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Bellinzona (Bellenz)

Geschichte, Giornico, Calonico, St. Pietro e Stefano, Geographie und Wappen

Bellinzona (italienisch [belinˈtsona], im lombardischen Dialekt der Umgebung einfach Bórgh [bork] ‹Stadt›; deutsch veraltet Bellenz; französisch Bellinzone, früher auch Bellence; rätoromanisch Audio-Datei / Hörbeispiel Blizuna?/i, lateinisch Bilitio) ist eine politische Gemeinde im Kreis und Bezirk Bellinzona sowie Hauptort des italienischsprachigen Kantons Tessin in der Schweiz. Mit seinen rund 43'000 Einwohnern ist Bellinzona nach Lugano die zweitgrösste Stadt des Kantons. Die Einwohner werden Bellenzer genannt, italienisch Bellinzonesi.
In Bellinzona hat das Bundesstrafgericht seinen Sitz.

Bellinzona Panorama  (Foto: Ramessos)

Geschichte 

Bellinzona wird erstmals 590 als ad Bilitionem erwähnt, danach als Bellitiona, Belizona, Berinzona, Beliciona, Birrinzona und 1168 Birizona. Die Bedeutung ist nicht restlos geklärt; am ehesten liegt dem Ortsnamen ein Personenname Belitius oder Bellitio zugrunde.

Der Ort war als Schlüssel zu den Pässen St. Gotthard, Lukmanier und San Bernardino von grosser strategischer Bedeutung. Archäologen vermuten, dass die Stadt seit 4000 Jahren bewohnt wird. Die Siedlungen aus der Jungsteinzeit, so wird vermutet, befanden sich auf dem Hang, wo heute das Castelgrande steht. Dieser Ort war leicht zu verteidigen und gesichert vor Hochwasser des Tessin. Seit dem 1. Jahrhundert vor Christus gehörte der Ort zum Römischen Reich. Dieses baute die Festung auf dem Hang weiter aus. Im fünften Jahrhundert gelangten die Langobarden aus dem Süden in die Stadt und bauten auf dem Hang des heutigen Castelgrande eine erste, grössere Befestigungsanlage. 590 wurde die Stadt von den Franken angegriffen und bei dieser Gelegenheit erstmals schriftlich erwähnt. Im 11. und 12. Jahrhundert wurden die vermutlichen Holzpalisaden durch Steinmauern ersetzt.

Giovanni Visconti und Luchino Visconti belagerten 1340 die Stadt zwei Monate lang und eroberte sie schliesslich; sie war schon damals dank dem Gotthardpass ein wichtiger Handelsort. 1291 gründete sich die Eidgenossenschaft und wurde immer mächtiger. Die Herzöge von Mailand wollten die Stadt nicht verlieren und rüsteten sie deshalb stark auf. So entstanden als Verteidigungslinie gegen Norden die drei Burgen, von West nach Ost das Castelgrande, Castello di Montebello und Castello di Sasso Corbaro. 1499 griff Ludwig XII. von Frankreich mit seinen Truppen Bellinzona an und nahm es in Besitz. Die Einwohner verkauften die Stadt heimlich an die Eidgenossen. Im Ewigen Frieden von 1516 gab Frankreich die Stadt an die Schweizer ab. Dennoch versuchte Frankreich immer wieder, sie zurückzukaufen, was die Eidgenossen ablehnten. 1803, mit der Gründung des Kantons Tessin, gingen die drei gut befestigten Burgen um Bellinzona in den Besitz des Kantons über.

Nachdem im neuen Kanton vorerst wechselweise Bellinzona, Locarno und Lugano Hauptstädte gewesen waren, wurde Bellinzona 1878 definitiver Sitz von Kantonsregierung und -parlament.

Im Jahre 1907 wurden die bislang selbständigen Gemeinden Carasso, Daro und Ravecchia nach Bellinzona eingemeindet. Am 2. April 2017 folgten die benachbarten Gemeinden Camorino, Claro, Giubiasco, Gnosca, Gorduno, Gudo, Moleno, Monte Carasso, Pianezzo, Preonzo, Sant’Antonio und Sementina. Die Fläche der politischen Gemeinde vergrösserte sich damit im Jahr 2017 von 19.1 auf 164,96 km², und die Einwohnerzahl erhöhte sich von knapp 19'000 auf über 42'000.

 Castelgrande in Bellinzona  (Foto: JoachimKohlerBremen)
Giornico

Giornico ist ein Dorf in der Leventina, bekannt wegen der “Battaglia dei Sassi Grossi“ (die Schlacht der grossen Felsen), die 1478 stattfand. Es handelte sich um eine wichtige Begebenheit in der Geschichte der Schweiz, bei der die Eidgenossen die Mailänder besiegten und so die Kontrolle über den Gotthardpass errangen. Das Dorf liegt in einer Flussgabelung, die ein eigenartiges Inselchen bildet und sich einer raren Perle rühmen kann: die Kirche San Nicola, ein herausragendes Zeugnis der Romanik. Interessant ist auch das ethnografische Museum, in dem der Besucher, unterstützt von interaktiven Spielen, historischen Dokumente und Fotografien, sich einen Eindruck über die Vergangenheit des Tales machen kann.

Die wichtige "Battaglia dei Sassi Grossi”, bei der Ende 1478 die Eidgenossen die Mailänder besiegten, wird mit einem Monument des Tessiner Bildhauers Apollonio Pessina erinnert, das am nördlichen Dorfeingang steht. Im historischen Zentrum, von der Kantonsstrasse in zwei Hälften geteilt, befinden sich einige mittelalterliche Bauwerke. Der obere Teil umrundet die Torre Attone aus dem 14. Jhd. mit seinem quadratischen Grundriss, seit Jahren eingerüstet und in Erwartung restauriert zu werden. Im unteren Teil, zwischen der Kantonsstrasse und dem linken Flussufer sind noch Spuren der alten Strasse vorhanden.

Kernanlage der grossen Befestigungsanlage Montebello oberhalb von Bellinzona (2005)  (Foto: Berger)
Calonico

Das Dorf wurde 1227 als Callonego erstmal erwähnt; es war, wahrscheinlich zusammen mit Lavorgo, eine der fünf Degagne der Nachbarschaft Chiggiogna und gehörte zur Pfarrei Chiggiogna, von der es sich 1602 abspaltete. Die seit 1300 nachgewiesene Pfarrkirche San Martino wurde abseits vom Dorf in malerischer Lage auf einem die mittlere Leventina beherrschenden Felsvorsprung erbaut. 1834 hatte das Dorf unter dem Sturm vom 27. August zu leiden.

Stiftskirche St. Pietro e Stefano

Dieser Renaissancebau wurde nach dem Entwurf eines Meisters, Tomaso Rodari aus Maroggia (Bildhauer und Architekt des Dorns von Como), erstellt. Die stattliche, aus dunklem Castione-Stein erbaute Fassade, überragt die hohe Freitreppe und schliesst zwischen den kleinen, noch im Frührenaissancestil gehaltenen seitlichen Portalen, das prächtige, im oberen Teil mit dem Stadtwappen verzierte Hauptportal ein. Von besonderem Interesse ist die grosse zwölfstrahlige Rosette (5 m Durchmesser) die Ende 15. Jhdt, anfangs 16. Jhdt entstanden ist. Das einschiffige Innere aus dem 16.-17. Jhdt ist reich an Stukkaturen aus dem 17. Jhdt und weist eine doppelte Reihe von Seitenkapellen auf, die mit Gemälden aus verschiedenen Jahrhunderten, vorwiegend aus dem 17. Jhdt, geschmückt sind und von berühmten Malern stammen wie Pier Francesco Mazzucchelli (genannt Morazzone), Camillo Procaccini, Bartolomeo Roverio (genannt il Genovesino). Unter den Fresken ist besonders das 1770 entstandene Werk des Locarnese Giuseppe Antonio Felice Orelli "Musizierende Engel" erwähnenswert. Wunderschön ist das Hauptaltarbild, eine dem Maler Simone Peterzano zugeschriebene Kreuzigung Sehenswert ist die im Jahre 1784 entstandene Kanzel aus poliertem farbigem Gips (eine Nachahmung kostbaren Marmors) und das sich beim Eingang (links vom rechten Seitenportal) befindende Weihwasserbecken. Dieses wird auch "fontana trivulziana" genannt, da es im 15. Jh. ein Schlossbrunnen im Besitz der Herren Trivulzio von Mesocco war. Eine getreue Nachahmung dieses Kleinods lombardischer Bildhauerkunst des 15. Jhdts steht im Schloss der Sforza in Mailand. Die Collegiata, Eigentum der Stadt Bellinzona, ist Sitz der katholischen Kirchgemeinde des Stadtzentrums. Sie wird von einem Kapitel von Chorherren unter einem Erzpriester verwaltet. An die nördliche Seitenmauer der Kirche lehnt sich das Gebetshaus der Hl. Martha. Das aus dem 17. Jhdt stammende Gebäude wurde im 18. Jhdt umgebaut und in den Jahren 1967/1968 ganz renoviert. Das Innere besteht aus einer rechteckigen Aula, deren Wände im Jahre 1762 vollständig mit Fresken varesischer Maler überdeckt wurden. Auch die gewölbte Decke ist bemalt und stellt den "Triumpfder Hl. Martha" dar, der Heiligen, deren Holzstatue aus dem 17. Jhdt auf dem 1763 geweihten Marmoraltar thront.

Blick auf die Kirche Collegiata SS. Pietro und Stefano vom Castelgrande  (Foto: Wikimedia)
Geographie

Bellinzona liegt in der Talebene östlich des Flusses Tessin am Fuss des Gotthardmassivs nahe der Grenze von Sopraceneri (nördliches Tessin) und Sottoceneri (Südtessin). Aus der mit der Magadinoebene direkt verbundenen Ebene ragen Felsen heraus, die in der letzten Eiszeit geformt wurden.

Nachbargemeinden sind Arbedo-Castione, Lumino, San Vittore, Roveredo, Riviera, Sant’Antonino, Cugnasco-Gerra, Vogorno, Lavertezzo und Isone sowie ferner auf italienischem Territorium Cavargna, San Nazzaro Val Cavargna und Gravedona ed Uniti.


Bezirk Bellinzona, Lage 


Wappen




Links

Zitat Texte und Bilder aus:   https://de.wikipedia.org/wiki/Bellinzona

Zitat Text "Giornico" aus:   https://www.ticinotopten.ch/de/doerfer/giornico-leventina

Zitat Text "Calonico" aus:   https://de.wikipedia.org/wiki/Calonico

Zitat Text "Stiftskirche St. Pietro e Stefano" aus:   https://www.ticino.ch/de/commons/details/Stiftskirche-St-Pietro-e-Stefano/2841.html



Manfred Stammler,  4 August 2019

Bellinzona

Portrait der Gemeinde Bellinzona


Verknüpft mitJohann Heinrich Achermann; Oberst Sebastian Heinrich Crivelli; Landvogt Johann Gamma, des Raths; Bartholome Gerig; Landvogt Johann Imhof von Blumenfeld; Jakob Jauch, des Raths; Ritter Johann Kuon; Landvogt und Oberstleutnant Johann Karl Lusser; Landvogt Heinrich Püntener; Johann Andreas (Christoph) Tatti

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