- Die Geschichte der Familie Schwend nimmt ihren Anfang bei einem Berchtold, dessen Gattin Sophia mit Namen, an einem 31 August vor 1253 starb. Hätte und das Jahrzeitbuch des Grossmünsters diese Nachricht nicht aufbewahrt, so würden wir dem Namen Schwend vor dem Jahre 1272, in welchem er zum erstenmal in einer Urkundegenannt wird, nicht begegenen, zu einer Zeit also, wo, um nur einige Beispiele hervorzuheben, die Biber und Wisso (1149), Mülner (1159), Biberli (1167), Brun (1200), Maness )1219), Bockli und Weiss (1225) schon seit Dezennien in Zürich nachweisbar sind. Es ist dies, zumal die Schwenden bereits von 1276 an im Rate erscheinen, also von Anbeginn ihres Auftretens an zu den ersten Familien der Stadt gehört haben müssen, eine sehr auffällige Erscheinung, für die wir in zweierlei Weise eine Erklärung zu geben versuchen können. Entweder existierte das Geschlecht schon ehedem in Zürich unter einem anderen Namen, oder es ist, etwas um die Mitte des 13. Jahrhunderts, von auswärts her eingewandert. Für die erstere Annahme liegen nun durchaus keine Anhaltspunkte vor, während zu gunsten der letzteren das Wappen zu sprechen scheint. Der Schild - vom Helm können wir hier absehen, da die Schwenden bis in den Beginn des 15. Jahrhunderts nur Schildsiegel führten - ist quergeteilt und zeigt in der oberen (wie aus gemalten Darstellungen des 15. Jahrhundert hervorgeht) silbernen Hälfte zwei rote fünfblättrige Rosen an Stielen, welchesich entweder auf der Teilungslinie des Schildes und in der unteren Schildeshälfte je einmal, oder im unteren Felde zweimal schneiden. Dieses Wappen scheint auf einen Zusammenhang mit Rapperswil (in Gold drei rote Rosen) zu deuten. Waren die Ahnherren des Geschlechtes Schwend etwa Rapperswiler Minesterialien gewesen, wie die Ritter von Dübelstein (in rot zwei weisse Rosen), die Ritter von Rampach (in rot-weiss gespaltenem Schilde eine weisse und eine rote Rose), oder die Marschälle von Rapperswil (in Schwarz eine weisse Rose)? Eine befriedigende Antwort lässt sich bei der Dürftigkeit des vorliegenden Materials nicht geben; über jenen Berchtold (I.) un seine Gattin Sophia hinaus können wir also nicht gelangen: sie bilden für uns die Stammeltern des Geschlechtes, dessen Schicksale in ihren Hauptzügen hier vorgeführt werden sollen.
(Auszug aus: Ernst Diener, Schwend - Eine Zürcher Familie)
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