leibgedinge in Basel, das Schloss auf dem Wartenberg, Erzgruben in Wil (wohl Wölflinswil) und Wintersberg (im Elsass?) und die Teilhabe an der Ravensburger Handelsgesellschaft umfasste. Sein Haus in Luzern (abgebrochen 1825) liess er von Hans Holbein dem Jüngeren bemalen. Als Parteigänger Frankreichs verschaffte er Basel 1517-18 beim franz. König eine heiml. Pension. Hauptmann im Pavierzug 1512 und bei Marignano 1515.

Version vom: 07.09.2006
Autorin/Autor: Markus Lischer 
Hertenstein, Jakob (I13271)
 
47964 Zitat aus: http://www.hls-dhs-dss.ch/textes/d/D14151.php

Hertenstein, Kaspar von

geboren um 1416, gestorben 1.1.1486, von Luzern. Sohn des Ulrich ( -> 8). ∞ Loysa de Chevron de Vachière, aus Savoyen. Adlige Ausbildung am savoy. Hof. Um 1435 Luzerner Grossrat, 1455 Kleinrat, 1469, 1475, 1482 und 1484 Schultheiss. 1458-59 Vogt zu Kriens und Horw, 1461-65 zu Beromünster. Besonders aktiv in der Aussenpolitik: ab 1464 über 120-mal Tagsatzungsgesandter, etwa in 40 weiteren Ratsabordnungen nach Mailand, anlässlich des Friedens von Waldshut (1468), nach Frankreich, Österreich und Lothringen. Zusammen mit Hans Feer war H. einer der Führer der mailänd. und franz. Partei in Luzern. Ab 1475 bezog er eine Pension auf Lebzeit vom franz. König, 1482 eine Pension vom Ehzg. Sigmund von Tirol. Im Gegensatz zu seinem Vater förderte er die Vormachtstellung der Städte gegenüber den Länderorten: 1477 war er Haupt des Burgrechts der Städteorte. 1476 kommandierte H. die eidg. Nachhut bei der Schlacht bei Murten. 1472 versteuerte er das sechstgrösste Vermögen in Luzern (10'000 Pfund). Herr zu Buonas, vor der Schlacht bei Murten zum Ritter geschlagen. Einer der wichtigsten Politiker und Heerführer Luzerns in den Burgunderkriegen.


Literatur
– T. von Liebenau, Hans Holbein d.J. Fresken am H.-Hause in Luzern, nebst einer Gesch. der Fam. H., 1888
– J. Kurmann, Die polit. Führungsschicht in Luzern, 1450-1500, 1976
– K. Messmer, P. Hoppe, Luzerner Patriziat, 1976

Autorin/Autor: Markus Lischer 
von Hertenstein, Kaspar (Casper) (I13276)
 
47965 Zitat aus: http://www.hls-dhs-dss.ch/textes/d/D14152.php

Hertenstein, Ulrich von

geboren um 1384, gestorben 15.10.1454, von Luzern. Sohn des Ulrich, Luzerner Grossrats. ∞ Klara von Effringen, aus Basel. 1414 Grossrat, 1419 Kleinrat. 1419 Vogt zu Rothenburg, 1419-23 zu Richensee, Villmergen und Meyenberg, 1420 zu Baden, 1424-27 zu Meierskappel, 1429 zu Muri und 1436 zu Merenschwand. Zwischen 1424 und 1449 mehrfach Stadtammann von Luzern, 1428, 1431, 1434, 1436, 1438 und 1443 Schultheiss. Tagsatzungsgesandter, 1440 Gesandter beim Friedensschluss mit Zürich. 1425 Teilnahme am Feldzug nach Mailand. Im Alten Zürichkrieg Anhänger der Politik des Schwyzer Landammanns Ital Reding und damit der Wahrung der Vormachtstellung der Länderorte. Erbte von seinem Vater die Herrschaft Buonas. Mit einem Vermögen von 7'220 Gulden war H. 1445 der zweitreichste Steuerzahler in Luzern.


Literatur
– T. von Liebenau, Hans Holbein d.J. Fresken am H.-Hause in Luzern, nebst einer Gesch. der Fam. H., 1888
– J. Kurmann, Die polit. Führungsschicht in Luzern, 1450-1500, 1976
– K. Messmer, P. Hoppe, Luzerner Patriziat, 1976

Autorin/Autor: Markus Lischer 
von Hertenstein, Ulrich (Udalrich) (I13278)
 
47966 Zitat aus: http://www.hls-dhs-dss.ch/textes/d/D15055.php

Wädenswil, Konrad von
Erstmals erw. am 7.10.1246 in Gsteig, letztmals am 10.4.1282 in Belfaux. Sohn des Rudolf und der Ita von Unspunnen. ∞ Elisabeth von Kramburg. 1263 ist W. als Ratgeber der Elisabeth, Witwe Hartmanns V. von Kyburg, belegt. Als sich Freiburg 1264 unter den Schutz Gf. Rudolfs IV. von Habsburg, des späteren Königs, stellte, fungierte W. als Schultheiss von Freiburg. Er war auch zugegen, als Freiburg 1277 an die Söhne Kg. Rudolfs I. von Habsburg verkauft wurde. Im selben Jahr wird er als Landvogt Kg. Rudolfs I. erwähnt.


Quellen
– FRB 2-3
Literatur
– GHS 1, 299-301

Autorin/Autor: Kathrin Utz Tremp 
von Wädenswil, Konrad (I12339)
 
47967 Zitat aus: http://www.hls-dhs-dss.ch/textes/d/D15166.php

Beroldingen, Hektor von
um 1570 , nach 1631 kath.; Sohn des Johann Peregrin, 1567-74 Herrn zu Steinegg im Thurgau. ∞ 1610 Veronika von Heidenheim, Tochter des Kaspar Ludwig, Gerichtsherrn auf Klingenberg, ab 1562 Inhabers der Herrschaft Gachnang, die B. 1587 erwarb. SeSeine Rekatholisierungsbemühungen führten zum Gachnangerhandel (1610), der die Eidgenossenschaft an den Rand eines Religionskriegs brachte. 1622 Kauf der Herrschaft Gündelhart samt Kollatur der Pfarrei. 1623 Verkauf der Herrschaft Gachnang an das Kloster Einsiedeln. Massgeblich beteiligt an der thurg. Kriegsordnung von 1619 (bis 1627 Landeshauptmann). 1631 Freiherrendiplom.

Literatur
– C. Hoffmann et al., 1100 Jahre Gündelhart, 1982, 22-28
Autorin/Autor: André Salathé

————————————————— &

Zitat aus: http://www.hls-dhs-dss.ch/textes/d/D14889.php

Gachnangerhandel
Hektor von Beroldingen, Gerichtsherr von Gachnang, versuchte in der fast gänzlich ref. Gem. den kath. Glauben wieder einzuführen. Dabei entstand Streit um Grabkreuze auf dem Friedhof. Anlässlich einer Hochzeitsfeier im Mai 1610 kam es zu weiteren Feindseligkeiten, die in der Plünderung und Zerstörung des herrschaftl. Weinkellers und der kath. Kapelle gipfelten. Beteiligt waren an die 800 durch Kirchglocken zusammengerufene Reformierte. Die fünf den Thurgau mitregierenden kath. Orte wollten scharf gegen die Plünderer und Zürich vorgehen. Die Spannung zwischen den eidg. Ständen stieg so stark an, dass bereits zum Krieg gerüstet wurde, doch konnte Bern vermitteln. Gegen die beteiligten ref. Kirchbürger wurden Gefängnis- und Geldstrafen verhängt. Letztlich bezahlte Zürich den grössten Teil der Bussen. Friedhof und Pfarrpfründe von Gachnang mussten aber zwischen den Konfessionen geteilt werden.

Literatur
– H. Stösser, Der Gachnanger Handel 1610, 1965
Autorin/Autor: Peter Giger, 
von Beroldingen, Freiherr Hektor (I3774)
 
47968 Zitat aus: http://www.hls-dhs-dss.ch/textes/d/D15525.php

Roll, Walter [von]
um 1520, April 1591 Altdorf (UR), kath., Landmann von Uri. Sohn des Peter, Gutsbesitzers in Altdorf, der 1525 für sich und seine Söhne das Urner Landrecht erwarb, und der Elisa Kretz. ∞ Ursula Zollikofer. R. war Landschreiber in Locarno. Durch gewandte Politik und Handel erwarb er sich rasch ein bedeutendes Vermögen. 1554 versuchte R., die ennetbirg. Vogteien an die Medici zu verkaufen. Im April 1556 wurde er wegen Amtsanmassung abgesetzt. 1558 focht R. einen erfolgreichen Kampf gegen die Aufnahme Genfs in die Eidgenossenschaft. Er wirkte als Urner Tagsatzungsgesandter und Oberst. 1574 führte er zur Unterstützung des span. Königs ein Regiment von 4'000 Söldnern gegen die Geusen in die Niederlande. Seine Geschäftstüchtigkeit als Condottiere trug ihm den Beinamen "Taschenfeger der Fürsten" ein. Ende der 1550er Jahre gründete er die franzosenfeindl. Freiheitspartei, aus der die span. Fraktion hervorgehen sollte. R. verfügte über engste Verbindungen zu Savoyen, Parma, Ferrara und Florenz und fungierte als Hauptagent und Pensionenausteiler der Medici in der Eidgenossenschaft. Er war als Förderer der kath. Reform massgeblich an der Gründung des Kapuzinerklosters Altdorf, des ersten nördlich der Alpen, beteiligt. 1557 wurde er von Philipp II. in London zum Ritter geschlagen, 1559 verlieh ihm Papst Paul IV. den Titel eines eques auratus (Ritter zum Goldenen Sporn).

Literatur
– E. Walder, Der Condottiere Walter R. von Uri und die Beziehungen zwischen der Innerschweiz und Italien in der Wende zur Gegenreformation, 1551-1561, 1948
– L. Haas, «Die span. Jahrgelder von 1588 und die polit. Faktionen in der Innerschweiz z.Z. Ludwig Pfyffers», in ZSK 45, 1951, 81-108, 161-189
Autorin/Autor: Urs Kälin


 
von Roll, Ritter und Oberst Walter (Waltert) (I866)
 
47969 Zitat aus: http://www.hls-dhs-dss.ch/textes/d/D15622.php

Zumbrunnen, Walter

+nach 1439, Landmann von Uri. Sohn des Walter und der Emma Fürst. ∞ Ita von Bramberg. Z. stiftete in Attinghausen, wo der Überlieferung nach auch das Stammhaus der Fam. stand, eine Jahrzeit. Als Gutsbesitzer in Schattdorf nachgewiesen. 1431-39 Tagsatzungsgesandter, 1434-37 Landammann von Uri. Z. war 1434 Zeuge bei der Aussöhnung von Luzern und Nidwalden im Streit um die Fischereirechte auf dem See bei Hergiswil. 1435 vermittelte er Luzern eine Kriegsanleihe von Uri.

Literatur
– G. Muheim, «Die Tagsatzungs-Gesandten von Uri», in HNU 15, 1909, 1-74, v.a. 33 
– F. Gisler, Wappen und Siegel der Landammänner von Uri, 1937 

Autorin/Autor: Urs Kälin 
Zumbrunnen, Landammann Walter III (Waltert) (I6181)
 
47970 Zitat aus: http://www.hls-dhs-dss.ch/textes/d/D18049.php

Ab Inkenberg, Pantaleon
1368 erstmals erw. (Einbürgerung in Zürich), 31.12.1426 Zürich. Sohn des Heinrich. ∞ Anna. 1374-1410 und 1412-26 Zürcher Ratsherr. 1411 Bürgermeister. 1373 Steuereinzieher, 1377-80 und 1382-87 Seckelmeister, 1395-1426 Spitalpfleger. Vogt in Wiedikon 1391, in Höngg 1397 und 1414-22. A. hatte mitbestimmenden Einfluss auf zwei Verfassungsänderungen und auf die Anfänge des städt. Territorialisierungsprozesses durch Pfandnahmen.

Literatur
– U. Schlüer, Unters. über die soziale Struktur von Stadt und Landschaft Zürich im 15. Jh., 1978
Autorin/Autor: Martin Lassner

 
ab Inkenberg, Pantaleon (I1688)
 
47971 Zitat aus: http://www.hls-dhs-dss.ch/textes/d/D18053.php

Brun, Rudolf
1324 erstmals erw. in Zürich, gestorben 17.9.1360. Sohn des Jakob, Schultheissen und Ratsherrn, und der Mechthild. Ritter. ∞ Margaretha Fütschi, Tochter des Ratsherrn Ulrich. B. gehörte einem der alten, adligen Zürcher Ratsgeschlechter an. Bereits 1330 geriet er in Händel mit dem profiliertesten seiner späteren Gegner, Rudolf Biber, und wurde vom Rat mit einer hohen Geldstrafe gebüsst. Drei Jahre später musste der Rat ihn mahnen, die Busse endlich zu entrichten, was als Hinweis auf seine schlechte ökonom. Position als nicht erbberechtigter jüngerer Sohn zu werten ist. 1332-36 war er Fastenrat und damit Mitglied der Ratsoberschicht von Zürich, die sich zu Beginn des 14. Jh. durch zunehmende Aristokratisierung auszeichnete. Ein halbes Dutzend Geschlechter, insbesondere die Bilgeri, beherrschten den Rat und schlossen die restl. Familien, u.a. die B., de facto von der Mitbestimmung aus. Um den schwindenden Einfluss des Adels gegen die bürgerl. Ratsmehrheit aufzuhalten, schloss die Ratsminderheit, der B. angehörte, ein Bündnis mit den mit einem Verbot zur polit. Organisation belegten Handwerkern.

Eine die Ratsmehrheit begünstigende Münzreform gilt als Auslöser der Brun'schen Zunftrevolution von 1336, die eine weitgehende Eliminierung des bürgerl.-kaufmänn. Patriziats aus dem Rat zur Folge hatte. Der Umsturz war von langer Hand geplant, denn die Sieger legten den Bürgern umgehend eine neue, an das Strassburger Vorbild angelehnte Verfassung vor. Ihre wichtigsten Merkmale waren ein formaler und erst nach 1373 auch realer Einbezug der nun zünftisch organisierten Handwerker in die städt. Politik sowie die Position eines lebenslängl., besoldeten Bürgermeisters. 1336-60 übte B. dieses Amt aus. Der Gefahr eines Machtvakuums beugte die Vorbestimmung der vier Nachfolger B.s vor, darunter sein Bruder Jakob und der spätere Bürgermeister Rüdiger Manesse. B. musste zwei Restaurationsversuche seiner Gegner abwehren: 1337 in der Schlacht von Grinau und im Febr. 1350 in der sog. Zürcher Mordnacht. Innenpolitisch konzentrierte B. die Macht auf sich. Er bestimmte das Wahlgremium für die Ratsmitglieder. So verschaffte er v.a. Angehörigen der B., Mülner und Manesse Ratssitze. Heiratspolitisch gelang es ihm, österr. Landadlige aus der Innerschweiz (von Küssnacht und von Hünenberg), dem Gaster (von Hofstetten) und dem Zürcher Oberland (von Hinwil) in die städt. Ratsoberschicht einzubinden. Die Verbannten von 1336 versuchte er mit Teilamnestien und Verträgen allmählich wieder in die Stadt zurückzuholen und zu kontrollieren. Im kirchl. Bereich nutzte B. seine Macht, indem er seinem Sohn Bruno zuerst das Amt des Kirchherrn von St. Peter, dessen Kirchsatz er selbst 1345 erworben hatte, und 1354 dasjenige des Grossmünsterpropstes verschaffte, des kirchl. Oberhauptes der Stadt.

Unter B. zeichnete sich erstmals eine Zürcher Territorialpolitik ab. Er versuchte den Einfluss Zürichs entlang den Wasserwegen auszudehnen, was am linken Zürichseeufer bis nach Pfäffikon (SZ) und limmatabwärts in Richtung Baden auch gelang, bei Rapperswil und in der March jedoch 1358 durch die Hzg. von Österreich vereitelt wurde. Aussenpolitisch betrieb B. eine aktive Bündnispolitik. Er verband Zürich mit den schwäb. Reichsstädten, Konstanz, Schaffhausen und Basel, 1351 mit den Waldstätten und 1356 mit dem mächtigsten Partner, den Hzg. von Österreich. Persönl. Profit zog B. aus der in Zürichs Geschichte einzigartigen Besoldung des Bürgermeisters, die nur während seiner Amtszeit Bestand hatte, sowie aus der Anlehnung an die österr. Landesherrschaft und deren Klientel. Dies brachte ihm 1359 die Position eines besoldeten Geheimen Rates des Herzogs ein. B. bestimmte während eines Vierteljahrhunderts die Politik Zürichs und stärkte dessen Eigenständigkeit und Position als freie Reichsstadt.

Literatur
– A. Largiadèr, Bürgermeister Rudolf B. und die Zürcher Revolution von 1336, 1936

Autorin/Autor: Martin Lassner
 
Brun, Rudolf (I9961)
 
47972 Zitat aus: http://www.hls-dhs-dss.ch/textes/d/D18189.php

Schwend, Johannes
1391 in Zürich erstmals erw., 1445 in Zürich letztmals erw., von Zürich. Sohn des Rudolf ( -> 5). ∞ Anna von Schlatt. 1391-95 und 1414-45 Vertreter der Konstaffel im Kl. Rat, 1395 wegen Diebstahls und Belästigung von Oetenbacher Nonnen aus dem Rat ausgeschlossen. U.a. 1414-16 Reichsvogt, 1417-20 Vogt von Grüningen und 1425-29 von Kyburg, 1425 Seckelmeister. S. war ein reicher Rentner mit grossem Landbesitz. Als Ratsherr und Tagsatzungsgesandter bestimmte er bis 1444 die Expansionspolitik der freien Reichsstadt Zürich mit.

Literatur
– E. Diener, Die Zürcher Fam. S. c. 1250-1536, 1901

Autorin/Autor: Martin Lassner

 
Schwend, Johannes II der Alte (I6117)
 
47973 Zitat aus: http://www.hls-dhs-dss.ch/textes/d/D1899.php?topdf=1

Gachnang

Polit. Gem. TG (seit 1998), Bez. Frauenfeld, die neben G. die Dörfer Kefikon, Islikon, Niederwil mit den Weilern Strass und Bethelhausen sowie Oberwil mit Rosenhuben umfasst. Die Ortsgemeinde G. bildete bis 1997 mit denjenigen von Kefikon, Islikon, Niederwil, Oberwil und Gerlikon (heute Gem. Frauenfeld) die Munizipalgemeinde G. 889 Kachanang; im Volksmund seit alters her Gochlingen. Ehem. Ortsgem.: 1870 343 Einw.; 1900 280; 1950 350; 1990 694. Ehem. Munizipalgem.: 1850 1'456 Einw.; 1900 1'368; 1950 1'694; 1990 3'038. Polit. Gem.: 2000 2'906 Einw.

Vom Egelsee (nördlich von Niederwil) stammen bedeutende urgeschichtl. Funde aus der Pfyner Kultur. 889 schenkte Kg. Arnulf seinem Getreuen Diethelm einen Hof in G. mit zehn herrschaftl. Huben. Ab dem 11. Jh. befand sich G. im Besitz des Klosters Reichenau. Die Herren von G. verwalteten als Kyburger und später auch Reichenauer Ministerialen die Herrschaft G. von ihrer abgegangenen Burg Alt-G. bzw. dem Meierhof Meiersberg aus. 1417 kam die Herrschaft an die Herren von Schinen, die vor 1500 am heutigen Standort Neu-G. errichteten. 1562 gelangte sie an Kaspar Ludwig von Heidenheim, 1587 an Hektor von Beroldingen und 1623 ans Kloster Einsiedeln. Bei diesem blieb die niedere Gerichtsbarkeit bis 1798. Die älteste erhaltene Offnung datiert von 1430.

Die Kirchgem. G. bestand wohl bereits vor 1000 und umfasste eine Reihe von Ortschaften auf Thurgauer und Zürcher Gebiet, darunter bis 1651 bzw. 1874 auch die Filialen Ellikon an der Thur und Gerlikon. Der Bau der Kirche erfolgte vor dem 13. Jh. Mitten durch die Pfarrgemeinde verlief ab 1427 die Hoheitsgrenze zwischen den Grafschaften Kyburg und Thurgau (heute die Kantonsgrenze zwischen Zürich und Thurgau). 1528 trat die ganze Gem. zur Reformation über. Im Gefolge des Gachnangerhandels von 1610 wurde die Pfarrei geteilt, und die 1587 gebaute kath. Schlosskapelle wurde Pfarrkirche. Die Kollatur lag bei Reichenau bzw. beim Bf. von Konstanz. Das von der Landwirtschaft geprägte Dorf dehnte sich lange nur wenig über die ma. Zentren um Kirche und Schloss aus; erst seit der Mitte des 20. Jh. ist G. als typ. Wohngemeinde über die Tegelbachsenke hinausgewachsen. Ab 1916 brachte die Mosterei das Schloss zu neuer Blüte.

Version vom: 20.11.2006
Autorin/Autor: Peter Giger 
von Gachnang, Johann (I12857)
 
47974 Zitat aus: http://www.hls-dhs-dss.ch/textes/d/D19539.php

Saugern, von
Gräfl.-freiherrl. Geschlecht, franz. Soyhières. Ursprünglich wohl im Raum Seedorf-Bargen (BE) beheimatet, betrieb die Fam. ab dem 11. Jh. vom Sornegau bis ins Birseck eine intensive Kolonisationspolitik. Urkundlich treten die S. im 12. Jh. über drei Generationen auf, am deutlichsten fassbar ist die Verwandtschaftsgruppe S.-Pfeffingen bei der Gründung des Hausklosters Beinwil um 1100. Weitere Klostergründungen waren Frienisberg um 1131 und Kleinlützel um 1140. Zudem gründeten die S. die Burgen Beauregard (Gem. Delsberg) im 10./11. Jh., Soyhières um 1100, Pfeffingen und Dorneck im 11. Jh. sowie Bello um 1100 (später Neu-Thierstein). Nach dem Aussterben des Hauses S.-Pfeffingen fiel der östl. Teil der Güter an die verschwägerten Gf. von Thierstein, der Besitz im Sornegau an die Gf. von Pfirt.


Literatur
– L. Schenker, Das Benediktinerkloster Beinwil im 12. und 13. Jh., 1973
– W. Meyer, «Burgenbau, Siedlungsentwicklung und Herrschaftsbildung im Jura in der Zeit um 1000», in La donation de 999 et l'histoire médiévale de l'ancien Evêché de Bâle, hg. von J.-C. Rebetez, 2002, 71-100

Autorin/Autor: Werner Meyer 
von Saugern, Ulrich (I1708)
 
47975 Zitat aus: http://www.hls-dhs-dss.ch/textes/d/D19544.php

Thierstein [Tierstein], von
Grafenfamilie in der Nordwestschweiz, die im 11. und 12. Jh. stammesgleich mit den Gf. von Homberg ist und sich wechselnd nach Homberg, T. und Frick nennt, was auf Mobilität deutet. Die Burg Alt-Thierstein oberhalb von Oberfrick diente vermutlich vom 11. Jh. an als Sitz. Als erster Namensträger wird Rudolfus de Dierstein in den Acta Murensia (um 1160) zum Jahr 1082 erwähnt. Zu Beginn des 12. Jh. waren die T. Kastvögte des Basler Klosters St. Alban für den linksrhein. Besitz und Hochvögte des Bistums Basel. Diese Rechte gingen bei der Teilung, die vermutlich zwischen den Brüdern Rudolf IV. und Werner I. erfolgte, an die von Homberg. Die teilweise Beerbung der Gf. von Saugern brachte den T. Güter und Rechte im Birstal, im Schwarzbubenland und im Berner Seeland ein, so die Kastvogtei über die Klöster Beinwil, Frienisberg und Kleinlützel, ferner die Burgen Pfeffingen, Dorneck und Bello (später Neu-Thierstein). Die Belehnung mit Burg und Herrschaft Pfeffingen durch den Basler Bischof in der 1. Hälfte des 13. Jh. verstärkte die Position im unteren Birstal und das damit verbundene Pfalzgrafenamt des Domstifts Basel führte zugleich zu engeren Beziehungen mit der Stadt. Nördlich von Gelterkinden entstand um 1330 zur Verwaltung der neuhomberg. Erbschaft die Farnsburg.

Die thierstein. Hausteilung in die Linien Farnsburg und Pfeffingen muss zwischen 1300 und 1350 stattgefunden haben. Der Linie auf Farnsburg mit ihrem Besitz im Sisgau und im Fricktal gelang in der 2. Hälfte des 14. Jh., u.a. dank des bischöfl. Lehens der Landgrafschaft Sisgau, die Ausbildung einer geschlossenen Landesherrschaft. Durch Konnubium kamen die Gf. von T.-Farnsburg 1376 in den Lehensbesitz der Landgrafschaft Buchsgau. Mit Otto II. (erw. ab 1367), der als habsburg. Landrichter 1396 im Thurgau und 1399 im Aargau amtierte, starb diese Linie indes bereits 1418 aus.

In der Linie der Gf. von T.-Pfeffingen sind bis gegen Mitte des 14. Jh. die engen Beziehungen zum Domstift Strassburg auffällig, dem bei der Versorgung der nachgeborenen Söhne grosse Bedeutung zukam. Einen Höhepunkt bezüglich des polit. Einflusses und der wirtschaftl. Potenz erreichte sie mit Oswald ( -> 1) in der 2. Hälfte des 15. Jh. In den Wirren nach der Schlacht bei St. Jakob an der Birs von 1444 geschädigt, verschuldete sich die Fam.; 1510 wurden die Sisgauer Grafschaftsrechte endgültig an die Stadt Basel übertragen. Mit Oswalds Söhnen erlosch das Geschlecht, als Letzter starb Heinrich II. 1519.


Literatur
– GHS 1, 127-144, 407-409; 3, 406 (mit Stammtaf.)
– C. Roth, Die Auflösung der Tierstein. Herrschaft, 1906
– J. Schneider, Die Gf. von Homberg, 1977, 17-28, 36 f., 185-189, 271-273
– Europ. Stammtaf., NF 11, hg. von D. Schwennicke, 1986, Taf. 132 f.
– D.A. Christ, Zwischen Kooperation und Konkurrenz, 1998

Autorin/Autor: Franziska Hälg-Steffen

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von Thierstein-Pfeffingen, Graf Walram III. (II.) (I12316)
 
47976 Zitat aus: http://www.hls-dhs-dss.ch/textes/d/D19567.php

Glâne, de (Freiherren)
Bedeutendes edelfreies Geschlecht des 11. und 12. Jh. im nördl. Teil des transjuran. Burgund. Die namengebende Stammburg befand sich vermutlich am südl. Steilufer der G. unweit ihrer Mündung in die Saane. Das erste Zeugnis der Herren von G. ist die Heiratsnotiz Ulrichs mit Rilenta von Walperswil von 1078. Ulrich und sein Sohn Peter tauchen im Umkreis der Gf. von Mâcon-Burgund und der Gf. von Oltingen auf, mit denen sie wohl verwandt waren. Aus dem Oltinger Erbe fiel ihnen die Herrschaft Arconciel zu. In der Bluttat von Payerne in der Nacht vom 9. auf den 10. Febr. 1127 wurden Peter und dessen Sohn Ulrich zusammen mit Gf. Wilhelm IV. dem Kind, von Burgund umgebracht. Weitere Söhne Peters waren Hugo, Domherr in Besançon, und Wilhelm, Stifter des 1138 geweihten Klosters Hauterive. Letzterer entschloss sich zur Errichtung dieser Zisterzienserabtei unter dem Eindruck der Mordtat von Payerne und wohl auch in der Absicht, das Hausgut der G. im Krieg um das burgund. Erbe dem Zugriff der siegreichen Zähringer zu entziehen. Nach der Gründung von Hauterive trat er als Konverse ins Kloster ein, wo er am 11.2.1142/43 als letzter männl. Nachkomme des Geschlechts starb. Seine vier Schwestern heirateten Hochadlige der näheren und weiteren Umgebung, so Emma den Gf. Rudolf I. von Neuenburg, an den die Herrschaft Arconciel überging, Juliana einen namentlich nicht bekannten Herrn von Montsalvens, Agnes den Gf. Rudolf I. von Greyerz und Ita einen Adligen aus der Tarentaise (wohl nicht den Gf. Aymo II. von Genf). Diese Allianzen zeigen, dass die G. zu den mächtigsten Fam. im westl. Mittelland zählten. Das Geschlecht besass gute Grundlagen für die Entfaltung einer dynast. Adelsherrschaft. Sein rasches Ende ist eng verknüpft mit dem Niedergang des Grafenhauses Burgund und dem Vordringen Zähringens in den burgund. Raum.


Quellen
– Liber donationum Altaeripae, hg. von E. Tremp, 1984
Literatur
– R. Pittet, L'abbaye d'Hauterive au Moyen Age, 1934
– B. de Vevey, Châteaux et maisons fortes du canton de Fribourg, 1978
– H. Heinemann, «Unters. zur Gesch. der Zähringer in Burgund», in Archiv für Diplomatik 29, 1983, 42-192; 30, 1984, 95-257
– E. Tremp, «Wie gründet man ein Zisterzienserkloster?», in ZSK 82, 1988, 115-141
– G. Castelnuovo L'aristocrazia del Vaud fino alla conquista sabauda, 1990

Autorin/Autor: Ernst Tremp 
von Glâne, Ulrich (I12393)
 
47977 Zitat aus: http://www.hls-dhs-dss.ch/textes/d/D19587.php

Montfaucon, de
Die heute verfallene Burg M. stand östlich von Besançon auf einem Felsgipfel oberhalb des Doubs. Deren Inhaber, die M., sind ab Mitte des 11. Jh. urkundlich bezeugt. 1123-24 gründeten sie das Zisterzienserkloser Lützel bei Besançon. 1162 erwarben sie mittels Heirat die Grafschaft Montbéliard. Amadeus II. (gestorben 1195), der erste Gf. von Montbéliard aus dem Hause M., legte die Grundlage für die waadtländ. Besitzungen. Er erwarb 1168 von Ks. Friedrich Barbarossa die Hälfte der Herrschaft Orbe. Ausserdem war er der erste Herr von Montagny-le-Corbe (heute Montagny-près-Yverdon). Nach dem Tod seines Sohnes Richard III. 1227 ging Montbéliard an Dietrich III. (gestorben 1283), den grand baron. M. und die waadtländ. Besitzungen Orbe, Echallens und Montagny-le-Corbe gingen dagegen an Dietrichs Bruder Amadeus III. (gestorben 1276), den Stammvater der jüngeren Linie, der 1255 auch die andere Hälfte von Orbe erwarb. 1282 beerbte Dietrich III. seine Urenkelin Guillemette von Neuenburg und deren Gemahl Rainald von Burgund mit der Grafschaft Montbéliard. Rainalds Tochter Agnes heiratete 1320 Heinrich I. (gestorben 1367) aus der jüngeren Linie der M. und brachte so die Grafschaft Montbéliard wieder an das Haus M. Heinrichs jüngerem Bruder Girard ( -> 1) waren die waadtländ. Güter des Hauses überlassen worden. Da er keine Kinder hatte, vermachte seine Witwe, Jaquette von Grandson, diese Güter 1379 dem Sohn Heinrichs I., Stephan de M. Dieser war der letzte Vertreter des Hauses M., da sein Sohn Henri II. ( -> 2) 1396 in Nikopolis (heute Nikopol, Bulgarien) fiel. Als Stephan starb, wurde 1397 das Hausgut unter seinen drei Enkelinnen aufgeteilt. Henriette (gestorben 1444) erhielt Montbéliard, Margareta (gestorben 1410) die waadtländ. Besitzungen. Johanna (gestorben 1445), die dritte Tochter von Henri II., gelangte in den Besitz von M. Nach dem frühen Tod Margaretas 1410 gelang es Johannas Gemahl, Ludwig II. de Chalon-Arlay, die waadtländ. Güter bis 1418 nach und nach aufzukaufen. Das Haus de Chalon behielt seinen Besitz auch nach Johannas Tod, mit Ausnahme von Oron und Palézieux, die schon vorher an den Gf. von Gruyère gelangt waren.


Literatur
– F. de Gingins-La Sarra, Recherches historiques sur les acquisitions des sires de M. et de la maison de Châlons dans le Pays-de-Vaud, 1857
– Europ. Stammtaf., NF 11, hg. von D. Schwennicke, 1986, Taf. 134 f.
– R. Locatelli, «Les M.-Montbéliard du XIe siècle au milieu du XIIe siècle», in Bull. de la Société d'émulation de Montbéliard 121, 1998, 5-49
– B. Andenmatten, La maison de Savoie et la noblesse vaudoise (XIIIe-XIVe s.), 2005, 91-93

Autorin/Autor: Ansgar Wildermann 
von Montfaucon-Mömpelgard (Montbéliard), Sibylla (I12400)
 
47978 Zitat aus: http://www.hls-dhs-dss.ch/textes/d/D19594.php

Attinghausen [Schweinsberg], von

Hochfreiengeschlecht in Uri und im Bernbiet. Dass der Name A. erst um die Mitte des 13. Jh. auftritt, kann als Indiz dafür gewertet werden, dass es sich um einen oder gar wechselnde Splitter einer grösseren Verwandtengruppe von Nobiles handelt. Um 1300 muss ein genealog. Zusammenhang mit Emmentaler Frh., die sich von Schweinsberg nannten, bestanden haben. Eine durchgehende Filiation der ersten Vertreter Ulrich I., erw. 1240 im Berner Oberland, Rudolf I., erw. 1249 in Uri, und Werner I., 1248-ca. 1288 in Uri, mit den späteren A. wird neuerdings bestritten. Die Abstammung von den emmental. Herren von Signau ist nur indirekt mittels Vergleich der Herrschaftsrechte vage belegt, und die traditionelle These der Verpflanzung aus dem burgund. Raum ins Reusstal infolge angebl. zähring. Kolonisationsbemühungen ist noch weniger gesichert. Heiratsbeziehungen bestanden im 13. Jh. zu den Frh. von Wolhusen sowie evtl. zum näheren genealog. Umfeld der Rapperswiler, im 14. Jh. zu den von Kempten, von Bürglen und von Simpeln. Eine Burg, Vorgängerin des aus dem 13./14. Jh. stammenden, heute als Ruine sichtbaren Baus, bestand bereits um 1100 in A. Die Fam. erscheint jedoch erst Mitte des 13. Jh. als Besitzerin der Herrschaft Schweinsberg im Emmental und gegen Ende des 13. Jh. im Besitz der Herrschaft Wartenstein. Ihre Herrschaft in Uri umfasste neben der Burg A. verstreut gelegenes Eigengut sowie Lehen der Fraumünsterabtei Zürich und des Klosters Wettingen. Nach 1300 muss eine verm. eher informelle Herrschaftsteilung zwischen Werner II. ( -> 3) und Diethelm I. erfolgt sein, indem Diethelm die Berner, Werner II. die Urner Besitzungen übernahm. In Uri, wo die Fam. bis um 1300 ökonom. eher im Absteigen begriffen war, erfolgte danach über zwei Generationen ein bedeutender sozialer und polit. Aufstieg: Werner II. und sein Sohn Johannes ( -> 1) hatten 1294-1358/59 das Landammannamt inne. Ihr Neffe bzw. Vetter Thüring ( -> 2) war Abt von Disentis.

Die von A. wurden in der schweiz. Historiographie bis weit ins 20. Jh. einseitig als Bundesgründerfam. und Initianten der achtörtigen Eidgenossenschaft qualifiziert, was ebenso wenig haltbar sein dürfte wie die Auffassung, sie hätten in der Talschaft Uri durch übertriebenes persönl. Machtstreben eine demokrat. Bewegung hervorgerufen, welche 1358/59 den Sturz Johannes' bewirkte. Die These eines Sturzes ist weder quellenmässig noch archäolog. zu belegen. Im Bernbiet gelangte die Fam. nicht zu polit. Bedeutung. Quellenmässig niedergeschlagen hat sich v.a. der ökonom. und soziale Niedergang vom ausgehenden 14. Jh. an (Güterveräusserungen, Prozesse, Titelverlust). Letzter weltl. Vertreter des Geschlechts war der 1371-1415 erw. Thüring, Bürger von Bern.


Literatur
– P. Hubler, Adel und führende Fam. Uris im 13./14. Jh., 1973, 47-127
– GHS 4, 11-49, (mit Stammtaf.)
– R. Sablonier, «Innerschweizer Gesellschaft im 14. Jh.», in Innerschweiz und frühe Eidgenossenschaft 2, 1990, 16-23
– Stadler, Uri 1

Autorin/Autor: Franziska Hälg-Steffen

 
von Attinghausen (von Schweinsberg), Werner (I) (I6599)
 
47979 Zitat aus: http://www.hls-dhs-dss.ch/textes/d/D19607.php

Bürglen, von
Hochadliges Thurgauer Geschlecht des 12.-15. Jh. mit engen Beziehungen zum Bf. von Konstanz und zum Abt von St. Gallen. Sein Kernbesitz gruppierte sich um das ehem. Städtchen B. mit der namengebenden Burg als Stammsitz. Eberhard (erw. 1176-1209) und sein Sohn Berchtold (erw. 1209-44) waren Konstanzer provinciales episcopi (weltl. Beamte des Bischofs). Letzterer führte 1236 als Erster der Fam. den Nobilestitel. Sein Enkel Eberhard (erw. 1283/84-1306) unterstützte 1287 Abt Wilhelm von St. Gallen in dessen Konflikt mit Rudolf von Habsburg und erhielt dafür 1293 Güter bei Sulgen. In Abgrenzung zu Habsburg-Österreich lehnte sich die Fam. in der Folge an das Reich an. Eberhard, Sohn des zweitgenannten Eberhard, stand in den Diensten Ks. Heinrichs VII. Dieser ernannte ihn 1311 in die Komm. zur Untersuchung der habsburg.-österr. Rechte in den Waldstätten und 1313 zum kaiserl. Landvogt im Thur- und Zürichgau. Ludwig der Bayer verpfändete 1324 der Fam. Reichsbesitz in Rorschach, Tübach und Muolen, 1331 12 Mark aus der Steuer der Talschaften Appenzell und Hundwil. 1340-60 veräusserten die von B., offenkundig wegen ökonom. Schwierigkeiten, einen Teil ihres Besitzes. 1360, nach dem Tod von Imer, Enkel des zweitgenannten Eberhard, wurde der Besitz geteilt zwischen seinen Vettern Eberhard (erw. ab 1344, gestorben ca. 1400) und Albrecht (erw. ab 1357, gestorben 1408), den letzten Vertretern des Geschlechts, und den mit ihnen verschwägerten Sax-Hohensax. In den folgenden Jahren übertrugen die beiden Brüder verschiedene nicht unmittelbar zur Herrschaft B. gehörige Güter und Rechte der Fam. ihrer Mutter Anna von Klingenberg, aber auch Dritten. Nach Albrechts Tod erbte Kaspar von Klingenberg die Hälfte der Herrschaft B. und Albrechts Wappen. 1447 wurde die Herrschaft B. in den Händen der Sax-Hohensax wieder vereinigt.


Literatur
– P. Bütler, «Die Frh. von B.», in ThBeitr. 55, 1915, 53-113

Autorin/Autor: Martin Leonhard
 
von Bürglen, Freiherr Eberhard (I754)
 
47980 Zitat aus: http://www.hls-dhs-dss.ch/textes/d/D19661.php

Schmid von Bellikon, Johann Martin
18.5.1649 Bellikon, kath., Landmann von Uri. Sohn des Peter Schmid, Hauptmanns. ∞ Katharina Kyd. S. erwarb mit seinem Sohn Johann Balthasar 1640 von Magdalena Keller aus Basel das Schloss Bellikon mit den Niedergerichten Bellikon und Hausen im Amt Rohrdorf. Er wurde 1645 Landrat von Uri und 1646 von Ks. Ferdinand III. in den Reichsritterstand erhoben.

Literatur
– W. Merz, Die ma. Burganlagen und Wehrbauten des Kt. Aargau 1, 1905, 110 f., 136
– Kdm AG 6, 1976, 340-348
Autorin/Autor: Bruno Meier

 
Schmid von Bellikon, Reichsritter Johann Martin (I7778)
 
47981 Zitat aus: http://www.hls-dhs-dss.ch/textes/d/D20052.php

Segesser von Brunegg [Segesser, von Segesser]
Ab Mitte des 13. Jh. bezeugtes aarg. Ministerialengeschlecht, das zuerst im Dienst der Kyburger, später der Habsburger stand und in der kyburg. Stadt Mellingen über Eigenbesitz verfügte. Burg und Herrschaft Brunegg kamen 1473 als bern. Lehen an die S., die damals bereits die Vogteirechte für Brunegg besassen. 1538 wurden die S. im Nachgang der Reformation dazu gedrängt, Brunegg an Bern zu übertragen, das daraufhin Burg und Herrschaft dem Landvogt von Lenzburg unterstellte. Über Erbschaften und Heiratsverbindungen mit landsässigem Adel im Aargau kamen die S. zu weiterem Besitz, v.a. im Reusstal, längerfristig in Mellingen, Aarau, Tägerig und im zuger. Steinhausen. Ab dem 15. Jh. waren sie Bürger in den Landstädten Aarau und Mellingen sowie in eidg. Städteorten, u.a. in Luzern, und verheirateten sich mit Töchtern städt. Notabelnfamilien. Bis ins 16. Jh. dominierten bei den S. ministeriale Ämter. Die damit verbundene Habsburgtreue brachte dem Geschlecht 1442 die Nobilitierung durch Friedrich III. ein. Später kamen die S. über ihre Zugehörigkeit zu den städt. Räten auch in kommunale Ämter und wurden mit der Verwaltung gemeiner Herrschaften betraut.

In Luzern etablierte sich eine Linie des Geschlechts im 16. und 17. Jh. im Kl. Rat und schliesslich als patriz. Geschlecht. Die Luzerner S. begründeten ihren Aufstieg durch das geschickte Ausnutzen von Sold- und Pensionenwesen. Als Kleinräte befehligten einige S. Kompanien in fremden Diensten und wurden zuweilen zu Rittern geschlagen. Sie verwalteten angesehene Luzerner Landvogteien wie Ruswil, Beromünster, Willisau, Rothenburg, Habsburg und Entlebuch und versahen begehrte städt. Ämter, etwa diejenigen des Bannerherrn, Schützenhauptmanns oder Schultheissen; ferner vertraten sie Luzerns Interessen als Gesandte. Von der Luzerner Linie, die bis ins 21. Jh. Nachfahren aufweist, spalteten sich Mitte 16. Jh. eine röm. und eine dt. Linie ab, von denen Erstere Anfang 17. Jh. erlosch, Letztere zu Beginn des 19. Jh. Alle Linien blieben nach der Reformation katholisch und wiesen viele Ordens- und Weltgeistliche auf, so Maria Franziska Hortensia ( -> 14) oder Franz ( -> 5). Zudem gehörten Vertreter der Fam. vermehrt Ritterorden an. Ein 1737 für den Fall des Erlöschens einer Linie gestiftetes Fideikommiss regelte den Güterrückfall innerhalb des Geschlechts und half den Besitzstand längerfristig zu wahren.

In Luzern kamen die S. mit der Restauration 1814 erneut in die Regierung. Fortan besetzten sie neben kant. auch eidg. Ämter, v.a. in Militärwesen und Justiz. Heinrich Viktor ( -> 8) zeichnete als Architekt für einige Luzerner Grossbauten verantwortlich. Ende 19. Jh. und Anfang 20. Jh. hielten Philipp Anton ( -> 16), Hans Albrecht (gestorben 1935) sowie Agnes ( -> 1) ihre Familiengeschichte historisch oder genealogisch fest.


Archive
– StALU, Fideikommissarchiv S.
Literatur
– Schweiz. Geschlechterbuch 2, 491-508, 831-833; 5, 570-575; 10, 497-504
– GHS 3, 191-232, 416-418 (mit Stammtaf.)
– K. Messmer, P. Hoppe, Luzerner Patriziat, 1976

Autorin/Autor: Tina Maurer

 
Segesser von Brunegg, Hans (Johann) Ulrich II (I4390)
 
47982 Zitat aus: http://www.hls-dhs-dss.ch/textes/d/D20235.php

Hofmeister (von Frauenfeld)
Zweig der ritteradligen Fam. von Frauenfeld-Wiesendangen. Namengebend für seine Nachfahren war der ab 1270 belegte Jakob von Frauenfeld, der ab 1301 Hofmeister des Hzg. Leopold von Österreich war. Sein Sohn Nikolaus war ab 1331 Bf. von Augsburg, ab 1334 von Konstanz. Dessen Bruder Hans erwarb neben der Vogtei Reichenau und dem Meieramt von Langdorf verschiedene österr. Pfandschaften, so die Burg zu Frauenfeld und die Vogtei Schwarzenbach. 1347 war er wie sein Vater Vogt zu Kyburg. In der 2. Hälfte des 14. Jh. begannen seine Söhne Johannes der Sänger und Jakob mit der Liquidation ihrer Güter und Rechte und die Fam. verbürgerlichte zunehmend.


Literatur
– E. Leisi, «Die H. von Frauenfeld», in ThBeitr. 83, 1947, 1-12
– K. Burkhardt, Stadt und Adel in F. 1250-1400, 1977, 38-48
– Sablonier, Adel

Autorin/Autor: Martin Leonhard

 
von Frauenfeld, Ritter Jakob (I12165)
 
47983 Zitat aus: http://www.hls-dhs-dss.ch/textes/d/D20261.php

Hunwil, von
Vom 13. bis 15. Jh. in Luzern, Obwalden und Aarau verbreitetes Ministerialengeschlecht, als dessen Stammsitz der Hof H. bei Römerswil im Amt Hochdorf angesehen wird. 1236 verzichteten die Brüder Heinrich und Ulrich auf den Hof, den ihnen die Frh. von Eschenbach bis dahin verpfändet hatten. Ihre verwandtschaftl. Beziehungen zur Luzerner Ammännerfamilie H., die in der Frühgeschichte der Stadt Luzern eine bedeutende Rolle spielte, sind unsicher. Möglicherweise von Konrad an, der 1231 und 1234 belegt ist, waren die H. erbl. Inhaber des herrschaftl. Ammannamtes in der Stadt Luzern und standen damit bis um 1300 an der Spitze der Bürgerschaft. Der zum Ritter geschlagene Johann (erw. 1257-61) und seine Nachkommen sind wohl murbach. Ministerialen. 1323 verkaufte Ritter Walter (erw. 1300-28) das Ammannamt an Hzg. Leopold von Österreich.

Die Obwaldner und die Aarauer H. sind Abkömmlinge des Luzerner Geschlechts. In Obwalden sind die H. erstmals 1304 belegt: Ritter Heinrich, ein Bruder von Ammann Walter, erscheint an der Spitze der Obwaldner Führungsgruppe. Er gilt als Erbauer der Burg H. in Giswil. Heinrichs Söhne Peter ( -> 4) und Heinrich ( -> 2), Peters Sohn Georg ( -> 1) und sein Enkel Walter ( -> 5) sowie Walters Schwiegervater Rudolf von Halten scheinen das Landammannamt über 50 Jahre lang innegehabt zu haben. Ihre verwandtschaftl. Beziehungen reichten von Luzern über Nidwalden und Uri bis ins Berner Oberland. Unter Georg erreichten die H. in Obwalden den Höhepunkt ihrer Macht. 1381 endeten der Ringgenberger Handel sowie Alpstreitigkeiten mit dem Entlebuch mit zwei Schiedsgerichtsurteilen. Daraufhin erklärte am 14.2.1382 eine gemeinsame Landsgemeinde von Ob- und Nidwalden die Fam. H. und ihre Verwandten Walter von Tottikon und Johann von Waltersberg für immer aller Landesämter unfähig. Die viehbäuerl. Fraktion der Führungsgruppe verdrängte damit ihre ministerialadligen Konkurrenten von der polit. Macht. Die H. verliessen Obwalden und verbürgerten sich in Luzern, wo Walter erneut polit. Ämter innehatte. Die Töchter Walters, Paula und Gertrud, heirateten in die Führungsschicht der Städte Bern und Zürich ein. 1474 starb das Geschlecht mit Walters Sohn, Schultheiss Heinrich ( -> 3), aus.

Ein weiterer Zweig der Fam. H. lebte im 14. Jh. in Aarau. Um 1324 zog Johann, noch 1337 und 1340 mit Güterbesitz bzw. 1341 als Zeuge in Luzern belegt, nach Aarau, wo er 1340 und 1343 (Edelknecht) als Zeuge auftrat und bis mindestens 1367 lebte. Seine Söhne Johann, Walter und Heinrich sind ab 1367 als Bürger zu Aarau belegt. Nach 1414 scheint mit Edelknecht Walter die männl. Linie dieses Zweiges zu enden.


Literatur
– W. Merz, Wappenbuch der Stadt Aarau, 1917, 130
– B. Stettler, «Die Herren von H. im Land Obwalden», in Gfr. 126/127, 1973/74, 5-32
– J.J. Siegrist, «Zur Entstehung und frühen Entwicklung der Stadt Luzern», in Luzern 1178-1978, 1978, 115-129
– R. Sablonier, «Innerschweizer Ges. im 14. Jh.», in Innerschweiz und frühe Eidgenossenschaft 2, 1990, 10-233
– A. Garovi, Obwaldner Gesch., 2000

Autorin/Autor: Roland Sigrist 
von Hunwil, Johanna (I11445)
 
47984 Zitat aus: http://www.hls-dhs-dss.ch/textes/d/D20418.php

Werdegg, von
Zürcher Ritteradel, 13.-14. Jh., benannt nach der Burg W. bei Hittnau, wo auch der Besitzschwerpunkt der Fam. lag. Erste bekannte Vertreter waren Heinrich und Rüdiger, die 1229 für Rudolf von Rapperswil als Zeugen auftraten. Mitte des 13. Jh. gehörte die Fam. zum Dienstadel des Klosters St. Gallen. Unter Rüdiger (erw. 1276-1313), dem letzten männl. Nachkommen der Fam., wurde diese Verbindung jedoch gelöst. Verheiratet mit der Zürcher Stadtadligen Anna Biber gelangte er als einer von wenigen Landadligen ab 1306 in den Zürcher Rat. Sein Erbe ging über seine mit Beringer von Landenberg verheiratete Tochter Katharina an deren Sohn Rüdiger, der sich ab 1322 sowohl nach Landenberg wie nach W. nannte.


Literatur
– H. Kläui, «Neues zur ältesten Genealogie und Gesch. der Herren von Landenberg», in ZTb 1959, 1958, 24-61
– Sablonier, Adel
– P. Niederhäuser, «Adel und Adelsherrschaft: Die Burgherren von W.», in Hittnau, hg. von M. Leonhard et al., 2005, 15-30

Autorin/Autor: Martin Leonhard 
von Werdegg, Ritter Rüdiger des Rats (I12163)
 
47985 Zitat aus: http://www.hls-dhs-dss.ch/textes/d/D20785.php

Burchard I.
Durch Königsdiplome zwischen 903 und 909 als (Mark-)Gf. von Churrätien bezeugter Sohn Gf. Adalberts "des Erlauchten", dessen Abstammung von Gf. Hunfrid von Rätien strittig ist. B., der 889 auch als Graf in der schwäb. Bertoldsbaar amtierte, scheiterte 911 als princeps Alamannorum mit dem Versuch, ein Herzogtum zu errichten. Die Gegenpartei unter Führung Bf. Salomos III. von Konstanz tötete ihn und seinen Bruder. Seine Söhne, darunter Burchard II., wurden verbannt.

Literatur
– M. Borgolte, Die Gf. Alemanniens in merowing. und karoling. Zeit, 1986, 85-87
– E. Hlawitschka, «Beitr. zur Genealogie der Burchardinger und Liutpoldinger», in Herrschaft, Kirche, Kultur, hg. von G. Jenal, 1993, 203-217
Autorin/Autor: Michael Borgolte

 
von Schwaben (in Rätien) (Hunfriedinger / Burchardinger), Markgraf Burkhard I. (Burchard) (I1154)
 
47986 Zitat aus: http://www.hls-dhs-dss.ch/textes/d/D21173.php

Hunwil, Peter von
1310 erstmals erw., gestorben um 1338. Sohn des Heinrich, Ritters. Älterer Bruder des Heinrich. ∞ 1) Maria von Bruchtal, 2) Beatrix von Strättligen. 1310-37 in den Urkunden belegt, 1328 und 1337 als Ritter bezeichnet. Als H.s Wohnsitz wird die Burg H. auf dem heutigen Pfarrkirchenhügel in Giswil angenommen. 1314 zinste H. dem Kloster Im Hof in Luzern ab einem Gut in Giswil, das bereits sein Vater besessen hatte, und 1320 ab Gütern in Alpnach, 1324 dem Stift Beromünster ab Gütern in Sarnen. 1328 kaufte er vom Kloster Engelberg die Einkünfte der Kirche Lungern auf fünf Jahre. Vielleicht schon 1310, sicher 1328 Landammann von Unterwalden.

Autorin/Autor: Roland Sigrist

 
von Hunwil, Peter (I12341)
 
47987 Zitat aus: http://www.hls-dhs-dss.ch/textes/d/D21174.php

Hunwil, Heinrich von
1337 erstmals, 1348 letztmals erwähnt. Sohn des Heinrich, Ritters. Jüngerer Bruder des Peter. In Urkunden von 1347 und 1348 als Junker bezeichnet. 1337 belegt als Zeuge, 1347 als Vogt seiner Nichte Margareta. Die Quellen nennen H. nicht als Landammann von Obwalden. Weil er 1348 aber mehrmals an der Spitze der Landesvertretung stand, wird er als Landammann angesehen.

Autorin/Autor: Roland Sigrist

 
von Hunwil, Heinrich (I12344)
 
47988 Zitat aus: http://www.hls-dhs-dss.ch/textes/d/D22964.php

Rüpplin [Rüeplin, Joner]

Die ab dem 15. Jh. in Frauenfeld ansässige Fam. nannte sich bis um 1600 zumeist Joner, genannt R., ab 1566 auch R. von Kefikon. Die kath. Familie bildete vom 16. bis ins 19. Jh. eine eigentl. Beamtendynastie. 1499 war Hans Joner Hauptmann der Frauenfelder, Gorius Joner 1515 Schultheiss von Frauenfeld. Die geistl. Laufbahn wählten u.a. Wolfgang ( -> 3), ab 1519 letzter Abt von Kappel, Maria, ab 1682 Nonne in Tänikon, und Beat Anton (1736-1811), Chorherr zu St. Stefan in Konstanz. Im Dienst der Abtei Reichenau bzw. des Bf. von Konstanz standen u.a. Sigmund und Joachim ( -> 1), die Ammänner des reichenauischen Amts Frauenfeld waren. Letzterer erwarb 1566 das Gericht Kefikon (bis 1650) und stiftete die Rüeplin'sche Kaplanei in Frauenfeld. Hans Joachim (1559-1646) wurde von den regierenden Orten 1592 zum Landammann im Thurgau gewählt. Dieses Amt besetzte bis 1683 auch Dominik (gestorben 1694), der 1685-93 alle zwei Jahre regierender Schultheiss von Frauenfeld war. Ignaz Joseph (1656-1728), Landammann 1684-1712, und Karl Anton (1660-1742) wurden 1722 von Ks. Karl VI. in den Freiherrenstand erhoben. Nach dem 4. Landfrieden verloren die R. das Landammannamt und traten als Ober- oder Landvögte in den Dienst der geistl. Fürsten von Konstanz und St. Gallen. Ab 1735 verstärkte sich die Entfremdung von Frauenfeld, u.a. weil Joseph Anton (gestorben 1757), Herr zu Oberstaad sowie Erbschenk des Klosters Muri, und Remigius Dietrich (gestorben 1773), Herr zu Wittenwil, auf das Bürgerrecht verzichteten, um der Reichsritterschaft des Hegaus anzugehören. Militär. Karrieren machten z.B. Johann Nepomuk (1760-1847) in franz. Diensten (während der amerikan. Befreiungskriege) und Karl August (1797-1867) in württemberg. Diensten. Theodor Joseph ( -> 2) war thurg. Regierungsrat. 1984 war der ehemalige holländ. Offizier Karl Joachim Kollator der Rüeplin'schen Kaplanei.


Literatur
– Oberbad. Geschlechterbuch 3, bearb. von J. Kindler von Knobloch, 1919, 666-671
– J.E. Hagen, Die Stiftung des von Rüplin'schen Benefiziums in Frauenfeld, 1946
– A. Hux, Die kath. Pfarrei Frauenfeld, 2004

Autorin/Autor: Erich Trösch 
von Rüpplin (von Kefikon), Hans Joachim (I2881)
 
47989 Zitat aus: http://www.hls-dhs-dss.ch/textes/d/D23334.php

Brümsi

Alteingesessenes Bürgergeschlecht Schaffhausens, welches in den Niederadel aufstieg und die Ritterfähigkeit erwarb. Früh spaltete sich die Fam. in drei Stämme auf: B. (auch "die Morharten" genannt), (B.) Am Stad und (B.) Im Thurn. Die B. waren eine angesehene Fam. mit grossem Besitz in der Umgebung Schaffhausens (Altenklingen, Herblingen, Schleitheim). Als frühester Vertreter wird 1239 ein Eberhardus dictus B. erwähnt. Weiter traten 1251 ein Hainricus und 1258 ein Konrad als Zeugen auf. Einzelne Familienmitglieder waren in der städt. Verwaltung Schaffhausens tätig. Einige Angehörige der Fam. standen im 14. Jh. auch in österr. Diensten. Nachdem die B. 1537 Schloss und Dorf Herblingen erworben hatten, nannte sich die Fam. B. von Herblingen. Mit dem Übergang Schaffhausens 1529 zur Reformation konnten sich die B. nicht anfreunden; sie zogen nach und nach aus der Stadt fort (Sundgau). Mehrere Angehörige der Fam. traten in der Folge in den geistl. Stand, so Catharina.

Der Zweig Am Stad oder in litore, genannt nach seinem Wohnsitz am Rhein, wo er als Erblehen des Klosters Allerheiligen Schifffahrtsrechte innehatte (1302 verkauft), stellte im 14. Jh. Dienstleute in militär. und landesherrl. Ämtern der österr. Herzöge. Andere übten im 14. und 15. Jh. wichtige städt. Ämter (Hans Amstad) in Schaffhausen aus. Durch Kauf, Heirat und Übernahme von Lehensträgerschaften gelangte der Zweig zu Besitz- und Vogteirechten in der Umgebung Schaffhausens (Berau, Marthalen, Randegg). Heiratsbeziehungen bestanden zu Schaffhauser Adelsgeschlechtern (u.a. Heggenzi, Winkelsheim, Fulach) und auswärtigen vornehmen Fam. (u.a. Muntprat, Schwend, Randegg). Nach der Auswanderung aus Schaffhausen um 1515-25 erlosch der Zweig im Mannesstamm mit Hans (✝︎ 1551).

Version vom: 13.01.2003
Autorin/Autor: Oliver Landolt 
Brümsi am Stad, Heinrich (I11482)
 
47990 Zitat aus: http://www.hls-dhs-dss.ch/textes/d/D23933.php

Jauch, Karl Eduard
13.10.1759 (?), 18.2.1802 Palermo, kath., Landmann von Uri. Sohn des Karl Florian ( -> 12). ∞ 1783 Josepha Xaveria Schmid, Tochter des Karl Franz Schmid. Schwager von Franz Vinzenz Schmid. 1780-89 Inhaber des Regimentes J. im Dienste des Königreichs beider Sizilien, anschliessend Kommandant des 2. Fremdenregiments in Neapel. Beförderung zum Feldmarschall. Ritter des St.-Stephans-Ordens zu Pisa.

Archive
– StAUR
Literatur
– F.-J. Schnyder, «Schweizer im St. Stephans-Ritterorden zu Pisa», in SAHer 86, 1972, 57-66
– R. Petitmermet, «Von der Organisation, den Uniformen und den Fahnen der Schweizer in Neapel», in Figurina helvetica 35, 1976, 21-36
– U. Kälin, Die Urner Magistratenfam., 1991
Autorin/Autor: Hans Stadler 
Jauch, Karl Eduard (I7715)
 
47991 Zitat aus: http://www.hls-dhs-dss.ch/textes/d/D29239.php

Ulrich III. von Neuenburg

Erw. ab 1182, ✝︎ 1226 . Sohn des Ulrich II., Herrn von N., und der Berthe de Granges. Bruder des Berthold und des Rudolf II. ⚭ ​1) Gertrude (Nachname unbekannt), 2) 1202 Yolanda von Urach, Tochter des Egon IV. Ab 1192 mit seinem älteren Bruder Rudolf II. Herr von N., nach dessen Tod 1196 mit seinem Neffen Berthold. Die beiden verliehen der Stadt N. 1214 Stadtrechte. Bei der Teilung des Familienbesitzes um 1218 erhielt N. mit dem Grafentitel und den deutschsprachigen Gebieten den bedeutenderen Teil, Berthold fielen die französischsprachigen Gebiete zu. Nach N.s Tod wurde sein Besitz unter seinen Söhnen aufgeteilt, die die Zweige derer von Nidau, Strassberg und Aarberg begründeten.

Version vom: 20.01.2009
Autorin/Autor: Germain Hausmann Übersetzung: Alice Holenstein-Beereuter

 
von Neuenburg, Graf Ulrich III. (I1772)
 
47992 Zitat aus: http://www.hls-dhs-dss.ch/textes/d/D31777.php

Hewen, von
Im 11. bis 16. Jh. bezeugtes Freiherrengeschlecht, benannt nach der Burg Hohenhewen bei Engen im Hegau. Die Herren von H. nannten sich ursprünglich Herren von Engen (belegt ab 1050) und gaben sich nach dem Bau der Stammburg den neuen Namen H. (belegt ab 1174). Zum Kern der Herrschaft H. zählten die Stadt Engen und die umliegenden Dörfer. Über nähere Beziehungen zwischen den Herren von H. und den Zähringern sowie den Staufern ist nichts bekannt. 1291 trat Rudolf von H. in ein Lehensverhältnis zum Haus Habsburg und diente diesem 1313 als Hofrichter und 1322 als Abgesandter des Königs. Um 1365 erwarb die Fam. die Herrschaft Griesenberg im Thurgau und 1428 Hohentrins in Graubünden. 1398 verpfändete sie die Herrschaft H. an Hzg. Leopold von Habsburg, der diese 1404 an Gf. Hans von Lupfen verkaufte. Die Nachkommen der Fam. H., v.a. der Konstanzer Bf. Heinrich ( -> 3), stritten sich mit den Gf. von Lupfen vergeblich um die Wiedereinlösung ihrer ehem. Herrschaft. Im Zusammenhang mit der Vermählung mit Agnes von Lupfen 1477 verzichtete Peter endgültig darauf. Die Fam. besass 1498-1517 Anteile der Herrschaft Werdenberg im vorderen Rheintal und starb 1570 mit Albert Arbogast aus.


Literatur
– W. Sandermann, Die Herren von H. und ihre Herrschaft, 1956
– Engen im H., hg. von H. Berner, 3 Bde., 1983-2000
– T. Gut, Hohenhewen, 2001

Autorin/Autor: Hiroto Oka 
von Hewen (I12924)
 
47993 Zitat aus: http://www.hls-dhs-dss.ch/textes/d/D31932.php

Jauch, Johann Joseph Anton
8.7.1714 Altdorf (UR), 1780, kath., Landmann von Uri in Altdorf. Sohn von Johann Sebastian ( -> 7) und Maria Kunigunda Stricker. Bruder von Joseph Stephan ( -> 10) und Karl Josef ( -> 14). ∞ 1750 Anna Xaveria Vonmentlen, Tochter des Josef Antonon, Faktors in Altdorf. Offizier in span. Diensten, zuletzt Oberstleutnant. 1733 Ritter des St.-Stephans-Ordens zu Pisa. J. gründete 1764 ein Alaunbergwerk hinter Intschi (Gem. Gurtnellen). Er förderte 1768-69 die Auswanderung in die span. Sierra Morena.

Archive
– StAUR
Literatur
– R. Bolzern, «Die Z'graggen von Schattdorf in der Sierra Morena», in Schweizer Monatsh. 66, 1986, 321-330
– U. Kälin, Die Urner Magistratenfam., 1991, 162
Autorin/Autor: Hans Stadler 
Jauch, Johann Joseph Anton (I7717)
 
47994 Zitat aus: http://www.hls-dhs-dss.ch/textes/d/D7837.php

Werdegg
Gerichtsherrschaft und abgegangene Burg bei Hittnau. Die 1229-1313 erw. Herren von W. liessen die Burg um 1200 erstellen und sicherten sich in der Umgebung diverse Rechte. Deren Nachfolger, die Ritter von Landenberg-W., festigten W. im SpätMA zur Gerichtsherrschaft, die das weitläufige Gebiet von Hittnau sowie spätestens ab 1434 auch Gündisau (Gem. Russikon) umfasste. Sie ging 1413 mit der Burg an Heinrich Göldli, 1434 an Kaspar von Bonstetten und um 1437 an Herdegen von Hinwil. Hochgerichtlich gelangte die Herrschaft 1424 pfandweise und 1452 definitiv an die Stadt Zürich und war bis 1798 der Landvogtei Kyburg unterstellt. Gemäss Johannes Stumpf zerstörten eidg. Truppen 1444 die Burg. 1473 wurden die Rechtsverhältnisse der Herrschaft W. in einer Offnung festgehalten. Ab 1477 erfolgte die Verleihung des Burgplatzes und der Herrschaft getrennt. Letztere kam nach versch. Besitzwechseln von der Fam. Meiss um 1510 an die Blarer von Wartensee, die W. mit der Herrschaft Kempten verbanden. 1567 wurde auch die Herrschaft Greifenberg angeschlossen. Für den Werdegger Teil hielten die Gerichtsherren das Maien- und Herbstgericht bis 1798 in Oberhittnau ab.


Literatur
– Kdm ZH 3, 1978, 268, 276
– M. Leonhard et al., Hittnau, 2005, 15-50

Autorin/Autor: Ueli Müller 
von Werdegg, Rüdiger (I12170)
 
47995 Zitat aus: http://www.mandach.ch/de/portrait/geschichte/

Das versteckte Dorf im Tafeljura

(Ausschnit aus: Brugger Neujahrsblätter, Autor: Eduard Staudacher, ehemaliger Gemeindeschreiber von Mandach und Bauernsekretär)

Der Ortsbeschrieb um die Mitte des 18. Jahrhunderts herum lautet nicht gerade schmeichelhaft: "Mandach ligt an einem Abohrt, unlustig und an den Gräntzen, ist fast gar vom Bernbiet abgeschnitten". Der Berichterstatter dürfte nicht übertrieben haben. Denken wir die heutigen Verbindungen zum Dorfe weg und fügen die damaligen Karrwege in die Landschaft ein, so wird klar, dass die grosse Weltgeschichte an Mandach vorbeiging.

Aus der Geschichte von Dorf und Landschaft
Setzen wir uns deshalb auf die Bank bei der Mandacher Egg und lassen Vergangenheit und Gegenwart Revue passieren. Dabei sind wir bereits schon auf einem geologisch interessanten Punkt, der Verwerfung von Mandach. In der Blickrichtung gegen den Schwarzwald liegt linker Hand der markante "Wessenberg", uns gegenüber die "Hochrütti (Chälebüel)" und rechter Hand der "Berg". Diese drei Erhebungen tragen noch die ursprünglichen Sedimenttafeln (Ablagerungen). Unser Sitzplatz aber wurde zu Urzeiten einmal aufgeschoben, d. h. die unteren Schichten treten hier zutage. Die abfallenden Gesteinsschichten zeigen den örtlichen Verschiebungswinkel an. Nicht genug, zur Zeit der grössten Vergletscherung dürften sich noch der Aare-, Reuss- und Linthgletscher in dieser Gegend die Zunge gezeigt haben.
Der Mensch aber nahm erst in der Eisenzeit (La Têne 700 v. Chr.), wenn nicht gar schon in der Steinzeit, diesen Lebensraum in Besitz. Lassen wir die Spekulation darüber und datieren die Entstehung des Dorfes in die Zeit der Kelten (400 v. Chr.). Irgendwann wird eine Sippe dieses Stammes eine feste Bleibe beschlossen und, entsprechend der damaligen Staatsordnung, den Bann für den Unterhalt einer Hundertschaft zugeteilt erhalten haben. Mandach wurde damit später ein vom helvetischen Adel verwaltetes Lehen und Bestsandteil der ostgallischen Provinz Sequanicum. Unter dieser Feudalordnung, die nicht so schlecht war wie ihr geschichtlicher Nachruf, sollte Mandach über Jahrhunderte leben. Kurz vor Beginn der Zeitrechnung gaben also die Helvetier den Ton an, um aber bald der römischen Oberhoheit für ein halbes Jahrttausend Platz zu machen. Die Römer, gescheit wie sie waren, begnügten sich mit der Verwaltung, ansonsten blieben auch für Mandach die Götter und die weltliche Tradition unangefochten. Als später der germanisch-alemannische Adel neue Herrschaftsgebiete annektierte, dürfte Mandach halt einmal mehr, wiederum nur administrativ, unter neue Räder gekommen sein. Später zeigten ihnen die Burgunder, die Habsburger, Zähringer und Berner die Macht. Die obrigkeitlichen Herren wechselten, das Volk blieb. Der Grosszügigkeit der Herrschenden ist es zu verdanken, dass Mandach 1072 zu einer Kirche kam, gestiftet und erbaut von den Wessenbergern, vielleicht aber erschuftet auf Geheiss, im Frondienst. Die Mandacher wurden nun zu Christen umgemodelt. Als Untertanen weltlicher und geistlicher Macht hatten sie nun das Vergnügen, ihre Zinsen und Zehnten nicht nur den Burgherren am Ort abzuliefern, sondern auch den Klöstern Säckingen und St. Blasien. Der geographische Horizont wurde damit beiläufig erweitert.
Nach dieser bissigen Rückschau in die Feudalzeit bleibt eigentlich nur noch Napoleon zu danken, dass er Mandach dem Bezirk Brugg und dem Aargau zuteilte. Damit konnte endlich der sture Zehntenbezug dem anmutigen, flexiblen monetären Steuerbezug Platz machen.
Wenden wir uns aber wieder der Landschaft zu:
Vom Wessenberg war bereits die Rede. Auf seinem nördlichsten Sporn stund einst die Burg der "Wessenberger". Bis Mitte des 14. Jahrhunderts noch bewohnt, dürfte wohl das Erdbeben von 1356 ihr Schicksal besiegelt haben. Das Gemäuer ist vollends abgetragen und die Steine wären in diversen Hausmauern im Dorfe noch ausfindig zu machen. Von einer zweiten Burg habsburgischen Besitztums auf dem südlichen Teil des "Wessenberges" orakelt man. Auch für ihr Gemäuer war für Absatz gesorgt. 
von Mandach, Heinrich (I12871)
 
47996 Zitat aus: http://www.swisscastles.ch/Vaud/chateau/duins_d.html

Der Turm von Duin war früher ein schönes feudales Schloss, das Schloss von Bex. Man erforschte seine Ruinen, und fand die Gründungen von wenigstens fünf Türmen. Der einzige, der übrig bleibt, war sicher nicht der älteste, da man die Gründung des Schlosses in die zweite Hälfte des 11. Jahrhunderts festsetzt. Die runden Türme wurden in dieses Land erst im 12. Jahrhundert durch die Grafen aus Savoyen eingeführt.

Diese Grafen, die grosse Erbauer waren, halfen zweifellos dem Herrn von Bex, gegen 1195 sein Schloss auf dem Hügel zu bauen, der die Ortschaft beherrscht, wie sie es für jene von Saint-Triphon taten. Sie hatten dafür einen dringenden Grund: die Notwendigkeit von befestigten Orten in dieser Region von Chablais, die der Schlüssel zum Eingang ins Wallis war.

Ab 1400 sind die Dokumente detailliert, was das Schloss von Bex betrifft. Zu dieser Zeit hatten zwei Mitregenten die Wut ihres Lehnsherren, einem Herzog aus Savoyen, auf sich gezogen, als sie Jean Arambourg von Bex entkommen liessen in 1423; dieser war im Turm eingeschlossen; der Hexerei angeklagt und als schuldig befunden. Der Herzog aus Savoyen bestrafte die Mitregenten mit einer Geldstrafe von 40 Gulden, um sie anzuspornen, in Zukunft die ihnen anvertrauten Verbrecher besser zu überwachen.

Kurz danach leistete ein gewisser Antoine de Bex seine Schwur dem Amadeus VIII, dem ersten Herzog aus Savoyen und künftigen Papst Félix V. In 1431 wurde Antoine Herr von Bex durch seine Ehe mit Margerite de Blonay. Sie liessen sich im Schloss nieder, das damals den Namen "Schloss Duin" erhielt.

Die Familie de Duin bewohnte das Schloss während etwa 150 Jahren; von 1431 bis 1574. Diese 1.5 Jahrhunderte waren turbulent. Nach den Burgund Kriegen griffen die Truppen an, die die Schlacht verloren hatten und Italien über den Grand-Saint-Bernard wieder gewannen. Beim vorbeigehen griffen sie die Schlösser von Saint-Triphon und Bex an und zündeten eines nach dem anderen an. In dem von Bex blieben wahrscheinlich noch bewohnbare Gebäude, da der Herr dort bis 1641 blieb. Das war das Datum, an dem das früher so stolze Castel immer mehr zugrunde gerichtet und definitiv aufgegeben wurde.

Das schien dem Zeitalter angepasst zu sein: die Herren verliessen überall ihre Festungen auf den Höhen, um komfortablere Wohnsitze in der Ebene zu bauen. Diese wurden vergoldet, hatten zahlreiche Fenster und machten keinen defensiven Eindruck. David de Rovéréa, Schlossherr von Duin, liess in 1641 bei Glarey das Schloss bauen, das zuerst seinen Namen trug, bevor es zu Schloss Grenier gegen 1850 wurde.

Heute steht der 20m hohe Turm, dessen elegantes Zylinder über dem Wald ragt, als eine merkwürdige Krönung, seltsam für eine Burg. Eine Zeichnung von 1838 beweist, dass es sich in Wirklichkeit um eine neue Errichtung handelt. Ein Eigentümer hat einfach die Zinnen benutzt, auch als „Zähne der Schiessscharten“ benannt, um daraus Fenster zu machen, die danach von neuen Zinnen gekrönt wurden.

Das Betrachten der Gravuren von 1838 zeigt auch, dass das Tor der Ringmauer wahrscheinlich erst kürzlich gebaut wurde, zur gleichen Zeit riss man zum Teil die hohen Mauern in der Nähe ab.

Der Stein, der über der Eingangstür enthalten ist und der ein Wappen und ein Datum trägt, 1533, der zur Hälfte von der Zeit zerstört wurde, ist auch nicht authentisch; es war nicht in 1533, sondern in 1195, dass Girold de Bex das Schloss bauen liess. Dieser Stein wurde in der Tat dort in 1894 von Louis Grenier gesetzt, damaliger Eigentümer des Turms. Er hatte ihn von einem Antiquitätenhändler in Lausanne gekauft, der ihn in einem ruinierten Haus in Bex gefunden hatte. Aber ist es schwierig, irgendeine Beziehung zwischen diesem Stein und dem Schloss herzustellen.

Man kann nicht über den Turm von Duin sprechen, ohne die aussergewöhnliche Schönheit des Standortes mitzuteilen, der ihn umgibt. Zu seinen Füssen dehnt sich der schönste Kastanienhain des Kantons aus, jahrhundertalte Bäume, die verlassene Alleen begrenzen.


 
von Bex, Gerold (I57840)
 
47997 Zitat aus: http://www.swisscastles.ch/Zurich/schloss/dubelstein_d.html

Der Name der Burg Dübelstein, einst Tuobelnstein, weist uns in die Richtung der Bauherren, der Herren von Dübendorf, früher Tuobelndorf. In der Namensbeziehung ist ein ähnliches Verhältnis wie zwischen Alt-Regensberg und Regensdorf erkennbar. In Dübendorf war das Kloster Reichenau begütert. Vögte und Lehensträger des Klosters waren in diesem Gebiet bis 1257 die Grafen von Rapperswil, die mit der Wahrung ihrer Rechte anscheinend die Herren von Dübendorf beauftragten. Diesen niederen Dorfadel bezeugen die geschichtlichen Quellen erstmals um 1130. Im 13. Jahrhundert treten die Herren von Dübendorf häufig auf, unter anderem auch im Gefolge der Grafen von Kyburg und von Werdenberg, der Freiherren von Regensberg und von Tengen. Erstmals nennt sich 1257 ein Konrad nach der wohl um diese Zeit herum erbauten Burg Dübelstein. Die Herkunftsbezeichnung schwankte noch längere Zeit zwischen Dübendorf und Dübelstein.

Im Lauf des 14. Jahrhunderts lassen sich nach dem Aussterben der Herren von Dübelstein verschiedene Burg- und Vogteibesitzer nachweisen, darunter in zunehmendem Mass reiche Bürger der Stadt Zürich. Im Alten Zürichkrieg übergab der Burgherr Göldli die Burg den andringenden Innerschweizern. Die kleine Zürcher Besatzung erhielt freien Abzug. 1487 brachte der Bürgermeister Hans Waldmann Burg und Vogtei an sich und machte die Burg zu einem freien Edelsitz, indem er die Werdenberger dazu bewegen konnte, auf ihre lehensherrlichen Rechte zu verzichten. Der Erwerb der niederen Gerichtsbarkeit in Dietikon und Rieden macht seine Bestrebungen deutlich, ein abgerundetes Territorium zu schaffen. Allein seine Entmachtung und Hinrichtung bereitete diesen Plänen schon zwei Jahre später ein ende. In der Folge plünderten und brandschatzten Gegner Waldmanns die Burg. Darauf zog die Stadt Zürich die Herrschaft über Dübendorf, zusammen mit dem übrigen Besitz Waldmanns, an sich. Das Gebiet wurde von Zürich aus verwaltet. Deshalb verlor die Burg Dübelstein ihre Bedeutung und wurde verkauft. Nach einer Zeit des langsamen Zerfalls wurde sie offenbar im späten 16. Jahrhundert wieder instandgestellt. Aber schon 1611 nahm sie ein jähes Ende. Durch die Unvorsichtigkeit einer Magd beim Flachstrocknen geriet die Burg in Brand, und nur mit knapper Not entrann die Familie des Marx Escher den flammen. Während die Burg zerfiel, blieb der Turm möglicherweise noch für ein paar Jahrzehnte bewohnbar. In der Folgezeit teilte die Burgstelle das Schicksal vieler Ruinen: die Steine wurden für Bauten in der Umgebung verwendet. Eine Ausgrabung und Restauration der Burg erfolgte in den Jahren 1942/43.

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Stagel, Friedrich (I11549)
 
47998 Zitat aus: http://www.swisscastles.ch/Zurich/schloss/elggd.html

Elgg ist ein edles Gebiet, dessen Ursprünge sich in der Nacht der feudalen Anfänge verlieren. Die Verfassung dieses Gebietes zu einer herrschaftlichen Rechtsprechung ist andererseits das Ergebnis eines langsamen Distriktvorgangs, der erst nach Ablauf des 15. Jahrhunderts zu Ende ging. Im 12. Jahrhundert erschienen die Minister von Sankt Gallen zum ersten mal an den Seiten von Walter von Elgg. Im Rahmen des dahinscheidenden Feudalismus, welcher durch unermüdlichen politischen Streitigkeiten und Eigentumswechseln geprägt ist, gelangte die Herrschaft von Elgg gegen Mitte des 14. Jahrhunderts an die Ladenberger. Daraufhin wurde das Gebiet toggenburgerisch und habsburgerisch. Im Jahre 1442 wechselte es wiederum den Besitz und gelangte in die Hände der Familie Hinwil, die bis 1494 wartete, um definitiv alle herrschaftlichen Rechte zu sichern. Um einige Rechtsstreitigkeiten zu beenden, wurde das herrschaftliche Recht von Elgg 1535 kodifiziert. 1576 verkauften die Erben der Familie Hinwil die Herrschaft an den reichen Händler aus Zürich Hans Heinrich Lochmann. Dies könnte man das feudale Zeitalter von Elgg nennen.

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von Hinwil, Herdegen (I11290)
 
47999 Zitat aus: http://www.swisscastles.ch/Zurich/schloss/wyden.html

Der schlossartige Gebäudekomplex, der westlich von Ossingen über der Thur steht, erinnert heute kaum noch an die einstige Burg Wyden. Nur der untere Teil des Wehrturms, der das Zentrum der Anlage bildet, geht auf das Mittelalter zurück und darf wohl dem 13. Jhdt. zugewiesen werden. Er misst im Grundriss 8,2 x 8 Meter bei einer maximalen Mauerstärke von 2,2 Metern. Der Turm trug ursprünglich einen Fachwerkaufbau und war von einer weiten Ringmauer umgeben. Auf deren Ostseite befand sich ein künstlicher Graben, der die Burg vom ursprünglich ebenfalls befestigten Wirtschaftshof trennte.
1243 taucht mit Burkhard de Wida die Familie der Herren von Wyden erstmals in den Schriftquellen auf. Burkhard, der wohl als Gründer der Burg gelten kann, war ein Gefolgsmann der Grafen von Kyburg und tritt in nicht weniger als 33 Urkunden als deren Zeuge auf. Im Auftrag von Graf Hartmann IV. reiste er an diverse Orte in der heutigen Nordostschweiz, um verschiedene Rechtsgeschäfte zu erledigen. Nach dem Aussterben der Kyburger (1264) behielt Ritter Burkhard seine Stellung auch unter deren Rechtsnachfolgern, den Grafen von Habsburg. Sein Sohn Heinrich von Wyden durfte weitere Lehen in Empfang nehmen. Mit Heinrichs Bruder Marquard, Komtur des Johanniterordens zu Klingnau und Hohenrain, scheint die Familie um 1325 ausgestorben zu sein.

Auf ungeklärte Weise gelangten Burg und Herrschaft Wyden um 1340 an die Gebrüder Burkhard I. und Egbrecht IV. von Randenburg, deren Familie über mehrere Generationen das Schultheissenamt zu Schaffhausen innehatte. Lehnsherr war weiterhin Habsburg. Nach Burkhards Tod gelangte Wyden zunächst über seine älteste Tochter an die Schaffhauser Familie Trüllerey. Nachdem deren Zweig zu Wyden aber bereits 1394 ausgestorben war, fiel die Burg an den Gemahl der jüngsten Tochter Burkhards, Werner von Griessheim. Diese Familie, die ursprünglich aus dem Klettgau stammte, wohnte nun über fünf Generationen auf Wyden und liess vermutlich den "Ritterhaus" genannten neuen Wohntrakt westlich des Turms, ein Wohngebäude im östlichen Burgareal und die Kapelle erbauen. Auch der alte Hocheingang des Burgturms wurde nun durch eine Wendeltreppe erschlossen und der Burghof erhielt einen Überbau. Der bekannteste der Burgherren aus jener Zeit war Hans I. von Griessheim, der sich tatkräftig in den Alten Zürichkrieg einmischte und an verschiedenen Gefechten gegen die Eidgenossen teilnahm.
1492 verkauften die Griessheimer Wyden mit der Vogtei Ober-Neunforn an den bayrischen Adligen Michael Happ von Happberg. Diesem Handel folgte ein übler Streit, der noch verschiedentlich die Gerichte beschäftigte. Der neue Burgherr liess sich 1494 sicherheitshalber ins Bürgerrecht der Stadt Zürich aufnehmen. Die Stadt half ihm im Herbst 1495, als sich vor der Burg aufrührerische Bauern aus der Nachbarschaft zusammenrotteten. Deren Anführer wurden verhaftet und streng bestraft.
Die Familie Happ von Happberg verkaufte Wyden 1546 an Hans Kaspar Stockar, dessen Söhne die Burg 1606 für 5740 Gulden an den deutschen Junker Johann Gratios von Glotz veräusserten. Der Kaufvertrag gibt in allen Details Auskunft über den damaligen Zustand der Burg und der zugehörigen Güter. Erwähnt werden unter anderem der Turm, vier Stuben, zwölf Kammern, eine Laube, fünf Kellerräume, zwei Scheunen mit Stallungen, eine Trotte, zwei Kräuter- und zwei Baumgärten, der Hof, die Ringmauer und der Burggraben. Die Gratios gerieten schon bald in Geldschwierigkeiten, flogen zudem als Hochstapler auf und mussten Wyden bereits 1635 an Graf Maximilian von Pappenheim verkaufen.
Es folgten nun einige rasche Besitzerwechsel, bis 1750 die Stadt Winterthur Wyden erwerben konnte, das nun mit Ossingen zu einem Amt vereinigt wurde. Bis 1798 wurde dieses durch Amtsleute aus den Reihen des Grossen Rates von Winterthur verwaltet. Nach Auflösung des Amtes in den Revolutionsjahren wurde Wyden zunächst an Hans Rudolf Lavater aus Zürich verpachtet, 1803 aber für 18'500 Gulden an die Gemeinde Ossingen verkauft. Diese war jedoch nur an den umfangreichen Ländereien interessiert und verkaufte die ehemalige Burg zu einem geringen Preis dem Dorfschneider. Nun wechselten die Inhaber sehr rasch, ohne dass jemand in den Unterhalt der Gebäude investiert hätte. 1875 wurde des alte Ritterhaus gar abgebrochen, um das Material für den Eisenbahnbau verkaufen zu können. 1879 beherbergte Wyden für kurze Zeit ein Mädchenheim, im Jahr darauf fand hier ein Kongress der deutschen Sozialdemokraten statt.
1903 erwarb der Zürcher Professor Max Huber-Escher den einstigen Adelssitz und stellte ihn wieder in Stand. Dabei wurden zahlreiche bauliche Veränderungen vorgenommen und auf der Westseite ein neuer Wohntrakt errichtet. Im Zweiten Weltkrieg stürzte ein amerikanischer Bomber auf dem Burggelände ab, durch den so ausgelösten Brand wurden etliche Gebäude zerstört und mussten neu aufgebaut werden. Wyden dient noch heute als privater Wohnsitz. 
von Griessheim, Junker Hans (I347)
 
48000 Zitat aus: http://www.vonhumpis.de/RavensburgerFrame.htm

Das sogenannte Humpisquartier - Residenz des Henggi Humpis ?

Stadtquartier und Stammhaus dieser Ravensburger Linie ist das sogenannte Humpisquartier, ein mehr oder minder geschlossener Komplex mit insgesamt sieben Einzelgebäuden, die sich an der Marktstraße (Nr. 45/47), Humpisstraße (Nr. 1, 3, 5) und Roßbachstraße (Nr. 18) erstrecken. Marktstraße 45 das grazilste Gebäude im Quartier gelten kann, fand bereits in einm der ersten Stadtführer aus dem Jahr 1866 unter der Bezeichnung Humpishaus Beachtung. Als Humpishaus war also zunächst das erkergeschmückte Gebäude an der Marktstraße mit dem Wappen der Familie Humpis bekannt. Der Kern des Komplexes liegt naturgemäß an der Marktstraße. Durch historische Bauuntersuchungen ist festgestellt worden, daß auf den Parzellen Marktstraße 45, Marktstraße 47 und Humpisstraße 1 bereits um 1380 ein großer, zusammenhängender Baukomplex bestand, der in der damals kostspieligen, aber repräsentativen Steinbauweise aufgeführt war. 1380, das ist die Zeit, des wohlbekannten Henggi Humpis als Bürgermeister, Stadtammann, Mitbegründer der Großen Ravensburger Handelsgesellschaft, Diplomat und Unterhändler im Appenzellerkrieg und Führer das Schwäbischen Städtebundes, Ravensburgs Unabhängigkeit als Reichsstadt und ihren wirtschaftlichen Aufstieg wesentlich im Auge hatte. Der Bau des Mehlsacks, die Erneuerung der Stadtbefestigung mit dem Gemalten Turm, die von König Wenzel priviligierte Schiffbarmachung der Schussen, mit dem Ziel, Ravensburg als Messestadt auszubauen, und die Erlangung der Hohen Gerichtsbarkeit im Jahr 1396 fallen in seine Lebenszeit. Er wurde 1429 im Chor des Karmeliterklosters beigesetzt. Heute ist sein Epitaph in der Kapelle der Großen Ravensburger Handeslgesellschaft zu besichtigen.

Hat Henggi Humpis nun wirklich in dem hochmittelalterlichen Vorgängerbauten des heutigen Humpisquartiers Hof gehalten ?. Es gibt zwar keine Quellenbelege dafür, da aber die Nachkommen seines einzigen Bruders Ital im sogenannten Romanischen Haus in der Marktstraße 59 belegt sind, Henggis eigene Söhne jedoch im sogenannten Humpisquartier wohnten, liegt der Schluß nahe, daß sich Henggi Humpis unterhalb des Wohnsitzes seines Vaters und Bruders ein eigens Familienquartier geschaffen haben könnte. Mit dem Tod Henggis im Jahr 1429 teilen seine beiden Söhne Frick III. und Hans II. den Komplex untereinander auf.

Mehr unter obenstehendem Link.. 
Humpis, Johann (I11538)
 

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