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Attinghausen

Freiherren, Burg, Wohnturm, Greiss, Geographie und Wappen

Attinghausen an der Reuss (Foto: Roland Zumbuehl)

Freiherren von Attinghausen 
Der Ursprung des Dynastengeschlechtes Attinghausen-Schweinsberg ist ausserhalb von Uri zu suchen. Vielleicht bildeten die Attinghausen einen Ableger der adligen Sippe von Signau im Emmental, die ihren Stammsitz auf Schweinsberg bei Eggiwil hatte. Von der älteren Burg Schweinsberg ist heute nur noch der Burggraben sichtbar. Die jüngere, an die ebenfalls nur noch der Name und einige Erdhügel und Gräben erinnern, liegt am Eingang des Eggiwiler Tales auf der Schweissbergfluh. Zeitpunkt und Gründe, welche die Bewohner veranlassten, die in ihrer Herrschaft gelegenen Burgen zu verlassen, sind unklar. Sicher stand um 1240 die Burg Attinghausen in Uri als Mittelpunkt einer beträchtlichen Grundherrschaft. Die Burg selbst wird erst spät in einer Urkunde vom 3. Februar 1357 erwähnt. Von 1240 bis 1253 erscheint in den Urkunden ein Freiherr Ulrich, welcher sich abwechselnd, je nach seinem Auftreten in hochburgundischem oder innerschweizerischem Gebiet, „von Attinghausen“ oder „von Schweinsberg“ nannte. Bevor die Attinghausen aktiv in die Urnerische Politik eingriffen, wurden sie dank ihrer offensichtlich hohen sozialen Stellung als Zeugen für wichtige Handlungen aufgeboten, so in der Sippenfehde der Izzeli-Gruoba oder zur Beilegung von Alpstreitigkeiten. Mit der nächsten Generation erfuhr die Stellung der Familie eine Steigerung. Freiherr Werner II von Attinghausen, der spätere Landammann, wirkte 1275 als Zeuge bei einem Alpstreit zwischen Uri und dem Kloster Engelberg mit. Schon vor der eigentlichen Übernahme des Landammannamts begann sich seine führende Stellung abzuzeichnen: 1290 besiegelte er eine Schenkung der Schächentaler Leute für die Kirche von Spiringen, und 1291 brachte er das Landessiegel auf der im Zusammenhang mit dem Erwerb des Turms von Göschenen erstellten Urkunde an, obwohl bei diesem Rechtsakt der amtierende Landammann, Arnold von Silenen, anwesend war. Auch im dreijährigen Schutzbündnis von Uri und Schwyz mit Zürich vom 16. Oktober 1291 stand Werner von Attinghausen an der Spitze der urnerischen Vertretung. Das Amt des Landammanns von Uri hatte Werner von Attinghausen wohl als direkter Nachfolger Arnolds von Silenen spätestens um 1294 übernommen. Die Amtsübernahme isst zeitlich nicht genau zu fixieren. Als Landammann handelte er in eigenem sowie in öffentlichem Interesse. Dank Privilegien des Königs Adolf von 1297 und Ludwigs des Bayern 1316 gelang ihm die diplomatische und durch den Sieg bei Morgarten 1315 die militärische Sicherung des urnerischen Gebietes. Nach wiederholten Streitigkeiten zwischen Uri und dem Kloster Engelbeg wurde er 1309 als Schiedsrichter beigezogen, allerdings ohne den erwünschten Erfolg für das Kloster. Aus dem Klagerodel des Klosters ergibt sich nämlich, dass ausgerechnet Werner von Attinghausen die Urner zum Rechtsbruch aufgestachelt hat. Es fällt auf, dass sich dieser erste aus dem freiherrlichen Geschlecht der Attinghausen stammende Urner Landammann noch 1288 „von Schweinsberg“ nannte, sich aber von 1290 an den Namen „von Attinghausen“ zulegte, obwohl die Umschrift seines Siegels weiterhin auf den alten Namen „von Schweinsberg“ lautete. Indem er sich den wichtigen Reichszoll in Flüelen verpfänden liess, brachte er die Kontrolle über die Gotthardroute in die Hand der Urner. Nach dem Tod Werners von Attinghausen wurde vermutlich seinem Sohn Johann die direkte Nachfolge des Landammannamts übertragen, das dieser bis zu seinem Tod 1357 ununterbrochen ausüben sollte. Johann nannte sich konsequent „von Attinghausen“ und führte auch ein Siegel mit entsprechender Umschrift. Freiherr Johann von Attinghausen – der in den Urkunden als Ritter figuriert – war der Anführer der Urner in der Schlacht von Laupen 1339 und ein eifriger Förderer des Bündnisses der acht Alten Orte. Im Ewigen Bund mit der Stadt Zürich vom 1. Mai 1351 werden als vertragsabschliessende einzig Bürgermeister Rudolf Brun von Zürich und „Johans von Attinghausen, ritter, Landamman“ persönlich aufgeführt. Das Bündnis bedeutete für den Zürcher Bürgermeister ein Mittel zum Schutz seiner Stadt in einer momentanen Notsituation, für die Eidgenossen hingegen die erste Erweiterung nach dem Mittelland hin. Das Zustandekommen des Vertrages war durch das gemeinsame Interesse am Gotthardverkehr begünstigt worden. Gegen Schluss seines Lebens konnte Johann von Attinghausen seine Macht auch auf das Oberwallis ausdehnen. 1354 wurde er vom Kaiser Ludwig zum „Rector Vallesiae“ ernannt.

Mit ihm verschwanden die in der mittelalterlichen Urner Politik bedeutendsten Vertreter dieses freiherrlichen Geschlechtes aus den Urkunden, während der Zweig der ins Emmental zurückgewanderten Schweinsberg noch gut ein halbes Jahrhundert länger urkundlich fassbar ist.

Johanns minderjähriger Sohn Jakob wurde von der Äbtissin von Zürich nach der damaligen Sitte als Pfarrrektor von Altdorf eingesetzt, obwohl er die Weihen nicht empfangen hatte. 1359 soll er auf einer reise nach Avignon verschollen sein. Wie auch andere Dynastenhäuser verkleinerte sich die Familie durch weibliche Nachkommenschaft, die keine standesgemässen Ehen mehr eingehen konnte. Weder die aus dem Oberwallis stammenden Meier von Simpeln noch die Bündner Fryberg noch die aus dem Haslital herkommenden Ritter von Rudenz entsprachen sozial den hochadeligen Freiherren. Macht und Ansehen erwuchsen bereits zu jener Zeit nicht mehr nur aus dem herkommen und den Standestitel, sondern aus der Fähigkeit, die Zeichen der Zeit zu erkennen und rücksichtslos danach zu handeln.

Die Stellung der Attinghausen in Uri endete abrupt. Am 27. November 1357 wird Johann zum letzten Mal als Landammann genannt. Es wird angenommen, dass er kurz danach einen Aufstand zum Opfer gefallen sein muss. Das Stillschweigen über seinen Sturz erschwert die Beantwortung der fragen nach dem Zeitpunkt und den Urhebern. Anscheinend ist der Freiherr von einheimischen Landsleuten gestürzt worden. Für einen auswärtigen Umsturzplan fehlen sämtliche Indizien. Allgemein gesehen liegen die Gründe für Johanns Sturz in der Übertreibung seiner persönlichen Macht. Aber auch eine andere Erklärung bietet sich an; ausser der Familie Attinghausen gelang es in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts auch anderen Familien, emporzusteigen. Deren Ziele müssten zwangsläufig mit der Zeit in den Interessenkreis der Attinghausen führen. Innenpolitisch kreuzten sich die attinhausischen Ziele mit jenen der Sippen der Meier von Erstfeld und Silenen, aussenpolitisch im Gotthardraum mit den Ambitionen der von Moos und im Oberwallis mit den Plänen der Familie von Silenen Der These, nach welcher die Burg Attinghausen im Zusammenhang mit der Machtprobe dieser Geschlechter niedergebrannt worden sei, können wir uns nicht mehr anschliessen. Bei der Erstürmung der Anlage sollen zwei Brüder von Moos an der Seite von Johann von Attinghausen gefallen sein. Die Ausgrabungen von 1979 haben keinerlei Beweise für eine kriegerische Zerstörung beibringen können.

Eine dritte Hypothese besteht in der Annahme, das auslösende Moment zum Sturz sei im von Johann eingeleiteten Ankauf von klösterlichem Grundbesitz von 1359 zu suchen. Dies hätte für Johann eine bedeutende Vergrösserung seines Eigengutes und damit eine Verstärkung seiner Machtgrundlage bedeutet, war er doch bereits Inhaber verschiedener umfangreicher Wettinger Lehen.

So wie die Herkunft der Freiherren von Attinghausen, so bleibt auch das Ende ihrer Herrschaft in Uri im dunklen. Als Möglichkeit für ihren Sturz kommen masslose Zollforderungen, Interessenkollisionen innerhalb der nach Führung strebenden Familien und übermässiger Machtzuwachs der Attinghausen durch den Güteraufkauf von 1359 in Frage. Es ist merkwürdig, welch auffallend geringe politische Rolle die Meier von Erstfeld und von Silenen sowie die Vertreter der Familie von Moos zu Johanns Lebzeiten spielten. Auch sind keine ehelichen Verbindungen mit Vertretern dieser Geschlechter bekannt. Den Sturz als Resultat einer demokratischen Bewegung in Uri zu interpretieren, ist kaum statthaft, vielmehr sind die Attinghausen Auseinandersetzungen mit der adligen Konkurrenz zum Opfer gefallen.

Die Nachkommen der Schwestern Johanns von Attinghausen, die Herren von Rudenz aus Unterwalden und die Herren von Simpeln aus dem Wallis, konnten sich nur durch Konzessionen einen Teil des Erbgutes sichern.

Ruine der Burg der Freiherren von Attinghausen (Foto: Roland Zumbuehl) 

Burgruine 

Die Burgruine Attinghausen, eine der wichtigsten Burganlagen im Kanton Uri, erhebt sich auf einem felsigen Hügel mitten im Dorf, nahe der Pfarrkirche. Die Anlage gehört seit 1896 dem Verein für Geschichte und Altertümer des Kantons Uri. Bereits 1897/98 wurde die Ruine gründlichen Freilegungs- und Restaurierungsarbeiten unterzogen. Die Ausgrabung lieferte nicht wenige aufschlussreiche Kleinfunde, so z.B. auch eine eiserne Beckenhaube, ferner zahlreiche Gegenstände des Alltagslebens wie Steigbügel, Schafscheren, Schlüssel und Ofenkacheln. Robert Durrer nennt in seinem Aufsatz über diese Arbeiten die Ruine Attinghausen nicht ganz zu Unrecht die „Renommierruine“ der damaligen geschichtsbewussten Zeit. 1979 wurde eine erneute Sicherung des angegriffenen Mauerwerks unumgänglich. Auch diese Sicherungsarbeiten konnten mit einer vorgängigen Ausgrabungskampagne kombiniert werden. Die auf einer relativ bescheidenen Grundfläche durchgeführten Sondierungen brachten aber wichtige Erkenntnisse für die Geschichte der Anlage.

Die jetzige Burgruine steht inmitten einer älteren und umfangmässig weit grösseren Anlage. Diese reicht ins frühe 12., eventuell sogar in das 11. Jahrhundert zurück und bestand aus einer Kernburg mit Ringmauer, einem Ringgraben sowie einer mit Umfassungsmauer bewehrten Vorburg auf dem nördlich vorgelagerten Plateau. Der ehemalige Ringgraben ist heute praktisch ausgeebnet. Die Bauten innerhalb des Berings waren sicherlich aus Holz ausgeführt, weshalb sich auch keine Überreste erhalten haben. Die Mauern der noch sichtbaren Burgruine stammen von einem Neubau, der in die erste Hälfte des 13. Jahrhunderts anzusetzen ist. Entsprechend den nach 1200 geänderten Wehrbautechniken bestand die Anlage nicht mehr aus den Hauptelementen Kernburg, Ringgraben und Vorburg, sondern aus einem alleinstehenden, hohen, quadratischen Wohnturm sowie einer Ringmauer mit unregelmässigem Verlauf. Im Südteil der Burg lehnte sich innen an die Ringmauer ein hölzernes Gebäude an, das nur durch drei schmale Scharten erhellt war. Nach 1300 ist diese Südpartie grundlegend umgestaltet worden. Das hölzerne Haus wurde abgebrochen und durch einen grossen Steinbau ersetzt, der als Wohngebäude diente. Binnenmauern trennten das Gebäude in drei Teile. Der neue Bau war ebenerdig zugänglich. Die bei den Freilegungsarbeiten von 1897/98 im Südtrakt zum Vorschein gekommenen Funde weisen auf Wohnräume in den oberen geschossen hin. Die Räume des Erdgeschosses wurden jedoch vermutlich als Stall und für andere landwirtschaftliche Bedürfnisse genutzt, wie aus verschiedenen Bodenfunden interpretiert werden kann. Die Mehrfachnutzung eines Gebäudes als Wohnraum in den oberen Geschossen und als Pferdestall im Erdgeschoss ist uns auch von anderen Burganlagen her bekannt. Der Oberbau dieses Gebäudes lässt sich nicht mehr rekonstruieren: am ehesten ist ein Zeltdach über dem trapezförmigen Grundriss wahrscheinlich.

Heute präsentiert sich die Burg dem Betrachter als malerische Ruine. Der mächtige, hohe Turm bildet im Grundriss ein Quadrat von gut elf Metern Seitenlänge. Auch die Mauerstärke ist beträchtlich, beträgt sie doch drei Meter. Das Mauerwerk ist lagerhaft geschichtet, und die Eckquader sind sorgfältig behauen. Der Mauersockel am Fuss des Turms auf der Westseite bildete einen Bestandteil  der hölzernen Treppenkonstruktion des Hocheingangs, der sich im zweiten oder dritten Geschoss der West- oder Südwand befand. Die Frage nach der ursprünglichen Höhe des Turms kann nicht beantwortet werden. Auch die Möglichkeit eines Oberbaus aus Holz sowie die Dachform des Turms müssen offen bleiben. In der Westpartie der Ringmauer war das Burgtor ausgespart, wovon heute nur noch wenige originale Mauersteine sowie die Reste eines gemauerten Kanals für den Sperrbalken zeugen.

1897 ist im Burginnern bis auf den natürlichen Fels hinunter gegraben worden, wodurch die Schichtenfolge des Burginnern zerstört worden ist. Das Fehlen eines Ziehbrunnens für die Wasserversorgung der Burgsassen innerhalb des Burgbezirks bedarf noch der Erklärung. Die von Robert Durrer aufgestellten Hypothesen über eine gewaltsame Zerstörung der Burg um 1359 lassen sich wegen der gestörten stratigraphischen Verhältnisse im Innern der Anlage nicht nachprüfen. Ausserhalb der Ringmauer erbrachten die Untersuchungen keinerlei Nachweise von einer Brandkatastrophe. Die von Durrer an den Originalmauern noch beobachteten Brandspuren im Innern der Burg sind anlässlich der Rennovation des ausgehenden 19. Jahrhunderts beseitigt worden. Nach Ansicht von Werner Meyer, dem Leiter der Ausgrabungen von 1979, lassen die reichhaltigen und repräsentativen Funde eher auf eine natürliche Brandursache als auf eine kriegerische Zerstörung der Burg schliessen. Das Mauerwerk weist zudem keine Spuren einer vorsätzlichen Schleifung auf. Nach Meyer müsste das Auflassungsdatum der Burg aufgrund der Funde um 1370 angesetzt werden, was aber der These von der gewaltsamen Zerstörung die historische Voraussetzung entzöge. Weitere archäologische Untersuchungen im ungestörten Bereich der Anlage ausserhalb der Ringmauer könnten in dieser frage vielleicht weiterhelfen. Die Funde der Ausgrabung von 1979 sind nicht gerade spektakulär, dürfen aber wegen ihres kulturgeschichtlichen aussagewertes nicht unterschätzt werden. Unter den Eisenfunden dominieren die verschiedenen Pfeil- und Armbrustbolzeneisen des 13. und 14. Jahrhunderts.

Zahlreiche Ofenkachelfragmente belegen den Einbau von Kachelöfen bereits für das 13. Jahrhundert. Nach 1300 sind vermutlich mehrere Räume der Burg mit Kachelöfen ausgestattet worden. Der jüngste Ofen auf Attinghausen aus der Mitte des 14. Jahrhunderts ist bereits aus figurengeschmückten Kacheln zusammengesetzt und zeigt den Einfluss gehobener städtischer Wohnkultur.

Aus den zahlreichen Tierknochen lässt sich der Speisezettel der Burgbewohner ablesen: Rinder, Schweine, Schafe und Ziegen wurden hier gehalten. Vereinzelt sind auch die Knochen von Jagdwild vertreten. Der in Uri damals sicher weit verbreitete Bär ist durch einen mächtigen Eckzahn belegt.

Die Resultate der Ausgrabung von 1979 haben zu neuen Fragestellungen geführt, die einstweilen nicht schlüssig beantwortet werden können. Die Anfänge der Burg reichen ins 12., wenn nicht gar ins 11. Jahrhundert zurück. Die 1980 erfolgten Untersuchungen in der Pfarrkirche von Attinghausen haben erwiesen, dass um 1100 ein befestigtes Herrschaftzentrum mit Sakral- und Wehrbau in Attinghausen bestand. Diese Erkenntnis scheint der bisherigen Auffassung, wonach die Freiherren von Attinghausen um 1200 als Exponenten der zähringischen macht aus dem Bernbiet nach Uri gezogen seien, zu widersprechen. Wem aber gehörte um 1100 der Herrschafts- und Güterkomplex in Attinghausen? Waren die ältesten Bewohner der Burg mit den Herren von Signau-Schweinsberg stammesverwandt, was besagen würde, ein kolonisatorischer Vorstoss jenes Adelsgeschlechtes ins Reusstal habe bereits im 11. oder 12. Jahrhundert stattgefunden? Oder waren die frühesten Besitzer der Anlage eine unbekannte Adelsfamilie, die sich erst später mit der Sippe von Signau-Schweinsberg verschwägerte und dieser den Besitz in Uri überliess? Bevor die Entstehungszeit der ältesten Burganlage von Attinghausen nicht genauer untersucht ist, müssen diese für die Urnerische Geschichte gewiss nicht unwichtigen fragen offenbleiben.

Die Sondierungen haben zur Erforschung der Blütezeit der Freiherren von Attinghausen, also zwischen 1250 und 1350, keine neuen Erkenntnisse beigebracht. Erst die archäologische Untersuchung der drei anderen Burgstellen in Attinghausen (der Burgruinen Schweinsberg, Bürgli, Schatzbödeli), auf welchen vermutlich Ministerialen der Freiherren von Attinghausen sassen, dürfte uns wohl in der Forschung weiterbringen.

Ungeachtet der durch die Grabungsergebnisse von 1979 geänderten Fragestellung nach den Gründern der ältesten Anlage von Attinghausen sei hier die Geschichte der Freiherren von Attinghausen kurz skizziert: 


Wohnturm Schweinsberg in Attinghausen, steht unter Kulturgüterschutz  (Bild: Roland Zumbuehl)
Der Schweinsberg

Der Schweinsberg, ein Wohnturm aus dem Mittelalter auf markanter Felskuppe über dem alten Gotthardweg

Nordwestlich der Kirche und in der Nähe der Burgruine Attinghausen befindet sich das heute noch bewohnte feste Haus der von Schweinsberg. Der Wohnturm erhebt sich auf markantem Hügel über dem alten Wegstrang gegen den Palanggen. Von her überblickt man das Gelände bis nach Seedorf und zum See hinunter. Der Bau bildet im Grundriss ein Rechteck von 10.5 auf 14 Meter und ragt noch rund 11 Meter in die Höhe. Die Mauerstärke variiert zwischen 1,4 und 1,6 Metern. Das Haus bildet einen mächtigen Kubus, der aus unbehauenen Steinen ausgeführt ist. Im oberen Teil bestehen auf zwei Fluchten die Wände aus Holzbohlen, so dass der Eindruck entsteht, ein Bauernhäuslein sei in den Turm geschoben worden.

Im Innern ist parallel zur westlichen Aussenmauer eine zweite, wenn auch schwächere Wand in einem Abstand von vier Metern aufgeführt. Dadurch entstand in der Südwestecke ein gefangener "Innenturm" von 4 auf 4.8 Meter Grundfläche. Im Erdgeschoss liegt der Kellerraum und im ersten Obergeschoss die hohe, geräumige Wohnstube, die geheizt werden konnte. Dieser repräsentative Raum war mit Wandmalereien der Kreuzigung und Jagdszenen um 1480 ausgeschmückt worden. Diese sind heute leider zum grössten Teil zerstört. Der Raum wird nun als Küche benützt. Der ursprüngliche Zugang lag an der Nordseite, wo der Eingang heute als Fenster dient. Die Burg betritt man durch eine Türe an der Südseite. Die einzelnen Räume des Gebäudes sind über eine eichene Wendeltreppe zu erreichen. Spuren der früheren Schneckenstiege sind noch sichtbar. Im zweiten Obergeschoss lässt sich die innere Unterteilung des Gebäudes nicht mehr verfolgen. Die Mauer des "Innenturms" aber reicht auf der Südseite, im Gegensatz zu jener der äusseren Hauptmauer, bis unters Dach. Von einer Ringmauer und von einem Burggraben haben sich geringe Spuren erhalten.

Über die genaue Entstehungszeit der Anlage ist nichts Näheres bekannt. Ihre Anfänge reichen wohl ins 13. Jahrhundert zurück. Die Bewohner, die Edelknechte von Schweinsberg, waren Dienstleute der Freiherren von Attinghausen.

Als erster Vertreter der Attinghausen tritt 1240 ein Ritter Ulricus dominus de Attinghusen zusammen mit anderen Adligen aus der Gegend um Bern als Zeuge auf. Dieser Ulrich nannte sich in weiteren Urkunden abwechselnd von Attinghausen und von Schweinsberg im Emmental. Sein Wirkungsfeld aber lag wohl hauptsächlich im bernischen Gebiet.

Die Ministerialenfamilie von Schweinsberg spielte in der Geschichte des Lands Uri keine selbständige Rolle. Wir finden sie als Zeugen in Urkunden, in welchen immer auch die Freiherren von Attinghausen aufgeführt sind. Als Wohltäter und Förderer des Klosters Seedorf hingegen haben sie sich grosse Verdienste erworben. Vor allen anderen ist hier ein Konrad von Schweinsberg zu nennen, der ins Heilige Land zog und dort früh starb. Sein Sohn Konrad trat in hohem Alter ins Kloster ein. Dessen Söhne Rudolf und Egloff finden wir zusammen mit anderen Ministerialen als Zeugen bei der Schlichtung eines Alpstreites zwischen dem Kloster Engelberg und dem Stand Uri. Aus den Jahrzeitbüchern von Attinghausen und Seedorf lernen wir die Familie Egloffs näher kennen: Egloff war mit Agnes von Wallis verheiratet. Der Ehe entsprossen drei

Kinder, der Sohn Johann und die beiden Töchter Elisabeth und Veronika. In den Urkunden lassen sich diese drei Kinder aber nirgens nachweisen. Johanns Sohn Ulrich, mit Hemma Kaufmann verheiratet, begegnet uns 1370 in Urkunden als Zeuge. Mit ihm starb das Dienstmannengeschlecht aus.

Wie unbedeutend diese Familie für Uri war, zeigt sich nicht nur darin, dass sie immer in Verbindung mit den Freiherren von Attinghausen auftrat, sondern auch darin, dass sie mit dem Aussterben der Attinghausen ebenfalls aus den Urkunden und damit von der politischen Szene verschwindet.

Die Burg ging im 16. Jahrhundert in den Besitz der Familie Zick in Attinghausen über. 1619 übernahm der durch seine Bärenkräfte und seinen Heldenmut berühmte Leutnant Pompeus Tresch das Gebäude. Vermutlich gehörte die Anlage auch einige Zeit dem Frauenkloster Attinghausen. Nach zahlreichen Handänderungen gelang es gegen Ende des 19. Jahrhunderts der Familie Tresch, die Burg wieder in ihren Besitz zu bringen.

 Pfarrkirche St. Andreas in Attinghausen  (Foto: Roland Zumbuehl) 

Die Sage von Greiss auf Surenen

Viele hundert Jahre sind vergangen, seit ein Knabe in der Alp Surenen die Schafe hütete. Damals gehörte die Alp den Engelbergern. Der Knabe, wenn es ihm an Speise gebrach, schlachtete er ein Schaf, und als er dann mehrere Häute beisammen hatte, trug er sie in der Nacht nach Ursern zum Vertausch um Käse und Zieger. Eben war dies geschehen, als eine Truppe Lämmer und Schafe aus dem Welschland her anlangte. Die gefielen ihm ungemein viel mehr als die seinigen. In seiner ganzen Hirte besass er keine solche, noch hatte er je dergleichen gesehen. Er begann um ein junges Lamm inständig zu bitten und flehen. Man hielt ihm vor, er habe ja kein Geld zu bezahlen und sei nur ein Bettelbub. Aber der Surenenhirt gab nicht nach, sondern bettelte fort. Endlich verhiessen sie ihm das Lämmchen, wenn er kniend einen Rosenkranz beten wolle. Denselben habe er von der Mutter gelernt, aber wenig geübt, gab er zur Antwort, erfüllte dann diese Bedingung und erhielt den Lohn.

Im Jubel kehrte der Knabe über die Surenenecke in seine Alp zurück. Seine Liebe zu dem erworbenen Tierlein war über alle Massen gross. Es musste mit ihm essen, schlafen und immer um ihn sein. Endlich dachte er, es sollte auch getauft werden, er sei es ja auch. Er ging deshalb über die Surenenecke hinab nach Attinghausen in die Kirche, wo er den Taufstein aufbrach und Taufwasser nahm. Auf dem gleichen Wege heimgekehrt, taufte er das Lamm nach dem christlichen Glauben. O hätte er das doch um Gottes Willen nicht gefrevelt! Kaum war es geschehen, erbrauste ein furchtbarer Sturm in den Lüften, das lieblichste niedliche Lamm verwandelte sich in ein furchtbares Ungeheuer, das sogleich seinem Meister, dem Hirtenbub, durch ein grauenvolles Ungewitter die Hütte zerschmetterte, dann über ihn her stürzend die Sakramentenschändung in seinem Blute rächte. Weder Menschen noch Vieh verschonte und duldete das Gespenst mehr auf Surenen. Die Leute nannten den schrecklichen Unhold fortan "das Greiss".

Den Engelbergern verleidete die Alp, und sie gaben sie den Urnern wohlfeil um ein Viertel Bemsch, will sagen Zweischilliger, hin. Den Urnern tat sie ebenso wenig gut, und sie waren übelfeil daran wie die früheren Besitzer. Einmal nun, als der wohlweise Rat von Uri beisammen sass im Wirtshaus zum Löwen, welches, nebenbei erwähnt, das älteste sei im Dorfe, und sie von der Surenen-Geschichte erzählten, da lauschte ein fremdes Männlein zu. Selbiges mischte sich bald auch in die Sache und sprach, es könne ihnen helfen, wenn sie ihm seinen kleinen Becher zweimal mit Wein füllten. Gerne stillten sie ihm den Durst. Das Männlein riet alsdann, ein silberweisses Stierkalb sieben Jahre lang und jedes Jahr an einer Kuh mehr als im vorigen Jahr säugen zu lassen, bis also sieben Kühe seien und das Stierkalb sieben Jahre alt. Dann sei es fähig das Greiss zu töten. Jetzt hatten sie Not, ein solches zu bekommen. Endlich fanden sie eines bei einem Schächentaler, dem sie es gut bezahlen wollten; jedoch verlangte er nichts dafür. So gut genährt, wurde das junge Tier zum Erstaunen stark und gross. Wie es vierjährig war, durfte niemand mehr bei und mit ihm sein wegen seiner Wildheit und Unbändigkeit. Sie schafften darum den Stier nach der Alp Waldnacht gegen die Surenen hin. Noch immer nennt man diesen Stall den "Stierengaden", wo die sieben Jahre voll wurden.

Nun sollte nach des weisen Männleins Rat ihn eine reine Jungfrau, die edelste des Landes, von da dem Greiss entgegenführen. Sie waren wieder übel dran, bis die rechte in Attinghausen gefunden war. Sie wollte es wagen, reinigte sich vorher im Kloster zu Seedorf und rüstete sich auf den Tod. Von der Kirche zu Attinghausen ging in Prozession viel Volk mit der Jungfrau, die weissgekleidet war, bis zum Stierengaden. Hier musste die reine Magd den wilden Stier an ihre Haarbänder knüpfen und dann über die Egge nach Surenen lenken. Sonst unbezähmt, fügte er sich ohne Widerstreben. Der Jungfrau wurde nach des Männleins Bedeuten weiter gesagt: Der Stier, in die Nähe des Greiss gekommen, werde dasselbe wittern und ihr davon ein merkbares Zeichen geben, worauf er loszubinden sei. Schnellen Fusses habe sie, wenn dies geschehen, den Rückzug zu betreten und dürfe unter keinen Umständen umschauen, sie möge hören, was sie wolle. Alles, der letzte Punkt ausgenommen, verlief in dieser Weise. Von der nötigen Ferne her schaute das Volk höchst gespannt nach jener Gegend, wo man den Kampfplatz vermutete, und wartete den Ausgang ab. Schreckliches Gebrülle wurde vernommen, und eine die Sonne verfinsternde Rauchsäule stieg auf, dann sah man die weissen Gewande an einem Felsen herumfliegen. Danach herrschte tiefe Stille, während der Rauch schwand. Da sprachen sie: "Jetzt ist der Kampf aus, wir wollen hin und schauen, was geschehen ist." Von der Jungfrau sahen sie nichts mehr. Das Greiss, übel zugerichtet, war getötet. Der sieghafte Riesenstier lag ebenfalls tot im Alpbache da, wohl deshalb, weil er nach der Kampfeshitze allzugierig aus demselben getrunken hatte. Seither wird das Wasser Stierenbach genannt. An einem Felsen zeigt man seine Fussspuren, die er im Streite geschlagen. Vom Greiss war die Gegend befreit. Von diesem Stier habe man das berühmte, seit den italienischen Kriegen verlorene Schlachthorn, den "Uristier", hergehabt.

Surenen

Attinghausen Tourismus

Attinghausen ist ein attraktiver Ort mit ländlicher Prägung und hoher Lebensqualität. Wegen seiner zentralen Lage ist Attinghausen der ideale Ausgangspunkt für Wanderungen, Ski- und Bergtouren.

Die ansteigenden Hänge sind für die landwirtschaftliche Nutzung sehr gut geeignet und die Weidegebiete von Waldnacht, Gitschental und Surenen bieten der Alpwirtschaft ideale  Voraussetzungen. Das freiherrliche Geschlecht von «Attinghausen-Schweinsberg» spielte eine wichtige Rolle in der jungen Eidgenossenschaft. Sehenswürdigkeiten, die es zu bestaunen gibt:

- Ruine der Freiherrenburg von Attinghausen

- Wohnturm «Schweinsberg»

- Pfarrkirche St. Andreas

- Brückenhaus

- verschiedene Kapellen

 

Surenen
Geographie

Attinghausen liegt am linken Ufer der Reuss auf rund 469 Meter über dem Meer. Das Gemeindegebiet wird im Norden vom Palanggenbach im Gitschental und im Süden vom Angibach im Alptal Waldnacht und vom Bockibach, der durch das enge Bockitobel fliesst, begrenzt. Im Westen gehört jenseits des Surenenpasses das grosse Alpwirtschaftsgebiet Surenen bis nahe an die Ortschaft Engelberg zu Attinghausen. Das Surenental liegt zwischen den Bergketten des Wissigstocks im Norden und des Schlossbergs im Süden.

80 Hektaren oder 1,7 % der Gemeinde sind Siedlungsfläche. Davon sind 45 ha Gebäude- oder Industrieareal und 15 ha Verkehrsfläche. Bedeutender ist die Landwirtschaftsfläche mit 1651 ha oder einem Anteil von 35,3 %. Darunter befinden sich 1417 ha Alpgebiete. 820 ha oder 17,5 % des Gemeindeareals sind von Wald und Gehölz bedeckt. Unproduktives Gebiet bedeckt grosse Flächen des Gemeindegebiets, nämlich 2131 ha oder 45,5 %. Es handelt sich dabei beinahe ausschliesslich um vegetationslose Flächen im Hochgebirge oder unproduktive Vegetation.

Attinghausen grenzt im Westen an die Obwaldner Gemeinde Engelberg, im Norden an Isenthal und Seedorf UR, im Osten an Altdorf UR, Bürglen UR, Schattdorf und Erstfeld und im Süden an Wassen.

Lage im Kanton Uri

Wappen
Geteilt; oben in Gelb ein wachsender, rotgezungter schwarzer Adler, unten dreimal geteilt von Schwarz und Gelb. Das Attinghauser Wappen entspricht demjenigen der freiherrlichen Familie von Schweinsberg-Attinghausen, welche im 13./14. Jahrhundert in Uri eine mächtige Stellung einnahm und die Burg von Attinghausen bewohnte. Die genaue formale Festlegung erfolgte durch den Gemeinderat im Jahre 1990 (Die Urschweiz und ihre Wappen, S. 35).




Links

Zitat Text "Freiherren von Attinghausen" und "Burgruinei"  aus:   http://www.swisscastles.ch/Uri/attinghausen_d.html

Zitat Text "Der Schweinsberg"  aus:   https://www.zebis.ch

Zitat Text "Die Sage von Greiss auf Sureneni"  aus:   https://www.attinghausen.ch

Zitat Text "Attinghausen Tourismus"  aus:   http://www.attinghausen-tourismus.ch

Bilder "Surenen"  aus:   http://www.attinghausen-tourismus.ch

Zitat Text "Geographie" und alle anderen Bilder aus:   https://de.wikipedia.org/wiki/Gurtnellen

Zitat Text "Wappen"  aus:   http://www.urikon.ch/UR_Gemeinden/GE_Attinghausen.aspx



Manfred Stammler,  21. Juli 2019



Attinghausen

Portrait der Gemeinde Attinghausen, Uri, Schweiz


Verknüpft mitFranz Josef Aengstler; Johann Aengstler; Jost Aengstler; Maximus Aengstler; Johann Heinrich von Beroldingen; Johann Kaspar von Beroldingen; Anna Maria Bessler von Wattingen; Jakob Bessler von Wattingen; Kaspar Conrad (Cuoret); Maria Anna Conrad (Cuoret); Johann Jakob Josef Dittli; Joseph Dittli, des Raths; Anna Maria Furrer; Johann Karl Furrer; Anna Maria Gisler; Franz Gisler, des Raths; Hieronymus Stephan Gisler; Johann Jakob Gisler; Magdalena Gisler; Maria Anna Ursula Gisler; Maximus Gisler; Sebastian Gisler; Stephan Gisler; Andreas Herger; Johann Kaspar Herger; Magdalena Herger; Ursula Herger; Johann Josef Leonz Huber; Johann Sebastian Huber; Stephan Huber; Johann Imhof; Johann Sebastian Imhof; Josef Maria Imhof; Maria Katharina Imhof; Johann Jakob Schillig; Katharina Barbara Schillig; Martin Stadtler (Stadler); Melk Anton Maria Würsch; Franz Martin Zgraggen; Johann Jakob Zgraggen; Josef Martin Zgraggen; Josef Martin Zgraggen; Niklaus Zgraggen; Pius Zgraggen; Johann Zgraggen, Uri, Schweiz; Johannes Zumbrunnen; Walter III (Waltert) Zumbrunnen

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