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50401 Zitat aus: https://de.wikipedia.org/wiki/Irmingard_von_Burgund (Aug 2023)

Irmingard von Burgund (geboren im späten 10. Jahrhundert; gestorben nach dem 20. September 1057) war eine sapaudische Adelige, Gräfin der Provence und Königin von Burgund.

Leben
Die familiäre Herkunft Irmingards ist nicht sicher überliefert. Möglicherweise stammt sie aus der in den Urkunden nur schlecht fassbaren Verwandtschaft des Grafen Humbert von Maurienne, der ein Vasall des Königs Rudolf III. von Burgund und nach dessen Tod ab 1032/1033 unter Kaiser Konrad II. Graf der Maurienne und im Chablais war und zum Stammvater des Hauses Savoyen geworden ist.[1] Vielleicht war Irmingard Humberts Schwester.[2]

Irmingard von Burgund heiratete vor dem Jahr 1002 den Grafen Rotbald III. von der Provence, der von 1008 an Markgraf der Provence war. Im Jahr 1002 erscheint ihr Name überhaupt zum ersten Mal in einer Urkunde für die Abtei Montmajour bei Arles.[3] Rotbald und Irmingard hatten zwei Söhne, Hugo und Wilhelm, und eine Tochter, Emma von Provence.[4] Im Jahr 1005 war Irmingard bei der Wahl des Abts von Sankt Viktor in Marseille anwesend.

Im Jahr 1011 heiratete Irmingard in zweiter Ehe den König Rudolf III. von Burgund. Rudolf übergab seiner Verlobten als Wittum mit einer am 24. April 1011 in Aix, Savoyen, ausgefertigten Urkunde[5] und bei weiteren Schenkungen die Stadt Vienne, die Grafschaft Sermorens am Fuße der savoyischen Voralpen, das Kloster in Bourg-Saint-Pierre im Wallis an der Passstraße zum Grossen Sankt Bernhard, umfangreiche Ländereien bei Annecy, Ortschaften in verschiedenen Gegenden des Reichs, zum Beispiel Rue und Font (beide heute im schweizerischen Kanton Freiburg), Yvonand in der Waadt sowie Auvernier am Neuenburgersee und auch die Königsburgen von Aix am Lac du Bourget und die in Neuenburg (novum castellum sedem regalem), welche damit erstmals erwähnt wird.[6] Die Hochzeit Rudolfs und Irmingards fand am 28. Juni 1011 statt. Das Königspaar hatte keine Kinder, und so vermachte König Rudolf im Jahr 1016 in Straßburg und nochmals 1018 in Mainz dem deutschen König Heinrich II. als dem Sohn seiner Schwester Gisela von Burgund die Nachfolge als Herrscher über das Königreich Burgund.

Irmingards Name wird oft in Urkunden König Rudolfs erwähnt. Sie begleitete den König bei wichtigen Rechtsgeschäften und erscheint in den betreffenden Urkunden als politisch aktive Person, so wie im Jahr 1011, als König Rudolf offenbar auf ihre Empfehlung die Grafschaft Waadt Bischof Heinrich von Lausanne, seinem Onkel, übergab.[7][8] Um 1030 unterstützte sie die Gründung des Klosters Talgurium in Savoyen.[9][10] Sie vermittelte königliche Schenkungen an die burgundische Reichsabtei Saint-Maurice[11] und an das Kloster Cluny.[12]

Als das Königreich Burgund nach dem Tod Rudolfs III. wie früher vereinbart an das Heilige Römische Reich fiel und sich Kaiser Konrad II. mit Gewalt gegen burgundische Adelige um Graf Gerold von Genf durchsetzen musste, unterstützten die Königswitwe Irmingard so wie auch Graf Humbert die Sache des Reiches.[13] Die beiden huldigten dem Kaiser im Jahr 1033 in Zürich, Irmingard veranlasste die Übergabe der burgundischen Reichinsignien, und Konrad ließ sich am 2. Februar 1033 in der Kirche von Payerne zum König von Burgund krönen. Der Reichskrieg gegen burgundische Widersacher dauerte bis ins Jahr 1034, und danach belehnte der Kaiser den Grafen Humbert mit bedeutenden Gebieten an den wichtigen Alpenpässen Savoyens. Auch Irmingard spielte weiterhin eine Rolle in der burgundischen Geschichte. Sie schenkte dem Kloster Cluny Gebiete in der Grafschaft Genf und dem Domkapitel von Grenoble Güter im Gebiet von Aix und von Chambery. Um 1050 veranlasste sie gemäß der Überlieferung den Diakon Bernhard von Aosta zum Bau des Hospizes auf dem Grossen Sankt Bernhard als Ersatz für das zerstörte Kloster in Bourg-Saint-Pierre,[14][15] und zuletzt erscheint sie noch in einer Urkunde vom 20. September 1057, mit welcher sie ein Rechtsgeschäft zu Gunsten des Klosters Sankt Peter in Vienne bekräftigte. Das Todesdatum Irmingards von Burgund ist nicht überliefert. 
von Burgund, Königin Irmingard (I12495)
 
50402 Zitat aus: https://de.wikipedia.org/wiki/Isaak_Dukas_Batatzes (Sep 2023)

Isaak war ein Angehöriger der angesehenen Offiziersfamilie Batatzes, die im 13. Jahrhundert drei byzantinische Kaiser stellte. Er war der älteste Sohn des Basileios Batatzes, der unter Kaiser Isaak II. als Domestikos der Scholen, also Oberkommandierender der byzantinischen Truppen im Osten des Reiches und Dux (Gouverneur) des Themas Thrakien amtierte. Seine namentlich nicht bekannte Mutter war eine Cousine Isaaks II.; durch sie war er ein Ururenkel von Alexios I. Komnenos und Irene Dukaina.

Über Isaaks Kindheit und Jugend ist kaum etwas bekannt. Nachdem Johannes III. Dukas Batatzes 1221 (oder 1222) den Thron in Nikaia bestiegen hatte, rückte Isaak als Parakoimomenos tes Megales Sphendones (Hofvorsteher) in den Kreis der höchsten Würdenträger bei Hofe auf. Spätestens 1253 verlieh Johannes III. seinem Bruder den hohen Titel eines Sebastokrators (Vizekaisers).

Auch unter den Nachfolgern Johannes’ III. blieb Isaak Dukas Batatzes eine einflussreiche Persönlichkeit. Am 13. März 1261 war er am Abkommen von Nymphaion, dem Handels- und Bündnisvertrag des Kaiserreichs Nikaia mit der Republik Genua, beteiligt. Von Kaiser Michael VIII., der mit Isaaks Enkelin Theodora verheiratet war, wurde er Ende April 1261, mit der Würde eines Pansebastos sebastos versehen, in diplomatischer Mission nach Genua gesandt. 
Dukas Batatzes (Vatatzes), Isaak (I42999)
 
50403 Zitat aus: https://de.wikipedia.org/wiki/Isaak_I._(Byzanz) (Sep 2023)

Basileios ließ die Brüder Isaak und Johannes im Studionkloster sorgfältig erziehen und brachte sie danach in hohe Positionen. Während der Regierung von Basileios’ sieben unmittelbaren Nachfolgern gewann Isaak durch sein kluges Handeln das Vertrauen der Armee, so dass er sich 1057 mit dem Adel der Hauptstadt Konstantinopel gegen den Kaiser Michael VI. verbünden konnte. Nach dessen Absetzung wurde er zum Kaiser gekrönt und gründete die Dynastie der Komnenen.

Isaaks erste Sorge war, seine adligen Verbündeten mit Ämtern zu versorgen, die sie von der Hauptstadt fernhalten würden. Seine zweite galt der Wiederherstellung der Finanzkraft des Reiches. Er widerrief viele Pensionen und Beihilfen, die seine Vorgänger untätigen Höflingen gewährt hatten. Außerdem sicherte er sich einen Anteil an den Einkünften der reichen Klöster, wobei er dem Vorwurf des Sakrilegs durch Michael I. Kerularios, den Patriarchen von Konstantinopel, durch eine Verbannungsverfügung zuvorkam. Isaaks einzige militärische Aktivität galt den Ungarn und Petschenegen, die 1059 damit begonnen hatten, die Nordgrenzen zu verwüsten. Kurz nach dem erfolgreichen Feldzug wurde er von einer Krankheit befallen, die er für tödlich hielt. Daraufhin ernannte er Konstantin Dukas zu seinem Nachfolger, wobei er seinen eigenen Bruder Johannes, den Vater des späteren Kaisers Alexios I., und dessen Frau Anna Dalassene überging.

Obwohl Isaak wieder genas, nahm er den Purpur nicht wieder an sich, sondern zog sich in das Studionkloster zurück, wo er die verbleibenden zwei Jahre seines Lebens als Mönch verbrachte. Seine Scholia zur Ilias und andere Arbeiten zu den Gedichten Homers sind erhalten geblieben. Isaaks großes Ziel war die Wiederherstellung der Organisation der Regierung und seine Reformen, obwohl unpopulär bei Adel und Klerus und vom Volk nicht verstanden, trugen sicher einiges dazu bei, den Untergang des byzantinischen Reiches eine Zeit lang aufzuhalten. 
Komnenos (Komnenen), Kaiser Isaak I. (I8342)
 
50404 Zitat aus: https://de.wikipedia.org/wiki/Isaak_II. (Okt 2017)

Isaak begann seine Herrschaft mit einem entscheidenden Sieg über die Normannen in Sizilien, war aber ansonsten weniger erfolgreich. Der Versuch, Zypern von dem rebellischen Adligen Isaak Komnenos zurückzuerobern, misslang aufgrund der Einmischunung der Normannen. Gleichzeitig erhoben sich die Bulgaren und Walachen und gründeten 1186 das Zweite Bulgarische Reich. 1187 wandte sich der General Alexios Branas, der nach der Ablösung des Johannes Kantakuzenos gegen die Rebellen gesandt worden war, gegen den Kaiser und versuchte, Konstantinopel zu besetzen, wurde aber geschlagen und getötet. Als Nächstes verlangte der Osten die Aufmerksamkeit des Kaisers, wo verschiedene Thronprätendenten sich erhoben und wieder fielen. 1189 versuchhte Friedrich Barbarossa auf dem Dritten Kreuzzug seine Truppen durch das byzantinische Reich zu führen, und erhielt die Erlaubnis. Er hatte die Grenze bereits überschritten, als Isaak, der sich mittlerweile mit Saladin verständigt hatte, begann, ihm Hindernisse in den Weg zu legen, und nur durch Waffengewalt zur Erfüllung der Zusage gezwungen werden konnte. Seine Tochter Irene wurde dabei dem in Deutschland befindlichen Philipp von Schwaben versprochen.

Die nächsten fünf Jahre war Isaak mit neuen Aufständen der Walachen befasst, gegen die er mehrere Feldzüge führte. Während eines dieser Feldzüge rief sich sein Cousin Konstantin 1193 in Philippopel zum Gegenkaiser aus, wurde aber von seinen eigenen Leuten gefangen genommen; Isaak II. ließ ihn blenden. 1195 nutzte sein Bruder Alexios einen Jagdausflug des Kaisers und dessen Abwesenheit vom Feldlager, um sich selbst zum Kaiser zu proklamieren, und wurde auch von den Soldaten anerkannt. Isaak wurde geblendet und in Konstantinopel inhaftiert.
Acht Jahre später, am 18. Juli 1203, wurde er für sechs Monate aus seinem Kerker geholt und erneut auf den Thron gehoben, nachdem der Vierte Kreuzzug die Stadt erreicht hatte. Da er jedoch sowohl körperlich als auch geistig durch die Gefangenschaft geschwächt war, übernahm sein Sohn Alexios IV. die tatsächliche Regierung. Isaak und Alexios wurden am 25. Januar 1204 wegen ihres Nachgebens gegenüber den Kreuzfahrern durch einen Aufstand des Generals Alexios Murtzouphlos gestürzt, der wenige Tage später selbst den Thron bestieg. Isaak starb am 28. Januar unter ungeklärten Umständen, wahrscheinlich wurde er vergiftet.

Isaak II. war einer der schwächsten und brutalsten Fürsten auf dem byzantinischen Thron. Umgeben von Sklaven, Mätressen und Schmeichlern ließ er es zu, dass das Reich von Günstlingen regiert wurde, während er das Geld, das den Provinzen abgepresst wurde, für Bauwerke und Geschenke an die Kirche ausgab. Die Folge davon war der fortschreitende Verfall des Reiches durch Ämterkauf und Steuerwucher. 
Angelos (Byzanz), Isaak II, (I1411)
 
50405 Zitat aus: https://de.wikipedia.org/wiki/Isabeau_d’Albret (Sep 2023)

Isabeau d’Albret ist eine Tochter von Johann III. (Jean d’Albret, 1469–1516), (durch seine Ehe) König von Navarra, und Katharina von Navarra (Catherine de Foix, 1470–1517), Königin von Navarra. Sie ist die Schwester von Heinrich II. von Navarra (1503–1555), die Schwägerin (ab 1527) von Margarete von Navarra (Marguerite d‘Angoulême), der Schwester des französischen Königs Franz I., und die Großtante und Patin von König Heinrich IV. von Frankreich.

Im Jahr ihrer Geburt wurde der Teil des Königreichs Navarra südlich der Pyrenäen vom Königreich Aragón erobert. Vier Jahre später verlor sie ihren Vater, im Jahr darauf ihre Mutter. Sie wurde daraufhin in Frankreich beim ihrem Bruder Heinrich II. und dessen Ehefrau Margarete erzogen.

Im Jahr 1528, Isabeau war nun im heiratsfähigen Alter, gab es erfolglose Verhandlungen zu einer Ehe zwischen ihr und dem ungarischen König Johann Zápolya, der ein Verbündeter Franz‘ I. war. Margarete von Navarra wiederum sprach im Juni 1533 mit dem Herzog von Norfolk, einem Diplomaten Heinrichs VIII. von England, über die geplante Heirat von Jakob V., König von Schottland, und Marie de Bourbon-Vendôme, und betonte dabei, dass deren Vater, der Herzog von Vendôme, eng mit Kaiser Karl V. verbündet war, und behauptete, dass Marie de Bourbon und ihre Schwester Marguerite deswegen keine gute Wahl seien. Die Königin von Navarra fragte sich zudem, ob Jakob V. am Ende nicht Christina von Dänemark, die Nichte des Kaisers (die im gleichen Jahr den schwerkranken Francesco II. Sforza heiratete) ehelichen würde, und schlug stattdessen ihre Schwägerin Isabeau d'Albret vor.[2] Dieser Vorstoß wurde nicht weiter verfolgt. Stattdessen wurde Isabeau am 16. August 1534 auf Schloss Fontainebleau mit René I., Vicomte de Rohan (1516–1552), verheiratet.

René I. de Rohan fiel am 20. Oktober 1552 bei der Verteidigung von Metz[5]. Im Mai 1554 wurde Isabeau eine der Taufpaten ihres Großneffen, des zukünftigen Königs Heinrich IV. Die anderen Taufpaten sind ihr Bruder, Heinrich II. von Navarra, der französische König Heinrich II. und dessen Frau, Königin Katharina von Medici. 1555 schloss sie eine zweite Ehe mit einem nicht näher bekannten Mann niederer Herkunft.

1556 lernte Isabeau Admiral Coligny kennen; sie befand sich im Béarn, als Johanna III. (Jeanne d'Albret, 1528–1572), Königin von Navarra und ihre Nichte, 1557 den Protestantismus in der Region einführte. Obwohl auch sie sich sehr von der Reformation angezogen fühlte, konvertierte sie erst 1558, sechs Jahre nach dem Tod ihres Mannes; sie führte den Protestantismus in ihrer Burg Blain ein, wo die erste protestantische Kirche in der Bretagne entstand. Sie empfing dort François de Coligny-d’Andelot (1521–1569), der – zusammen mit den Pastoren Fleurer und Loiseleur die erste calvinistische Predigt hielt. 1560 erhielt sie für sich und ihren Haushalt vom König das Privileg der Religionsfreiheit auf ihren eigenen Gütern – dies ist die letzte Erwähnung Isabeaus in zeitgenössischen Dokumenten. 
von Albret, Isabeau (Isabelle) (I42669)
 
50406 Zitat aus: https://de.wikipedia.org/wiki/Isabella_Boschetti (Sep 2023)

Isabella Boschetti entstammte dem alten italienischen Adelsgeschlecht der Boschetti,[1] aus dem Alberto II. Boschetti († n. 1428) am 26. März 1404 vom Papst Innozenz VII. (1404–1406) mit der Stadt und Herrschaft San Cesario belehnt wurde, die etwa 12 Kilometer südöstlich von Modena in der Emilia-Romagna am Fluss Panaro liegt. Die Boschetti versuchten jedoch sich gegen allfällige Gewaltakte ihrer übermächtigen Nachbarn, der Markgrafen von Este, die Herren von Modena und Ferrara waren, abzusichern und ließen sich auch von diesen mit San Cesario belehnen. Im Jahre 1446 erhob Leonello d’Este Markgraf von Ferrara (1441–1450) die Herrschaft San Cesario zur Grafschaft, die er seinem verdienten Feldhauptmann, Alberto III. Boschetti und dessen Nachkommen verlieh. Die Familie blieb im Besitz dieser Grafschaft, bis unter Napoleon Bonaparte im Jahre 1796 die feudalen Rechte aufgehoben wurden. Auch heute noch kann man Reste der rechteckigen, ursprünglich von Mauern und Wassergräben umgebenen „Rocca“ (Festung) sehen, in der sich der Palazzo der Boschetti befand in dem Isabella aufwuchs, von dem jedoch nur noch der Torre dell’orologio (Uhrturm) steht.

Isabellas Vater war Giacomo Boschetti (* 1471, † v. 1520 ?), Conte (Graf) und Mitherr von San Cesario sul Panaro in der Provinz Modena, Patrizier von Mantua – ein Urenkel des Grafen Alberto III. Boschetti – der als Hofmann und Feldherr im Dienst der Markgrafen von Mantua stand. Er wurde 1494 zum Ritter geschlagen zeichnete sich am 6. Juli 1495 als Condottiere in der Schlacht bei Fornovo (30 km südöstlich von Parma) aus, in der die Truppen der Heiligen Liga von Venedig unter dem Kommando von Francesco II. Gonzaga gegen die aus Neapel zurückkehrenden Armee des Königs von Frankreich Karl VIII. einen entscheidenden Sieg errangen.

Isabellas Mutter war Polissena Castiglione, eine Tochter des Conte Palatino (Pfalzgrafen) Cristoforo Castiglione (* 1459, † 1499), der Signore (Herr) di Casatico sowie Patrizier von Mantua war und dessen Gemahlin Luigia (Aloisia) Gonzaga (* 1458 in Mantua, † 1542), die aus einer Nebenlinie der Gonzaga, der Linie der Gonzaga di Palazzolo, entstammte und Isabellas Vater am 26. Februar 1498 geheiratet hatte.

Isabella war daher eine Nichte des großen Staatsmannes, Diplomaten und Literaten Baldassare Castiglione, der durch sein Werk “Il Libro del Cortegiano” (Das Buch vom Hofmann) nach dem Vorbild der Diskussionen am Hof der Herzogin von Urbino, Elisabetta Gonzaga, das Idealbild eines vollkommenen Hofmannes entworfen hatte. Dieses Rollenbild des universell gebildeten, vielseitigen, tapferen und eleganten “uomo universale” (Universalmenschen) wirkte – trotz der Kritik mangelnder Realitätsnähe – jahrhundertelang als Modell einer idealisierten Adelswelt nach.

Isabellas Bruder Francesco Boschetti (* 1501, † ?) wurde 1520 von Papst Leo X. (Giovanni de’ Medici; * 11. Dezember 1475 in Florenz; † 1. Dezember 1521 in Rom) mit der Grafschaft San Cesario belehnt, war Patrizier von Modena, 1517 Generalgouverneur von Urbino, Pesaro, Fano und Senigallia, 1526 Generalgouverneur von Benevent und wurde im selben Jahr von Alfonso I. d´Este (* 1476, † 1534, Herzog von Ferrara, Modena und Reggio nell’Emilia) zum Botschafter bei Papst Clemens VII. (Giulio de’ Medici; * 26. Mai 1478 in Florenz; † 25. September 1534 in Rom) ernannt. Er war mit Susanna Pico, einer außerehelichen Tochter des Galeotto Pico, Reichsgraf von Concordia und kaiserlicher Vikar zu Mirandola verheiratet und hinterließ Nachkommen.

Jugend
Isabella Boschetti war die jüngere Tochter ihrer Eltern, erhielt eine umfassende Erziehung im Sinne des Humanismus und wuchs in der kulturellen Atmosphäre des Hofes der Markgrafen von Mantua auf, in deren Dienst ihr Vater stand. Gerade damals verlor Mantua sein mittelalterliches Aussehen, da dort die Kultur der Renaissance zum Durchbruch kam. Wenige Jahrzehnte vor ihrer Geburt war in Mantua Leon Battista Alberti (* 14. Februar 1404 in Genua; † 25. April 1472 in Rom), tätig, den der bedeutende Schweizer Kulturhistoriker Jacob Burckhardt (* 25. Mai 1818 in Basel; † 8. August 1897 ebenda) in seinem Werk „Die Kultur der Renaissance in Italien“ (1860) als Verkörperung des „uomo universale“ beschreibt. Alberti hatte dort 1460 die Kirche San Sebastiano erbaut und 1470 die erstaunliche Basilika Sant’Andrea nach den Proportionen des Salomonischen Tempelbaues entworfen. Wenig später (1474) hatte Andrea Mantegna (* 1431, † 1506), der bedeutendste Maler der oberitalienischen Frührenaissance in Mantua, im Castello di San Giorgio im Palazzo Ducale, die prachtvollen Fresken in der Camera degli Sposi (Hochzeitszimmer) vollendet. Es waren dies Entwicklungen, die dazu beitrugen, Isabellas Geist zu formen.

Einen wichtigen Einfluss auf die heranwachsende Isabella übte zweifellos auch ihr Onkel Baldassare Castiglione aus, der als Diplomat im Dienst der Markgrafen von Mantua am Hof von Urbino lebte und später in dem der Herzöge von Urbino in Rom als Gesandter tätig war. Sein Buch über den idealen Hofmann: Il Libro del Cortegiano war schon damals berühmt und zählt heute neben Ariosts (* 1474, † 1533) „ Orlando Furioso“ und Machiavellis Il Principe (1513) zu den bedeutendsten Leistungen der italienischen Literatur der Renaissance. Von besonderem Interesse für Isabella war dabei, dass ihr Onkel Castiglione nicht nur den „Hofmann“, sondern erstmals auch ausführlich die hohen Ansprüche an die Eleganz, die vielseitige Bildung, an Anmut, Schlagfertigkeit und Kunstsinnigkeit einer vollendeten Hofdame, einer „donna di palazzo“ beschrieb, die Isabella als Vorbild dienen konnte.

Isabella wurde von ihren Eltern in jungen Jahren mit Francesco Cauzzi Conte (Graf) di Calvisano, einem Hofmann und Feldhauptmann der Markgrafen von Mantua vermählt. Sie lebte daher wohl abwechselnd in Mantua und in Calvisano, das in der Provinz Brescia liegt. Dort kann man noch heute Teile des früheren Kastells sehen, das sie bewohnt hat.

Beginn der Beziehung zu Federico II. Gonzaga
Ihr Schicksal sollte jedoch nicht von ihrem Ehemann, sondern von einem anderen Mann geprägt werden, nämlich von Federico II. Gonzaga, (* 17. Mai 1500 in Mantua; † 28. Juni 1540 in Marmirolo[2]). Dieser stammte aus der italienischen Dynastie der Gonzaga, die seit dem 14. Jahrhundert in Mantua herrschte, war ein Sohn des Francesco II. Gonzaga, Markgraf von Mantua (1484–1519) und dessen Gemahlin Isabella d’Este (* 18. Mai 1474; † 13. Februar 1539), der geistreichen Salondame, Politikerin, Kunstsammlerin und Mäzenin, die als eine der bedeutendsten Frauen der italienischen Renaissance gilt.

Zwischen Isabellas Familie und den Gonzaga bestanden enge Beziehungen. Ihre Großmutter, Luigia (Aloisia) Gonzaga, stammte selbst aus einer Seitenlinie des Hauses Gonzaga. Isabella gehörte aber damit zur „erweiterten Familie“. Hinzu kam, dass nicht nur ihr Vater, sondern auch ihr Onkel Baldassare Castiglione im Dienst der Markgrafen von Mantua stand. Trotz dieser Zusammenhänge konnte niemand ahnen, dass es zwischen ihr und dem Erben der Markgrafschaft Mantua zu einer engeren Beziehung kommen könnte.

Der Vater von Federico II. hatte große Pläne für seinen Sohn und Erben, denn es galt, die begrenzte Machtbasis der Markgrafschaft durch die Ehe seines Sohnes mit einer bedeutenden Erbin zu vergrößern. Seine Wahl fiel auf die noch kindliche Maria Palaiologos aus dem Haus der Markgrafen von Montferrat (* 1509, † 1530). Diese war die älteste Tochter des Markgrafen Wilhelm XI. von Montferrat (* 1486, † 1518) und der Anne d’Alençon (* 30. Oktober 1492, † 18. Oktober 1562)[3], die eine Tochter des René, Herzog von Alençon aus dem Haus Valois war. Maria Palaiologos galt als eine „glänzende Partie“, da ihre Familie in männlicher Linie von den Kaisern von Byzanz aus dem Haus der Palaiologen[4] abstammte, die Markgrafschaft von den älteren Markgrafen von Montferrat geerbt hatten, die nicht nur zu den ältesten Geschlechtern Italiens zählten, sondern auch eine der führenden Familien der Kreuzzüge waren und mit Konrad von Montferra († 1192) und Balduin von Montferrat († 1186) zwei Könige von Jerusalem gestellt hatten. Noch höher war ihr Stellenwert als Braut jedoch dadurch, dass Maria eine mögliche Erbin der bedeutenden Markgrafschaft Montferrat im Piemont war, da die ihre Familie nur noch wenige männliche Vertreter aufwies.

Der damals siebzehnjährige Federico II. Gonzaga wurde daher mit der achtjährigen Maria Palaiologos verlobt und 1517 wurde ein Ehevertrag abgeschlossen. Der Vollzug der Ehe wurde jedoch – im Hinblick auf das jugendliche Alter der Braut – auf einen späteren Zeitpunkt verschoben.

Federico hatte inzwischen Gelegenheit, seine Erziehung am Hof der jungen ritterlichen Königs von Frankreich, Franz I. (1515–1547) zu verfeinern, der in Federico einen künftigen Verbündeten für seine Expansionspläne in Italien sah. Der unbeschwerte Aufenthalt in Frankreich wurde jedoch plötzlich durch das Ableben seines Vaters, des Markgrafen Francesco II. Gonzaga im Jahre 1519, beendet. Er musste nach Mantua zurückkehren, um dort die Thronfolge als 5. Markgraf von Mantua anzutreten. Angesichts seiner Jugend – gerade erst 19 Jahre alt – regierte er unter der Vormundschaft seiner Mutter Isabella d´Este Gonzaga und seiner Onkel, des Kardinals Sigismondo Gonzaga (* 1469; † 4. Oktober 1525 in Mantua), und des Giovanni Gonzaga (* 1474, † 1525), des Herren von Vescovardo.

Bald nach der Rückkehr Federicos nach Mantua erweckte die siebzehnjährige – für ihre Schönheit und Bildung berühmte – Isabella Boschetti die Aufmerksamkeit des jungen Markgrafen. Es entwickelte sich daraus eine leidenschaftliche Beziehung, Diese war jedoch nicht ganz unproblematisch, da Isabella mit Francesco Cauzzi Conte (Graf) di Calvisano, einem Hofmann und Vasallen der Markgrafen von Mantua verheiratet war. Angesichts der Größe der Leidenschaft – und der ungleichen Machtverhältnisse – ließ sich der Ehemann Isabellas „überzeugen“, auf seine ehelichen Rechte zu verzichten und wurde dafür mit Gütern und mit der Gnade „entschädigt“, dass er dem eigenen Familiennamen, den der Herrscher von Mantua hinzufügen durfte und sich daher Cauzzi Gonzaga nennen konnte.

Diese vorerst geheim gehaltene Beziehung blieb jedoch nicht ohne Folgen: Die beiden aus der Beziehung zwischen Isabella und Federico Gonzaga stammenden Kinder wurden daher offiziell als legitime Kinder ihres Ehemannes angesehen und erhielten daher den Familiennamen Cauzzi Gonzaga.

Die „Ehe“ Federicos mit Maria von Montferrat
Die Unbeschwertheit der Beziehung wurde jedoch zunehmend von der Sorge Isabellas beeinträchtigt, dass sie die Liebe Federicos durch dessen vereinbarte Ehe mit Maria von Montferrat verlieren könnte. Diese Sorge war nicht ganz unberechtigt, denn Nachrichten über diese notorische Liebesbeziehung blieben auch in der Markgrafschaft Montferrat nicht verborgen. Dort war Federicos Braut inzwischen vom Kind zu einer jungen Frau herangewachsen die darauf drängte, ihre neue Rolle als Ehefrau und Markgräfin von Mantua zu übernehmen.

Ein Wunsch, den auch Federicos Mutter Isabella d´Este Gonzaga im dynastischen Interesse einer Stärkung der Machtbasis des Hauses Gonzaga teilte und daher Federico drängte, seine Braut aus Montferrat kommen zu lassen und die Ehe zu vollziehen, um für die Kontinuität der Dynastie zu sorgen. Ganz ähnlich ließ sich die nominelle Schwiegermutter – die seit 1518 verwitwete Markgräfin von Montferrat, Anne d’Alençon – vernehmen, die inzwischen die Regentschaft der Markgrafschaft Montferrat für ihren minderjährigen Sohn Bonifacio IV. übernommen hatte, und nun ihrerseits auf Erfüllung des Ehevertrages drängte.

Federico sah hingegen keinen Grund zur Eile, denn er war nicht bereit, seine schöne Geliebte aufzugeben, fand daher ständig neue Ausflüchte, um die Ehe hinauszuschieben. Da briefliche Ermahnungen nicht halfen, begab sich die besorgte Schwiegermutter Anne d´Alencon nach Mantua, um das inzwischen notorische Ehehindernis Isabella Boschetti – die Geliebte ihres Schwiegersohnes – vom Hof zu entfernen um endlich die Ehe ihrer Tochter mit Federico II. zu ermöglichen.

Federico war damit in Bedrängnis. Da er keine andere Möglichkeit sah, diese unerwünschte Ehe zu verhindern, entschloss er sich zu einem gewagten Manöver. Isabella sollte plötzlich dem Anschein nach erkranken, worauf er den Verdacht verbreiten lassen würde, Anne d´Alencon hätte aus Hass versucht, “Isabella Boschetti, die Ehefrau des Grafen von Calvisano” vergiften zu lassen. Das Drama wurde von beiden so glaubwürdig inszeniert, dass Anne d´Alencon – um öffentliche Schmähungen oder Angriffe zu vermeiden – Mantua fluchtartig verließ.

Federico und Isabella waren erleichtert. Federico war glücklich, der Ehe mit einer ungeliebten Frau entkommen zu sein und erklärte den Ehevertrag mit Maria von Montferrat als aufgelöst. Isabella war froh, dass die Gefahr einer Ehe Federicos, die ihre Stellung massiv beeinträchtigt hätte, gebannt war. Sie blieb daher – obwohl sie anderweitig verheiratet war – weiterhin unangefochten die Muse und Geliebte Federicos.

Diese störende Situation änderte sich, als Isabellas Ehemann Francesco Cauzzi Gonzaga 1524 unter nicht ganz geklärten Umständen eines plötzlichen und gewaltsamen Todes verstarb. Da Federico kurz darauf Isabella Boschetti ganz offiziell zu seiner Geliebten erklärte und sie in seinen Hofstaat einführte, entstanden Gerüchte, dass zwischen diesen Ereignissen ein Zusammenhang bestehen könnte.

Der Palazzo del Te
Isabella – elegant, kunstsinnig und ambitioniert – fand in Federico einen congenialen Partner, der bestrebt war, Mantua durch die besten Künstler seiner Zeit verschönern zu lassen. Isabella hatte einen guten Anknüpfungspunkt zur zeitgenössischen Kunst, da ihr Onkel Baldassare Castiglione inzwischen Gesandter des Herzogs von Urbino Francesco Maria I. della Rovere (* 1490, † 1538) am päpstlichen Hof in Rom war. Castiglione hatte sich dort einen ausgedehnten Freundeskreis aufgebaut, zu dem auch herausragende Künstler – wie etwa Raffael (* 1483, † 1520) – zählten, der sein Porträt gemalt hatte. Durch Vermittlung Castigliones gelang es, 1524 den künstlerischen Nachfolger Raffaels, den Maler, Architekten und Baumeister Giulio Romano (* 1499 in Rom, † 1546 in Mantua) als Hofkünstler für Mantua zu gewinnen.

Da Federico und Isabella ungestört von der klatschsüchtigen Hofgesellschaft und von den missbilligenden Kommentaren der Mutter Federicos ihr Glück genießen wollten, wurde Giulio Romano beauftragt, außerhalb der Stadt, auf einer Insel in einer sumpfigen aber idyllischen Gegend, der Isola del Te, die vorher als Pferdeweide gedient hatte, eine “Villa Suburbana” – ein Lustschloss – als romantische Bleibe für das Paar zu erbauen, den Palazzo del Te. Das gemeinsam mit Giulio Romano geplante Gebäude sollte dabei, in Abweichung vom Stil der Hochrenaissance, im Geist der Regeln errichtet werden, die der Humanist, Kunsttheoretiker und Architekt Leon Battista Alberti (* 1404, † 1472) in seinem Lehrbuch “De re edificatoria” dargelegt hatte.[5] Der Bau ist rechteckig, von außen nicht sehr beeindruckend und verrät seine Schönheit erst, wenn man im Inneren steht. Im Palazzo del Te beeindrucken neben der Architektur – er gilt als eines der Hauptwerke des Manierismus – vor allem die gewaltigen Fresken, mit denen Giulio Romano, Benedetto Pagni und Rinaldo Mantovano die Säle, wie die “Sala di Psiche”, die “Sala dei Cavalli”, die “Sala dei Giganti”, oder das “Casino della Grotta” etc. ausgeschmückt hatten.

Beherrschendes Thema des Projektes war die Liebe, weshalb Federico Gonzaga den Maler Antonio Allegri, besser bekannt als Antonio da Correggio (1489–1534) damit beauftragte, eine Serie von Gemälden zu malen, die die Liebesbeziehungen des Jupiter zum Thema hatten, wie sie der römische Dichter Ovid in seinem Werk Metamorphosen beschrieben hatte. Da Isabella Boschetti im Mittelpunkt seiner Verehrung stand, ist es wahrscheinlich, dass Federico in der künstlerischen Ausgestaltung auch Isabellas Schönheit verewigen wollte und daher veranlasste, das einzelne mythologische Figuren der Fresken und der Gemälde, die den Palazzo del Te schmücken, ihre Gestalt und ihre Gesichtszüge erhielten. Da kein authentisches Porträt von Isabella bekannt ist können diesbezüglich nur Vermutungen angestellt werden. Eine Möglichkeit stellt das wichtigste Fresco von Giulio Romano, das Bankett von Amor und Psyche – dar, wobei Isabella Vorbild für die Gestalt der Psyche gewesen sein könnte.

Ein anderes mögliches Porträt könnte das von Correggio gemalte Bild der Danae sein, das Federico Gonzaga für seinen privaten Bereich, für den Saal, der im Palazzo del Te dem Dichter Ovid gewidmet war, anfertigen ließ.

Die „Ehe“ Federicos mit Giulia d’Aragona
Für Isabella war diese Zeit der romantischen Idylle doppelt kostbar, da sie um deren Vergänglichkeit wusste. Wie vorauszusehen, gab es nach nicht allzu langer Zeit einen weiteren Versuch, ihren Geliebten Federico standesgemäß zu verheiraten.

Kaiser Karl V. war angesichts seiner Auseinandersetzungen mit König Franz I. von Frankreich wegen der von Isabella d’Este, der Mutter Federicos, geförderten frankophilen Tendenzen seines Vasallen und Generals Federico Gonzaga besorgt. Um ihn fester an seine Seite zu binden, bot ihm der Kaiser die Hand seiner Cousine Giulia d’Aragona (* 1492, † 10. März 1542) an. Sie war eine Tochter von Federico I. d’Aragona König von Neapel (1496–1502) und dessen Gemahlin, Anna Prinzessin von Savoyen (* 1455, † 1480).[6]

Es war dies ein Angebot, das nicht abgelehnt werden konnte, denn es kam von Federicos oberstem Lehensherren und Dienstgeber, betraf dessen Verwandte und noch dazu eine Prinzessin aus königlichen Haus, die im Rang weit über den Markgrafen von Mantua stand.

Trotz dem erheblichen Prestigegewinn, die eine solche Ehe für sein Haus bedeuten würde, war Federico wenig begeistert. Ganz abgesehen davon, dass er kein Interesse daran hatte, seine geliebte Boschetta aufzugeben, schien ihm das Angebot wenig attraktiv: Der Vater dieser Braut war 1502 abgesetzt worden und 1504 als Gefangener in Tours verstorben, die Braut war acht Jahre älter als er selbst – und damit genauso alt wie seine erste vermeintliche SchwiegermutterAnne d’Alencon –, weshalb zu befürchten war, dass sie steril sein könnte und Federico daher ohne Nachkommen bleiben würde.

Die Bedenken Federicos – und mehr noch, die Isabellas – waren zwar verständlich, wurden jedoch vom Kaiser beiseitegewischt. Karl V. war am 24. Februar 1530 von Papst Clemens VII. (Giulio de’ Medici) (1523–1534) in Bologna zum Römischen Kaiser gekrönt worden und nützte die Gelegenheit, seinem Feldherren und Vasallen die Ehre zu erweisen, ihn in Mantua zu besuchen, wo der Kaiser mit großem Gefolge am 25. März im Triumph einzog. Er kam nicht mit leeren Händen, sondern brachte zwei Geschenke mit: die Urkunde über die Erhebung Federicos zum ersten Herzog von Mantua – und den Vertrag über den Abschluss der Ehe zwischen ihm und der kaiserlichen Cousine Giulia d’Aragona.

Federico hatte keine Wahl: Um Herzog zu werden, musste er erst den Vertrag über seine Ehe mit Giulia d’Aragona unterschreiben. Dies tat er – schweren Herzens – am 6. April 1530. Erst zwei Tage wurde die Urkunde über die Erhebung Federicos zum 1. Herzog von Mantua unterschrieben. Dies war zweifellos ein schwarzer Tag für Isabella Boschetti, die nunmehr ernsthaft fürchten musste, ihren Platz an der Seite den neuen Herzogs zu verlieren, da keine Aussicht bestand, dass sich diese königliche Prinzessin ähnlich wie zuvor Maria von Montferrat durch Tricks vertreiben lassen würde.

Projekt: Neue Ehe Federicos mit Maria von Montferrat
Bald darauf trafen jedoch in Mantua traurige Nachrichten ein, die in Mantua nicht ohne Genugtuung aufgenommen wurden. Der regierende Markgraf Bonifazio V. von Montferrat (1518–1530) – der achtzehnjährige Bruder seiner ersten Braut Maria – war bei einer Wildschweinjagd nach einem Sturz vom Pferd am 17. Oktober 1530 gestorben. Da er kinderlos war, folgte auf diesen dessen Onkel, Giovanni Giorgio Palaiologos (* 1488, † 1533), der früher Abt und Bischof von Casale gewesen war, als Markgraf von Montferrat (1530–1533).

Der Hinweis darauf, dass dies der einzige männliche Spross seines Hauses und dass dessen Gesundheit erheblich angegriffen war, erinnerte Federico plötzlich an zwei Dinge: dass die Markgrafschaft Montferrat ein verlockendes Erbe und dass er seit 1517 vertraglich mit der nunmehrigen nächsten Erbin der Markgrafschaft, Maria von Montferrat, verheiratet war. Im Vergleich zu der ihm vom Kaiser angebotenen ältlichen Braut ohne großes Erbe erschien Federico daher die bisher verschmähte Braut plötzlich als höchst attraktiv. Nun galt es, das zum Greifen nahe Erbe durch Erneuerung der Ehe mit Maria von Montferrat zu sichern.

Isabella Boschetti verfolgte diese neue Entwicklung mit gemischten Gefühlen, da ihr die Interessen ihres Geliebten Federico wichtig waren, sie jedoch fürchten musste, ihn durch diese Ehe zu verlieren.

Die Verhandlungen mit Kaiser Karl V. zur Verwirklichung dieses Projektes waren nicht einfach. Federico musste diesen ersuchen, die von ihm als Braut angebotene Cousine des Kaisers Giulia d’Aragona wieder zurückzunehmen und auf den diesbezüglichen – anlässlich der Erhebung Federicos zum Herzog – feierlich unterschriebenen Ehevertrag zu verzichten. Der Kaiser war wenig erbaut, stimmte allerdings letztlich zu, gegen Zahlung des gewaltigen Betrages von 50.000 Goldscudi auf diesen Vertrag zu verzichten.

Damit war jedoch nur ein Teil des Problems gelöst, denn Federico hatte 1517 einen gültigen Vertrag über die Ehe mit Maria Palaiologos unterschrieben und 1530 einen weiteren Vertrag über die Ehe mit Giulia d’Aragona und lebte zugleich in einer außerehelichen Beziehung mit Isabella Boschetti. Er war daher in den Augen der Kirche nicht nur ein gewöhnlicher Sünder, sondern ein Bigamist. Federico wandte sich daher demütig an den Papst und bat um Aufhebung des zweiten und Bestätigung der Gültigkeit des ersten Ehevertrages.

Papst Clemens VII. entschied schließlich, dass der erste Ehevertrag mit Maria Palaiologos gültig sei.

Die Vorfreude über diese Entscheidung, mit der die Frage im Interesse Federicos geregelt gewesen wäre, erwies sich jedoch als verfrüht. Fünf Tage vor dem Breve des Papstes war nämlich eine andere Nachricht eingetroffen, die alle diesbezüglichen Hoffnungen zunichtemachte: Maria Palaiologina, die ungewollte, dann wieder sehr begehrte Braut Federicos, war verschieden.

Isabella Boschetti nahm diese Nachricht mit gebührendem Respekt und wohl auch mit Erleichterung auf, da hiermit ein weiteres Eheprojekt gescheitert war, das ihre Rolle als Geliebte des Herzogs Federico ernsthaft in Frage gestellt hätte.

Die Ehe Federicos mit Margherita von Montferrat
In diesem Augenblick, in dem die Hoffnungen Isabellas im Aufschwung waren und die Federicos, seine Macht durch den Erwerb der Markgrafschaft Montferrat zu vergrößern, dahinschwanden, kam Hilfe von unerwarteter Seite. Anne d’Alencon, die von Federico beleidigte, abgelehnte, dann ein zweites Mal als Schwiegermutter akzeptierte verwitwete Markgräfin von Montferrat, verfolgte die internationale politische Entwicklung und musste erkennen, das große Gefahr bestand, dass die Markgrafschaft Montferrat beim Erlöschen des Hauses Palaiologos entweder von Frankreich oder von Savoyen annektiert und damit aus der Geschichte verschwinden würde. Sie wählte daher das kleinere Übel und bot Federico die Hand ihrer jüngeren Tochter, Margherita Palaiologos (* 1510; † 1566), der nunmehrigen Erbin der Markgrafschaft Montferrat an.

Dieses Angebot war für Federico die Rettung letzter Minute, weshalb er dieses sofort annahm, sodass es schon am 16. November 1531 zur Hochzeit mir Margherita Palaiologos von Montferrat kam.

Während dies für Federico ein wichtiger Schritt in Richtung auf die Erfüllung seiner politischen Ambitionen war, bedeutete dies für Isabella Boschetti einen wesentlichen Rückschlag. Nunmehr, nach langem Kampf, musste sie endgültig hinter einer offiziellen Ehefrau und Herzogin von Mantua zurücktreten und Federico mit dieser teilen. Als kluge Frau wusste sie zwischen staatlichen oder dynastischen Pflichten und einer Herzensbeziehung zu unterscheiden. Sie fügte sich daher in ihre neue Rolle, indem sie seine Interessen zu den ihren machte und diesem – jenseits der offiziellen Verpflichtungen – den Halt einer beharrlichen Liebe gab.

Die „Ehe“ des Giovanni Giorgio Palaiologos
Die Hoffnung auf das sicher erscheinende Erbe wurde jedoch durch eine weitere Hochzeit erschüttert. Was niemand erwartet hatte, geschah: Der neue Markgraf von Montferrat, Giovanni Giorgio Palaiologos (* 1488, † 1533) der Onkel Margheritas, war zwar alt und sehr krank, fühlte sich aber als einziger verbleibender Mann seines Hauses verpflichtet zu heiraten, um ein Aussterben seiner Familie zu verhindern. Die von ihm erwählte Braut war nicht ganz unbekannt, denn sie war die Cousine von Kaiser Karl V., Giulia d’Aragona Prinzessin von Neapel. Es bestand daher die Gefahr, dass Giovanni Giorgio mit der von Federico Gonzaga abgelehnten Braut einen Erben erzeugen könnte, der Federico endgültig vom Erbe der Markgrafschaft Montferrat ausschließen würde.

Die Ungewissheit dauerte rund zwei Jahre, dann entschied das Schicksal. Die feierliche Vermählung von Giovanni Giorgio mit Giulia d’Aragona Prinzessin von Neapel fand nach längeren Vorbereitungen erst am 29. April 1533 in Ferrara statt. Anschließend ritt Markgraf Giovanni Georgio mit seiner Begleitung in seine Residenzstadt Casale voraus, um dort den feierlichen Einzug seiner Gemahlin vorzubereiten. Alles verlief wie geplant. Seine Frau ritt begleitet von ihrer langen Eskorte in die Stadt ein und Giovanni Giorgio ritt ihr entgegen. Plötzlich brach er zusammen, stürzte und verstarb schließlich in den Armen seiner reifen, aber jungfräulichen Frau.[7] Ob aus verständlicher Erregung, Erschöpfung oder Krankheit ist ungeklärt.

Isabella Boschetti wird Federico zweifellos zum Wegfall dieses letzten Hindernisses, das dem Erwerb der Markgrafschaft Montferrat entgegenstand, gratuliert haben. Sie konnte jedoch ebenso wenig wie Federico selbst ahnen, dass dies keineswegs das letzte Hindernis sein sollte.

Nach dem Tod des Letzten Markgrafen von Montferrat im Jahre 1533 kam es zwischen den Herzögen von Mantua und den Herzögen von Savoyen zu einem Streit um die Nachfolge im Besitz der Markgrafschaft. Um militärische Auseinandersetzungen zu vermeiden, ließ Kaiser Karl V. die Markgrafschaft bis zur Klärung des Streites sequestrieren. Erst 1526 übertrug der Kaiser die Markgrafschaft an die einzige überlebende Erbin des Hauses Montferrat – an Margherita Palaiologos, die Ehefrau von Federico II. Gonzaga – und an diesen selbst.

Späteres Schicksal der Isabella Boschetti
Isabella hatte nun vier verschiedene Eheprojekten an der Seite von Federico Gonzaga miterlebt, in denen es jeweils darum ging Federico standesgemäß zu verheiraten und ihn damit von ihr abzuwenden. Sie war dabei unverändert zu ihm gestanden, denn sie kannte nur zu gut die Pflichten Federicos als Herrscher und Stammhalter der Dynastie und wusste, dass der Moment kommen würde, wo Federico seiner Pflicht – einer standesgemäßen Ehe – entsprechen würde und sie zurückzutreten hatte. Dieser Moment kam, war mit der Vermählung Federicos mit Margherita von Montferrat gekommen. Isabella zog sich aus dem Hofleben zurück, aber es war Federico, der nicht von ihr loskam – trotz seiner Ehe und den daraus geborenen Kindern. Sie blieb im Innenverhältnis die wichtigste Frau im Leben Federicos und blieb mit ihm bis an sein Lebensende als Seelenfreundin verbunden, sie teilte mit ihm seine Neigungen wie das Sammeln alter und erlesener Kunst, teilte seine Sorgen und widmete sich der Erziehung der beiden gemeinsamen Kinder.[8]

Die große Wende im Leben der Isabella Boschetti kam erst mit dem Tod von Herzog Federico II. am 28. Juni 1540. Auf Federico folgte sein ältester Sohn Francesco III. Gonzaga (* 1533, † 1550), als zweiter Herzog von Mantua und Markgraf von Montferrat unter der Regentschaft seiner Mutter Margherita Palaiolos und seines Onkels, des Kardinals Ercole Gonzaga (* 1505, † 1563).

Isabella zog sich ganz in ihr Privatleben zurück und heiratete im Jahre 1542 in zweiter Ehe den Grafen Filippo Tornielli. Sie verschwand in der Folge aus den zeitgenössischen Chroniken, sodass der Zeitpunkt ihres Todes nicht feststeht. Sowohl die Ehefrau Federicos – Margherita von Montferrat († 28. Dezember 1566) – als auch deren Mutter Anne d’Alençon († 18. Oktober 1562) überlebten Isabella Boschetti, beide dürften sie jedoch um ihre Fähigkeit beneidet haben, sich trotz aller Wechselfälle jahrzehntelang die Liebe von Federico Gonzaga zu bewahren. An sie erinnert der – inzwischen von seinen Möbeln und Bildern beraubte – Palazzo del Te, als Ort ihrer Idylle, sowie vielleicht Fresken Giulio Romano oder das Bild der Danae des Correggio. 
Boschetti, Isabella (I42171)
 
50407 Zitat aus: https://de.wikipedia.org/wiki/Isabella_von_Aragón_(1470–1524) (Sep 2023)

Isabellas Gemahl war zwar nominell Herzog von Mailand, doch übte sein Onkel Ludovico Sforza die eigentliche Herrschaft im Herzogtum aus. Als Gian Galeazzo Sforza am 21. Oktober 1494 im Alter von nur 25 Jahren starb, argwöhnte die nach nur fünf Ehejahren zur Witwe gewordene Isabella, dass er einem durch seinen Onkel beauftragten Mord zum Opfer gefallen sei. Außerdem hatte Isabella bereits Erniedrigungen von Seiten Ludovico Sforzas erfahren. Diese Umstände sowie ihre Rivalität mit der Gattin von Ludovico Sforza, Beatrice d’Este, veranlassten Isabella letztendlich, die Waffen der Aragonesen zu Hilfe zu rufen. Allerdings führte sie damit nur einen schnelleren Ablauf jener folgenschweren Ereignisse herbei, die ihr väterliches Reich, das Haus der Sforza und auf diese Weise faktisch die gesamte Apenninhalbinsel ausländischen Mächten auslieferten.

Von 1499 bis zu ihrem Tod 1524 war Isabella Herzogin von Bari sowie Fürstin von Rossano. Seit ihrer Ankunft in Bari wurde das dortige Kastell als Palast umgebaut. Den Höhepunkt erreichte das höfische Leben unter Isabellas Tochter Bona Sforza, die Bari nach dem Tod ihres Ehemannes Sigismund I. als Witwensitz nutzte. 
von Neapel (Aragón, Trastámara), Herzogin Isabella (I42807)
 
50408 Zitat aus: https://de.wikipedia.org/wiki/Isabella_von_Armenien_(Königin) (Sep 2023)

Ursprünglich hatte Leon, der keine Söhne, sondern als männlichen Nachkommen nur einen Enkel von seiner ältesten Tochter Rita hatte, auf Anraten seiner Mutter Rita seinen Großneffen Ruben als Nachfolger vorgesehen, und ließ Prinz Georg (Gorg), den unehelichen Sohn des Königs Mleh blenden, um die Nachfolge zu sichern. Kurz vor seinem Tode am 1. Mai 1219 ernannte er aber seine kleine Tochter Zabel zu seiner Nachfolgerin. Die Regentschaft übernahmen der Seneschall (seneskal) Adam von Gastin/Baghras (Siratan) und der Patriarch Johannes, der aber noch im selben Jahr starb. Es war geplant, Zabel mit Andreas, dem Sohn des Königs Andreas II. von Ungarn, der im Zuge des Fünften Kreuzzuges nach Armenien gekommen war, zu verheiraten, der dann auch die Herrschaft übernehmen sollte. Auf die Nachricht vom Tode Leons hin erschien dieser aber niemals.

Nachdem Adam von Gastin von den Assassinen ermordet worden war, wurde der einflussreiche Hethumide Konstantin von Lambron, der gerade Tarsus eingenommen hatte, Regent (bajulus, von französisch baille). 1222 arrangierte er die Heirat Zabels mit Philipp von Antiochia, dem Sohn von Bohemund dem Einäugigen von Tripolis. Philipp hatte geschworen, die Gebräuche der armenischen Kirche zu respektieren, blieb aber weiterhin katholisch, versuchte armenische Barone durch fränkische zu ersetzen und plünderte das Königreich zugunsten der Franken aus. Er soll sogar die Einrichtung des Palastes und die königliche Krone nach Antiochia geschickt haben.

Nach dreijähriger Regierung wurde er von den Baronen gefangen genommen. Nach einer Quelle hatten sich die Gefolgsleute Konstantins als Jäger verkleidet, die angeblich eine Nachricht zu überbringen hatten und so nachts in seine Schlafkammer eindrangen und ihn trotz der Proteste seiner Gattin entführten. Er wurde in Sis gefangen gehalten und wurde dadurch eine Quelle ständigen Streits mit Antiochia, bis er zwei Jahre später starb.

Danach plante Konstantin, Zabel mit seinem Sohn Hethum I. zu vermählen. Mit Hilfe einiger Barone konnte die zwölfjährige Königin in teuflischen Zorn, wie Smbat Sparapet's schreibt, zu ihrer Mutter nach Silifke (Seleucia Trachea) fliehen, das zu dieser Zeit unter der Herrschaft der Templer stand. Der Großmeister Bertran lieferte jedoch die Festung und damit auch die Königin an Konstantin von Lambron aus, der Zabel mit seiner Kavallerie verfolgt hatte. Zabel wurde in den Taurus gebracht und am 14. Juni 1226 mit Hethum verheiratet, der damit faktisch die Königswürde erlangte.

Die armenische Form ihres Namens ist Զաբէլ (in reformierter Schreibweise Զաբել; in wissenschaftlicher Transliteration Zabel bzw. Zabēl). Die westarmenische Aussprache lautet [zapʰɛl], die ostarmenische [zabɛl] (notiert im internationalen phonetischen Alphabet). 
von Armenien, Königin Isabella (Isabel, Zabel) (I42933)
 
50409 Zitat aus: https://de.wikipedia.org/wiki/Isabella_von_Armenien_(Prinzessin) (Sep 2023)

Die armenische Form ihres Namens ist Զաբէլ (in reformierter Schreibweise Զաբել; in wissenschaftlicher Transliteration Zabel bzw. Zabēl). Die westarmenische Aussprache lautet [zapʰɛl], die ostarmenische [zabɛl] (notiert im internationalen phonetischen Alphabet). 
von Armenien (Hethumiden), Prinzessin Isabella (I42929)
 
50410 Zitat aus: https://de.wikipedia.org/wiki/Isabella_von_Clermont (Sep 2023)

Fürstin von Tarent und Königin von Neapel
Ihr Vater verhandelte zunächst über die Heirat Isabellas mit Thomas Palailogos, dem Despoten von Morea und Bruder des Kaisers von Konstantinopel,[1] doch am 30. Mai 1445 heiratete sie Ferdinand von Aragon, genannt Ferrante, Herzog von Kalabrien, den unehelichen Sohn von Alfons V. von Aragon, der als Alfonso I. den Thron von Neapel bestiegen hatte. Alfonso arrangierte die Heirat seines Lieblingssohns mit der Erbin des Fürstentums Tarent und erlangte durch diese Heirat mehrere Vorteile. Erstens konnte Ferdinand an der Seite seiner Frau die Herrschaft des Fürstentums antreten, was es dem König und in Zukunft auch Ferdinand selbst, der für den Thron vorgesehen war, ermöglicht hätte, eines der wichtigsten Lehen des Königreichs Neapel in sein Herrschaftsgebiet einzugliedern. Darüber hinaus ermöglichte die Beziehung dem König, seinen Einfluss auf die Familie Orsini zu stärken.

Nach dem Tod Alfons im Jahr 1458 bestieg Ferdinand als Ferdinand I. den Thron von Neapel und Isabella wurde Königingemahlin. Zum Zeitpunkt ihrer Krönung hatte Isabella bereits fünf ihrer sechs Kinder zur Welt gebracht, von denen das älteste der zehnjährige Alfons war.

Mit Ferdinands Thronbesteigung verschwand die ursprüngliche Absicht, das Fürstentum Tarent zum Schlüsselgebiet unter den Besitztümern von Ferdinand und seinen Erben zu machen, was aber nichts daran änderte, dass das apulische Lehen weiterhin eines der größten Territorien darstellte, die der König durch die Heirat mit Isabella erworben hatte. 1463 trat Isabella die Nachfolge ihres Onkels Giovanni Antonio als neue Fürstin von Tarent an.

Tod
Isabella von Clermont starb am 30. März 1465 an einer unbekannten Krankheit und wurde in der Kirche San Pietro Martire in Neapel beigesetzt.[1] Erst zwölf Jahre nach ihrem Tod heiratete König Ferdinand in zweiter Ehe Johanna, Tochter König Johanns II. von Aragon.[2] Nach dem Tod Ferdinands 1494 wurde Alfons, sein Sohn mit Isabella, nächster König von Neapel. 
von Guilhem de Clermont, Königin von Neapel Isabella (I42686)
 
50411 Zitat aus: https://de.wikipedia.org/wiki/Isabella_von_Zypern (Sep 2023)

Während des Lombardenkrieges hatte Isabella gemeinsam mit ihrer Schwester Maria 1232 die Burg Dieu d’Amour gegen den kaiserlichen Statthalter Richard Filangieri verteidigt, bis sie nach der Schlacht bei Agridi befreit wurden.

Sie heiratete 1233 Heinrich von Antiochia, den Bruder des Fürsten Bohemund V. von Antiochia, mit dem sie einen gemeinsamen Sohn hatte, den späteren König Hugo III. von Zypern beziehungsweise Hugo I. von Jerusalem. Weiterhin hatten sie eine Tochter, Margarete, die 1268 mit Johann von Montfort verheiratet wurde. Nach dem Tod ihrer Schwägerin Plaisance von Antiochia 1261 war sie Regentin für deren Sohn Hugo II. von Zypern. 
von Lusignan (Zypern), Isabella (I42904)
 
50412 Zitat aus: https://de.wikipedia.org/wiki/Isenburg_(Adelsgeschlecht)

Isenburg (Adelsgeschlecht)

Das Adelsgeschlecht Isenburg, auch Ysenburg, ist ein Hochadelsgeschlecht, dessen Anfänge bis ins 11. Jahrhundert reichen. Stammburg des Geschlechts war die Isenburg bei Isenburg (Westerwald) im heutigen Landkreis Neuwied. Bis 1376 gelang es den Ysenburgern, die durch Heirat erworbenen Ansprüche an der Herrschaft Büdingen (im heutigen Wetteraukreis), durchzusetzen. Nachfolger wurden 1442 Reichsgrafen und waren u. a. auch Burggrafen von Gelnhausen (im heutigen Main-Kinzig-Kreis).

Die Grafschaft Isenburg (bis 1744 Isenburg oder Ysenburg, danach nur noch die Birsteiner Linie mit „I“[1]) erreichte ihre größte Ausdehnung im 18. Jahrhundert. Sie umfasste Teile des heutigen Main-Kinzig-Kreises und Wetteraukreises im nördlichen Teil und des Kreises und der Stadt Offenbach im südlichen Teil.

Die Linien Isenburg-Limburg und Isenburg-Kempenich, die von Rembold von Isenburg begründet wurden, verzweigten sich mehrfach (Nieder-Isenburg). Durch Heirat erwarben Ysenburger die Herrschaft Büdingen und weitere Gebiete in der südöstlichen Wetterau (Ober-Isenburg). Als reichsunmittelbare Grafen und Fürsten zählen die diversen Linien der Isenburger/Ysenburger zum Hochadel.

Geschichte

Nieder-Isenburg
Die Isenburger galten als eines der bedeutendsten, alteingesessenen, edelfreien Geschlechter am Mittelrhein und im Westerwald. Der erste nachweisbare feste Wohnsitz des Geschlechts war ein Herrenhof in Rommersdorf, nahe dem heutigen Heimbach-Weis, einem Stadtteil von Neuwied. Um 1100 hatten die Brüder Reinbold (oder Rembold) und Gerlach am Sayn- und Iserbach die Burg Isenburg erbaut und nannten sich von nun an Herren von Isenburg.[2] Reinbold von Isenburg (1103–1110) war mit einer Tochter des vorletzten Grafen von Arnstein verheiratet und erbte einige Besitzungen. Weitere Herrschaftsrechte waren:

Klostervogtei Fulda
1232–1414 Klostervogtei Limburg und Herrschaft (siehe Limburg (Adelsgeschlecht))
1326–1462 Grafschaft Wied
Gerlach von Isenburg heiratete Ende des 12. Jahrhunderts die Erbtochter der Herren von Kobern. Er wird 1189 als Herr von Kobern bezeichnet. Bis 1270 befand sich die Herrschaft Kobern in den Händen der Isenburger.

Bereits im 12. Jahrhundert begann die Verzweigung des Geschlechts. 1210 existierten schon vier bis fünf verschiedene Linien nebeneinander. Immer neue Familienstämme bildeten sich, mit denen Erbteilungen einhergingen. Entsprechend baute man auch weitere Burgen: Zwischen 1179 und 1210 die Burg Braunsberg bei Anhausen, 1194 die Niederburg Kobern an der Mosel, 1213 die Burg Grenzau bei Höhr-Grenzhausen, 1258/59 die Burg Arenfels bei Hönningen.[2]

Im 13. Jahrhundert erbten Bruno von Braunsberg und sein Bruder Dietrich von Isenburg die Hälfte der Grafschaft Wied. Später gelang es Wilhelm von Braunsberg-Isenburg (1324–1383) die gesamte Grafschaft zu vereinigen und eine neue Linie der Grafen von Wied zu gründen.

Zum Ende des 15. Jahrhunderts war von der Linie Isenburg-Limburg nur noch der Zweig Isenburg-Büdingen übrig. Diese neue Grafschaft teilte sich vom Ende des 15. Jahrhunderts bis in die Mitte des 17. Jahrhunderts mehrmals.

Mit dem Tod von Graf Ernst von Isenburg-Grenzau im Jahre 1664 war die Linie Nieder-Isenburg ausgestorben. Landesherren wurden dann ab 1666 im Rahmen eines Kondominiums die Grafen von Walderdorff und Grafen von Wied-Neuwied.

Ober-Isenburg
Ludwig von Isenburg († um 1304), ein Ysenburger (aus Nieder-Isenburg), kam vermutlich über eine Heirat mit der Erbtochter von Büdingen in die südöstliche Wetterau (Ober-Isenburg). Es gelang den Ysenburgern, das ursprünglich in fünf Teile zerfallene Erbe der Büdinger, darunter die Verwaltung des Büdinger Waldes als Teil der Pfalz Gelnhausen, im Verlauf von etwa 150 Jahren größtenteils an sich zu bringen.

Diese Grafschaft Isenburg-Büdingen mit dem Büdinger Schloss als Herrschaftszentrum teilte sich 1511/17 in die Linien Isenburg-Ronneburg und Isenburg-Birstein (Erste Hauptteilung). Die Linie Isenburg-Ronneburg starb 1601 aus, worauf der Gesamtbesitz an Isenburg-Birstein fiel. Die Linie Isenburg-Birstein spaltete sich 1628/31 in die Zweige Isenburg-Büdingen und Isenburg-Offenbach (Zweite Hauptteilung).

Die Landesteilung von 1687, die Entstehung des Büdinger Landes und der Speziallinien
Durch die Dritte Hauptteilung (1684) entstanden die beiden Häuser Ysenburg-Büdingen-Birstein (ab 1744 Fürstentum Isenburg und Büdingen mit Residenz in Birstein bzw. Offenbach) und Ysenburg-Büdingen (Grafschaft mit Residenz in Büdingen). Die letztere teilte sich am 23. Juli 1687 in Meerholz in einem erneuten Rezess (= Vergleich)[3] noch einmal in vier Speziallinien. Sie alle nannten sich Ysenburg und Büdingen und fügten jeweils den Sitz ihrer Linie hinzu (einheitliche Schreibweise jedoch erst ab dem 19. Jahrhundert): Ysenburg-Büdingen in Büdingen (ausgestorben 1941), Ysenburg-Büdingen in Marienborn (ausgestorben 1725), Ysenburg-Büdingen in Meerholz (ausgestorben 1929) und Ysenburg-Büdingen in Wächtersbach (die 1941 ihren Sitz in Büdingen nahmen; es war die einzige Speziallinie, die übrig geblieben war). Die Teil-Grafschaften waren nicht nur durch die Blutsverwandtschaft, sondern insbesondere auch durch Hausverträge (Erbfolgeregelungen) verbunden (Agnaten).

Da das Erbprinzip der Primogenitur in Ysenburg noch nicht eingeführt war, wurde das Territorium 1687 unter den vier Söhnen von Maria Charlotte (1631–1693), Witwe des Johann Ernst von Ysenburg-Büdingen, Vormünderin ihrer Söhne, geteilt. Der älteste Sohn, Johann Casimir Graf von Isenburg-Büdingen (1660–1693) erhielt Schloss, Stadt und Gericht Büdingen und die umliegenden Dörfer, Ferdinand Maximilian, der zweitälteste Sohn erhielt Schloss und Stadt Wächtersbach, Georg Albrecht erhielt Meerholz und die umliegenden Dörfer und Karl August erhielt Marienborn, im heutigen Büdinger Stadtteil Eckartshausen, mit den umliegenden Dörfern. Da die Linie Ysenburg-Büdingen-Marienborn bald ausstarb, gab es in der Folgezeit neben der (älteren) Hauptlinie Isenburg-Birstein die (neuen) Speziallinien Ysenburg und Büdingen in Büdingen, Ysenburg und Büdingen in Meerholz und Ysenburg und Büdingen in Wächtersbach.

Durch den Tod des Grafen Karl August von Ysenburg-Büdingen-Marienborn 1725 wurde entsprechend seinem Testament der Marienborner Besitz aufgeteilt, die Ämter Gründau und Eckartshausen, sowie die Dörfer Gettenbach und Haitz kamen zu Meerholz.

Jede der nunmehr drei Grafschaften umfasste jetzt ca. 200 km² mit ca. 6 500 Einwohnern bei Einnahmen von ca. 35 000 fl.[4]

Graf Wolfgang Ernst I. zu Isenburg und Büdingen (Birsteiner Linie) wurde am 23. Mai 1744 von Kaiser Karl VII. in den Fürstenstand erhoben; aber erst 1803 erhielt sein Nachfolger einen Sitz im Reichsfürstenrat.

Neuer Staat im Rheinbund – Souveräner Fürst
1806 trat das Fürstentum Isenburg (-Birstein) – nicht ganz freiwillig[5] – dem Rheinbund bei und vereinigte alle isenburgische Lande[6], also auch die ysenburgischen Grafschaften Büdingen, Meerholz und Wächtersbach. Nach der faktischen Auflösung des Rheinbunds war das Fürstentum zunächst besetztes Feindesland (Generalgouvernement Frankfurt), wurde dann mediatisiert und kam 1815 zu Österreich und anschließend 1816 nach einer Teilung zu Hessen-Darmstadt und Hessen-Kassel (der südlich des Mains gelegene Teil im heutigen Kreis und der Stadt Offenbach und der westliche Teil des größtenteils nördlich der Kinzig gelegenen Teils zum Großherzogtum Hessen, der östliche des nördlichen Teils zum Kurfürstentum Hessen)[7]. Im Haus Hessen war von diesem Zeitpunkt an "Fürst zu Isenburg" Bestandteil des Familiennamens.[8] Die isenburgischen Souveränitätslande wurden im Großherzogtum als hessen-darmstädtischer Landratsbezirk Offenbach und Landratsbezirk Büdingen und der kurhessische Teil im Kreis Gelnhausen organisatorisch weiter geführt.

Standesherren im Großherzogtum Hessen und im Kurfürstentum Hessen
Graf Ernst Casimir III. von Ysenburg-Büdingen-Büdingen wurde 1840 vom Großherzog (Hessen-Darmstadt) als Ernst Casimir I., und Ferdinand Maximilian von Ysenburg-Büdingen-Wächtersbach wurde 1865 vom Kurfürst (Hessen-Kassel) in den Fürstenstand erhoben. Die beiden Linien nannten sich seit der Erhebung in den Fürstenstand "Fürsten zu Ysenburg und Büdingen" (wie auch die Wächtersbacher Linie ab 1941, nach dem Aussterben aller anderen Linien).

Bis heute existieren die (katholische) fürstliche Linie Isenburg (-Birstein) sowie die (evangelisch-reformierte) fürstliche Linie Ysenburg und Büdingen, die als mediatisierte Häuser dem Hochadel "zweiter Abteilung" angehören. Nachkommen der Linie Ysenburg-Philippseich sind die Grafen von Büdingen.

Mehr, auch Übersicht der Linien, unter dem Link oben.. 
von Isenburg, Gerlach (I11920)
 
50413 Zitat aus: https://de.wikipedia.org/wiki/Ital_Reding_der_Ältere

Ital Reding der Ältere

Ital Reding der Ältere (* um 1370 vermutlich in Sattel; † 6. Februar 1447 in Arth) war Schwyzer Landammann, Heerführer der Schwyzer Truppen im Alten Zürichkrieg und gilt als Hauptverantwortlicher für die «Bluttat von Greifensee» am 28. Mai 1444.

Leben
Ital Reding stammte aus einer angesehenen Schwyzer Familie. Wie sein Vater Hektor Reding übernahm auch er das Amt des Schwyzer Landammanns und stand in dieser Funktion an die dreissig Jahre (von 1411–1428 und 1432–1445) dem Lande Schwyz vor. Seit 1411 war er wiederholt Tagsatzungsgesandter von Schwyz und übernahm verschiedentlich Vermittlungsrollen in eidgenössischen Angelegenheiten. Am Konzil von Konstanz nahm er als eidgenössischer Gesandter teil. Es gelang Reding, von König Sigismund verschiedene Vorteile für das Land Schwyz zu erwirken. Er konnte so den Herrschaftsbereich des Alten Landes Schwyz erheblich erweitern. 1415 erwirkte er von Sigismund die Blutgerichtsbarkeit in Schwyz, Einsiedeln, der March SZ und im Bezirk Küssnacht. 1424 erwarb er ohne Wissen des Abtes das Schirmprivileg über das Kloster Einsiedeln.

Im Streit um die Erbschaft des Grafen Friedrich VII. von Toggenburg hatte er eine geschicktere Hand als sein Zürcher Gegenspieler Bürgermeister Rudolf Stüssi, der ebenfalls versuchte sein Herrschaftsgebiet zu erweitern. Als der Graf von Toggenburg 1436 kinderlos verstarb, vermochte Schwyz zusammen mit Glarus dessen Erbe anzutreten. Zürich reagierte darauf 1438 mit einer Getreidesperre gegen Schwyz und Glarus. Da eine eidgenössische Vermittlung scheiterte, musste sich Schwyz – wie alle Innerschweizer seit Jahrzehnten – vermehrt im Aargau und im Elsass eindecken. Reding erhielt aber einen Grund, Zürich im Reich anzuschwärzen und militärisch anzugreifen. Im Gefecht am Etzel (Mai 1439) fügte er den Zürchern eine Niederlage zu. Das war der Beginn des Alten Zürichkrieges, der bis 1450 andauern sollte. Im Jahr 1440 eroberte Reding mit Unterstützung der übrigen Truppen der Eidgenossen plündernd die Zürcher Landschaft, sodass Stüssi die Niederlage eingestehen musste und die Lebensmittelsperre aufhob. Im Gegenzug gaben die Schwyzer einen Grossteil der besetzten Gebiete zurück.

Der Frieden hielt nicht lange. Als Zürich sich mit dem deutschen König Friedrich III. absprach und ein Bündnis mit den Habsburgern einging, eskalierte der Konflikt erneut. Erneut drangen eidgenössische Truppen ins Zürchergebiet vor, erneut kam es zu einer Niederlage Zürichs. Nach erfolglosen Friedensverhandlungen in Baden fielen Innerschweizer Heerhaufen unter Ital Reding abermals in das Stadtzürcher Hinterland ein. Am 1. Mai 1444 erreichten sie das Städtchen Greifensee und begannen mit der Belagerung.[1] Die Zürcher Besatzung unter der Führung von Hauptmann Wildhans von Breitenlandenberg musste am 27. Mai 1444 kapitulieren. 62 Mann wurden am 28. Mai 1444 von den siegreichen Innerschweizern auf der «Blutmatte» in Nänikon im Schnellverfahren hingerichtet. Das Massaker, in Konflikten zwischen Eidgenossenschaft noch nie Dagewesenes,[2] ging als „Mord von Greifensee“ in die Geschichte ein. Ob die Bluttat von Greifensee mit dem Rücktritt Redings von seinem Amt als Schwyzer Landammann im Jahr 1445 zusammenhängt, bleibt Spekulation. 1446 trat Reding als Alt-Ammann noch einmal auf, als er beim Schiedsgericht in Kaiserstuhl die Klage der Eidgenossen gegen Österreich besiegelte. Reding starb 1447. Im gleichen Jahr wurde sein Sohn Ital Reding der Jüngere zum Schwyzer Ammann ernannt und blieb es bis 1464.

Ital Reding in Chroniken und Dichtung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Welche Rolle Reding bei dem Gemetzel von Greifensee spielte, war schon in zeitgenössischen Quellen umstritten. Der Schwyzer Chronist Hans Fründ, der eine ausführliche Beschreibung der Belagerung hinterliess, widmete der Hinrichtung nur wenige Zeilen und erwähnte Reding überhaupt nicht.[3] In der Chronik des Zürcher Gerold Edlibach wird Reding eine entscheidende Rolle zugesprochen. Von ihm sei der Befehl ausgegangen, alle, ausser den in Schwyz geborenen Ueli Kupferschmid, mit dem Schwert hinzurichten.[4] Auch in der nichtzürcherischen Eidgenössischen Chronik von Werner Schodoler (entstanden zu Beginn des 16. Jahrhunderts) wird Reding durchaus eine harte Haltung zugesprochen. In der Luzerner Bilderchronik des Diebold Schilling wird von Reding behauptet, dass er die Hinrichtung selber ausführen werde, falls der Scharfrichter sie nicht vornehmen sollte.[5] Theodor von Liebenau konnte allerdings in zwei Briefen von Augenzeugen nachweisen, dass die Hinrichtung keineswegs Redings alleiniger Entschluss war, sondern von allen Vertretern aller beteiligten Orte beschlossen wurde.[6]

Die Vorgänge von Greifensee wurden wiederholt auch literarisch verarbeitet. Im historischen Roman «Der Freihof von Aarau» (1823) schildert Heinrich Zschokke die Ereignisse und Zusammenhänge der Zerstörung von Greifensee aus Sicht seines Protagonisten, Ritter Marquard von Baldegg. Zschokke lässt Reding als unbarmherzigen Rächer auftreten, der Teufel hat den Itelhans [Ital Reding] durstig gemacht nach der armen Leute Blut![7] Gottfried Keller flocht den Mord von Greifensee in seine Salomon Landolt gewidmete Erzählung Der Landvogt von Greifensee (1878) ein und erwähnt dabei die starre Unbarmherzigkeit der Mehrheit und ihres Führers Itel Reding.[8] Ital Redings Schicksal stellte Albrecht Emch in seinem Kleintheaterstück «Ital Reding, der Eisenkopf von Greifensee oder Die Mordtat von Greifensee» dar.

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Reding von Biberegg, Ital der Ältere (I5704)
 
50414 Zitat aus: https://de.wikipedia.org/wiki/Itter_(Adelsgeschlecht)

Itter (Adelsgeschlecht)

Die Edelherren von Itter waren ein edelfreies Adelsgeschlecht mit Besitz im Itter- und Hessengau und erschienen in zwei aufeinander folgenden Stämmen.

Erstes Haus
Das erste Haus wird auf die Esikonen zurückgeführt, ein von Karl dem Großen in diesem Raum eingesetztes sächsisches Grafengeschlecht, das mit Hiddi (bezeugt um 813) in die Geschichte eintritt. Mit dem Aufkommen der Herkunftsnamen erscheinen deren Nachkommen in verschiedenen Zweigen als Grafen von Reinhausen und als Edelherren von Itter sowie vorübergehend auch von Warburg und von Kanstein. Sie sind seit dem 9. Jahrhundert im Ittergau und auch im sächsischen Leinegau bezeugt.

Im Jahre 1126 übertrugen die beiden Schwestern Riclind (auch Riklind und Rilind) und Frederun von Itter, Nichten und nächste Erbinnen des 1123 verstorbenen Folkmar von Itter, den von ihm geerbten Allodial­besitz an der Burg und der Herrschaft Itter an den Abt Erkenbert von Corvey bzw. an das Kloster Corvey; bei der Übertragung wurden sie von ihrem „Mundiburgo“ (Vormund) Gumbert von Warburg, ihrem nächsten agnatischen Verwandten und wohl einem Vetter ihres Onkels, vertreten. Gumberts Witwe Gepa von Arnsberg-Werl bekam die Burg Itter nach 1127 als Witwensitz und benannte sich danach.

Gepa von Itter hatte vier Töchter. Wiltrud wurde Nonne im Kloster Kaufungen. Lutrud heiratete Widekind I. von Schwalenberg, den Stammvater der Grafen von Waldeck. Berta oder Mechthild heiratete den Stammvater des zweiten Hauses Itter, dem sie u. a. Burg und Herrschaft Itter einbrachte. Gepa selbst gründete mit ihren Töchtern 1131 das Kloster Aroldessen, ein Augustiner-Chorfrauen-Stift. 1526 wurde das Kloster von den Grafen von Waldeck säkularisiert; es ging in ihren Besitz über und wurde später zum Residenzschloss Arolsen umgebaut.

Zweites Haus
Aus der Ehe einer Tochter Gepas, wohl Mechthild, mit dem Grafen Konrad I. von Everstein (Inhaber der Gaugrafschaft Medebach und Vizevogt des Klosters Helmarshausen) entsprangen vermutlich zwei Söhne. Thietmar (1144 bezeugt) begründete die bei Paderborn gelegene Herrschaft Büren auf Allodialbesitz der Grafen von Arnsberg-Werl, während Gerlach (1144 Vogt von Medebach, 1167 von Itter, Vizevogt von Helmarshausen) zum Ahnherrn des zweiten Hauses Itter wurde, welches im Mannesstamm mit Erasmus von Itter 1443 ausstarb.

Das heute im Edersee versunkene Kloster Berich geht möglicherweise auf eine Gründung der Herren von Itter zurück. Im Jahre 1196 gründete ein gewisser Egeloff, in dem ein Herr von Itter vermutet wird, dieses Kloster; Hermann II. von Itter war bei der Inschutznahme des Klosters durch den Mainzer Erzbischof als Zeuge zugegen. Konrad I. von Itter (1185–1242) war ebenfalls Schutzvogt des Klosters Berich; auch gründete er 1242 das Zisterzienser-Nonnenkloster Butzebach, das 1245/49 nach Frankenberg verlegt und St. Georgenberg genannt wurde.

Konrads I. jüngerer Bruder, Hermann dictus Penceler (Benzelere, Penzeler) (1201–1260), wurde zum Begründer der noch heute bestehenden Nebenstämme Benteler und Bentler. Ein weiterer Bruder Konrads I. war Heinrich genannt Pampis, der als Burgmann der Grafen von Ziegenhain für den Zeitraum von 1215 bis 1240 mehrfach in einer Soester Urkunde von 1232 erwähnt wird. Er ist der Vorfahre von Heinrich Pampus von Soenchenrode, der nach seiner Heirat mit Grete von der Hoven den Namen von der Hoven mit dem Zusatz Pampus annahm, Schultheiß zu Schönstein und Wissen wurde und von 1437 bis 1448 ein Burglehen zu Schönstein-Graben in Wissen an der Sieg innehatte.

1356 starben der Edelherr Heinemann von Itter und sein Sohn Heinrich – einer von beiden eines natürlichen Todes, der andere wurde von einem „Vetter“ von Itter (Neffe bzw. Onkel) ermordet. Danach kam jeweils eine Hälfte seines (Haupt)teils der Herrschaft Itter an Mainz und Hessen. Die Witwe Heinemanns, Margarethe, verkaufte ihnen ihre Rechte jeweils für 900 Mark Silber. Den mainzischen Anteil verpfändete der Erzbischof 1359 an den Grafen Otto II. von Waldeck, der 1357 oder kurz danach Margarethe, Heinemanns Witwe, geheiratet hatte. Im Jahr 1408 leistete der letzte männliche Spross des Geschlechts, Erasmus von Itter († 1443), endgültig Verzicht auf das Erbe Heinemanns, und auch der ihm verbliebene kleine Teil der Herrschaft Itter kam nach seinem Tod durch Kauf an die Landgrafen von Hessen, die später auch die Mainzer und Waldecker Teile erwarben.

Als Territorium der späteren Landgrafschaft Hessen-Darmstadt wurde Itter mehrfach als Paragium an nachgeborene hessische Prinzen gegeben.

Die Herrschaft Itter im 14. Jahrhundert
Neben seinem Hauptterritorium an der Eder, das sich von Dorfitter im Norden bis vor Altenlotheim im Süden und von der Orke im Westen bis zur Werbe im Osten erstreckte, besaß das Haus Itter im Norden die Exklave Höringhausen, im Nordwesten die Exklave Eimelrod und um die Herrschaft herum eine Menge Streubesitz. Außerdem lässt sich weiterer Streubesitz um Arnsberg, Soest, Erwitte, Lippstadt und Paderborn nachweisen. Möglicherweise gab es noch weiteren Besitz im Bereich der Grafschaften Nassau und Diez. Der nördliche Teil der Herrschaft gehörte zum sächsisch-westfälischen Raum, der südliche Teil zum fränkisch-hessischen. Der nördliche, größere Teil gehörte kirchlich zum Bistum Paderborn, der südliche zum Erzbistum Mainz.

Lehnsherr war der Abt von Corvey auf Grund der Lehensauftragung des allodialen nördlichen Teils der Herrschaft durch das erste Haus Itter im Jahre 1126. Weitere Lehnsherren waren die Grafen von Arnsberg, die Landgrafen von Hessen, die Grafen von Nassau, die Grafen von Wittgenstein und Battenberg, die Grafen von Ziegenhain, die Grafen von Waldeck, die Bischöfe von Paderborn, die Erzbischöfe von Mainz und Köln, möglicherweise auch die Grafen von der Mark und von Berg, sowie das Stift Busdorf und das Abdinghofkloster in Paderborn.

Das Haus Itter hatte selbst einen Lehnshof und somit freie Vasallen aus dem Ritterstand sowie ritterliche Dienstleute (unfreie Ministeriale). Aufgrund dieser Stellung in der Lehnsordnung gehörte das Haus Itter dem mittelalterlichen Stand der Edelfreien an. 
von Itter, Edelherr Konrad I. (I58148)
 
50415 Zitat aus: https://de.wikipedia.org/wiki/Itter_(Adelsgeschlecht)

Itter (Adelsgeschlecht)

Die Edelherren von Itter waren ein edelfreies Adelsgeschlecht mit Besitz im Itter- und Hessengau und erschienen in zwei aufeinander folgenden Stämmen.

Erstes Haus
Das erste Haus wird auf die Esikonen zurückgeführt, ein von Karl dem Großen in diesem Raum eingesetztes sächsisches Grafengeschlecht, das mit Hiddi (bezeugt um 813) in die Geschichte eintritt. Mit dem Aufkommen der Herkunftsnamen erscheinen deren Nachkommen in verschiedenen Zweigen als Grafen von Reinhausen und als Edelherren von Itter sowie vorübergehend auch von Warburg und von Kanstein. Sie sind seit dem 9. Jahrhundert im Ittergau und auch im sächsischen Leinegau bezeugt.

Im Jahre 1126 übertrugen die beiden Schwestern Riclind (auch Riklind und Rilind) und Frederun von Itter, Nichten und nächste Erbinnen des 1123 verstorbenen Folkmar von Itter, den von ihm geerbten Allodial­besitz an der Burg und der Herrschaft Itter an den Abt Erkenbert von Corvey bzw. an das Kloster Corvey; bei der Übertragung wurden sie von ihrem „Mundiburgo“ (Vormund) Gumbert von Warburg, ihrem nächsten agnatischen Verwandten und wohl einem Vetter ihres Onkels, vertreten. Gumberts Witwe Gepa von Arnsberg-Werl bekam die Burg Itter nach 1127 als Witwensitz und benannte sich danach.

Gepa von Itter hatte vier Töchter. Wiltrud wurde Nonne im Kloster Kaufungen. Lutrud heiratete Widekind I. von Schwalenberg, den Stammvater der Grafen von Waldeck. Berta oder Mechthild heiratete den Stammvater des zweiten Hauses Itter, dem sie u. a. Burg und Herrschaft Itter einbrachte. Gepa selbst gründete mit ihren Töchtern 1131 das Kloster Aroldessen, ein Augustiner-Chorfrauen-Stift. 1526 wurde das Kloster von den Grafen von Waldeck säkularisiert; es ging in ihren Besitz über und wurde später zum Residenzschloss Arolsen umgebaut.

Zweites Haus
Aus der Ehe einer Tochter Gepas, wohl Mechthild, mit dem Grafen Konrad I. von Everstein (Inhaber der Gaugrafschaft Medebach und Vizevogt des Klosters Helmarshausen) entsprangen vermutlich zwei Söhne. Thietmar (1144 bezeugt) begründete die bei Paderborn gelegene Herrschaft Büren auf Allodialbesitz der Grafen von Arnsberg-Werl, während Gerlach (1144 Vogt von Medebach, 1167 von Itter, Vizevogt von Helmarshausen) zum Ahnherrn des zweiten Hauses Itter wurde, welches im Mannesstamm mit Erasmus von Itter 1443 ausstarb.

Das heute im Edersee versunkene Kloster Berich geht möglicherweise auf eine Gründung der Herren von Itter zurück. Im Jahre 1196 gründete ein gewisser Egeloff, in dem ein Herr von Itter vermutet wird, dieses Kloster; Hermann II. von Itter war bei der Inschutznahme des Klosters durch den Mainzer Erzbischof als Zeuge zugegen. Konrad I. von Itter (1185–1242) war ebenfalls Schutzvogt des Klosters Berich; auch gründete er 1242 das Zisterzienser-Nonnenkloster Butzebach, das 1245/49 nach Frankenberg verlegt und St. Georgenberg genannt wurde.

Konrads I. jüngerer Bruder, Hermann dictus Penceler (Benzelere, Penzeler) (1201–1260), wurde zum Begründer der noch heute bestehenden Nebenstämme Benteler und Bentler. Ein weiterer Bruder Konrads I. war Heinrich genannt Pampis, der als Burgmann der Grafen von Ziegenhain für den Zeitraum von 1215 bis 1240 mehrfach in einer Soester Urkunde von 1232 erwähnt wird. Er ist der Vorfahre von Heinrich Pampus von Soenchenrode, der nach seiner Heirat mit Grete von der Hoven den Namen von der Hoven mit dem Zusatz Pampus annahm, Schultheiß zu Schönstein und Wissen wurde und von 1437 bis 1448 ein Burglehen zu Schönstein-Graben in Wissen an der Sieg innehatte.

1356 starben der Edelherr Heinemann von Itter und sein Sohn Heinrich – einer von beiden eines natürlichen Todes, der andere wurde von einem „Vetter“ von Itter (Neffe bzw. Onkel) ermordet. Danach kam jeweils eine Hälfte seines (Haupt)teils der Herrschaft Itter an Mainz und Hessen. Die Witwe Heinemanns, Margarethe, verkaufte ihnen ihre Rechte jeweils für 900 Mark Silber. Den mainzischen Anteil verpfändete der Erzbischof 1359 an den Grafen Otto II. von Waldeck, der 1357 oder kurz danach Margarethe, Heinemanns Witwe, geheiratet hatte. Im Jahr 1408 leistete der letzte männliche Spross des Geschlechts, Erasmus von Itter († 1443), endgültig Verzicht auf das Erbe Heinemanns, und auch der ihm verbliebene kleine Teil der Herrschaft Itter kam nach seinem Tod durch Kauf an die Landgrafen von Hessen, die später auch die Mainzer und Waldecker Teile erwarben.

Als Territorium der späteren Landgrafschaft Hessen-Darmstadt wurde Itter mehrfach als Paragium an nachgeborene hessische Prinzen gegeben.

Die Herrschaft Itter im 14. Jahrhundert
Neben seinem Hauptterritorium an der Eder, das sich von Dorfitter im Norden bis vor Altenlotheim im Süden und von der Orke im Westen bis zur Werbe im Osten erstreckte, besaß das Haus Itter im Norden die Exklave Höringhausen, im Nordwesten die Exklave Eimelrod und um die Herrschaft herum eine Menge Streubesitz. Außerdem lässt sich weiterer Streubesitz um Arnsberg, Soest, Erwitte, Lippstadt und Paderborn nachweisen. Möglicherweise gab es noch weiteren Besitz im Bereich der Grafschaften Nassau und Diez. Der nördliche Teil der Herrschaft gehörte zum sächsisch-westfälischen Raum, der südliche Teil zum fränkisch-hessischen. Der nördliche, größere Teil gehörte kirchlich zum Bistum Paderborn, der südliche zum Erzbistum Mainz.

Lehnsherr war der Abt von Corvey auf Grund der Lehensauftragung des allodialen nördlichen Teils der Herrschaft durch das erste Haus Itter im Jahre 1126. Weitere Lehnsherren waren die Grafen von Arnsberg, die Landgrafen von Hessen, die Grafen von Nassau, die Grafen von Wittgenstein und Battenberg, die Grafen von Ziegenhain, die Grafen von Waldeck, die Bischöfe von Paderborn, die Erzbischöfe von Mainz und Köln, möglicherweise auch die Grafen von der Mark und von Berg, sowie das Stift Busdorf und das Abdinghofkloster in Paderborn.

Das Haus Itter hatte selbst einen Lehnshof und somit freie Vasallen aus dem Ritterstand sowie ritterliche Dienstleute (unfreie Ministeriale). Aufgrund dieser Stellung in der Lehnsordnung gehörte das Haus Itter dem mittelalterlichen Stand der Edelfreien an. 
von Warburg, Gumbert (I62603)
 
50416 Zitat aus: https://de.wikipedia.org/wiki/Jacques_de_Savoie-Nemours (Sep 2023)

1533 wurde er durch den Tod seines Vaters Herzog von Nemours.

Im Alter von 15 Jahren wurde er König Franz I. vorgestellt, ein Jahr darauf trat Heinrich II. die Herrschaft an. Später versuchte Jacques de Savoie-Nemours vergeblich, seinem Cousin Léonor d’Orléans-Longueville die Nachfolge im Fürstentum Neuenburg (1551) streitig zu machen. 1552 nahm er an der Belagerung von Lens, 1553 an der Verteidigung von Metz gegen die Truppen des Kaisers Karl V. teil. Anschließend diente er in der Grafschaft Flandern und in Italien bis zum fünfjährigen Waffenstillstand von Vaucelles am 5. Februar 1556, mit dem die französischen Eroberungen in Lothringen festgeschrieben wurden. Er wurde zum Colonel général der leichten Kavallerie befördert, die er bei der Belagerung von Diedenhofen (1558) kommandierte.

1555 hatte seine Schwester Jeanne (1532–1568) Nicolas de Lorraine, Comte de Vaudémont geheiratet und war dadurch zur Stiefmutter der damals zweijährigen Louise de Lorraine-Vaudémont geworden, die 1575 als Ehefrau Heinrichs III. Königin von Frankreich wurde.

Die Historikerin Jacqueline Boucher beschreibt Jacques de Savoie-Nemours als „großen, gebildeten, sportlichen, kultivierten und weltgewandten Seigneur, der für sein Talent als Verführer bekannt ist.“.[1]

1557 wurde er aus seiner Beziehung zu Françoise de Rohan, Dame de Garnache (um 1540–1591), Vater eines Sohnes, Henri de Genevois. Da er ihr ein Eheversprechen gegeben hatte, überzog sie ihn mehrere Jahre mit Klagen, die Prozesse hielten die gesamten Hugenottenkriege über an und endeten erst mit einer Lösung, mit der der Jurist (und Mathematiker) François Viète alle Seiten zufrieden stellen konnte.[2]

Als König Heinrich II. am 30. Juni 1559 bei einem Turnier, das Teil der Feiern anlässlich der Verträge von Cateau-Cambrésis war, schwer verletzt wurde, war er einer seiner Helfer – und am Todestag des Königs, dem 10. Juli 1559, Bevollmächtigter des Herzogs Emanuel-Philibert von Savoyen (1528–1580) bei dessen Heirat, die zur Bekräftigung der genannten Verträge geschlossen wurde, mit Marguerite de Valois (1523–1574), der Schwester des Verstorbenen.

Im Sommer 1559 war er zudem ein ernsthafter Anwärter auf die Hand der englischen Königin Elisabeth I. (1533–1603), die ebenfalls Vertragspartner von Cateau-Cambrésis war. Die Heirat wurde am französischen Hof als bereits vereinbart angesehen, aber die übliche Zurückhaltung der Königin und der Krieg der Franzosen in Schottland ließen das Vorhaben scheitern. Damit Jacques de Savoie-Nemours die Königin besuchen konnte, hatte Heinrich II. ihn zum außerordentlichen Botschafter ernannt; nach dem Tod des Königs bereitete Nemours seine Reise weiter vor (Juli–September 1559), doch kam sie nicht zustande. Die Frankophobie des englischen Hofes und der Druck der Berater der Königin, sich bei der Vertreibung der Franzosen aus Schottland zu engagieren, hatten wohl nichts damit zu tun.[3] Einen anderen Grund liefert Madame de Lafayette in ihrem Roman Die Prinzessin von Clèves (1678), in dem M. de Nemours sich wegen seiner Liebe zu Anna d’Este,[4] die mit François de Lorraine, duc de Guise verheiratet war, weigerte, die Reise anzutreten.[5]

Am 7. Dezember 1561 wurde er von Karl IX. in den Michaelsorden aufgenommen.

In den im Jahr darauf ausbrechenden Hugenottenkriegen stand er weiterhin im Dienst des Königs. Er nahm an der Eroberung von Bourges teil und schlug zwei Mal den Protestantenführer François de Beaumont, Baron des Adrets. Er kommandierte die Schweizer, die Karl IX. nach Paris zurückbrachten, den die Calvinisten in Montceaux-lès-Meaux entführen wollten.[6]

Nachdem er am 27. Dezember 1562 zum Gouverneur von Lyon ernannt worden war, wobei er auch für die Auvergne, das Bourbonnais und La Marche zuständig war, scheiterte er bei dem Versuch, Lyon zu erobern, das von Jean V. de Parthenay für die Hugenotten gehalten wurde. Das Edikt von Amboise vom 19. März 1563 versöhnte für einige Zeit die beiden Parteien. Sein Amt als Gouverneur von Lyon wurde am 4. Juli 1564 dokumentiert.[7] Am 31. Dezember 1564 wurde er von Emanuel Philibert von Savoyen zum Herzog von Genevois ernannt.[8]

Im Jahr zuvor, am 18. Februar 1563, war der Duc de Guise bei der Belagerung von Orléans durch ein Attentat schwer verletzt worden, dem er am 24. Februar 1563 erlag. Während der Mörder sofort ergriffen und hingerichtet worden war, setzte Anna d’Este alles daran, den in ihren Augen als Auftraggeber verantwortlichen Anführer der französischen Hugenotten, Gaspard de Coligny, juristisch zu verfolgen. Drei Jahre lang bedrängte die Witwe den König und seine Gerichte mit ihren Forderungen, doch im Januar 1566 erklärte der königliche Rat Coligny für unschuldig und gebot ewiges Schweigen in dieser Angelegenheit.

Drei Monate später, am 29. April 1566, konnte Jacques de Savoie-Nemours im Schloss Saint-Maur die Witwe Anna d’Este, Tochter von Ercole II. d’Este (1508–1599), Herzog von Ferrara, und Renée de France, und Enkelin von Ludwig XII. heiraten, nachdem Jeanne d'Albret, Titularkönigin von Navarra und Kusine Françoise de Rohans, ohne Erfolg versucht hatte, dies zu verhindern. Er wurde dadurch der Stiefvater unter anderem von Henri, Duc de Guise (* 1550), Charles (1554–1611) und Louis (1555–1588).

Am 10. November 1567 nahm Jacques de Savoie-Nemours an der Schlacht bei Saint-Denis teil. 1569 bekam er den Auftrag, sich dem Einmarsch der Truppen des Herzogs von Zweibrücken entgegenzustellen, scheiterte aber mit dieser Aufgabe durch Verschulden von Duc d’Aumale, dem ehemaligen Schwager seiner Frau. Anfang 1571 trat er als Gouverneur von Lyon zurück. Als seinen Nachfolger empfahl er seinen Lieutenant François de Mandelot, der am 17. Februar 1571 ernannt wurde.

Jacques de Savoie-Nemours und Anna d’Este zogen sich in ihr Herzogtum Genevois zurück, wo er sich der Kunst und der Literatur zu widmete. 1578 wurde er zum Ritter im neu gegründeten Orden vom Heiligen Geist ernannt, eine formelle Aufnahme fand jedoch nicht statt, denn dafür hätte er nach Paris reisen müssen. Jacques de Savoie-Nemours starb am 15. oder 18. Juni 1585[9] auf seinem Gut La Cassine-Chastelier bei Moncalieri (Piemont) an der Gicht.[10] Der Leichnam wurde in der Kirche Notre-Dame-de-Liesse d'Annecy bestattet.[11]

Als Witwe lebte Anna d’Este dann hauptsächlich in Paris, in ihrem Hôtel de Nemours, das sich links der Seine in der heutigen Rue Séguier befand. Mit der Wiederbelebung der Katholischen Liga nach dem Tod des Thronfolgers François-Hercule de Valois, duc d’Alençon 1584, in der ihre Söhne eine wichtige Rolle spielten, stieg auch die Bedeutung der Herzogin für das politische Geschehen in Frankreich beträchtlich. Zu Weihnachten 1588 ließ Heinrich III. ihre beiden Söhne Henri und Louis im Schloss Blois ermorden, Anna d’Este selbst wurde inhaftiert. Zwar schweigen die meisten Quellen über die Taten der Herzogin in der Zeit nach ihrer Freilassung, doch sahen einige ihrer Zeitgenossen in ihr die Auftraggeberin für den Mord an Heinrich III. am 2. August 1589. In der von Heinrich IV. belagerten Hauptstadt war Anna d’Este, von der Liga zur „Königin-Mutter“ stilisiert, eine der Hauptfiguren. Nach der Konversion Heinrichs IV. zum Katholizismus erkannte sie den Bourbonen aber als König an und bemühte sich, auch ihre noch lebenden Söhne zu diesem Schritt zu bewegen. 
vom Nemours (Savoyen), Herzog Jacques (I42664)
 
50417 Zitat aus: https://de.wikipedia.org/wiki/Jacques_d’Armagnac (Sep 2023)

In seiner Jugend wurde er von König Ludwig XI. mit Vergünstigungen überhäuft, und dieser war es auch, der die Heirat mit einer seiner Kusinen arrangierte, und ihn mit dem Herzogtum Nemours belehnte. Weit davon entfernt, sich dafür erkenntlich zu zeigen, gesellte Jacques d’Armagnac sich zu den Feinden des Königs und trat auch der Ligue du Bien public bei. Zwei Mal wurde er begnadigt, beim dritten Mal jedoch in Carlat belagert und gefangen genommen. Jacques d’Armagnac wurde in die Bastille gebracht, wo ihn der König in einen Eisenkäfig sperren ließ. Nach der Verurteilung durch das Parlement von Paris wurde er am 4. August 1477 hingerichtet. 
von Armagnac, Graf Jacques (I42628)
 
50418 Zitat aus: https://de.wikipedia.org/wiki/Jacques_d’Estouteville (Sep 2023)

Gemeinsam mit seinem Bruder Guy führte er nach der Wiederverheiratung seiner Mutter (um 1470 mit Bertin de Silly) gegen sie einen Erbschaftsprozess.[3]

Er war Rat und Kämmerer des Königs, zudem Capitaine der Burg Falaise.

Jacques d‘Estouteville starb am 12. März 1490 (neuer Stil) und wurde in der Kirche der Abtei Valmont bestattet. Um 1490/1495 wurden zwei Gisants angefertigt und im Chorumgang aufgestellt. In geschnitztem und poliertem Alabaster liegt er auf dem gleichen Sockel wie seine Frau, er im Kettenhemd, seine Füße auf einem Löwen ruhend, sie an seiner Seite in einem Faltenkleid, ein Schleier umgibt ihr Gesicht, ihre Füße ruhen auf einem Widder. In den Sockel sind Heiligenfiguren in Nischen geschnitzt: Ludwig der Heilige, Katharina von Alexandrien, Adrian von Nikomedien, Johannes der Täufer, Anna und die Jungfrau mit Kind. Die Gisants wurden am 20. September 1982 als Monument historique eingestuft.[4]

 
von Estouteville, Herr Jacques (I42660)
 
50419 Zitat aus: https://de.wikipedia.org/wiki/Jacques_II._de_Bourbon,_comte_de_La_Marche (Sep 2023)

Nach seiner Rückkehr (vom Kreuzzug) nach Frankreich wurde Jacques Jahre später ein Kommando übergeben, um den aufständischen Waliser Owain Glyndŵr zu unterstützen. Er traf jedoch zu spät bei seinen Truppen ein, da er bei Hofe Zeit verlor, und musste sich damit begnügen, die Gegend um Plymouth in Cornwall zu plündern. Auf der Rückfahrt verlor er im Jahr 1404 zwölf Schiffe in einem Sturm.

1411 verbündete er sich mit Johann Ohnefurcht im Bürgerkrieg der Armagnacs und Bourguignons.

1415 heiratete er in zweiter Ehe Johanna II., Königin von Neapel. Johanna wurde völlig von Muzio Attendolo Sforza und ihrem Liebhaber Pandolfo Alopo beherrscht, was die Barone des Königreichs dazu brachte, ihr einen Ehemann an die Seite zu stellen, der stark genug sein sollte, die Macht ihrer Favoriten zu brechen, aber nicht selbst König werden wollte. Die Wahl fiel auf Jacques de Bourbon, der 1414 zum Fürsten von Tarent ernannt wurde, und 1415 die Königin heiratete. Jacques ließ Alopo töten und Sforza einkerkern, hielt seine Frau fast in Isolation und ließ sich auch zum König krönen, was wiederum zu Reaktionen bei den Baronen führte. Sie setzten ihn fest und zwangen ihn, Sforza 1416 freizulassen, auf sein Königtum zu verzichten und schließlich 1419 das Land zu verlassen.

1428 verbündete er sich mit König Karl VII. gegen die Engländer, wurde zum Gouverneur des Languedoc ernannt, gab diese Aufgabe aber gegen eine Rente wieder auf und kehrte an den königlichen Hof zurück. 1435 trat er in Besançon den Franziskanern bei. Er starb drei Jahre später. Seine Nachfolgerin in La Marche und Castres wurde seine Tochter Eleonore. 
von Bourbon-La Marche, Graf Jacques II. (I42647)
 
50420 Zitat aus: https://de.wikipedia.org/wiki/Jakob_Fugger (Sep 2023)

Das Familienunternehmen baute er innerhalb weniger Jahrzehnte zu einem europaweit tätigen Unternehmen aus. Seine Ausbildung hatte er bereits als 14-Jähriger in Venedig begonnen, wo er sich wohl bis gegen 1487 überwiegend aufhielt. Jakob Fugger war zugleich Kleriker und besaß eine Pfründe, hat jedoch nie in einem Kloster gelebt. Die Grundlage des Familienvermögens wurde vorwiegend durch den Baumwollhandel mit Italien geschaffen. Die Familienfirma wuchs rasch, nachdem die Brüder Ulrich, Georg und Jakob Fugger in Bankgeschäfte mit den Habsburgern und der Kurie, parallel dazu zunächst in die Montanwirtschaft in Tirol und ab 1493 in den Abbau von Silber und Kupfer im heutigen Tschechien und der Slowakei einstiegen. Ab 1525 besaßen die Fugger Rechte zum Abbau von Quecksilber und Zinnober in Almadén (Spanien).

Nach 1487 bestimmte de facto Jakob Fugger die Geschäftspolitik, die sich in etwas mehr als einem Jahrzehnt „von einem konventionellen Handelsunternehmen mittlerer Reichweite zu einem europaweit agierenden Konzern mit ausgeprägten Schwerpunkten im Montan- und Banksektor“[1] entwickelte. Das Unternehmen nahm zeitweilig eine monopolartige Stellung auf dem europäischen Kupfermarkt ein. Kupfer aus Oberungarn (heutige Slowakei) wurde über Antwerpen nach Lissabon und von dort weiter nach Indien verschifft. An der ersten und einzigen Handelsfahrt deutscher Kaufleute nach Indien (1505/06) in einer portugiesischen Flotte war Jakob Fugger ebenso beteiligt wie 1525 an einer frühen, allerdings gescheiterten spanischen Handelsexpedition zu den Molukken.

Mit seiner Unterstützung für das Haus Habsburg beeinflusste der Augsburger Bankier die europäische Politik. Er finanzierte den Aufstieg Kaiser Maximilians I. sowie maßgeblich die Wahl dessen Enkels, des spanischen Königs Karl zum römisch-deutschen König. Jakob Fugger finanzierte auch die Eheschließungen mit dem Haus der Jagiellonen (Wiener Hochzeit 1515), die in der Folge die Königreiche Böhmen und Ungarn für das Haus Habsburg sicherten. Er half zudem, Kriege und militärische Feldzüge zu finanzieren. Dazu zählen der Schweizerkrieg von 1499, der zwischen dem Schwäbischen Bund und der schweizerischen Eidgenossenschaft ausgetragen wurde, und die Kriege, die Maximilian I. gegen Frankreich und Venedig führte.[2] Während des Deutschen Bauernkriegs (1524/1525) stand er auf der Seite der Fürsten, die den Aufstand blutig niederschlugen.[3]

Bleibende Berühmtheit sicherten Jakob Fugger seine Augsburger Stiftungen. Die von ihm gestiftete, von 1509 bis 1512 errichtete und dann prachtvoll ausgestattete Fuggerkapelle in St. Anna ist die Grablege der Brüder Ulrich, Georg und Jakob Fugger und der erste Renaissancebau Deutschlands. Die offiziell 1521 gestiftete Fuggerei, eine Armensiedlung für arbeitswillige Augsburger Handwerker und Tagelöhner, ist heute die älteste erhaltene Sozialsiedlung der Welt. Die Errichtung der Fuggerei diente auch dem Ziel, das öffentliche Ansehen Fuggers zu verbessern.[4] Der 1515 erbaute Damenhof in den Augsburger Fuggerhäusern ist der erste Profanbau der deutschen Renaissance.

Mit dem Kauf der Grafschaft Kirchberg und der Herrschaft Weißenhorn mit der Stadt Weißenhorn sowie der Herrschaften Wullenstetten und Pfaffenhofen südlich von Ulm durch Jakob Fugger im Jahr 1507 begann der Aufstieg der Fugger „von der Lilie“ in den Adel. 1511 wurde der bürgerliche Unternehmer Jakob Fugger aus lehensrechtlichen Gründen in den Adelsstand erhoben. „Die Erhebung eins Kaufmanns in den Freiherrenstand war ein Vorgang ohne Parallele im Reich“.[5] 1514 machte ihn Kaiser Maximilian I. zum Reichsgrafen. 1508 erwarb Jakob Fugger zudem die Hofmark Schmiechen an der östlichen Lechleite südlich und die Herrschaft Biberbach mit der Burg Markt im Lechtal nördlich von Augsburg.

Leben
Herkunft, Ausbildung und frühe Jahre in Venedig
Jakob Fugger wurde als zehntes von elf Kindern von Jakob Fugger dem Älteren (* nach 1398; † 1469) und dessen Frau Barbara (1419–1497), Tochter des Münzmeisters Franz Bäsinger, geboren. Die Fugger, mittlerweile in zweiter Generation Bürger in Augsburg, hatten sich als erfolgreiche Kaufleute in der Stadt etabliert. Der nicht unvermögende Hans Fugger, der Großvater Jakob Fuggers „des Reichen“, war 1367 nach Augsburg eingewandert: Er erwarb das Bürgerrecht durch Heirat und kam durch Baumwollhandel mit Italien bereits zu einem beträchtlichen Vermögen. Sein Sohn Jakob Fugger d. Ä. zählte wenige Jahre vor seinem Tod bereits zu den reichsten Augsburger Bürgern.

Jakob Fugger hatte sechs ältere Brüder. Andreas und Hans starben jung in Venedig, ebenso Peter 1473 in Nürnberg. Sein Bruder Markus war Geistlicher, ab 1470 Schreiber in einer päpstlichen Kanzlei in Rom, wo er 1478 verstarb. Die verbleibenden Brüder Ulrich (1441–1510) und Georg (1453–1506), schufen die Grundlagen für den europaweiten Aufstieg der Firma. Sie gründeten um 1470 Faktoreien in den wichtigen Handelszentren Venedig und Nürnberg. Kredite Ulrich Fuggers an den Habsburger Kaiser Friedrich III. sollen die Ursache dafür sein, dass den Fuggern 1473 vom Kaiser das Lilienwappen verliehen wurde. Nach diesem Wappen nannte sich dieser Zweig der Familie in Unterscheidung von den Verwandten „vom Reh“ seitdem „von der Lilie“.

Bis zum Jahr 2009 waren Historiker davon ausgegangen, dass Jakob Fugger, der als 12-Jähriger die niederen Weihen erhalten hatte, bis 1478 als Kanonikus im mittelfränkischen Stift Herrieden gelebt habe. Ein Dokument aus dem Haus-, Hof- und Staatsarchiv in Wien belegt allerdings, dass Jakob Fugger bereits 1473, also im Alter von 14 Jahren, die Fugger in Venedig vertrat.[7] Die neuere Forschung geht davon aus, dass Jakob Fugger von 1473 bis 1487 überwiegend am Fondaco dei Tedeschi, dem Haus der deutschen Kaufleute in Venedig, tätig war. Venedig war nicht nur die Handelsdrehscheibe für den Mittelmeerraum. Die Lagunenstadt ermöglichte Jakob Fugger zudem eine fundierte Ausbildung im Bankwesen und vor allem im Metallgeschäft. Der mehrjährige Italienaufenthalt Jakob Fuggers führte später dazu, dass er in Augsburg die ersten Renaissancebauten Deutschlands errichten ließ. Auch die juristischen und architektonischen Strukturen der von ihm gestifteten Fuggerei dürften von Sozialsiedlungen in Venedig angeregt und beeinflusst worden sein.

Der Einstieg in die Montanwirtschaft
Frühe Geschäfte im Montanwesen tätigte Jakob Fugger bei Salzburg. Den selbstständigen Silbergrubenbesitzern der Salzburger Schieferalpen, die ständigen Kapitalbedarf hatten, lieh er Geld. Dafür ließ er sich jedoch nicht – wie es üblich gewesen wäre – Schuldscheine ausstellen, sondern forderte Kuxe (eine Art von Aktienbeteiligung am Vermögen einer bergrechtlichen Gewerkschaft) und konnte über diese Beteiligung immer mehr Bergbauunternehmer im Raum Gastein und Schladming zwingen, das Silber direkt an die Fugger zu verkaufen, statt es an Zwischenhändler abzugeben.

Jakob Fugger war für die Fugger‘schen Geschäfte auf der Linie Augsburg – Tirol – Venedig – Rom verantwortlich. Um 1485 gründeten die Fugger auch eine Faktorei in Innsbruck (Faktorei ab 1510 in Hall, ab 1539 in Schwaz). Dort kam Jakob Fugger 1485 durch einen kleinen Kredit erstmals mit dem Tiroler Landesherrn Erzherzog Sigmund ins Geschäft. Dieser Habsburger hatte als alleiniger Eigentümer des Tiroler Bergregals Abbaurechte an private Grubenpächter vergeben, die einen Teil der Erträge als Pachtzahlung an Sigmund abzuführen hatten. Obwohl der Herzog aus diesem Geschäft über Einkünfte verfügte, die ihm den Beinamen „der Münzreiche“ eintrugen, war er ständig in Geldnot. Seine verschwenderische Hofhaltung, die Versorgung von zahlreichen unehelichen Kindern und seine umfangreiche Bautätigkeit machten die Aufnahme immer neuer Darlehen notwendig. Als ein Schadensersatz von 100.000 Gulden[8] fällig wurde, der als Kriegsfolge an Venedig zu zahlen war, sprang Jakob Fugger als Geldgeber ein. 1488 beliefen sich die Kreditverbindlichkeiten des Herzogs gegenüber den Fuggern auf über 150.000 Gulden. Neben dieser Summe war vor allem der Zahlungsweg bemerkenswert. Jakob Fugger zahlte die Gelder nicht an den Fürsten selbst aus, sondern an die Gläubiger. Hofstaat und Handwerker erhielten ihre Entlohnung direkt und pünktlich von den Fuggern. Den Fuggern stand in der Folge „zeitweilig alles Silber und Kupfer“ zu. 1517 beschafften die Fugger im Gegenzug zum Beispiel rund die Hälfte des Tiroler Staatshaushaltes.[9] Ein Tiroler Chronist schrieb: „in diesem Land ist Alles versetzt, was Geld beträgt, die Fugger von Augsburg haben das große Gut zu Schwaz inne und ziehen daraus jährlich 200.000 Gulden“. Bei solchen Klagen wurde freilich übersehen, dass es Maximilian I. war, der (mit wenigen Ausnahmen) „alle einträglichen Herrschaften und Gerichte“ verpfändete und daraus Nutzen zog. Der Historiker Eike Eberhard Unger hat ermittelt: „Dass allerdings die Fugger nicht immer so riesige Gewinne machten, wie man es ihnen nachsagte […]“.[9] Matthäus Schwarz war der Hauptbuchhalter der Fugger-Gesellschaft und Vertrauter der Familie. Nach seiner Kaufmannslehre in Mailand und Venedig, wo er Kenntnisse in Buchhaltung erwarb, bekam er im Jahr 1516 eine Anstellung bei Jakob Fugger.

Die Verbindung zu Maximilian I.
Die Ausweitung der höchst riskanten, wenn auch äußerst lukrativen geschäftlichen Verbindung der Fugger zu Maximilian I. ist ohne Zweifel auf Jakob zurückzuführen. Auf seiner Einschätzung, das Haus Habsburg sei das für die Zukunft in Deutschland maßgebende Geschlecht, beruhte die Entscheidung, den gleichaltrigen Herrscher finanziell und damit machtpolitisch zu unterstützen. Jakob Fugger begegnete dem jungen römisch-deutschen König zum ersten Mal 1489 auf der Frankfurter Messe. Damals waren seine Pläne hinsichtlich des noch selbständigen Herzogtums Tirol bereits mit des Königs Kanzler Johann Waldner abgesprochen. Als am 16. März 1490 Herzog Sigmund und die Tiroler Landstände zusammenkamen, war nicht zufällig auch König Maximilian anwesend. Auf Druck der Stände, die ihm Misswirtschaft vorwarfen, musste Sigmund zugunsten Maximilians abdanken, der sich verpflichtete, alle Kredite des Vorgängers zurückzuzahlen.

Damit wurden die Fugger zu einem der wichtigsten Geldgeber Maximilians, der seit 1486 Mitregent im Heiligen Römischen Reich war. Maximilian wurde 1493 nach dem Tode seines Vaters Friedrich III. allein regierender römisch-deutscher König. Maximilian, „der letzte Ritter“, wie er auch genannt wurde, wurde früher als „der schlechteste Haushalter aller Habsburger und verschwenderisch bis an die Grenzen des Wahnsinns“ angesehen. Dieses Urteil wird heute differenzierter betrachtet: Trotz aller finanziellen Schwierigkeiten und zahlreicher gescheiterter politischer Projekte wird anerkannt, dass Maximilian I. letztlich seine Pläne verwirklichen konnte. Durch Heirat, nicht durch Feldzüge, sicherte er dem Haus Habsburg die Königreiche Spanien, Böhmen und Ungarn.

Am 15. Juli 1507 verkaufte der römisch-deutsche König Maximilian I. an Jakob Fugger die bei Ulm gelegene Grafschaft Kirchberg, die angrenzende Herrschaft Weißenhorn mit der dazugehörigen Stadt sowie die Herrschaften Wullenstetten und Pfaffenhofen an der Roth aus habsburgischem Besitz in Vorderösterreich[10] Dafür erhielt der Habsburger, der sich 1508 in Trient selbst zum Kaiser proklamierte, 50.000 Gulden. 1508 verkaufte Maximilian I. auch die Hofmark Schmiechen an Jakob Fugger, 1514 die Herrschaft Biberbach. Kaiser Maximilian I. erhob Jakob Fugger 1511 in den Adelsstand und ernannte ihn 1514 zum Reichsgrafen, damit der Augsburger Bürger seine Herrschaft ohne Widerstände aus dem Adel ausüben konnte.

Kritik des Reformators Martin Luther, dem wirtschaftliche Anforderungen weitgehend fremd waren, an den Geschäften der Fugger und romanhafte Darstellungen der Fuggergeschichte („Kauf dir einen Kaiser“ etc.) haben zu der Auffassung geführt, Jakob Fugger habe durch seine Kredite an Maximilian I. den König und Kaiser des Heiligen Römischen Reichs in der Hand gehabt. Die jüngere Forschung geht vielmehr vom Gegenteil aus.[11] Zum Ende seines Lebens hatte sich Maximilian I. derart stark bei Jakob Fugger verschuldet, dass der Augsburger Bankier wohl gar nicht mehr anders konnte, als die Habsburger weiter zu unterstützen, um so seine Forderungen zu sichern. Als Maximilians Enkel und Nachfolger, der spanische König Karl I., 1519 zum deutschen König und damit künftigen Kaiser des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation gewählt werden sollte, finanzierte Jakob Fugger allein die ungeheure Summe von 545.585 Gulden von den insgesamt knapp 852.000 Gulden Wahlgeldern für die deutschen Kurfürsten. Damit wollte er die Wahl des französischen Königs Franz I. verhindern, durch die seine Forderungen in Gefahr geraten wären. Doch dadurch hatte Jakob Fugger die Augsburger Familienfirma in Abhängigkeit von den Habsburgern gebracht. Später sollten die Fugger den weitaus größten Teil ihres Vermögens durch drei spanische Staatsbankrotte verlieren.

Das Montanunternehmen der Fugger
Wohl auf Drängen Jakob Fuggers wurde die Firma 1494 in eine der ersten offenen Handelsgesellschaften Europas (der compagnia palese des welschen Rechts) umgewandelt. Gleichzeitig erfolgte die Namensänderung in „Ulrich Fugger und Gebrüder von Augsburg“, um die Gleichberechtigung der drei beteiligten Brüder in geschäftlichen Fragen anzuzeigen. An dieser Entwicklung lässt sich der erheblich gestiegene Einfluss Jakobs innerhalb des Unternehmens ablesen. Wohl schon seit den späten 1480er Jahren bestimmte Jakob Fugger mehr und mehr die Firmenpolitik, wenngleich der älteste Bruder Ulrich nach außen stets das Unternehmen leitete. Darauf deutet hin, „dass die Tiroler Quellen fast durchgängig von Jakob Fuggers Gesellschaft sprechen und daß später auch die zentralen Verträge des Ungarischen Handels von ihm geschlossen wurden“.[12]

Das enorme Wachstumspotential im Bergbau und Erzhandel nutzte Jakob Fugger in den folgenden Jahren äußerst gewinnbringend. Als Sicherheit für Darlehen, die er den Habsburgern und auch dem König von Ungarn gegeben hatte, ließ er sich Bergwerkserträge in Tirol (Schwazer Bergbau) und Bergwerksrechte in Oberungarn übertragen. Auf diese Weise erwarb das Montanunternehmen schließlich im Heiligen Römischen Reich eine dominierende Stellung im Handel mit Kupfer. Mit ihrem Geschäftspartner Hans Thurzó gründeten die Fugger 1494 den „Ungarischen Handel“. Die von den Fuggern finanzierten Bergwerke in Neusohl (Banská Bystrica) gehörten zum Königreich Ungarn. Jakob schuf nun einen regelrechten Montankonzern: Neben einer Schmelzhütte in Neusohl wurden 1495 die Saigerhütte Fuggerau in Kärnten, bald darauf die Saigerhütten in Hohenkirchen in Thüringen und in Moschnitz (Moštenica in der heutigen Slowakei) gegründet. Verteilt wurde das Kupfer über Faktoreien in Breslau, Leipzig, Krakau und Ofen (im heutigen Budapest). Für den Transport zur Ostsee ließ Jakob Fugger eigens eine neue Straße über den Jablunkapass bauen, über den die Kupferlieferungen zu den Ostseehäfen in Danzig, Stettin und Lübeck transportiert wurden. Von dort wurde das Kupfer aus Oberungarn über Antwerpen nach Lissabon verschifft, wo es die wichtigste portugiesische Handelsware für den Export nach Indien darstellte. Auf den Kupfermarkt in Venedig gelangte Fugger‘sches Kupfer aus Neusohl über Wiener Neustadt und die Adriahäfen Triest und Zengg. In den schlesischen Goldbergbau stiegen die Fugger 1502 ein. Die slowakische Kupferförderung machte knapp 40 Prozent der europaweiten Kupferherstellung aus. Aus Tirol – wo die Fugger den Markt weitgehend beherrschten – stammten 40 Prozent des europäischen Kupfers. Die Augsburger Firma besaß somit in Europa eine marktbeherrschende Stellung im Kupfergeschäft, wenn auch kein Monopol. Das Handelsblatt schrieb: „Für die tausende von Bergleuten, die in den Fuggerschen Bergwerken und Verhüttungsbetrieben arbeiteten, war das Leben (…) so unsicher und hart wie für das Industrieproletariat des 19. Jahrhunderts.“[13]

Die Fugger und die Hanse
Die Hanse oder Hanseatische Liga war die Bezeichnung für die Vereinigungen niederdeutscher Kaufleute, deren Ziel die Sicherheit der Überfahrt und die Vertretung gemeinsamer wirtschaftlicher Interessen besonders im Ausland war. Im Spätmittelalter besaß die Hanse, zu der mittlerweile mehr als 70 Städte an der Küste und im Inland zählten, das Handelsmonopol auf der Nord- und Ostsee. Das Handelshaus der Fugger hatte durch verschiedene Handelsverträge und auf selbst gebauten Straßen und auf Flüssen den Transport ihrer Montanprodukte an die Ostsee abgesichert. Von dort ging es auf dem Seeweg nach Antwerpen und Portugal und das stand in Konkurrenz zu den Interessen der Hanse. Die von der Hanse kontrollierten Seewege verloren mit den überseeischen Entdeckungen und der Verlagerung des Seehandels zunehmend an Bedeutung. Aufstrebender neuer Wirtschafts- und Finanzplatz wurde im Westen Antwerpen. Dort hatte Jakob Fugger eine eigene Faktorei, die den Handel zwischen Antwerpen und Lissabon betrieben. Über diesen Handelsweg kamen exotische Waren nach Augsburg. Denn im Zusammenwirken mit der portugiesischen Krone, vertreten durch Manuel I., fand er in dem von Portugal kontrollierten Ostindien und den Handelswegen dorthin ein Absatzgebiet für sein Kupfer.[14] Schon mit dem Beginn des 16. Jahrhunderts verlegten die Fugger ihre Handelsinteressen auch in den Norden Europas, um dort weitere Märkte zu erschließen und auszubauen. Die ersten Niederlassungen finden sich 1494 in Antwerpen, 1496 in Lübeck. Von Lübeck ausgehend wird besonders Danzig bedeutsam, von wo aus sie besonders den Kupferhandel betreiben. Die Hanse reagiert zu spät auf die oberdeutsche Konkurrenz der Fugger besonders gegenüber dem schwedischen Kupfer. Dadurch, dass sich Danzig, Stettin und Hamburg geweigert hatten, gemeinsam mit Lübeck gegen die Oberdeutschen vorzugehen, trat auch der Interessenskonflikt in den Vordergrund. Als im November 1510 ein holländisches Schiff mit 200 Tonnen Kupfer aus Oberungarn, dem Gebiet der heutigen Slowakei, aus dem Hafen Danzigs ablegte, wurde es nahe der Halbinsel Hela von der Besatzung eines Schiffs der Hanseatischen Liga aufgebracht.[15]

Das Handelshaus der Fugger erwartete von der Krone, vertreten in Maximilian I., den Beistand bei der Abschirmung seiner handelsstrategischen Expansionsstrebungen, die vom Baltikum ausgehend in das Gebiet des Großfürstentum Moskau führen sollten – damit auch den Schutz seiner Transporte für seine Montanprodukte, die über die Häfen des Baltikums ihren Weg nahmen. Eine Ächtung der Lübecker Hanse, die Fugger-Waren kaperte, unterblieb.[16] Der Einfluss der niederdeutschen Liga ließ ihn darüber hinaus noch fürchten, dass ein Monopolprozess gegen die Schwaben beim Reichsfiskal[B 1] in Gang gesetzt wurde. Als Resultat ergab sich, dass die Fugger keine nennenswerte Strafaktion gegen die Hanse bewirken konnte, diese jedoch wiederum seine Ausbreitung mit dänisch-russischer beziehungsweise polnisch-preußischer Hilfe 1513 im Baltikum hinnehmen musste. Die Papstwahl Leos X. führte in Südeuropa zu keiner Machtsteigerung der römischen Fuggerfiliale, da der aus dem Hause Medici stammende Papst seine familiären Kontakte bevorzugte. Dafür mehrte die Spannung zwischen der Republik Venedig und dem Kaiser, dessen Kreditersuchen an Fugger nicht nachließen, das soziale Ansehen der Fugger. Am 17. Juli 1514 wurde Jakob Fugger als erstem deutschen Kaufmann die Reichsgrafenwürde zuteil.

Der Vatikan als Kunde
Die Fugger standen um 1495 „als erstes oberdeutsches Handelshaus in direkten Geschäftsbeziehungen zur Kurie“.[17] Nach dem Tod Papst Alexanders VI. im August 1503 intensivierte Jakob Fugger seine Kontakte zum Vatikan in Rom. Dem neuen Papst Julius II. finanzierte er 1505/06 die Anwerbung der bis heute bestehenden Schweizergarde des Vatikan. Erste Geschäfte des 1478 verstorbenen Geistlichen Markus Fugger in Rom sind um 1473 bekannt. Für die Kurie transferierten die Fugger 1477 erstmals kirchliche Einnahmen aus Schweden nach Rom. Zwischen 1508 und 1524 hatten die Fugger (mit Unterbrechungen) die römische Münzstätte, die „zecca“, gepachtet. Aus dieser Zeit sind 66 Münzprägungen für vier Päpste belegt. Die Fugger waren danach (nicht zuletzt bedingt durch das Sacco di Roma von 1527 und den wenig deutschenfreundlichen Medicipapst Clemens VII.) nur noch bis Ende der 1530er Jahre mit einer Faktorei in Rom vertreten.

Als einer der führenden Bankiers in Europa und durch seine engen Kontakte zum Vatikan beteiligte sich Jakob Fugger auch am Ablasswesen. Ablässe waren damals ein gängiges Mittel zur Finanzierung von Kirchen, Spitälern und sogar Nordseedeichen. In Verruf kam das Ablasswesen lediglich durch den zu häufigen Gebrauch durch die baulustigen und kunstliebenden Renaissancepäpste sowie durch die am Ablass beteiligten Landesherrn.

Zum Erwerb zweier Erzbistümer stellte das Bankhaus dem Hohenzollern Albrecht von Brandenburg, seit 1513 Erzbischof von Magdeburg und ab 1514 zugleich Erzbischof von Mainz, 1515 ein Darlehen über 48.000 Gulden zur Verfügung. Um seine Schuld bei den Fuggern abzutragen, überließ Albrecht den Fuggern die ihm zustehende Hälfte aus dem von Papst Leo X. verkündeten neuen Ablass für den Bau des Petersdoms in Rom. Für die Fugger war der Ablasshandel darüber hinaus vom wirtschaftlichen Umfang her betrachtet lediglich ein völlig unbedeutendes Bankgeschäft.[18] Dennoch entstand durch den Ablasshandel erhebliches Konfliktpotential, das wegen seiner moralischen Fragwürdigkeit in den Folgejahren zur Durchsetzung der Reformation in Deutschland beigetragen hat. Das Verhalten des eingesetzten Ablasspredigers, des Dominikaners Johann Tetzel, gab Martin Luther den Anlass zu seinen 95 Thesen. 1520 schrieb Luther seinen Aufsatz An den christlichen Adel deutscher Nation und griff darin auch Jakob Fugger persönlich an: „Man müsste wirklich dem Fugger und dergleichen Gesellschaft einen Zaum ins Maul legen“.

Jakob Fugger und der Überseehandel
Der Warenhandel spielte für die Fugger im Vergleich zu ihren Montanunternehmen eine nur untergeordnete Rolle. Nur wegen der damit verbundenen Exotik nehmen die Beteiligungen Jakob Fuggers an frühen Handelsexpeditionen einen prominenten Platz in der Fuggergeschichte ein.

Nachdem der Portugiese Vasco da Gama 1498 den Seeweg nach Indien entdeckt hatte und damit das portugiesische Gewürzmonopol ermöglichte, beteiligte sich auch Jakob Fugger am Handel mit Gewürzen und eröffnete 1503 eine Faktorei in Lissabon. Er erhielt am 3. Oktober 1503 von der Casa da Índia die Erlaubnis, von Lissabon aus mit Pfeffer, sonstigen Gewürzen und Luxuswaren wie Perlen und Edelsteinen zu handeln. 1505 beteiligte sich das Unternehmen, gemeinsam mit anderen Augsburger, Nürnberger und genuesischen Handelshäusern, mit dem vergleichsweise kleinen Betrag von 3.000 Gulden an der ersten (und einzigen) Indienfahrt mit Beteiligung deutscher Firmen. Drei Handelsschiffe segelten mit der 22 Schiffe umfassenden Flotte des ersten portugiesischen Vizekönigs von Indien, Francisco de Almeida, am 25. März 1505 von Lissabon ab und erreichten am 13. September 1505 die indische Westküste. Die Fahrt endete 1506 mit der Rückkehr nach Lissabon. Obwohl ein Drittel der importierten Waren an den König von Portugal abzuführen war, betrug der Nettogewinn 175 %. Der portugiesische König erklärte den Gewürzhandel mit Indien jetzt zum Kronmonopol, um sich die Einnahmen zu sichern und fremde Kaufleute auszuschließen. Auf die Kupferlieferungen der Fugger blieben die Portugiesen allerdings angewiesen, da Kupfer im Indienhandel ein unverzichtbares Exportgut darstellte und nur Jakob Fugger in der Lage war, die notwendigen Mengen verlässlich zu liefern. Mit den Portugiesen hatten die Fugger übrigens schon 1493 in Augsburg über eine schließlich nicht durchgeführte China-Expedition verhandelt.

Anders als die Augsburger Welser beteiligten sich die Fugger nur äußerst vorsichtig am Handel mit dem fernen Osten und dem 1492 entdeckten Amerika. Auch an einer zweiten Handelsexpedition im Jahr 1525, die an der Südspitze Amerikas vorbei zu den Gewürzinseln führen sollte, beteiligte sich Jakob Fugger lediglich mit einer vergleichsweise kleinen Summe selbst. Der völlige Misserfolg der Molukkenexpedition des Spaniers Garcia de Loaisa gab dem nüchternen Augsburger Kaufherrn recht.

Die große Krise Jakob Fuggers
Vor allem für den Bergbau in Oberungarn benötigten die Fugger enormes Kapital – das die Firma zu dieser Zeit noch bei Weitem nicht aufbringen konnte. 1496 war deshalb Kardinal Melchior von Meckau der Hauptgeldgeber der Fugger. Der Fürstbischof von Brixen hatte am Domkapitel vorbei heimlich über Jahre hin etwa 150.000 Gulden bei Fugger gegen Zins angelegt. So umging der Kirchenfürst das offiziell geltende kirchliche Zinsverbot. 1509 verstarb von Meckau plötzlich in Rom. In seinem Ärmel wurden Depositenzettel gefunden, die diese Anlage verrieten. Der Papst, das Bistum Brixen und die Familie von Meckaus forderten nun als potentielle Erben die sofortige Auszahlung der Einlage, was die Fugger in die Zahlungsunfähigkeit getrieben hätte. In dieser Situation zeigte sich die politische Hilfestellung, die Kaiser Maximilian seinem Bankier angedeihen ließ. Der Kaiser erklärte sich gegenüber Papst Julius II. dazu bereit, in dessen kriegerische Auseinandersetzung mit Venedig einzugreifen. Dafür wurde der Habsburger als Erbe des verstorbenen Kardinals von Meckau anerkannt und die Erbschaft – die plötzlich nur noch 100.000 Gulden umfasste – konnte mit offenen Forderungen der Fugger verrechnet werden. Von den Fuggern wurde der Papst mit Juwelen abgefunden. Noch im selben Jahr 1509 allerdings forderte der Kaiser die entsprechende Gegenleistung, und Jakob Fugger unterstützte ihn mit 170.000 Gulden bei dessen Feldzug gegen Venedig.

Jakob Fugger führte seit dem Tod seines Bruders Ulrich (Georg war 1506 gestorben) das Familienunternehmen allein und geradezu monarchisch. Das Familienunternehmen firmierte nun unter dem Namen „Jakob Fugger und Gebrüder Söhne“. In den Jahren bis zu seinem Tod gelang es Fugger, das Eigenkapital der Familienfirma, das 1511 noch bei rund 200.000 Gulden lag, auf rund zwei Millionen Gulden zu steigern.

Nachdem Jakob Fugger zunächst und zuvor den Rat von Juristen gesucht hatte, trat er mit Johann Eck in Verbindung. Eck argumentierte, dass die Einlagen zu Zins und Verlust nicht bedenklich seien, im Gegensatz zu festverzinslichen Anlagen. Die Vorarbeiten leistete Eck mit seinem Tractatus de contractu quinque de centum (1514), er führte darin dreihundert Argumente auf. Fugger bat Eck, ein Gutachten über den Depositenvertrag zu erstellen, in dem er sich dem traditionellen Zinsverbot der römisch-katholischen Kirche entgegenstellte und ihn für einen Zins von fünf Prozent eintreten ließ. Am 12. Juli 1515 erregte er bei einer Disputation zur Frage des Zinsverbotes, oberdeutscher Zinsstreit, an der damals weltberühmten Universität Bologna Aufsehen. In der zentralen Frage des Zinsnehmens plädierte Eck, der schon zuvor Kontakte zum Bankhaus Fugger in Augsburg gehabt hatte, im Sinne einer damals modernen Position für einen Zins von fünf Prozent.[19] (Johann Eck zum Zinsverbot).

Die Wahl Karls V. im Jahr 1519
Kaiser Maximilian verstarb im Januar 1519 und hinterließ seinem Enkel Karl I., dem Herzog von Burgund und spanischen König, die Habsburgischen Erblande mit den burgundischen Nebenländern und einen umstrittenen Anspruch auf den römisch-deutschen Kaiserthron. Um seine Forderungen an das Haus Habsburg (mehr als 170.000 Gulden) politisch abzusichern, unterstützte Jakob den 19-jährigen Thronanwärter bei seiner Wahl zum römisch-deutschen König. Auch der englische König Heinrich VIII. und der französische König Franz I. hatten ihre Kandidatur angemeldet. Franz I. hatte sich sogar schon im Vorfeld der Wahl die Wahlstimmen des Kurfürsten und Erzbischofs von Trier sowie des Kurfürsten von der Pfalz gesichert und überdies 300.000 Gulden Wahlgeld geboten. Das Kurfürstenkollegium bestand aus drei geistlichen (den Erzbischöfen von Mainz, Köln und Trier) sowie vier weltlichen Fürsten (dem König von Böhmen, dem Herzog von Sachsen, dem Markgraf von Brandenburg und dem Pfalzgraf bei Rhein). In dieser für Karl I. sehr schwierigen Situation entschied die Kapitalkraft Jakob Fuggers die Wahl zugunsten des spanischen Königs. Er transferierte die ungeheuerliche Summe von 851.918 Gulden an die sieben Kurfürsten, woraufhin der Habsburger Karl am 28. Juni 1519 einstimmig zum römischen König gewählt wurde. Von der Gesamtsumme brachte Jakob Fugger beinahe zwei Drittel, nämlich 543.585 Gulden selbst auf. Das restliche Drittel wurde von den Welsern (rund 143.000 Gulden) und drei italienischen Bankiers (jeweils 55.000 Gulden) finanziert. Diese Wahlgelder werden des Öfteren als Bestechung verstanden. Doch der Interessenausgleich zwischen neuem König und Kurfürsten war auch bei früheren und späteren römisch-deutschen Königswahlen Usus: Ungewöhnlich war lediglich die Höhe des Betrags von 1519, der aus der Unsicherheit über den Wahlausgang resultierte, sowie der Ausgleich in Geld statt in Land, Titeln oder Rechten.

Der Papst erlaubte dem römischen König Karl V. wenige Tage später, sich auch „Erwählter Kaiser“ zu nennen. Erst 1530 wurde Karl. V. in Bologna vom Papst tatsächlich zum Kaiser gekrönt. Es war die letzte Krönung eines Kaisers durch den Papst überhaupt.

Karl V., der über ein Reich gebot, „in dem die Sonne nie unterging“, stand nun tief in der Schuld des Fuggers. 1521 beliefen sich die Schulden Karls V. bei Jakob Fugger auf 600.000 Gulden. Der Kaiser tilgte 415.000 Gulden dadurch, dass er die Fugger durch die Tiroler Silber- und Kupferproduktion entschädigte. Als auf dem Reichstag in Nürnberg 1523 die Reichsstände eine Begrenzung des Handelskapitals und der Zahl der Niederlassungen von Firmen diskutierten, erinnerte Jakob Fugger seinen Kaiser an die seinerzeit gewährte Wahlbeihilfe: „Es ist auch wissentlich und liegt am Tage, dass Eure Kaiserliche Majestät die römische Krone ohne mein Zutun nicht hätte erlangen können, […]“ .[20] Mit der gleichzeitig erhobenen Forderung auf sofortige Begleichung der offenen Verbindlichkeiten erreichte Jakob von Kaiser Karl V., dass die Überlegungen zur Monopolbeschränkung nicht weiterverfolgt wurden. 1525 erhielt Jakob Fugger außerdem die dreijährige Pacht der Quecksilber- und Zinnoberminen in Almadén in Kastilien zugesprochen. Bis 1645 blieben die Fugger im spanischen Bergbaugeschäft.

Jakob Fugger und der Deutsche Bauernkrieg (1524/1525)

Jakob Fugger nannte die aufständischen Bauern „faules Gesindel.“ Er warf ihnen vor, „sie wollen reich sein, ohne sich anzustrengen“.[21] Um die oftmals in Leibeigenschaft lebenden revoltierenden Bauern zu bekämpfen, stellte der Schwäbische Bund im Auftrag der Fürsten ein Heer zusammen. „Auch Jakob Fugger beteiligte sich durch finanzielle Unterstützung des Bundesheeres am Krieg gegen die Bauern.“[22] Angeführt von Georg Truchseß von Waldburg-Zeil („Bauernjörg“) gelang es dem Schwäbischen Bund, die Revolte der Bauern in mehreren Schlachten blutig niederzuschlagen. Zehntausende von Bauern wurden getötet, ihre Anführer bei lebendigem Leib verbrannt oder geköpft. Buchautor Greg Steinmetz schrieb: „Wie so viele Investitionen hatte sich Jakobs Wette auf den Truchseß bezahlt gemacht. In Süddeutschland kehrte Ruhe ein. Die Waren, die nach der Frankfurter Handelsmesse in einem Warenlager liegen geblieben waren, konnten endlich problemlos nach Augsburg transportiert werden.“[23]

Stiftungen und Bauten Jakob Fuggers
Die Fuggerkapelle in der Augsburger Annakirche
Gemeinsam mit seinem Bruder Ulrich und auch im Namen des 1506 verstorbenen Bruders Georg stiftete Jakob Fugger 1509 ihre gemeinsame Grablege, die Fuggerkapelle in der Augsburger Karmeliterklosterkirche St. Anna. Die bis 1512 erbaute, in den folgenden Jahren prachtvoll ausgestattete Fuggerkapelle wurde nach italienischem Vorbild geplant und ist damit der erste Renaissancebau in Deutschland. Vor allem venezianische, aber auch florentinische und römische Grabkapellen beeinflussten die Schöpfung eines unbekannten Baumeisters sowie die an der Kapelle beteiligten Künstler. An der Ausstattung der Kirche waren bedeutende deutsche Meister beteiligt: Albrecht Dürer, Hans Burgkmair d. Ä., Jörg Breu d. Ä. und Hans Daucher. Dürer schuf die Epitaphe Ulrich und Georg Fuggers, Jörg Breu bemalte die Flügelbilder der großen und kleinen Orgel, Hans Daucher gestaltete die zentrale Fronleichnamsgruppe sowie die Putten auf der Marmorbalustrade vor der Kapelle. Die Klosterkirche St. Anna wurde später zum protestantischen Gotteshaus, weshalb sich hier nur noch zwei Neffen Jakob Fuggers bestatten ließen. Doch die Grabkapelle der katholischen Fugger in der protestantischen Kirche ist heute eine der großen Sehenswürdigkeiten Augsburgs, die erst 1521 offiziell niedergelegte religiöse Stiftung besteht bis heute. Früher hat man geglaubt, dass die Fugger die Stiftung der Fuggerkapelle aus Angst um ihr Seelenheil getätigt hätten. Die jüngere Forschung geht heute davon aus, dass sich Jakob Fugger mit diesem wegen seiner Pracht viel bewunderten, andererseits auch heftig kritisierten Bau seine Erhebung in den Adelsstand vorzubereiten versuchte. Zudem wollte sich Fugger mit diesem innovativen und einzigartigen Bauwerk von den Augsburger Patriziern und anderen reichen Familien in der Stadt absetzen. Darüber hinaus sollte die Kapelle den Namen der Fugger nach dem Vorbild italienischer Stifter verewigen (Memoria).[24]

Die Augsburger Fuggerhäuser
Die Fugger besaßen in Augsburg bereits zwei große Häuser in prominenter Lage, als sich Jakob Fugger von 1512 bis 1515 die Fuggerhäuser am damaligen Weinmarkt (heutige Maximilianstraße) errichten ließ. Baumeister dieser Stadtresidenz, für die zwei Anwesen zu einem gemeinsamen Bau umgestaltet wurden, ist vermutlich der Augsburger Hans Hieber. 1515 ließ Fugger den Damenhof in den Fuggerhäusern bauen. Dieser im Stil florentinischer Innenhöfe gestaltete Prunkhof war der erste Profanbau der deutschen Renaissance. Die Fuggerhäuser waren das Wohnhaus Jakob Fuggers und seiner Ehefrau Sibylla und seitdem der neue Verwaltungssitz der Familienfirma. 1523 ließ Jakob Fugger diesen Komplex, der auch auf die Bewirtung illustrer Gäste ausgelegt war, noch einmal erweitern.

Spätere Fugger bauten den Komplex der Fuggerhäuser immer weiter aus. Unter Anton Fugger (1493–1560) wurde ein kaiserliches Palatium für Kaiser Karl V. errichtet, das auch späteren Kaisern als Herberge bei den Reichstagen in Augsburg diente. In den Fuggerhäusern wurde Martin Luther 1519 vom Kurienkardinal Thomas Cajetan einem Verhör unterzogen. Hier haben sich neben den Kaisern Maximilian I., Karl V., Ferdinand I. und Rudolf II. unter anderem auch der schwedische König Gustav II. Adolf, Albrecht Dürer, Tizian sowie Wolfgang Amadeus Mozart (anlässlich eines Konzerts im Jahr 1777) aufgehalten.

Im Zweiten Weltkrieg wurden 1944 die Fuggerhäuser bei Luftangriffen auf Augsburg weitgehend zerstört und bis 1955 vereinfacht wiederaufgebaut. Die vier Innenhöfe sowie die berühmten „Badstuben“, zwei Sammlungsräume Hans Fuggers (1531–1598), sind erhalten. Die Fuggerhäuser sind bis heute im Besitz der fürstlichen Familie Fugger-Babenhausen. In einem Teil der Fuggerhäuser hat heute die Fürst Fugger Privatbank ihren Stammsitz.

Die St.-Moritz-Prädikatur-Stiftung
Jakob Fugger hatte sich seit 1515 für eine bessere Predigt in der Pfarrkirche seiner Familie, der Augsburger Stiftskirche St. Moritz, eingesetzt. 1517 stellte Papst Leo X. eine Bulle aus, die Jakob Fugger und seinen Erben das Patronatsrecht für eine Predigerstelle der Kirche verlieh. Da die St.-Moritz-Prädikaturstiftung noch immer existiert, schlagen die Fugger bis heute den Pfarrer der Stadtpfarrkirche St. Moritz vor.

Die Augsburger Fuggerei
Ab 1516 ließ Jakob Fugger eine Siedlung für bedürftige Augsburger Handwerker und Tagelöhner errichten. Bis 1523 waren 52 Häuser der Reihenhaussiedlung gebaut. „Fuckerey“ wurde die heute älteste bestehende Sozialsiedlung der Welt erstmals 1531 genannt. Die Fuggerei war ursprünglich für Augsburger Mitbürger gedacht, die unverschuldet verarmt waren und die aus eigener Kraft wieder einen eigenen Hausstand außerhalb der Sozialsiedlung gründen wollten. Zahlreiche Handwerker gingen in der Fuggerei ihrer Arbeit nach. Bewohner waren häufig Familien mit zahlreichen Kindern. Die Jahresmiete betrug einen Rheinischen Gulden (der Wochenlohn eines Handwerkers), eine ideelle Gegenleistung liegt zudem in drei Gebeten (das Vaterunser, das Glaubensbekenntnis und das Ave Maria), das alle Bewohner einmal täglich für den Stifter und seine Familie sprechen sollten. Die Fuggerei wurde von Jakob Fugger ausdrücklich auch im Namen seiner bereits verstorbenen Brüder Ulrich und Georg gestiftet. Handelsblatt-Autor Guido Komatsu bezeichnete die Fuggerei als „steingewordene Werbebroschüre“ der Fugger, als „ein Lehrstück über Medienwirkung und Storytelling“.[25] Komatsu urteilt außerdem, die Errichtung der Fuggerei war eine „geringe Investition, verglichen mit der Fuggerschen Wirtschaftskraft“.[26]

In der im Laufe der Zeit auf 67 Häuser und um eine Kirche und Verwaltungsgebäude erweiterten Fuggerei leben heute rund 150 Menschen. Gemäß dem 1521 unterzeichneten Stiftungsbrief dürfen ausschließlich bedürftige katholische Augsburger Bürger in die Fuggerei ziehen. Sie sprechen bis heute täglich die drei Gebete. Die nominal, inflationslos umgerechnete Jahres(kalt)miete für eine der rund 60 Quadratmeter großen Wohnungen in der Sozialsiedlung beträgt heute nur noch 0,88 Euro. Die Fuggerei wird aus der Stiftung Jakob Fuggers finanziert, die im 17. Jahrhundert glücklicherweise aus einer Kapitalstiftung in eine Anlagestiftung umgewandelt wurde. Bis vor wenigen Jahren wurde die Fuggerei lediglich aus dem Forst- und Immobilienbesitz der Stiftung finanziert; seit 2006 kommen Einnahmen aus Eintrittsgeldern hinzu. Verwaltet wird die Fuggerei von der Fuggerschen Stiftungs-Administration, deren Aufsichtsgremium das Fürstlich und Gräflich Fuggersche Familienseniorat ist. Es besteht aus Vertretern der drei Linien Fugger von Kirchberg und Weißenhorn, Fugger-Babenhausen und Fugger von Glött.

Weitere Stiftungen und Bauten Jakob Fuggers
Jakob Fugger hat zahlreiche Kirchen und Klöster in Augsburg mit Stiftungen bedacht, so auch die Dominikanerklosterkirche St. Magdalena (heute Sitz des Römischen Museums Augsburg). Sein Stifterwappen findet man dort wie im nahen Kreuzgang des einstigen Katharinenklosters. Noch unter Jakob Fugger wurde auch die Kirche St. Blas im spanischen Almagro[27] gestiftet. Auch die ursprünglich von seinem Bruder Markus Fugger gestiftete Markuskapelle (heute: Capella del Crocefisso) in Santa Maria dell’Anima, der Kirche der deutschen Gemeinde in Rom, wurde unter Jakob Fugger von 1500 bis 1514 neu errichtet. Wohl noch zu Zeiten Jakob Fuggers entstand die Schlosskapelle von Oberkirchberg, St. Sebastian. 1513/14 ließ Fugger das Neue Schloss in Weißenhorn bauen.

Ehe, Nachfolger und Erbe
1498 heiratete der fast 40-jährige Jakob Fugger Sibylla Artzt (auch: Arzt), die 18-jährige Tochter eines angesehenen Augsburger Bürgers. Durch diese Hochzeit erhielt Jakob Fugger wie schon seine Brüder Ulrich und Georg Zugang zur vornehmen Augsburger Herrentrinkstube. Wenige Jahre nach der Hochzeit kaufte Jakob Fugger zwischen 1502 und 1506 von der Stadt Basel für 40.000 Gulden für seine junge Frau Juwelen aus dem Burgunderschatz, den die Schweizer Eidgenossen 1476 in der Schlacht gegen Karl den Kühnen von Burgund erbeutet hatten. Jakob Fugger verbrachte viel Zeit in seinem Kontor sowie auf Geschäftsreisen und wenig Zeit mit seiner Frau. Die Ehe der beiden blieb kinderlos. Nach Jakob Fuggers Tod am 30. Dezember 1525 heiratete die Witwe Sybille Fugger gegen alle Konventionen nur sieben Wochen später Konrad Rehlinger d. Ä., der ein Geschäftsfreund ihres Mannes gewesen war, und trat zum protestantischen Glauben über.

Jakob Fugger starb am 30. Dezember 1525 als der wohl reichste Unternehmer Europas. Die von seinen Erben durchgeführte Bilanz aus dem Jahr 1527 ergab Aktiva von 3.000.058 Gulden, Passiva von 867.797 Gulden und damit einen Überschuss von rund 2,1 Millionen Gulden. Unter den Aktiva waren allerdings 1.650.000 Gulden enthalten.[28] Eine Umrechnung dieses Vermögens in heutige Wertverhältnisse ist aufgrund der heutigen Geldumlaufmenge und anderer Parameter bestenfalls eingeschränkt möglich. Nach einem Bericht der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom Dezember 2016 betrug sein in die heutige Kaufkraft umgerechnetes Vermögen die Summe von 300 Milliarden US-Dollar. Danach wäre er die vermögendste Privatperson in der Geschichte der Menschheit gewesen.[29]

Weil er keine eigenen Nachfahren hatte, gingen die Firma und ihr Vermögen bei seinem Tod auf seine Neffen Raymund und Anton Fugger über, wobei Anton die Firma leitete. Mit seinem Tod im Jahr 1560 endete das „Zeitalter Fugger“.

Zeitgenössische Porträts von Dürer und weiteren
→ Hauptartikel: Jakob Fugger der Reiche (Dürer)
Im Sommer 1518 hielt sich Albrecht Dürer als Vertreter der Stadt Nürnberg auf dem Reichstag in Augsburg auf. Bei dieser Gelegenheit entstand eine Skizze mit dem Porträt Jakob Fuggers. Das Original des später von Dürer als Ölgemälde ausgeführten Bildes befindet sich heute in der Staatsgalerie Altdeutsche Meister im Schaezlerpalais in Augsburg. Dürer hat Jakob Fugger mit Sicherheit bereits in den Jahren 1505/06 als Ganzkörperporträt gezeichnet. Diese Zeichnung ging verloren. Erhalten sind dagegen Porträtzeichnungen Hans Holbeins d. Ä. und Hans Burgkmairs d. Ä. sowie ein gemaltes Porträt von Hans Maler zu Schwaz. Originell ist die Darstellung Jakob Fuggers auf einem der Orgelflügel in der Fuggerkapelle in St. Anna, die Jörg Breu d. Ä. geschaffen hat. Von einer geschnitzten Darstellung Jakob Fuggers in der Pose eines römischen Feldherrn aus dem zerstörten Chorgestühl der Fuggerkapelle sind nur Abgüsse von einer Kopie erhalten. Medaillen und Medaillons mit seinem Porträt sieht man zum Beispiel im Fuggermuseum Babenhausen. Jakob Fugger taucht zudem auf etlichen späteren Historiengemälden auf.

Würdigung
Anders als vielfach beschrieben, war Jakob Fugger weder der erste Kapitalist noch der früheste Global Player noch hat er den ersten internationalen Konzern aufgebaut. Frühkapitalismus mit Banken, Zinsnahme und bargeldlosem Zahlungsverkehr, Buchführungssysteme, Fernhandel, europaweite Filialnetze und firmeninterne Nachrichtensysteme sind Strukturen und Techniken, die italienischen Kaufleuten spätestens ab dem 13. Jahrhundert, also weit über ein Jahrhundert vor Jakob Fuggers Geburt, geläufig waren (zu den größten Bankiers Europas gehörten im 14. Jahrhundert die Florentiner Familien Bardi und Peruzzi). Der überseeische Handel der Firma beschränkte sich unter Jakob Fugger auf wenige, äußerst vorsichtige Beteiligungen an Handelsexpeditionen. Beeindruckend war in der Tat dagegen das Netz der Niederlassungen: Annähernd 20 Faktoreien sind bekannt: Nach denen in Venedig (1473 oder früher) und Nürnberg (spätestens ab 1474) kamen Faktoreien in Mailand (spätestens 1483), Innsbruck (1485), Antwerpen (1493), Rom (um 1500) und Lissabon (1503) hinzu. Weitere Faktoreien sind unter anderem aus Ofen (Budapest), Krakau, Neusohl, Danzig, Lübeck, Amsterdam, Breslau, Leipzig und Wien bekannt. Dazu kamen weit über 30 kleinere Niederlassungen, Bergwerke und Verarbeitungsbetriebe, die für regelmäßigen Ertrag und stete Gewinnsteigerung sorgten.

Überragend war Jakob Fuggers Fähigkeit, Stiftungen, Bauten und hochrangige Kunst als Medium der Prestigebildung und der Memoria seiner Familie einzusetzen. Er besaß mit Sicherheit ein ausgeprägtes Gespür für das Erarbeiten von Sozialkapital und das Bilden politischer Netzwerke durch „Beziehungsarbeit“.[11] Um ein Faktoreiennetz und eine Firmenstruktur mit dem Zuschnitt der Fugger und den damals zur Verfügung stehenden Verkehrs- und Informationstechniken führen zu können, muss es Jakob Fugger gelungen sein, äußerst fähige Mitarbeiter zu gewinnen und zu binden. Dies gilt auch für die eigenen Familienmitglieder, unter denen nur die fähigsten für seine Nachfolge in Frage kamen. Das Unternehmen führte Jakob Fugger, zumindest in den letzten 15 Jahren, absolut monarchisch. Härte gegen Konkurrenten und politische Gegner, seine eigenen Verwandten, wie auch gegen sich selbst wird immer wieder erkennbar.

Jakob Fugger zählt zu den bekanntesten Deutschen und ist der berühmteste Augsburger. 1967 wurde eine Büste Jakob Fuggers in der Walhalla, der „Ruhmeshalle der Deutschen“ nahe Regensburg, aufgestellt.

Seit 1963 wird in Erinnerung an Jakob Fugger in unregelmäßigen Abständen die Jakob Fugger-Medaille des Verbandes der Bayerischen Zeitungsverleger für „hervorragende Verdienste und außerordentliche Leistungen in der Zeitschriftenpresse“ verliehen. Die Auszeichnung zählt zu den renommiertesten Preisen im deutschsprachigen Zeitschriftenwesen.[30] Jakob Fugger ist außerdem auf der Medaille für Verdienste um das Stiftungswesen abgebildet, die vom Bundesverband Deutscher Stiftungen an bedeutende Persönlichkeiten aus dem Stiftungswesen für ihr Lebenswerk verliehen wird. Als Stifter der Fuggerei gilt Jakob Fugger als Vorbild des deutschen Stiftungswesens.[31]

Rezeption
Prosa und Dramatik
Verschiedene Romane und Theaterstücke sowie eine Fernsehserie beschäftigen sich – in aller Regel im Bereich der Fiktion und ohne Rückgriff auf die historische Fakten – mit dem Leben des Jakob Fugger.

Am fundiertesten mit dem Leben und der Geschichte Jakob Fuggers auseinandergesetzt hat sich der schon in den 1920er Jahren erschienene Roman von Eugen Ortner Glück und Macht der Fugger. Das hochauflagig erschienene Buch von Günter Ogger (Kauf dir einen Kaiser. Die Geschichte der Fugger) hat das öffentliche Bild der Fugger stark geprägt, kann jedoch nicht als fundiertes Sachbuch verstanden werden. Eine Billion Dollar von Andreas Eschbach stellt anschauliche Vergleiche zwischen dem Handelshaus der Fugger und modernen multinationalen Konzernen her. Gold für den Kaiser von Thomas R. P. Mielke ist ein historischer Roman mit Jakob Fugger im Mittelpunkt. Die Puppenspieler von Tanja Kinkel ist ebenfalls ein in der Zeit Fuggers spielender Roman, der sich der Figur Jakob Fugger aus der Sicht eines fiktiven Neffen nähert, dabei allerdings historische Fakten negiert.

Das Theaterstück Jakob Fugger Consulting von Sebastian Seidel spannt den Bogen bis in die Gegenwart und hinterfragt, wie sich Jakob Fugger heute verhalten würde.

Die 1983 im Auftrag des Bayerischen Rundfunks entstandene deutsch-tschechoslowakische Fernsehproduktion Vom Webstuhl zur Weltmacht beschäftigt sich in dramatisierter Form mit Aufstieg und Niedergang der Familie Fugger und insbesondere mit der Person des Jakob Fugger.

Das eigens vom Theater Augsburg geschriebene Musical Herz aus Gold erzählt die Geschichte von Jakob Fugger. Die Premiere fand am 1. Juli 2018 auf der Freilichtbühne in Augsburg statt.[32][33]

Forschung
In der Sachliteratur gibt es eine ganze Reihe von Publikationen, die sich mit Jakob Fugger und seiner Vita befassen. Das Fugger-Archiv in Dillingen an der Donau gibt die Reihe Materialien zur Geschichte der Fugger heraus. Eine weitere wissenschaftliche Reihe sind die Studien zur Fuggergeschichte.

Fuggerforschung wird erst seit etwas mehr als hundert Jahren betrieben. Dennoch müssen etliche ältere wissenschaftliche Werke heute im Detail als überholt gelten, wohingegen die jüngere Forschung zu deutlich abweichenden Fakten und Bewertungen kommt. Eine weitgehend aktuelle und umfassende Zusammenfassung der Fuggergeschichte nach dem neueren Forschungsstand bildet Prof. Mark Häberleins 2006 erschienene Publikation Die Fugger. Geschichte einer Augsburger Familie (1367–1650). Neuere Erkenntnisse zu Jakob Fugger hat in den letzten Jahren vor allem der Münchner Historiker Peter Geffcken erarbeitet.

Postkoloniale Kritik
Den meist positiven Darstellungen der Person Jakob Fuggers und seiner politischen und ökonomischen Aktivitäten stellen viele Initiativen eine postkoloniale Kritik entgegen. Einige Artikel[34][35][36] weisen auf die einseitige Geschichtsschreibung über die Fugger hin. So werde die Rolle der Fugger beschönigt und man verschweige, dass die Fugger an Zwangsarbeit, Versklavung, Unterdrückung und Ausbeutung regen Anteil hatten. Historisch-kritische Auseinandersetzungen mit diesem Aspekt der Fuggerschen Wirkens sind bislang spärlich. 
Fugger (Lilie), Jakob (I42823)
 
50421 Zitat aus: https://de.wikipedia.org/wiki/Jakob_Fugger_der_Ältere (Sep 2023)

Sein Vater war Hans Fugger († 1408/09), der im Jahre 1367 als Landweber aus Graben in die freie Stadt Augsburg gekommen war. Hans Fugger konnte, durch einigen Fleiß, viel Glück und vor allem zwei sehr vorteilhafte Vermählungen (1. Clara Widolf, 2. Elisabeth Gfattermann[2]), seiner Familie bei seinem Tod im Jahre 1408 ein nicht unerhebliches Vermögen hinterlassen.

Die Witwe Elisabeth Fugger-Gfattermann († 1436) führte die Weberei und den Textilhandel bis zu ihrem Tod im Jahre 1436 weiter. Ihre Söhne Andreas und Jakob ließ sie als Lehrlinge das Goldschmiedehandwerk erlernen und selbst brachte sie ihnen das Weberhandwerk und den Tuchhandel bei.

Gemeinsam bauten die drei Familienmitglieder ein gutgehendes, aber noch mittelmäßiges Handelsunternehmen auf und brachten es in den ersten drei Jahrzehnten des 15. Jahrhunderts zu einem ansehnlichen Vermögen. Nach dem Tod der Mutter übernahm Andreas die Leitung der Firma und erst 1454 erfolgte die Trennung des Unternehmens. Jakob Fugger nahm seinen Geschäftsanteil aus der Firma und wirtschaftete auf eigene Rechnung weiter. Überaus erfolgreich, wie sich zeigte, denn bereits acht Jahre vor seinem Tode zählte Jakob Fugger d. Ä. zu den zwölf reichsten Augsburger Bürgern. 
Fugger (Lilie), Jakob (I42821)
 
50422 Zitat aus: https://de.wikipedia.org/wiki/Jakob_I._(Zypern) (Okt 2017)

Jakob I. von Zypern (* 1334; † 9. September 1398 in Nikosia) war König von Zypern von 1382 bis 1398.
Er war der Sohn König Hugos IV. von Zypern. Nach dem Tod seines Neffen Peter II. wurde er König von Zypern und Titularkönig von Jerusalem.

Nachdem König Leon VI. von Armenien 1393 im Exil verstorben war, wurde Jakob auch Titularkönig von Kleinarmenien, ein Titel, den er an seine Nachfolger weitergab.
Er trat Famagusta an die Republik Genua ab.

Er war mit Helvis von Braunschweig-Grubenhagen verheiratet und hatte sechs Söhne sowie sechs Töchter. Nach seinem Tod folgte ihm sein ältester Sohn Janus auf den Thron. 
von Zypern (Ramnulfiden, Lusignan), König Jakob I. (I9277)
 
50423 Zitat aus: https://de.wikipedia.org/wiki/Jakob_V. (Okt 2017)

Jakob V. (engl. James V; * 10. April 1512 im Linlithgow Palace; † 14. Dezember 1542 im Falkland Palace) war von 1513 bis zu seinem Tod König der Schotten (engl. King of Scots). Er wurde als dritter Sohn von Jakob IV. und dessen Ehefrau Margareret Tudor geboren und war der einzige Nachkomme dieser Verbindung, der nicht schon im Kindesalter starb. Seine erste Ehefrau, Madeleine von Frankreich, starb nur wenige Monate nach der Hochzeit. Seine zweite Gemahlin Marie de Guise gebar ihm zweei Söhne, die jedoch in frühester Kindheit starben, und eine Tochter, Maria Stuart, die seinen Thron erben sollte. Sein Entschluss, Schottland in das französisch-päpstliche Lager zu bringen, führte zum Krieg gegen seinen Onkel Heinrich VIII., den König von England. Jakob V. starb kurz nach einer vernichtenden Niederlage der Schotten in der Schlacht von Solway Moss.

Regentschaft[
Jakob war erst 17 Monate alt, als er seinem Vater als Jakob V. auf den Thron folgte. Die Krönung fand am 21. September 1513 in Stirling Castle statt. Während seiner Kindheit wurde das Land von Regenten regiert: zunächst von seiner Mutter Margaret Tudor, der Schwester Heinrichs VIII., bis sie im folgenden Jahr Archibald Douglas heiratete, danach von John Stewart, der nach Jakob und dessen jüngerem Bruder Alexander an dritter Stelle der Thronfolge stand.
1525 übernahm Archibald Douglas die Regentschaft und hielt seinen Stiefsohn Jakob zur Durchsetzung seiner eigenen Machtansprüche auf Edinburgh Castle praktisch wie einen Gefangenen fest. Seine Mutter, die mittlerweile von Archibald Douglas geschieden war, verhalf ihm 1528 zur Flucht und zur Übernahme der Herrschaft.

Regierungszeit[
Jakobs erste Maßnahme als König war die Entmachtung von Archibald Douglas, der daraufhin nach England floh. Er unterdrückte einen Aufstand von Rebellen an der Südgrenze und hatte blutige Auseinandersetzungen mit dem mächtigen Clan MacDonald, der auf den Äußeren Hebriden herrschte. Durch eine rigorose Kontrolle über die königlichen Güter erhöhte er seine Einkünfte. Er gab seinen unehelichen Söhnen lukrative Pfründen, wodurch erhebliche Geldmittel der Kirche in seine eigenen Taschen flossen. Einen großen Teil seines Vermögens verwendete er für Ausbauten an Stirling Castle, Falkland Palace, Linlithgow Palace und Holyrood Palace.
In Jakobs V. Regierungszeit fiel die Abwendung Heinrichs VIII. von der römisch-katholischen Kirche und die Gründung der Church of England. Rom sah in Schottland einen wichtigen Verbündeten gegen die englischen Ketzer, und England suchte Schottland als Verbündeten gegen Rom. Heinrich VIII. bot deshalb dem jungen James V. seine Tochter Mary (später Maria I. „die Katholische“ oder „Bloody Mary“) zur Frau an. Jakob wies diesen und alle weiteren englischen Vorschläge zurück und entschloss sich stattdessen, die Auld Alliance zu erneuern und Schottland in das französisch-päpstliche Lager zu bringen. Neben seiner Suche nach einer reichen Mitgift war das einer der Gründe für seine Ehen mit zwei Französinnen.
Jakob galt als rachsüchtig, habgierig und rücksichtslos. Sein erbarmungsloses Vorgehen gegen unbequeme Untergebene und sein Misstrauen teilten die Nation. Der König duldete keine Häresie und während seiner Herrschaft wurden zahlreiche prominente Befürworter der Reformation hingerichtet. Der bekannteste war Patrick Hamilton, der 1528 in St Andrews auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurde.
Am 1. Januar 1537 heiratete er in der Kathedrale Notre-Dame de Paris Madeleine von Frankreich, die Tochter des französischen Königs Franz I. Sie starb jedoch im Juli desselben Jahres kinderlos. Bald darauf nahm James in zweiter Ehe Marie de Guise zur Frau. Die Hochzeit fand am 18. Mai 1538 statt, ebenfalls in der Kathedrale Notre-Dame de Paris. Die Familie De Guise war eines der mächtigsten und einflussreichsten Fürstenhäuser Frankreichs und sogar Europas. Marie de Guise gebar zwei Söhne, die allerdings bereits früh starben.
Geschickt spielte Jakob zunächst aber die gleiche Karte wie sein Onkel Heinrich VIII. gegen den Papst. Ein sehr umfangreiches finanzielles Paket in Form von geistlichen Steuern nahm er dankend an und nutzte es klug, indem er damit 1532 in Edinburgh das College of Justiciary ins Leben rief, statt den eigentlich versprochenen Kreuzzug zu unternehmen.
Nach dem Tod seiner Mutter im Jahr 1541 sah Jakob keinen Grund mehr, den Frieden mit England aufrechtzuerhalten. Der Konflikt endete am 24. November 1542 mit der Schlacht von Solway Moss. Ohne französische Unterstützung und in Anbetracht der Größe der englischen Streitkräfte war es ein ganz und gar aberwitziger Feldzug, bei dem das schottische Heer vernichtend geschlagen wurde. Herzkrank, voller Gram über die Niederlage und vom Fieber geschüttelt lag Jakob wenige Tage nach dieser Schlalacht im Falkland Palace. Da erhielt er die Nachricht, dass die Königin nicht den erhofften männlichen Thronfolger, sondern ein Mädchen geboren hatte. Er war so enttäuscht darüber und erregte sich so sehr, dass er kurz darauf am 14. Dezember 1542 starb. Er wurde in der Holyrood Abbey in Edinburgh beigesetzt.
Auf dem Sterbebett soll er gesagt haben: „Mit einer Frau sind die Stuarts aufgestiegen und mit einer Frau werden sie untergehen.“ Dies war eine Anspielung auf die Stuart-Dynastie, die von Marjorie Bruce, der Tochter von Robert I. begründet worden war. Sein einziges legitimes Kind, die gerade einmal sechs Tage alte Maria Stuart, wurde seine Nachfolgerin. Das Haus Stewart blieb dennoch bestehen, da sie später Lord Darnley, einen Cousin ersten Grades, heiratete. Vermutlich dachte Jakob, Maria werde entweder kinderlos bleiben und die Stuarts so mit ihr aussterben, oder sie würde einen ausländischen Thronfolger heiraten, der Schottland seinem Land einverleiben würde.

Siehe auch
• Stammtafel der Könige von Schottland
Weblinks
 Commons: Jakob V. von Schottland – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
• James V Stewart, King of Scotland auf thepeerage.com, abgerufen am 21. Juli 2015 (englisch) 
von Schottland, König Jakob (James) V. (I8776)
 
50424 Zitat aus: https://de.wikipedia.org/wiki/James_Stewart,_1._Earl_of_Moray
(Jan 2024)

James Stewart, 1. Earl of Moray (* 1531; † 23. Januar 1570 in Linlithgow) war ein schottischer Peer. Er war der zweitälteste der zahlreichen illegitimen Söhne Jakobs V. König von Schottland; seine Mutter war Margaret Erskine. Von 1557 bis zu seiner Ermordung war der frühere Berater der Königin Maria Stuart Regent von Schottland für seinen Neffen Jakob VI.

James Stewart entwickelte sich zu einem der Häupter der Protestanten, deren Revolte 1560 zur schottischen Reformation führte. Nachdem er seine Halbschwester Königin Maria von Schottland 1561 aus Frankreich nach Schottland zurückgebracht hatte, begann er tatkräftig deren Recht an der Teilnahme der Messe in ihrer Privatkapelle zu verteidigen, was zu Missstimmungen mit John Knox, dem Anführer der reformatorischen Bewegung, führte.

1562 schlug er die Revolte von George Gordon, Earl of Huntly, dem bedeutendsten katholischen Magnaten Schottlands, nieder. Dieser fiel in der Schlacht, und infolge seines loyalen Verhaltens wurde Stewart mit den Titeln Earl of Mar und Earl of Moray belehnt. Bis zu Marias Hochzeit 1565 mit Henry Lord Darnley blieb er der Hauptberater der Königin. Die Hochzeit, von ihm und der Familie Hamilton ausgeklügelt, entwickelte sich zum politischen Fehlschlag und Moray floh nach England.

Am Tag der Ermordung von Königin Marias italienischem Sekretär David Rizzio kehrte er nach Edinburgh zurück und wurde rehabilitiert. Wegen seiner Kenntnisse um die Verschwörung zur Ermordung Darnleys blieb er aber wieder von politischen Aktivitäten fern. Als Maria im Loch Leven Castle gefangengesetzt wurde, hielt er sich in Frankreich auf.

Im August 1567 kehrte er zurück und übernahm nach der Abdankung Marias die Regentschaft für ihren minderjährigen Sohn Jakob VI., die sich, durch den anhaltenden Bürgerkrieg im Land, als äußerst schwierig erwies. Trotz der ersten protestantischen Regierung in Schottland erhielt die reformierte Kirche kaum Unterstützung.

Am 23. Januar 1570 wurde Moray in Linlithgow von James Hamilton of Bothwellhaugh, Unterstützer der vorigen Königin Maria, im Vorbeireiten aus dem Hinterhalt mit einer Arkebuse beschossen. Dabei wurde er so schwer verletzt, dass er starb. James Stewart ist das erste dokumentierte Attentatsopfer der Welt, das mittels einer Feuerwaffe zu Tode kam. 
von Schottland, 1. Earl of Moray James (I48482)
 
50425 Zitat aus: https://de.wikipedia.org/wiki/James_Stewart,_1._Lord_Doune (Jan 2024)

James Stewart, 1. Lord Doune (* um 1529; † 20. Juli 1590) war ein schottischer Adliger.

Er entstammte einer Nebenlinie des Hauses Stewart. Er war der Sohn und Erbe des James Stewart of Beath aus dessen Ehe mit Margaret Lindsay, Tochter des John Lindsay, 3. Lord Lindsay.

1560 reiste er als schottischer Botschafter nach Frankreich. 1565 wurde er zum Ritter geschlagen. Er war Verwalter (Commendator) der Abtei von Saint Colme's Inch in Fifeshire und Constable von Doune Castle in Perthshire.

König Jakob VI. erhob ihn mit Urkunde vom 24. November 1581 zum Lord Doune. Die Verleihung enthielt zunächst die Erbregelung, dass der Titel an männliche Erben (heirs male whatsoever) übergeben könne, mit Urkunde vom 6. Januar 1588 wurde die Erbregelung dahingehend eingeschränkt, dass der Titel nur an männliche Erben übergehen dürfe, die Namen und Wappen der Familie Stewart führen. Letztere Urkunde wurde am 5. Juni 1592 vom Parlament bestätigt.

Er wurde in den schottischen Kronrat (Privy Council) aufgenommen, hatte 1584 das Amt des Collector-General of the Revenues, 1584 bis 1856 das Amt eines Laienrichters (Extraordinary Lord of Session) am Court of Session, sowie 1592 das Amt eines Commissioner of Justiciary inne. 
Stewart, 1. Lord Doune James (I48488)
 
50426 Zitat aus: https://de.wikipedia.org/wiki/Janus_(Zypern) (Sep 2017)

Janus von Zypern (* 1375; † 1432) war von 1398 bis 1432 König von Zypern sowie Titularkönig von Jerusalem und Armenien.

Er folgte seinem Vater Jakob I. auf den Thron von Zypern.

Janus heiratete im August 1411 Charlotte von Bourbon. Sie war auf der Insel sehr populär, man glaubte, ihre Ankunft habe eine Heuschreckenplage beendet,[1] die Fruchtbäume, Weinreben und das Zuckerrohr zerstört hatte.
Nach der Schlacht von Khirokitia (7. Juli 1426) gegen die Mamluken wurde Janus von diesen gefangen genommen und nach Kairo gebracht, wo er dem Sultan öffentlich huldigte. Nach zehn Monaten Haft wurde er freigekauft. Während dieser Zeit regierte sein Bruder Hugo von Lusignan, Erzbischof von Nikosia, die Insel.

Nach seinem Tod folgte ihm sein Sohn Johann. 
von Zypern (Ramnulfiden, Lusignan), Janus (I9275)
 
50427 Zitat aus: https://de.wikipedia.org/wiki/Jean_de_Bourbon,_comte_d’Enghien (Sep 2023)

Jean de Bourbon war das elfte von dreizehn Kindern von Charles IV. de Bourbon, Herzog von Vendôme, und Françoise d’Alençon. 1546 wurde er Graf von Enghien nach dem Unfalltod seines älteren Bruders François.

1551 wurde er mit seinem jüngeren Bruder, dem Prince de Condé, in der Auseinandersetzung um das Herzogtum Parma zur Verstärkung der französischen Armee im Piemont geschickt.[1]

Per Ehevertrag vom 14. Juni 1557 heiratete er seine Kusine Marie de Bourbon-Saint-Pol, Herzogin von Estouteville, Gräfin von Saint-Pol und Pair von Frankreich, Erbtochter von François I. de Bourbon, Graf von Saint-Pol († 1545) und Adrienne d’Estouteville, Herzogin von Estouteville. Die Ehe blieb ohne Nachkommen.

Am 10. August 1557 – knapp zwei Monate nach seiner Hochzeit – fiel er während des Kriegs Philipps II. gegen Heinrich II. in der Schlacht bei Saint-Quentin.

Seine Witwe heiratete im September 1561 in zweiter Ehe François I. de Clèves, Herzog von Nevers († 1562, die Ehe wurde noch 1561 wieder geschieden), im Juli 1563 Léonor d’Orléans, Herzog von Longueville († 1573). Sie selbst starb im April 1601. 
von Bourbon, Graf Jean (I42619)
 
50428 Zitat aus: https://de.wikipedia.org/wiki/Jean_de_Clermont (Okt 2017)

Während des hundertjährigen Krieges diente Clermont zunächst im Gefolge des Grafen von Eu in der Normandie und in Flandern. Danach trat er in königliche Dienste und wurde 1352 von König Johann II. zum Marschall ernannt, als Ersatz für seinen zuvor gefallenen Vetter, Marschall Guy de Nesle.

Am 19. September 1356 war Clermont einer der kommandierenden Heerführer der Franzosen in der Schlacht von Maupertuis bei Poitiers. Am Vorabend des Kampfes soll Clermont dem anwesenden König zu einem defensiven Vorgehen gegen die Engländer unter dem „schwarzen Prinzen“ geraten haben. Der zahlenmäßig unterlegene Gegner sollte nicht angegriffen aber durch eine Abriegelung aller Rückzugswege ausgehungert und damit zu einer Kapitulation genötigt werden. Dieser Vorschlag wurde allerdings vvon dem Marschall d'Audrehem zurückgewiesen, der dem Gebot der Ritterehre folgend einen sofortigen Angriff forderte. Der König entscheid sich schließlich auf Anraten des William Douglas für einen Angriff des Hauptheeres zu Fuß, da das Gelände für eine geschlossene Reiterattacke nicht ausgelegt war. Allerdings sollte der erste Angriff auf die englischen Linien von dreihundert Rittern durchgeführt werden, die von den drei Befehlshabern persönlich angeführt werden sollten. Noch während des Anritts auf den Feind sollen sich Clermont und d'Audrehem gestritten haben, Clermont und der Connétable de Brienne wurden im Pfeilhagel getötet noch bevor sie die englischen Reihen erreicht hatten, d'Audrehem geriet in Gefangenschaft.

Jean de Clermont war verheiratet mit Marguerite de Mortagne, Vizegräfin von Aunay, mit der er einen gleichnamigen Sohn hatte. Einer der Brüder Jeans war Robert de Clermont, der als Marschall der Normandie ein Gefolgsmann des Dauphin Karl (König Karl V.) war. Er wurde am 22. September 1358 von den Pariser Bürgern unter Étienne Marcel vor den Augen des Dauphins ermordet. 
von Clermont, Herr Jean (I9269)
 
50429 Zitat aus: https://de.wikipedia.org/wiki/Jean_de_Dunois (Sep 2023)

Jean war zunächst zum geistlichen Stand bestimmt, entlief aber als Jüngling seinen Lehrern und trat in die Dienste des Dauphins, des späteren Karl VII., der in der Folge des Vertrag von Troyes sein Königreich weitgehend verloren hatte und nach Bourges geflohen war. Seine erste Waffentat war ein Sieg über die in dieser Phase des Hundertjährigen Krieges stets erfolgreichen Engländer, die er 1427 vor Montargis zum Abzug zwang.

Als die Engländer 1429 Orléans belagerten, stieß er mit einer Schar zu den Verteidigern und behauptete die Stadt, bis sie von Jeanne d'Arc entsetzt wurde. Jean de Dunois war ab ihrem Auftreten in Chinon (März 1429) ein treuer Waffengefährte der Jungfrau von Orléans und nahm an vielen ihrer militärischen Aktionen teil. Nach der Schlacht bei Patay am 18. Juni 1429 durchzog er die Gebiete der Engländer. Auch nach Jeannes Gefangennahme (23. Mai 1430 bei Compiègne) und Hinrichtung (30. Mai 1431 in Rouen) zeichnete er sich weiterhin im Kampf gegen die Engländer aus. 1433 nahm er Chartres, 1436 zog er in Paris ein und wurde mit der Grafschaft Dunois belehnt. 1442 vertrieb er den gefürchteten John Talbot, 1. Earl of Shrewsbury von Dieppe, wofür er mit der Grafschaft Longueville belehnt wurde. 1448 übernahm er den Befehl in der Normandie und entriss diese Provinz bis 1455 sowie Guyenne den Engländern. Ludwig XI. schickte ihn 1462 als Gouverneur nach Genua, das sich für Frankreich entschieden hatte. Kurze Zeit später beraubte der König Dunois aus Argwohn und Eifersucht aber wieder seiner Ämter.

Gegen Ende des Hundertjährigen Krieges, als die Gefahr durch die Engländer weitgehend gebannt war, nahm Jean im Jahr 1440 an dem Praguerie genannten Aufstand des französischen Adels teil sowie gegen Ende seines Lebens an der Ligue du Bien public, nachdem er von Ludwig XI. seiner Ämter enthoben worden war. Im Vertrag von Saint-Maur erhielt Jean de Dunois seine eingezogenen Güter wieder zurück. 
von Orléans, Graf von Dunois Johann (Jean) (I42610)
 
50430 Zitat aus: https://de.wikipedia.org/wiki/Jean_I._de_Bourbon (Okt 2017)

Jean griff im Hundertjährigen Krieg die Engländer im Limousin und in der Guyenne an, wo er ihnen mehrere Festungen abnahm. Anfangs Parteigänger Herzogs Johann Ohnefurchts von Burgund, wurde er nach dem Mord an Herzog Ludwig von Orléans im Jahr 1407 ein wütender Gegner der Burgunder. Er schloss sich den Armagnacs an, mit denen er 1413 in Paris einzog. 1415 überlebte er zwar die Schlacht von Azincourt, wurde dort aber gefangen genommen und bis zu seinem Tod in London festgehalten. 
von Bourbon, Herzog Jean I. (Johann) (I9260)
 
50431 Zitat aus: https://de.wikipedia.org/wiki/Jean_II._de_Bourbon (Sep 2023)

Jeans militärische Karriere begann mit der Belagerung der Festung Metz im Jahr 1444, der ein Feldzug in der Normandie folgte. 1450 eroberte er gemeinsam mit Jean de Dunois in der Schlacht von Formigny die gesamte Normandie. Die Folgejahre widmete er – weiterhin zusammen mit Dunois – der Rückeroberung der Guyenne, die 1453 mit der Eroberung von Bordeaux endete. Er wurde Gouverneur von Guyenne und hatte sich mit dem Kampf gegen Graf Jean V. d’Armagnac zu befassen, als dieser sich gegen den König erhob.

Als Favorit König Karls VII. hatte Jean die Abneigung des königlichen Nachfolgers Ludwig XI. zu ertragen. Ludwig XI. entzog ihm die Guyenne, und Jean II. schloss sich der Ligue du Bien public an. Nach dem Friedensschluss wurde er begnadigt und zum Gouverneur des Languedoc ernannt. Darüber hinaus machte Ludwig XI. ihn zum Ritter des Ordre de Saint-Michel bei dessen Gründung am 1. August 1469. Schließlich war er – wie auch schon sein Vater – Großkämmerer von Frankreich.

Nach dem Tod Ludwigs XI. wurde er 1483 von König Karl VIII. zum Connétable von Frankreich ernannt. 
von Bourbon, Herzog Jean II. (Johann) (I29664)
 
50432 Zitat aus: https://de.wikipedia.org/wiki/Johanna_I._(Auvergne)

Johanna I. von Auvergne (französisch Jeanne I. d’Auvergne, * 8. Mai 1326; † 29. September 1360 auf der Burg von Argilly) war Gräfin von Auvergne und Boulogne sowie Königin von Frankreich durch ihre Ehe mit Johann II. von Frankreich. Sie war die Erbtochter Wilhelms XII., Graf von Auvergne und Boulogne, und Margarete von Évreux. Johanna I. von Auvergne und Boulogne trat das Erbe ihres Vaters 1332 an.

Mit dem Tod ihres Schwiegervaters Odo IV. am 3. April 1350 wurde sie Regentin von Burgund für ihren vierjährigen Sohn.

Johann II. geriet am 19. September 1356 in der Schlacht bei Maupertuis in englische Gefangenschaft, aus der er erst 1360 nach dem Frieden von Brétigny wieder freikam. Johanna starb im September des gleichen Jahres. Boulogne und die Auvergne ginggen in den Besitz ihres Sohnes Philipp von Rouvres über, der aber bereits im Jahr darauf an der Pest starb. Mit ihm erlosch das Ältere Haus Burgund. Philipps Erbe bezogen auf Johannas Grafschaften war Johann I. von Auvergne, ein jüngerer Sohn des Grafen Robert VII. und damit Onkel Johannas. Johanna von Auvergne wurde in der Basilika Saint-Denis bestattet.

(Jul 2022) 
von Boulogne (von Auvergne), Königin von Frankreich Johanna (I8757)
 
50433 Zitat aus: https://de.wikipedia.org/wiki/Johanna_II._(Neapel) (Sep 2023)

Nach dem Tod ihres Bruders Ladislaus 1414 folgte sie ihm auf dem Thron in Neapel. Sie hatte immer schon ein sehr freizügiges Leben geführt, und nach dem Tod Wilhelms nahm sie sich offen den 26-jährigen Pandolfo Alopo zum Liebhaber, den sie zum Seneschall des Königreichs machte. Er und der Condottiere Muzio Attendolo Sforza, https://stammler-genealogie.ch//getperson.php?personID=I42094&tree=StammlerBaum, beherrschten sie völlig, während die Barone des Königreichs ihr einen Ehemann an die Seite stellen wollten, der stark genug sein sollte, die Macht ihrer Favoriten zu brechen, aber nicht selbst König werden wollte. Die Wahl fiel auf Jakob II. von La Marche (1370–1438), die Hochzeit wurde 1415 gefeiert. Jakob machte sich jedoch zum König, ließ Alopo töten, Sforza einkerkern und hielt seine Frau fast in Isolation, was wiederum zu Reaktionen bei den Baronen führte, die Jakob zwangen, Sforza freizulassen, auf sein Königtum zu verzichten und schließlich das Land zu verlassen.

Kurz darauf sandte Johanna Sforza aus, ihre Macht in Rom wiederherzustellen, wo die Neapolitaner nach Ladislaus’ Tod verjagt worden waren. Sforza drang in die Stadt ein und zwang den Condottiere Braccio da Montone, der Rom im Auftrag des Papstes verteidigte, abzuziehen (1416). Als aber Oddo Colonna 1417 als Martin V. zum Papst gewählt worden war, verbündete dieser sich mit Johanna, die wiederum versprach, Rom aufzugeben und Sforza nach Neapel zurückzuholen. Letzterer fand sich nun ohne Einfluss bei der Königin, die jetzt völlig von ihrem neuen Liebhaber Giovanni (Sergianni) Caracciolo dominiert wurde. In der Hoffnung, seine Position wiederherstellen zu können und Caracciolo zu vernichten, förderte Sforza die Ansprüche Ludwigs III. von Anjou, der Johannas Nachfolger nach ihrem Tod werden wollte, was auch die Zustimmung des Papstes fand. Durch Einflussnahme Caracciolos weigerte Johanna sich jedoch, Ludwig zu adoptieren, stattdessen rief sie Alfons V. von Aragon zu Hilfe, dem sie dafür die Erbschaft versprach und ihn 1420 adoptierte. Das Ergebnis dieser Diplomatie war ein Krieg zwischen Johanna und Alfons auf der einen, Ludwig und Sforza auf der anderen Seite. Letztere hatten die Unterstützung des Papstes. Die Feindseligkeiten endeten 1422 mit dem Sieg der Monarchen und einem Friedensschluss. Meinungsverschiedenheiten zwischen den Aragonesen und Neapolitanern führten dann dazu, dass Caracciolo verhaftet wurde. Johanna, die um ihre Sicherheit fürchtete, bat daraufhin Sforza um Hilfe. Dieser brachte sie mit Mühe nach Aversa, wo sie 1423 Ludwig von Anjou anstelle des aus ihrer Sicht undankbaren Alfons adoptierte. Durch ein Unglück ertrank Sforza kurz darauf, und als Alfons nach Spanien zurückkehrte und nur eine kleine Besatzung in Neapel zurückließ, gelang es Anjou mit Hilfe einer genuesischen Flotte, die Stadt zurückzuerobern.

Einige Jahre lang hielt der Frieden im Königreich, bis Caracciolo 1432 nach einem Streit mit der Königin von seinen Feinden ermordet wurde. Innere Unruhen brachen aus, Gian Antonio Orsini, Fürst von Tarent, revoltierte gegen Johanna in Apulien. Ludwig von Anjou starb 1434 während eines Feldzugs gegen die Rebellen. Johanna selbst starb am 2. Februar 1435, nachdem sie Ludwigs Bruder René zu ihrem Nachfolger ernannt hatte. Mit dieser doppelten Nachfolgeregelung verschuldete sie die blutigen Auseinandersetzungen, die nach ihrem Tod um ihr Erbe geführt wurden. 
von Neapel (Anjou), Königin Johanna II. (I42649)
 
50434 Zitat aus: https://de.wikipedia.org/wiki/Johannes_Dukas_(Kaisar) (Sep 2023)

Politisch in den Vordergrund trat Johannes Dukas nach dem Tod seines Bruders im Jahre 1067. Er agierte als der natürliche Beschützer der Rechte seines Neffen Michael VII. gegen dessen Mutter Eudokia Makrembolitissa und deren Favoriten Romanos IV. Im Laufe der nächsten drei Jahre wurde Johannes zum erbitterten Feind des neuen Kaisers. Von diesem auf seine Güter in Bithynien ins Abseits geschoben, erfuhr er dort von der katastrophalen Niederlage am 24. August 1071 bei Manzikert gegen die Seldschuken, für die sein Sohn, der General Andronikos Dukas, verantwortlich gemacht wurde.

Nach dem Bekanntwerden der von Romanos IV. ausgehandelten Friedensbedingungen organisierte Johannes einen Volksaufstand gegen den in seldschukische Gefangenschaft geratenen Kaiser. Dies, da die Annahme der Bedingungen durch das hohe Lösegeld nicht nur sehr kostspielig gewesen wäre, sondern vor allem dazu geführt hätte, dass das Byzantinische Reich wegen der vorgesehenen jährlichen Tributzahlungen und die Verpflichtung zur Stellung byzantinischer Hilfstruppen zu einem Vasallenstaat der Seldschuken herabgesunken wäre. Romanos IV. und seine jungen Söhne Leon und Nikephoros wurden daher in Konstantinopel für abgesetzt und der Vertrag für ungültig erklärt, während der verdrängte jugendliche Mitkaiser Michael VII. am 24. Oktober 1071 zum alleinigen Kaiser gekrönt wurde. Johannes übernahm für seinen erst 12-jährigen Neffen die Regentschaft; das Eintreffen seines Sohnes Andronikos mit den Überresten der von Manzikert geretteten Heeresteile befestigte seine Stellung.

1073 zog Johannes zusammen mit seinem zum Oberkommandierenden der kaiserlichen Armee im Osten des Reiches ernannten Sohn gegen die rebellierenden fränkischen und normannischen Söldner unter Roussel Phrangopolos. Es siegten jedoch die Rebellen, die Johannes und seinen Sohn gefangen nahmen. Während der schwer verwundete Andronikos freigelassen wurde, veranlassten die Rebellen Johannes, sich zum Gegenkaiser zu erklären, und planten, mit ihm nach Konstantinopel zu marschieren. Nur mit Hilfe seldschukischer Hilfstruppen konnte schließlich der General Alexios Komnenos die Rebellen besiegen und den – nicht ganz freiwilligen – Gegenkaiser gefangen nehmen. Michael VII. begnadigte seinen Onkel, entzog ihm jedoch die Kaisar-Würde und zwang ihn, Mönch zu werden, wobei der Eunuch Nikephoritzes als der eigentliche starke Mann bei Hofe im Hintergrund die Fäden zog.

Trotz seiner Entmachtung behielt Johannes Dukas einen gewissen Einfluss auf die Politik. Angesichts des Zusammenbruchs der kaiserlichen Autorität in der späten Regierungszeit Michaels VII. und der Bedrohung durch Nikephoros Botaneiates riet er seinem Neffen 1078 zur Abdankung. 1081 floh Johannes aus Konstantinopel und schloss sich Alexios Komnenos an, den er zur Revolte gegen Nikophoros III. anstachelte. Er arrangierte auch die Hochzeit seiner Enkelin Irene Dukaina mit Alexios über die Einwände von dessen Mutter Anna Dalassene hinweg. Alexios I. gestattete Johannes, das Mönchsgewand abzulegen und in seine alte Stellung als Kaisar zurückzukehren. Er blieb Berater des Kaisers bis zu seinem Tod 1088. 
Dukas, Kaisar Johannes (I43040)
 
50435 Zitat aus: https://de.wikipedia.org/wiki/Johannes_Dukas_(Sebastokrator) (Okt 2017)

Johannes Dukas (mittelgriechisch Ἰωάννης Δούκας; * um 1125/27; † um 1200) war ein byzantinischer Aristokrat aus der Dynastie der Angeloi. Er ist der Stammvater der Linie Angelos Komnenos Dukas, die nach dem Fall Konstantinopels im Vierten Kreuzzug das Despotat Epirus begründete.

Johannes Dukas war der älteste Sohn des Admirals Konstantin Angelos und der Theodora Komnena, einer Tochter von Kaiser Alexios I. und Irene Dukaina. Er war somit ein Neffe Johannes’ II. und ein Cousin Manuels I. Johannes hatte sechs Geschwister, darunter die Brüder Andronikos und Alexios. Statt des Nachnamens Angelos verwendete er, wie sein Bruder Andronikos, stets den Namen Dukas, wegen dessen höheren Prestiges.

Unter Manuel I. tritt Johannes Dukas erstmals im Jahr 1166 als Teilnehmer einer Synode in Erscheinung. 1176 war er als Regimentskommandeur an der Schlacht bei Myriokephalon beteiligt, in der das byzantinische Heer vom Seldschukensultan Kılıç Arslan II. entscheidend besiegt wurde.

Nachdem sein Neffe Isaak Angelos am 11. September 1185 Stephanos Hagiochristophorites, den mächtigen Handlanger Andronikos’ I., ermordet und sich in die Hagia Sophia geflüchtet hatte, schloss sich auch Johannes Dukas den Putschisten an. Den Geschichtsschreibern Niketas Choniates und Theodoros Skutariotes zufolge bot er sich sogar als neuer Kaiser anstelle des gestürzten Andronikos an. Angesichts seines bereits fortgeschrittenen Alters erhob sich in der versammelten Menge jedoch massiver Widerstand, so dass Isaak Angelos den Thron in Konstantinopel bestieg.

Johannes wurde von seinem Neffen mit der hohen Würde eines Sebastokrators (Vizekaisers) ausgezeichnet. Im Krieg gegen die aufständischen Bulgaren und Kumanen unter Theodor-Peter und Iwan Assen übernahm er 1186 das Oberkommando über die byzantinischen Truppen. Weil Johannes seinen ältesten Sohn Isaak mit einer Tochter des rebellischen Generals Alexios Branas verheiratet hatte, wurde er im folgenden Jahr vom misstrauischen Kaiser abberufen und durch den blinden Johannes Kantakuzenos ersetzt. 1191 begleitete Johannes Dukas seinen Neffen auf einem weiteren Feldzug gegen die Bulgaren, die den Byzantinern bei Trjawna eine schwere Niederlage zufügten.

Im April 1195 unterstützte Johannes Dukas die Usurpation seines Neffen Alexios III., an dessen Krönungszeremonie er in herausgehobener Stellung beteiligt war. Als Alexios III., der keinen männlichen Erben und kurz zuvor zwei seiner Schwiegersöhne verloren hatte, im Frühjahr 1199 schwer erkrankte, trat Johannes noch einmal kurzzeitig als Thronprätendent auf.

Johannes Dukas war (in möglicherweise zweiter Ehe) mit Zoe Dukaina verheiratet, mit der er fünf Söhne (Isaak, Alexios, Theodoros, Manuel, Konstantin) und drei Töchter hatte. Sein unehelicher Sohn Michael gründete 1204 das Despotat Epirus. Nach der Eroberung des lateinischen Königreichs Thessalonike (1224) beanspruchten Theodoros und nach ihm Manuel in Rivalität zu Johannes III. den byzantinischen Kaisertitel. 
von Epirus (Angelos, Komnenen, Dukas), Johannes (I8341)
 
50436 Zitat aus: https://de.wikipedia.org/wiki/Johannes_Dukas_Batatzes_(Neffe_Johannes’_III.) (Sep 2023)

Johannes war ein Angehöriger der angesehenen Offiziersfamilie Batatzes, die im 13. Jahrhundert drei byzantinische Kaiser stellte. Er war der Sohn des Sebastokrators Isaak Dukas Batatzes und hatte eine namentlich nicht bekannte Schwester. Seine Frau Eudokia Angelina war die Tochter des Megas Primikerios und Dux von Thrakesion Johannes Komnenos Angelos.

Über Johannes’ Kindheit und Jugend ist kaum etwas bekannt. Nachdem sein Onkel 1221 (oder 1222) als Johannes III. den Thron in Nikaia bestiegen hatte, rückte er in den Kreis der höchsten Würdenträger bei Hofe auf. Einem ins 13. Jahrhundert datierten Siegel zufolge trug er ebenso wie sein Vater die Sebastokratorenwürde. 
Dukas Batatzes (Vatatzes), Johannes (I42997)
 
50437 Zitat aus: https://de.wikipedia.org/wiki/Johannes_Guler_von_Wyneck

Johannes Guler von Wyneck

Johann Guler von Wyneck stammte aus einer Davoser Walserfamile und war der Sohn des Obersten und Davoser Landammanns Hans Guler von Wyneck und der Anna Buol. Als Knabe 1569 begleitete er seinen zum vicari gewählten Stiefbruder Peter für zwei Jahre ins Veltlin. Nach seiner Rückkehr besuchte er die Lateinschule in Chur und studierte darauf in Zürich (1574), Genf (1580) und Basel (1582). Da er 1582 in Davos zum Landschreiber und später auch zum Landesfähnrich gewählt wurde, konnte er seine Studien nicht abschliessen. 1583 heiratete er in erster Ehe Barbla von Perini. 1587 wurde er Landeshauptmanns im Veltlin.

Gulers erste Frau verstarb 1586. 1591 heiratete er Elisabeth von Salis. Durch diese Heirat gelangte Johannes Guler 1602 in den Besitz des Schlösschens Wynegg oberhalb von Malans. Er machte es zu seinem Wohnsitz und nahm den Namen «von Wyneck» an. Lucretia, die Tochter des Johann Luzi Gugelberg von Moos, war seine Schwiegertochter.

Von 1592 bis 1604 war Guler Davoser Landammann und somit zugleich Bundslandammann des Zehngerichtebundes. Zwischen 1600 und 1604 nahm er neun Mal an diplomatischen Missionen teil, die ihn in die Eidgenossenschaft, nach Paris, Venedig und Mailand führten.

Johann Guler von Wyneck förderte den Abschluss eines Bündnisses der Drei Bünde mit Venedig. 1607 wurde er Kommandant eines Bündner Regiments zur Sicherung der Grenze zu Mailand. Ein von spanischen Parteigängern dominiertes Strafgericht verurteilte ihn im gleichen Jahr in Chur zum Tod. Später im Jahr 1607 rehabilitierte ihn ein nunmehr venezianisch gesinntes Gericht. Guler zog sich darauf für zehn Jahre aus der öffentlichen Politik zurück; erst 1618 übernahm er eine Gesandtschaft an den französischen Hof anstelle des Hauptmanns Johann Flisch von Scheydt (1580–1654 Thusis) und wurde zum Ritter geschlagen und mit einer "guldinen Ketti" gezieret.

Um den Bündner Wirren zu entgehen, zog er mit seiner Familie nach Zürich, das ihm 1619 das Bürgerrecht verlieh. 1620 befehligte er als Oberst die Bündner Truppen, die zweimal vergeblich versuchten, die verlorengegangenen Untertanenlande zurückzuerobern. Im Prättigauer Aufstand unterstützte Guler von Wyneck 1622 den Widerstand der Prättigauer gegen Österreich. Danach nahm er nur noch vereinzelt an Gesandtschaften teil. 1627 übersiedelte er auf seinen Churer Sitz St. Margarethen, wo er am 3. Februar 1637 verstarb.

Werke
Guler von Wynecks Leistungen als Historiker und Kartograf sind beachtlich. Seine König Ludwig XIII. gewidmete Raetia : das ist außfüehrliche und wahrhaffte Beschreibung der dreyen Loblichen Grawen Bündten und anderer Retischen völcker ist eine umfangreiche Zusammenstellung von Werken Bündner und eidgenössischer Chronisten. Sie erschien 1616 in Zürich bei Johannes Rudolf Wolf, schildert im ersten Teil die Bündner Geschichte bis zum 15. Jahrhundert und folgt der Chronik von Ulrich Campell, dessen Handschrift Guler im Engadin aufgestöbert und teilweise abgeschrieben hatte. Der zweite Teil enthält eine unvollendet gebliebene mit fünf «Landtafeln» versehene Beschreibung Graubündens und seiner Untertanenlande. Die Chronik war aufwändig gestaltet, erschien im Folio-Format und enthielt fünf Landkarten, die ersten detaillierten Karten Graubündens, viele Abbildungen von Münzen, Wappen. Schlachten, Ortschaften und Stammtafeln. Die meisten der Holzschnitte hatte Guler schon früher für andere Publikationen verwendet. Heute gilt die «Raetia» als kostbarstes Werk der Bündner Geschichtsschreibung.

Im Sommer 2009 gab Anton von Sprecher eine in heutiges Deutsch umgeschriebene und kommentierte Fassung heraus. Als Grundlage für seine Arbeiten dienten Guler der von ihm selbst geschriebene Auszug von Ulrich Campells zwei Büchern rätischer Geschichte Ex Huldrichi Campelli Historia Rhaetica. Libri duo sowie Aegidius Tschudis Uralt Rhetia.

1622 erschien Gulers Schrift Pündtnerischer Handlungen widerholte und vermehrte Deduction, die in erster Linie der Rechtfertigung des Prättigauer Aufstandes diente. 
Guler von Wyneck, Johannes (I56298)
 
50438 Zitat aus: https://de.wikipedia.org/wiki/Johannes_I._(Trapezunt) (Sep 2023)

Die Zeit seiner Herrschaft war nur kurz und im Wesentlichen ereignislos. Sie wurde im Jahre 1238 abrupt beendet, als er während der Teilnahme an einem damals unter Adligen sehr beliebten Polospiel ums Leben kam. Nach seinem Tod wurde sein Sohn (oder jüngerer Bruder) und Thronerbe Johannikios zwangsweise in ein Kloster verbracht. Statt seiner bestieg Johannes’ Bruder Manuel I. den Thron. Damit wurde zum zweiten Mal seit der Begründung des Staates der Sohn eines verstorbenen Herrschers zugunsten eines anderen Verwandten bei der Thronfolge übergangen. Zum ersten Mal geschah dies 1222, als Andronikos I., der Schwiegersohn Alexios’ I., diesem auf den Thron folgte. Allerdings könnten einige Quellen darauf hindeuten, dass Johannikios seinen Vater zumindest kurzzeitig beerbte, bevor er abgesetzt und ins Kloster geschickt wurde. 
Komnenos (Trapezunt, Komnenen, Axuch), Kaiser Johannes (I42981)
 
50439 Zitat aus: https://de.wikipedia.org/wiki/Johannes_II._(Byzanz) (Okt 2017)

Der Beginn seiner Regierungszeit wurde überschattet von einer Intrige seiner Schwester, Anna Komnena, die für ihren Mann Nikephoros Bryennios den Thron sichern wollte. Johannes konnte sich jedoch relativ leicht durchsetzen und belohnte seine Helfer, indem er mehrere Titularposten an diese vergab. Den Oberbefehl über die Armee übertrug er seinem Jugendgefährten Johannes Axuch.
Aufgrund seiner sanften und gerechten Regierung wurde er der byzantinische Marcus Aurelius genannt. Durch sein persönliches Vorbild bewirkte er eine deutliche Verbesserung der Sitten der Zeit, vor allem widmete er seine Zeit der Wiederherstellung des Byzantinischen Reichs im früheren Umfang, vor der Katastrophe in der Schlacht von Mantzikert 1071 (Restauratio imperii).
Seine Siege gegen die einfallenden Petschenegen (1122), Ungarn und aufständischen Serben sicherten den Frieden im europäischen Teil des Byzantinischen Reiches und beseitigten die petschenegische Bedrohung endgültig, so dass er sich der Rückeroberung der verlorenen Gebiete in Asien widmen konnte. Seine Erfolge gegen die Seldschuken (1135) konnten deren Fortschritte seit der Schlacht von Mantzikert in Kleinasien teilweise zunichtemachen und so die byzantinische Ostgrenze sichern. Seine Versuche, die byzantinische Oberhoheit über das kleinarmenische Reich in Kilikien (1137) und die Kreuzfahrerstaaten, namentlich das Fürstentum Antiochia (ebenfalls 1137) und die Grafschaft Edessa herzustellen, besserten stark den Ruf seines Reichs. Er versuchte sogar, in Syrien gegen die Araber vorzurücken, doch sein Überraschungsangriff auf Aleppo schlug fehl, da die Bewohner vorgewarnt wurden. Auch die Belagerung von Schaizar musste er nach tagelanger Beschießung aufgeben, das sich aber vorher zu seinem Glück ergab, da seine fränkischen Vasallen keine Tatkraft zeigten und ein Heer Zengis, des Atabegs von Mossul, gegen ihn marschierte.

Das Aufkommen der Normannen in Sizilien unter ihrem König Roger II. brachte Johannes dazu, sich mit den deutschen Königen Lothar III. und Konrad III. im Vertrag von Thessaloniki zu verbünden und diese finanziell zu unterstützen.
Seinen einzigen ernsthaften Rückschlag erlitt er gegen die Republik Venedig, von deren Seemacht er nach dem Zusammenbruch der byzantinischen Flotte im 11. Jahrhundert abhängig war. Sein Bemühen, ihre ausgedehnten Privilegien innerhalb des Reiches zu beschneiden, die langfristig dessen wirtschaftliche Grundlagen zerstören konnten, endete mit einer erniedrigenden Rückkehr zum Status quo, nachdem eine Reihe von byzantinischen Häfen von Venedig geplündert worden waren. Allerdings betrieb Johannes eine recht erfolgreiche Finanzpolitik. 
Komnenos (Byzanz, Komnenen), Johannes II. (I7459)
 
50440 Zitat aus: https://de.wikipedia.org/wiki/Johannes_II._(Trapezunt) (Sep 2023)

Nachdem sein älterer Bruder Georg Komnenos, der dem gemeinsamen Vater zunächst als Kaiser gefolgt war, in turkmenische Gefangenschaft geraten war, nutzte Johannes die sich bietende Gelegenheit, um im Jahre 1280 als dessen Nachfolger selbst die Herrschaft zu übernehmen.

Während seiner Regentschaft musste er sich vornehmlich den Beziehungen zu dem nach der Vertreibung der lateinischen Fremdherrschaft wiederhergestellten Byzantinischen Reich unter Kaiser Michael VIII. Palaiologos widmen. Dieser verlangte, dass Johannes den von ihm geführten und von seinen Vorgängern übernommenen Titel Kaiser der Römer aufgeben sollte. Grund dafür war, dass Michael das von Trapezunt aus beherrschte Gebiet, welches vormals zum Byzantinischen Reich gehört hatte, immer noch als dessen Teil betrachtete und es nur dem in Konstantinopel herrschenden Regenten vorbehalten war, den Kaisertitel zu führen. Johannes gab dem Begehren Michaels zunächst unter Verweis auf die ablehnende Haltung des trapezuntischen Adels, der eine Niederlegung des Titels durch Johannes nicht tolerieren wollte, sowie darauf, dass dieser Titel traditionell bereits von seinen Vorgängern geführt worden war, nicht nach. Johannes wurde von Michael überdies als potentielle Gefahr für seinen eigenen Thron betrachtet, da einige seiner Gegner innerhalb des Byzantinischen Reiches, die sich nicht mit Michaels Akzeptanz der im Zweiten Konzil von Lyon proklamierten Union der orthodoxen Kirche mit der Kirche des Westens abfinden wollten, Johannes als möglichen orthodoxen Prätendenten für den byzantinischen Thron ansahen. Hinzu kam, dass die Familie der Komnenen bis zum Jahre 1185 selbst für etwas mehr als hundert Jahre den Kaiserthron von Konstantinopel innegehabt hatte.

Um die Beziehungen zwischen ihren beiden Reichen auf eine neue Basis zu stellen, bot Michael dem Johannes die Hand seiner dritten Tochter Eudokia Palaiologina an. 1282 heirateten die beiden in Konstantinopel. Eudokia gebar Johannes in der Folge die beiden Söhne und späteren trapezuntischen Kaiser Alexios II. und Michael Komnenos.

Nach seiner Rückkehr von der Hochzeitsfeier legte Johannes den Titel Kaiser der Römer ab und nahm an dessen Stelle den Titel Kaiser und Despot des gesamten Ostens, Iberiens und der überseeischen Provinzen an. Dabei ignorierte er, dass Iberien, das sich ungefähr auf dem Gebiet des heutigen Georgiens befand, bereits unter der Herrschaft Andronikos’ I. für Trapezunt verloren gegangen war. Statt des neuen von Johannes angenommenen Titels verwandte er wie seine Vorgänger und seine Nachfolger jedoch bevorzugt die aus dem Familiennamen abgeleitete Bezeichnung Großkomnene (Megas Komnenos) als Herrscherbezeichnung.

Während der Abwesenheit des Johannes unternahm der georgische König von Imeretien, David VI. Narin, den Versuch, seinen Einfluss auf das Kaiserreich Trapezunt zu vergrößern, und belagerte die Hauptstadt. Obwohl ihm die Einnahme der Stadt Trapezunt selbst nicht gelang, konnte er doch einige Gebiete besetzen. Aus dieser Position der Stärke heraus verhalf David im Jahre 1284 der Halbschwester des Johannes, Theodora Komnene, einer Tochter Manuels I. und der Georgierin Rusudan, zur Macht. Johannes gelang es jedoch bereits im Jahre 1285, Theodora die Herrschaft wieder zu entreißen und den Thron erneut zu besteigen.

Im Jahre 1291 versuchte Papst Nikolaus IV., Johannes zum Übertritt zum katholischen Glauben zu bewegen und richtete deshalb zwei Briefe an ihn, in denen er ihn zur Teilnahme an einem neuen Kreuzzug zur Rückeroberung des Heiligen Lands aufforderte und ihm zudem die Stellung eines Botschafters der Christenheit bei den Tataren in Aussicht stellte. 
Komnenos (Trapezunt, Komnenen), Kaiser Johannes II. (I42990)
 
50441 Zitat aus: https://de.wikipedia.org/wiki/Johannes_III._(Byzanz) (Sep 2023)

Johannes organisierte die Reste des Byzantinischen Reichs und machte es mit seinem Können zum stärksten und reichsten Fürstentum in der Levante. Er sicherte die Ostgrenze durch ein Abkommen mit den Seldschuken und die Ansiedlung von Wehrbauern und brach anschließend auf, um die europäischen Besitzungen seiner Vorgänger zurückzuerobern.

Während seine Flotte in der Ägäis gegen die Lateiner operierte, eroberte er zunächst Rhodos und später Chios, Lesbos und Samos zurück. Im Jahr 1225 schlug seine Armee, um fränkische Söldner verstärkt, die Kräfte des Lateinischen Kaiserreichs auf offenem Feld und drängte sie fast völlig aus Kleinasien heraus.

Während eine Belagerung Konstantinopels, die er 1235 gemeinsam mit den Bulgaren (damals regiert von Zar Iwan Assen II.) anstrengte, ohne Erfolg blieb, erreichte er später im Kampf gegen diese, dass er große Teile Thrakiens und Makedoniens zurückerhielt sowie die Oberherrschaft über die Despotate von Thessaloniki (1246) und Epirus (1252). Die schließlich erfolgreiche Rückeroberung Konstantinopels durch seinen Nachfolger Michael VIII. (1261) basierte auf seinen Anstrengungen.

Johannes III. war Schwiegersohn des Kaisers Friedrich II. Seine Versuche einer Union mit der katholischen Kirche scheiterten. Von der orthodoxen Kirche wurde er als Johannes der Barmherzige heiliggesprochen (Festtag: 4. November). 
Batatzes (Vatatzes), Kaiser von Nikaia Johannes III. (I42969)
 
50442 Zitat aus: https://de.wikipedia.org/wiki/Johannes_III._(Trapezunt) (Sep 2023)

Bis zum Jahre 1342 verbrachte er den Großteil seines Lebens in Konstantinopel. Dorthin hatte Michael nach dem Tode seines Bruders, des Kaisers Alexios II., und der Machtübernahme seines Neffen Andronikos III., der alle möglichen Rivalen um den Thron töten lassen wollte, mit seiner Familie fliehen müssen. Die kurze Gewaltherrschaft Andronikos’ III. leitete eine Zeit der Instabilität in Trapezunt ein. Nach mehreren Wechseln auf dem Kaiserthron ergab sich für Michael im Jahre 1341 die Möglichkeit, der Kaiserin Anna Komnene den Thron streitig zu machen. Zwar gelang ihm nach seiner Rückkehr aus dem Exil kurzzeitig die Übernahme des Thrones, doch wurde er sofort wieder von Annas Anhängern gestürzt und vom Gouverneur von Lymnia gefangen gehalten.

Der einflussreiche General Niketas Scholarios, der Michael gegen Anna unterstützt hatte, wollte die erneute Übernahme des Throns durch Anna nicht hinnehmen. Er begab sich daher 1342 nach Konstantinopel und überzeugte den dort verbliebenen Johannes, selbst die Machtergreifung in Trapezunt zu versuchen. Johannes segelte mit nur fünf Schiffen, von denen drei mit genuesischen Söldnern bemannt waren, nach Trapezunt. Dort angekommen gelang es seinen Männern, die Stadt nach einem kurzen, schweren Kampf einzunehmen. Danach ließ sich Johannes zum Kaiser krönen, seine Vorgängerin Anna erdrosseln und deren Anhänger hinrichten.

Johannes erwies sich jedoch bald als schwacher Herrscher, der sich nur seinen Vergnügungen hingab und im Luxus schwelgte. Hinzu kam, dass er keinerlei Interesse daran zeigte, seinen Vater Michael, der immer noch in Lymnia gefangen gehalten wurde, zu befreien. 1344 marschierte der mit der Situation unzufriedene Niketas mit einigen Männern dorthin, wo ihm die Befreiung Michaels gelang. Zusammen mit diesem kehrte er nach Trapezunt zurück. Bei ihrer Ankunft in der Stadt wurde Johannes abgesetzt und sein Vater erneut zum Kaiser erhoben.

Johannes wurde zum Eintritt in ein Kloster gezwungen und schließlich ins Exil nach Adrianopel geschafft. 
Komnenos (Trapezunt, Komnenen), Kaiser Johannes III. (I43005)
 
50443 Zitat aus: https://de.wikipedia.org/wiki/Johannes_Komnenos_(Domestikos_der_Scholen) (Okt 2017)

Johannes Komnenos war der jüngere Bruder des späteren Kaisers Isaak I.[1] Nach dem Tod ihres Vaters Manuel Komnenos Erotikos verwaist, wurden die beiden Komnenen auf Anordnung von Basileios II. im Studionkloster in Konstantinopel erzogen. Seit 1044 war Johannes mit Anna Dalassene verheiratet. Das Paar hatte die fünf Söhne Manuel († 1070), Isaak, den späteren Kaiser Alexios, Adrianos und Nikephoros sowie die drei Töchter Maria, Eudokia und Theodora.
Bei seinem Herrschaftsantritt 1057 verlieh Isaak I. dem Johannes die hohen Hofwürden eines Nobelissimos und Kuropalates und ernannte ihn zum Domestikos (bzw. Dux, d.h. Oberkommandierenden) der byzantinischen Truppen im Westen. Als der schwer erkrankte Kaiser sich am 25. Dezember 1059 zur Abdankung entschloss, trug er zunächst seinem Bruder die Nachfolge an. Johannes verzichtete jedoch auf die Krone, sehr zum Ärger seiner Frau, die ihn dafür heftig tadelte und – letztlich vergeblich – versuchte, ihn umzustimmen. An seiner Stelle bestieg auf Anraten von Michael Psellos der schon betagte Senatsvorsitzende Konstantin Dukas den Thron von Konstantinopel.

Johannes Komnenos starb am 12. Juli 1067 als Mönch im Studionkloster. Seine Witwe Anna Dalassene blieb eine einflussreiche Persönlichkeit in der byzantinischen Politik; 1081 war sie maßgeblich an der erfolgreichen Usurpation ihres Sohnes Alexios gegen Nikephoros III. beteiligt.

Quellen
• Nikephoros Bryennios 75–79; 85–87
• Christos Philanthropos Typikon, not. 29 (PDF)
• Iveron 2, 97–103
• Kecharitomene Typikon 1855–1856 (PDF)
• Anna Komnena, Alexiade 2, 44
• Pantokrator Typikon 217 (PDF)
• Michael Psellos, Chronographia 7, 22 und 71
• Johannes Skylitzes 492; Skylitzes Continuatus 103
• Johannes Zonaras 18, 4
Literatur[
• Κωνσταντίνος Βαρζός: Η Γενεαλογία των Κομνηνών (= Βυζαντινά Κείμενα και Μελέται. T. 20α, ZDB-ID 420491-8). Τόμος A'. Κέντρο Βυζαντινών Ερευνών – ΑΠΘ, Θεσσαλονίκη 1984, S. 49–57 Nr. 6, Digitalisat (PDF; 264 MB).
• Paul Gautier: Le typikon de la Théotokos Kécharitôménè. In: Revue des études byzantines 43, 1985, ISSN 0766-5598, S. 5–165, Digitalisat.
• Matoula Kouroupou, Jean-François Vannier: Commémoraisons des Comnènes dans le typikon liturgique du monastère du Christ Philanthrope (Ms. Panaghia Kamariotissa 29). In: Revue des études byzantines 63, 2005, S. 41–69, Digitalisat.
• Mihail-Dimitri Sturdza: Dictionnaire Historique et Généalogique des Grandes Familles de Grèce, d'Albanie et de Constantinople. 2. Auflage. Selbstverlag, Paris 1999, ISBN 904747.
Weblinks
• Ioannes Komnenos in der Prosopography of the Byzantine World
• Ioannes Komnenos auf Medieval Lands
Anmerkungen
1 Sturdza (Dictionnaire. S. 274) führt Nikephoros Komnenos als ältesten Bruder auf. 
Komnenos (Byzanz, Komnenen), Johannes (I7260)
 
50444 Zitat aus: https://de.wikipedia.org/wiki/Johannes_Roger_Dalassenos (Sep 2023)

Bereits durch seine Abkunft mütterlicherseits war Johannes Roger mit der herrschenden Dynastie der Komnenen verbunden. Diese Verbindung wurde noch gefestigt, als er vor Oktober 1136 Johannes’ II. älteste Tochter Maria Komnena, die Zwillingsschwester des Thronfolgers Alexios, heiratete. Aus der Ehe gingen zwei Söhne und zwei Töchter hervor. Wahrscheinlich anlässlich dieser Hochzeit verlieh Johannes II. seinem Schwiegersohn den mit dem etwa gleichzeitigen Ableben des Nikephoros Bryennios vakant gewordenen Titel Kaisar. Die Krönung erfolgte möglicherweise erst 1138 anlässlich der triumphalen Rückkehr des Kaisers von seinem Feldzug gegen Kleinarmenien und das muslimische Syrien.

Nach dem Tode Johannes’ II. am 8. April 1143 versuchte Johannes Roger seinem zum Nachfolger designierten Schwager Manuel I. das Kaisertum streitig zu machen. Seinen Thronanspruch unterstützten Teile der Aristokratie und insbesondere die in Konstantinopel lebenden Normannen, darunter der vor Roger II. aus Italien geflohene Robert II. von Capua. Maria Komnena hielt jedoch zu ihrem jüngeren Bruder und verriet ihm die Usurpationspläne ihres Gatten. Johannes Roger wurde daraufhin aus der Hauptstadt herausgelockt, gefangen genommen und bis zur Krönung Manuels in Gewahrsam gehalten.

Ähnlich wie bei seinem älteren Bruder Isaak ließ Manuel I. auch gegenüber seinem rebellischen Schwager Milde walten und beließ ihm den Kaisaren-Titel. Für Februar 1147 ist Johannes Roger als Teilnehmer einer Synode im Blachernen-Palast belegt, 1152 amtierte er als Gouverneur von Strumitza im oberen Vardar-Tal. Seit 1145/46 verwitwet, wurde der Kaisar 1152 nach Antiochia gesandt, um die Witwe des Fürsten Raimund, Konstanze, für sich zu gewinnen. Konstanze wies ihn jedoch trotz seines stolzen Titels und seiner normannischen Abkunft ab, da sie ihn zu alt und unattraktiv fand, und gab stattdessen Rainald von Châtillon den Vorzug. 
Dallassenos, Kaisar Johannes Roger (I42971)
 
50445 Zitat aus: https://de.wikipedia.org/wiki/Johann_Balthasar_Keller

Johann Balthasar Keller

Johann Balthasar Keller entstammte einem der ältesten Zürcher Patriziergeschlechter, der staufischen Keller vom Steinbock, auch genannt zum Schlüssel oder Keller von Schwamendingen (Erhebung in den Ritterstand im neunten Jahrhundert, zweites Adelspatent «vom Steinbock» 1487). Er wurde in Zürich als Sohn des Johann-Balthasar Keller vom Steinbock (1603–1657) und der Verena Wetzel (1617–1679) geboren.

Als begabter Zeichner begann er eine Ausbildung zum Goldschmied. Auf Anregung seines Bruders Johann Jakob Keller (1635–1700), Kanonengiesser in französischen Diensten, begab er sich 1660 nach Paris, um dort dieses Handwerk auszuüben. Gemeinsam wurden sie mit der Errichtung von Giessereien in Besançon, Neuf-Brisach und Pignerol betraut; nach 1674 kehrten sie nach Paris zurück.

In den späten 1680er-Jahren begann Johann Balthasar Keller mit den Gussvorbereitungen der für die Pariser Place Vendôme (damals Place Louis le Grand) bestimmten Reiterstatue Ludwig XIV., die den König als römischen Imperator visualisiert. Die Konzeption stammte vom französischen Bildhauer François Girardon. In einem extra dafür errichteten Giesshaus erfolgte der Guss der fast sieben Meter hohen Statue am 31. Dezember 1692 erstmals in einem einzigen Gussvorgang (Enthüllung 1699, Zerstörung 1792). Keller verwirklichte auch Statuen für den Park von Versailles und den Tuileriengarten.

Im Jahr 1697 wurde er zum Generalkommissar der Giessereien der königliche Artillerie und Inspektor der grossen Giesserei des königlichen Arsenals in Paris ernannt. Die vier berühmten Statuen, die von den Gebrüdern Keller zwischen 1684 und 1686 gegossen wurden, waren für die Fassade des Schlosses von Versailles (1701) bestimmt.

Am 9. Februar 1682 heiratete er Susanne de Boubers de Bernâtre, Tochter einer reichen Familie aus der Picardie.

Die Brüder Keller, die im Laufe ihrer Karriere Hunderte von Kanonen lieferten, hatten einen entscheidenden Einfluss auf die Entwicklung der Artillerie in Frankreich. 
Keller vom Steinbock, Johann (Hans) Balthasar (I58720)
 
50446 Zitat aus: https://de.wikipedia.org/wiki/Johann_I._(Alençon,_Herzog) (Sep 2023)

Bereits 1396 wurde er zum Grafen von Le Perche ernannt, 1404 erbte er beim Tod seines Vaters die Grafschaft Alençon. Als Erbteil mütterlicherseits fiel ihm die Vizegrafschaft Beaumont-au-Maine zu. Darüber hinaus war er Herr von Verneuil, Fougères, Domfront und (durch seine Ehefrau) La Guerche.

Johann wuchs in der Konfusion auf, die durch die Geisteskrankheit des Königs Karl VI. erzeugt wurde. Er unterstützte den Herzog Ludwig von Orléans in dessen Kampf gegen die Bourguignons, verwüstete das Vermandois, und nahm an der Eroberung von Saint-Denis und Saint-Cloud teil.

1412 schickte Karl VI. – während er Herzog Johann von Berry und Herzog Johann I. von Bourbon in Bourges belagerte – Herzog Ludwig II. von Anjou gegen ihn, woraufhin er sich dem König unterwarf und ihn zu den Belagerungen von Compiègne, Noyon, Soissons, Bapaume und Arras begleitete. Vor Bapaume erhob er ihn 1414 zum Herzog von Alençon und Pair von Frankreich.

Er fiel im Jahr darauf in der Schlacht von Azincourt, in der er die zweite Linie zum Gegenschlag führte, nachdem die Engländer die erste Linie durchbrochen hatten. Ihm wird nachgesagt, in der Schlacht Edward of Norwich, 2. Duke of York, getötet (den höchstrangigen Verlust auf englischer Seite) und Humphrey, Duke of Gloucester, verwundet zu haben. Tatsächlich jedoch erstickte der Duke of York im Schlamm, nachdem er gestürzt war und im dichten Schlachtgetümmel nicht mehr aufstehen konnte. 
von Alençon, Herzog Johann I. (I42271)
 
50447 Zitat aus: https://de.wikipedia.org/wiki/Johann_I._(Namur) (Sep 2023)

Im März 1297 traten seine Eltern ihm die Regierung der Grafschaft Namur ab, wobei Guido von Dampierre allerdings den Titel eines Markgrafen von Namur bis zu seinem Tod behielt, weshalb Johann bis dahin sich mit dem eines Grafen von Namur begnügte. Von 1296 bis 1298 wurde er wie sein Vater in Paris gefangen gehalten. Im Jahr 1300 schloss er mit mehreren Städten aus der Umgebung von Lüttich einen Vertrag, durch die diese sich seinem Schutz unterstellten. Als sein Vater erneut in Paris festgesetzt wurde, zog er zusammen mit seinem Bruder Guido gegen Frankreich, das 1302 in der Sporenschlacht geschlagen wurde, jedoch 1304 in der Schlacht von Mons-en-Pévèle siegte. Der Friedensvertrag kam erst 1307 zustande.

1307 leistete er dem Grafen Wilhelm von Hennegau den Lehnseid für die Grafschaft Namur und die Herrschaft Poilvache. 1308 erhob Karl von Valois Anspruch auf die Markgrafschaft als Ehemann von Catherine de Courtenay, der Enkelin von Balduin II. von Courtenay, dem früheren Markgrafen von Namur, doch König Philipp IV. von Frankreich entschied die Frage zugunsten Johanns.

Als Johann den Kaiser Heinrich VII. auf seinem Italienfeldzug begleitete, musste seine zweite Ehefrau Marie von Artois sich mit einem Aufstand auseinandersetzen, der wegen zu hoher Steuern ausgebrochen war, und der erst 1313 mit Hilfe von Graf Arnold V. von Looz unterdrückt werden konnte. 1314 gab ihm der Kaiser die Herrschaft über Cambrai, das er auch in Besitz nahm, wobei er die Beamten des Bischofs absetzte, aber auch bis 1317 exkommuniziert wurde. Von 1318 bis 1322 schließlich führte er Krieg gegen den Bischof von Lüttich. 
von Namur (Dampierre), Markgraf Johann I. (Jean) (I42756)
 
50448 Zitat aus: https://de.wikipedia.org/wiki/Johann_I._(Nassau-Weilburg)

Johann I. (* 1309; † 20. September 1371 in Weilburg) war Graf von Nassau und von 1355 bis 1371 Graf von Nassau-Weilburg, seit 1366 gefürsteter Graf. Er begründete die ältere Linie Nassau-Weilburg.

Leben und Wirken
Johann war der zweitälteste Sohn des Grafen Gerlach I. von Nassau aus dem walramischen Zweig und der Agnes von Hessen, einer Tochter von Heinrich dem Jüngeren, einem Sohn des Landgrafen Heinrich I. von Hessen. Bereits 1344, noch zu Lebzeiten seines Vaters, trat er gemeinsam mit seinem älteren Bruder Adolf die Herrschaft an. Die Brüder teilten 1355 ihren Besitz, wobei Johann Weilburg, Neuweilnau, Freienfels, Gräfenhausen und den nassauischen Anteil von Cleeberg erhielt. Johann wurde damit zum Begründer der Linie Nassau-Weilburg.

1356 nahm Johann als Söldner auf der Seite Frankreichs an der Schlacht bei Maupertuis (Schlacht bei Poitiers) im Hundertjährigen Krieg teil.[1] Während sein Halbbruder Graf Kraft (Crafft) erschlagen wurde und 16 weitere Ritter von der Lahn fielen, geriet er in Gefangenschaft und kam rasch wieder frei, so dass er im Dezember gleichen Jahres am Reichstag in Metz teilnehmen konnte.

Johann, Enkelsohn des Königs Adolf von Nassau († 1298), bekam von Kaiser Karl IV. im Jahr 1366, zugleich für die Nachkommen, den Rang eines gefürsteten Grafen des Reiches zugeteilt.

Durch seine erste Ehe mit Gertrud von Merenberg erwarb er Merenberg und Gleiberg. Die zweite Ehe mit Johanna von Saarbrücken war die Grundlage für die 1381 erfolgte Erbschaft der Grafschaft Saarbrücken. Nach seinem Tod im Jahr 1371 folgte ihm sein Sohn Philipp als Graf von Nassau-Weilburg.

Am 16. Mai 1354 wurde er durch seinen Bruder Gerlach von Nassau zum Obersten Amtmann bzw. Landvogt bzw. Pfleger zu Hessen, Thüringen und auf dem Eichsfelde für Kurmainz ernannt. Er nahm das Amt bis zum 18. November 1356 und erneut vom 6. Oktober 1367 bis zu seinem Tod wahr.

Aufgrund seiner zahlreichen Fehden betrieb Johann die Anlage von Burgen, auch zusammen mit Verbündeten. Neu entstanden durch ihn Neu-Langenau, Hohlenfels, Cleen, Kirchberg und Kyckenburg sowie die Burg Kirberg. Ab 1359 ließ er Nassau und Dausenau befestigen. 
von Nassau-Weilburg, Johann I. (I62107)
 
50449 Zitat aus: https://de.wikipedia.org/wiki/Johann_I._von_Beirut (Sep 2023)

Vor allem wurde Johann als Anführer der Opposition gegen die Herrschaft Kaiser Friedrichs II. im sogenannten Lombardenkrieg in Outremer bekannt. Von seinem Gefolgsmann und Chronisten Philipp von Novara wurde er dabei, wenn auch sehr einseitig, als ritterlicher, ehrenvoller und gerechter Feudalherr idealisiert, welcher sich der despotischen Herrschaft des Kaisers entgegenstellte. Im Kern handelte es sich bei dieser Auseinandersetzung um einen Konflikt zweier gegensätzlicher Gesellschaftsordnungen. Einer vom Kaiser bereits in Sizilien praktizierten zentralistisch-monarchischen Allgewalt auf der einen Seite, gegenüber der traditionellen und fest etablierten Feudalordnung der Kreuzfahrerstaaten auf der anderen Seite, welcher der Gesamtheit der Vasallen, die in der so genannten Haute Cour vertreten waren, ein Mitspracherecht in der Regierung und Rechtsprechung des Landes neben dem Souverän einräumte.

Leben
Aufstieg
Johann war der älteste Sohn des Barons Balian von Ibelin, welcher durch die im Jahr 1187 erfolgte Übergabe Jerusalems an Saladin bekannt wurde. Seine Mutter war die byzantinische Prinzessin Maria Komnena, welche in erster Ehe mit König Amalrich I. von Jerusalem verheiratet und durch die er somit ein Halbbruder der Königin Isabella I. von Jerusalem war. Dieser familiäre Hintergrund verschaffte ihm einen hohen Einfluss im politischen Gefüge des seit 1187 noch bestehenden Restkönigreichs Jerusalem.

Im Jahr 1194 wurde Johann der Nachfolger des zum Mitkönig aufgestiegenen Amalrich II. (Amalrich I. von Zypern) im Amt des Connétable. Vom neuen König wurde er 1197 mit der Herrschaft über Beirut belehnt, das zuvor im Zuge des deutschen Kreuzzugs vom Herzog Heinrich I. von Brabant von den Sarazenen zurückerobert worden war. Hier baute er eine wehrfähige Burg, die in ihrer Architektur auch Bedürfnissen des Komforts genügte. Eine Beschreibung der Burg lieferte der deutsche Abgesandte Wilbrand von Oldenburg in seinem Itinerarium sancte terre. 1198 trat Johann im Haute Cour als Verteidiger des Rudolf von Tiberias auf, welchem eine Beteiligung an einem Mordkomplott gegen den König vorgeworfen wurde. Die Angelegenheit endete mit der Verbannung des Angeklagten aus dem Königreich.

Regent von Jerusalem
König Amalrich II. starb im April 1205 und noch im selben Jahr auch Königin Isabella I., neue Königin wurde ihre Tochter aus früherer Ehe, Maria von Montferrat. Da die neue Königin noch unmündig und unverheiratet war, wählte der Haute Cour Johann zum neuen Regenten des Königreichs. In der Zeit seiner Regentschaft kam es zu keinen größeren Kämpfen zwischen den Christen und Muslimen. 1206 verheiratete er seine weitere Nichte Alice von Champagne mit dem unmündigen König Hugo I. von Zypern, womit er allerdings eine bereits von den Vätern des Paares vereinbarte Verbindung umsetzte. Im Jahr darauf beging Johann selbst seine zweite Ehe und heiratete Melisende, durch die er an die Herrschaft Arsuf gelangte.

1208 billigte Johann den Vorschlag des Haute Cour, eine Gesandtschaft an den Hof des französischen Königs Philipp II. August zu entsenden, bei dem um ein Ehemann für Königin Maria ersucht werden sollte. Die Gesandten konnten 1210 mit Johann von Brienne, dessen Familie eine große Kreuzfahrertradition besaß, nach Outremer zurückkehren, der im September des Jahres mit Königin Maria verheiratet wurde. Da dem Bräutigam und nunmehrigen König Johann I. von Rechts wegen die Regentschaft für seine immer noch unmündige Gemahlin zukam, musste Johann von Ibelin nun auf diese verzichten.

Das Verhältnis der Familie Ibelin gestaltete sich in den folgenden Jahren problematisch zum neuen König, der sich als tatkräftiger Regent erwies. Schon 1212 starb Königin Maria, worauf Johann von Brienne zwar die Königsherrschaft verlor, dafür aber als Regent seiner Tochter und nunmehr rechtmäßigen Königin Isabella II. anerkannt wurde. Wohl mit ihm im Streit über die Regentschaft verlegten die Ibelins bis spätestens 1217 ihren Handlungsschwerpunkt nach Zypern, wo sie als Onkel der Königin Alice größeren Einfluss besaßen.

Regent von Zypern
Bereits 1218 starb König Hugo I. von Zypern nach einer nur kurzen Herrschaftszeit, formal übernahm dessen Witwe Alice für ihren unmündigen Sohn, König Heinrich I., die Regentschaft. Die tatsächliche Regierungsgewalt zog allerdings Johann jüngerer Bruder Philipp von Ibelin, in den folgenden Jahren an sich, der eigentlich als Bailli (Stellvertreter) für die Regentin amtierte. Im Jahr 1225 begab sich Alice freiwillig in das Exil nach Tripolis, von wo aus sie nun in Rivalität zu ihren Onkeln agierte, die Regentschaft konnte nun Philipp mit der Unterstützung des Haute Cour der Insel vollständig übernehmen. Noch im selben Jahr ließ Philipp die Krönung Heinrichs I. vollziehen und rief damit den Protest Kaiser Friedrichs II. hervor. König Amalrich I. von Zypern (Amalrich II. von Jerusalem) hatte dereinst 1197 seine Krone aus der Hand Kaiser Heinrichs VI. entgegen und damit sein Königreich zu Lehen des heiligen römischen Reichs genommen. Kaiser Friedrich II. fasste die durch Philipp begangene eigenmächtige Krönung als Eingriff in seine Rechte als Oberlehnsherr von Zypern auf, außerdem sei die Regierung der Insel nicht von ihm autorisiert und damit ausgehend von seinem Standpunkt illegal.

Der Einwand des Kaisers hatte zunächst keine Folgen. Als Philipp im Jahr 1227 starb, konnte Johann seinem Bruder in der Regentschaft Zyperns nachfolgen, mit der Unterstützung der Mehrheit des Haute Cour. Kurz darauf wurde ihm auch die Regentschaft für das Königreich Jerusalem angetragen, denn sowohl die Königin als auch Johann von Brienne befanden sich nicht im Land. Johann lehnte dieses Angebot in weiser Voraussicht ab. Denn Königin Isabella II. wurde eben in Apulien mit Kaiser Friedrich II. verheiratet und starb nur wenige Monate später bei der Geburt ihres Sohnes Konrad. Dieser war nun der rechtmäßige König Jerusalems, für den sein kaiserlicher Vater die Regentschaft einforderte. Im Frühjahr 1228 hatte der Kaiser seine Rüstungen zu einem Kreuzzug in das heilige Land abgeschlossen, erste Vorauskommandos waren bereits in der Levante eingetroffen, Alice und ihre Anhänger hatten schon zu ihm Kontakt aufgenommen.

Am 21. Juli 1228 landete Kaiser Friedrich II. mit seinem Kreuzfahrerheer in der zypriotischen Hafenstadt Limassol an, Johann und König Heinrich I. empfingen ihn mit ihrer Aufwartung. Bei einem anschließenden Gastmahl schien es zu einer Beilegung ihrer gemeinsamen Differenzen zu kommen, als der Kaiser den jungen König in seiner Würde bestätigte und Johann die Regentschaft bereitwillig aufgab, die in die Hand eines Vertrauten des Kaisers gelegt wurde. Als der Kaiser jedoch die Übergabe der königlichen Einnahmen Zyperns der vergangenen zehn Regentschaftsjahre forderte, kam es zum offenen Streit, denn Johann wies diese Forderung mit dem Hinweis auf die eigene gewohnheitsrechtliche Lage zurück, die auf Zypern bestehe. Nach der Beschreibung dieses Vorganges in der Chronik Novaras, hatte der Kaiser darauf mit dem Einzug Beiruts gedroht und sogar Soldaten im Festsaal aufmarschieren lassen, um dem Nachdruck zu verleihen. Im Schutz der anschließenden Nacht konnte Johann aus der Stadt fliehen und verschanzte sich in Nikosia, der nachziehende Kaiser schloss ihn dort mit seinem Kreuzfahrerheer ein, bevor es allerdings zu ernsten Kämpfen kam, gab Johann auf. Er übergab die geforderten Einkünfte, die Burgen Kyrenia, Kantara, Buffavento und Dieu d’Amour (heute St. Hilarion) wie auch seine zwei älteren Söhne als Geisel dem Kaiser und sicherte ihm seine Unterstützung im Kampf gegen die Ungläubigen zu, im Gegenzug sollte er bis zu einer gerichtlichen Klärung nach dem Kreuzzug im Besitz von Beirut bleiben. Der junge König Heinrich musste den Kaiser auf den Kreuzzug begleiten.

Erhebung gegen die kaiserliche Herrschaft
Am 18. Februar 1229 beendete Kaiser Friedrich II. seinen Kreuzzug in Jaffa mit einer vertraglichen Einigung mit dem Ayyubidensultan al-Kamil, in der die Stadt Jerusalem sowie mehrere Burgen wieder in christlichen Besitz übergingen. Danach ließ sich der, seit September 1227, gebannte Kaiser in der heiligen Stadt zum König krönen. Diese Krönung ließ auf eine Herrschaft in eigenem Namen im Königreich Jerusalem hindeuten, unter Nichtberücksichtigung der Rechte König Konrads, weshalb sie weder von den Baronen im Haute Cour, dem lateinischen Patriarchat, dem Templerorden, noch von der päpstlichen Kurie in Rom als eine Legitimierung irgendwelcher Herrschaftsrechte anerkannt wurde. Der Kaiser wiederum gab offen zu verstehen, dass die Positionen dieser Institutionen keinerlei Einfluss auf seine Handlungsweisen hatten, zumal sie seinem Herrschaftsverständnis entgegenstanden. Folglich breitete sich ein allgemeiner Unmut unter dem Feudaladel Outemers aus.

Bevor der Kaiser im Mai 1229 das heilige Land für immer verließ, ordnete er dort die Herrschaftsverhältnisse in seinem Sinn, freilich ohne darüber mit den Haute Cours einen Konsens gesucht zu haben. Für das Königreich Jerusalem ernannte er Balian von Sidon (in Tyrus) und Garnier l’Aleman (in Akkon) zu seinen stellvertretenden Baillis. Im Königreich Zypern setzte er gleich einen fünfköpfigen Regentschaftsrat ein, der von dem alten Ibelin-Feind Amalrich Barlais angeführt wurde, zusätzlich sorgte er für die Verheiratung König Heinrichs. Kaum hatte der Kaiser die Insel verlassen, brach der angestaute Unmut über ihn und seine Statthalter aus. Die Mehrheit der Barone Zyperns sprach umgehend den kaiserlichen Regenten ihre Rechtmäßigkeit ab und sammelte sich zum militärischen Widerstand hinter Johann von Ibelin, am 24. Juni 1229 siegten sie in der Schlacht von Nikosia gegen die Kaiserlichen. Barlais verschanzte sich mit der Person des Königs in der Burg Dieu d’Amour, wo er ein ganzes Jahr einer Belagerung standhalten, dann aber doch im Sommer 1230 kapitulieren musste, Johann von Ibelin wurde sowohl vom König als auch vom Haute Cour wieder als Regent der Insel anerkannt.

Der Lombarden-Krieg
Dem Umsturz auf Zypern folgte die Reaktion der kaiserlichen Statthalter im Königreich Jerusalem, Balian von Sidon erklärte dem Haus Ibelin den Besitz Beiruts für verlustig, was zunächst aber ohne Konsequenzen blieb. Inzwischen hatten Kaiser Friedrich II. und Papst Gregor IX. im Vertrag von San Germano (9. Juli 1230) ein Einvernehmen gefunden, indem der Kaiser vom Bann befreit und der Vertrag von Jaffa vom Papst anerkannt wurde. Damit wurde der Papst zugleich auch für den kaiserlichen Standpunkt bezüglich der Herrschaftsansprüche im heiligen Land gewonnen. Der Kaiser ernannte darauf seinen Marschall Richard Filangieri zu seinem neuen Statthalter in Outremer, der sich mit einer Flotte und Truppen im Frühjahr 1231 auf den Weg machte. Johann konnte eine Anlandung Filangieris an der Küste Zyperns verhindern, der darauf aber weiter nach Tyrus segelte und dort vom Haute Cour als Regent Jerusalems anerkannt wurde.

Dann aber kam es auch auf dem Festland zu einem Umschwung, als Filangieri gegen Beirut marschierte, um die Stadt des größten Kaiserfeindes zu beschlagnahmen. Er konnte die Unterstadt besetzen, aber Johanns ältester Sohn, Balian, verschanzte sich in der Burg so gut, dass er fast ein Jahr lang für einen Entsatz ausharren konnte. Der Unmut über die Missachtung der Rechtsprechenden Autorität des Haute Cour durch Filangieri führte umgehend zur Bildung einer Fronde gegen ihn, denn ohne die ausdrückliche Zustimmung des Haute Cour durfte kein Baron des Königreichs seines Besitzes entzogen werden. Selbst die zuvor kaiserlich gesinnten Balian von Sidon und Odo von Montbéliard wechselten auf die Seite der Barone über, die ihren Sitz nun in Akkon nahmen. In dieser Stadt selbst bildete die führende Bürgerschaft eine autonome Kommune, die sich wie ihre lombardischen Vorbilder Norditaliens gegen den Kaiser positionierte. Der aus der Lombardei stammende Ibelin-Anhänger Philipp von Novara verglich daher in seiner Chronik den Konflikt in der Levante mit dem gleichzeitig stattfindenden Kampf seiner Heimat gegen den Kaiser.

Im Frühjahr 1232 landete Johann mit der gesamten Ritterschaft Zyperns, einschließlich des Königs, südlich von Tripolis am Festland an. Zunächst befreite er Beirut von der Belagerung, um anschließend nach Akkon zu ziehen, dem Hauptstützpunkt der oppositionellen Barone. Nach seinem Einzug unter dem Jubel der Bevölkerung wurde er nun auch von den Baronen Jerusalems förmlich als ihr Anführer anerkannt. Als weiteres wichtiges Anliegen zur Stärkung ihrer Sache realisierte Johann ein formelles Bündnis des Adels mit der Kommune von Akkon, das sich in seiner Wahl durch den Cour des Bourgeois zum Bürgermeister der Stadt niederschlug. Damit begründete er zugleich die faktische Hauptstadtstellung von Akkon, die bis zum Ende des Königreichs 1291 bestehen blieb. Weiterhin stellte sich der Orden der Tempelritter auf die Seite der Opposition, während die Johanniter und Deutschritter der kaiserlichen Sache treu blieben.

Während dieser Vorgänge suchte Filangieri die Wehrunfähigkeit Zyperns zu nutzen und entsandte Amalrich Barlais mit einem Heer auf die Insel, der sie mit Verheerungen überzog und eine Burg nach der anderen eroberte. Johann suchte sofort eine Entscheidung und ließ sein Heer unter der Führung seines Neffen, Johann, gegen den Hauptort der Kaiserlichen, Tyrus, marschieren. Doch am 2. Mai 1232 wurde das Heer bei Casal Imbert von dem entgegen ziehenden Filangieri überrascht und in die Flucht geschlagen. Johanns Neffe und der ihn begleitende König Heinrich konnten der Gefangenschaft nur knapp durch ihre Flucht nach Akkon entgehen. Filangieri fühlte sich durch seinen Sieg nun stark genug um Zypern endgültig zu unterwerfen und setzte mit seinen Truppen ebenfalls auf die Insel über. Johann aber gewann die Unterstützung der Genuesen für sich, die nach der Gewährung großzügiger Handelsprivilegien auf Zypern ihre Schiffe für den Rücktransport des Heeres auf die Insel zur Verfügung stellten.

Noch im Mai 1232 fuhr Johann im Hafen von Famagusta ein und wandte sich sofort gegen das kaiserliche Heer, dass gerade die Burg Dieu d’Amour belagerte, wo sich die Schwestern des Königs verschanzt hatten. Filangieri wurde von seinem Herannahen gewarnt, weshalb dieser ihm sein Heer entgegenschicken konnte. Dennoch errang Johann am 15. Juni 1232 in der Schlacht bei Agridi einen vollständigen Sieg über die Kaiserlichen, Barlais floh nach Kilikien und Filangieri verschanzte sich in der Burg von Kyrenia. Kurz darauf legte Johann seine Regentschaft auf Zypern nieder, die nun der mündig gewordene König Heinrich I. persönlich übernehmen konnte. Im April 1233 wurde schließlich mit Kyrenia die letzte von den Kaiserlichen gehaltene Burg eingenommen und damit die Herrschaft Kaiser Friedrichs II. in Zypern endgültig beendet, Filangieri gelang allerdings die Flucht nach Tyrus.

Letzte Jahre
In den folgenden Jahren kamen die Kämpfe weitgehend zum Erliegen, und die Konfliktparteien richteten sich in ihren Positionen ein. Abgesehen von der Stadt Jerusalem und den mit ihnen verbündeten Ritterorden konnten sich die Kaiserlichen um Filangieri nur in Tyrus halten, waren darüber hinaus aber von den restlichen christlichen Territorien isoliert, zumal sich Antiochia, Tripolis und Armenien in diesem Konflikt neutral verhielten. Die Barone Jerusalems aber bildeten in Akkon eine eigenständige Regierung mit Odo von Montbéliard als Regenten im Namen König Konrads. Ihr wahrer Anführer aber blieb Johann von Ibelin, der nach seiner Rückkehr in der Stadt im Juni 1233 erneut zum Bürgermeister gewählt wurde. Im August 1234 traf Erzbischof Theodericus von Ravenna als päpstlicher Legat in Akkon ein, mit dem Auftrag die Barone wieder unter die Autorität des Kaisers zu führen. Als ihm dies nicht gelang, sprach er über Johann und seine Anhänger die Exkommunikation aus und belegte Akkon mit dem Interdikt. Diese Maßnahmen wurden allerdings schon im September 1235 wieder zurückgenommen, aber auch weitere päpstliche Vermittlungen blieben aufgrund der Kompromisslosigkeit beider Seiten ohne Ergebnis.

Im Februar 1236 führte Johann zusammen mit Walter von Brienne ein Heer zusammengesetzt aus Rittern von Zypern, Jerusalem, Tripolis und den Johannitern vom Krak des Chevaliers gegen das Ayyubiden-Emirat von Hama. Bei Kämpfen um Ba’rin (Montferrand) stürzte sein Pferd, das ihn unter sich begrub und dabei schwer verwundete. Johann konnte noch nach Akkon transportiert werden, wo er dem Templerorden beitrat, bevor er starb.

Die Führung der Barone übernahmen seine beiden älteren Söhne, die ihm zugleich auch in seinen Besitzungen in Jerusalem nachfolgten, während die zwei jüngeren Söhne im Dienst des Königs von Zypern blieben. Sieben Jahre nach seinem Tod konnten die Barone den endgültigen Sieg über die Kaiserlichen erringen, nachdem sie im Juli 1243 Tyrus erobern und die Statthalter des Kaisers zum Abzug zwangen. Die Regentschaft in Jerusalem übertrug anschließend der Haute Cour an Johanns Nichte und einstige Rivalin Alice von Champagne, der Kaisersohn Konrad blieb weiter anerkannter König, wenngleich er nie in das Königreich kam. Im Jahr 1247 wurde Kaiser Friedrich II. vom Konzil von Lyon für abgesetzt erklärt, noch im selben Jahr entband der Papst das Königreich Zypern aus der Vasallität zum heiligen römischen Reich.

Tafelrunde
Im Jahr 1223 veranstaltete „der alte Herr“ Johann anlässlich der Schwertleite seiner Söhne, Balian und Balduin, auf Zypern einen großen Hoftag mit einem großen Turnierwettbewerb, an dem der größte Teil der Ritterschaft und Nobilität des christlichen Outremers teilnahm. Wie Philipp von Novara berichtet, stand diese Festivität dabei ganz unter dem Motto der in dieser Zeit populär gewordenen Erzählungen um König Artus und seine Ritter, die in der Feudalgesellschaft Outremers ebenso enthusiastisch aufgenommen wurden wie an den Höfen Westeuropas. Dazu ließ Johann auch eigens eine Tafelrunde bilden, an der die Teilnehmer in der Verkleidung der Artus-Ritter auftraten und deren Abenteuer im Spiel imitierten. Diese Tafelrunde ist überhaupt die erste schriftlich überlieferte Festivität dieser Art, welche in den kommenden Jahrhunderten auch an den Höfen Europas mit weit größerem Aufwand zelebriert wurde. 
von Ibelin, Johann (I42856)
 
50450 Zitat aus: https://de.wikipedia.org/wiki/Johann_II._(Dreux) (Sep 2023)

Johann nahm am Flandernkrieg des Königs Philipp IV. von Frankreich teil. Im Heer des Grafen Robert II. von Artois war er 1297 bei den Eroberungen von Cassel und Béthune dabei, kämpfte siegreich bei Furnes (20. August) gegen ein flämisch-deutsches Aufgebot unter Wilhelm von Jülich und zog in Lille (26. August) ein. Am 11. Juli 1302 kämpfte Johann in der verheerenden Schlacht der goldenen Sporen bei Kortrijk (Courtrai), aber auch 1307 in der siegreichen Schlacht bei Mons-en-Pévèle. Anschließend wirkte an den Friedensunterhandlungen mit. 
von Dreux, Graf Johann II. (I42747)
 

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