Otto Manesse

Otto Manesse

männlich - 1271

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  • Name Otto Manesse 
    Geboren
    • Es ist nicht belegt, ob die Brüder Otto und Heinrich wirklich von diesem Otto Manesse abstammen..?
      Aus dem Bericht des Max Schiendorfer entnehme ich, dass die Pröpste Otto und Heinrich die Oheime des Rüdiger II. waren. Dies würde nahelegen, dass sie die Brüder des Rüdiger I. waren und dessen Vater Otto auch ihr Vater war und demnach Otto wahrscheinlich der erstgeborene? (Oheim wäre hier als Onkel und nicht als Mutterbruder verwendet worden.) ms
    Geschlecht männlich 
    Beruf / Beschäftigung 1242  Grossmünster, Zürich, Schweiz Suche alle Personen mit Ereignissen an diesem Ort 
    Chorherr 
    Beruf / Beschäftigung 1250  Grossmünster, Zürich, Schweiz Suche alle Personen mit Ereignissen an diesem Ort 
    Thesaurar 
    Beruf / Beschäftigung 1258  Grossmünster, Zürich, Schweiz Suche alle Personen mit Ereignissen an diesem Ort 
    Propst des Grossmünster 
    • Otto Manesse, 1242 Chorherr, seit 1250 Thesaurar, wurde 1258 zum Propst ernannt, welches Amt er aber noch im selben Jahre seinem Bruder Heinrich überließ. Er selbst trat dem Zürcher Predigerkonvent bei, ohne die engen Beziehungen zum Großmünster aufzugeben. Heinrich Manesse nahm daraufhin sogleich eine umfassende Reorganisation des Stifts in Angriff. Beide Brüder starben 1271. [1]
    • https://de.wikipedia.org/wiki/Grossmünster
    Gestorben 1271  Zürich, ZH, Schweiz Suche alle Personen mit Ereignissen an diesem Ort 
    Personen-Kennung I24167  Reise in die Geschichte / Journey into the history / Voyage dans l'histoire
    Zuletzt bearbeitet am 29 Jan 2021 

    Vater Otto Manesse,   geb. Zürich, ZH, Schweiz Suche alle Personen mit Ereignissen an diesem Ort 
    Familien-Kennung F5506  Familienblatt  |  Familientafel

  • Ereignis-Karte
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    Link zu Google MapsBeruf / Beschäftigung - Thesaurar - 1250 - Grossmünster, Zürich, Schweiz Link zu Google Earth
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  • Orte, Wohnen
    Grossmünster in Zürich
    Grossmünster in Zürich
    Westfassade des Grossmünsters zur Limmat.

    Bild: Wikipedia; Roland zh - Eigenes Werk - https://commons.wikimedia.org/wiki/User:Roland_zh
    © CC BY-SA 3.0 - https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/

  • Notizen 
    • Auszug aus: https://www.zora.uzh.ch/id/eprint/83873/1/Schiendorfer_Zuerich.pdf

      Zürich

      1. Umbruch und Aufbruch im 13. Jahrhundert

      Das 13. Jahrhundert bedeutete für Zürich eine Wegstrecke des Umbruchs, in deren Verlauf die politische Hierarchie ebenso umstrukturiert wurde wie jene der geistlichen Zentren; das Rechts- oder das Bildungswesen wären weitere zu nennende Bereiche und natürlich auch jener, den man im engeren Sinne als Kulturschaffen zu bezeichnen pflegt. Bei allem Umbruch und Aufschwung ist aber nicht zu vergessen, dass auch das Turegum des 13. Jahrhunderts noch allemal ein überschaubares Gebilde von kaum 5000 Einwohnern darstellt. Und unter diesen sind es nur wenige hundert, die als städtische Elite den Ton diktieren, und zwar in allen genannten Lebensbereichen. Eindrücklich zeigt sich das gerade am Beispiel der Familie Manesse, der man in den Quellen auf Schritt und Tritt begegnet, sei’s an den Schalthebeln politischer Macht, sei’s als Chorherren, Schulmeister, Schatzmeister oder Pröpste des Großmünsters, sei’s als Handelnde, Zeugen, Bürgen und Kreditgeber in Rechts- und Finanzaktionen, sei’s schließlich auch als Kunstfreunde und Mäzene.

      Kommen wir zunächst zur Machtverschiebung auf lokalpolitischer Ebene. Stichdatum ist diesbezüglich das Jahr 1218, als die Herzöge von Zähringen in der Manneslinie ausstarben. Bis dahin hatte Zürich unter ihrer Reichsvogtei gestanden, die eine nennens- werte Mitsprache seitens der Bürgerschaft oder des lokalen Klerus nicht vorsah. Nun jedoch wollte es die großpolitische Lage, dass der jugendliche Friedrich II. noch immer um die definitive Etablierung seiner Herrschaft kämpfte und dabei auch auf die Unterstützung der wirtschaftlich aufstrebenden Städte setzte. So traf sich denn seine Interessenlage glücklich mit derjenigen Zürichs. Friedrich übertrug die verwaiste Reichsvogtei keinem anderen Fürstenge- schlecht – besonders die Grafen von Kyburg hatten sich darauf se- riöse Hoffnungen gemacht, sondern unterstellte die Stadt unmittelbar der Krone. Zwar gab es auch weiterhin nominelle Vögte, doch wurden diese nun aus der Zürcher Stadtritterschaft gewählt. Zudem bekam die Reichsstadt das Privileg, eine Anzahl von Abgeordneten zu delegieren, die fortan die Interessen der lokalen Bürgerschaft vertreten sollten. „Schon 1220 tritt erstmals ein Rat der Zürcher Bürgerschaft als politisch eigenständige Kraft auf den Plan, und 1225 wird die Reichsvogtei über Zürich an den Zürcher Bürger und Ritter Hugo Brun verliehen.“ Als einer von dessen frühen Nachfolgern ist 1240 Ritter Rüdiger I. Manesse, der Vater des Liedersammlers, bezeugt.

      Zu dieser Zeit hatten die Zürcher die Pfalz auf dem Lindenhof längst dem Erdboden gleichgemacht, um jede Erinnerung an diese Symbolstätte der Fremdherrschaft zu tilgen. Stattdessen stellte man den jetzt noch dominanteren geistlichen Zentren mit dem neuen Rathaus ein Wahrzeichen der erstarkenden Bürgerschaft zur Seite. Hier erledigte der Rat – dessen Mitglieder sich selbstbewusst den her-Titel zulegten und das Deutsche zur maßgeblichen Urkundensprache erhoben – seine Geschäfte, und hier war er nicht zuletzt bemüht, seine Kompetenzen kontinuierlich auszuweiten, indem er etwa beharrlich die Privilegien der Fürstin von Zürich, der Fraumünsteräbtissin, nach und nach an sich zog.

      Die Äbtissin stand aber noch anderweitig unter Druck, denn auch die geistliche Vorherrschaft war zwischen den beiden Stiften umstritten. Und auch hier sollte sich weisen, dass die rivalisierende Großmünsterpropstei über die gewiefteren Strategen verfügte. Hinzu kam neu die Konkurrenz der Bettelorden: 1230 ließ sich in Zürich, unter Führung des Abtes Hugo Ripelin von Straßburg, eine Gruppe von Predigermönchen nieder, deren geistlicher Obhut sich bald darauf die in den frühen Dreißigerjahren gegründeten Dominikanerinnenkonvente zu Oetenbach bei Zürich (ab 1280/85 dann intra muros domiziliert) sowie zu Töß nahe Winterthur unterstellten. Noch vor 1240 gründeten die Franziskaner eine Zürcher Niederlassung, und 1265/70 folgten ihrem Vorbild die Augustiner-Eremiten.
      Durch die 1230 mitten in ihrer Pfarrei angesiedelten Prediger herausgefordert, setzte die Propstei auf die Karte ihres vornehmen Herkommens. Auf Grundlage eines (nach heutigem Wissensstand etwas obskuren) Dokuments gelang ihr der Nachweis, dass das Großmünster von Karl dem Großen persönlich gegründet worden sei. Damit war zugleich auch das Fraumünster, Gründung Ludwigs des Deutschen, übertrumpft, dessen ungleich berühmterer Vorgänger Karl überdies 1165 auf Betreiben Friedrich Barbarossas heiliggesprochen worden war. 1215 doppelte dessen Enkel Friedrich II. nach, indem er in der Begräbniskirche zu Aachen die kaiserlichen Reliquien in einen neu erstellten Altar überführen und einen Feiertag der translatio Karls ausrufen ließ. Die beispiellose Aura des großen und heiligen Vorgängers sollte auch die Kaiserwürde der Staufer umso glanzvoller erstrahlen lassen. Am Großmünster war man gelehrig. Man erbat sich Teile der Aachener Reliquien, die bereits 1233 tatsächlich gewährt wurden; die Pröpste Otto und Heinrich Manesse ließen einen Karlsaltar errichten, der 1259 eingesegnet wurde. Zugleich führte Heinrich Manesse ein für die Pröpste fortan maßgebliches Siegelbild mit dem kaiserlichen Stifter ein. 1259 war zudem das Jahr, in welchem der universalgelehrte Chorherr und Magister Konrad von Mure (ca. 1210–1281) das neu geschaffene Kantoramt antrat und die Großmünsterliturgie neu zu gestalten begann. Und es überrascht wenig, dass der daraus erwachsene liber ordinarius von 1260/61 ein prunkvolles summum festum zu Ehren Kaiser Karls vorsieht.
      Einen zweiten Trumpf der Propstei bildete die Stiftsschule, die seit der Jahrhundertmitte ebenfalls eine kräftige Förderung erfuhr, erneut unter Federführung der Herren Manesse und des seit 1244 als Schulleiter amtierenden Konrad von Mure.16 Auf ihre Initiative wurde z. B. das 1260 erstmals belegte Amt eines besonderen Stiftsbibliothekars eingeführt.17 Zu diesem Zeitpunkt dürfte Rüdiger II. Manesse, der 1252 jedenfalls volljährig war, etwa 25 bis 30 Jahre gezählt haben. Könnte er zuvor, als Schützling seiner einflussreichen „Oheime“, die Lateinschule des Großmünsters durchlaufen haben? [1]

  • Quellen 
    1. [S86] Zürich, Max Schiendorfer, (Universität Zürich).